Beiträge von AmSee13

    Das meinte ich mit Suchtverhalten. Nur weil man etwas gerne macht oder viel Zeit damit verbringt, hat es noch keinen Suchtcharakter.

    Das sehe ich doch ganz ähnlich.

    Sehnsucht, immer hier sein zu müssen, habe ich nicht.
    Tatsächlich gibt es in meinem realen Leben noch so vieles anderes, was mich ernsthaft interessiert und womit ich gerne meine Zeit verbringe.

    Eine Sucht über die Bruttobeschäftigungseit zu definieren, halte ich für nicht zielführend.

    Sagen wir‘s mal so, wenn man selbst oder andere, die näher mit einem zu tun haben, auf eine mögliche Problematik aufmerksam wird, kann es hilfreich sein, mal die Beschäftigungszeit näher zu definieren.

    Da mein Mann mich immer mal wieder damit genervt hat, ich würde zu viel Zeit mit diesem Forum hier verbringen, habe ich das gegenüber meinem Therapeuten mal angesprochen. Er hat mir genau diese Frage gestellt: Wie viel Zeit verbringen Sie denn täglich mit Ihrer Forumstätigkeit?

    Nun, da kam ich zeitweise durchaus auf ein paar mehr Stunden….

    Ein ernsthaftes Problem? - Sah und sehe ich selbst nicht so, dass ich da ein Problem hätte.
    Zum einen kostete es aus meiner Sicht deswegen so viel Zeit, weil ich die Verantwortung für die Moderation hier mehr oder minder allein trug. - Was sich Dank Sparkassen_Helga und Tom inzwischen geändert hat. 👍 -

    Zum anderen sah und sehe ich darin den Vorteil, mein Wissen und meine Erfahrungen mit anderen teilen zu können. Wenn’s jemandem zur Selbsthilfe nützt, finde ich persönlich die Zeit, die ich investiert habe, sinnvoll genutzt. Und ich selbst hab dabei wiederum soziale Interaktion, die über Smalltalk (der mir nicht besonders liegt) hinaus geht. Was ja wiederum auch gut sein soll.

    Vielleicht sehe ich das komplett falsch, aber Deine Beschäftigung mit den Süchte erscheint mir schon fast zwanghaft.

    Ich hab diese Beschäftigung mit Sucht und Suchtverlagerung in einer anderen SHG kennengelernt. Ich hab das eher als Angst schürend empfunden, aber für den einen oder anderen dort war das offenbar wichtig und deswegen immer wieder Thema.

    Ich zitiere mal hier aus deinem Post in Threat RE: Das kann weg! .

    Als Beispiel: Habe ich soviel Angst vor Suchtverlagerung ins Netz, weil ich Sucht-Andockstationen im Hirn habe, die liebend gern auf ein neues Suchtmittel anspringen wollen? Oder gaukelt mir meine Angst vor, alles kann gefährlich sein?

    Leider werde ich wahrscheinlich keine befriedigende Antwort finden. Aber es würde es mir leichter machen zu agieren. Beim Alk, Nikotin, Thc ist es klar: Null. Also heute. Aber beim Internet? Schmerzmitteln? So Sachen...

    Ich vermute, dass beides bei dir eine Rolle spielt. Da du mit dem Thema „Sucht“ und einer möglichen Suchtverlagerung vertraut bist, dürften auch solche Emotionen wie Angst davon berührt werden. Und weil du, wie du von dir geteilt hast, auch mit einer Angststörung zu tun hast, dürfte auch das bei dir eine Rolle spielen.

    Was würde es dir also leichter machen, damit umgehen zu können?

    Ich frage mal direkt nach: Beschäftigst du dich bereits so viel mit dem Internet, dass du reale soziale Kontakte und das alltägliche Leben mehr und mehr vernachlässigst?

    Wenn ja, wären das deutliche Warnhinweise, dass du ein ernsthaftes Problem entwickelst oder bereits entwickelt hast.

    Nach dem, was du bislang so von dir geteilt hast, gehst du im realen Leben regelmäßig einer ganzen Reihe von sozialen Interaktionen nach. Das klingt bislang nicht danach, dass du das vernachlässigen würdest…..

    Ich selbst weiß wohl um die „Gefahr“ von Internetsucht, aber ich setze mich mehr oder minder bewusst mit den Vor- und den Nachteilen meiner Beschäftigung mit dem Internet auseinander.

    Vor einer ganzen Weile habe ich irgendwo mal was über den Zusammenhang von sozialer Interaktion und bis ins hohe Alter geistig fit Bleiben gelesen. Dabei ging es, wenn ich mich recht erinnere, um das Geheimnis, wie drei Frauen in hohem Alter dermaßen geistig fit geblieben sind. Das Geheimnis lag in ihren vielfältigen sozialen Interaktionen.

    Und so ein Forum wie dieses hier ermöglicht in gewisser Weise durch den persönlichen Austausch eben auch soziale Interaktion. Darin sehe ich einen Vorteil, den ich gerne für mich nutze.

    Zeitweise bin ich sehr viel hier in diesem Forum und, klar, mache ich mir darüber auch so meine Gedanken, ob das dann zu viel ist. Andererseits aber leiden meine realen sozialen Kontakte und mein alltägliches Leben nicht darunter und ich habe nicht den Eindruck etwas anderes, was für mein körperliches und psychisches Wohlergehen wichtig ist, zu vernachlässigen.

    Kurz und gut:

    Ich mache mir wegen einer möglichen Suchtverlagerung keine Sorgen, gehe mit einem gewissen Vertrauen in mich an die Sache heran, ich beobachte, ziehe zwischendurch immer mal wieder Bilanz und ändere etwas, wenn ich den Gefühl habe, dass etwas aus dem Ruder läuft.


    Wenn du das Gefühl hast, dass du zu viel im Internet bist, dann stell doch mal fest, wie viele Stunden das täglich sind. Wenn du das Gefühl hast, dass es zu viel ist, dann vertraue deinem Gefühl, begrenze die Zeit und mach ganz bewusst etwas anderes, was du gerne tust.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Für mich die spannende Frage: Wie wird Sucht in den verschiedenen Bereichen klassifiziert? Bei Alkohol gibt es ja, glaube ziemlich eindeutige Richtlinien?

    Ich gestehe, dass mich das nicht wirklich interessiert, ob und wie Sucht in den verschiedenen Bereichen klassifiziert wird. Mich interessiert inzwischen eigentlich nur noch, was für mich selbst von Belang ist. Und von Belang wäre dieses Thema im Zusammenhang mit dem Sammeln von Materialien für potentielle Projekte nur, wenn ich da ernsthaft einen gewissen Leidensdruck verspürte, und wenn ich den Eindruck hätte, dass mir die Kontrolle entgleitet. Solches Ausmaß hat das bei mir aber nicht.

    Ich für mich sortiere. Auch im Hinblick auf meine Kinder. Da habe ich öfter mal eine Sache in der Hand und denke: Das kommt alles wohl in einen Container. Wobei ich im Testament stehen habe, dass bitte vorab gemeinnützige Organisationen informiert werden sollen.

    Ich sortiere ebenfalls, durchaus auch im Hinblick darauf, was mit dem Kram geschieht, wenn ich einmal nicht mehr da bin. Ich hab meiner Familie gesagt, dass sie gerne alles wegwerfen oder verschenken dürfen. Und ich hab das sehr ernst gemeint, gerade deswegen, weil ich selbst emotional damit zu kämpfen hatte (und hab), Dinge nicht wegwerfen zu können, weil sie für meine lieben verstorbenen Verwandten eine Bedeutung hatten.

    So, wie ich das hier verstanden habe, geht es hier nicht direkt um Sucht im eigentlichen Sinne, obwohl auch ich mit dieser, wie Stilles Wasser das im Eingangspost genannt hat, „westlichen Lebensweise gesegnet“ bin, dass sich unbewusst (bei mir auch bewusst) Dinge ansammeln.

    Dieses

    a. Das ist doch viel zu schade zum wegschmeissen
    b. Das kann man ja irgendwann ja noch brauchen

    ist bei mir tief eingeprägt.

    Ich finde diese Einstellung, die ich im Wesentlichen durch meine Großeltern und unsere Familiensituation in jungen Jahren gelernt habe, auch gar nicht verkehrt, ich finde diese Wegwerf-Mentalität unserer Gesellschaft nicht richtig, Nachhaltigkeit und Wertschätzung von Rohstoffen und von der Arbeit, die in der Produktion steckt, sind mir ein ganz besonderes Anliegen. Doch ich fühle ich mich zugleich auch von den vielen Sachen, die sich in meinem Haushalt angesammelt haben, belastet. Und da spielt Vieles bei mir hinein.

    Neu schaffe ich tatsächlich nur äußerst wenig an, Kleidung, seit ich nicht mehr im Beruf stehe, so gut wie gar nicht.

    Was sich tatsächlich ansammelt, sind Sachen für irgendwelche kreativen Projekte. Und ich bin da sehr vielseitig unterwegs. Bei uns in der Gegend sind regelmäßig sooooo viele schöne, alte, wertige Sachen zu verschenken, die mich zu neuen Projekten inspirieren.
    Nur komme ich mit der tatsächlichen Umsetzung der ganzen potentiellen Projekte gar nicht hinterher, was wiederum zu einer Belastung führt bzw. bei mir geführt hat.
    Und DAS ändere ich das gerade.

    Und daneben gibt es noch immer viel zu viel Kram, den ich von meiner Mutter, meinen Großeltern, und meinen angeheirateten Großeltern geerbt habe und bislang aus emotionalen Gründen nicht weggeben konnte….

    Ich habe gerade wieder entsprechend Schwung und Energie, weiter auszusortieren. Und ich bin froh darüber, dass ich das endlich weiter angehen kann. Diesmal fällt es mir nicht ganz so schwer, wie sonst. 👍

    In den vergangenen Tagen hat das eine oder andere bereits neue Besitzer gefunden und sie haben sich über die Sachen gefreut. Win-Win-Situation. 👍

    Dieser Thread geht auf eine Idee von Stilles Wasser zurück, Bilder oder Bildserien zu unseren Themen vorstellen.

    Bilder sprechen manchmal mehr als Worte und Kreativität ist ein menschliches Bedürfnis. Für den einen mehr, den anderen weniger.

    Hier in diesem Threat soll Möglichkeit und Raum gegeben werden, sich in kreativer Weise mit unseren Themen zu beschäftigen. Das könnten eigene Fotos, Comics, Collagen, Bildserien usw. sein.

    Etwas, das nachdenklich macht, etwas, das Seiten der Sucht oder des Alkoholmissbrauchs zum Ausdruck bringt.
    Es könnten aber auch Bilder sein, die Mut machen oder Zuversicht.

    Ein bunte Mischung von Themen wie z.B. „Alkoholismus/ Alkoholmissbrauch“, „Der Blick nach hinten: Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit“, „Der Blick nach vorne: Bewusst nüchtern leben - Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn“, „Achtsamkeit“ und „Selbstfürsorge“ ist denkbar.


    Beim Einstellen von Bildern bitten wir folgende Regeln zu beachten:

    1. Wegen des Urheberrechtes dürfen nur eigene Bilder eingestellt werden. Das Copyright muss unbedingt beachtet werden.

    2. Es muss das Persönlichkeitsrecht bzw. der Persönlichkeitsschutz beachtet werden.
    Wegen des Rechts am eigenen Bild dürfen Fotos, Bilder und Bildnisse grundsätzlich nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder veröffentlicht werden.

    3. Ein paar Sätze zum Kontext, wie das Foto, der Comic, die Collage, die Bildserie entstanden ist und was man sich selbst dazu gedacht hat, sind erwünscht.

    Triggerwarnung: Bilder triggern manchmal auch mehr als Worte….
    Sollte dich ein Bild triggern, scheu dich nicht, hier im Forum das Gespräch darüber zu suchen.

    Moin,

    ist das verwunderlich, dass sich da Katerstimmung einstellt? Du hast investiert, aber das Ergebnis ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die erhoffte Belohnung bleibt in gewisser Weise aus.
    Nach allem, was ich inzwischen darüber weiß, wirkt sich das eben auch neurobiologisch aus, nicht nur in Bezug auf Endorphine. Und das sorgt eben auch für die entsprechende Stimmung.


    Das freut mich für dich, dass du etwas Positives aus deiner gestrigen Tätigkeit ziehen konntest. Das ist wichtig, so etwas wahrzunehmen, und hat ebenfalls Einfluss auf deine allgemeine Stimmung.

    Was ich persönlich gut an diesem Wissen über Neurobiologie finde, ist, dass es für diese oder jene Stimmung eine Erklärung gibt. Wenn ich eine einleuchtende Erklärung gefunden habe, weiß ich, wie etwas einzuschätzen ist und wie ich damit umgehen kann. Ich fühle mich dann nicht mehr so hilflos.

    LG AmSee

    wir beziehungsweise ich tue das, weil ich mein Papa unendlich liebe.

    So, wie das zur Zeit läuft, tust du, wie es aussieht, dir selbst nicht wirklich gut, auch wenn du das aus Liebe tust.
    Du leidest und du verzichtest, wie sich das anhört, auch auf deine Hoffnung, die nächsten sieben Jahre an einer Schule Religionsunterricht erteilen zu dürfen.

    Müsste es nicht so sein, dass du nicht nur deinen Vater, sondern auch dich selbst unendlich liebst? Was hat dein Vater, was hast du davon, wenn DU auf der Strecke bleibst?



    Kennst du den Film „The Father“ mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle? Ich hab ihn erst letztens gesehen, als er noch in der ARD-Mediathek lief, und fand ihn recht aufschlussreich.

    Das finde ich einen seltsamen Ansatz. Wir haben das gemacht, weil wir den Papa geliebt haben, ganz ohne Gewinnabsicht.

    Da gibt es keine Gewinn Absicht! Das Geld ist mittlerweile schon für die Pflege draufgegangen, es gibt also nichts zu erben!

    So, wie ich das verstehe, liegt hier ein Missverständnis des Begriffs „Gewinn“ vor.
    Es geht in diesem Zusammenhang meines Erachtens nicht um einen finanziellen Gewinn, sondern darum, welchen persönlichen Motiven, welchen Wertvorstellungen ich folge und welche Konsequenzen das ggf. für mich hat.

    Ciara sollte sich fragen, aus welchen Motiven sie sich das antut und ob sie die Konsequenzen der Entscheidung, die sie bislang getroffen hat, tragen kann. Und es sieht ganz danach aus, dass sie diese Konsequenzen nicht tragen kann, dass sie sich vollkommen überfordert.

    Ich hab meine Mutter, nachdem wir vor vielen Jahren wieder zueinandergefunden haben, unendlich geliebt. Nach ihrem Schlaganfall brauchte sie eine 24/7 Pflege. Ich hätte sie, weil ich sie so liebte, gerne bei mir zuhause gepflegt, aber damit hätte ich mich (und auch sie) vollkommen überfordert. Ich wäre daran kaputt gegangen.

    Deshalb mussten wir die Wahl treffen, sie in einem Heim unterzubringen, so schwer das auch für alle Beteiligten zu dem Zeitpunkt und den darauffolgenden Jahren auch war.

    Obwohl ich das vom Kopf her klar hatte, habe ich in den darauffolgenden Jahren immer wieder mit einander widersprechenden Emotionen zu tun gehabt, weil es unmöglich war, meine Wertvorstellungen und verinnerlichten Glaubensätze unter einen Hut zu bekommen, ich aber diesen Kompromiss eingehen musste. Ich habe daraufhin für mich in mich hineingehorcht und auseinandergedröselt, welche Emotionen das sind, welche Emotion primär ist. Und mich so nacheinander mit den einzelnen Emotionen beschäftigt.

    Klar war das alles andere als leicht…..

    Hallo Ciara,

    gut, dass du dich meldest, auch wenn der Anlass kein schöner ist.

    Ich kann dir nur raten, ehrlich mit dir selbst zu sein. Und ich halte Reden/ Schreiben für sehr wichtig und hilfreich.

    Was du erzählst, klingt für mich, als wenn du so weitergemacht hast wie bisher….
    Sehe ich das richtig?

    Ich zitiere aus meinem letzten Beitrag an dich:

    Ich denke, dass du für dich selbst ganz klar sortieren solltest, welche Möglichkeiten dir grundsätzlich zur Verfügung stehen, und was jeweils dafür und was dagegen spricht.


    Ja, darüber denke ich ganz bestimmt nach, wie ich nachhaltig eine Lösung finden kann.

    Du kannst auch durch dieses Forum Unterstützung dabei finden. Immer wieder darüber Reden/ Schreiben könnte sehr hilfreich sein.

    Viele Grüße

    AmSee

    Sparkassen_Helga , mir gefällt die Wendung, die der Austausch hier durch deinen letzten Beitrag erhält.

    Wenn das Ganze in Richtung Selbsthilfe geht und für Verhaltensänderungen und eigene Präventionsmaßnahmen genutzt wird, bin ich dabei. Dann geht es ja auch in die Richtung, die ich selbst im Sinn habe und für tatsächlich hilfreich halte.

    Schuld ist nach allem, was ich darüber weiß, ein schwieriger Begriff. Ich hab mich viel mit diesem Begriff beschäftigt.
    In der Regel ist er negativ behaftet, wird äußerst selten im konstruktiven Sinne gebraucht.
    Im Allgemeinen ist „Du hast Schuld“ oder „Ich hab Schuld“ mit einer Opferperspektive verbunden. Nicht selten ist Schuld mit Gedanken von persönlichem oder sittlichem oder ethisch-moralischem Versagen oder Fehlverhalten verbunden, wirkt dann wie ein destruktiver Felsbrocken und fügt noch ein unnötiges, ja sogar dysfunktionales Leid hinzu.

    Wenn du dir beispielsweise ein Bein brichst, dann hast du den natürlichen, physischen Schmerz. Fügst du da noch solche Gedanken wie, „Ich hab ja selbst Schuld.“, „Wie blöd bin ich eigentlich?“ hinzu, ist das wenig hilfreich und führt nicht selten zu weiteren negativen Gedanken oder sogar Gedankenspiralen.

    Und Depressionen und Diabetes Typ 2 ist man ja auch nicht komplett hilflos ausgeliefert.

    Vollkommene Zustimmung. Zum Thema konstruktiver Umgang mit Depressionen könnte ich sogar selbst etwas beisteuern. 😅 Und den konstruktiven Umgang mit Diabetes Typ 2 durfte ich bei meiner Mutter beobachten.

    Andererseits stehe ich erst ganz am Anfang des Prozesses und frage mich auch, ob da noch etwas in meiner Psyche schlummert, das ich noch erkunden muss. Ich setze mich da aber auch nicht unter Druck, alles zu seiner Zeit.

    Dich nicht unter Druck zu setzen, finde ich die richtige Einstellung.
    In „Alles hat seine Zeit.“ steckt so viel Wahrheit und Weisheit drin.

    Möglicherweise schlummert ja auch nichts weiter in deiner Psyche.

    Bei der Sucht finde ich die Schuldfrage schwieriger. Wer ist schuld an der Sucht? Meine Eltern nicht. Als Erwachsener treffe ich meine Entscheidungen selbst. Also bin ich schuld? Ich habe mich aber nicht dazu entschieden süchtig zu werden.

    Ist vielleicht die Sucht schuld?

    Ich persönlich finde die Frage nach der Schuld irrelevant. Inwiefern hilft das denn weiter angesichts des Problems, vor dem man als süchtig Gewordener jetzt steht?

    Wenn du beispielsweise an Krebs oder Depressionen oder Diabetes oder …. erkrankst, hilft es dir da weiter, dich zu fragen, inwiefern du schuld daran bist? - Kaum. Und es ändert ja auch nichts an der Erkrankung.

    Ja, klar habe auch ich mir die Frage gestellt, wie ausgerechnet mir das passieren konnte. Doch im Laufe der Zeit habe ich das überwunden bzw. ist mir diese Frage völlig unwichtig geworden.

    Heute Abend gab’s bei uns Zoodles mit Veganer Bolognese-Sauce. Den Tofu für die Bolognese-Sauce hatte ich die Tage selbst gemacht (zum ersten Mal) und eingefroren, damit er krümelig wird.
    Es war wirklich sehr lecker. 😋 Oben drauf gab’s Parmesan, der gehört für uns einfach zu Bolognese dazu. 😀

    Nur, wie leicht hätte es auch ganz anders kommen können.
    Weder das Umfeld, noch die Eltern noch die Prägungen und (auch genetische) Ursachen hat man sich freiwillig aussuchen können. Es gab keine Wahl in der Vergangenheit.

    Ich hab mir im Laufe meines Lebens auch solche Gedanken gemacht. Ich hab durchaus auch damit gehadert und darunter gelitten, dass ich nicht das Glück hatte, in einer „normalen“ Familie und einem „normalen“ Umfeld aufzuwachsen, bei dem Kinder durch die Eltern und ihr gesamtes soziales Umfeld Geborgenheit, Sicherheit erfahren und ein natürliches Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein erwerben.

    Und es hat mir, nachdem ich das Buch „Das Drama des begabten Kindes“ von Alice Miller gelesen hatte, auch ein bisschen weitergeholfen, richtig wütend auf meine Eltern und meine gesamte Familie (und auch mein herzlich wenig hilfreiches soziales Umfeld) sein zu dürfen. (Hinweis: Das Buch liefert wertvolle Gedankenansätze. Was aber erwähnt werden sollte, ist, dass sie, wie ihr Sohn, Martin Miller, in seinem Buch „Das wahre ˋDrama des begabten Kindes‘: Die Tragödie Alice Millers - Wie verdrängte Kriegstraumata in der Familie wirken“ dokumentiert, selbst nicht in der Lage gewesen ist, die von ihr propagierte liebevolle Erziehung umzusetzen.)

    Doch es half mir auf Dauer nicht weiter, dort stehen zu bleiben. Und so habe ich damit begonnen, meinen Frieden mit meinen Eltern, meiner Familie und meiner Vergangenheit zu machen. Hilfreich war für mich dabei auch, zu begreifen, inwiefern meine Eltern selbst und wiederum deren Eltern Opfer ihrer Familien und ihrer Prägungen gewesen sind.

    Das, was ich jetzt tun konnte, war JETZT den Teufelskreis zu durchbrechen und das für mich zu tun, was ich JETZT ändern konnte.

    "Die Anderen" legten den Grundstein, formten mich, statteten mich mit Selbstbewustsein aus oder eben nicht.

    Das ist doch die alles entscheidene Kernaussage, mir wiederfuhr, was vielen wiederfuhr, bis heute - anstatt fruchtende Aufklärung, laxe Verbote und Präventionsversuche.

    Ich erinnere nochmals daran, dass das Ziel dieses Forums die Selbsthilfe ist.

    Darf ich fragen, inwiefern dir oder anderen Selbstbetroffenen hier das zur Selbsthilfe dient? - Ich kann’s (noch?) nicht nachvollziehen.


    Abgesehen davon, dass junge Menschen heute nochmals in einer anderen Zeit und unter anderen Bedingungen aufwachsen, als du in den ?? oder meine Eltern in den 40ern und 50/60ern oder ich in den 70ern und 80/90ern oder deine Oma in der Zeit während oder nach dem 1. Weltkrieg, von deren Zeit und Bedingungen du mal erzählt hast:

    Inwiefern hilft dir oder anderen weiter, sich zu fragen,
    „Warum "schiessen" sich gerade so viele junge Menschen weg, egal ob mit Alk., Lachgas oder Cannabis? Oder flüchten sich in die Anonymität des www., werden radikal, depressiv oder beides?“


    Steht es denn in deiner oder meiner oder in jemand anderes Macht hier, daran grundsätzlich etwas ändern zu können?

    Oder bleibt uns für uns selbst nur, um die Gelassenheit, Dinge, die wir nicht ändern können, zu bitten und uns darin zu üben?
    Und uns auf das zu konzentrieren, was wir tatsächlich ändern können?


    Weißt du, was mir an der Opferrolle nicht gefällt? - Sie bleibt in der Passivität verhaften.
    Und das hilft einem selbst nur äußerst selten weiter, im Gegenteil.