Was ich damit meine: Ein Rückfall kommt nicht aus heiterem Himmel, zumindest bei mir nicht. Achtsam sein, Anzeichen ernst nehmen hilft. Noch mal: ich will Rückfälle nicht schönreden. aber die Tatsache und der Glaube, dass man nach einem Rückfall auch wieder aufstehen kann, hat mich vor dem Absturz bewahrt.
Danke dir Tom , dass du deine eigene Erfahrung hier einbringst. Ich halte das für wichtig und für den Fall der Fälle auch für sehr hilfreich.
In dem genannten Erklärvideo wird am Ende ein sogenannter „Notfallplan“ für den Fall eines Rückfalls thematisiert. Er wird mit einem „Erste Hilfe Kurs“, wie man ihn zum Beispiel fürs Autofahren benötigt, verglichen.
Im Prinzip geht’s dabei nur darum, dass man mit dem entsprechenden Wissen eher vorsichtiger unterwegs ist. Also nicht nach dem Motto „Jetzt kann ich ja absichtlich gegen einen Baum fahren, jetzt hab ich ja gelernt, wie ich mich wieder abkratzen kann.“ (Zitat aus dem Erklärvideo)
Am Ende sagt der Sprecher „Wenn Sie sich also in ihrer Behandlung nur um ein einziges Thema kümmern wollen, dann sollten Sie sich um das Thema „Rückfall“ kümmern.“
Aber es soll schon Fälle geben, wo ein Schluck wieder zur Abhängigkeit führt. Das sind dann doch aber eher solche, die körperlich abhängig waren oder sehe ich das falsch? Was mir bei mir aufgefallen ist, dass ich nach den Ausrutschern wieder mehr den Fokus darauf gelenkt habe.
Nein, Ciara, meiner Kenntnis nach sind das nicht eher nur solche, die körperlich abhängig waren, sondern das trifft durchaus auch solche, die „nur“ psychisch abhängig waren.
Rückfällige sind auch nicht unbedingt gleich wieder voll drauf, aber, wie dir aufgefallen ist, ist nach Ausrutschern oder Rückschlägen oder einem Rückfall wieder mehr der Fokus auf Alkohol.
Wenn man sich noch einmal bewusst macht, wie Alkohol wirkt, wird vielleicht auch klarer, warum der Fokus nach Ausrutschern oder Rückschlägen oder einem Rückfall wieder mehr auf Alkohol liegt.
Alkohol sorgt für eine Freisetzung von Dopamin in unserem Belohnungssystem und das auch noch sehr viel schneller und sehr viel höher (50 bis 100 Prozent!) als das auf natürlichem Weg zu erreichen ist. Darüber hinaus wird der Botenstoff Serotonin freigesetzt, der stressmindernd, angstlösend und beruhigend wirkt, sowie der Botenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure), der die Aktivität der Nervenzellen hemmt und auf diese Weise beruhigend und entspannend wirkt.
Und da liegt sozusagen das Problem: Weil Alkohol zu dieser positiven Wirkung führt, wird das Verlangen danach stärker. Und deshalb liegt der Fokus wieder mehr auf Alkohol.