Mein Erwachsener Sohn ist Alkohliker

  • Hallo zusammen,

    Ich möchte mich kurz vorstellen.

    Ich bin 60 Jahre,alleinstehend und Mutter zweier erwachsener Kinder.

    Vor einigen Wochen offenbarte mir mein fast 40 jähriger Sohn das er ein Alkohol Problem hat.

    Alkohol war das letzte das mir in den Sinn gekommen wäre.Mein Fokus lag immer auf Drogen welche er auch konsumiert hat.Er verlor gute Jobs bezahlte keine Rechnung und bezog sein Geld woher auch immer.Wenn ich ihn auf Drogen ansprach verneinte er dies immer.

    Damit sei er durch was ich ihm allerdings nicht glaubte da sein ganzes verhalten darauf schließen ließ. Er schlängelt sich immer so durch und fragte kaum mal nach Unterstützung.

    Die letzten Monate allerdings sind sehr schlimm geworden.

    Er hat vollkommen mittellos.Sein Vermieter hat ihm nun die Wohnung gekündigt,wegen ausstehender mietzahlungen.

    Auch die Stromversorgung wurde gekappt.Zwei Mietzahlungen hatte ich schon übernommen,das kann ich natürlich nicht auf Dauer.

    Seit Wochen sind wir ihn nun am unterstützen und haben Anträge bei der Behörde eingereicht.

    Jedesmal lässt er die Termine platzen obwohl er mit nichts da steht.

    Ich weiß einfach nicht mehr weiter und habe mir nun fest vorgenommen ,nachdem er heute wieder nicht zum Amt gegangen ist,ihm kein Geld mehr zu geben.

    Er hatte wieder eine Ausrede parat dabei müsste er sich selbst kaum bemühen.

    Sein Bruder würde ihn abholen und begleiten.

    Es bricht mir das Herz zu sehen was aus diesem intelligenten Mann geworden ist.


    ;(

  • Hallo Smoke 1966

    Schön dass du dich hier angemeldet hast. Eine gute Möglichkeit um sich mit Betroffenen auszutauschen die die Sucht auf die eine oder andere Weise kennengelernt und aus ihrer Geschichte das Beste draus gemacht haben.

    Beim Lesen deines Beitrages kam mir unwillkürlich in den Sinn es geht letztlich nicht um deinen Sohn, es geht um dich. So bitter das erstmal auch klingen mag einen Süchtigen der keine Bereitschaft zur Veränderung zeigt kann man noch so oft die ausgestreckte Hand entgegenhalten oder den Arsch pudern, nur es bringt nichts. Was da vielleicht noch passieren muss, niemand weiß es. Es steht in den Sternen.

    Auf ein Wunder zu hoffen bringt jetzt echt wenig. Damit du an dieser Sache nicht selber zu großen Schaden nimmst solltest du deinen Fokus auf dich selbst und dein Wohlergehen richten, denn wenn es auch dich mit in den Abgrund reisst ist niemanden geholfen.

    Ich finde ein Austausch hier könnte für dich vom großen Nutzen sein. Deshalb bleib da dran.

    Stilles Wasser

  • Hallo Smoke 1966 ,

    auch von mir ein Danke, dass du dich hier angemeldet hast.

    Ich kann mich den Worten von Stilles Wasser nur anschließen: Der Austausch hier könnte hilfreich für dich sein, um für dich selbst Hilfe zur Selbsthilfe zu finden.

    Als Mutter dürftest du ziemlich hilflos und verzweifelt davor stehen, dass dein erwachsener, intelligenter Sohn immer weiter abrutscht und nichts von dem, was du für ihn tust oder was du ihm sagen magst, hilft, damit er Problem in den Griff zu bekommt.

    Dass du da nicht mehr weiter weißt, ist völlig verständlich. So ergeht es so manchem Angehörigen eines Menschen, der an einer Sucht erkrankt ist.

    Es wäre schön, wenn es da eine Lösung gäbe, wie man einen Süchtigen zur Vernunft bringen kann, damit er aus seiner Sucht aussteigt und (wieder) die Verantwortung für sein Leben übernimmt, aber die gibt es leider nicht.

    Und so verausgabt sich so mancher Angehörige, um den geliebten an Sucht erkrankten Menschen zu retten, und wird selbst psychisch, seelisch und körperlich krank.


    Deshalb kann ein Austausch hier von großem Nutzen für dich sein, um Hilfe für dich selbst zu finden.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Hallo,

    ich kann mich nur sehr schlecht in Deine Lage versetzen, weil ich keine Kinder habe. Aber mein Opa war auch Alkoholiker und ist im Suff leider immer aggressiv eskaliert. Nüchtern war er der liebste Mensch auf Erden und ich habe ihn wirklich sehr geliebt.

    Mit meiner Erfahrung ist mir aufgefallen, dass ich sehr zum people pleaser geworden bin. Ich hab als Kind schon immer gedacht, wenn wir alles richtig machen trinkt er vielleicht nichts. Natürlich ist das illusorisch, denn nichts was Du änderst wird die Sucht Deines Sohnes beeinflussen. Das kann er nur selbst wollen und umsetzen. Viele Konflikte hab ich bis ins Erwachsenenalter vermieden und bin am Ende auch selbst dem Alk verfallen, um diese emotionale Disbalance auszuhalten. Ich hatte soviel Wut in mir gesammelt.

    Für mich war das Ende der Sucht gleichbedeutend mit der Übernahme der Verantwortung für mein Tun. Ich kann nur meine Handlungen beeinflussen. Und egal, was Du tust - Du kannst die Sucht Deines Sohnes nicht auflösen.

    Sucht bringt soviel Unglück hervor, auf beiden Seiten. Ich habe Menschen unglücklich gemacht und auch mich selbst. Leider weiß ich bis heute nicht, wie man sich als Mutter emotional lösen kann. Das wissen andere hier besser.

    Beste Grüße Helga

  • Hallo AmSee

    ganz lieben Dank an dich!

    Ja,ich erhoffe mir vom Austausch im Forum Kraft zu schöpfen und mir den ein oder anderen Rat zu holen ,wie ich mit dieser Situation umzugehen sollte. Ich hatte in der letzten Woche viele Beiträge von betroffenen Eltern und auch erkrankten angesehen und habe einige Erkenntnisse daraus gewinnen können.

    Ich bin überhaupt nicht allein mit dem Problem! Da mein Sohn jegliche Hilfe ,außer natürlich Geldzahlungen,ablehnt und keinerlei Ambitionen zeigt an seinen Situation etwas zu ändern sind wir uns in der Familie nur einig das wir ihm jegliche Finanzielle Unterstützung verweigern.

    Danke 😊

  • Hallo Sparkassen Helga,

    Dankeschön für deinen Beitrag.Bei dir war es der Opa und bei meinem Sohn der Vater.Nach 25 Jahren habe ich den Mut und die Kraft gehabt mich von meinem Mann zu trennen.Da waren beide Kinder aus dem Haus.Bis es jedoch soweit war habe wir viel durchgemacht durch den Alkohol Konsum meines Mannes.

    Ganz wie bei dir,im nüchternen Zustand ganz umgänglich aber alkoholisiert extrem aggressiv ,aber das nur mir gegenüber.Aber die Kinder haben es natürlich mitbekommen wenn er alles kurz und klein schlug.Also floh ich jedesmal mit den Kindern zur Verwandtschaft wenn ich es noch schaffte.Heute denke ich mir das dies alles auch Einfluss auf meine Kinder genommen hat und ich als Mutter sie davor hätte schützen müssen und mich 20 Jahre früher hätte trennen müssen.

    Der Kontakt zwischen meinem Sohn und seinem Vater war immer mal wieder da aber grundsätzlich spricht mein Sohn sehr negativ gar hasserfüllt von ihm.

  • Hallo Smoke 1966,

    das ist schon mal ein guter Anfang für dich, dass du dich durch die Beiträge von betroffenen Angehörigen gelesen hast. Ja, mit einem solchen Problem bist du wahrlich nicht allein!

    Dass du schon einige Erkenntnisse für dich daraus gewinnen konntest, hat dich bestimmt schon ein Stückchen weitergebracht. Für mich selbst war es stets erleichternd, wenn ich angesichts eines Problems, vor dem ich stand und mich wie in einer Sackgasse fühlte, einen Impuls bekam, wie ich weitermachen könnte.

    Finanzielle Unterstützung dürften deinem Sohn tatsächlich nur helfen, so weiter zu machen, wie bisher. Damit lassen sich finanzielle Engpässe stopfen, Unbequemlichkeiten, eine Not, die er empfindet, zumindest zeitweise aus der Welt schaffen, aber das ist auch alles.

    Für den, der trinken will/ muss, steht die Bedürfnisbefriedigung an erster Stelle. Das liegt in der Natur der Sucht. Und der wird (nach und nach) alles andere untergeordnet. Ist das Bedürfnis befriedigt, ist erst einmal Ruhe, aber sobald der Pegel absinkt, muss es wieder befriedigt werden.

    Es ist richtig, dass du ihn nicht mehr finanziell unterstützt, aber bereite dich auch innerlich darauf vor, wie er darauf reagieren wird, und was das mit dir macht. Es kann gut sein, dass du dich innerlich völlig zerrissen fühlst.

    Hilfe zur Selbsthilfe kannst du dann zum Beispiel hier finden. Es kann hilfreich sein, zu teilen, wie es dir gerade geht.

    Und wenn du Fragen an uns haben solltest, nur heraus damit.

    Weitere Unterstützung könntest du bei dir vor Ort bei der Suchtberatung finden oder in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige (AA, Kreuzbund usw.).

    Freundliche Grüße

    AmSee


    P.S.: Wenn du das möchtest, kannst du für den Austausch im öffentlichen Bereich freigeschaltet werden. Wenn ja, gib einfach Bescheid.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Heute denke ich mir das dies alles auch Einfluss auf meine Kinder genommen hat und ich als Mutter sie davor hätte schützen müssen und mich 20 Jahre früher hätte trennen müssen.

    Dazu möchte ich dir aus meiner Perspektive als Tochter eines alkoholkranken Vaters und einer Mutter, die sich auch nicht trennen konnte, etwas antworten:

    Gewiss hat das Einfluss genommen auf deine Kinder, aber als Erwachsene sind wir Kinder aus alkoholkranker Familie letztlich für uns selbst verantwortlich.

    Gewiss wäre es für meine Entwicklung besser gewesen, wenn meine Mutter sich von meinem Vater getrennt hätte. Hätte sie geahnt, was unsere dysfunktionale Familienkonstellation auf Dauer mit ihren Kindern macht, hätte sie es vielleicht getan, wenn sie denn die Kraft dafür gehabt hätte. Doch es stellt sich, wenn man davor steht, nie so einfach dar. Und meine Mutter hatte diese Kraft nicht. Und ich selbst hätte meinen Vater trotz allem nicht verlassen wollen.

    Wenn ich so zurückblicke, erkenne ich, dass meine Eltern selbst tief verstrickt in die dysfunktionale Familienkonstellation ihrer eigenen Eltern und die wiederum ihrer Eltern verstrickt waren.

    Anders als früher gibt es seit vielen Jahren aber die Möglichkeit, das professionell anzugehen. Insofern böte sich grundsätzlich auch deinem erwachsenen Sohn die Möglichkeit, diese Problematik anzugehen. Und auch das müsste er selbst tun, weil er als erwachsener Mensch selbst die Verantwortung für sein Leben trägt.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • AmSee

    Du hast so recht.Indem ich ihn nun seit Wochen immer wieder mit Geld und Einkäufen versorgt habe,habe ich nicht nur seine Sucht befriedigt und die ganze Situation noch begünstigt, nein ich mir auch selbst was gutes damit getan.Für den Moment glaubte ich ihn versorgt ,was mich auch ein wenig beruhigte.Habe die Tatsachen ausgeblendet weil ich mich immer wieder auf seine Lügen, das er sich nun kümmern würde ,reingefallen bin.

    Lerne noch!

    Gerne würde ich für den offenen Bereich freigeschaltet werden.

    🙏 Danke

  • Hallo Smoke 1966 ,

    du bist nun für den Austausch im öffentlichen Bereich freigeschaltet und dein Thread wurde in das entsprechende Unterforum verschoben.


    Ich finde das gut, wie genau du dich selbst da analysierst.

    Ich kann dir nur Mut machen, dass du lernen wirst, einen Umgang damit zu finden.

    Ganz ehrlich: Wer weiß es denn von Anfang an richtig?

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

  • Habe die Tatsachen ausgeblendet weil ich mich immer wieder auf seine Lügen, das er sich nun kümmern würde ,reingefallen bin.

    Wenn ich an meinen Vater denke, so bin ich sogar davon überzeugt, dass er selbst daran geglaubt hat, dass er es hinkriegen wird.

    Vielleicht glaubt dein Sohn, wenn er verspricht, dass er sich nun kümmern wird, sogar selbst daran, nur schafft er es eben doch nicht, seine Sucht ist stärker.

    Insofern sind solche Versprechungen noch nicht mal eine Lüge.

    Aus meiner eigenen Erfahrung mit einem echten Alkoholproblem (dessen ich selbst mir aber noch nicht bewusst war) kann ich dir sagen, dass ich tatsächlich gelogen habe, wenn ich mir Stress ersparen wollte. So habe ich zum Beispiel über die Menge meines Konsums, den ich selbst übrigens nicht für zu viel, sondern für vertretbar hielt, gelogen, um Stress mit meinem Mann zu vermeiden.

    Ich würde auch nicht sagen, dass du „reingefallen“ bist. Du hast gehofft, wer könnte es dir verdenken, und darauf vertraut, dass er seiner Verantwortung nachkommt. Leider war und ist die Sucht stärker.

    Du kannst nicht zurückgehen und den Anfang ändern,
    aber du kannst jetzt neu anfangen und das Ende ändern.

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