Hallo Zusammen

  • Ich bin äußerst ratlos und suche bzw. erhoffe mir hier bei Euch etwas Hilfe.
    Ich bin Mara, bin 41 Jahre alt habe zwei Kinder und seit vielen Jahren einen Lebensgefährten.
    Ich bin voll berufstätig.

    Zum Thema Alkohol:
    Ich trinke zu viel!
    Es nervt mich oft selber und ich gerate hierüber immer wieder in Streitigkeiten mit meinem Partner, den mein Alkoholkonsum massiv stört.
    Hierzu muss man sagen, dass er ganz gerne auch Alkohol trinkt, aber bei weitem nicht so oft wie ich.
    Ich würde mich selber nicht unbedingt als Alkoholikerin bezeichnen (schon gar nicht als schwerst-Alkoholikerin, wie es mein Lebensgefährte gerne macht, was mich dann ziemlich ärgert). Aber ich trinke zu viel.
    Wenn ich abends heim komme und koche, kommt es oft vor, dass ich ein paar Gläser Wein trinke, manchmal sogar eine ganze Flasche. Das ganze auch unter der Woche.
    Am Wochenende kann es dann schonmal etwas mehr sein, aber mehr als 2 Flaschen gehen dann auch bei mir nicht rein.

    Meinen Partner ärgert das Trinken, aber auch nicht zuletzt, dass ich es sogar abstreite, wenn ich etwas getrunken habe, um nicht wieder in Streit zu geraten. Habe auch schon Alkohol, bzw. leer getrunkene Flaschen versteckt.

    Ich trinke keinen harten Alkohol und auch die Uhrzeit muss stimmen. Morgens könnte ich nichts trinken. Ich trinke auch nichts, wenn ich Auto fahren muss.
    Es gibt sogar Tage, da setzte ich mich mit einer Kanne Tee vor den Fernseher, da brauche ich keinen Alkohol und er fehlt mir dann auch nicht.
    Ich trinke Alkohol absolut Situationsabhängig: beim Kochen, wenn Besuch da ist, beim Telefonieren, ...

    Ich habe mir nun vorgenommen (und zufälligerweise fällt das Vorhaben mit der Fastenzeit zusammen), ein paar Wochen gar nichts zu trinken. Hauptsächlich um mir zu beweisen, dass ich das schaffe. Aber ich habe auch die Nase voll von den Streitereien deshalb, denn wir zanken eigentlich nur darüber und verstehen uns sonst super gut und gehen sehr liebevoll miteinander um.

    Was meint ihr? Bin ich richtig bei Euch? Suche wirklich ein paar Ratschläge und Unterstützung.
    Meinen Partner muss ich mit einem Hilfeersuch im Moment nicht kommen, dass hab ich schon sooooo oft gemacht und es hat nichts gebracht, er hat diesbezüglich daher ein wenig die Nase voll vom Theme "ich trinke jetzt nichts mehr". Und er ist vom Typ her ziemlich rigoros.

    Liebe Grüße, über ein paar Antworten würde ich mich sehr freuen

  • Liebe Mara :welcome:

    Ich bin selber neu hier, du wirst von erfahrenen ehemaligen Alkoholikern sicher noch einige Antworten erhalten.

    1 Flasche Wein am Abend, öfters wochentags und am Wochenende dann gerne 2. Ich habe auch nie mehr getrunken, dennoch habe ich ein massives Alkoholproblem entwickelt. Ich denke du wirst in der kommenden Fastenzeit erfahren wie sehr dir der Stoff fehlt, ob da womöglich doch eine Abhängigkeit besteht. Hast du dir schon die Frage gestellt wieso du jeweils trinkst, nicht aufhörst nach einem Glas?

    Jetzt und hier ist es mein zweiter Versuch trocken zu werden, diesmal weil ICH es will. Das erste Mal war es eher weil ich das Gefühl vermittelt bekam ich sollte aufhören. Ich stand nicht richtig hinter der Entscheidung, fühlte mich nicht als Alkoholikerin - kehrte darum zum gemässigten Trinken zurück, welches dann in Windeseile zu unmässig mutierte und immer schlimmer wurde.

    Unabhängig davon ob du zu viel Alkohol trinkst, ich selber denke dass ein nüchternes Leben nicht möglich ist solange man selber nicht einsieht, dass man übertreibt und ein Problem hat. Wegen dem Partner aufhören wird nicht klappen.
    Dies meine Meinung ;).

    Liebe Grüsse aus der Schweiz
    Liv

  • Hallo Mara,

    ich habe jetzt einige Zeit überlegt, wie ich dir am besten antworten kann, ohne das du mich falsch verstehst. Also versuche ich es einmal.
    Als Erstes kann ich dir schon mal sagen, dass du hier richtig bist und den ersten Schritt gemacht hast. Der erste Schritt ist der Schwerste.

    Es ist schwer selbst zu erkennen: "Upps da läuft was falsch." Diese Erfahrung musste ich ebenfalls machen. Da ich mich auch auf neuen Terrain
    bewege (neu hier), versuche ich aus deinen Sätzen Schlüsse zu ziehen. Normalerweise bin ich es gewohnt, persönliche Gespräche zu führen.
    Aus der Körpersprache eines Menschen kann man viel lesen. Hier sind es deine Sätze.

    Nun meine Frage an dich: Wo beginnt bei dir der Alkoholiker? Da gibt es Stufen Alpha, Beta u.s.w. Kann man im Net nachlesen. Ich gebe dir den Rat
    lies die Stufen und ordne dich ehrlich ein wozu du zählst.

    Du hast, wie du schreibst, schon gewisse Rituale entwickelt wo einfach der Wein dazu zählt.
    Das Flaschen verstecken kenne ich zu gut. Ich habe nach zwei Jahren ::) Abstinenz noch Leergut gefunden.
    Das mit dem harten Alkohol habe ich auch schon oft gehört.
    Dein Körper unterscheidet nicht nach Whisky, Wein oder Bier.
    Es kommt nur auch die Menge Alkohol an (Geschätzt: 5 Whisky = 1 Flasche Wein).

    Dein Partner würde es sicherlich gut finden, wenn du nicht heimlich in der Küche oder anderswo trinkst.
    Jemand der nichts getrunken hat, findet den Geruch durchaus abstoßend. Ist wie mit dem Knoblauch.
    Meine Frau könnte trinken (ich hätte kein Problem), aber sie will es nicht. So gibt es in unseren Haushalt
    keinen Alkohol. Ich habe in den letzten Jahren sehr positive Äußerungen dazu bekommen. Das hat mich
    persönlich bestärkt das der eingeschlagen Weg der Richtige ist.

    Stell dir vor:
    du trinkst nichts mehr --> deine Partner auch nicht --> glückliche Kinder --> Harmonie und viel Freude.

    Ich hoffe ich habe dir ein paar Denkanstöße gegeben.

    Viele Grüße Harald

  • Hallo Kookie_13,

    Ich bin mir unsicher, ob ich wegen meinem Partner und dem damit verbundenen Stress aufhören möchte, oder weil ich es will.
    Ich trinke eigentlich gerne und ich mag auch dieses leicht duselige Gefühl. Problem ist wirklich: Ich finde kein Ende. Und dann wird aus dem duseligen Gefühl ein sehr unangenehmen: ich lalle ziemlich schnell und check nichts mehr und im schlimmsten Fall sage ich Dinge, die ich gar nicht so meine und verletze damit meinen Partner. Und dass das ein Problem ist, verstehe ich und sehe ich durchaus ein. Denke mir aber manchmal "Mensch, der Mann übertreibt aber jetzt schon wieder!"

    Seit wann trinkst du nun gar nicht mehr?
    Hast du Hilfe in Anspruch genommen?

    Hier wird oft von ärztlicher Unterstützung gesprochen, das möchte ich aber nicht und ich denke auch nicht, dass mein Körper durch einen Entzug in Lebensgefahr gerät. Ich möchte es am liebsten alleine schaffen.

    LG Mara

  • Hallo Harald,

    habe mir gerade die Stufen angesehen und würde mich als Beta-Trinker einstufen, aber mit Tendenzen in manchen Punkten auch zum Gamma-Trinker.

    Nun haben wir einen Freundeskreis, in dem allgemein oft getrunken wird, auch mein Partner trinkt hin- und wieder, und hin- und wieder auch echt zu viel.

    Aber irgendwie habe nur ich das Gefühl, dass ich dann nicht aufhören kann, wenn ich einmal begonnen habe.
    Und dann wird es irgendwann mal nervig und unschön.

    Ich finde deine Antwort völlig ok. Dafür ist dieses Forum doch da, vielleicht braucht man auch mal eine klare Ansage von unabhängigen Leuten. Wenn mein Freund sagt "Du trinkst zu viel", dann sag ich "guck dich mal selber an". Ich lass mir quasi nichts sagen, dabei hat er Recht.

    Ich habe keine Angst um meine Gesundheit, bin eigentlich ein sehr fitter und gesunder Mensch, bis auf die Sauferei.
    Aber das heißt ja nicht, dass das für immer so bleibt.

    Ich habe Angst um meine Partnerschaft, dass mein Partner doch irgendwann davon läuft.

    Ich habe angst, dass ich eines Tages im Suff dumme Sachen tue, die ich später bereue.

    Es ist einfach keine gute Sache, und ich möchte so nicht sein. Ich möchte das Problem nicht immer aufs Butterbrot geschmiert bekommen.
    Aber mein Partner wird niemals nie vorbei sehen und das einfach hinnehmen.

    Stell dir vor:
    du trinkst nichts mehr --> deine Partner auch nicht --> glückliche Kinder --> Harmonie und viel Freude.

    Das wäre wirklich toll und das ist auch mein Anreiz!

    Danke für deine Antwort.

    LG Mara

  • Hoi Mara :)

    Deine Geschichte kommt mir bekannt vor, mein Trinkverhalten hat deinem geähnelt.

    Zitat

    Aber irgendwie habe nur ich das Gefühl, dass ich dann nicht aufhören kann, wenn ich einmal begonnen habe.
    Und dann wird es irgendwann mal nervig und unschön.

    Ja, dann fletscht die liebe Trunkenheit plötzlich die Zähne.
    Ich habe durch mein alkoholisiertes Verhalten meine letzte Partnerschaft gekillt Stück für Stück. Ab einem gewissen Level habe ich immer angefangen zu streiten, habe mir Dinge eingebildet und diese meinem Freund vorgeworfen. Öfters habe ich einfach das Lokal verlassen, ihn stehen lassen und bin alleine weiter gezogen. Als er die Beziehung beendet hat, habe ich aufgehört zu trinken - aber halt nicht weil ICH es richtig wollte, sondern weil ich das Gefühl hatte ich bekomme dadurch nochmals eine Chance. Die Zeit hat dann gezeigt, dass wir nicht zusammenpassen, ob mit oder ohne Alkohol. Aber dies ist eine andere Geschichte ;).

    Weisst du, für mich ist die Tatsache dass ich nicht mehr aufhören kann wenn ich angefangen habe zu trinken, Beweis genug dass ich abhängig bin.
    Bevor ich aufgehört habe zu trinken fing ich mich an zu informieren, habe mir Lektüre besorgt, im Internet gelesen. Ich erkannte mich selber in so vielen Geschichten wieder. Die Symptome, meine nassen Gedanken...

    Auch ich habe Weinflaschen versteckt geöffnet, habe aus Kaffeetassen getrunken damit die Kinder nichts merkten.
    Ich bin jetzt 30 Tage trocken, noch keine lange Zeit nein. Doch meine Sichtweise hat sich enorm verändert in dieser kurzen Zeit. Als ich aufhörte dachte ich, dass ich die Notbremse ziehe bevor ich wirklich zur Alkoholikerin werde, jetzt weiss ich dass ich längst eine war.
    Da ist dieser eine Körper den ich habe, der so perfekt funktioniert, mir bislang soviel verziehen hat. Ich fühle mich schon so viel besser nach einem Monat, so viel freier auch, fitter, habe 2kg abgenommen. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, doch ich kann die Zukunft mitgestalten und ich bin überzeugt davon, dass diese gesünder und glücklicher sein wird wenn ich trocken bleibe.

    Magst du etwas lesen?
    Das Buch "Alk" von Borowiak ist genial! Ebenso gefällt mir die Geschichte des Trockenwerdens von Clare Pooley "Chianti zum Frühstück".

    Wie schon erwähnt bin ich absolut keine Expertin.
    Wäre ich deine Freundin, du würdest dich mir anvertrauen, dann würde ich dir raten: Nimm dir eine Auszeit Mara, für dich, deinen Körper, deine Kinder, deinen Partner. Beobachte dich dabei genau, die Veränderungen, dein Denken. Hol dir Hilfe bei einer Fachstelle, halte die Notfallnummern parat wenn der Suchtdruck kommt, lies dich ein in dieses Thema, lies hier in den einzelnen Threads, scheu dich nicht Fragen zu stellen.

    Wie Harald schon geschrieben hat: Du hast den ersten Schritt gemacht, das ist toll :)!

    Ich freue mich von dir zu lesen!
    Liebe Grüsse
    Liv

  • Zitat

    Hier wird oft von ärztlicher Unterstützung gesprochen, das möchte ich aber nicht und ich denke auch nicht, dass mein Körper durch einen Entzug in Lebensgefahr gerät. Ich möchte es am liebsten alleine schaffen.

    Moin moin,

    ich bin Betty. Heute fast 5 Jahre alkoholfrei und ein glücklicher Mensch.
    Ich bin stolz und wollte mir nicht helfen lassen. Keine gute Idee. Es hat nicht geklappt und ich hab bestimmt ein paar Jahre dabei verschwendet. Nicht mehr änderbar, aber ich würde niemandem raten, es genauso zu machen. Es ist viel zu anstrengend, immer alleine vor allem zu stehen. Beim Alkohol wird es allerdings auch noch gefährlich.
    Ich habe über viele Jahre mit und ohne Alkohol gelebt. Ich hatte es streckenweise im Griff, ich habe aber auch viel zu oft viel zu viel getrunken. Gesoffen wäre wohl näher dran.
    Ich bin stolz. Ich dachte, ich schaffe es allein. Na ja….
    Nicht wirklich.

    Ich hab irgendwann meine Ärztin ins Boot geholt. Sie ist meine Hausärztin, Allgemeinmedizinerin und auch für Psychotherapie. Dort war ich genau richtig. Und nach dem ersten Gespräch mit ihr bin ich schon 10 cm größer aus der Praxis gegangen. Sie hat mich einfach verstanden und schon ging es los, mit dem Aufhören.
    Ich habe mir helfen lassen. Eine meiner besten Entscheidungen.
    Ich habe mit Alkohol gut funktioniert. Meine Arbeit, mein Haus, mein Leben – alles nahm einen ordentlichen Lauf. Es hatte alles seine Ordnung. Nur ich selber nicht. Mein Leben, meine Gedanken, meine Liebe zu mir, meine Anerkennung – da stimmte etwas nicht.
    Heute stimmt alles. Ich bin immer noch stolz und zwar mit großer Freude und ich lebe gerne und fröhlich und positiv. Und wie Liv schon schrieb: Hol dir Hilfe. Es ist eine gute Entscheidung.

    Denk in jedem Fall über Hilfe nach, denn es erspart dir Vieles und es ist gut.

    Ganz liebe Grüße von Betty :sun:

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Hallo Mara,

    das mit dem Freundeskreis kenne ich ebenfalls. Seit dem ich trocken bin, habe ich zwar nicht mehr zu allen Kontakt. Aber dieser Schritt musste gemacht werden.
    Richtige Freundschaft definiert sich nicht über mein Trinkverhalten. Man kann auch ohne Alk Spass haben. Ich dachte auch einmal du musst mittrinken damit du dazu gehörst. Das ist aber falsch. Durch meine Abstinenz habe ich aber auch neue Freunde gefunden.

    Rede doch mal mit deinem Partner, ob er eine Möglichkeit sieht, dich zu unterstützen, indem er auch auf den Alkohol verzichtet. Das wäre ein echter Liebesweis und du hättest es einfacher.

    Wenn du nicht den richtigen Weg findest wird es zu dummen Sachen kommen. Diese kannst du dann nicht mehr rückgängig machen. Ich möchte auch manchmal die Uhr zurückstellen, aber das geht nun mal nicht.

    Ich habe keine Angst um meine Gesundheit, bin eigentlich ein sehr fitter und gesunder Mensch, bis auf die Sauferei.
    Aber das heißt ja nicht, dass das für immer so bleibt.

    Das mit der Gesundheit dachte ich auch einmal. Aber falsch. Ich möchte dir keine Angst machen indem ich alles aufzähle war passieren kann. Ich denke aber fast alles erlebt zu haben und das sind keine schönen Sachen. Ich hatte viel Glück, weiß ich heute, aber das hat nicht jeder. Ich habe Menschen kennengelernt die einen Schritt weitergangen sind als ich.

    In meiner Therapie habe ich Zeit gefunden einmal Inventur in meinem Leben zu machen. Was hast du erreicht und was willst du noch erreichen und erleben? Über diese Frage solltest du auch einmal nachdenken.

    So nun noch etwas Schönes. Ich habe heute Abend einen wunderschönen Sonnenuntergang gesehen. Dafür hatte ich zur nassen Zeit keine Augen. Ich finde es wieder schön so etwas zu erleben. Und das schreibt hier ein Mann. ;D

    Liebe Grüße Harald

  • Erstmal an alle, die mir geschrieben haben: Ein Herzliches Dankeschön!
    Es sind viele aufmunternde und motivierende Worte dabei.
    Ich fühle mich richtig gut damit, alles schonungslos zu schreiben, auch wenn schonungslose Antworten kommen: Ihr seid hier die "Erfahrenen", die, die die Problematik kennen, die sie selber durchgestanden und mitgemacht haben.

    Ich werde mir nun alles nochmal durchlesen und mir Gedanken machen und sehr gerne antworten.

    Einfach mal alles heraus reden - ohne Beschönigung und ohne Lügen -, hierbei "Gleichgesinnte" zu treffen, in der Anonymität des Internets ist fürs erste wirklich angenehm und tut gut.
    Hierbei einmal hart zugesagt bekommen, dass man Alkoholiker ist, ist zwar nicht so schön (irgendwie hofft man ja dann doch, dass irgendwer daher kommt und einem sagt "Ach, Mädel, DAS ist doch nicht schlimm, du bist kein Alkoholiker, mach dir keine Sorgen"), aber vielleicht ist das auch wirklich mal nötig, um den ersten Schritt, den ich getan habe, weiterzuverfolgen.

    Ich bin heute zum Beispiel in der Lage, dass mein Freund über Nacht nicht zu Hause ist. Normalerweise der perfekte Zeitpunkt, mir die ein oder andere Flasche zu "gönnen". Bekommt ja keiner mit und mit Gegenwehr habe ich nicht zu rechnen.
    Es ist für mich heute die erste Gelegenheit, mir selber zu zeigen: Mach es....trink nichts und steh hinter deinem Vorhaben.
    Drückt mir die Daumen, dass ich hier ein positives Erlebnis haben werde, was mich dann natürlich weiter bestärkt, dass ich es echt schaffen könnte.

    Morgen ist die erste Feier im Kreise der Familie. Da trinken ALLE (bis auf die Kinder natürlich ;D). Mit dem Unterschied, dass meine Familienmitglieder auch irgendwann mal aufhören und zum Sprudel greifen, wenn es zu viel wird.
    Ich möchte aber aus meiner Abstinenz nun kein großes Ding machen, dennoch wird mein Nicht-Mittrinken zu großen verwunderten Augen führen, und zum Teil sogar zu "Ach, mal wieder". Am liebsten hätte ich es, wenn es keiner mitbekommt, jedenfalls noch nicht sofort, sondern erst in ein paar Wochen oder so. Wenn ich sagen kann "hey, ich trink schon länger nichts mehr".

    Komische Gedanken alles, ich weiß.
    Ich geh mir selber auf den Sack.
    Meine Family findet mich immer sehr lustig, mein Freund hingegen findet das gar nicht lustig und findet es auch richtig ätzend, dass mich alle "lustig" finden und mich wenn auch indirekt beim trinken "unterstützen". Weil: ich bin dann ja so gesellig....

    Werde ich überhaupt je wieder "gesellig" sein, ohne Alk - ist noch so eine "Angst".
    Kennt ihr bestimmt und habt es zum Teil ja auch hinter Euch.


    Rede doch mal mit deinem Partner, ob er eine Möglichkeit sieht, dich zu unterstützen, indem er auch auf den Alkohol verzichtet. Das wäre ein echter Liebesweis und du hättest es einfacher.

    Ich denke, ihm wäre nichts lieber, als mich zu unterstützen. Ob er selber ganz auf Alkohol verzichten wird, weiß ich nicht. Hiervon möchte ich es aber auch nicht abhängig machen. Es ist nicht so, dass bei uns regelmäßige "Saufgelage" stattfinden. Wenn er trinkt, dann meistens nur eins-, zwei Gläser Bacardi-Cola, dann nichts mehr. Die meisten Tage trinkt er gar nichts. Ehrlich gesagt bin ich es meist, die dann ein Saufgelage draus macht.


    Was hast du erreicht und was willst du noch erreichen und erleben? Über diese Frage solltest du auch einmal nachdenken.

    Genau genommen steht bei uns im Sommer innerhalb der Familie ein Riesen-Umbruch an. Wir werden nämlich nach Südfrankreich ziehen, da ich von der Arbeit dorthin versetzt werde.
    Auch von der Seite her möchte ich einfach einen Neubeginn haben, alles etwas besser machen, die Gelegenheit nutzen. Das Leben und die Chance, die ich beruflich bekomme nach vollen Zügen nutzen.


    Denk in jedem Fall über Hilfe nach, denn es erspart dir Vieles und es ist gut.

    Das werde ich auf jeden Fall machen. Wie gesagt: Es ist mein erster ernstzunehmender Versuch und ich möchte es erstmal mit der Unterstützung von gleichgesinnten probieren.


    Wäre ich deine Freundin, du würdest dich mir anvertrauen, dann würde ich dir raten: Nimm dir eine Auszeit Mara, für dich, deinen Körper, deine Kinder, deinen Partner. Beobachte dich dabei genau, die Veränderungen, dein Denken. Hol dir Hilfe bei einer Fachstelle, halte die Notfallnummern parat wenn der Suchtdruck kommt, lies dich ein in dieses Thema, lies hier in den einzelnen Threads, scheu dich nicht Fragen zu stellen.

    Das ist so meine erste Idee und ich hoffe einfach, dass es funktioniert.


    Magst du etwas lesen?
    Das Buch "Alk" von Borowiak ist genial! Ebenso gefällt mir die Geschichte des Trockenwerdens von Clare Pooley "Chianti zum Frühstück".

    Den Tipp werde ich mir zu Herzen nehmen und das Buch einfach mal bestellen..... ich lese allgemein eigentlich sehr gerne. Sollte ich vielleicht auch wieder öfter tun.

  • Moin,

    schön, du machst dir Gedanken. 44. Hast du Dinge, mit denen du dich beschäftigen kannst, die dir Spaß machen? Dann tu das und schon hast du dann schon mal einen Aufhänger, während dieser Zeit nicht zu trinken.

    ALK! Das Buch habe ich mehrfach gelesen. Es ist echt der Knaller. Sehr gut. Ich habe es auch schon verliehen. Es hat tatsächlich manchen Menschen die Augen geöffnet.

    Ich habe mich am Anfang ganz viel hier aufgehalten. Gelesen und gelesen... Es hat mir arg geholfen.
    Stell Fragen, schreib deine Sorgen, gibt es Unklarheiten? Frag einfach.

    Es liegt mir aber doch noch etwas auf dem Herzen. Du startest einen "kalten Entzug". Es ist und bleibt nicht ungefährlich. Es muss nichts passieren, aber es kann. Es kann alles gut gehen, muss aber nicht. Vielleicht denkst du doch einmal über ein Gespräch mit Arzt/Ärztin nach. Ich fände das sehr gut. Überleg noch mal. nixweiss0

    Ansonsten? 44. Viel Erfolg für alle deine Vorhaben. :)

    LG Betty :sun:

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Hallo,

    ich möchte mich Betty anschließen. Ich hatte ja auch einmal gedacht das ich stark bin und alles im Griff habe und habe einen "kalten Entzug" gestartet. Das war aber eine gründliche Fehlentscheidung.
    Klingt einfach, aber ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich kann dir nur zu einer Hilfe durch einem Profi raten. Bei mir endete das mit RTW mit Polizeibegleitung in der Klinik.

    VG Harald

  • Hallo Mara, auch von mir ein HERZLICHES WILLKOMMEN hier im Forum :welcome:

    Ich bin m, 55, Alkoholiker und nach mehreren Anläufen nun schon einige Jahre trocken.

    Und auch wenn ich schon eine Weile trocken bin, kann ich Deine Ängste/Befürchtungen doch nachvollziehen - schließlich hatte ich sie so ähnlich auch.

    Zitat

    Werde ich überhaupt je wieder "gesellig" sein, ohne Alk - ist noch so eine "Angst".


    Zum Beispiel: Auch wenn es noch ein wenig hin ist, aber: Eine Silvester-Feier - ohne Alkohol hätte ich mir niiiiiiieeeee im Leben vorstellen können! Und was soll ich Dir sagen? Die letzten Jahre waren die Silvester-Feiern SUPER. Und der Knaller ist: Ich kann Dir heute noch genau erzählen, was da von Anfang bis Ende abging ;)

    Aber natürlich ist/wird es nicht einfach. Meine Vorschreiber haben es ja schon geschrieben: Es wird "Arbeit"! Und dafür kann ich ebenfalls nur raten, Dir jede Hilfe mit ins Boot zu holen, die Du kriegen kannst.
    Angefangen beim Hausarzt über die Suchtberatung, Selbsthilfegruppe ...

    Wenn Du in unsere Linksammlung schaust, findest Du viele weiterführende Links, die Dir helfen können, entsprechende Hilfen zu finden und/oder Dich über das Thema zu informieren.
    Und in unserer Literaturecke finden sich Vorschläge für diverse Bücher zum Thema - die meisten sind sehr "unterhaltsam" (also nicht so "trocken") geschrieben.

    Jede große Reise fängt mit einem ersten Schritt an. Und Du hast Deinen mit der Anmeldung hier getan. Nun liegt es an Dir, die Reise fortzusetzen.

    Auf einen guten Austausch!

    Gruß
    Greenfox


    Achso: In Bezug auf den "kalten Entzug" möchte ich mich dringend Betty und Harald anschließen!!!

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Hallo Mara,

    auch von mir willkommen hier. Ich bin noch nicht so lange in diesem Forum hier, aber jetzt ein paar Jahre trocken. Bin auch Mutter, übrigens.

    Wie ist es dir am Wochenende ergangen? Wie hast du dich während der Feier verhalten? Konntest du deinen Wunsch, alkoholfrei zu leben, mit dem ein oder anderen Familienmitglied ansprechen?

    Ich hab anfangs auch ganz für mich alleine und quasi unbemerkt aufhören wollen, bis mir klar wurde, dass ich mir in Wirklichkeit eine Hintertür aufhalte, um „unbemerkt“ auch wieder trinken zu können.

    Ich wünsch dir jedenfalls viel Erfolg natürlich, und glaube, du würdest es dir leichter machen, wenn du weitere Hilfe in Anspruch nähmest, zum Beispiel über eine Suchtberatung.

    Viele Grüße
    Camina

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