Ich bin neu

  • Zitat

    wollte nur mal bemerken daß ich die Wortwahl mancher Mitglieder ziemlich verletzend finde.


    Ihr habt etwas großartiges geschafft, nämlich den Willen trocken zu werden und zu bleiben.
    Am Anfang der Trockenheit sind sehr viele recht dünnhäutig.
    In 1-2 Jahren werdet ihr über eure Reaktion in dieser Anfangsphase schmunzeln :D
    Zum Trockenbleiben gehört meiner Meinung auch, sich ein dickeres Fell zu zulegen, mir hilft es ungemein ;)

    Grüße Gerd
    PS. Meine Erkenntnis aus vielen Forenjahren

  • Guten Morgen Ihr Lieben,

    ich bin zu der Erkenntnis gekommen, daß dieses Forum wohl im Moment noch nichts für mich ist. Ich würde mit den abwertenden Kommentaren auf Dauer nicht klar kommen, im Moment jedenfalls nicht. Ich war schon immer ein sehr sensibler Mensch, ohne Selbstwertgefühl seit meiner Kindheit. Naja, immerhin stehe ich ja auch noch ganz am Anfang im Gegensatz zu euch. Ich bewundere jeden einzelnen von euch, weil ich weiß das es ein harter Kampf ist. Und auch wenn die meisten von euch anderer Meinung sind, bin ich davon überzeugt daß man da auch ohne ärztliche Hilfe rauskommen kann, Silvia ist doch der beste Beweis dafür.
    Und Silvia, auch wenn ich es nicht nachmachen soll, ich werde auch versuchen meine Medis ausschleichen zu lassen und schauen wie es mir dann geht.

    Ich wünsche euch allen von Herzen alles Gute!!!
    LG

  • Guten Morgen Jenny,

    ich stehe gerade offenbar auf dem Schlauch: Wer hat Dich abwertend behandelt?

    Das Forum hier ist doch die ideale Spielwiese, um sich, ganz anders wie in realen Selbsthilfegruppen, sanft und geschützt eine dickere Haut und mehr Selbstbewusstsein zuzulegen.
    Ich bin mir sehr sicher, dass wir alle hier, also auch ich, manchmal in die Beiträge der Einzelnen etwas hineindenken, das so überhaupt nicht vom Verfasser gemeint war.

    Man könnte auch sagen: Bei manchen Post kocht man quasi im eigenen Saft.
    Weil da liest man dann etwas, das direkt unter die Haut geht, was als Verletzung wahrgenommen wird. Ist es auch! Nur halt keine beabsichtige, sondern die Worte des Verfassers haben eine wunde Stelle in uns berührt, auf die wir bislang noch nicht geachtet haben.
    Da lohnt es sich dann nochmals gründlich in sich selbst nachzuschauen.

    Betr. Ärztliche Hilfe:
    Bei Dir ist halt schon ein anderer Fall, wie bei Silvia. So wie Du geschrieben hast bekommst Du schon über einen längeren Zeitraum recht hochdosierte Antidepressiva. Die machen zwar in der Regel nicht im eigentlich Sinn abhängig, aber wenn man sie nicht richtig runterdosiert kann es zu heftigen Gefühlseinbrüchen kommen.

    Dass Du es alleine fertigbringst den Alkohol wegzulassen, das traue ich Dir absolut zu.
    Es ist gut, wenn Du Dir andere als Vorbild nimmst, aber Du solltest auf Dich achten und genau nachschauen, ob die Vorgehensweise eines Anderen auch wirklich Eins zu Eins auf Dich übertragbar ist.

    Ich hoffe, Du überlegst Dir das mit dem Abschied Hier nochmals!
    Wenn nicht, dann aus tiefstem Herzen viel, viel Erfolg und, dass Du Deinen Weg findest!!


  • Guten Morgen Jenny,

    wie geht es dir ? Da du ja auch Kinder hast gehe ich davon aus, dass du das Lied von Rolf Zurkowski kennst : " Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine! Ich komm` bestimmt, ich komm` bestimmt auch wieder auf die Beine! Ich brauch` dazu, ich brauch` dazu vielleicht `ne Menge Kraft, doch ich hab` immerhin schon ganz was anderes geschafft !"

    Übrigens: Auch mein Arzt weiß nix von meinem ehemaligen Alkoholkonsum (bis heute nicht) ! Ich habe die Tabletten eigenmächtig ausgeschlichen und es geht mir super. Mein Blutdruck ist jetzt eher zu niedrig als zu hoch (ich messe 3 mal tägl. ). Das Seratonin benötige ich auch nicht mehr (Durchfall ist Vergangenheit). Das sollst du aber nicht nachmachen, wollte das nur loswerden um dir zu zeigen wofür Alkoholkonsum alles verantwortlich sein kann! Zu Selbsthilfegruppen zieht es mich auch nicht (wer weiß wen man da alles trifft) ! Außerdem wusste ja niemand, dass ich jeden Abend `ne Flasche Wein getrunken habe und warum soll ich es kundtun?

    So, nun wird sich : ,, von so` n Macker der Sohn" bestimmt wieder aufregen :) !!!

    LG Silvia

    @ Silvia
    Jeder wie er denkt. Ok. :o Ladylike ist anders.


    @ Jenny
    Ich wünsch dir alles Gute und vor allen Dingen, dass du alles schaffst, was du dir vorgenommen hast und dir wünscht. 44.

    LG Betty

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Guten Morgen ;D

    auch ich habe mich beruhigt und mir überlegt euch weiterhin Gesellschaft zu leisten. Vielleicht ist es ja auch für mich ein bisschen schwierig da ich noch ganz am Anfang steh und die meisten von euch schon über einen längeren Zeitraum trocken sind. Wie ich schon erwähnt habe, schaffe ich es durchaus auch mal 3-4 Tage ohne auszukommen, aber selbst das fällt mir schwer und gelingt mir nur durch extreme Selbstdisziplin. Gefährlich sind für mich immer die Situationen, in denen ich unter Streß stehe, und das passiert nicht selten, da ich mich oft mit Haushalt,Job und Kinder überfordert fühle. Mein Mann ist beruflich öfters unter der Woche nicht da und ich bin mit den Kids alleine.
    Ich denke der Austausch mit euch ist eine gute Alternative zur SHG, auch wenn es nicht unbedingt vergleichbar ist. LG

  • Guten Morgen Jenny,

    es freut mich, dass Du hier bleibst!

    Deinen Schilderungen nach scheinst Du vor allem psychisch vom Alkohol abhängig zu sein. Er ist „Dein Entspannungsmittel“, das Dir hilft den Stress zu bewältigen.
    Ich bin ja ein Verfechter der Frage: Wozu habe ich Alkohol gebraucht?
    Was wollte ich damit wegdrücken, "niedertrinken", mich aus der Situation "wegbeamen", mir das nötige Selbstbewusstsein antrinken, und manchmal auch (so war's bei mir, die berühmte "LmAaA-Einstellung" antrinken?

    Du schreibst, dass Dich die Kinder, der Job und der Haushalt überfordern, bzw. Du Dich überfordert fühlst.
    Das ist auf Dauer auf keinen Fall gut.
    Die Frage ist für mich dann: Was kannst Du daran ändern? Wo ließe sich Druck von Dir nehmen?
    Kannst Du an Dir etwas ändern? Dabei denke ich gerade vor allem daran, dass man es gar nicht so selten selbst ist, „der sich überfordert“, also feste Erwartungshaltung an sich selbst hat.
    Die u. U. von anderen gar nicht gefordert werden.

    Du bist wegen Deiner Essstörung und den Depressionen schon einige Zeit in Therapie. Sind diese Punkte dort schon angesprochen und bearbeitet worden?
    Aufhören lässt mich der Satz von Dir: „… schaffe ich es durchaus auch mal 3-4 Tage ohne auszukommen, aber selbst das fällt mir schwer und gelingt mir nur durch extreme Selbstdisziplin.“
    Das liest sich für mich so, als wäre das eher die Ausnahme? D. h., „eigentlich“, also im Normalfall trinkst Du regelmäßig, Tag für Tag?

    Schwierig, schwierig!

  • Guten Morgen!

    Vielleicht ist es ja auch für mich ein bisschen schwierig da ich noch ganz am Anfang steh und die meisten von euch schon über einen längeren Zeitraum trocken sind.

    Wir haben ALLE am Anfang angefangen. Und das Sprichwort "Aller Anfang ist schwer" ist durchaus berechtigt.
    Versuch mal, ein Auto anzuschieben - man könnte glauben, das geht gar nicht. Und dann geht's doch und wird immer leichter - bis die erste Steigung, das erste Schlagloch, die erste Kurve kommen ...

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Ja, Dietmar, ich habe bis vor kurzem fast jeden Tag getrunken. Und das Thema mit der Überforderung ist auch ständig Gesprächsstoff in der Therapie. Aber im Moment gibt es da leider keine Lösung, da die Kinder noch zu klein sind. Später wird sich die Situation bestimmt wieder entspannen wenn sie nicht mehr so auf meine Hilfe angewiesen sind. Da ich sonst niemanden habe ( Großeltern sind schon sehr alt und Freunde habe ich kaum da ich mich in den letzten Jahren sehr zurückgezogen habe), komme ich auch kaum dazu mal mir was "Gutes" zu tun. Mein Mann unterstützt mich wo er kann, aber wie gesagt, er ist viel unterwegs. Auch in dem Punkt, das ich den Alkohol zur Entspannung einsetzte, hast du wohl Recht. Ich trinke grundsätztlich erst, wenn die Kinder im Bett sind, und das wirkte unheimlich entspannend.
    LG

  • Hallo Jenny,

    es freut mich, dass du dich beruhigen konntest. Schön, dass du bleibst. 44.

    Hast du einmal darüber nachgedacht, ob du tatsächlich diejenige bist, die die höchsten Ansprüche an sich stellt? Kannst du schwer "NEIN" sagen? Warum ist es so, wenn es so ist? Hast du es schon einmal anders versucht? Wenn du magst, dann denk doch mal darüber nach. Vielleicht kommst du dort schon ein Stückchen weiter? Und - ja - mach alles Schritt für Schritt. Nicht in Hetze. Langsam kommt man auch ans Ziel. Vielleicht manchmal sogar sehr viel bedachter und vor allen Dingen gedanklich aufgeräumter. Alles Gute dir weiterhin.

    LG Betty :blumen2:

    Auf dem Weg zu mir lerne ich mich immer besser kennen. <br />Ich habe Freundschaft mit mir geschlossen und freue mich, dass ich mir begegnet bin.<br /><br />Ich bin lieber ein Original als eine herzlose Kopie.

  • Liebe Jenny,

    es ist sehr schwierig zu Deiner Situation von außen einen wirklich helfenden Rat geben (jenseits der Alkoholproblematik), ohne die Eckvoraussetzungen zu kennen.

    Ihr habt (zwei?) kleine (wie klein?) Kinder, Du hast dazu noch einen Job (Halbtags, Ganztags?) und musst den Haushalt schmeißen.
    Ich glaube aus eigener Erfahrung nicht, dass es wirklich Sinn macht, auf Zeit zu spielen.

    Zum einen Mal kann sich Deine Alkoholproblematik binnen Kurzem drastisch verschärfen, auch, wenn Du das heute noch nicht so siehst.
    Und dann wird es erheblich schwierige und komplizierter adäquate Lösungen zu suchen.

    Ich kenne Eure finanziellen Möglichkeiten nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass Du Dir z. B. betr. Haushalt Hilfe holst. Das ist wirklich nicht furchtbar teuer. (Gerne lasse ich Dir per PN entsprechende Links zukommen!)

    Ich denke auch, dass es für Dich mal wichtig und richtig wäre, zum Beispiel „mal für 14-Tage“ ganz auf Alkohol zu verzichten. Weil, durch den permanenten Konsum kurbelst Du ständig Dein Suchtverlangen an, und die Zeiten dazwischen sind, wie Du ja selbst schreibst „nur mit Mühe und hoher Selbstdisziplin durchzuhalten“.

    Ich schreibe Dir hier aus meiner jahrzehntelanger Erfahrung: Wenn man (sogar) selbst, so wie Du, das Problem mit dem Alkohol als Suchtmittel erkannt hat, dann ist jedes Hinausschieben ein Vertiefen der Sucht. Du kannst von den Betroffenen, die irgendwann die Umkehr fertigbrachten, fragen, wen immer Du möchtest: Meist war das eigene Erkennen, dass „da was immer mehr aus dem Ruder läuft“ schon sehr früh vorhanden.
    Dann hoffen Betroffene sozusagen auf ein Wunder. „Ich werde das schon in den Griff bekommen“. „Ich muss das kontrollieren können“. „Wenn ich mal viel Zeit für mich habe, dann werde ich es angehen, das Problem.“ U. v. a. m.

    Aber leider funktioniert das in aller Regel überhaupt nicht. Zumeist braucht es einen richtigen „Crash“, dass Betroffene aktiv werden. Das ist dann sehr, sehr häufig ein stationärer Entzug, lange Krankschreibung, und bei vielen ist eine spezielle Suchttherapie notwendig.

    Bitte, ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen! Aber aus meinen vielen, vielen Jahren, in denen ich „funktionieren musste“, weiß ich, dass ich viel Zeit vertan habe, die im Grunde genommen verschwendete Zeit war.

    Nur zur Anregung! Wie das bei Dir umzusetzen ist, weiß ich aufgrund fehlender Kenntnisse Deines persönlichen Möglichkeiten nicht!

  • Lieber Dietmar,

    erstmal vielen lieben Dank für deine netten Zeilen. Also an deiner Schreibweise allein merkt man schon daß du wohl in deiner Vergangenheit schon sehr viel durchgemacht hast und viele Erfahrungen sammeln konntest.
    Meine Kinder sind jetzt 7 Jahre alt(Zwillingsmädchen), eine Haushalthilfe möchte mein Mann nicht, ich mußte kurz nach der Geburt der Kinder für einige Wochen eine in Anspruch nehmen weil ich mir das Becken gebrochen hatte. Das hat damals meinem Mann schon nicht gefallen, er ist in dieser Beziehung ziemlich eigen und macht dann lieber alles selbst als dies von "Fremden" erledigen zu lassen. Dasselbe gilt auch für die Betreuung unserer Kinder. Meine Therapeutin hat dies nämlich auch schon mehrfach angesprochen.

    Was glaubst du, wenn ich jetzt 14 Tage am Stück auf Alkohol verzichte, würde es mir dann leichter fallen,ganz darauf zu verzichten? Wie ist denn da so die Erfahrung?
    Wie lange bist du jetzt abstinent?

    LG

  • Liebe Jenny,

    danke für das liebe Kompliment!

    Ich versuche halt, so zu schreiben und die Worte zu wählen, wie ich es auch im sogenannten „real life“ tun würde. Das Internet verleitet sehr dazu, so jedenfalls meine Beobachtung, Dinge zu schreiben, die man sonst „so“ niemals seinem realen Gegenüber sagen würde.

    So wie ich das jetzt aus der Ferne verstehe, ist Dein Mann ein sehr resoluter, viel arbeitender und wahrscheinlich auch ein sehr kontrollierter (?) Mann?
    Er scheint, wohl auch aufgrund Deiner „Heimlichkeit des Trinkens“, das Ausmaß Deiner … ich sage es mal ganz sanft .. Suchtneigung nicht wirklich zu verstehen.
    Das ist auch heute noch sehr verbreitet: „Dann hör halt auf damit!“ – „Du hast doch Alles“ – „Was zum Teufel fehlt Dir, dass Du Alkohol brauchst“ – bis hin zu: „Dann trink halt nur hin und wieder“.

    Eben alles Aussprüche von Menschen, die keinerlei Erfahrung mit dieser, und das möchte ich jetzt einmal kräftig betonen, oft tödlich verlaufenden, alles daneben (das gesamte Leben) vernichtenden Suchterkrankung haben.
    Leider auch sehr häufig für die davon Betroffenen „das Hemmnis“ sich zu outen und aktiv etwas dagegen unternehmen zu können.

    Nur: Wenn ich, was Du ja sicher möchtest, Dich hier so ernst nehme, wie Du Deine Problematik beschreibst, dann wird „da etwas passieren müssen“.

    Du wirst, wenn Du nicht immer und ewig „untergebuttert“ werden willst, Deinem Mann reinen Wein einschenken müssen.
    Sowohl was Deine Überforderung anbetrifft, als auch Deinen Hang mittels Alkohol daraus flüchten zu wollen.
    Ich glaube schon lange nicht mehr daran, dass dieses Problem sich „in Luft auflöst“, meinetwegen wegen „Goodwill“ oder „auf Zeit spielen“.
    Ehrlich? – Alles Murks, das direkt in eine viel, viel tiefere, gefestigte Abhängigkeit führt, aus der es nur noch mit sehr drastischen Einschnitten wieder hinausgeht!

    Du hast ja schon selbst Dein Beispiel No. One genannt: Mein Mann glaubt nicht, dass ich ein Alkoholproblem habe … er ist der Meinung, dass … dies und das …

    Zitat

    Was glaubst du, wenn ich jetzt 14 Tage am Stück auf Alkohol verzichte, würde es mir dann leichter fallen,ganz darauf zu verzichten?

    Zunächst einmal: Verzicht ist die schlechteste aller Varianten! Nicht mehr wollen, von mir aus „die Schnauze davon voll haben“, endlich „frei“ zu sein, ist wahrlich eine Option – solange Du sie noch haben wirst!

    Zitat

    Wie ist denn da so die Erfahrung?

    Die Erfahrung ist, dass mal 14-Tage keinen Alkohol mehr zu konsumieren ein guter Anfang ist.
    Wie geschrieben befeuerst Du nämlich momentan permanent Dein „Belohnungssystem“ im Gehirn mit dem – noch! – wohltuenden Alkohol. Aaahhh – endlich, Entspannung, loslassen können, gefühlsmäßig mittels einem fürchterlichen Suchtmittel.

    Verständlich! Aber dieses Belohnungssystem in unserem Hirn ist unglaublich empfindlich und empfänglich für solche Stoffe.
    Es stellt nämlich irgendwann seine körpereigene Produktion von Endorphinen (eben von den Glückshormonen) ein, und giert nach mehr, mehr, mehr ….

    Zitat

    Wie lange bist du jetzt abstinent?

    Ich wurde hier einmal im Forum aufgefordert zu überlegen, wie lange ich schon insgesamt abstinent war bzw. bin.
    Hm … ich glaube, nach meinem ersten bewussten Suchtausstieg kommen da deutlich mehr als 20 Jahre zusammen eher Richtung 30, aber so genau weiß ich es nicht.
    Ich hatte in 2015 eine fürchterliche Krise, in der ich wieder zum Alkohol griff. Das endete leider sehr schlimm.
    Aber seit da bin ich wieder frei vom Verlangen nach dem Suchtstoff.
    Und, ich habe, so hoffe ich wenigstens, alle fördernde Aspekte aus meinem Leben gebannt. (Wobei man das nie wirklich weiß!) Aber ich fühle, dass ich auf einem sehr guten, zufriedenen und sehr frei bestimmtem Weg bin.

  • Leider kann ich hier im Forum warum auch immer keine PN verschicken oder die Beiträge anderer lesen, deshalb muß ich meine Fragen hier weiter stellen.
    Dietmar, wieder muß ich dir mal wieder in allem was du da so vermutest Recht geben. Allerdings weiß ich, und das schon seit langer Zeit, daß sich unbedingt etwas ändern muß und ich möchte es ja auch unbedingt auch, aber es ist so verdammt schwer.
    Ich mach mir oft das Leben selbst schwer und versinke oft in Selbstmitleid. Da spielen wahrscheinlich Schuldgefühle eine sehr große Rolle, tiefste Schuldgefühle meiner Kinder gegenüber. Ich selbst bin Scheidungskind und hatte alles andere als ne schöne Kindheit, eine Mutter, der ich einfach nur lästig war und die letztendlich auch dafür sorgte daß ich auf "normalem" Wege keine Kinder bekommen kann. Ich habe mir immer Kinder gewünscht, weil ich es einfach besser machen wollte. Unsere Kinder sind durch künstliche Befruchtung entstanden, was insgesamt 9 Jahre und 12 Behandlungen in Anspruch genommen hat. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie groß und perfekt unser Glück war. In der Schwangerschaft kam die ES zum Ausbruch und ich habe Dinge getan, die ich mir bis heute nicht verzeihen kann. Ich habe dadurch das Leben meiner Kinder aufs Spiel gesetzt. Sie sind glückerweise kerngesund zur Welt gekommen und seitdem versuche ich eben alles um das wieder gut zu machen. Meine Depressionen und die ES haben sich weiterhin verschlimmert und ich war mehrfach stationär in Behandlung, alles erfolglos. Ich habe angefangen mit trinken....bis heute. Alles Scheiße

  • Die meisten von euch können das sicher nicht nachvollziehen und verachten mich jetzt bestimmt, aber diese scheiß Krankheit ist so brutal, da muß man drin stecken um das nur ansatzweise nachvollziehen zu können.

  • Liebe Jenny,

    ich finde es besser, wenn wir uns weitgehendst, bis auf eventuelle sehr private Fragen, hier im Forum austauschen. Weil, der Sinn so eines Forums ist es ja u. a., dass Alle etwas davon haben, also auch die, die noch lange nicht so weit sind wie Du und sich gar nicht getrauen sich anzumelden (völlig anonym!! Grantiert!!).

    Ich verstehe Dich nur zu gut: Allein die Erkenntnis zuzulassen, dass man mit dem Alkohol, der ja allgegenwärtig und „völlig normal“ in unserer Gesellschaft ist, nicht klar kommt, die … ja, wenn ich bei mir zurückdenke, die tut erstmal „weh“.

    Es ist häufig eine Eigenschaft von Menschen, die süchtig werden, dass sie „sich das Leben schwer machen“. Das Selbstmitleid ist dann eine Folge davon. Eine Erkenntnis, die einem wie ein Schlag trifft „oh Mann, was ist nur mit mir los? Ich komme überhaupt nicht mehr mit meinem Leben klar! Was wollen denn Alle von mir?!“

    Schuldgefühle und Scham ist auch häufig bei Betroffenen festzustellen.
    Wobei zu den aus der Vergangenheit des Lebens entstandenen „Schuldkomplexen“ bei Alkoholikern halt schon häufig das meist ganz unbewusstes Schuldgefühl dazu kommt, nicht „zu genügen", und "versagt zu haben, weil man trinkt".

    Ich kann mir Euer Glück, endlich dann Kinder bekommen zu haben, schon sehr plastisch vorstellen!
    Das ist ja erstmal nur etwas Schönes, Glückliches, Erfüllendes.
    Aber, ich sehe, weil es bei mir und meiner damals von mir sehr geliebten Frau auch ein schwieriger Weg bis dahin war, auch den immensen Erwartungsdruck.
    Der natürlich nicht einfach aufhört, nur weil das Kind dann endlich da ist!

    Weißt Du Jenny, das Alles mag unendlich viel dazu beigetragen haben, dass Du heute bist, was Du bist und wie Du bist.
    Aber die Vergangenheit werden wir nie wieder verändern können.

    Genau genommen, das ist für Dich jetzt wahrscheinlich in Deiner momentanen Situation schwer zu verdauen, verschwenden wir jede Sekunde in Gedanken an die Vergangenheit in unserer Gegenwart.
    In der wir all das, was wir „früher“ falsch gemacht haben, ändern können – wenn wir wollen, wenn wir „zu uns zurück“ finden.

    „Alles Scheiße“ schreibst Du.
    Ich schreibe Dir: Nein, nicht Alles!
    Es war vermutlich die beste Entscheidung Deines Lebens hier in diesem Forum Kontakt und Beistand zu suchen.
    Das, liebe Jenny, ist ein großer Schritt aus Deinem Dilemma heraus.
    Jetzt liegt es – wieder einmal, aber diesmal selbstbestimmt und Dich frei machend – an Dir, die weiteren Schritte zu tun.
    Wir alle hier, auch ich, können Dich begleiten, Dich stützen, Dir unsere Erfahrung mit dieser schlimmen, so menschlichen und seit vielen, vielen Jahrhunderten existierenden Krankheit mitteilen, aber: „Den Hund kann man nicht zum Jagen tragen.“

    Ich weiß, wie Du Dich jetzt fühlst!
    Das letzte Mal, als ich getrunken hatte, in Selbstmitleid ersoffen bin, die Welt mir nichts mehr bot, als Mühsal, mich plagen müssen, mich aber auch – aufgrund der alkoholischen Schädigungen – nicht mehr selbst kümmern konnte, da sehnte ich mich danach, dass „Irgendjemand kommen würde, herzensgut und voller Verständnis, mich an der Hand nehmen würde, und mir helfen würde“.
    Dabei war Alles was ich brauchte „in mir“ und „bei mir“.
    Nämlich: Ich selbst!

    Ich möchte Dir heute etwas schenken:

    „Du bist wundervoll,
    so wie Du bist.
    Versuche nicht,
    jemand anders zu sein.“

    Das, wonach Du suchst, ist bereits da, in Dir.
    Es liegt nicht außerhalb Deiner selbst. Du bist bereits, was Du werden möchtest.
    Und Du bist wundervoll, so wie Du bist.
    Du musst daher nicht in die Zukunft gehen, um zu werden,was Du sein willst.
    Alles, wonach Du suchst, ist schon da, im Hier und Jetzt!

    (Thich Nhat Hanh aus: „Sei liebevoll umarmt – Achtsamkeit leben jeden Tag“

  • Hallo Jenny,

    sag` ich doch : Dietmar ist echt toll ! Er kann sich (obwohl wir ihn nicht persönlich kennen) gut in unsere Lage versetzen, bleibt immer objektiv und verfügt über ein tolles Einfühlungsvermögen!
    Zu meinem schwerkranken Sohn sag` ich auch immer : ,,Zusammen sind wir stark, gemeinsam schaffen wir alles !"


    LG Silvia

  • Guten Morgen Ihr Lieben,

    wie geht es euch?

    Silvia, darf ich fragen woran dein Sohn so schwer erkrankt ist? Wie erging es dir in den letzten Tagen?

    Eine Frage: Hat von euch jemand bereits Erfahrung mit Baclofen gemacht?

    LG

  • Guten Morgen Zusammen,

    Danke für das liebe Feedback!
    Wenn man hier so schreibt, antwortet, dann weiß man ja nie, wie’s am anderen Ende der Leitung ankommt.
    Und Ihr seht es hier im Forum, wahrscheinlich ist es so auch anderswo im I-net, dass recht viele um Rat fragen – und dann irgendwo da draußen im Nirwana verschwinden.

    Liebe Jenny,

    ja, hm … jetzt Baclofen … 8)
    Ich schreib es Dir, wie ich es denke, aber wahrscheinlich bemerkst Du das zur Zeit selbst: So ein bisschen springst Du im Kreis wie eine Maus, der in das Schwänzchen gebissen wurde. Und WAS hat gebissen? ;)
    Wohl die jetzt immer deutlicher und konkreter werdende Erkenntnis, dass Dein Alk-Problem ganz erheblich geworden ist? (Ich kann Dir nur aus meinem Erfahrungsschatz heraus schreiben: Es wird, wenn Du nicht aktiv etwas dagegen unternimmst, noch viel, viel schlimmer werden!)

    Ja, ich habe Erfahrung mit Baclofen. Sowohl aus eigenem Erleben mit diesem Medikament, als auch durch das Miterleben bei anderen betroffenen Alkoholikern.
    Zunächst einmal muss ich Dir klar schreiben, dass Baclofen in Deutschland zur Behandlung gegen Sucht nicht zugelassen ist. Dein Arzt müsste also willens sein, Dir das Medikament gegen … z. B. Krämpfe zu verschreiben.

    In der (in Frankreich recht gut erforschten) Anwendung gegen Suchtdruck werden allerdings sehr viel höhere Dosieren angewandt, wie bei den ursprünglich gedachten Anwendungen. (Das hat mich anfangs wohl sehr müde und "lasch" gemacht.)
    Ich habe einen sehr erfahrenen Suchtarzt in einer sehr schwierigen Krisensituation gebeten mir das Mittel zu verordnen. Was dieser auch getan hat, allerdings musste ich anfangs zumindest 1 x wöchentlich bei ihm vorsprechen.
    Insgesamt habe ich es ungefähr 1 ½ Jahre eingenommen.

    Ganz klar: Es muss der unbedingte Wille und die Absicht vorhanden sein, nicht mehr trinken zu wollen!
    Auch gesicherte Erkenntnis: Wenn man unter Baclofen mal einen „Ausrutscher“ hat, dann trinkt man bedeutend weniger, wie zuvor üblich.
    Ich hatte tatsächlich an 2 aufeinander folgenden Tagen so einen Ausrutscher. Der Anlass war praktisch kein Suchtdruck, sondern meine leichtsinnige Neugier. >:(
    An beiden Tagen habe ich bei je einem Liter Bier, also 2 Flaschen, das „Experiment“ beendet.
    Ich kenne etliche Alkoholiker, die mit dem Trinken nicht aufgehört haben, aber unter Baclofen sehr deutlich ihren Konsum reduzieren konnten. (Einer hat sich zuvor regelmäßig ins Koma gesoffen. Unter Baclofen trank er nur noch sehr moderat und konnte „funktionieren“. Aber meines Wissens nach war er schon immer, zumindest abends, im Verhältnis zu einem Nichtalkoholiker, ein wenig angesäuselt. Ein anderer, mit dem ich ziemlich regelmäßigen Kontakt habe, trinkt seither bestenfalls im 2 -3 Wochen Rhythmus.)

    Die Nebenwirkungen von Baclofen sind noch nicht vollständig erforscht. So „munkelt“ man, dass Prof. Ameisen, der Erfinder der Baclofentherapie gegen Suchtdruck, an Herzversagen gestorben ist, das u. U. zumindest durch Baclofen begünstigt worden sein soll.
    Ich meine auch hier im Forum ist ein Arzt unterwegs, der im Suchtbereich tätig ist und schon reichlich Erfahrung mit Baclofen gesammelt hat. Praxx?

  • Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort lieber Dietmar.

    Ja, mir ist bewußt das ich ein ernsthaftes Problem habe, nein, nicht nur eins, da kommen wohl einige Baustellen zusammen. Meine ganze Person besteht aus einer einzigen Baustelle :-[

    Ich habe Baclofen von meiner Ärztin verschrieben bekommen(auf Kassenrezept), allerdings für die Essstörungen, da es ja dem Suchtdruck entgegenwirken soll und dies in meinem Fall ja auch eine Suchterkrankung ist. Allerdings habe ich damit noch nicht begonnen, obwohl ich es schon seit über 4 Wochen zu Hause liegen habe. Einerseits aus Motivationsgründen, daß ich es auch ohne schaffe, andererseits weil ich Angst vor den Nebenwirkungen habe. Habe mich in den letzten Monaten ausführlich mit dem Medikament beschäftigt und mir einige Erfahrungsberichte eingeholt.
    Was war eigentlich der Auslöser für deine Alkolsucht?

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