Hallo Emily,
es freut mich, dass du schon so lange abstinent bist und leichten Herzens das Leben genießen kannst.
Anstoßgebend für den Entschluss zur Abstinenz war die Erkenntnis, dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann und das es keine Lösung für Probleme ist sondern neue Probleme schafft.
Ich habe mich durch die Philosophie des Stoizismus gezwungen mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Mit dem Stoizismus kam ich zufällig in Kontakt und durch ein Youtube Video das ich mir angehört habe während ich verkatert herumgelegen habe. Das hat sich so schlüssig angehört sodass ich mich in der alkoholfreien Zeit immer mehr damit beschäftigt habe. Natürlich gab es zwischendurch wieder Besäufnisse aber der Same war gepflanzt.
In einer Episode ging es um das Aufschieben von Aufgaben und alltäglichen Dingen im Leben und dort wurde erzählt, dass es den perfekten Tag nicht gibt, dass er niemals kommen wird und das der beste Zeitpunkt anzufangen nicht Morgen ist auch nicht Übermorgen sondern jetzt.
Das es immer Probleme geben wird und das Leben sich nicht darum kümmert wie es mir geht und das niemand kommen wird um mich zu retten.
Als es zu Auslöser kam die mich sonst dazu gebracht hätten Bier zu besorgen, habe ich mit mir selbst gesprochen "Du hast eine Entscheidung getroffen du kannst kein neues Heim bauen mit alten Ziegeln". Ich habe mich vor den Spiegel gestellt und gelernt "Nein!" zu sagen. Ich habe mich im Fitness Studio angemeldet um Kondition aufzubauen und ich habe schnell sichtbare Erfolge gesehen. Mein Umfeld war positiv überrascht und das hat mir noch mehr Motivation gegeben.
Inzwischen habe ich eine Ausbildung als examinierter Pflegefachmann gemacht in den drei Jahren der Corona Pandemie. Ich habe dort gesehen wie zerbrechlich das Leben ist und das alles gibt mit die Kraft mich weiterzuentwickeln.
Heute, wenn mein Unterbewusstsein mir Alkohol zur Lösung von Problemen vorschlägt, beobachte ich den Gedanken, denn nichts weiter ist es, und lasse ihn wie eine Wolke am Himmel vorbeiziehen.Als Beobachter, ohne zu reagieren. Nur beobachten und dann zu sagen "das definiert mich nicht, das sind die Trümmer der Vergangenheit."
Ich schaue kein TV mehr, ich Vergleiche mich nicht mit anderen den niemand lebt mein Leben. Ich unterscheide zwischen Dingen die ich ändern kann und denen die außerhalb meines Einflusses liegen. Wenn ich es nicht ändern kann nehme ich es als gegeben hin und führe mein Leben weiter.
So bin ich zu geistiger Klarheit und inneren Frieden gekommen und lebe seither nach dieser Philosophie.
Lg
Patrizius