"Unänderbar" wäre für mich negativ behaftet - egal in welchem Kontext. So ticken wir alle unterschiedlich, was ok ist.
Ich habe lange mit dem Wort ‚unänderbar‘ gerungen. Mir war es aber wichtig, das Wort so drastisch und unverrückbar zu nehmen und nicht weichzukochen. Gerade WEIL es negativ behaftet ist.
Der Hintergrund ist ernst: 2019 haben wir in unserer Familie einen unänderbaren Schicksalsschlag hinnehmen müssen, kurz darauf noch einen, der uns bis heute begleitet. Ostern 2025 schlug das Leben noch einmal unverhandelbar zu. Da half kein Hadern. Das Leben hatte uns am Kanthaken und wir konnten dem Unvermeidlichen nicht entkommen.
Was ich aber machen konnte, war der Umgang mit diesen extremen Umständen. Meine Lehren hatte ich aus 2019 mit dem Doppelschlag gezogen. Und ich fühlte mich 2025 deutlich stabiler, ja, fast souverän, im Vergleich zu den anderen Erlebnissen.
Das liegt vermutlich aber auch an meiner Demut. Ich stelle mich nach außen oder in meinen Texten zwar oft hochmotivierend dar, als könnte mich nichts mehr erschüttern. Aber tief drinnen bin ich sehr demütig und dankbar für gute Zeiten – gerade weil ich weiß, dass diese endlich sind. Dass einem das Leben eine große Herausforderung vor die Füße wirft, ist nicht die Frage des ‚Ob‘, sondern des ‚Wann‘.
Von daher sehe ich die guten Zeiten – in der Hoffnung, sie mögen lange bleiben – als Ladezyklus für die schlechten Zeiten. Ich bin wirklich dankbar für jeden Tag, an dem ich morgens in den Spiegel blicke und mir sagen kann: Es geht mir gut. Diese Demut wiederum sorgt hoffentlich für eine Resilienz, wenn wieder eine Prüfung kommt (auf die ich gut und gerne verzichten kann).
Du hast vollkommen recht: Jeder muss das Mantra oder die Einstellung für sich selber prüfen, etablieren und verinnerlichen.
Ich habe da für mich einen augenscheinlich sehr technischen Ansatz entwickelt, der dafür sorgt, dass ich mich immer selber kalibrieren kann. Und zwar ohne Ausreden. Viele Mantras, Sinnsprüche und Zitate sind emotional unterfüttert oder lassen sich, je nach Stimmungslage, weich auslegen. Die Antwort, die man sich selber gibt, ist dabei meistens ebenfalls emotional gefärbt (und damit oft manipulierbar).
Das habe ich ausgekontert. In meinem Abfragesystem gibt es KEINE emotionale Antwort. Es gibt nur Ja oder Nein – und darauf basierend eine Handlung. Diese ‚Ja/Nein/Handlung‘-Abfrage ist abgesichert mit prägnaten Regeln, sodass man sich nicht selber täuschen kann. Das nimmt der ‚Suchtstimme‘ oder dem ‚Schweinehund‘ die Möglichkeit zu diskutieren.
Was in meiner Ausführung extrem technisch klingt (was es im Kern auch ist), lässt sich aber wunderbar didaktisch aufsetzen und für kleine oder große Entscheidungen nutzen.
Kritiker würden sagen, dieses System der ‚radikalen Selbsterkenntnis‘ wäre zu brutal, zu mechanisch, vielleicht sogar entmenschlichend. Ein System für ‚gnadenlose, kalte Selbstoptimierer‘. Ich würde entgegnen: Viele Systeme der Lebensführung sind zu weich, zu interpretativ und bieten oft nur softe Lösungswege an, die im Ernstfall einknicken.
Das ist ein spannendes Thema. Aktuell arbeite ich diese Selbstführung für mich wissenschaftlich auf und stelle fest: Das, was ich intrinsisch gelebt habe, dockt an viele psychologisch fundierte Methoden an und vereint sie oft. Bei Interesse schreibe ich gerne mal eine Zusammenfassung über das System.
Ironischerweise ist der grundlegende Impuls für dieses strikte Selbstcoaching ausgerechnet an einem bierlaunigen Abend entstanden. Wir haben damals die Frage diskutiert: ‚Wo und wann bin ich eigentlich selber das Problem? Und was kann ich tun, um das Problem zu lösen? Eigentlich muss man sich doch nur an die eigene Nase fassen.‘
Genau diesen Kern habe ich dann genommen und systematisch ausgearbeitet. Ich habe die bierselige Idee quasi nüchtern professionalisiert – und bin dann endlich ins Handeln gekommen. Es gab schlichtweg keine Ausreden mehr vor mir selbst.
Was als Antwort blieb, war die Wahl zwischen Selbstbetrug oder Handlung. 1 oder 0. Ja oder Nein. Unveränderbar.
Denn darauf folgt normalerweise der ‚Faktor Mensch‘, der sagt: ‚Boah... puhh, ja, hast ja recht... ABER...‘ Der Januar, der Monat der Vorsätze, ist ja das perfekte Beispiel für die Lücke zwischen Erkenntnis und Selbstaufgabe. Deswegen: Ein bisschen pure, ‚entmenschlichende‘ Logik ist manchmal genau der richtige Arschtritt. ![]()