Beiträge von Kogge

    "Unänderbar" wäre für mich negativ behaftet - egal in welchem Kontext. So ticken wir alle unterschiedlich, was ok ist.

    Ich habe lange mit dem Wort ‚unänderbar‘ gerungen. Mir war es aber wichtig, das Wort so drastisch und unverrückbar zu nehmen und nicht weichzukochen. Gerade WEIL es negativ behaftet ist.

    Der Hintergrund ist ernst: 2019 haben wir in unserer Familie einen unänderbaren Schicksalsschlag hinnehmen müssen, kurz darauf noch einen, der uns bis heute begleitet. Ostern 2025 schlug das Leben noch einmal unverhandelbar zu. Da half kein Hadern. Das Leben hatte uns am Kanthaken und wir konnten dem Unvermeidlichen nicht entkommen.

    Was ich aber machen konnte, war der Umgang mit diesen extremen Umständen. Meine Lehren hatte ich aus 2019 mit dem Doppelschlag gezogen. Und ich fühlte mich 2025 deutlich stabiler, ja, fast souverän, im Vergleich zu den anderen Erlebnissen.

    Das liegt vermutlich aber auch an meiner Demut. Ich stelle mich nach außen oder in meinen Texten zwar oft hochmotivierend dar, als könnte mich nichts mehr erschüttern. Aber tief drinnen bin ich sehr demütig und dankbar für gute Zeiten – gerade weil ich weiß, dass diese endlich sind. Dass einem das Leben eine große Herausforderung vor die Füße wirft, ist nicht die Frage des ‚Ob‘, sondern des ‚Wann‘.

    Von daher sehe ich die guten Zeiten – in der Hoffnung, sie mögen lange bleiben – als Ladezyklus für die schlechten Zeiten. Ich bin wirklich dankbar für jeden Tag, an dem ich morgens in den Spiegel blicke und mir sagen kann: Es geht mir gut. Diese Demut wiederum sorgt hoffentlich für eine Resilienz, wenn wieder eine Prüfung kommt (auf die ich gut und gerne verzichten kann).

    Du hast vollkommen recht: Jeder muss das Mantra oder die Einstellung für sich selber prüfen, etablieren und verinnerlichen.

    Ich habe da für mich einen augenscheinlich sehr technischen Ansatz entwickelt, der dafür sorgt, dass ich mich immer selber kalibrieren kann. Und zwar ohne Ausreden. Viele Mantras, Sinnsprüche und Zitate sind emotional unterfüttert oder lassen sich, je nach Stimmungslage, weich auslegen. Die Antwort, die man sich selber gibt, ist dabei meistens ebenfalls emotional gefärbt (und damit oft manipulierbar).

    Das habe ich ausgekontert. In meinem Abfragesystem gibt es KEINE emotionale Antwort. Es gibt nur Ja oder Nein – und darauf basierend eine Handlung. Diese ‚Ja/Nein/Handlung‘-Abfrage ist abgesichert mit prägnaten Regeln, sodass man sich nicht selber täuschen kann. Das nimmt der ‚Suchtstimme‘ oder dem ‚Schweinehund‘ die Möglichkeit zu diskutieren.

    Was in meiner Ausführung extrem technisch klingt (was es im Kern auch ist), lässt sich aber wunderbar didaktisch aufsetzen und für kleine oder große Entscheidungen nutzen.

    Kritiker würden sagen, dieses System der ‚radikalen Selbsterkenntnis‘ wäre zu brutal, zu mechanisch, vielleicht sogar entmenschlichend. Ein System für ‚gnadenlose, kalte Selbstoptimierer‘. Ich würde entgegnen: Viele Systeme der Lebensführung sind zu weich, zu interpretativ und bieten oft nur softe Lösungswege an, die im Ernstfall einknicken.

    Das ist ein spannendes Thema. Aktuell arbeite ich diese Selbstführung für mich wissenschaftlich auf und stelle fest: Das, was ich intrinsisch gelebt habe, dockt an viele psychologisch fundierte Methoden an und vereint sie oft. Bei Interesse schreibe ich gerne mal eine Zusammenfassung über das System.

    Ironischerweise ist der grundlegende Impuls für dieses strikte Selbstcoaching ausgerechnet an einem bierlaunigen Abend entstanden. Wir haben damals die Frage diskutiert: ‚Wo und wann bin ich eigentlich selber das Problem? Und was kann ich tun, um das Problem zu lösen? Eigentlich muss man sich doch nur an die eigene Nase fassen.‘

    Genau diesen Kern habe ich dann genommen und systematisch ausgearbeitet. Ich habe die bierselige Idee quasi nüchtern professionalisiert – und bin dann endlich ins Handeln gekommen. Es gab schlichtweg keine Ausreden mehr vor mir selbst.

    Was als Antwort blieb, war die Wahl zwischen Selbstbetrug oder Handlung. 1 oder 0. Ja oder Nein. Unveränderbar.

    Denn darauf folgt normalerweise der ‚Faktor Mensch‘, der sagt: ‚Boah... puhh, ja, hast ja recht... ABER...‘ Der Januar, der Monat der Vorsätze, ist ja das perfekte Beispiel für die Lücke zwischen Erkenntnis und Selbstaufgabe. Deswegen: Ein bisschen pure, ‚entmenschlichende‘ Logik ist manchmal genau der richtige Arschtritt. ;)

    Ich entschied mich für Ersteres, den Gewöhnungseffekt. Als aufmerksamer Student der Biologie und Verhaltensforschung lernte ich einiges von I. P. Pawlow, D. Attenborough und div. Anderen ... war es wirklich so einfach, sich einmal antrainiertes Verhalten wieder abzutrainieren? War es wirklich nur eine Frage der Zeit, der Kontinuität? Auch des Glaubens, bei Menschen?


    Sich erlerntes Verhalten abzutrainieren ist möglich, keine Frage. Nur, eine tückische Sache bleibt: Das sogenannte Suchtgedächtnis.

    An vielen Stellen wird dieses immer wieder beschworen und zitiert – oft als Totschlagargument und als gigantischer Schatten, der lebenslang über einem hängt. Ein bisschen kann ich das nachvollziehen, und zwar aus eigener Erfahrung. Nach sechs Jahren rauchfrei kam ich bescheuerterweise auf die Idee, mir auf einer Party eine Zigarette anzumachen. Leicht angetrunken hielt ich das für eine gute Idee.

    Was innerhalb von Sekunden passierte, war pures Synapsenfeuerwerk. Es war Silvester im Kopf und das Rauchgedächtnis war von jetzt auf gleich wieder da, als wäre ich nie weg gewesen. Ich hatte damals beim Rauchstopp wirklich alles getan, um mein Verhalten zu ändern. Aber: Die biochemische Autobahn war sofort wieder offen.

    Von daher: Ja, man kann die neuronalen Vernetzungen im Gehirn im wahrsten Sinne ‚trockenlegen‘ oder ‚verbuddeln‘. ABER: Die Vernetzungen bleiben bestehen, und es gibt individuelle Trigger, die sie reaktivieren können.

    Muss man deswegen sein Leben lang Angst haben? Nein, auf keinen Fall. Ich bin mir sicher: Eine versehentliche Praline oder Hustensaft schickt dich nicht katapultartig zurück in die Sucht. Man muss sich diesem Dogma der ‚lebenslangen Gefährdung‘ (Angst) nicht unterwerfen. Man muss stattdessen eines tun: Sich klar dafür entscheiden, alkoholfrei zu leben.

    Ein Freund von mir, 25, Sportstudent, hat in seinem Leben noch NIE Cola getrunken. Er hat einfach keinen Bock drauf. Und so halte ich das auch. Nicht, weil ich es mir verbiete, sondern weil es schlichtweg nicht mein Lifestyle ist.

    Tief in mir drinnen habe ich aber noch die Bilder, wie schlecht es mir ging. Ein Foto auf meinem Handy ist besonders prägnant: Ich stehe neben einer Freundin (Schauspielerin), sie strahlt voller Leben. Und ich sehe nur meine Augen, dieses Gesicht, diese Körperhaltung. Mann, sehe ich da abgrundtief scheiße aus. Am Tag drauf habe ich mein Leben auf links gedreht. Das ist mein Schild. Ich will nicht mehr so aussehen und vor allem: Ich will mich nicht mehr so fühlen.

    Eines ist zementiert in meiner Rübe: Egal, was das Leben mir vor die Füße wirft – ich kann das nur bewerkstelligen mit klarem Kopf. Genuss und die Liebe für das Leben gehen nur mit klarem Kopf.

    Von daher: Ein Nein zum Alkohol ist ein Ja zu mir selbst. So blöde das klingt: Ich habe Bock auf mich. Ich habe gelernt, dass ich wirken kann. Dass ich wertvoll bin, dass ich gestalten kann. Das war viel Arbeit, aber dadurch habe ich gelernt, mich selber zu respektieren und ja, mich selber zu lieben. Und diese Selbstliebe gibt Halt und Stabilität. Selbstwirksamkeit ist der viel bessere Motivator als bloße Akzeptanz.

    Akzeptanz heißt oft: Bewegungslos sein. Abwarten. „Lieber Gott, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich eh nicht ändern kann.“

    Jetzt mal Butter bei die Fische: Was für ein depressiver Satz. Wer sich diesen Satz in die Küche hängt, hat doch innerlich schon kapituliert. Es mag Dinge im Leben geben, die man nicht ändern kann. Das stimmt. ABER: Wie ich mit den Dingen umgehe, das habe ich selber in der Hand.

    Deswegen lautet mein Mantra anders. Nicht um Gelassenheit betteln, sondern Gestaltung zeigen:

    Zitat

    Gib mir nicht die Gelassenheit, Dinge zu ertragen. Gib mir den Mut und die Kraft, das Unänderbare anzunehmen. Ich bin nicht das Opfer der Umstände, ich bin der Gestalter meiner Antwort.


    Viktor Frankl: Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

    Eine spannende Frage dazu: Warum ziehst Du, auch nur theoretisch, in Betracht, einen Rückfall zu haben? Warum kannst Du es nicht ausschließen?

    Ich bin generell auch ein Mensch für Strategien und einen Plan B, das finde ich im Leben immer wichtig. Aber beim Thema Alkohol lässt mein Mindset es gar nicht zu, darüber nachzudenken, was passieren könnte. Für mich fühlt sich das so an: Alleine die theoretische Auseinandersetzung mit dem Gedanken (und dem Plan für den Notfall) hält in meinem Kopf einen Funken wach. Einen Funken, der eher dafür sorgt, dass wieder ein Brand ausbrechen könnte, weil die Option ‚Scheitern‘ ja existiert und abgesichert ist.

    Ich schließe einen Rückfall kategorisch aus. Daran gibt es nichts zu rütteln. Das mache ich beim Nikotin genauso. Ich weiß, dass mich das brutal triggert und wie schnell man wieder ‚drauf‘ ist. Genau deswegen bin ich gewarnt – und genau deswegen ist die Tür nicht nur zu, sondern verschweißt. Da gibt es keinen Spalt mehr für einen ‚Plan B‘.

    Was ich in der Tat bemerke, wenn ich gerade so darüber nachdenke: Allein die Auseinandersetzung hier bringt wieder diesen Funken zum Glimmen. Ich spüre, wie meine eigentlich zugeschütteten neuronalen Autobahnen durch diese Diskussionen fast schon wieder einen neuen Belag bekommen. Eine Fahrbahn, die ich eigentlich abgerissen hatte.

    Nicht, dass ich mir jetzt Sorgen machen müsste – ich stehe stabil. Dennoch bekommt das Thema ‚Alkohol/Rückfall‘ dadurch wieder mehr Raum in meinem Kopf, als es das in den letzten Monaten oder Jahren hatte. Und ich merke: Diese Art der bewussten ‚Wachsamkeit‘, tut mir nicht gut.

    Meine Sicherheit liegt nicht im ständigen Aufpassen, sondern in meiner Lebensphilosophie. Die ist mittlerweile vollkommen automatisiert. Ich denke darüber gar nicht mehr nach, ich lebe sie einfach. Wenn ich aber gezwungen würde, das alles wieder zu zerdenken und abzusichern, dann merke ich, wie mein ‚Zement‘, der hart geworden ist, wieder bröselig wird.

    Möglicherweise ticke ich da neurobiologisch einfach anders oder brauche diese Radikalität für meinen Kopf. Das ist mein Weg.

    Auf die gestrige Frage, was meine Vorsätze für 2026 wären, habe ich nach kurzem Überlegen geantwortet: Die gleiche Konstanz, Leidenschaft und Zielstrebigkeit wie 2023, 2024 und 2025 beibehalten.

    Wenn ich speziell auf 2025 blicke: Es sind wunderschöne Dinge passiert, gleichzeitig hat das Leben mich – und uns – erneut geprüft. Aber es hat uns nicht auseinandergebracht, sondern zusammengeführt.

    Ich habe einigen Menschen notgedrungen Lebewohl gesagt; parallel sind neue, wunderbare Menschen in mein Leben getreten. Und dafür bin ich dankbar.

    2026 hat das Potenzial, richtig gut zu werden, wenn ich dranbleibe: Große sportliche Herausforderungen warten. Mein erstes Buch (nicht die Biografie) soll schlussendlich verlagsfertig sein und hoffentlich verlegt werden. Und wenn nicht – dann lese ich es eben selbst als Hörbuch ein. Auch beruflich zeigen sich neue Möglichkeiten: Was als Schimmer am Horizont begann, wird langsam zu einem echten Sonnenaufgang.

    Wenn ich so zurückblicke – trotz oder gerade wegen der Erfolge und Herausforderungen –, muss ich persönlich sagen, dass 2025 ein gutes Jahr war. Allen gesellschaftlichen Sorgen und Ängsten zum Trotz. Ich habe mich nicht politisieren lassen, bin meiner Linie treu geblieben, durfte manches bewegen und habe mich deutlich weiterentwickelt.

    Und warum das alles? Weil ich am 06.03.2023 die Flasche habe stehen lassen und meinen Weg gegangen bin.

    Geht Euren Weg! Es lohnt sich! Allen einen guten Rutsch und: Bleibt standhaft!

    Tolle Ziele fürs neue Jahr. Viel Spaß beim Training. dAs ist ein gutes Beispiel was nüchtern alles möglich ist 👍

    Schön, dass du das so siehst. Genau das ist die Botschaft, die ich teilen möchte.

    Ich lese an vielen Stellen, wie die Leute straucheln, kämpfen und sich nicht sicher sind, ob sie es schaffen. Oft stellt sich die Sinnfrage, oder man bleibt in Dogmen gefangen. Mein Eindruck ist: Viele, die frisch in die Nüchternheit starten, sehen oft keinen tieferen Sinn darin, aufzuhören – außer, dass sie es eben ‚müssen‘ oder vage ‚möchten‘.

    Und genau das ist der Hebel, den ich ansetzen und teilen will. Er hilft, diesen anfangs fast unbesteigbaren Berg der Nüchternheit zu erklimmen: Setz dir ein fest definiertes Ziel.

    Meines Erachtens sollte das primäre Ziel dabei gar nicht sein, ‚nüchtern zu bleiben‘. Denn Nüchternheit ist in meiner Definition kein Selbstzweck, sondern die zwingende Notwendigkeit, um das eigentliche, große Ziel überhaupt erreichen zu können.

    Ich empfinde es als elementar wichtig, Erfolge zu feiern – greifbare Erfolge, an denen man sich messen und die man weiterentwickeln kann. Wenn ich so ein Ziel vor Augen habe, stellt sich die Frage gar nicht mehr: ‚Gehe ich auf den Weihnachtsmarkt und lasse mich vom Glühwein locken?‘ oder ‚Setze ich mich im Silvestertrubel dem Sekt aus?‘. Denn wenn ich ein festes Ziel habe – zum Beispiel Ostern etwas zu schaffen, was ich noch nie gemacht habe –, dann ist der Alkohol keine ‚Verlockung‘ mehr, sondern ein Hindernis.

    Eine meiner stärksten Motivationen, das Trinken sein zu lassen, war schlichtweg die Frage: Was möchte ich im Leben noch erleben? Und als ich mir die Antwort gegeben hatte – da war von Radmarathons noch gar keine Rede –, war mir sofort klar: Das geht nur OHNE den verschissenen Alkohol.

    Und so habe ich angefangen, den Berg zu besteigen. How to eat an elephant? Bite by bite.

    Das ist eine Motivation, an der man sich festklammern kann, auch wenn es mal richtig schlecht läuft. Wenn man ein Ziel hat – idealerweise eines, das man skalieren kann –, hat man einen dauerhaften Antrieb. Ich will jetzt nicht nur vom Sport reden, aber Sport bietet diese Skalierung perfekt, egal in welchem Alter: Das erste Mal 5 Kilometer laufen. Oder in einem Jahr den 30km Mammutmarsch. Auf dem Rad erst 25 Kilometer, dann 50, dann 100.

    Ich weiß, wie es ist, mit dem Kopf durch die Wand eine Sucht sein zu lassen. Mit reinem Sturkopf. Das habe ich damals beim Rauchen geschafft. Aber es ist mir brutal schwergefallen. Wie oft saß ich da, habe die Kippen angestarrt und mich innerlich mit ihnen gebattelt. Ich hatte damals kein Ziel – ich hatte nur meinen Willen. Das ist anstrengend.

    Dieses Mal hatte ich einen Willen, aber vor allem ein Ziel. Und aus dem Ziel wurde eine Leidenschaft. Und sie hat mich gelehrt, dass nichts linear ist. Dass Rückschritte untrennbar zum Fortschritt dazugehören.

    Deswegen, nochmal:

    Zitat

    Die wahre Kunst – die echte Magie – liegt nicht darin, niemals aufzugeben. Sie liegt darin, das große, verrückte Ziel niemals aus den Augen zu verlieren, auch wenn es mal dunkel wird. Träume groß, arbeite hart, aber vergiss nie, auch gnädig mit dir selbst zu sein.


    Glaubt an Euch, sucht euch ein Ziel, eines für das ihr den Alkohol stehen lassen müsst. :)

    Die Weihnachtstage, teils an der Ostsee verbracht, sind nun rum. Keine besonderen Vorkommnisse, außer, dass es schöne Tage waren.

    Dafür steht 2026 ganz im Zeichen großer Ziele, auf die ich hinarbeiten werde. Nicht nur, dass ich am 12. Juni in Schweden für einen 315-Kilometer-Radmarathon angemeldet bin – ich habe für genau eine Woche später noch einen sehr begehrten Startplatz für ein 24h-Rennen bekommen. Wenn mir vor 3 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich überhaupt mal darüber nachdenken würde, sowas zu machen ...

    In meinem PainCave hängt seit eben ein Poster von ‚Für einen guten Zweck‘ mit dem Satz ‚Ich bin Magie‘ – von Tom Böttcher.

    Dazu habe ich mir notiert:

    Zitat

    Es mag widersprüchlich klingen, sich an dem Ort, an dem man freiwillig leidet, Schweiß vergießt und an seine Grenzen geht, ein Poster mit ‚Ich bin Magie‘ aufzuhängen. Aber genau hier wird die Magie gemacht.

    Für alle, die sich für 2026 Ziele gesetzt haben, die heute noch unmöglich erscheinen: Dieser Weg ist nicht linear. Wir reden oft über ‚No Pain, No Gain‘ und Durchhalten um jeden Preis. Aber die Wahrheit ist: Manchmal ist der Akku leer. Manchmal gewinnt die Couch oder das Leben sorgt für eine Unterbrechung. Manchmal muss man eine Einheit abbrechen. Und weißt du was? Das ist keine Schande. Das ist menschlich.

    Die wahre Kunst – die echte Magie – liegt nicht darin, niemals aufzugeben. Sie liegt darin, das große, verrückte Ziel niemals aus den Augen zu verlieren, auch wenn es mal dunkel wird. Träume groß, arbeite hart, aber vergiss nie, auch gnädig mit dir selbst zu sein.

    Auf ein magisches 2026

    Ich habe mit meiner leidenschaftlichen Rede nur das bestärkt, was Du eigentlich schon gewusst hast. Ggf. habe ich es ein wenig beschleunigt – aber wenn das so ist, dann freut mich das sehr!

    Ja, das elende Thema Sitzen. Das wird bei mir leider auch sehr großgeschrieben und ist einer der Hauptantriebe, warum ich so viel mache. Vielleicht ist es ein bisschen Überkompensation, aber wenn ich vergleiche, wie steif ich mal war und wie (vergleichsweise) flexibel ich jetzt sein darf, da zeigen die vielen Stunden auf der Matte ihre Wirkung.

    Ich habe dem Yoga / Mobility früher auch immer einen gewissen esoterischen Beigeschmack zugewiesen und es eher als notwendiges Übel zur Verletzungsprävention betrachtet. ABER: Mittlerweile kann ich eine gewisse Spiritualität dabei nicht verleugnen. Nach Rücksprache habe ich mir einen eigenen „Flow“ gebaut; ich höre dabei auch immer exakt die gleiche Musik, mache die Übungen quasi auf den Takt genau und kann mich dabei wunderbar erden. Ob als schnelle Routine zum Aufwärmen, bevor es ans Eisen geht, oder als Start in den Tag, oder als langsame, tiefe Routine, um mich selber durchzukneten. Dennoch: Ich muss mich oft selber in den Hintern treten. Aber hinterher bin ich immer froh – gerade wenn ich es geschafft habe, meine Gedanken aus dem Kopf zu bekommen.

    Apropos Gedanken: Gestern war ein lieber Mensch zu Besuch, die ich mittlerweile seit 10 Jahren kenne. Ich könnte locker der Vater der jungen Dame sein, wir kennen uns, seit sie 15 ist. Das Leben hat uns eine Verbindung geschenkt und ich durfte sie durch viele Höhen und Tiefen begleiten; wir sind sehr offen zueinander.

    Gestern hat sie mir ein kleines Geschenk überreicht. Aber das größte Geschenk waren zwei Briefe. Und in Brief zwei schreibt sie in einem Absatz:

    Zitat

    „Junge, guck mal was du gerockt hast. So eine Veränderung, entstanden aus Wille, Disziplin und der Entscheidung, etwas ändern zu wollen. Du kannst ultra stolz auf Dich sein! Ich bin es! Maschine!“

    Und ich schreibe das hier nicht öffentlich, um mich zu beweihräuchern. Ich möchte das an dieser Stelle an EUCH weitergeben.

    Wenn ihr zweifelt, wenn ihr einen schlechten Tag habt, ja, vielleicht am Kipppunkt steht – aber auch, wenn ihr stolz auf euch seid: Dann guckt in den Spiegel und sagt euch genau DAS.

    Vielleicht habt ihr auch jemanden, der stolz auf euch ist. Aber seid auf jeden Fall stolz auf Euch selber! Es ist unheimlich einfach zu fallen, und es ist noch einfacher liegenzubleiben und sich dem Schicksal zu ergeben. Aber aufzustehen und für sich zu kämpfen – ja, vielleicht am Ende besser dazustehen als jemals zuvor, und wenn es „nur“ die eigene Zufriedenheit ist ... dieses Gefühl können nicht viele Menschen nachvollziehen.

    Ihr seid toughe Leute! Lasst euch das niemals ausreden! Ihr seid nicht „krank“, ihr seid Gestalter!

    Richtig Stark Loner!

    Wenn ich Dir einen Tipp geben darf: Denk dran, dass sich deine Sehnen und Bänder nicht so schnell anpassen wie Deine Muskulatur bzw. dein zentrales Nervensystem. Gib ihnen die Zeit mitzukommen.
    Trainiere schlau und vor allem technisch sauber, statt nur auf maximale Progression zu gehen. Man macht gerade am Anfang wahnsinnige Fortschritte und wundert sich, wie schnell die Gewichte wachsen – aber der Bänderapparat kommt da nicht so schnell hinterher. Saubere Technik hat IMMER vorrang vor der Wiederholungszahl und Regeneration ist Key!
    Wir sind halt ‚ältere Herren‘, da bedarf es einer etwas anderen Philosophie. Immer langfristig denken. Das ist ein Marathon, kein Sprint :)

    Eine aktuelle Meta-Analyse mit Daten von knapp 6.000 Probanden aus 2025 zeigt ziemlich eindrucksvoll: Für mitochondriale Anpassungen ist nicht das Alter entscheidend, sondern der Trainingsreiz. Ältere Menschen passen sich prozentual genauso an wie jüngere – jeweils von ihrem eigenen Ausgangsniveau aus.
    Und ganz nebenbei legt die Studie nahe, dass Ausdauertraining auf dem Rad und Krafttraining richtig gut zusammenpassen, weil sie unterschiedliche, sich ergänzende Anpassungen im Körper anstoßen.

    Von daher: Feuer frei!

    Heute war wieder so ein Tag. Am heutigen Samstag, meinem ersten Urlaubstag, wurde ich direkt mit einer sehr erholsamen Nacht beschenkt – die allerdings um Punkt sechs Uhr morgens meinte, sie sei jetzt auch mal fertig.
    Dieses Mal habe ich die Yogamatte ganz bewusst ignoriert (sie lag da sehr vorwurfsvoll) und war stattdessen früh beim Bäcker, um für die Familie Brötchen zu holen. Während am Horizont der Himmel langsam graute und ich nippend am obligatorischen Café Crema durch die neblige Landschaft fuhr, habe ich meine ursprüngliche Tagesplanung kurzerhand über Bord geworfen. Stattdessen setzte sich ein Gedanke fest: Du solltest dich endlich mal wieder richtig lange aufs Rad setzen.
    Zwei Brötchen später – es war neun Uhr – saß ich dann tatsächlich auf dem Rad und ließ es rollen. Ein bisschen Disziplin musste trotz dieses „Leben am Limit“-Gefühls sein: streng Zone 2. Alles über 145 Puls war heute offiziell verboten. Was sich mit frischen Beinen und bei 2 Grad Außentemperatur als… sagen wir: ambitioniert herausstellen sollte.
    Aber die Mystik des Morgens hatte mich sofort in ihren Bann gezogen. Nebelschwaden, eine aufgehende Sonne, jagende Bussarde und Falken, Reiher, die aus den Gräben aufflogen, kaum Menschen, kaum Verkehr. Und als Bonus schickte mich das Navi größtenteils über Wege, die ich trotz guter Ortskenntnis noch nicht kannte – Überraschungsei, nur ohne Spielzeug.
    Nebelschwaden waberten über die Aller, Sonnenlicht schob sich wie Finger durch die Kiefernwälder, auf festem Schotter knirschten die Reifen. Immer wieder breitete ich die Arme aus, der Fahrtwind ließ mich fast fliegen, und eine angenehm unheimliche, sehr zufriedene Glückseligkeit machte sich breit.
    Kilometer 60 wurde gekrönt mit einem doppelten Cappuccino und einem Krampfen auf… einem nicht ganz so romantischen Supermarktparkplatz. Aber ich saß da, lächelte und beobachtete die Hektik der Leute – inklusive eines Ehepaars, das sich wegen eines Einkaufswagens ernsthaft in die Flicken bekam. Samstagmorgen-Romantik kann so vielfältig sein.
    Weiter ging es Richtung Heimat, als plötzlich noch ein Freund dazustieß. Ich begleitete ihn ein Stück, es gab gute Gespräche, ein paar fiese Anstiege (die laut Pulsuhr eigentlich gar nicht existierten) und schließlich saß ich bei Kilometer 85 in seinem Wohnzimmer – mit tiefgründigem Austausch und dem obligatorischen Proteindrink. Rituale sind wichtig.
    Zu Hause angekommen war die Familie gerade unterwegs in die Stadt. Die warme Couch nahm mich liebevoll in Empfang, und ein kurzer, aber intensiver Schlummer folgte.
    Gut, es gab später noch ein kleines Donnerwetter, weil die Küche nicht aufgeräumt war, als meine Frau zurückkam. Aber vollkommene Perfektion ist selten.
    Und heute war ich verdammt nah dran.
    Für nichts auf der Welt gebe ich das wieder her.

    Mein Auto hat 6 Airbags, eine top Knautschzone, perfekte Gurte und 5 Sterne im ADAC-Crashtest. Beim letzten schweren Verkehrsunfall mit 180 habe ich verdammtes Glück gehabt, da lebend rausgekommen zu sein – ohne bleibende Schäden.

    Aber nun ja ... nur um sicherzugehen, dass das Auto mich auch wirklich weiter schützt, fahre ich jetzt mal testweise mit 100 gegen die Wand? Und stelle dann erleichtert fest: ‚Zum Glück ist nichts passiert‘? Daraus leite ich dann ab: ‚Super, ich kann ja weiter rasen, ich bin ja auf der sicheren Seite‘?

    To make a long story short: Ich bin mir meiner selbst auch sehr sicher. Ich halte auch nichts von den dramatischen Geschichten, dass einen der versehentliche Tropfen Alkohol im Tiramisu sofort ins Jenseits katapultiert. ABER: Ich habe die schmerzhafte Erfahrung vom Rauchen gemacht. Da haben 3-4 Kippen nach 6 Jahren Rauchfrei gereicht, um mich für ein ganzes Jahr wieder zum harten Raucher zu machen. Das Suchtgedächtnis hat sofort übernommen.

    Von daher: Ich lasse lieber das Rauchen und auch das Trinken als ‚Experiment‘. Es wäre für mich komplett sinnfrei, das Risiko einzugehen, nur um zu beweisen, was ich eh schon weiß. Die Stabilität, sehr, sehr glücklich ohne diese Dinge zu sein, reicht mir als Bestätigung völlig aus.

    Dein Experiment, Paul , sorgt ggf. nur dafür beim nächsten gesellschaftlichen Empfang doch den angebotenen Sekt zu nehmen. Ist ja nur ein Sekt, der schmeckt nicht und O-Saft ist gerade nicht zur Hand.

    Ist dein Leben mit dem du spielst. Vielleichst brauchst Du den Kick? Das wäre eine schwere Red Flag, meiner Ansicht nach. Und ich bin echt ein gemäßigter Typ.

    Nachtrag des Nachtrags: Ich arbeite in einem Bereich, wo viele Kinder unterwegs sind, unterschiedlichster Altersstufen, in einer Trabantenstadt, die jetzt nicht unbedingt zu den Ärmsten gehört.

    Wenn ich jetzt mal so grob in die Frühstücksboxen der Kinder gucken darf, stelle ich fest: Viele Kinder haben noch nicht einmal eine Frühstücksbox dabei. Das Klischee der ‚Dinkeldörte‘ ist also schwer unterrepräsentiert. Wenn ich allerdings meinen Blick in die Auslage des ansässigen Mensabetreibers werfe und sehe, was da am Morgen bis zum Nachmittag neben dem 4 Euro-Mittagessen in der Auslage liegt: Nur Weißmehl und Zucker. Ausschließlich. Gut, okay, das war übertrieben, es gibt noch Proteine in Form von (Geflügel-)Hotdog-Würstchen, die dann noch im passenden Brot landen.

    Ansonsten gibt es KEINEN Tag, wo nicht irgendwas Frittiertes auf den Auslageblechen liegt. Größter Streitpunkt im Bildungsausschuss der Trabantenstadt ist nicht die Qualität der Mensa, sondern die Ausschreibung, ob noch jemand billiger sein könnte.

    Aber dann ... kommt einmal im Jahr der ‚Veggie-Day‘ – der übrigens aus frittiertem Blumenkohl besteht – und es folgt der Aufschrei der Eltern: ‚Wir lassen uns unser Fleisch nicht wegnehmen ...‘

    Interessanterweise, weil wir ja auch gerne über Migranten schimpfen: Wenn wir mal in einen türkischen, syrischen oder iranischen Supermarkt gucken: Ist euch auch mal aufgefallen, wie dick, rot, prall und lecker die Gemüseabteilung dort ist? Habt ihr mal dort auf die Preise geguckt?

    Woher das nur kommt ... und wenn türkische, syrische, iranische Mamas kochen ... tja, was soll ich sagen, wenn der Deutsche daneben die Dr.-Oetker-Pizza schnabuliert. ;)

    In dem Sinne, meine Matte wartet!

    Zitat

    Überwiegend, ja. Aber die Nahrungsmittel-Industrie hat auch kein Interesse daran, dass wir selber kochen. So ganz unschuldig ist die auch nicht. Abgesehen davon können sich Bio und Waren direkt von den Erzeugern viele nicht mehr leisten. Aber das mit Solawi schau ich mir mal an. Das kenne ich noch nicht.

    Das ist so nicht ganz richtig. Wenn wir uns die Daten anschauen, wie viel Geld vom VERFÜGBAREN Haushaltseinkommen in Lebensmittel fließt, liegen wir in Deutschland bei ca. 10–12 %. Das ist ziemlich wenig. Andere europäische Länder liegen bei 13–15 %, weltweit sind die Kosten im Vergleich zum Einkommen oft noch deutlich höher. Das Verhältnis zur Kaufkraft für Lebensmittel ist in Deutschland tatsächlich sehr günstig.

    Am Geld selber liegt es nicht, eher an den Prioritäten, in was man sein Geld investiert. Gleichzeitig haben wir in Deutschland relativ wenig echte Esskultur; Essen ist bei uns eher funktional statt kulturell. Wir sind das Erfinderland des Discounters, und zu Aldi oder Lidl zu gehen, um Schnäppchen zu shoppen, ist mittlerweile auch für den Porschefahrer ganz normal. Anstatt bei Feinkost Käfer feinste, handgestreichelte Möhren zu kaufen – plakativ gesagt.

    Man muss es ganz klar sagen: Essen ist es uns nicht wert. Und die Nahrungsmittelindustrie bedient einfach nur unsere Faulheit und unser Desinteresse an der Nahrung selber. Wenn wir in die Kantinen der Firmen gucken, rangiert Currywurst-Pommes ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Bei VW gab es eine Riesenmeuterei, als man die Currywurst aus Gesundheitsgründen streichen wollte.

    Wenn wir uns weitere Daten ansehen, etwa die Zeit in der Küche, gibt es auch interessante Erkenntnisse: Pro Woche steht der Deutsche 5,4 Stunden in der Küche. Der Italiener, hoch lebe das Klischee der frischen Pasta, 7,1 Stunden. Sogar die Amis kochen 5,9 Stunden. Die haben mit ihrem BBQ wenigstens sowas Ähnliches wie Esskultur, auch wenn wir über den gesundheitlichen Wert streiten können. Da zählt der Social Factor mit rein. Indien steht mit 13,2 Stunden am Herd, Südkorea mit 3,7. Allerdings hat Asien eher eine Kultur des Essengehens; dafür geht die Kohle drauf und der Koch kocht gesund. Der Workload der aufgezählten Länder ist wie bei uns, teils höher. Also an der Zeit liegt es auch nicht.

    'Unsere' Prioritäten – neben der Deckung der Fixkosten (Miete etc.) – sind das Auto, Reisen plus andere Gadgets wie Handy, Netflix, Fußball. Ich sag mal so: Wer freiwillig 5 Euro für miesen Glühwein aus dem Tetrapack ausgibt, sich aber bei ALDI über die Gurkenpreise aufregt, hat eine verschobene Priorität. Aber nicht zu wenig Geld.

    Schlussfolgerung: Wir haben genug Geld. Aber keinen Bock, fahren dafür lieber Auto und in den Urlaub. Übrigens ist das eine Prägung aus dem Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg. Davor, sofern in den Daten verlässlich bekannt, sah es ganz anders aus.

    Nachtrag – mein Wissensdurst wollte noch gestillt werden: Südkorea gibt 27–28 %, Japan 26 % und Taiwan 28–30 % des Haushaltseinkommens für Ernährung aus. Und jetzt wird es interessant, legen wir mal Gesundheitsdaten daneben: Japan und Südkorea haben 4–6 % adipöse Menschen, Italien 10–12 %. Deutschland liegt bei 20–25 %. Deutschlands Zahlen wirken auf den ersten Blick vielleicht 'niedrig', sind aber viel schlimmer, wenn man auf das Alter schaut: Je älter, desto dicker.

    Die Lebenserwartung kann man auch direkt danebenlegen. Japan hat die höchste Lebenserwartung, die USA unter den Industrienationen die niedrigste. Deutschlands Lebenserwartung liegt irgendwo dazwischen. Das liegt aber nicht an unserer guten Lebensweise, sondern daran, dass wir sehr gut darin sind, Krankheiten, die wir uns vorher angefressen haben, medizinisch zu reparieren – und die Gemeinschaft zahlt die Rechnung.

    Ein ‚Suchtgen‘ hast Du nicht. Aber eine feste Verschaltung im Gehirn. Wenn dieser Impuls kommt – also zum Beispiel, wenn ich mir eine Lindt-Kugel reinschiebe –, feuern die Synapsen sofort und in Millisekunden Dopamin ab.

    Das Tückische daran ist: Dieser Urinstinkt ist so laut, dass er den präfrontalen Cortex (unseren Verstand, der eigentlich mahnt: ‚Lass das, ist ungesund/teuer‘) einfach übertönt oder kurzzeitig komplett ‚ausknipst‘. Deswegen fühlt es sich in dem Moment an, als hätte jemand einen Schalter umgelegt und man könne nicht mehr klar denken. Das ist rein biologisch gesehen der Kampf „Trieb gegen Verstand“.

    Wenn man das weiß, kann man etwas besser damit umgehen und es nicht sofort als persönliches Versagen werten. Hat das direkt was mit der (vergangenen) Sucht zu tun? Bedingt, würde ich sagen. Es gibt in meinem Falle genug Trigger, die mich weder rauchen noch trinken lassen. Gerade beim Thema Alkohol hatte ich schon ‚Unfälle‘ (unbeabsichtigte Kontakte), und das tangiert mich emotional in keiner Weise mehr.

    Aber Zucker in Kombination mit Fett? Das ist biochemisch wie eine Atombombe für mich. Warum die gerade so extrem zündet, weiß ich nicht genau – vielleicht, weil es der ultimative Energiespeicher für den Steinzeitmenschen in uns ist.

    Auf der anderen Seite ist der Kontext entscheidend: Wenn ich Sport mache, also wirklich lange Radfahre, fahre ich mir massenhaft Zucker rein. Aber dann bin ich danach auch total gesättigt - übersättigt sogar und dieser "Rush" bleibt aus. Eher quäle ich mir die "Gels" rein. Auch eine Lindt Kugel würde mich da nicht schocken.

    Zu Hause vor dem Schrank aber schon.

    Weihnachten war bei uns immer irgendwie belastet und nie so frei, wie ich es mir gewünscht habe. Das hatte viel mit familiären Einflüssen zu tun, aber auch mit einem heftigen Schicksalsschlag vor 8 Jahren, der noch einmal einen besonderen Schatten auf diese Tage gelegt hat. Damit war es dann quasi zementiert: „Mein“ Weihnachten (das meiner eigenen kleinen Familie) trat in den Hintergrund, das Weihnachten der anderen (Verwandtschaft) trat in den Vordergrund.

    Kurz gesagt: Ich war der barmherzige Gastgeber, dessen eigene Wünsche und Bedürfnisse – und auch die der Kinder – nicht zählten. Hauptsache, das System funktionierte.

    Aber wir machen das dieses Jahr anders: Die Verwandtschaft bekommt einen zweistündigen Besuch – und dann rauschen wir mit guten Menschen an die Ostsee ab. Dort wird gemacht, was WIR wollen: Zusammensein, oder auch mal auseinandergehen. Vielleicht ein bisschen Radfahren oder mit meiner Tochter angeln. Einfach sein.

    Ein bisschen Egoismus für sich selber tut gut. Und mit dieser Erkenntnis freue ich mich ehrlich gesagt zum ersten Mal seit Langem wieder auf Weihnachten – und ich weiß, dass sich auch die Kinder sehr darauf freuen.

    Insofern: Die kommerzielle Art von Weihnachten liegt mir nicht so. Aber die spirituelle Botschaft, sich bewusst umeinander zu kümmern, die finde ich gut. Das heißt für mich gleichzeitig auch: Man muss nicht jedem zwanghaft vergeben. Aber man muss klar bei sich bleiben.

    Vielen Dank für Eure Beiträge und Eure Offenheit! Ich gehe vollkommen mit, dass es wichtig ist, sich ab und zu zu hinterfragen und neu zu kalibrieren. Das ist nicht nur in Bezug auf die eigene Sucht wichtig, sondern für den eigenen Lebensweg und das allgemeine Wohlbefinden essenziell.

    Ich habe mir selber ein – ja, wie nenne ich es – eigenes Abfrage- und Reflexionsschema zusammengebaut, welches ich in der Zwischenzeit auch fachlich validiere und didaktisch aufarbeite.
    Dieses System dreht sich im Kern um einfache, aber entscheidende Fragen: „Was fühle ich? Wie geht es mir?“ Und – das ist der entscheidende Schritt – welches aktive Verhalten leite ich jetzt daraus ab, um mir gutzutun?
    Was nach außen vielleicht wie ein technisches Muster wirkt, ist, wenn man es verinnerlicht hat, oft eine schmerzhafte, aber heilsame Erkenntnis: Dass man meistens selber der Ursprung – aber eben auch gleichzeitig die Lösung – des Problems ist.
    Die Kernfrage lautet also: „Wie und wo bin ich eigentlich Bestandteil des Problems?“ Und die Praxis beginnt jeden Morgen mit dem Blick in den Spiegel: „Wie geht es Dir – und was brauchen wir heute?."
    Das ist jetzt sehr einfach zusammengefasst, da es auf die Frage "Wie geht es Dir, was brauchst Du jetzt" auch "falsch Richtige Antworten" erfolgen können die sagen : "Du fühlst dich schlecht, hol die mal ein Bier." Aber auch für solche Antworten sind Schutzmechanismen eingebaut.

    Im Endeffekt sorgt dieses System für klare Antworten durch brutale, mathematische Logik. Aber wie gesagt, was im Kern extrem technisch klingt, ist enorm empathisch und pädgagisch zu vermitteln.

    Bevormundung/Wissen ... von Kindesbeinen an wird gepredigt, sauf nicht so viel, gleichzeitig wird gesoffen was was Zeug hält, ... Kulturgut, die Versprechen der Werbung, Fernsehen etc. = niemand kann sich dem entziehen ... mittlerweile, ausser man lebt im Regenwald, in einem Funkloch.

    Prävention, auch in der Schule, wird eher stiefmütterlich behandelt, es gibt sie zwar, doch wenn sie nicht fruchtet, was nützt sie dann? Klar, besser wie nix, das war's aber schon.

    Zurück zu Kogges Thread, Sport, Bewegung und die Freunde daran kann man erlernen, sicher nicht für jeden etwas, doch arg gesund, sogar lebensverlängernd, sofern man es will ^^ .


    Aber genau das, was du sagst, Paul: Du triffst den Punkt wunderbar.

    Ich möchte dazu mal ein Bild zeichnen: Vergleiche uns Menschen mal mit einem Stück Treibholz auf einem großen, reißenden Fluss, dessen Ufer du kaum siehst. Das Treibholz bist du. Der Fluss – das ist die Strömung aus Werbung, ‚Kulturgut‘, gesellschaftlichem Druck und Gewohnheiten.

    Ich sage immer: Jedes Kind kommt komplett unschuldig auf die Welt. Es kennt diesen Fluss noch nicht. Aber sobald wir in diese Gesellschaft hineinwachsen, werden wir in diese Strömung geworfen. Und wenn wir nicht aktiv werden – also keine ‚Schwimmbewegungen‘ machen oder uns kein ‚Ruder‘ bauen (Struktur, Sport, Bewusstsein) –, dann treiben wir einfach dahin, wo der Fluss uns hinhaben will.

    Und genau das ist oft das Problem der Prävention: Sie bringt uns nicht bei, wie man schwimmt oder rudert. Sie mahnt uns nur, nicht unterzugehen. Ich muss gerade an meine Schulzeit denken, wo wir ein Video einer Lungen-OP sehen „durften“. Die schwarze Lunge eines Rauchers als Abschreckung. Und was war das Ergebnis? In der Pause sind wir aufs Schulklo und haben erstmal eine geraucht. Weil die Angst allein keine Handlungskompetenz erzeugt.

    Wenn man sich das aber bewusst macht – gerade WEIL man selber früher so unheimlich die Kontrolle verloren hat –, ist es ein schönes Gefühl, wieder handlungsfähig zu sein. Nur dieses Mal bewusster und reflektierter. Es geht darum, die Handlungshoheit zurückzugewinnen. Und wenn die Handlungshoheit entscheidet: ‚Hau Dich auf die Couch, leg die Füße hoch‘ – dann ist das auch okay. Weil es deine Entscheidung ist, nicht die der Trägheit.

    Wobei ich da auch ehrlich sein muss: Bei mir erlebe ich gerade in einem Bereich den Verlust von Handlungshoheit. Ich habe mir mal verdeutlicht, wie viele Süßigkeiten ich die Woche gegessen habe. Wenn ich das mal klar aufsummiere, ist das viel zu viel von der stärksten, akzeptiertesten Droge überhaupt: Zucker. Und das in der fatalen Kombination mit Fett.

    Ich merke, dass ich da überhaupt kein Maß habe, sobald ich mir ein Stück Schokolade – oder diese tollen Lindt-Kugeln (Teufelszeug) – reinfahre. Ergo: Trotz Weihnachten muss ich mich da disziplinieren. Macht mir das Spaß? Nein. Aber ein ‚Schokomonster‘ will ich auch nicht werden.

    Wobei ich dabei noch einem ganz anderen Auslöser auf die Spur gekommen bin – einem Problem, das für viele erst mal absurd klingen mag (Luxusproblem): Ich esse oft zu wenig. Nicht, weil ich ein Problem mit dem Essen habe oder hungern will, sondern weil mein Kalorienbedarf durch die Aktivität so hoch ist, dass ich im Alltag oft nicht hinterherkomme. Das hat gedauert, bis ich das letztes Jahr kapiert habe.

    Und da war die Verknüpfung plötzlich logisch: Der Körper funkt ‚Tank leer!‘, der Kopf denkt: ‚Du hast so viel getan, jetzt kann man sich auch mal was gönnen‘ ... und zack: Wo sind die Lindt-Kugeln? 😂 Ja, irgendwas ist immer.

    Danke euch AmSee13 13 und Sparkassen_Helga assen_Helga für die wichtigen Einwände. Ich lese bei euch vor allem die Sorge vor einer Suchtverlagerung und die Kritik am modernen „Selbstoptimierungs-Wahn“ heraus. Dennoch möchte ich hier differenzieren: Denn zwischen einer zwanghaften Flucht in die Leistung (aus Mangel) und einer aktiven Lebensgestaltung (aus Fülle) verläuft eine entscheidende Grenze.

    Kommen wir einmal zum Vorwurf des ‚Selbstoptimierungswahns‘: Wenn ich mir die nüchternen Statistiken des Bundesamtes ansehe, komme ich anhand der Gesundheitsdaten – quer durch die Bank, aber besonders bei Männern – zu einem zwangsläufig anderen Schluss: Unsere Gesellschaft könnte ganz dringend ein bisschen mehr ‚Selbstoptimierung‘ vertragen. Denn was wir aktuell da draußen als ‚Normalität‘ oder ‚guten Durchschnitt‘ akzeptieren, gleicht statistisch gesehen eher einem kollektiven ‚Verfallswahn‘.

    Und das Ganze wird dann gerne – Stichwort Social Media – unter dem Deckmantel von ‚Body Positivity‘ verkauft. Das ist für mich die toxische Kehrseite der Medaille: Wenn Selbstakzeptanz dazu führt, dass wir massive gesundheitliche Risiken einfach schönreden.

    Ich finde es schwierig, dass ein gesteigerter Aktivitätsbereich sofort negativ konnotiert wird. Klar, auch im Sport gibt es massive Ausreißer – Leute, die dopen oder Schmerzmittel nehmen. Das ist ungesund, keine Frage. Aber schauen wir doch mal auf die andere Seite: Da ist gerade eine berühmte Spritze schwer angesagt, um jahrzehntelangen ungesunden Konsum einfach ‚wegzuspritzen‘. Ich kenne mittlerweile mehr Leute, die sich Chemie in den Bauch jagen, anstatt ihre Lebensweise aktiv zu verändern. Da frage ich mich: Was ist hier das krankere Verhalten?

    Und zum Thema ‚Suchtverlagerung‘: Ich habe keine validen Daten gefunden, die belegen, dass eine signifikante Masse an ehemals substanzabhängigen Menschen plötzlich sportsüchtig wird. Ich würde wetten: Die Zahl ist verschwindend gering. Dagegen ist die Zahl derer, die aus Langeweile, fehlender Struktur und körperlichem Unwohlsein rückfällig werden (zurück zur Flasche), vermutlich um ein Vielfaches höher als die derer, die sich ins Burnout trainieren. Wir sollten also aufpassen, dass wir vor lauter Angst vor dem ‚Zuviel‘ nicht das lebensrettende ‚Genug‘ verhindern.

    Was ich in meiner Blase beobachte, ist, dass die Argumente, etwas NICHT zu tun (insbesondere aktiven Sport), oft schwerer wiegen, als etwas zu tun. Der Grund liegt oft in der Angst, die Komfortzone wirklich zu verlassen.

    Ich stehe aber zu meiner strukturierten Bewegung. Und ja, dazu gehört auch bewusst das „Über-die-Grenzen-Gehen“. Seinen „Sport“ durchzuziehen, auch wenn das Wetter schlecht ist, ist ein extrem wichtiger Lerneffekt für den ganzen Körper – nicht ungesund, sondern heilsam: Wir reden hier von mentaler Stärke und Resilienz. Wir reden hier von Antrieb und Überwindung.

    Gerade und INSBESONDERE bei suchterkrankten Menschen sehe ich das als eine extrem wirkungsvolle Umlenkung. Nach teils Jahrzehnten des erlebten Kontrollverlusts auf maximaler Ebene, das Gefühl zu haben, endlich wieder KONTROLLE zu haben, ist eine wertvolle, wirksame, synaptisch hocheffektive Erfahrung.

    Zu „Create your best self“: Vor diesem Hintergrund finde ich den Satz gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Jeden Tag den Anspruch zu haben, ein wenig besser zu werden ... oder sagen wir es weicher: Jeden Tag den Anspruch zu haben, ein wenig positiv zu WIRKEN, finde ich einen sehr erstrebenswerten Ansatz. Wenn wir das alle machen würden – und zwar aus einem positiven, sozialen, intrinsischen Ansatz –, wäre unsere Gesellschaft ein Stück besser.

    Aber oft bleiben wir lieber in der Stagnation und warten, ob eine Lösung an die Tür klopft. Anstatt auf der Couch zu sitzen und – überspitzt gesagt – dem Weihnachtsmarkt hinterherzutrauern. Denn warum trauern wir dem Weihnachtsmarkt hinterher? Ist es zwangsläufig der Alkohol? NEIN, ich denke nicht. Es ist die Verbindung, die über den Alkohol geschmiedet wird. Soll man sich deswegen aus der Gesellschaft zurückziehen? Nein. Der Körper strebt nach Glück, Anerkennung, Endorphinen. Die muss ich ihm geben, sonst lande ich nicht in der Sportsucht, sondern schnell in Depression und Einsamkeit.

    Das ist jetzt vielleicht ein wenig zugespitzt formuliert, aber die Muster stimmen. Es hängt immer noch, wenn man süchtig war, dieses Handtuch des Büßertums über der Sucht. Man darf nicht zu laut, zu stark, zu erfolgreich sein. Dieses Handtuch gehört endlich mal weggezogen!“

    Und jetzt ein ganz konkretes Beispiel aus dem Hier und Jetzt: Ich sitze hier gerade auf der warmen Couch, einen Kaffee in der Hand, und tippe diese Zeilen. Die Uhr tickt. Es ist gerade sehr gemütlich und warm.

    Habe ich jetzt akut Lust, auf meine Matte vor mir zu gehen und mich hier 15-20 Minuten durchzubewegen? Nein, habe ich nicht. Ich habe null Bock drauf.

    Aber wenn ich den Schlendrian jetzt kommen lasse und nicht auf die Matte gehe – was kein ‚Selbstoptimierungswahn‘ ist, sondern Selbstwirksamkeit und der nötige Ausgleich zum Sitzen im Büro –, dann mache ich einen Schritt rückwärts.

    Ich habe es in diesem Augenblick selbst in der Hand. Der Schweinehund flüstert: ‚Komm... noch ein Käffchen, Kogge... bleib sitzen.‘ Meine Antwort: Nein. Denn genau diese Stimme der Bequemlichkeit hat mich damals woanders hingeführt.

    Ich gehe lieber auf die Matte und genieße eine Entscheidung FÜR mich. Und genau darum geht es: Aktiv handeln. Und auf meiner Liste des Tages habe ich einen Haken gemacht: Der aktiven Selbstfürsorge.

    Schönen Tag Euch!

    Mag mal jemand den Text, den ich gerade bei Loner geschrieben habe – den letzten –, hier rüber kopieren? Damit sind meine intrinsische Motivation und auch die Selbstfürsorge erklärt. Auf die anderen Antworten gehe ich später ein, ich sehe das durchaus differenzierter.

    Ich muss mich im Text erst einmal sammeln, ich habe ja angedeutet meinen Impuls hier noch zu teilen, aber das braucht einen Augenblick.

    Aber: Das Probetraining heute war echt super. Erst Cardio, dann Beine, dann Oberkörper und zum Schluss Bauch. Hat voll Spaß gemacht mal wieder die Muskeln zu spüren. Fühlt sich gut an. Also jetzt noch. Morgen nicht mehr ^^. Aber so soll es ja auch sein. Ganz ohne Anpassungsschmerz ist auch irgendwie doof. Ne, will ich wieder machen. Hat auch was von Auszeit nehmen, Me-Time, Selbstführsorge und den Stress weg drücken.

    Mal ganz abseits vom Leistungsgedanken und irgendwelchen hochtrabenden, sportlichen Zielen: Ich empfinde aktive Bewegung – also die, bei der wirklich der Schweiß läuft – als eine ganz archaische Art, sich selbst wieder zu spüren und die Kontrolle für sich zu übernehmen.

    Es sind diese bewussten Entscheidungen: Gehe ich zum Training? Ja. Mache ich noch eine Wiederholung der Übung? Ja.Und ganz wichtig auch: Mache ich heute bewusst NICHTS? Ja. Weil ich verstanden habe: Die schönen Dinge (das Wachstum) passieren in der Regeneration.

    Diese Art von Struktur ist meiner Meinung nach unheimlich geeignet, ungesunde Lebensweisen gar nicht mehr in den Fokus rücken zu lassen. Denn plötzlich hat man ein ganz eigenes, neues Ziel.

    Zitat

    Jetzt bin ich mit 90 kg bei 176 cm zu schwer. Das würde meinen Knien nicht gut tun.

    Wir sind von den Maßen sehr gleich. Ich bin vor 3 Jahren mit 93 Kilo auf 1,75m in mein nüchternes Leben gestartet. Jetzt bin ich bei 78 Kilo, mein Körperfett liegt mittlerweile im unteren zweistelligen Bereich.

    Und jetzt mit Verlaub – und das soll in keiner Weise überheblich klingen: Aber mit fast 48 Jahren, und einer harten „Suff“-Karriere im Rücken, am Beckenrand zu stehen und einer der Fittesten im ganzen Bad zu sein ... das fühlt sich verdammt gut an. Und es ist die beste Rückfallprävention.

    Das Ganze ist nicht erreicht worden mit „5x die Woche ins Gym rennen“, sondern mit smartem Hybrid-Training über 3 Jahre hinweg. Altersangemessen, ohne Diäten. Mit kleinen, niederschwelligen Bausteinen, die nach und nach aufeinandergestapelt wurden.

    Aber mein wirklicher intrinsischer Antrieb ist folgender: Ich habe zwei Töchter, beide in der Pubertät. Und ich habe nach den Jahren des schlechten Umgangs mit mir selbst den Anspruch, ein Vorbild zu sein. Ein Vorbild, das sich nicht aufgegeben hat. Ich war ein Papa, der schwach war. Aber ich bin heute ein Papa, der das erkannt hat, der an sich arbeitet und nun zu 1000% immer für seine Töchter da ist – stark und kraftvoll.

    Ich möchte nicht nur ein „Fit-Dad“ sein, sondern später auch ein „Fit-GrandDad“, der lange ein aktiver Opa sein kann. Und keiner, der mit schwerem Atmen nicht mehr die Treppe hochkommt.

    Das ist meine wirkliche Motivation. Und wenn das auf manche „kompensatorisch“ wirkt: Ja, bitte. Gerne. Aber eine bessere Kompensation mit diesem Ziel gibt es nicht. Man arbeitet am Ende nicht nur für sich selber, sondern für die, die man liebt.

    Aber Loner : Du hast es damals verbissen gesehen und damit Fehler gemacht. Diese Verbissenheit hat dich vielleicht auch mit in die Sucht getrieben. Vielleicht ging beides Hand in Hand. Aber jetzt hast du ja klar dazugelernt und kannst dich selber sauber und GESUND coachen.

    Es geht nicht mehr um Leistung um jeden Preis – das ist nur ein netter Nebeneffekt. Es geht jetzt um Selbstwirksamkeit.

    Das mag alles richtig sein, aber nicht jeder Mensch hat Bock soviel Sport zu machen, täglich Yoga, der Fit-Dad zu sein, an Wettkämpfen teilzunehmen, die Ernährung umzustellen und 5mal die Woche zu pumpen. Es gibt auch andere Lebensentwürfe. So wie ich Loner verstanden habe ist er nach 300 Tagen manchmal wieder gedanklich beim Alk. Da bietet die Sport-Bude eine Alternative dazu mit komischen Gedanken und langen Abenden umzugehen.

    Natürlich gibt es andere Lebensentwürfe. In keiner Weise muss mein Vorgehen für alle 1:1 gleich aussehen. Und um das ganz klar zu bestätigen: Niemand muss zum „Fit-Dad“ mutieren, wenn das nicht sein Ding ist. Aber es ist schön, davon mal ab.

    Aber wir sollten vorsichtig mit diesen Klischees sein. Das Bild vom ‚5x die Woche pumpen‘ wird nämlich gerne als Totschlagargument genutzt, um gar nicht erst anfangen zu müssen. Dabei ist das sportphysiologisch totaler Quatsch und oft sogar destruktiv. Kein vernünftiger Mensch verlangt das.

    Wenn wir uns die offiziellen Empfehlungen der WHO anschauen, reden wir von ganz anderen, machbaren Zahlen: 150 bis 300 Minuten moderate Aktivität pro Woche (z. B. zügiges Gehen oder Radfahren) ODER 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität.
    Das sind im Schnitt 20 bis 40 Minuten am Tag. Das ist kein Hexenwerk und erfordert kein Leben im Fitnessstudio – aber es macht den entscheidenden Unterschied für Körper und Psyche.
    Aber – und das ist der entscheidende Punkt, warum mir Bewegung so wichtig ist – das Prinzip der körperlichen Aktivität ist nicht zufällig gewählt. Es ist in der Medizin und Psychologie unbestritten, dass Bewegung eines der probatesten und wirksamsten therapeutischen Mittel überhaupt ist, gerade wenn es um psychische Stabilität und Suchtprävention geht.

    Warum? Weil es nicht nur ablenkt, sondern biochemisch wirkt. Es baut Stress ab, reguliert den Hormonhaushalt und fördert die Heilung des Gehirns.

    Das Spannende ist: Mein Zugang war anfangs rein intuitiv. Es wurde einfach umgesetzt, was sich richtig anfühlte. Die nachträgliche Beschäftigung mit der Theorie zeigte dann überraschenderweise, wie deckungsgleich dieses Verhalten mit modernen Therapieansätzen (wie Salutogenese oder Verhaltensaktivierung) ist. Dass die Wissenschaft das bestätigt, untermauert meinen Satz „Nur aufhören reicht nicht“ massiv. Man muss aktiv etwas Neues, Gesundes entgegensetzen.

    Es liegt mir fern, jemanden zu überreden, aber hinter diesem System stehe ich fest, weil es mir nicht nur Nüchternheit, sondern echte Lebensqualität geschenkt hat.

    Genau diesen Impuls weiterzugeben, ist mir wichtig – gerade WEIL wir in diesem ‚besonderen‘ Alter sind (Stichwort Midlife-Crisis), wo sich viele mental schon selbst aufs Abstellgleis schieben. Stattdessen sehe ich massives Entwicklungspotenzial – sowohl für den Körper als auch für den Geist. Wenn beides zusammenpasst, entsteht eine wunderschöne Zukunftsausrichtung.

    Lange genug saß ich im Dunkeln. Deshalb tue ich alles, um da möglichst weit weg zu bleiben, und genieße, wie glücklich dieses „neue“ Leben wirklich macht.

    Mein Wunsch wäre, dass mehr Menschen, gerade mit unserer Vergangenheit, wieder mehr strahlen und aktiv sind, anstatt in einer Art Wehmut zu verharren. Gerade weil die Sucht so tückisch ist, darf man ihr keine Angriffsfläche bieten. Durch Aktivität muss eine breite, positive Schutzmauer gebaut werden. Damit man stabil steht, auch wenn schlechte Zeiten kommen, und kein Rückfall droht.

    Aber ich weiß selber, wie schwer es ist, den Zug überhaupt ins Rollen zu bringen. Wie anstrengend es ist, aus alten Mustern auszubrechen und ganzheitliche Veränderungen umzusetzen. Das sieht am Anfang aus wie ein gigantisch hoher Berg an Arbeit, der (augenscheinlich) noch on top zur Herausforderung „Nüchternheit“ hinzukommt.

    Aber: „How to eat an elephant? Bite by bite.“ Und glaubt mir: Die Mühe lohnt sich.

    Ich werde, für die, die es interessiert, in meinem eigenen Faden meinen Ansatz mal detailliert aufdröseln. Das heißt ja in keiner Weise, dass man dem folgen muss – es ist nur ein Impuls und ein Angebot. Ob man sich darin wiederfindet oder es für valide hält, kann dann jeder für sich selbst entscheiden.
    Dann gehen wir mit dem Thema auch wieder aus Loner Faden raus, damit er bei sich bleiben kann.