Beiträge von Sparkassen_Helga

    Das ist interessant, weil ich gerade gestern Abend eine Arte-Doku gesehen habe, in der es um Schmerzmittelabhängigkeit ging. Triptane. Da hieß es auch die Migräne-Patientin sei nicht süchtig nach dem Schmerzmittel, aber abhängig, weil es die Schmerztoleranz herabsetzt und sie solle ihren Konsum auf max. 10 Tage im Monat begrenzen, was dazu geführt hat, dass sie in der schmerzmittelfreien Zeit Migräne hatte. ME ist es am Ende das gleiche.

    Ich persönlich finde die Frage nach der Schuld irrelevant. Inwiefern hilft das denn weiter angesichts des Problems, vor dem man als süchtig Gewordener jetzt steht?

    Wenn du beispielsweise an Krebs oder Depressionen oder Diabetes oder …. erkrankst, hilft es dir da weiter, dich zu fragen, inwiefern du schuld daran bist? - Kaum. Und es ändert ja auch nichts an der Erkrankung.

    Ja, klar habe auch ich mir die Frage gestellt, wie ausgerechnet mir das passieren konnte. Doch im Laufe der Zeit habe ich das überwunden bzw. ist mir diese Frage völlig unwichtig geworden.

    Ganz unwichtig finde ich die Frage nicht. Tausch das Wort Schuld durch Ursache aus. Denn am Ende ist es schwierig ein Verhalten zu verändern. (Rückfallgefahr) Wir sind Gewohnheitstiere und es besteht die Gefahr in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Das heißt nicht, dass man wieder anfängt zu saufen. Vielleicht sind es andere Dinge - Suchtverlagerung.

    Die Schuld oder besser die Ursache zu erkennen ist vielleicht auch eine Art Präventionsmaßnahme für die Zukunft. Schuld hat immer diese Opferkomponente - "ich kann ja gar nichts tun, ich bin Opfer der Umstände". Aber Achtsamkeit und das Bewusstsein über den Auslöser hilft uns Gefahren in der Zukunft zu erkennen. Man kann also was tun und ist nicht machtlos den Umständen ausgesetzt.

    Und da Du das Thema Krebs ansprichst. Mein Mann hatte vor 8 Jahren - also noch in den 30ern - eine Sarkom-OP. Selbstverständlich haben wir uns die Frage gestellt, was könnte ursächlich viel diese ausgesprochen seltene Krebsform mit schlechter Prognose sein. Mein Mann trägt seitdem nicht mehr sein Smartphone an genau der Stelle wo der Tumor saß - und er es vorher immer trug. Außerdem ist er auch noch viel zugänglicher zu gesunder Nahrung geworden, als vorher. "Krebszellen mögen keine Himbeeren ist ein Buch", der Krebspatienten ein praktisches Werkzeug an die Hand gibt, um nicht komplett hilflos zu sein und auch das Gefühl zu geben selbst aktiv etwas unternehmen zu können.

    Und Depressionen und Diabetes Typ 2 ist man ja auch nicht komplett hilflos ausgeliefert. Es gibt viele Möglichkeiten den eigenen Lifestyle zu verändern, um der Krankheit zu begegnen. Bei beiden kann Sport und eine andere Ernährung helfen. Ich habe zu Ernährung bei Depressionen auch ein Buch "Was die Seele essen will" - sehr amerikanisch geschrieben und sehr Nachschlagewerkmäßig und auch auf NEMs fokussiert. Und ich sage nicht, dass das die allseeligmachende Heilmethode ist, aber es kann ein Baustein sein. Etwas, dass nichts kostet und sofort selbst umgesetzt werden kann, ohne großen Aufwand.

    Um nochmal zum Ausgang Deines Posts zu kommen:

    Zitat

    Inwiefern hilft das denn weiter angesichts des Problems, vor dem man als süchtig Gewordener jetzt steht?

    Die Frage ist ja was das Problem ist, vor dem man steht. Die versaute Vergangenheit oder die Aufgabe für die Zukunft? Die Vergangenheit kann man mit der Erkenntnis nicht ändern. Und die Zukunft steht ja sogar in Deiner Signatur, die mich sehr anspricht - dabei hilft mir die Erkenntnis über die Schuld/ Ursache schon sehr. Ich kann das Ende ändern mit dem Bewusstsein, welche Mechanismen dazu geführt haben, dass der Anfang so war, wie er nunmal ist.

    Ich kann mit meinen Eltern keinen Frieden finden. Wie soll das gehen. Sie haben mir nichts gegeben. Keine Liebe, kein Urvertrauen, keine Perspektive. Daran sind sie objektiv schuld.

    Trotzdem sehe ich mich selbst immer in der Verantwortung für meine Entscheidungen. Als erwachsener Mensch entscheide ich, was ich lernen möchte, wie ich leben möchte, wen ich lieben möchte.

    Bei der Sucht finde ich die Schuldfrage schwieriger. Wer ist schuld an der Sucht? Meine Eltern nicht. Als Erwachsener treffe ich meine Entscheidungen selbst. Also bin ich schuld? Ich habe mich aber nicht dazu entschieden süchtig zu werden.

    Ist vielleicht die Sucht schuld?

    Die Idee des freien Willens halte ich für einen Irrtum. Ich hatte letztens zum Einschlafen die Doku über Bryan Johnson, dem Millionär, der sein Altern aufhalten möchte, angeschaut. Ohne auf den Inhalt einzugehen, fand ich eine Aussage von ihm bemerkenswert. Er sagte sinngemäß: der freie Wille sei nicht sein Freund. Wenn er einfach das tut, was sein vermeintlich freier Wille ihm vorschlägt würde er sich schlecht ernähren und keinen Sport machen (und glauben, dass es das sei, was ER gerne machen möchte und ihm gut tut).

    Etwas inhaltlich ähnliches hatte ich schon vor langer Zeit in einer Arte-Doku gesehen. Es war eine Doku über das Mikrobiom - also alle Mikroben, die im Darm rumschwimmen. In einem Tierversuch hatte man das Mikrobiom von Mäusen verändert. Die Mäuse fühlten sich zu Katzen sexuell hingezogen und zeigten keine Furcht mehr. Ich fand das sehr interessant, weil die Bakterien also in der Lage waren Überlebensinstikte zu überlisten. Dieser Versuch sollte die Darm-Hirn-Achse veranschaulichen (Bauchgehirn). Also auch die Idee, dass der freie Wille eine Illusion ist und wir nur von unseren Darmbakterien gesteuert werden. Man spricht ja auch von Bauchentscheidungen. (Es gibt bei Wildtieren übrigens auch Parasiten, die etwas ähnliches verursachen, vielleicht schreibe ich dazu irgendwann mal was).

    Ich glaube sehr stark daran, dass wir alle ein Stück weit Opfer unserer Hormone sind (und sicherlich auch der Darmbakterien). Da ich selbst auch eine Hormonstörung habe, kenne ich den Unterschied von "genügen Hormone da" und "Hormonmangellage" sehr gut. Ich bin einfach ein komplett anderer Mensch. Ich fühle und denke jeweils anders. Und selbst mein Zyklus verändert mich, weshalb ich je nach Zykluslage bestimmte unternehmerische Entscheidungen nicht treffe, bzw. verschiebe.

    Jetzt aber wieder zurück zur Sucht. Wer steuert eigentlich meinen Suchtdruck? Das sind auch Hormone, Neurotransmitter - irgendeine biochemische Brause in unserem Körper. Vielleicht sind in unserem Körper "die Biochemie", der vermeintlich "freie Wille" und zusätzlich man selbst, also das "Ich" - also drei in eins. Die Kunst ist jetzt alle voneinander zu unterscheiden. Es ist zu einfach zu sagen, dass man das Glas ja immer selbst an den Mund geführt hat und deshalb selbst schuld ist, vielleicht war es das Mikrobiom - das auch den Mäusen gesagt hat "Katzen sind Deine Freunde" oder der adipösen Essgestörten, die nach 10 Stück Kuchen zwar intellektuell weiß, dass das nicht gut ist, aber trotzdem nicht aufhören kann.

    Es ist eine große Leistung sich den Suchtschreihälsen im eigenen Körper entgegenzustellen und zu sagen: ich gehe einen anderen Weg, als Du mir vorschlägst. Man sollte die erfolgreiche Loslösung von einer Sucht nicht unterbewerten.

    Der Ursache kann man sich zum Teil ja überhaupt nicht mehr widmen. Wir haben soviele Ewigkeitschemikalien in der Umwelt, hochgradig krebserregend, nie wieder einzufangen und immer noch nicht verboten.

    PFAS, PFC - und ich behaupte ein Großteil der Bevölkerung hat noch nicht einmal davon gehört und benutzt kräftig Imprägnierspray für die Schuhe oder billige wegwerf Outdoorkleidung, statt einmal eine gute Jacke zu kaufen, wo die Daune dann auch nicht aus Lebendrupf kommt und dazu ohne PFAS Beschichtung oder Wollpullover ohne Mulesing.

    Das sprengt den Thread und wir kommen von Höckchen auf Stöckchen; trotzdem ein wirklich interessantes Thema.

    PS: PFAS sind ja auch in Skiwachsen enthalten und ich habe letztens einen Artikel gelesen, dass im Berufssport die Gesundheitsschäden dadurch wohl mittlerweile als Berufskrankheit anerkannt wurde oder werden soll.

    Es geht ja nicht nur um Psychopharmaka. Ich hab noch nie sowas genommen, sondern bin durch ein Antibiotikum geschädigt worden. Da ich am Wochenende beim Notarzt war, habe ich mir nicht mehr die Mühe gemacht noch umfangreich zu recherchieren. Ansonsten wäre ich wohl darüber gestolpert, dass es sich um ein Reserveantibiotikum handelt, vor dem immer wieder im Rote Hand Brief gewarnt wird. Das sollte man eigentlich nur noch in dead or alive Szenarien einsetzen.

    Die Netflixdoku handelt von einem Chirurgen, der Patienten eiskalt belügt und ihnen Plastikluftröhren einsetzt, an denen sie alle elendig verrecken, was er vertuscht. Der war ein renommierter Arzt an einem skandinavischen Krankenhaus. Die hierarchischen Strukturen befördern so ein Verhalten.

    Ich habe letztens in einem Ärzteforum einen Artikel zu falsch-positiven Brustkrebsdiagnosen gelesen. Bei der Quote wird einem ganz übel. Das Problem ist einfach das System.

    Ich habe den Eindruck es gibt nur noch Soziopathen auf diesem Planeten. Wir haben meinen Schwiegervater wieder aus dem Pflegeheim geholt, weil die wehrlosen Senioren dort mit Neuroleptika misshandelt werden. Wenn man ins Pflegeheim kommt laufen dort nur noch seelenlose Zombies rum.

    Eine weitere schockierende Doku über einen Arzt findet man auf Netflix: Bad Surgeon: Liebe unter dem Messer

    Man kann nur auf seine Lieben aufpassen und hoffen, dass diese auch auf einen aufpassen. Ich bin selbst auch Opfer eines Kunstfehlers und körperlich irreversibel durch ein falsches Medikament geschädigt.

    Bei Tofu muss man andersherum denken. Nicht marinieren und dann braten - sondern knusprig braten und dann marinieren. Bei uns am liebsten mit Erdnussmus, Koriander, Zitrone, Miso, Sambal und Fischsoße.

    In der Suppe sind die natürlich auch lecker. Gut gewürzt geht das fast als Eierstich durch.

    Dank Internet kommt die Gourmetwelt ja ins heimische Wohnzimmer. Hier ist heute im Kühlschrank auch gähnende Leere. Naturtofu, Möhren, Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch - mal schauen, was das wird.

    Ich hab vor 25 Jahren mit 0,5‰ ein Verkehrschild touchiert und sofort die Polizei hinter mir gehabt. 40 Tagessätze und 14 Monate ohne Führerschein. Ich hab damals in der Großstadt gewohnt und da war es normal nach der Arbeit irgendwo noch was trinken zu gehen und dann mit dem Auto heimzufahren. An dem Tag wollte ich gar nicht mehr fahren - aus verschiedenen Gründen musste ich aber. Für mich war der lange Führerscheinverlust so einschneidend, dass ich seitdem niemals mehr alkoholisiert gefahren bin. Jetzt auf dem Dorf lebend, sehe ich sofort, wer da wieder mit Promille unterwegs ist. Mit 55km/h über die Landstraße schleichend. Ich denke, dass eine 0,0 Regelung das beste wäre. 0,8 oder 0,5 bedeutet halt es ist ok abends was zu trinken und zu fahren und natürlich neigt der trainierte Trinker dazu das auszureizen und sich schön zu rechnen. Es fährt kein Bus und Taxi kommt hier auch nicht her...

    Wenn ich an Kunst unter Drogen denke, fällt mir Elton John ein. Nicht unbedingt meine Musik, aber ehrlicherweise fand ich die alten Werke als er schwerstdrogenkrank war besser als die Heutigen. Andererseits kenne ich es auch unter Cannabis Musik gemacht zu haben, beim Aufnehmen noch gedacht "Welche begnadete Musiker wir doch sind" und im Nachhinein nüchtern betrachtet das eher - sagen wir durchschnittlich fand. Und wenn man Metallica anschaut, die ja ein immenses Alkoholproblem hatten und daran fast verreckt wären - die haben vorher und nachher gleichwertige Kunst gemacht. Ich würde denken ein Talent ist ein Talent - ob mit oder ohne Substanzen.

    Wird mich freuen, wenn du bei Gelegenheit von deinem NullzuckerProjekt berichtest. Also, der ist ja überall drin, z.B. auch im Brot.

    Viel zu berichten gibts da gar nicht und in meinem Brot ist auch kein Zucker :/ ich kauf das vom Bio-Bäcker, hab grad zu wenig Zeit zum backen. Bin ja die typische Bio-Tante - wie man sie sich vorstellt. Hier eins meiner Brote, die ich so esse - nix Zucker:

    Wasser, ROGGENVOLLKORN**, DINKELVOLLKORN**, ROGGENVOLLKORNKEIMLINGE**, HAFERVOLLKORN**, SESAMSAAT*, Sonnenblumenkerne*, Leinsaat*, Mohn*, Kürbiskerne*, Natursalz

    Und darauf lege ich mir wahlweise Ei, Hommos, Linsenstreich, Avocado, und oben drauf Sprossen. Alles nix Zucker.

    Meine Liebe, wärste mal mit zum Gleitschirmkurs gekommen! Kein einziger über 60 dabei, außer dem Fluglehrer!

    Was lernen wir daraus? Augen auf bei der Urlaubswahl :P

    PS: bei Wingsuit fliegen und Kite Surfen hast Du auch gute Chancen keine Mumien dabei zu haben ;)

    Hallo Tom!

    Danke, dass Du das kommuniziert hast. Ich kann Deine Gründe für den Rückfall so gut nachfühlen. Ich bin auch einsam. Einsamkeit ist etwas, dass man auch erleiden kann, wenn man von Menschen umgeben ist. Wenn man sich mit den Menschen, die einen umgeben nicht spiegeln kann, nützt es alles nichts. Wenn man nur Zugang zu anderen Menschen findet, indem man gemeinsam trinkt. Und Einsamkeit ist leider auch nichts, was man mal eben abstellen kann.

    Ich kann gut alleine sein und mich auch alleine beschäftigen. Ich lese gerne Sachbücher, koche auch gerne oder bastel gelegentlich. Aber es gibt Dinge, die werden einfach besser wenn man sie teilt. Albert Schweitzer hat dazu gesagt: "Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt."

    Ich bewundere es, wenn Menschen alleine in den Urlaub fahren oder alleine eine Runde Golf spielen. Deshalb lese ich auch gerne Urlaubsberichte von anderen. Ich habe durch das Teilen immer das Gefühl auch dabei zu sein. Vielleicht hilft es uns beiden, wenn Du mehr von Deinen Urlaubserlebnissen berichtest? Dann sind wir vielleicht beide weniger einsam.

    Und zur Partnersuche: Wäre es was für Dich einen Gruppenurlaub zu buchen? Du bist ja ein sportlicher Typ. Es gibt zB. die Alpenüberquerung auch als geführte Gruppe. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Menschen, die Single-Sporturlaube buchen, weniger trinken; so dass man da nicht Gefahr läuft mit einer Partygruppe zu verreisen. Ich fand es früher ganz seltsam mit fremden Menschen Aktivitäten zu machen. Vor einigen Jahren hab ich einen Gleitschirmkurs besucht und war überrascht, dass in der Gruppe fast nur Singles waren - die meisten haben abends nach dem Kurs bei Essen oder Abend ausklingen lassen nichts getrunken. Ich zu diesem Zeitpunkt übrigens auch gerade mal wieder nicht, weshalb mir das überhaupt erst aufgefallen ist. Nun bin ich zwar kein Single, hatte aber auf Anhieb Leute gefunden, die ich so interessant fand und in mein Privatleben eingebaut hätte (wenn wir nicht unendlich weit auseinander gewohnt hätten). Einer hatte mich nach dem Urlaub auch noch angetickert, ob wir zusammen Flugurlaub in den Dolomiten machen wollen, was aber aus anderen Gründen nichts geworden ist.

    Ich bin sehr froh, dass Du so schnell wieder die Kurve bekommen hast. Du bist ein toller Typ!

    Der Zuckerentzug ist die erste Woche ist hart, dann wird´s schnell leichter, wenn man alle Carbs reduziert. Ich esse aktuell auch noch kein Obst. Wenn man das mit Fasten einleitet, gehts ganz gut. Ich hab früher auch schon länger zuckerfrei gelebt und man ist wirklich fitter. Nach dem Alkentzug musste ich meine Trauer letztes Jahr mit viel Kuchen kompensieren - das war nicht gut. Im Dezember hatte ich mein höchstes Gewicht ever und der gut ausgeleuchtete Hotelzimmerspiegel hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Es gibt dazu auch ein Selbstexperiment von Joseph DeChangeman auf Youtube, heißt 100 Tage ohne Zucker.

    Ok, an meiner Youtube-Sucht muss ich dringend arbeiten :/