Beiträge von Miaflorentine

    Lieber rent ,

    das hochschrecken hat sich mir so eingeprägt, dass ich alle letzten Tage um die gewohnte Zeit aufgewacht bin und da trotzdem ein paar Momente Angst war. Bis sich dann Erleichterung ausgebreitet hat. Ziemlich unbezahlbar.

    Ich würde gern Alternativen schaffen, daran denke ich noch herum. Auch, weil ich mich derzeit körperlich so erschöpft und schwach fühle. Ich schleppe wohl irgendeinen Infekt mit mir herum. Manchmal denke ich derzeit auch, dass ich vielleicht richtig schlimm krank bin, als Quittung, sozusagen. Krebs, oder sowas. Irgendwas in mir ist wohl überzeugt, dass mein getrinke und gebrauche genau jetzt Tribut zollt.
    Um Gewissheit zu bekommen habe ich einen Termin beim Hausarzt vereinbart- zum Glück ist der noch etwas hin.
    Naja, wenn ich mich bis dahin besser fühle und ich Klarheit über meinen körperlichen Zustand habe, will ich mich dieser Sache jedenfalls annehmen und wieder zum Sport gehen. Oder sonst irgendwo Anschluss finden. Da habe ich noch nicht viele Ideen…
    Auch, weil ich noch nie richtige Hobbys hatte. Gefühlt ging es, auch vor dem trinken schon, einfach vor allem ums überleben, wegen meinen Panikattacken und der schwärze, die ich so mit mir rum schleppe.
    Ich sehe aber ein, wie wichtig diese Bausteine sind- eben nicht „einfach“ nur nicht mehr trinken.

    Deine Beispiel, die Schilderung über die Rückmeldung deines Hausarztes und was ein Teil von dir daraus machen wollte, die habe ich SO SEHR gefühlt!!!
    Das kenne ich! Mir fallen da auch viele Beispiele ein, aber deins ist heftig. So eindrucksvoll. Für die Sucht ein stark erlaubnisgebender Auslöser!
    (Über den Arzt denke ich an das Zitat aus der bibel „denn sie wissen nicht, was sie tun!“ 🙈 Wie gut, dass DU es wusstest, Gott sei Dank!!!!)

    Hast du auf etwas zurückgegriffen, was dich in dem Moment zuhause, nach dem Arztbesuch, gestärkt hat? Oder hast du das ganz allein in dir gefunden, die eigene Klarheit und Wahrheit darüber?

    Liebe Grüße und herzlichen Dank , Mia


    P.s. Das Buch möchte ich mir bestellen

    Honk danke für deine Anteilnahme über meine ersten zarten Schritte ❤️

    Phantastisch und ermutigend zu lesen, dass du dich in vielen Augenblicken noch immer über dein Leben ohne Alkohol freuen kannst. So stelle ich es mir auch vor. Denn sich befreit zu haben (und immer wieder dafür zu entscheiden) bedeutet eben so viel mehr, als keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich würde mich freuen, mehr über dein feiern zu lesen, wenn du es aufgeschrieben hast - vielleicht könntest du mir dann Bescheid geben, wo ich den Eintrag finde 😊

    Absolut bekommt man für das beschwingte Gefühl mindestens dreifach eine Klatsche. Das Wort selbst zu ändern, fällt mir schwer, weil es zumindest für ein paar Stunden so trefflich erscheint.
    …Allerdings glaube ich, selbst wenn ich nun getrunken hätte, wäre da sofort das Gefühl von Schuld und die Gewissheit, dass ich einen zehnfach hohen Preis an Selbstwirksamkeit dafür zahle. Insofern kann ich das Wort tatsächlich gut loslassen!

    Guten Abend, ihr lieben Menschen,


    Ich hatte heute einen vollen und anstrengenden Tag. Mir ist wichtig, alles geschriebene wirklich aufzunehmen, deswegen komme ich erst morgen zum Schreiben- heute bin ich zu müde.
    Nüchtern bleiben war sehr anstrengend, weil schlimme Gefühle in mir ausgelöst waren.
    Aber ich habe einen Tag mehr geschafft 😊

    Gute Nacht und bis ganz bald

    Ach Honk , Dankeschön!
    Es ist so gut, wenn sich jemand mit einem freut und man solche Sätze liest.
    Du könntest ja auch Sachen sagen, wie : pfff, so ein paar Tage… das ist ja noch gar nichts (oder so). Manche Menschen sind so, hinter denen schon ein viel weiterer Weg liegt.

    Du, kann ich so nachvollziehen, diese Überlegung! Dieses alte Programm, was da noch anspringt, obwohl du schon lange in einer anderen Realität lebst.
    War es schön für dich, als dir das (einmal mehr) bewusst wurde, oder lässt die Freude über solche Momente irgendwann nach?

    Danke, die Hinweise zur Achtsamkeit was die Formulierungen betrifft, hat mich erreicht und ich konnte sogar zum ersten Mal das Wort „Befreiung“ fühlen!

    Es bedeutet mir viel, hier beantwortet zu werden. Und ich werde nie vergessen, wie ich hier von dir und anderen durch diesen Schuldnebel getragen wurde, nachdem ich meine Selbstkontrolle letzte Woche so verloren hatte. Und dachte, ich könnte die Scham nicht ertragen und dass mein Weg ab jetzt der freie Fall sein muss.
    Jetzt ist mir immer noch bewusst, wie ernst meine sucht vorangeschritten ist, aber ich konnte wieder ein bisschen Kraft für kleine Schritte finden.

    Wochenenden werden sicher noch lange schwierig sein. Ich habe diese kalten, kribbeligen Hände… kennst du das?
    Die hatte ich immer, wenn absehbar war, dass ich gleich Bier trinke.

    Aber da ist noch was. Denn ich weiß auch, was danach kommt. Und ich werde nicht zulassen, dass meine Selbstwirksamkeit wieder stirbt, für die paar Stunden beschwingt sein.

    Einen schönen Samstagabend:)

    Oran-Gina

    Ich möchte mich für deine Nachricht und die Denkanstöße bedanken 💚

    Ich fühle mich verstanden, während ich deine Zeilen lese!
    Meine Gedanken haben die letzten Tage ein paar mal am Tag um Alkohol gekreist, das war noch nicht anstrengend- aber heute ist es das. Es ist Samstag, da habe ich üblicherweise getrunken, mit einem etwas besseren Gewissen, als an anderen Tagen, weil ich eben morgen frei habe. (Das hochschrecken und bedauern um vier Uhr nachts war trotzdem immer das selbe, genau wie am nächsten morgen, wenn ich mit Kater viel weniger geschafft habe, als ich wollte.
    Gerade vermisse ich jedenfalls dieses beschwingte Gefühl. Kochen, aufräumen und dabei diese Leichtigkeit…

    Gleichzeitig ist mir aber alles präsent, was danach folgt. Die Angst. Die Scham. Der hohe Preis an Selbstwirksamkeit (den ich noch weniger bereit bin weiterhin zu zahlen, als die körperlichen Katerfolgen).

    Na, jedenfalls konnte ich vorhin ZUM ERSTEN MAL wirklich spüren, was du über Befreiung, statt Verzicht geschrieben hast. Kennst du das, man liest etwas sinngemäß von unterschiedlichen Quellen hundert mal und verstehts vom Kopf her, aber plötzlich kann man Zustimmung FÜHLEN.
    Das war ein wertvoller Moment für mich, danke!!!


    Beim „wollen“ ist das noch anders, aber ich sehe den Sinn absolut, in den inneren Monologen/ Dialogen achtsam mit seiner Formulierung zu sein.

    Es hat mir gut getan, dich zu lesen :)

    Guten Morgen,


    ich wollte mich nur mal wieder kurz gemeldet haben. Ich bin nach wie vor nüchtern. Gestern hatten wir Baumfäller bei uns, als gegen Feierabend die ersten Biere geöffnet wurden, ist es kurz aufgeblitzt in mir, „ich könnt ja auch eins trinken“.
    Aber dann folgte sofort der nächste Gedanke „ach nein, du bist ja jemand, der das nicht kann!“ (… nur eins trinken).
    Es war nicht sehr schwer zu verzichten.
    Ich habe noch so lebendig präsent, wie viel Angst ich mir selbst gemacht habe, als ich die Entscheidung getroffen habe zu trinken, obwohl es mir schlecht ging.
    Heute Nacht um vier (gewohnte Zeit um über meinen Konsum erschrocken zu sein, weil da der Pegel weg ist) bin ich auch kurt aufgeschreckt und war so froh, dass ich gestern anders entschieden habe.


    Ich hoffe das zarte Pflänzchen trägt mich noch sehr viel weiter.
    Fühlt euch alle gedrückt und danke für diesen Raum und dass es euch gibt


    Mia

    … in der Suchtberatung pflegten sie - soweit ich mich richtig erinnere- zu sagen: es ist keine Frage des Willens, sondern kommt darauf an, wie weit die Krankheit schon fortgeschritten ist.
    Das hat mich geschockt.
    Das darf einfach nicht sein.
    Ich behalte mir vor, diese Wege zu gehen. Aber ich will nicht glauben, dass ich (mit Unterstützung) nicht in mir finden kann, was ich brauche, um die Abwärtsspirale umzudrehen.

    Honk oh Gott, die Geschichte über diesen Mann habe ich schon zweimal gesehen. Das erste mal mit viel Mitgefühl, weil ich mich mit der Sucht noch nicht identifiziert habe. Das zweite mal, Jahre später, mit immer mehr Unbehagen und eigener Betroffenheit.

    Ok, die Richtung für mich wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
    Bei der suchtberatung habe ich dann ja auch die Möglichkeit, stationären Aufenthalt anzuregen :/

    rent , danke für deine Nachricht!
    Eben wollte ich schreiben, mein Etappenziel ist es, bis zu dem Termin bei der Suchtberatung nichts zu trinken. Und dann habe ich schon wieder Angst bekommen, das zu sagen. Und dann bin ich wütend geworden. Scheinbar ist heute ein Wut-Tag 🙈

    Dabei reift über eure Nachrichten leise in mir, dass das Sinn ergibt… immer ein bisschen mehr nüchtern bleiben, bis ich nach und nach wirklich mehr spüren kann, wofür ich das tue, anstatt es „nur“ zu wissen.

    Guten Morgen - FORTUNE - , danke für deine Nachricht, die ich gern gelesen habe.

    Du schreibst, dass bei dir dieser beängstigende Verdacht im Raum stand, der dich nach einer Weile dazu veranlasste, deinen Konsum einzuschränken.
    Bedeutet dass, du hast zunächst genauso, oder vielleicht aus so einem „jetzt ist eh egal“ Gefühl noch mehr getrunken?
    (Ich frage das, weil ich diese Reaktion auf gewisse Auslöser von mir selbst kenne und sie mich zutiefst frustriert. Ich meine- obwohl ein erstes erschlagen sein nachvollziehbar ist- dann aber in die eigene Selbstwirksamkeit zu gehen und Einfluss zu nehmen, soweit es eben geht, ist zwingend notwendig. Und (wie du schon sagst) wenn man sich bewusst macht, wie kostbar das Leben ist, auch so naheliegend. Stattdessen ist durch irgendwas diese Straußenstrategie in mir angelegt, für die ich mich Menschen gegenüber, die ohne ihr Zutun krank werden, fast schäme.)

    Dann schreibst du von spürbar besserem Schlaf und einem neuen Zugang zu deinen Gefühlen- etwas, dass dich dann gefestigt und bestärkt hat.
    (Nach sechs Wochen ohne trinken war ich zwar froh über meinen klaren Kopf und dass ich wieder mehr aus meinem Potenzial schöpfen konnte, aber jetzt frage ich mich rückblickend und wütend, warum mich das nicht in meiner Abstinenz bestärkt hat, sondern sich gleichzeitig wieder die Sehnsucht nach dem Rauschgefühl in mir ausgebreitet hat).

    Du schreibst von einer glücklichen, erfüllten Kindheit. Da habe ich aufgemerkt. Darf ich fragen, wie du- trotz diesem Fundament- in die Sucht geraten bist?
    (Bisher habe ich immer angenommen, dass Sucht von Suche kommt und auf einem Mangel basiert, der in der Kindheit entsteht. Vereinfacht ausgedrückt. Deswegen würde mich deine Antwort sehr interessieren!)


    Ich kann die Fragen für mich alle mit „nein“ beantworten.

    Trinken bringt mich dieser Verbundenheit mit Menschen nicht näher, die ich so liebe. Es bringt mich meinem Ziel nicht näher, ein Leben in Liebe (als warmes Gefühl in mir selbst dem Leben gegenüber) zu leben. Für mich etwas sehr erfüllendes.
    Und während ich das schreibe, flüstert irgendwas in mir „naja, aber manche betrunkene Abende, an denen keine Angst war und du deswegen dein Herz öffnen konntest, oder all der Schmerz aus dir fließen konnte, vor dem du dich sonst zu sehr gefürchtet hast, wo du Menschen ohne Scham nah sein konntest- das war schon auch erfüllend“ 😡 das macht mich echt wütend. In Anbetracht des hohen Preises ist das einfach verdreht, aber die Stimme ist manchmal da.

    Wofür ich dankbar bin, darüber mag ich gern ein bisschen nachdenken!
    Viele liebe Grüße 🙋🏻‍♀️

    Update:


    Ich habe die letzten beiden Abende nichts getrunken. Fällt mir wohl etwas leichter, weil es mir körperlich nicht besonders gut geht- ich schlag mich mit irgendeinem Infekt herum.
    Mein jüngster Kontrollverlust in bis dahin neuem Ausmaß, hängt mir noch sehr nach!
    Bin ich schon an dem gefühlten „nie wieder Punkt“? Ich fürchte irgendwie nicht.
    Eingeschüchtert, bereit, viel mehr einzuräumen, als noch vor einer Weile, ja. Ich kann auch absolut anerkennen, dass ich rational verstehe, dass ich allen Grund habe, konsequent nüchtern zu leben.
    Aber ich fühle das noch nicht vollkommen, alles andere wäre nicht aufrichtig 😔

    Aber ich bin wirklich bereit dran zu bleiben, mich weiter zu befassen, Erkenntnisse in mich hinein fließen zu lassen, mich zu hinterfragen!
    Nur dieses: vom Kopf her Dinge wissen, sehr reflektiert sein … und es trotzdem zu tun, das ist in Hinsicht auf viele Dinge leider irgendwie mein Lebens Thema.

    Meiner Therapeutin habe ich auch schonungslos offen von meiner kürzlichen total Entgleisung berichtet. Das war echt unschön! Auch zu hören, wie besorgt sie ist. Habe ich ihr auch gesagt: ich weiß, es ist wichtig drüber zu reden, Verantwortung zu übernehmen. Aber nach den Tagen voller Sorge, Verzweiflung und Schreck über mich selbst würde ich jetzt gern langsam wieder sowas wie Frieden spüren!

    Lieber rent ,

    habe mich über deine Nachricht gefreut!
    Nun ja, Alkohol als Schlüssel funktioniert wohl eine Weile. Aber, sobald man überhaupt Schlüssel braucht, ist der folgende Leidensweg mit dieser Substanz wohl zwangsläufig vorgezeichnet.

    Ich finde Bilder wie „Alkohol mein Freund“ auf jeden Fall auch überarbeitungswürdig. Aber im Moment denke ich, ihm deswegen quasi eine böse Seele zuzusprechen, ist irgendwie auch nichts für mich. Vielleicht denke ich darüber aber auch eines Tages anders. Vielleicht ist er mein Feind- aber dann nicht weil er ist, wie er ist, sondern weil ich bin, wie ich bin.
    Oft so leer. Mit so viel Angst vor dem Leben. Und jemand, der sich selbst lieber anders hätte.

    In die von dir benannte Aufzeichnung mag ich gern später reinhören:)

    Im Moment höre ich gern den Podcast sucht und süchtig. Die beiden finde ich authentisch, berührend und einfach lebendig.

    Boah, diese Suche nach Identifikation in Büchern kenne ich! Ich habe jörg Böckem verschlungen… innerhalb weniger Nächte, alle Bände. Allein zuhause, in meinem Bett, eingesperrt in meiner Welt.
    Da gehts nicht um Alkohol, sondern heroin. Aber ich fühlte mich schon immer zu Menschen hingezogen, die Abgründe kennen. Leute, die das Leben irgendwie überwiegend als leicht empfinden und in deren Gesprächen es am liebsten um Leichtigkeit geht, mit denen kann ich nichts anfangen, weil ich das Leben so nie erlebt habe. Bis auf kurze Momente.

    in

    Honk

    Schönen guten Tag und danke für deine Nachricht 😊

    Ja, ist echt bedenklich, wie normal öffentliche Saufgelage in unserer Gesellschaft sind.
    Ich muss aber zugeben, wenn ich zb Podcasts von Leuten höre, die einstmals am Wochenende regelmäßig über die Strenge geschlagen sind und sich jetzt für ihr nüchternes Leben feiern, dann denk ich manchmal etwas überheblich: ihr habt doch gar keine wirkliche Ahnung.

    Natürlich ist es toll, wenn jemand nicht mehr trinkt, der üblicherweise am Wochenende getrunken hat, bis er nicht mehr wusste, was es tat.
    Aber irgendwie ist es nochmal eine andere Liga (im schlechtesten Sinne) wenn man keine Ahnung hat, wie man den Alltag ohne Alkohol überstehen soll.

    Wenn ich mal ne Weile nicht getrunken habe, habe ich das immer gern erzählt. Darauf war ich stolz, das hat mir nie Schwierigkeiten bereitet. Auch nicht in einem Freundeskreis, in dem trinken vollkommen normal ist.
    Aber ja, sich zu einer Sucht zu bekennen, das ist nochmal eine andere Sache- auch für mich.
    Ich habe mich in letzter Zeit gern mit Gedanken beruhigt, wie „xy trinkt jeden Tag Schnaps. Der hat wirkliche Probleme!“ („Nicht ich!“). Aber jetzt bin ich dabei in mein Selbstbild zu integrieren.
    Ich bin süchtig.
    Und Du bist so sehr zu recht Stolz! 💚

    Hoffentlich trägt er dich ein ganzes weiteres Leben lang!

    Honk so ist es!
    Ich bin wohl gesegnet, dass solche wahren Worte an mich gerichtet werden.

    Wow, ist es tatsächlich so, dass sich die Kreativität erst jetzt wieder einstellt? Großartig, ich freue mich mit dir- ist ja einfach die Essenz dieser Tätigkeiten.
    Welche tollen Bilder wohl jetzt noch durch dich zum Leben erweckt werden, die es ohne deine Entscheidung für die Abstinenz so nicht geben würde.
    Ein ebenso schöner Gedanke, wie, das gute Ende meines nächsten Buches selbst zu schreiben 😊

    Du fotografierst also Menschen?

    Ich habe nochmal nach der Kreativität gefragt, weil ich kürzlich überrascht festgestellt habe, dass sich dieser seltsame „Alkoholnebel“ viel langsamer auflöst, als ich dachte.
    Ich schätze es hat gute zwei Wochen gebraucht, bis ich in Gesprächen nicht mehr nach Formulierungen oder Worten suchen musste. Nicht so, dass ich herum gestottert hätte. Aber ich war rhetorisch einfach lange nicht wie gewohnt unterwegs.
    Und wenn mir jemand was über sich erzählt, da habe ich einfach viel weniger innere Impulse darüber, was ich ins Gespräch einbringen möchte.
    Mit Kater ist es, na klar, am schlimmsten.
    Aber mir scheint, der wirklich klare Kopf braucht wirklich lange Zeit!
    Allein bis ich mal so eine mickrige Antwort wie diese formuliert habe 🙈

    Hey Honk ,ja, total absurd ist das.
    Wie Bukowski es ausdrückte „Das ist das Problem am Trinken, dachte ich mir, während ich mir einen Drink einschüttete. Wenn etwas schlechtes passiert, trinkt man um zu vergessen; wenn etwas gutes passiert, trinkt man um zu feiern; und wenn gar nichts passiert, trinkt man, damit etwas passiert.“

    Man könnte sich fast ein bisschen darüber amüsieren, wie man aus allem ein Anlass zum trinken machen kann, wenn es nur nicht so ernst wäre.
    …Leider bin ich Raucher und wenn ich irgendwie mit der Angst vor Krankheiten (in Folge des Rauchens) in Berührung komme, gehe ich erstmal eine rauchen.

    Deinen Thread möchte ich heute Abend unbedingt lesen. Im Moment kämpfe ich noch mit meinen Alltagsaufgaben und darum, wieder in mein ‚vor dem tagelangen trinken - Pensum‘ zurück zu finden, mir gehts körperlich echt nicht besonders gut.

    Ich bewundere deine Ansätze und wie du an deiner Einstellung, Denkweise gearbeitet hast.
    Ich fürchte mich schon davor, meine Blutwerte überhaupt nehmen zu lassen, obwohl ich gut nachvollziehen kann, wie schön es sich anfühlt, wenn sich da sichtbar was bessert.

    Viele liebe Grüße und einen schönen Tag 💚

    rent

    Wow, danke für all die Zeit, die du dir mit deiner Antwort genommen hast.

    Wie hätten wir uns damals auch nicht als bessere Versionen unser selbst erscheinen können… wenn auf einmal so viel mehr möglich scheint, ohne die Angst und zunächst ja noch gar nicht wahrnehmbar ist, welch hohen Preis das einmal kosten wird.

    Mir erschien und erscheint Alkohol manchmal auch heute noch wie eine Art Freund, der immer da ist.
    Ich bin deiner Schilderung „fühlend“ gefolgt, sie ergibt Sinn für mich und ich merke, wie sich da etwas in mir bewegt, während ich deinen Prozess lese.
    Beeindruckend, dein Weg!
    Gerade denke ich -nicht zum ersten Mal- wie tragisch und traurig es ist, dass besondere, faszinierende Menschen, die sich selbst und das Leben auf solch tiefgründige, bewegende Weise anschauen, die sooo viel Potenzial haben… was andererseits mit ihnen passiert, wenn sie regelmäßig und dauerhaft trinken.
    Hier im Forum, in Form von dir und anderen, wird das so sichtbar. Aber was in Menschen schlummert (und nach und nach verloren geht), die zum Beispiel am Hauptbahnhof sitzen und ganz unten angekommen sind, das frage ich mich oft.

    Danke für dein Verständnis und die Impulse bezüglich des Annehmens. Da bin ich ganz bei dir, eigentlich gilt das ja für alle Gefühle, insbesondere die unangenehmen!
    … es ist mir kurzweilig gelungen 🙈


    Mittlerweile hat mein Gefühl des erschüttert Seins ein wenig nachgelassen. Aber davor war es ein harter Ritt. Ich hab stundenlang geweint, weil ich dachte: wenn dir bewusst wird, dass du gerade in die körperliche Abhängigkeit rutschst und trotz des Entsetzens darüber weiter trinkst, ist die Sache klar, dann wirst du dich Tod trinken.
    Der Gedanke hat viel schlimmes in mir angerichtet und mich gelähmt.
    Jetzt kann ich ihn durch ein „weiß noch nicht genau, wie es mir gelingt, aber ich werde finden, was ich dafür brauche“ ersetzen.

    Dankbare und liebe Grüße

    Eine Lebensweise, die von klarer Entschlossenheit, bewusster Präsenz, Selbstbewusstsein, persönlicher Entwicklung und den unzähligen Möglichkeiten neuer Abenteuer geprägt ist, übersteigt das bloße Aufhören des Trinkens bei Weitem.

    Dankeschön, ein so kraftvoller Satz! Ich habe ihn mir abgeschrieben weil ich merke, dass er mir Zugang ermöglicht. Zugang zu einer Wahrheit, die in letzter Zeit irgendwie zunehmend verschüttet und durch Suchtgedanken überlagert war. Ich weiß nämlich durchaus, dass der Alkohol mich von meinem Potenzial trennt. Ich habe einfach keinen Zugriff auf so vieles, das in mir ist.
    Einerseits betäubt mich das trinken, aber andererseits ist alles, was mich wirklich ausmacht wie verschüttet.

    Ich mag das kurz an einem Beispiel deutlich machen.
    In denen Jahren ohne Alkohol habe ich ein Buch geschrieben und fühlte mich in zwischenmenschlichen Situationen wie ein Instrument.
    Vor einem Jahr sollte ich ein Interview zu dem Buch und dem darin vermittelten Wissen geben.
    Leider trennten mich von dem, der ich war als ich das Buch schrieb mittlerweile nicht nur viele hundert Rauschzustände, sondern auch ein Kater vom Vorabend…
    Das Interview war ein Desaster. Ich konnte einfach nicht mehr hinfühlen und mich an vieles nicht mehr erinnern.

    Ich möchte wieder sein, wie ich eigentlich bin 🥺 danke für diese Inspiration!!