Lieber rent , danke für deine Zeit!
Ich habe deine Antwort berührt gelesen… und musste auch sofort an meine Nächte denken… vor denen ich eigentlich nicht trinken wollte, um fit für die Arbeit, oder sonstige wichtige Anlässe zu sein… dann kam erst die Phase „naja, solange ich nicht mehr als so und so viel trinke, gehts noch“, danach und sobald ich etwas Pegel hatte, die „ach, jetzt ist auch egal, wird unschön, aber krieg ich schon hin“ - Phase. Und zwischen drei und vier bin ich hochgeschreckt und war vor Angst und Verzweiflung wie gelähmt! Dann wusste ich nicht mehr, wie ich das schaffen soll. Manchmal habe ich mich mit üblem Kater irgendwie durchgeschlagen, aber in den letzten Wochen ging es desöfteren nicht.
(Einmal hat mir die Tierärztin ein Medikament gegen Übelkeit gespritzt, damit ich meine Arbeit zu Ende bringen konnte 🙈)
Ja, was man sich da angetan hat, klingt „ver-rückt“. Aber als ich las, dass dieses schreckliche Schuldgefühl manchmal noch heute bei dir anklopfen will da dachte ich plötzlich: mit liebe betrachtet ist es nicht verrückt. Sondern so nachvollziehbar und schlicht und ergreifend verständlich!
Ich bin ein überzeugter „möglichst alles mit liebe Betrachter“. (Ausser, ich bin betrunken und durchs trinken in die Welt der Angst geworfen, da kann keine Liebe sein 😔 Aber macht es nicht genau das auch so verständlich? Das wir alle getrunken haben, weil die Welt der Angst so furchtbar ist? Und ist es nicht so verständlich, dass wir uns bei dem Versuch verirrt haben und letztlich in einer Welt mit noch mehr Angst gelandet sind, wo liebe zwischen schuld und Scham noch weiter fort war? Das ist traurig! Ich glaube daran, dass Liebe Schuld und Scham transformieren kann. Ich meine Liebe als universelle Kraft. Für uns selbst, dem Leben gegenüber, andere Menschen. Wenn ich getrunken habe war mein Herz kurz warm. Aber wenn ich in der Liebe bin, ist mein Herz viel wärmer. Für mich ist liebe Teil meiner Rettung. Ich hoffe, dich befremdet dieser Absatz nicht. Ich wünsche dir nur von Herzen, dass du dieser Schuld und Scham nicht nur mit der Tatsache begegnest, dass du nicht mehr trinkst. Sondern mit eben so viel Mitgefühl für dich und dein damaliges Handeln. Ergibt das Sinn für dich?)
Ich fühle mich verstanden, mit meiner Angst vor der Quittung in Form von schwerer Krankheit. Das hat sehr gut getan. Und ich sehe, wie tief das Thema schuld da auch in mir schläft. Würde ich morgen mit Schläuchen im Körper aufwachen und mitgeteilt bekommen, ich müsste sterben, wäre der Hauptgedanke wohl „Selbst schuld, jetzt darfst du nicht jammern!“.
Was für ein liebloser Anteil 😔
Oh ja, loslassen fällt mir unheimlich schwer. Generell. Und ja, wie beim Alkohol auch.
Ich mag sehr, wie bildlich du alles beschreibst und dadurch so anschaubar und lebendig machst! Danke dafür!!!
Was du beim hören von Böckems Buch gefühlt hast, kann ich total nachvollziehen und ich bin erleichtert, dass du in eine bestärkende Betrachtung hineingefunden hast. Damals habe ich nur nach Menschen gesucht, für die sich das Leben ähnlich anfühlt, wie für mich.
Es ist so wundervoll, dass du nur noch hinsichtlich Erinnerungen dazu gehörst. Hoffentlich kann ich das in ein paar Monaten oder Jahren auch so fühlen. Noch fühle ich mich auf der Kippe.
Ach und als ich vom berieselt werden las wurde mir bewusst, wie lange ich schon kein Buch mehr in der Hand hatte. Jedenfalls nicht länger als ein paar Minuten. Hören ist im Augenblick also auch wohl eher etwas für mich.