Beiträge von Miaflorentine

    Hallo 😊

    Ich freue mich, dass ihr an mich gedacht habt!
    Ich habe die letzten drei Tage erstaunlich gut geschlafen und leise Hoffnung, dass dies die Schlafverbesserung ist, an die ich nicht geglaubt habe, aber die ihr erwähnt hattet.

    Ich bin bei Tag 22 und war gestern das zweite mal bei der Suchtgruppe.
    Ich glaube es wächst in mir :)

    Körperlich ist es immer noch so lala, Lunge brennt, schnell erschöpft, aber das lass ich abklären und wenn das erledigt ist, mache ich mich an den so wichtigen Baustein- der Suche nach „gesunden Strategien“. (Für Entspannung, Leichtigkeit, Beschäftigung, Selbstfürsorge).
    Ich befasse mich täglich mit dem Thema sucht, lese, höre Podcasts.

    Viele liebe Grüße 🫶🏼

    - Leben und sterben-


    Etwas, dass ich gern noch mit euch teilen mag, weil es mich vorhin ein wenig entlastet hat, ist folgendes:


    Ich sprach vor meinem besten Freund mal wieder vom nüchtern leben und möglichst bald aufhören zu rauchen.
    Nach einer kurzen Stille antwortete er:

    „Fatalistisch gesehen stimmt es natürlich, dass Du was schlimmes hast: Du lebst und wirst deshalb unweigerlich sterben.
    Wann, das liegt nicht in Deiner Hand…
    Vor was genau hast Du also Angst?“


    Wir mussten beide lachen. Das ist eine so entspannende Sichtweise, zwischen all dem Ringen um Selbstwirksamkeit und positiver Einflussnahme auf mich selbst.

    Habt einen schönen Abend 💚

    Guten Abend AmSee13 ,


    und danke für deine Antwort, die mir ebenfalls sehr wohl getan hat. Ja, tut einfach gut, dieses verstanden werden. Wenn man auf gewissen Sachen rum kaut und jemand sagt „macht doch Sinn, dass da manchmal noch Unbehagen ist“.

    Ich glaube viel mehr als sehr oberflächliches Wissen habe ich über das Suchtgedächtnis, oder was so im Belohnungszentrum los ist, nicht. Hast du vielleicht eine gute Quelle für mich, wo ich mir einen Überblick verschaffen kann, möglicherweise hier im Forum?

    Irgendwas habe ich neulich gemacht, über das ich dachte „ich glaube, das tut mir gut“.
    Meine Güte, was war das nur noch… 🤔🤷🏻‍♀️

    Nicht zu glauben, obwohl ich gerade einige Minuten innegehalten habe, will es mir nicht mehr einfallen.
    Aber immerhin hat mein Unterbewusstsein das Thema scheinbar nicht vergessen, sonst hätte ich das neulich nicht gedacht. Ich hoffe, es kommt wieder.

    Liebste Grüße, Mia ❤️

    Hey rent ,


    das hat wieder einmal gut getan zu lesen, dass du eine solche Phase aus deinem eigenen erleben noch erinnerst.
    Deinen damaligen Ansatz, damit umzugehen, finde ich äußerst ansprechend und konnte ihn auch echt gut greifen, Dankeschön!

    Ich habe ein paar Freunde, die ein sehr ähnliches Trinkverhalten fortsetzen, wie ich es hatte. (Na, vielleicht sollte ich „habe“ schreiben, weil mir klar ist, ich wäre innerhalb kürzester Zeit wieder drin, würde ich etwas trinken…)

    Die gehen damit irgendwie anders um. Die machen ihre Pausen, aber nehmen sich gar nicht ernsthaft vor, ohne Alkohol zu leben.
    Ich merke, dass es ihnen auch manchmal Angst macht und dann bin ich erstaunt, dass sie scheinbar nicht in Betracht ziehen, zu lernen, ohne Alkohol zu leben.
    Sie sagen immer nur Sachen, wie „ich muss das mal wieder etwas einschränken“, oder „ich trinke jetzt mal ein paar Tage nichts“ (was oft nicht gelingt, soweit ich das beurteilen kann). Jedenfalls bin ich froh, dass sich da in mir irgendwas bewegt hat, weil ich merke: SO kann ich das mittlerweile nicht mehr machen.
    Rückfall, Vorfall- die Gefahr besteht natürlich gar nicht, wenn man sich erst gar nicht vornimmt, aufzuhören…

    Einerseits bin ich also froh, dass ich da eine Instanz in mir spüre, die sich in mancherlei Hinsicht nichts mehr vormacht.

    Gleichzeitig bin ich nicht nur verwundert, dass die sich so viel weniger sorgen um ihren Konsum machen, sondern manchmal ein bisschen wehmütig, weil sie die Phase noch auskosten können. Total widersprüchlich.

    Ach naja, nur so ein paar Gedanken.
    Genug Menschen entwickeln keine Sucht und können bis zum Rest ihres Lebens hin und wieder was trinken. Darauf rumzukauen, warum ich nicht dazugehöre ist dermaßen sinnlos 🙄


    Lieben Gruß, Mia

    Lieber Stilles Wasser ,


    danke für deine Antwort- ich bin nicht sicher, ob ich sie tatsächlich verstehe.
    Du schreibst von der Wichtigkeit, auch durch Schattenseiten hindurch zu gehen. Meinst du damit, unangenehme Gefühle anzunehmen?

    Das trinken und belohnen stark miteinander verknüpft sind, merke ich auch.

    Was du über deinen Weg schreibst, von dem du spürst, dass er dich heim und in die Selbstbegegnung führt, klingt jedenfalls inspirierend und erstrebenswert für mich.

    Tut mir leid, meine Auffassungsgabe ist heute nicht besonders hoch. Ich will aber die Chance nicht versäumen, deine Antwort in Gänze zu verstehen.

    Liebe Grüße, Mia

    Liebe AmSee13 ,


    es fühlt sich durchwachsen an. Es geht mir mental besser und selbst Momente, in denen ich mich nicht so gut fühle, sind gute Momente- weil ich sie ohne Alkohol bewältige. Aber manchmal erschlägt mich die Erkenntnis, dass das nicht nur eine Phase ist, sondern die Option zu trinken einfach keine mehr ist, immer noch.

    Ja, mag ich. Jedes Mal, wenn sich solche Gedanken einschleichen (in dem Fall: „Hey, die sagt Rückfälle sind normal bei Sucht und gehören dazu- dann könnt ich mir ja auch einen erlauben“) schaltet sich der Teil in mir ein, der mittlerweile weiß, was er eben weiß. „Du würdest dich selbst betrügen, nach allen Erkenntnissen über dich selbst“.
    Dann bin ich einige Momente niedergeschlagen. Aber all die wichtigen Sätze in meinem Kopf, schützen mich.
    Kurz gesagt: ich kann mir nichts mehr vormachen.

    Mit etwas Scham möchte ich einräumen, wie meine Teilnahme an der Gruppe letztes Jahr lief: sobald ich sie hinter mir hatte, habe ich mir Bier genehmigt. Meistens schon auf dem Rückweg nach Hause (an der Tankstelle gehalten). Meine Erlaubnis gebenden Gedanken: „Jetzt tust du ja was, du nimmst daran Teil. Man muss ja nicht direkt von 100 auf null gehen! Solange ich mich damit auseinandersetze und was tue, ist das schon okay!“

    Aus dem Grund ist die Teilnahme irgendwie auch mit trinken verknüpft. 🙈

    Manches, was da gesagt wird, macht mir tatsächlich Lust auf trinken, ist das zu glauben?

    Nah dran, etwas zu trinken, fühle ich mich trotzdem nicht. Wie gesagt, mittlerweile weiß ich, was ich weiß und kann da nicht mehr einfach drüber weg gehen.

    Liebe Grüße 💚

    - Tag 15 -


    Mich zu der bestehenden Suchtgruppe dazuzugesellen ist mir schwer gefallen. Ich bin schüchtern. Wenn ich Menschen nicht kenne, fallen mir oft keine passenden Worte ein und in einem Raum mit fremden Menschen sitzen fällt mir schwer- da fühle ich mich schnell eingesperrt.
    Was ich an süchtigen Menschen mag ist, dass es wenig smalltalk gibt. Da geht es um die bedeutsamen Dinge und es besteht so ein geteiltes Verständnis über Abgründe, aber auch um ihre Überwindung.
    Die Gruppenleitung erscheint mir … dröge. Sie redet langsam, mit vielen „ähs“. Ich ertappte mich bei innerer Ungeduld und dem Gedanken, dass da vorne vielleicht eher jemand von euch hin passen würde. Dann musste mich ein wenig zurecht rücken: ich bin so dankbar, über das Angebot!!!
    Was ich schön fand war die Herzlichkeit: unsere Türen sind immer offen. Ihr könnt gehen und jederzeit zurückkommen, auch und vor allem dann, wenn euch das nüchterne Leben mal nicht gelingt.
    (Meine Sucht schlug kurz Purzelbäume und dachte sofort… naja, ihr könnt es euch denken).
    Die Kriterien für Abhängigkeit wurden ausgelegt und obwohl ich sie in und auswendig kenne, hoffte ich einmal mehr, ich müsste sie vielleicht doch nicht bejahen.
    Naja, stattdessen musste ich in mir einräumen: Interessenverlust und Isolation- wie oft war mir nur der Sechserträger Bier wichtig und nach Hause, um ihn da zu trinken. Für Kontaktpflege hatte ich ja spätestens nach dem dritten Bier gar keine Kapazität mehr.

    Gestern habe ich den Podcast Flaschengeist weiter gehört und habe verstanden, wie sehr man sich selbst verlässt, wenn man trinkt, um etwas von sich nicht zu spüren.
    Das ist doch tatsächlich als würde man seinem inneren (Kind) sagen „geh weg, wenn du so bist, will ich dich nicht!“. (Was vermutlich viele von uns desöfteren in der Kindheit gehört haben, wenn zb Ärger nicht gewünscht war, oder sich die Eltern mit Traurigkeit überfordert fühlten).

    Viele liebe Grüße und einen schönen Tag,


    Mia

    - FORTUNE -

    Ich habe mich über deine Gedanken gefreut!
    Sie erscheinen mir so gehaltvoll, dass ich mir erlaube, sie einfach nur aufzunehmen!
    Das passt ohnehin in mein derzeitiges Vorhaben.
    Alles sacken lassen, bewegen, mal schauen, was da so wächst.

    Ich betreue ehrenamtlich einige alte Menschen.
    Aber ein richtiges Hobby habe ich nicht.
    Sobald ich mit dem Arztbesuch und den ersten Gruppenterminen durch bin, will ich mir gern etwas suchen.

    Das „alles Gute für deinen weiteren Weg“ kann ich nur herzlich erwidern.
    Schade, dass sich unsere Wege hier nur so flüchtig gekreuzt haben, aber deine wertvollen Beiträge aus deiner aktiven Zeit hier werden mir bestimmt und hoffentlich noch oft unterkommen.
    Und ich habe den Gedanken, dass du mit dem, was du beiträgst, sicherlich ein Geschenk für die Menschen bist, denen du dich zuwenden wirst :)

    Ganz viele liebe, dankbare Grüße 💚

    Liebe AmSee13 ,


    hab auch dank für deinen Beitrag, es hat mir gut getan, ihn zu lesen! Ich habe neulich tatsächlich diese Heets ausprobiert und schlimm herum gehustet 🙈 Damit hatte ich irgendwie nicht gerechnet, aber nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe, ergibt das natürlich Sinn und man muss sich erst dran gewöhnen.

    Ich bin an dem ganzen Thema dran und bewege das. Ich glaube es ist ein inneres Schwung nehmen.
    Also hoffe ich…


    Viele liebe Grüße 🤗

    Guten Morgen, ihr Lieben!

    Danke für eure Impulse, Meinungen und Erfahrungen. Irgendwas macht es mit mir, das zu lesen. Aber ich weiß gerade noch nicht genau, was.
    Einerseits geht so ein innerer Ruck durch mich hindurch, alla „ja, verdammt, ich ziehs durch!“ aber direkt darauf folgt so ein „oh nein, nicht das auch noch hergeben!“.

    Es ist so, dass ich beim Nikotinentzug schon mehrfach gescheitert bin. Einmal habe ich ein halbes Jahr durchgehalten, aber dann kam eine emotionale Krise und ich habe wieder angefangen 🙈

    Wie oft ich mir vorgenommen habe, heute nicht zu rauchen- nur um einige Stunden später die doppelte Menge an Zigaretten zu rauchen- kann ich gar nicht zählen.
    Und, ähnlich wie beim Alkohol, wurde mein Vertrauen es schaffen zu können, jedes Mal extrem geschmälert. Es hatte also irgendwie einen echt hohen Preis.


    Die Zeit in der ich tatsächlich aufgehört hab, war echt verdammt hart. Ich will jetzt gar nicht ins Jammern verfallen, nur sagen, dass ich davor Angst habe. Wirklich Angst.
    Und zwar nicht, weil das nur in meiner Vorstellung schlimm ist, sondern weil es tatsächlich schlimm für mich war und ich schon so oft gescheitert bin.
    Mir ist auch bewusst, dass drüber philosophieren überhaupt nichts bringt. Nur Entschluss fassen und durchziehen.
    Aber wenn ich im Augenblick wieder in eine Situation komme, in der ich meine selbstwirksamkeit als gering erlebe habe ich sorge, was das mit mir macht.
    Nicht, dass ich ernsthaft befürchte, etwas würde in mir durchknallen und ich würde aus einem Anfall von „jetzt ist eh alles egal“ wieder trinken. Aber wenn man sich selbst nicht vertrauen kann, wer weiß 🥺

    Dabei will ich so gern aufhören. Ich rauche seit ich 14 bin, habe mittlerweile echt mit den Folgen zu kämpfen und weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich ernsthaft krank davon werde.

    Oh man, eine etwas jämmerliche Rede zum Sonntag 🙈

    Honk

    es geht mir mental viel besser!
    Ich bin ausgeglichener, mehr bei mir selbst und vor allem fühle diese furchtbare Scham nicht mehr.
    Das ist so viel wert!!!
    Das möchte ich um keinen Preis mehr aufgeben und nie wieder in diese vernebelte, dunkle Alkoholwelt zurück.

    Etwas verwirrend und beängstigend ist, dass es mir körperlich unverändert nicht besonders gut geht. Ich habe Probleme mit Hals und Lunge und bin wahnsinnig abgeschlagen.
    Deswegen ist der Gedanke „ich muss unbedingt aufhören zu trinken“ im Moment gleich durchs nächste abgelöst „ich muss unbedingt aufhören zu rauchen!“ …

    Aber ich halte an meinem Plan fest, eins nach dem anderen. Ich will mich nicht überfordern.

    Danke, dass du nachgefragt hast 🤗

    Guten Tag, liebe AmSee13 😊

    Ich weiß, dass du nicht die Absicht hattest, mich mit der Erwähnung traurig zu machen, sondern es im Kontext des großen Ganzen geschrieben hast.
    Es hat mich traurig gemacht, so, wie es mir Freude macht zu wissen, dass es dich und die anderen auf der Welt gibt :)

    Dass du seitdem mehr Lebensfreude fühlen kannst, als zuvor ist toll und macht mich ganz warm. Das ist inspirierend 💚


    Den Unterschied zwischen mitleiden und Mitgefühl kenne ich. M. Rosenberg hat zu seinen Lebzeiten mal von einem Brief berichtet, den er nach dem Tod einer schwerkranken Freundin erhalten hat. Darin hat sie ihre Dankbarkeit dafür zum Ausdruck gebracht, dass Rosenberg sie nie bemitleidet hat- und genau deswegen an ihrer Seite bleiben konnte, wo andere sich zu ihrem eigenen Schutz vor leiden zurück ziehen mussten.

    Das war für mich ein sehr eindrückliches Beispiel dafür, warum Mitleid nicht beiträgt.

    Danke, dass wünsche ich mir für mich auch!

    Viele liebe Grüße, an Tag 12 ohne Alkohol und einem Wochenende, an dem ich bisher auch nicht oft daran denken brauchte (klopf auf Holz 😅)

    Danke, rent ❤️

    …noch während ich las, dass du deine ersten Schritte heimlich gegangen bist, hatte ich den Gedanken „boah, das hätte ich vielleicht auch besser machen sollen.“

    Ich weiß, dass das überhaupt nicht deine Botschaft ist, ganz im Gegenteil, aber soviel dazu, wie selbstständig mein Suchthirn zu allem Parallel vor sich hin denkt. In dem Gedanken schwingt nämlich mit „dann hätte ich am Wochenende hin und wieder was trinken können, ohne in Schwierigkeiten zu geraten“. Natürlich wäre ich trotzdem in Schwierigkeiten geraten, in mir selbst.
    Aber hätte ich nicht gerade selbst jahrelang und live erlebt, wie man sich selbst was vormachen und vor allem immer wieder neu verdrängen kann… ich würde es wohl nicht glauben können.

    Das was du in den letzten Absätzen schreibst, „als wäre da etwas schlimmes in der Vergangenheit gewesen, zu dem ich keinen echten Bezug mehr habe“, das hat mich berührt, das konnte ich fühlen.
    So ähnlich empfinde ich das mit den Panikattacken. Als die so aufgeblüht waren, dass ich quasi 24 Stunden darin gefangen war, wollte ich nicht mehr leben und habe geglaubt, nie wieder frei davon zu sein.
    Heute, einige Jahre später, weiß ich noch, wie es sich angefühlt hat, aber die Erinnerung fühlt sich nicht mehr belastend an. Oft merke ich auch auf „dies und jenes wäre damals ein Auslöser für Panik gewesen“, aber die Erinnerung streift mich mehr wie eine alte Ahnung. Als würde kurz ein Schatten an mir vorbeihuschen und dann bin ich sehr glücklich und dankbar, dass ich heute nicht mehr in diese Abgründe gerate.
    Möge es im Bezug auf das trinken auch eines Tages so sein 🙏

    Mia

    AmSee13 ,
    als ich las, dass bei dir Ms diagnostiziert wurde, hat mich das betroffen gemacht!
    (Wenn ich betroffen bin, drücke ich mich manchmal ungeschickt aus, bitte sieh es mit nach, falls du das so empfindest - aber ich möchte auf keinen Fall darüber hinweglesen.)
    Es macht mich traurig, dass du damit sein musst, neben allem, was du sonst noch zu tragen hast. Und ich wünschte, das müsstest du nicht!
    Ich weiß nicht viel darüber, nur, dass es auch mildere Verläufe gibt und ich hoffe, das ist bei dir der Fall.

    Was das Tempo betrifft: ich mache immer so viel, wie es geht und solange es irgendwie geht. Als ich mit meiner Angst und Panik ans Haus gebunden war und an manchen Tagen gerade mal Zähneputzen ging, selbst da habe ich mich nicht gefragt, ob ich es vorher vielleicht jahrelang übertrieben habe.
    Sobald es wieder besser ging, habe ich einfach weiter gemacht.
    Ich fühle mich wertvoll, wenn ich etwas leiste. Und wenn ich nichts leisten kann, fühle ich mich schlecht.
    Und obwohl das Thema mit dem Tempo mich gerade nachdenklich macht, habe ich währenddessen wieder etliche Schubkarren im Garten gewuchtet. Bis es wirklich nicht mehr ging. Obwohl ich mich immer noch so schlapp fühle und meine Lunge brennt. Zu essen habe ich auch mal wieder vergessen…

    Ich schätze, ich sollte mich also auch damit mal befassen. Ein weiterer Punkt, der eigentlich relativ leicht scheint, aber in meinem Kopf verschwimmt, ohne, dass ich genau sagen kann, warum.
    Das „etwas tun, für das Gefühl, etwas geleistet zu haben“ sitzt echt tief drin.

    Danke für euer an mich denken und die lieben Wünsche ❤️


    Es war ein angenehmes Gespräch. Sehr freundlich, verständnisvoll und offen.
    Zu sagen „kontrolliertes trinken habe ich ausführlich erprobt, musste feststellen, dazu nicht in der Lage zu sein, also ist die einzig logische Schlussfolgerung, dass ich nun ohne Alkohol leben werde“ ging mir ein wenig leichter über die Lippen, als gedacht.

    Ich hörte Sätze, wie „es ist Krankheitstypisch, dass Betroffene jahrelang hoffen, einen angemessenen Umgang mit dem Konsum zu finden und erst eine gefühlte Niederlage brauchen, um weiter gehen zu können.“

    Ab jetzt bin ich einmal wöchentlich wieder in den Gruppen. Ein zwischengespräch ist schon vereinbart. Mein Ziel auch: Input und Auseinandersetzung mit der/ meiner Sucht, um den Teil in mir zu stärken, der sich noch vor einem Leben ganz ohne Alkohol fürchtet.

    Nächstes Etappenziel ist dann mein Arztbesuch, die Karten auf den Tisch legen, um eine ausführliche Untersuchung für Klarheit bitten und mich dann gezielt kümmern.

    Danke, dass es euch gibt 💚

    Hallo, liebe AmSee13 ,


    Danke für die Erklärung :)

    Auf das Buch bin ich schon unheimlich neugierig. „Zu schnell, zu viel“ wollen und die Schattenseite (Überforderung/ Resignation) kenne ich schon mein ganzes Leben lang.

    Staunend las ich, dass dir dein natürliches Tempo, bedürfnisorientiert, seit damals in der Klinik, bewusst(er?) geworden ist.
    … Ich traue mich kaum zu sagen, dass die gewaltfreie Kommunikation (nach M. Rosenberg) seit Jahrzehnten im Fokus meiner Arbeit steht, und damit die bedürfnisorientierung.

    Das fällt mir leicht. Nur weniger, was meine eigenen Bedürfnisse betrifft 🙈

    Ich bin gespannt auf meinen nüchtern Prozess!

    Liebe Grüße, Mia

    - Über die Geduld -


    Man muss den Dingen
    die eigene, stille
    ungestörte Entwicklung lassen,
    die tief von innen kommt
    und durch nichts gedrängt
    oder beschleunigt werden kann,
    alles ist austragen – und
    dann gebären…

    Reifen wie der Baum,
    der seine Säfte nicht drängt
    und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
    ohne Angst,
    dass dahinter kein Sommer
    kommen könnte.

    Er kommt doch!

    Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
    die da sind, als ob die Ewigkeit
    vor ihnen läge,
    so sorglos, still und weit…

    Man muss Geduld haben
    Mit dem Ungelösten im Herzen,
    und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
    wie verschlossene Stuben,
    und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
    geschrieben sind.

    Es handelt sich darum, alles zu leben.
    Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
    ohne es zu merken,
    eines fremden Tages
    in die Antworten hinein.

    Rainer Maria Rilke