Beiträge von rent

    Und so kristallisiert sich wirklich Immer mehr raus, wie sehr der Alkohol eigentlich der Kit gewesen ist, der eigentlich alles zusammenhält.

    Ich hatte mich damals fast von meinem gesamten trinkenden Freundeskreis lösen müssen.

    Im Nachhinein betrachtet, war das auch die einzige Möglichkeit, denn ich hatte damals überhaupt nicht die Kraft, verschiedene Events nüchtern durchzustehen. Zumal ich dafür eher belächelt wurde und eigentlich sowieso dort nicht mehr reingepasst hatte.

    In meiner jetzigen vergangenen Spiegeltrinkerzeit war es so, dass ich teilweise keinen Bock mehr hatte, bei bestimmten Veranstaltungen dabei zu sein.

    Ich hatte mitgetrunken und auf der anderen Seite habe ich mich geärgert, getrunken zu haben.

    Mich hat auch manchmal diese ganze Albernheit, die eben mit dieser "gutbürgerlichen" Trinkkultur verbunden ist, genervt.

    Dazu kam noch, dass ich z.b wie bei meiner Skatrunde ab und zu mit dem Auto fahren musste und ich mir deshalb nicht mein volles Wohlfühlpensum verpassen konnte.

    Das war übrigens mega anstrengend, sich über den Abend zu schleppen und abends mit dem Auto heimzuschleichen, in Angst und Hoffnung, dass der Promillepegel bei einer Polizeikontrolle noch gepasst hätte. Ehrlich gesagt, hätte das nicht immer gepasst.

    Und ich bin wirklich dankbar, dass in der Richtung nichts weiter passiert ist.

    Aber auch auf anderen Events habe ich mir nicht offensichtlich die Kante gegeben, sondern abends lieber heimlich nochmal für mich nachgelegt (oder auch vorgeglüht, je nachdem)

    Von daher sind diese "gutbürgerlichen" Trinkveranstaltungen für mich eher als anstrengend (mit Alkohol) besetzt und ich bin froh, dass nicht mehr zu haben bzw. jetzt nüchtern dabei zu sein.

    Aber es gab natürlich auch soziale Interaktionen, die mit dem Trinken positiv verknüpft waren.

    Gerade bei einem guten Gespräch oder einem spontanen Treffen, wurde früher ganz gerne "erstmal ein Bierchen" getrunken.

    (Wie eben der Raucher sagt, ach komm, lass uns erstmal Eine zusammen rauchen)


    Nun ja, so scheint die Herausforderung über die dunkle Jahreszeit zu sein, sich quasi ein neues, soziales Umfeld aufzubauen. Ich hab wirklich so das Gefühl, ich kann mit den anderen nichts mehr anfangen und die nichts mehr mit mir. So ist es einfach, wenn ich das im wahrsten Sinne mal nüchtern. betrachte.

    Ja, das erscheint wirklich manchmal etwas aus Herausforderung, aber man hat sich ja selber aus diesem trinkenden Umfeld herausgecuttet.

    Man verändert sich selber und die anderen bleiben ja wie sie sind.

    Und ich sehe das auch als einen richtigen Neuanfang/ eine Lebensveränderung, wodurch ich mir eben mehr und mehr selber treu bleiben kann.

    Und ja, manchmal ist es schon etwas herausfordernd, gerade eben in einer trinkenden Welt.

    Auf alle Fälle will ich nie wieder dorthin zurück, wie es früher (trinkend) war...

    Wird wohl wahrscheinlich wirklich am Wetter liegen.

    Na dann viel Spaß mit der Hantelbank, die ist ja vielleicht auch flexibler einsetzbar, als eine Rudermaschine.

    Klar, mit der Rudermaschine schlägt man auch vieles auf einen Streich. Gerade für den Rücken wäre die auch was für mich, aber geht eben nicht immer alles.

    Da kann das Indoor-Training ja jetzt beginnen 💪

    Ich glaube wir bekommen anderes Wetter oder ich werde einfach nur alt ;)

    Bin heute früh aufgestanden und habe mich gefühlt, als hätte ich ein paar Tage auf der Isomatte im Zelt übernachtet.

    Eigentlich habe ich schon meine Übungen und ein paar Tools, die recht gut helfen, aber es ist echt ungerecht, dass sich sofort die körpereigenen Baustellen melden, wenn man sie mal ein paar Tage vernachlässigt.

    Ich wollte bloß mal jammern und mach jetzt brav meinen Sport :)

    Hallo Dinto,

    ich habe auch nochmal darüber nachdenken müssen, wie es damals bei mir war.

    Du musst dir vorstellen, das der Alkohol wie eine 3. Person in eurer Beziehung ist, wo du zur Zeit keine Chance dagegen hast.

    Bei mir hatte damals der Alk die gleiche Wertigkeit, wie die Beziehung zu meiner damaligen Freundin.

    Oder anders gesagt, ich wollte trinken UND eben diese Beziehung/ mein Leben haben, wie es zu dem Zeitpunkt war.

    Es gab damals auch noch andere Baustellen, aber der Hauptgrund war das Trinken.

    Sie hatte damals auch meinen Konsum permanent als Waffe gegen mich eingesetzt, Gegendruck erzeugt.

    Auf der anderen Seite hatte sie meine Exzesse teilweise mit gedeckt, mir aus der Patsche geholfen und dafür auch eine Art Macht über mich eingenommen.

    Sie war eben auch mit dieser Situation überfordert, hat eben keinen anderen Ausweg gewusst, als auf ihre Art damit zurechtzukommen.

    Und das war letztlich das Aus für unsere Beziehung.

    Zum Schluss endete es immer in Vorhaltungen, sie hatte aufgepasst und mitgezählt/ mir meinen Konsum vorgeworfen.

    Das hat eigentlich bei mir nur das Gegenteil erreicht und letztendlich mein Pensum noch erhöht. Ich hatte sozusagen Stress damit, dass sie mir "mein" Trinken wegnehmen, mir dort reinreden wollte.

    Zum Schluss waren bei mir dann schon solche Gedanken, "dann soll die doch gehen, dann kann ich mich endlich in Ruhe wegballern, aber sowas von". Mir war in dem Moment der Alkohol wichtiger geworden, als der Partner, der aus meiner damaligen Sicht sowieso nur Stress gemacht hat.

    Ich war damals noch weit weg von der Einsicht, dass das bei mir die Krankheit mit dem "A" sein könnte.

    Ich bin damals überhaupt nicht bereit gewesen, den Alkohol aufzugeben.

    Meine Hoffnung war immer, es irgendwie zu schaffen, "weniger" zu trinken. Was aber nicht funktionieren konnte.

    Unterm Strich wäre damals vielleicht ein ehrlicherer, liebevollerer Umgang ihrerseits hilfreicher gewesen, als das "Mitzählen" und Vorhaltungen machen/ ihre Macht ausspielen.

    Aber eigentlich bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich geholfen hätte, weil ich damals noch meilenweit von der echten Krankheitseinsicht entfernt war.

    Und wie ich das bei dir herauslese, machst du ja schon viel mehr, als alles gut ist und reibst dich damit selber auf, machst dich auch damit kaputt und versucht sie zu ändern.

    Du übernimmst ihre Verantwortung, bist für sie vielleicht sogar der Anker nach ihren Saufexzessen oder machst hinterher alles sauber.

    Eigentlich hat sie ja in dir jemanden, bei dem sie sich zurückziehen kann und es besteht in dem Sinne keine Notwendigkeit für sie, einen anderern Weg einzuschlagen.

    Zumindest hätte ich das genau so aus meiner damaligen Sicht gemacht.

    Ich denke, dass Einzige was du in dieser Situation machen kannst, ist Abstand halten, was vielleicht auch bedeutet, deine Freundin fallen lassen.

    So schwer dir das auch fällt.

    Und ja, man will nicht zusehen, wie sich ein geliebter Mensch selber zugrunde richtet, aber in dem Moment ist es vielleicht die bessere Entscheidung für euch beide.

    Und alles, was du bis jetzt getan hast, hat ja auf Dauer keine Änderung gebracht

    Die (Krankheits)einsicht/ die Entscheidung muss alleine von ihr SELBER kommen, alles andere funktioniert meiner Meinung nach nicht. Zumindestens nicht langfristig.

    Das sind zumindestens meine Erfahrungen.

    Ebenfalls ein herzliches Willkommen hier im Forum

    Ich kann mich den anderen Beiträgen nur anschließen.

    Der Anfang erstmal gemacht, dass deine Freundin sich ihr Problem eingestanden hat und professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

    Ich hatte Jahre damit vertan, um mir genau das selber einzugestehen.

    Aus meiner Sicht ist es wichtig (und dir ist das ja auch selber klar geworden), dass du deiner Freundin vor allem erstmal den Raum gibst, den sie benötigt.

    Ich habe das teilweise so erlebt, dass gerade am Anfang, wenn der Stoff fehlt, den man jahrelang als "Lebenshilfe" für eigentlich alles konsumiert hat, man schon ziemlich emotional am Ende ist und für kaum etwas die richtigen Nerven hat.

    Ist ja auch klar, wenn man sich jahrelang sediert hat.

    Durch die eigene Nüchternheit ändert sich der Blickwinkel auf viele Sachen, ich sehe jetzt auch vieles anders als früher.

    Die gute Nachricht dabei ist, dass eben viele Sachen realistischer und klarer gesehen werden und nach vernünftigen, echten Lösungen gesucht werden kann.

    Ich würde das manchmal beinahe als Neuanfang/ Chance für beide Partner betrachten.

    Aber wie gesagt, ich denke bei euch ist es erstmal wichtig, dass du deine Freundin in ihrem Weg jetzt unterstützt und anfänglich nicht zuviel von ihr erwartest, was sie zusätzlich unter Druck setzen würde, da sie wahrscheinlich gerade jetzt nicht emotional in der Lage ist, das zu geben.

    Wenn eure Beziehung eine gesunde Basis hat, wird sich mit der Zeit bestimmt auch vieles wieder einspielen.

    Aber man sollte sich auch im Klaren darüber sein, dass sich eventuell auch einige Dinge und Sichtweisen verändern könnten.

    Und genau, die Zeit wird zeigen, was kommt :thumbup:

    Wenn ich mal ehrlich zu mir bin, würde mir das Weglassen das morgendlichen Kaffees schon recht schwer fallen (Gewöhnung oder schon Sucht?)

    Ich mag aber auch wirklich den Geschmack, z.B. trinke auch auch Abends gerne die koffeinfreie Alternative.

    Gerade seit ich keinen Alkohol mehr trinke, habe ich den Kaffe erst wieder schätzen und geniesen gelernt.

    Ich mag z.B. früh auch diesen Kaffeeduft im Raum, den ich sehr stark mit meiner Nüchternheit bzw. mit einem gesunden Morgen verknüpfe.

    Für mich ist auch eher Zucker ein größeres Problem, wo bei mir auf alle Fälle noch Luft nach oben ist/ Veränderungsbedarf besteht.

    Aber wenn man eben wie Stilles Wasser merkt, dass der Kaffee nicht gut tut, ein Problem darstellt bzw. die eigene Freiheit einengt, ist es m.A. nach, das Beste eben genau das wegzulasssen.

    Ja Sport ist eine super Ausgleich zu vielen Dingen im Alltag und für mich auch oft ein Ventil bzw. auch ein echtes Tool, um Stress und Anspannung vorzubeugen.

    Gerade Laufen hat, wie ich finde, manchmal sogar etwas Meditatives, ich werde dadurch teilweise richtig im Kopf frei.

    Und wenn dann noch Zeit zu Zeit noch eine leichte Endorphinausschüttung bzw. danach eine gesunde Grundentspannung dabei herauskommt, freut sich auch das Belohnungszentrum.

    Auch am Wochenende früh, wenn noch alles ruhig ist, bei Sonnenaufgang in den Tag zu starten und danach frisch und fit am Frühstückstisch zu sitzen, hat auf alle Fälle etwas.

    Ja auch der Klassiker Radfahren geht immer, zumal da je nach Lust und Laune von Auspowern bis Radwandern immer etwas dabei sein kann. Einfach Ohrhörer rein und der Feierabendsonne entgegen.

    Ich freue mich dieses Jahr auch wieder auf's Snowboarden, vorrausgesetzt es gibt wieder mal einen richtigen Winter.

    Auf alle Fälle gilt es etwas zu finden, was eben in erster Linie Spaß macht und nicht zum Zwang wird.

    Und "Low Intensity" Training bzw. sich nicht verzweifelt anzustrengen und abzumühen, ist auf alle Fälle auch "My Way" :)

    Ich schreibe mal mit hier herein, weil das trifft gerade auch ein paar Gedanken, die mich umtreiben...

    Prima, dass es dir grad einfach nur gut geht. So soll‘s doch eigentlich sein, nicht?

    Genau, so soll es ja sein und es ist schön, wenn es mir einfach gut geht.

    Ich merke nur manchmal bei mir, dass sich von Zeit zu Zeit so eine Art Langeweile? einschleichen will.

    Die anfänglichen psychischen Unpässlichkeiten nach dem Entzug sind fast vergessen, die Verzweiflung, Kater und Weltenschmerz und die Unzufriedenheit mit sich selber aus der "aktiven" Phase rücken teilweise in den Hintergrund und das ist ja auch gut so.

    Und ich möchte mir auch auf keinen Fall ein Denkmal der früheren Zeiten aufstellen, nach dem Motto: "Vergiss nie und gedenke auf ewig deiner Gefangenschaft"

    Aber gerade dadurch, das es mir eigentlich recht gut, "normal" geht, kommen da manchmal Gedanken (also eher nur schemenhaft,) meine jetzige normale und gesunde Welt wieder in Scherben zu schlagen.

    z.B. war ich gestern Abend noch eine Runde joggen, Wetter war auch recht trübe geworden und ich hatte mich wahrscheinlich durch den schnellen Wetterwechsel auch nicht so ganz wohl gefühlt.

    Insgesamt war es vielleicht nicht ganz so endorphinausschüttend, die sich der Ex-Suchti gerne auf legalem Weg beschaffen will.

    Zumindest ging es mir in dem Moment so.

    Wie gesagt und gerade in solchen Momenten spiele ich meine "damalige" Sucht und das ganze Affentheater was damit verbunden war, gerne herunter und sehe die "positiven Seiten" des Alkoholkonsums und dieses damit verbundene Entfliehen aus der Normalität.

    Es wäre nie der Gedanke, das tatsächlich auszuführen, aber bei mir ensteht (nur in Ansätzen) eine gewisse Verharmlosung und eine Verklärung der Erinnerung.

    Nach dem Motto: war ja schon schlimm damals, aber hatte auch gute Seiten (und die guten Seiten gab es ja wirklich, sonst würde ja niemand trinken)

    Nur das bei mir die schlechten Seiten die guten Seiten um ein Vielfaches überlagert haben.

    Ich sehe sozusagen die Flasche Bier nicht als Gefahr, um wieder in die Falle zu tappen, sondern als das Wohlfühlgetränk, was ich noch vor meiner Sucht kontrolliert genießen konnte.

    Wie gesagt, das sind nur gedankliche Schemen und von der Umsetzung meilenweit entfernt, aber bei mir schleicht sich manchmal durch diese Normalität so etwas ein.

    Ich empfinde das bei mir so, als würde die Sucht nicht mit so "plumpen" Sachen wie Saufdruck o.ä. um die Ecke kommen, sondern viel perfider wieder versuchen zu locken

    Okay, das war einfach Satire und Blödelei, sich selber nicht ernst und ein wenig auf die Schippe nehmen.

    Mir tut das eigentlich auch sehr gut, mich selber und selbst mein Suchtproblematik auf die Schippe zu nehmen. (nicht falsch verstehen, ich nehme meine Sucht so ernst, wie sonst kaum was)

    Aber gerade Humor hilft mir gerade in vielen Sachen sehr gut weiter.

    Wo ich mich früher in Gedanken klein gemacht/ mich selber ausgeschimpft habe, hilft mir jetzt manchmal ein leicht ironischer Blick auf mich selber.

    Es ist aber eben auch so, dass in einem Forum ein wirkliches Gegenüber fehlt und die Möglichkeit besteht, immer aus den Zeilen verschiedene Aspekte herauszulesen. Zumal man sich ja auch nicht so gut kennt.

    Ich habe das auch in dem anderen Forum merken müssen, dass der eine oder andere (selbst)ironische Beitrag nicht den Anklang gefunden hatte, den ich mir davon erhofft hatte.

    (was ja auch normal ist, weil jeder tickt ja anders)

    Aber wie gesagt, ich finde Humor wirklich eine sehr gute Sache, gerade in dem Umfang mit meiner Sucht.

    Euch allen ein schönes und "normales" Wochenende :)

    Es fällt mir wirklich schwer nachzuvollziehen, warum jemand, der aus einer Sucht aussteigt, ein Problem damit hat, dass andere die Droge (noch) konsumieren. Es ist vielleicht Allen Carrs "Gehirnwäsche" geschuldet, die bei mir möglicherweise besonders gut anschlug. Aber ich erlebte es sowohl beim Ausstieg aus der Nikotinsucht als auch aus der Alkoholsucht so, dass ich zwar durchaus Entzugsprobleme hatte, aber niemals diejenigen beneidete, die das Suchtmittel noch konsumierten. Ich wollte raus aus der Spirale, und jeder, der noch drin war, taugte allenfalls als negatives Beispiel, das mich auf meinem Weg bestärken konnte.


    So wie ich das sehe, ist der Ausstieg aus einer Sucht ein Akt der Befreiung. Und warum soll ich auf diejenigen neidisch sein, die sich noch nicht befreien konnten?

    Ich habe kein Problem damit, dass andere noch Alkohol konsumieren. Es ist eher ein neutrales Beobachten ohne Emotionen.

    Da ist kein Verlangen mehr, kein Neid, kein tropfender Zahn. Nichts und das ist so eine Befreiung.

    Ich merke aber auch, dass das ehemalige Trinken teilweise noch mit sozialen Interaktionen verknüpft ist.

    Dort wird mir teilweise noch ein Verzicht vorgegaukelt oder eher, das Gefühl "mittrinken" zu müssen, um "dabei" zu sein.

    Es ist nicht das eigentliche Verlangen nach Alkohol, sondern eher das Bedürfnis, "dazugehören" zu wollen.

    Aber ich gehöre doch dazu, bin dabei, nur das ich KEINEN Alkohol mehr trinke.


    Und auch diese Momente werden immer weniger, sie werden sogar manchmal von dem Eindruck überdeckt, etwas wirklich Schlimmes durchgestanden/ überstanden zu haben, was sich ein Nüchtsüchtiger überhaupt nicht vorstellen kann.

    Mir wird auch immer mehr bewusst, was für riesengroßer Schatz diese Nüchternheit für mich ist, da können die anderen gerne ihr "Prosit auf die Gemütlichkeit singen".

    Bei mir war das kein Neid auf andere Alkohol Konsumierende, den ich gespürt habe, sondern Selbstmitleid, weil ich mich ausgeschlossen fühlte.

    Ich kenne das auch noch sehr stark aus meiner langjährigen Trinkpause und habe immer gehofft, dass es mit der Zeit vergeht.

    Da ich aber dem Alkohol immer als einen Teil von mir gesehen habe und ihm jahrelang nachgetrauert habe, hat es sehr lange gedauert, bis dieses Gefühl weniger wurde. (klar die Zeit heilt auch sehr viel und arbeitet für mich)

    Aber damals war es immer noch lange latent vorhanden, weil ich eben dem Alkohol in meinem Denken immer noch Raum gegeben/ ein Platz reserviert habe.

    Nun ist es kein Selbstmitleid mehr, sondern ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit, nicht mehr trinken zu müssen.

    Ich sehe das ziemlich ähnlich bis gleich. Und kann auch wirklich bestätigen, dass mir der Rauchstopp beim Trinkstopp auf jeden Fall geholfen hat. Der Rauchstopp war für 1-2 Wochen echt die Hölle. Dazu ist die Alkoholabstinenz ehrlich gesagt ein Spaziergang. Ich schiebe das auf die Verknüpfungen, die beim Rauchen deutlich mehr waren als beim Trinken.

    Bei mir war es ähnlich, der Rauchentzug war echt mit das Schlimmste, was ich miterlebt habe. Ich hatte teilweise wochenlang ein Gefühl als würde ich mich mit einem mir fremden Körper durch dicken Brei quälen und als wäre die Erde ein Planet, auf den ich nicht hingehöre, das war so was von strange...

    Meine vielen Alkoholentzüge habe ich in dem Hinblick auch etwas "gemäßigter" erlebt, der körperliche Entzug/ die Entgiftung waren immer recht schnell durch, die psychischen "Unpässlichkeiten" waren schon etwas geringer als beim Rauchtenzug.

    Aber das Gefühl der eigenen Fremdheit, mit dem Alkohol einen Teil von mir aufgegeben zu haben und ein Gefühl der Verlassenheit und nicht mehr zu dieser Welt zu gehören, waren auch noch lange da.

    Und auch dieses Craving, was ich eben kurz vor dem Beginn meiner jetzigen Abstinenz erlebt habe, will ich nie wieder.

    Aus meiner Sicht braucht der Alkohol länger als Nikotin zum echten und dauerhaften Andocken. Er hat sich sozusagen sehr leise und gemütlich von hinten angeschlichen und es braucht auch wieder seine Zeit, bis er sich entgültig wieder "ausschleicht" und ich auch diese Gehirnwäsche in jedem Detail wieder loswerde, die ich mir selber verpasst habe und verpassen lassen habe.

    [Nur nochmal zum kalten Entzug:

    Ich bin in den vergangenen Jahren mit meinen kalten Entzügen immer echt naiv, gedankenlos und fahrlässig an die Sache herangegangen (ich hatte mich ja nicht als "echter" Alkoholiker gesehen, sondern nur als jemanden, mit einem fetten Alkohol&Suchtproblem)

    Im Nachhinein gesehen bin ich wirklich so dankbar, dass alles gut gegangen ist.]

    Was ein wenig länger stehen blieb, war mein "Getränkelager" mit den leeren und vollen Bierflaschen im Schuppen wo mein Fahrrad parkt. Das hab ich glaub ich 4-6 Wochen bewusst aufgebaut gelassen und habe jeden Morgen und jeden Nachmittag mein Fahrrad da geparkt und mir die Unmenge von Flaschen angeguckt. Und natürlich auch den Geruch in der Nase gehabt. Und ich hab mir jedes Mal gesagt, so ein Haufen Scheiss kipp ich mir nicht nochmal in den Hals.

    Nach den 4-6 Wochen hab ich dann meiner Frau gesagt, ich bin soweit und habe den Scheiss dann mit ihr zusammen entsorgt und sauber gemacht.

    MEINE Getränke hatte ich kurz nach meiner Initialzündung kurzerhand an eine Bekannten weitergegeben, mit dem Hinweis, dass ich nicht mehr trinke.

    Es war vielleicht auch auch ein (kleines) öffentliches Bekenntnis oder einfach nur Flucht nach vorn.

    Meine letzten Opioide hatte ich schwereren Herzens entsorgt (hab die damals gehütet wie ein Kleinod und man bekommt sowas ja auch nicht im Discounter zu kaufen)

    Die letzte Tablette hatte ich an dem Tag genommen, als ich meinen "Zerbruch" hatte.

    Seit dem war, wie auch auf den Alkohol kein Verlangen mehr darauf, aber ich hatte mich trotzdem sehr schwer getan, mich von der letzten Packung zu trennen.

    Es war vielleicht so ähnlich, wie bei dir und deiner Billig-Wodkaflasche Honk oder vielleicht ein Stück dieser trügerischen "Sichertheit", ein Artefakt aus dieser schrägen Sucht-Welt, die nun gottseidank hinter mir liegt, behalten zu wollen.

    Wie auch immer, der Arzneischrank ist nun frei von Dingen, die ich missbraucht habe und wo früher die Bierkästen standen, steht jetzt ein Kasten mit Spezi und Wasser.

    Und ich bin so dankbar, dass es so ist, wie es jetzt ist...

    Diese Sober-Bewegung ist mir persönlich in ihren Formulierungen too much, aber das heißt ja nix. Wenn’s anderen hilft, sich davon inspirieren zu lassen kann, dann ist das doch völlig in Ordnung. Oder?

    Ja genau, ich finde, es geht ja gerade darum, den besten Weg zu finden, mit dem ich ein Leben lang zufrieden und sicher unterwegs bin und ich muss nicht alles 1:1 umsetzen.

    Ich fühle mich zur Zeit zwar sehr stabil, aber mich haben die vorherigen Beiträge und das Erinnern an vergangene Craving-Situationen (die teilweise negativ endeten) wirklich dazu bewegt, einiges auch wieder etwas bodenständiger zu betrachten.

    Und dass eine gesunde Vorrausschau/ Vorsorge sehr wichtig ist und eine zufriedene Nüchternheit kein Selbstläufer ist.

    Vielen Dank :thumbup:

    Was mir vielleicht geholfen hat, dass die Erwartung+Vorfreude ans Trinken viel größer war, als dann der eigentliche tatsächliche "Genuss" (+Schuld&Verzweiflung danach)

    Wenn das nämlich so wäre: Würden Alkoholiker, denen es so geht, dass sie diese Schuld und Verzweiflung immer wieder erleben, die noch nicht so weit sind, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als zu trinken, weil ein Absinken des Pegels die Hölle ist, mit dem Trinken nicht einfach aufhören können? (Sorry für den fürchterlichen Schachtelsatz, krieg‘s nicht besser hin. 🙈)

    Ja, da hast du vielleicht recht, das wäre irgendwo zu einfach gedacht bzw. würde das Aufhören recht einfach machen (zumindest für die, die noch nicht ihren Pegel halten müssen).

    Aber es ist ja gerade dieses Hamsterrad aus Trinken, Scham, Schuld, wieder trinken.

    Es war nur in dem Moment intensiver als andere Male:

    Ich hatte wahrscheinlich nach knapp 5 Monaten Entzug und diesem vorhergegangenen Craving eine Befriedigung erhofft, die eben dann nicht so in der erwarteten Intensität eingetroffen ist.

    Es waren eher so die Gedanken: Also so doll war das jetzt auch nicht und deswegen hast du jetzt deine 5 monatige Abstinenz aufgegeben.

    Aber genau diesen Gedanken der Enttäuschung habe ich bis jetzt gut eingebunkert (das wieder trinken überhaupt nicht so spektakulär wäre, wie ich es mir in meiner verklärten Erinnerung vorstelle)

    Aber ja, diese Momente hatte ich auch schon x mal früher erlebt und sie hatten nichts weiter bewirkt.

    Es ist übrigens krass, wie sich die eigene Objektivität unter diesem langen Suchtdruck verändert, wie man sich selber belügt und alles schön redet.

    DIESES MAL wird alles anders, dieses Mal kann ich kontrolliert Trinken, diese Mal gebe ich mir aber wirklich Mühe, dieses Mal...(und ein Teil von mir glaubt das in diesem Moment wirklich)

    Der vernünftige Teil in mir, der im Vorfeld schon weiß, dass dieses Mal NICHTS anders wird, wird überstimmt.


    Brant und Susanne und du, ihr habt von der Erfahrung erzählt, innerlich zu kapitulieren, und wie das für euch gewissermaßen der zentrale Wendepunkt war und Beginn eurer Abstinenz war.

    Das spricht doch dafür, dass da im Inneren irgendwas abgehen muss, um wider Erwarten den Absprung zu bewirken. Was auch immer das ist, denn es geschieht ja offensichtlich nicht jedem.

    Vermutlich ist da was dran.

    Ich war noch nie bei den AA's und das wäre bestimmt auch nicht mein Weg, aber dort ist ist ja in den ersten Schritten auch von einer innerlichen Kapitulation zu lesen.

    Ich finde nur, diese innerliche Kapitulation kann man nicht auf Knopfdruck hervorbringen, aber das ist vielleicht auch bei jedem anders.

    Aber für mich war es wirklich ein zentraler Wendepunkt, den ich unter keinen Umständen wieder verlieren will.

    (In Zusammenhang Kapitulation hatte ich viel früher schon mal ein ähnliches Erlebnis, aber da würde ich ein anderes Mal darüber schreiben, dass führt vielleicht hier zu weit und würde eher in die Kategorie "Leichtsinn und Gedankenlosigkeit" passen.)

    Ich bin aber auch der Meinung, dass es für jeden SEINEN Weg aus der Sucht gibt und dass dieser Weg für niemanden eine Qual sein muss.

    Vorrausgesetzt ist aber immer wieder die innere Bereitschaft, ich WILL nie wieder trinken und genau das eben mit vollstem Einsatz zu suchen/ umzusetzen.

    Und wenn ich z.B. Honk lese, hat er auch einen Weg, der meinem nicht ganz unähnlich ist und auch super zu funktionieren scheint.

    Die Initialzündung war vielleicht eine andere, aber in dem Weg danach finde ich mich sehr oft wieder.

    Für mich geht es viel darum, wie richte ich mein Leben nach der Sucht aus, was habe ich für Pläne. Dinge, die ich schon immer gerne machen wollte, mir aber immer die Sucht im Weg stand.

    Mir helfen z.B. auch positive Storys, Podcast's, Bücher von Leuten aus dieser Sober-Bewegung wirklich weiter.

    Menschen, die es wirklich ohne Qual geschafft haben, aufzuhören. Und ich muss dort nicht alles 1:1 umsetzen, aber ich brauche diese Hoffnung. Und es ist für mich kein Lifestyle, sondern eine Art ein zufriedenes, nüchternes Leben zu führen, was mir wirklich erstrebenswert erscheint und wie ich es auch immer mehr erlebe.

    Gerade deswegen begegne ich der Sache oder vielmehr MEINER Alkoholsucht mit einem gewissen Respekt und mit entsprechender Vorsorge/ Selbstfürsorge. Angst hab ich keine mehr.

    Ja ich habe auch gerade beim Schreiben und Erinnern gemerkt, dass es wirklich Respekt vor der Sucht und immer ein Kümmern um mich selbst bedarf.

    Was du da beschreibst, kenne ich vom Rauchen. Stets heißt es, so ein Suchtdruck/ Craving halte nicht soooooo lange an, aber ich hab das auch über mehrere Tage gehabt.

    Ja man kann die Situation wirklich mit dem Rauchstopp vergleichen.

    Was wäre gewesen, WENN du nach dieser Entscheidung im Kopf am Samstag nichts getrunken hättest.

    Schwierig, ich habe da auch schon öfters mal darüber nachdenken müssen, wenn ich an dem Samstag nicht getrunken hätte.

    Wahrscheinlich hätte ich damit das Trinken wieder ein paar Tage/ Wochen hinausschieben können, vielleicht wäre damit auch das Craving nie wiedergekommen.

    Vielleicht wäre ich total froh darüber gewesen, diese Tage überstanden zu haben, aber diese verklärte Sehnsucht war irgendwie noch in mir. (sonst hätte ich ja an dem Samstag nicht getrunken)

    Es war vielleicht eben noch teilweise auf der Basis "Willenskraft".

    Was mir vielleicht geholfen hat, dass die Erwartung+Vorfreude ans Trinken viel größer war, als dann der eigentliche tatsächliche "Genuss" (+Schuld&Verzweiflung danach)

    Ich kann nur von mir berichten, aber ich habe das nie so erlebt, dass ich mich zufällig auf einmal mit der Bierflasche in der Hand wiedergefunden habe oder dass es mich vom einen zum anderen Moment in die Tanke gezogen hat.

    Bei mir hing das immer mit einer Art Entscheidung zusammen.

    Diese "Sehnsucht" hat sich bei mir manchmal über Tage aufgebaut, ich habe verklärt nur noch Gutes am Trinken gesehen und alles Negative weggewischt.

    Ich hätte nach dieser Entscheidung für's Trinken auch nicht z.B. irgendwelche Proseccoflaschen die evtl. im Haus befunden hätten getrunken, sondern hätte mir MEINE Getränke in ausreichender Menge besorgt. (da hätte zwischenzeitlich viel Zeit vergehen können, aber wenn die Entscheidung einmal gefallen war, waren alle Verhinderungsaktivitäten nur noch ein zeitliches Rauszögern.

    Im Nachhinein gesehen bin ich auch der Meinung, dass mein Unterbewusstsein? mich viel mehr steuerte, als es mir bewusst war und mir sozusagen diese Sehnsucht in mich projizierte, der ich mit der Zeit nicht wiederstehen konnte und letztendlich trotz Aufbietung aller Willenskraft nachgegeben habe, nachgeben musste.

    Klingt schon etwas fremdbestimmt ...

    Vor meiner Initialzündung (kurz davor hatte ich Jan - Mai nichts getrunken)

    hatte ich Mitte Mai tagelang ein sehr starkes Craving.

    Mein ganzes Denken war tagelang nur ans Trinken bestimmt. Ich habe z.B. mit jemandem geredet und dabei nur ans Trinken gedacht und selbst in der Bauchregion/ Solarplexus war das körperlich zu spüren.

    Die (unterbewusste) Entscheidung war bestimmt schon einige Zeit vorher gefallen.

    Ich hatte mich dann am Freitag dafür entschieden, am Samstag wieder etwas zu trinken (weil ich es nicht mehr ausgehalten habe) und in dem Moment war das starke Craving weg (obwohl ich ja noch nichts getrunken hatte).

    Mir ist damals bewusst geworden, dass ich den Alkohol nicht als echte Chemie in meinem Körper brauche, sondern dass sich alles in meinem Kopf abspielt.

    Der Teil in mir, der nie genug bekommen konnte, war sozusagen bis Samstag ruhig gestellt.

    Ich habe daraufhin am Samstag aber trotzdem wieder getrunken (Versuch kontrolliert, was sowieso wieder nicht funktioniert hat) und war total unglücklich und zerissen darüber.

    Ich hatte dann noch eine knappe Woche weitergetrunken und habe es aber vor lauter Zerrissenheit und Verzweiflung nicht mehr ausgehalten (ich konnte es mir überhaupt nicht mehr vorstellen, wie es weitergehen sollte) und eben am 19.5. meine Initialzündung gehabt.

    Den Rest hatte ich ja schon mal geschrieben.

    Mit weichgespülten Phrasen bin ich zB nicht weitergekommen um mir die toxischen Aufstellungen in meinem Elternhaus bewusst zu machen und weitgehend aufzulösen.

    Genau, darum geht es ja.

    Der eine muss sich halt die "harte" Realität vor Augen halten, braucht schwarz-weiß.

    Und für den Anderen ist es einfacher, sich mit seinem Problem eher z.B. wie ein Nikotin'iker (Exraucher) zu sehen.

    Die Auswirkungen der beiden Drogen können unterschiedlicher nicht sein, aber es sind beides Süchte.

    (die erste Zigarette oder das erste Glas hätte zur Folge, dass ich wieder trinken oder rauchen "müsste")

    Das hat meiner Ansicht nach nichts mit Lifestyle zu tun, sondern eher eine Bewusstwerdung dessen, dass ich nie wieder Alkohol bzw. eine andere süchtigmachende Substanz nehmen kann.

    Und deshalb gilt es den besten Weg herauszufinden, um ihn dauerhaft und zufrieden zu gehen.


    Das ist eher ein Bewusstsein von einer der Rollen, die man im Leben so spielt um über die Runden zu kommen und sich fortzuentwickeln.

    Ich kann dir da irgendwie recht geben, man definiert sich schon über Dinge, die man "macht" bzw. die man "ist"

    z.B. Rent der "Trinker", Rent der "Abstinenzler", Rent "der und der"....


    Sich seiner Selbst, also seiner Seele, bewusst zu sein ist grob ausgedrückt ein anderes Level. Nicht bevor du stirbst, wie es ein indischer Mystiker mal in Worten ausdrückte.

    Das klingt in der Tat sehr mystisch.

    Wenn du magst, könntest du das ja vielleicht mal etwas genauer erklären.

    Ich hab länger darüber nachdenken müssen, aber ich kann nur für mich sprechen, dass ich? damals einen Teil von mir aufgegeben bzw. dieser Teil zerbrochen wurde. Der Teil von mir, der von allem nie genug bekommen konnte, es war wie eine Bankrotterklärung an mich selber.

    Und habe ich den Eindruck, dass durch diesen Zerbruch, der wirkliche, echte Mensch in mir immer mehr und mehr zum Vorschein kommt, der durch Alk&Co + Lebensumstände jahrelang vergiftet und unterdrückt wurde.

    Ein Mensch, der in dieser Welt ohne Drogen und sonst was klarkommt, ja natürlich auch mit allen Höhen und Tiefen, die es im Leben nunmal gibt.

    Beim drüberlesen klingen meine letzten Sätze klingen auch etwas "mystisch" ;)

    Wir können das auch gerne mit zu mir rübernehmen, wenns Honk hier zu spirituell wird oder sogar neuer Thread?

    Das ist leider nicht so einfach. Bzw. höchstwahrscheinlich noch nicht so einfach. Da hängt ein soziales Netz dran, mit Kindern und das sind Menschen mit denen ich viel Zeit verbracht habe die letzten 10 Jahre. Und nein, es sind keine Saufkumpane sondern Menschen die ich auch außerhalb der Geschichte sehr mag.

    Ich kann dich da gut verstehen.

    Damals am Anfang meiner langjährigen Trinkpause hatte ich ein harten Cut gemacht/ machen müssen, was mein trinkendes Umfeld betraf.

    Es war damals nötig und ich hatte auch nicht die Kraft, mich mit einer Apfelschorle mit in die Kneipe zu setzen oder mit feiern zu rennen.

    Ich stand damals recht alleine da, aber im Nachhinein gesehen, bin ich sehr froh, mich von diesen Leuten getrennt zu haben.

    Mir fiel es also in dem Hinblick einfacher, einen Neuanfang zu starten.

    Mein Leben hat sich darauf in der nüchternen Zeit sehr gut repariert und auf die alte Zeit davor blicke ich eigentlich nur mit Widerwillen zurück.

    Ja nun als braver Bürger und Familienvater sieht die Sache wieder etwas anders aus.

    Ich erlebe es zwar nicht ganz so stark wie du, dass ich direkt gemieden/ ausgeladen werde, aber es gibt schon Momente/ soziale Interaktionen (das "Bierchen" übern Gartenzaun mit dem Nachbarn...) die sich eben über die Jahre eingeschliffen haben.

    Und das perfide daran ist ja auch, dass sich der Alkohol als sozialer Kit eingeschlichen/ etabliert hat. Nach dem Motto: "Lass uns doch erstmal ein Bierchen zusammen trinken" und dieser ganze Lebensstil, die Erwartung, die Werbung und eigene Gehirnwäsche tun ja ihr bestes um genau dies aufrecht zu erhalten.

    Aber ich habe auch gemerkt, dass es für mich weniger hilfreich ist, dort hinzuschauen, wie es früher war.

    Bei mir ist das jetzt eher ein Annehmen des Ist-Zustandes mit der Option, dass sich alles in eine vielleicht sogar bessere? Richtung ändern könnte.

    Und manches schleift sich vielleicht auch wieder von alleine ein und irgendwann wird man vielleicht auch wieder als (jetzt) nüchterner Partygast akzeptiert.

    Und für mich ist "wieder" trinken um sozial wieder in alte Gefüge zu passen bzw. es dort wieder etwas bequemer zu haben, keine Option. (das wird hier auch niemand vorhaben, aber nur mal zu Ende gedacht)

    Ich sehe solche Momente und die dazugehörigen Gedanken manchmal so, als wöllte die Sucht viel perfider und nicht nur mit einem "einfachen" Craving um die Ecke kommen, sondern mich sozusagen mit meinem sozialen Umfeld/ Gepflogenheiten locken will.

    Aber so wie ich das in meiner langjährigen Trinkpause erlebt habe, trennt sich da teilweise die Spreu vom Weizen und es entstehen auch neue Verbindungen, die nicht den Alkohol als Kit brauchen.

    Und im meinen Fall haben diese neuen Verbindungen sogar meine letzten 4 Spiegeltrinkerjahre überlebt.

    Also wenn das nichts ist :)

    Aber alles braucht eben seine Zeit und dass muss ich mir auch manchmal immer wieder sagen...

    Ich selbst hab dieses Selbstbewusstsein inzwischen, musste ICH mir aber auch erst erarbeiten.

    Das sehe ich genauso, gerade dieser Mangel an Selbstbewusstsein, welchen eben der Alkohol über Jahre bei mir immer größer werden lies und auch dieses (falsche) Gefühl "dazu" gehören wollen bzw. alle möglichen Situationen mit Alkohl&Co zu regulieren, war zumindest bei mir einer der Gründe, warum ich Alkohol konsumiert habe.

    Und es braucht schon etwas Zeit, um dort erstmal wieder ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen, was nicht auf von außen zugeführte Chemie basiert.

    Kennst du das Lied „Lasse Redn“ von den Ärzten? - Passt, oder?

    Ja die anderen (z.B. unliebsame Kollegen) müssen ein einem selber richtig scheissegal sein, dann passt's ;)

    Klappt aber manchmal leider nur temporär.

    Ich kann Honk aber auch verstehen, gerade auf dem Dorf wirst du schon misstrauischer beäugt, wenn du z.B. beim Schützenfest mit einem Wasser stehst, da kommen schon Fragen, "was ist denn mit dir los, bist du krank"

    Selbst in meiner Familie wird über das Thema teilweise geschwiegen bzw. es kommt kein positives Feedback. Es fehlt teilweise die Akzeptanz bzw. das Verständnis.

    Nachdem Motto "es muss doch gehen, dass du ab und zu mal etwas mittrinkst".

    In meiner Familie sind jetzt auch keine großen Trinker dabei, aber der Alkohol ist eben überall präsent und in jeder Feiergemütlichkeit eingewoben.

    Aber ich mache es größtenteils auch wie Rekonvaleszent und sage, ich trinke nicht und fertig.