Hallo Tiffy
Gratulation zu deinen 100 Tagen Abstinenz!
Es fallen mir im Moment immer mehr schlimme Situationen ein, die mir (teils vor vielen Jahren) betrunken passiert sind. Oh man. Das kommt alles so nach und nach....irgendwie war da immer das Gefühl des Versagens.
Mir ist es genauso ergangen. Ich habe mir halt eine bestimmte Identität zugelegt gehabt um das Gebäude meines Selbst soweit zu zementieren um so meine Trinkerei immer und überall rechtfertigen zu können. Die Bilder die dann mehr oder weniger ohne mein Zutun in meinem Innern auftauchten haben mich zu Beginn ziemlich erschüttert.
Es war immer die Frage da, das das doch nicht ICH sein konnte. Wie Mojo weiter oben schon schrieb nahm auch ich die aufwühlenden Geschehnisse nicht so sehr als Problem wahr, sondern sah sie eher als Herausforderung. Das half mir mich von einem starren Selbstbild zu lösen und die Erinnerungen ein Stück weit distanzierter und emotionsloser zu betrachten. So als sei das eine ganz andere Person der das passiert ist. Hat aber jetzt nichts mit verdrängen zu tun.
Irgendwie entwickelte sich ein neues eher zeitloses Selbst und vieles aus der versoffenen Zeit erstaunte mich dann eher. Manchmal schaffte ich es sogar zu lächeln über meine verkorkste und verzockte Vergangenheit. Dieser Prozess der Transformation hält bis heute an und ich habe das Gefühl er geht tiefer, ist nachhaltiger und echter als alles was ich bisher so im Leben ausprobiert habe.
Ich wünsche Dir noch einen ruhigen Abend!
LG Brant