Nun wieder völlig "wach", unbetäubt ist das nicht mehr so. Das heißt, zufriedener wurde ich nicht gerade - überhaupt. Was den Alkohol angeht schon, das war's aber auch schon.
Stimmt, das klingt ziemlich abgeklärt, desillusioniert.
Der Alkohol versaute mir vieles - falsch, ich war es, nicht der Alkohol!
Ich im (dauer-)alkoholisierten Zustand tat Dinge oder eben nicht, welche ich nüchtern nie getan hätte, das wiederum alles andere als Zufriedenheit hervorbrachte.
Erst nüchtern konnte, wollte ich etwas verändern und tat es auch, das brachte mir viele kleine Erfolgserlebnisse, auch meiner Gesundheit ging es wesentlich besser. Ich musste positives Denken erst wieder erlernen, Hoffnung haben und auch dafür kämpfen. Niederlagen oder keinen Erfolg haben, das zu ertragen fiel mir Anfangs sehr schwer. Das ist wohl der schwierigste Teil des Suchtlösungsprozesses, negative Gefühle, Simmungen auszuhalten, die Gelassenheit zurückzugewinnen, um übeŕhaupt wieder zufrieden sein zu können.
Da hilft ein gesunder, stetiger Umgang mit Menschen unheimlich viel, Ablenkung, Beschäftigung, Interaktionen mit Anderen.
Ich hatte mich zusehend isoliert, das machte es doppelt schwer und nahm gerade am Anfang depressionsartige Züge an, von denen ich mich bis heute nicht so richtig lösen konnte und die immerwieder (mal) durchkommen. Abstinenz allein macht nicht glücklich, wenn ich es nicht wage, wieder am Leben teilzunehmen. Das tat am Anfang der Abstinenz weh, doch mit der Zeit verflogen meine Schuldgefühle, ich wurde selbstsicherer und wieder kompartibel.
Und somit schaffte ich überhaut erst einmal eine Grundlage für die/eine mögliche Zufriedenheit.
Ich musste mich von meinem "Mimosentum" (ich armes Häschen) lösen, weg vom Selbstbejammern kommen und wieder etwas wagen, auch auf die Gefahr hin, scheitern zu können.
Zufriedene Abstinenz oder überhaupt Zufriedenheit muss erkämpft werden, ich muss etwas dafür tun, etwas verändern ... jeden Tag neu.