Beiträge von Paul

    Hallo mops,

    wie AmSee13 schon schrieb, lass' dir Zeit, gib deinem Körper die Zeit sich daran zu gewöhnen.

    Die Synapsen waren/sind die jahrelangen alkoholbedingten Betäubungen gewohnt, nun regenerieren sie sich wieder. Reize und deren Weiterleitung zum Gehirn erfolgen nun, ganz langsam, viel intensiver, machmal auch schneller, das verwirrt zusätzlich, so war es jedenfalls bei mir - meine Gefühlswelt geriet etwas durcheinander, zu viele Reize strömten nun ungefiltert auf mich ein. Dazu kam noch das unterschwellige Verlangen wieder Alkohol trinken zu wollen, um mich wohlzufühlen, besser: diese ungewohnte Reizüberflutung zu neutralisieren.

    Bei mir dauerte es z.Bps. ewig bis ich ein akzeptables Getränk fand, denn das tägliche, abendlich Bier gab es ja nun nicht mehr. Sich von alten, eingeschiffenen Gewohnheiten zu lösen braucht Zeit.

    Also dass das Verhalten der Person aus der eigenen Angst vor Bindungsverlust kommen könnte, das wäre in der Tat eine Erklärung.
    Das würde auch andere Verhaltensweisen erklären.
    ... Das Problem ist nur, die Person alleine kann das nur ändern, ich nicht.

    Ich sehe es ähnlich, der Ausschluss aus der Gruppe (Bindungsverlust) bzw. die Gefahr, dass es passiere könnte, man einen abwertet oder selbst abgewertet wird, die bloße Annahme, die mögliche Unterstellung, verursacht schon einen äußerst unangenehmes Gefühl, gegen das man sich zu wehren versucht.

    Je vehementer der Ex-Trinker argumentiert oder überhaupt, es wagt, den Alkoholgenuss in Zweifel zu ziehen, desto mehr wird versucht, die eigene Position zu festigen, auf beiden Seiten.

    Das kann man auch oft bei Veganern und "Fleischfressern" oder überhaupt bei Vertretern unterschiedlicher Positionen beobachten, sei es in Politik oder in sonstigen Glaubensfragen.

    Gelingt es nicht sich zu einigen, auch den andern zu akzeptieren, dessen Meinung, kommt es zwangsläufig zum Zerwürfnis, egal ob in der Familie oder im Bekanntenkreis, selbst die Betroffenen selbst beharken recht schnell, ist die Toleranz eine sehr kleine. ... Gefühle werden verletzt oder man glaubt es zu mindest und schnell ist man weit entfernt, von einer möglichen Sachlichkeit.

    Bei Ehepaaren kann man es auch gut beobachten, es wird sich meist auf der emotionalen Ebene gestritten, schnell geht es nicht mehr um die Sache oder um Fakten, sondern darum, wer, was sagte und vor allem wie.

    Wenn ich mein Gegenüber nicht überzeugen kann, mich nicht mit ihm einige oder zumindest seine Postition akzeptiere, bleibt mir doch nur Fernhalten oder ein immer wieder aufflammender "Krieg" - egal ob Alkoholbeführworter oder Abstinenzler = erstmal "Waffenstillstand" in der Gruppe, ist doch Grundlage jeglicher Kommunikation.


    Das Problem ist nur, das kann man nur gemeinsam erreichen.

    Ganz besonders hat mich angesprochen als du geschrieben hast, dass es wichtig ist mit negativen Gefühlen umzugehen und diese erst mal aushalten zu lernen.

    ...

    Und mit Beginn der Abstinenz gibt man ja nicht automatisch seine Opferrolle auf, sondern hat erst mal mit den Gefühlen unmittelbar zu tun.

    Genau, das ist ja das Problem: Gefühle! Der eine etwas härter im Nehmen, ein anderer zart besaitet, hat eher die Neigung sich alles zu Herzen zu nehmen (Opferrolle) und löst sich förmlich darin auf

    ... wer da kein stabiles Umfeld, einen ausgeprägten Willen, Abgeklärtheit oder ein starkes Selbstbewusstsein hat, hat es arg schwer, sich von seinem Selbstmitleid zu lösen.

    Da sind oft die berühmten Schlagwörter, wie Resillenz, zufriedene Abstinenz u.ä. oft hohle Phrasen, die man selbst nicht mit Sinn erfüllen kann.

    Nur vom Suff loszukommen ist recht einfach, nur die dann wieder erwachenden Gefühle auszuhalten, sie nicht mehr betäuben zu wollen, ist das Schwierige und bedarf meistens eine längere Zeit. Bei einer Deression ist es ähnlich - theroretisch alles nachvollziehbar und logisch, wären da nicht diese "dummen" Gefühle.

    Nun wieder völlig "wach", unbetäubt ist das nicht mehr so. Das heißt, zufriedener wurde ich nicht gerade - überhaupt. Was den Alkohol angeht schon, das war's aber auch schon.

    Stimmt, das klingt ziemlich abgeklärt, desillusioniert.

    Der Alkohol versaute mir vieles - falsch, ich war es, nicht der Alkohol!

    Ich im (dauer-)alkoholisierten Zustand tat Dinge oder eben nicht, welche ich nüchtern nie getan hätte, das wiederum alles andere als Zufriedenheit hervorbrachte.

    Erst nüchtern konnte, wollte ich etwas verändern und tat es auch, das brachte mir viele kleine Erfolgserlebnisse, auch meiner Gesundheit ging es wesentlich besser. Ich musste positives Denken erst wieder erlernen, Hoffnung haben und auch dafür kämpfen. Niederlagen oder keinen Erfolg haben, das zu ertragen fiel mir Anfangs sehr schwer. Das ist wohl der schwierigste Teil des Suchtlösungsprozesses, negative Gefühle, Simmungen auszuhalten, die Gelassenheit zurückzugewinnen, um übeŕhaupt wieder zufrieden sein zu können.

    Da hilft ein gesunder, stetiger Umgang mit Menschen unheimlich viel, Ablenkung, Beschäftigung, Interaktionen mit Anderen.


    Ich hatte mich zusehend isoliert, das machte es doppelt schwer und nahm gerade am Anfang depressionsartige Züge an, von denen ich mich bis heute nicht so richtig lösen konnte und die immerwieder (mal) durchkommen. Abstinenz allein macht nicht glücklich, wenn ich es nicht wage, wieder am Leben teilzunehmen. Das tat am Anfang der Abstinenz weh, doch mit der Zeit verflogen meine Schuldgefühle, ich wurde selbstsicherer und wieder kompartibel.

    Und somit schaffte ich überhaut erst einmal eine Grundlage für die/eine mögliche Zufriedenheit.

    Ich musste mich von meinem "Mimosentum" (ich armes Häschen) lösen, weg vom Selbstbejammern kommen und wieder etwas wagen, auch auf die Gefahr hin, scheitern zu können.

    Zufriedene Abstinenz oder überhaupt Zufriedenheit muss erkämpft werden, ich muss etwas dafür tun, etwas verändern ... jeden Tag neu.

    Ich kann sagen, dass ich nicht mehr trinke und abstinent bin und dass dadurch ,je länger ich nicht mehr getrunken habe sich einiges neues in mein Leben gesellt hat, was ich nicht kannte, als ich noch getrunken habe.

    Ich möchte nicht auf den Begriff "zufriedene Abstinenz" herumreiten, obwohl er Anfangs etwas verwirrend klang, weiß bestimmt jeder was gemeint ist: es macht einen nichts mehr aus, keinen Alkohol mehr zu trinken!

    Bei mir ist es jedenfalls so, ich muss nichts mehr unterdrücken (Sucht), mich tiggert nichts mehr oder einfach gesagt, es ist mit egal - der Alkohol.

    Jedoch wurde ich auch nicht zufriedener oder lernte plötzlich neue Dinge, neue Wege kennen.

    Ich war immer ein gut funktionierender Alkoholiker, jedenfalls für mich. Alkohol half mir beim Abschalten, Einschlafen, alles nicht so verbissen sehen. Mit zunehmender Gewöhnung ließ das natürlich nach, wie wohl bei vielen Drogen, drum ließ ich es dann auch sein, der ewigen Permanentbetäubung müde, denn etwas anderes war es zum Schluss nicht.

    Ich war schon immer sehr aufmerksam (achtsam), Alkohol, so lange er funktionierte, verhinderte das ganz gut, was ich nicht gerade als Nachteil ansah - ich war entspannter und viel gelassener, dachte nicht mehr sooo viel nach, nahm Dinge wie sie sind und fertig!

    Nun wieder völlig "wach", unbetäubt ist das nicht mehr so. Das heißt, zufriedener wurde ich nicht gerade - überhaupt. Was den Alkohol angeht schon, das war's aber auch schon.

    Entscheidend ist immer das Ergebnis und das sollte je nach Vorgehensweise halt zufriedene Abstinenz heißen.

    Zufriedene Abstinenz ... setzt doch eine gewisse Grundzufriedenheit voraus, zumindest ein Ziel, welche diese in Aussicht stellt.

    Fühle ich mich alkoholisiert besser, also zufriedener, wird's schwer mit dem "entscheidenen Ergebnis".

    Oder nüchtern arg mies, ebenso. Das setzt doch eine Erkenntnis voraus bzw. ein Umdenken. Womit wir wieder beim "berühmten" Tiefpunkt wären oder einem drohenden.

    So lange alles funktioniert bzw. man es gut überspielen kann, besteht doch keine Notwendigkeit etwas zu verändern.

    Zufriedene Menschen verfallen doch eher selten dem Dauerrausch. Ich trank oft, wie bestimmt viele, wenn ich allein und/oder arg unzufrieden war.

    Hallo Nekobasu,

    wenn ein Mensch nicht von sich aus aufhören will, wenn er keinen keinen Grund hat oder findet, mit der Sauferei aufzuhören, kannst du zwar wollen oder helfen, doch wird es nie über eine "1. Hilfe"/Dienstleistung hinausgehen.


    Ich habe das mit meinem Vater durch, ähnlich wie bei dir, half ich, erledigte div. Sachen für ihn ... unzählige Male, jahrelang.

    Er (Vater) wollte immer weniger trinken oder nicht mehr so heftig. Das funktionierte nie!!!

    Es gibt nur einen Weg, völlige Abstinenz und wenn er das nicht wirklich will, wird's immer nur bei Dienstleistungen oder Gefahrenabwehr bleiben. Ich benötigte >10 Jahre bis ich das begriff und schließlich aufgab, meinen Vater nicht mehr unterstützte. Traurig, doch diese Erfahrung durfte ich machen.

    Auch ich war schon immer dem Alkohol zugetan, auch immer die typischen Verharmlosungen auf den Lippen. Erst als ich meine Fahrerlaubnis wiederhaben wollte (im Suff "verloren"), konnte ich mich zum 100%igen Alkoholverzicht durchringen - weil ich es wollte.

    Ich musste mich zwingen, gerade in den ersten Wochen, doch ich wusste, warum ich es tat ... freiwillig.

    Hallo Stephanie,

    dein Geschriebenes erinnert mich sehr an meine Situation, vor etwas mehr als drei Jahren, als ich mich entschied mit der Trinkerei aufzuhören.

    So ging's wohl vielen. Heute, kann ich für mich behaupten, der "Wunsch" nach Alkoholika, lässt mit der Zeit nach, er verblasst langsam.

    Ich (!) musste die erste Zeit "einfach" nur durchhalten, anfangs war es ein Krampf, Kampf! Auch dieses "nie wieder" setzte mich unter Druck. Gib dir Zeit, gib deinem Körper, incl. Psyche Zeit, sich an die veränderten Bedingungen zu gewöhnen.

    Danke Honk, für Stüben's neues Video.

    Auch bei mir dauerte es, bis diese "Autobahn" (Suchtgedächnis) allmählich in Vergessenheit geriet.

    Ich weiß, sie ist noch da, doch bediene, benutze sie nicht mehr, d.h. nun ist ein Leben ohne Alkohol für mich normal, alltäglich.

    Das brauchte seine Zeit, >1 Jahr, vielleicht noch länger.

    Die berühmten Trigger, die mich anfangs tagtäglich umgaben, nervten, mich fast in die Verzweiflung trieben, wurden mir der Zeit belanglos. Es dauerte (!) bis ich vom verbissenen Alkoholverweigerer zum entspannten alkoholfreien Menschen wurde. Vermeidungsstrategien, Fernhalten half am Anfang sehr. Sicher auch die Selbsthilfegruppe, jedoch nur anfänglich.

    Ich musste selbst, ich für mich, meinen Weg finden und nicht versuchen, den Weg der Anderen imitieren zu wollen.

    Oma sagte ja nichts anders, nur viel einfacher.

    Genau das spiegelt doch die eigene Haltung wieder, ... sehe ich alles negativ und ergebe mich in meinem Gram oder versuche das Beste daraus zu machen.

    Wenn ich die "glücklichen Zufälle" gar nicht bemerken kann, weil so verbittert bin (Grundeinstellung), kann ich auch keine Kraft daraus schöpfen bzw. Neues erfahren.

    Da sind wir uns doch alle einig ... glaube ich.

    Wie -Paul- in meinem Thread schrieb, sind die Angaben über die Therapie-Erfolge meist sehr vage bis gar nicht vorhanden.

    Das hat bestimmt seinen Grund.

    Ein guter Bekannter, ehem. Leiter einer brandenburgischen Suchtklinik, spricht sogar von einer Rückfallquote von über 90% ... früher oder später, das waren seine Erfahrungen nach über 30 Jahren Berufserfahrung in der Suchtmedizin.

    Man wird erfolgreich, austherapiert entlassen und selten wieder gesehen.

    Wie sollen da aussagekräftige Statistiken zusammenkommen?

    Ich kenne in meinem persönlichen Bekanntenkreis niemanden, der einst soff und es nun nicht mehr tut, sie haben es alle mehr oder weniger im Griff bzw. sind Meister der Verschleierung. (Einige SHG-Mitglieder ausgeschlossen)

    Therapien, Versuche der unterschiedlichsten Art, gab es schon immer, immer dem jeweiligen Kenntisstand entsprechend, mehr oder weniger erfolgreich.

    Es scheiterte doch immer daran und tut es noch immer, dass der "Patient" nicht überzeugt werden kann, dass die Therapie einen nicht erreicht. Sehen wir uns nur einmal die Rückfallquoten an, ein Erfolg sieht anders aus.

    Liegt es am Zwang bzw. wird es als Zwang empfunden, dem man, sobald wieder in "Freiheit", trotzt?

    Ich wurde auch nicht therapiert, ich löste mich "freiwillig" vom Alkohol, wusste, mir kann kein Aussenstehender helfen, nur ich kann es tun.

    ... dass es mir vollkommen egal ist, ob Du himmelhoch jauchzend Deine Nüchternheit feierst oder ob Du Dich zu Tode trinkst. Aus Höflichkeit gonn ich es Dir halt, aber was gehst Du mich denn an? In zwei Wochen habe ich Dich vergessen.

    DU musst doch mit Dir auskommen, nicht ich.

    Warum sollte mich das interessieren? Habe ich von Dir verlangt, das Du aufhörst? Hörst Du wegen mir auf? Bringt mir das irgendwas, dass Du aufhörst?

    Ist ja schön, dass Du Dich nicht aufregst. Weitermachen ;D

    Das ist aber sehr xxx!

    Geht nicht ein bisschen mehr miteinander? Zusammen?

    Bin ich hier etwa falsch???

    Schade, schade ... wie schnell so ein Zauber verblassen kann ...


    Edit: Namensnennung entfernt. Gehört hier nicht hier!

    Ob ich mich nun als "Alkoholiker", "trockener Alkoholiker", "Abstinenzler" oder "Schnullibulli" bezeichne ist völlig egal - mir sollte nur bewusst sein, dass ich ein Problen MIT Alkohol habe und entsprechend auf mich achten muss.

    Was ist denn ein Alkoholiker?
    Einer der Trinkt, ggf. krank ist.
    Ich trinke jetzt nicht mehr, bin ich dann noch Alkoholiker, noch krank?
    Lt. allgemeiner Wortschöpfung bin ich nun trockener Alkoholiker und ggf. immernoch krank.

    Sobald ich das Wort Alkiholiker benutze, wird das mit dem Trinken verbunden und ggf., dass ich es noch oder wieder tue.
    Ich kann verstehen, dass das nervt und viele es deshalb vermeiden.
    Warum toleriert man es nicht einfach? Wer neue Wortschöpfungen benötigt, bitte schön, wenn es das Verständnis erleichtert.

    Suchtdruck ... beim Alk. war es nach ein paar Wochen überstanden, der Suchtdruck war weg.
    Ich wollte mit dem Trinken aufhören, das war mir klar und ich tat es freiwillig.
    Immer wieder (!!!) sagte ich mir: ich benötige keinen Alk. , immer wieder suggerierte ich mir, ich erliege einer Illusion, wenn ich mir vorgaukele, wie schön es doch wäre ... jetzt ein Bier.
    Wissend, das es nicht bei einem Bier bleiben würde, führte ich mir all meine unrühlichen Erlebnisse vor Augen - war es das wert?

    Auch bin ich Raucher, da funktioniert das nicht, überhaupt nicht.
    Mal einen Tag nicht rauchen, ist mehr als nur unangenehm, Suchtdruck ohne Ende.

    Auch muss ich gestehen, noch nie wollte ich ernsthaft mit dem Rauchen aufhören, vielleicht 1 Millionen Mal halbherzig.
    Komisch was da manchmal im Kopf los ist ...

    Viele Grüße