Beiträge von Paul

    Nicht letztendlich, sondern überhaupt stellt sich nur eine einzige Frage:

    trinke ich zu viel und will ich so weiter machen?

    Findet man darauf eine Antwort, ist eigentlich und uneigentlich alles gesagt!

    Wenn daraus kein Handeln resultiert, kann man sich die Beantwortung auch sparen!

    Ist das so schwer zu verstehen? Dann kann man sich auch den ganzen Schnickschack, die Wortklauberei schenken.

    Für alle, denen meine Kernaussage verborgen blieb:

    ehrlich ... Dieses Erkennen einer Wahrheit haben wir doch alle gefürchtet wie der Teufel das Weihwasser. ... wenn wir nicht untergehen wollen,

    Fehlt noch: ein harter, langer Weg, nie wieder, für immer süchtig, lebenslang, bekennst du dich ... Alkoholiker und ähnliche dramatische Vokabeln.

    Nicht letztendlich, sondern überhaupt stellt sich nur eine einzige Frage:

    trinke ich zu viel und will ich so weiter machen?

    Findet man darauf eine Antwort, ist eigentlich und uneigentlich alles gesagt!

    Das kann man eierig tun, mit allerlei Fremdwörtern schmücken, in seiner Sprache äußern oder in der des Gegenübers ... egal, Hauptsache es wird verstanden. Und das, wenn's geht, urteils- und unterstellungsfrei, vor allem verständlich und möglichst ohne einen Anflug von Belehrung.

    Egal welchen Weg oder welche Worte du wählst oder ich oder sie, er muss plausibel sein für dich, mich oder sie. 👋

    Ich bin kein Alkoholiker, ich habe eine Alkoholgebrauchsstörung!

    Klingt viel freundlicher und nicht so stigmatisierend.

    Ebenso: ich bin nicht trocken, sondern nüchtern/alkoholfrei. Als Baby war ich oft nass ...

    Auch strebe ich keine lebenslange Abstinenz an, sondern ein alkoholfreies, nüchternes (gesundes) Leben.

    Meine Sucht wird mich nicht mein Leben lang begleiten! Allein diese Vorstellung erzeugt eine Angst in mir, die ich keines Falls haben möchte, schon gar nicht ein Leben lang. Denn Angst macht unsicher - mich jedenfalls.

    Auch möchte ich nicht zufrieden abstinent sein, ebenso wie unzufrieden besoffen, ich möchte stressfrei alkoholfreie Getränke genießen können und auf nichts "verzichten".

    Verzichten bedeutet: fernhalten, auslassen, enthalten, asketisch, keusch sein. Schlimmstenfalls, einen Mangel hinnehmen.

    Ich war ein Säufer, wem dieses Wort zu hart oder gar despektierlich erscheint, möge bitte ein anderes wählen, jetzt bin ich es nicht mehr.

    Vielleicht war ich auch krank, jetzt bin ich es nicht mehr! Ich war lange "krank" ... im Kopf, weil ich glaubte, ich müsse Alkohol trinken.

    Ich irrte mich!

    Hallo Herr Laggard,

    so'n Tag scheint bei euch recht überschaubar zu sein ?. Ich frage mich oft, womit beschäftigt man sich dort die ganze Zeit über ... Weiterbildung in Form von Erkenntnisunterricht, Gruppengepräche, im Sinne von Erlebnis- und daraus gewonnenen Erkenntnisberichten (Aha-Effekten)? Sport, Yoga u.ä., auch Beschäftigungstheraphie, im Sinne von nicht mehr an Alkohol denken bzw. positive Erbebnisse völlig alkoholfrei bemerken ... leuchtet mir ein - doch kann man da einen Tag füllen, eine Woche/Wochen? Kommt da nicht manchmal Langeweile auf? Gerade bei so vielen unterschiedlichen Charakteren?

    Bin ich bzw. war ich psychisch abhängig ... also seelisch, nervlich, gedanklich, gefühlsmäßig?

    Als ich noch trank, wollte ich bestimmte Gefühle betäuben, also wegmachen oder bestimmte Gefühle erzeugen ... ein Gefühl von Belohnung, Entspannung, Lockerheit, Befriedigung (zufrieden sein) o.ä..

    Hätte Alkohol nur negative Stimmungen erzeugt oder Unwohlsein (auch körperliches) wäre es sicher nicht zu dieser, meiner Belohnungs- oder Betäubungssucht gekommen. Alles was mir Unbehagen verursacht, mied ich ja auch ... warum funktionierte das so schlecht bei Alkohol?

    Sicherlich, am Anfang meiner "Alkoholkarriere" funtionierte dieses Unwohlsein noch recht gut, der Körper reagierte = leichter Schwindel, erste motorische Ausfälle, Übelkeit bis hin zum Erbrechen u.a..

    Als diese negativen Begleiterscheinungen nachließen, durch permanentes Training, überwog der positive Effekt ... ich war fröhlich, locker, entspannt, oft auch etwas übermütig ... alles war positiv besetzt!

    Begann da meine gefühlsmäßige (psychische) Abhängigkeit? Die auch, irgendwann, jegliche Vernunft, jeglich Vorsicht ausschaltetete/betäubte.

    War ich "betäubungssüchtig" geworden ... "frohsinnssüchtig" ... wenn's geht, ganz schnell, praktisch auf Knopfdruck und das garantiert? Ich fürchte ja.

    Als ich nicht mehr trank, fehlte all das ... die Belohnung, die eigentlich nie eine war, das angenehme, friedvolle Dahinsäuseln, einem zufriedenen Baby gleich - es dauerte Wochen, ja Monate (!!!) bis ich wieder lernte, auch mit meinen unangenehmen Empfindungen umzugehen.

    Das nennt man dann wohl Entzug ... psychischen, gedanklichen Entzug. Oder ein sich wieder daran gewöhnen, ein betäubungsmittelfreies Leben zu leben.

    Hallo blackisbeautiful,

    ich find's mutig, dich auf längeres Nicht-trinken einzulassen, es zu probieren, um vielleicht herauszubekommen ... ja, was eigentlich?

    Auch ich trank immer wegen der Wirkung, ich wollte dem ganzen Schei**, der mich umgab, entfliehen und wenn's nur für den Abend war ... endlich mal Ruhe haben ... in meinem Kopf.

    Für immer abstinend, kam in meinen Gedanken auch nie vor! Was ist schon für immer, außer vielleicht für immer tot, wenn man mal die Wi(e)dergburt ^^ ausschließt?

    Probiere es aus, ob es dir damit besser geht oder nicht und entscheide dann!

    Ich hielt, bis heute, immer die Erinnerung an die fürchterlichen Ereignisse, als ich zur hilflosen Person wurde, wach, ähnlich der verbrannten Finger, die ich mir am heißen Ofen holte - wollte ich das wieder ... war das so schön?

    Hallo Emily,

    ich fürchte da liegt ein Missverständnis vor ... wenn ich Alkohol trinke, er in meinem Körper ist, bin ich natürlich auch "machtlos", dann wirkt er!

    Wenn ich ständig an die vermeintlichen (!) Vorzüge des Rausches denke, mich nicht von dem Gedanken löse, ihn ständig am Leben erhalte, dann wirkt zwar nicht der Alkohol, unmittelbar, doch unbeeinflusst, in meinem Denken, Fühlen, bleibe ich dann auch nicht.

    Dieses Gefühl (!), verblasste bei mir mit der Zeit, auch erst, als ich den gedanklichen Kampf aufgab. Als ich bergiff, Alkohol ist genau so ungefährlich wie WC-Reiniger oder Salzsäure, wenn ich ihn nicht trinke.

    Warum sollte ich ihn also jemals wieder trinken wollen? Wusste ich doch, was er für einen Schaden in mir anrichtet ... bei mir, dem Ex-Alkoholiker. Ich hatte meine natürlichen Schutzreflexe verloren, durch jahrelanges Training (Trinken) hatte mein Körper eine dermaßene Toleranz entwickelt/erlernt (Suchtgedächnis "des Organismus").

    Früher, also ich noch jung und alkohohlunerfahren (untrainiert) war, regagierte mein Körper recht schnell ... durch Übelkeit, Schwindel, leichte Verwirrtheit (unangenehm) - doch mit zunehmender Gewöhnung (Trainig) ließen all diese Schutzreaktionen nach.

    Nicht, dass der Körper "besser" mit Alkohol umgehen konnte, doch er lernte, immer besser, diese o.g. Teilausfälle auszugleichen ... bis zur Menge X. Wurde diese Menge überschritten, verfiel ich in komatösen Schlaf = d.h. mein Körper schaltete völlig ab ... "verhinderte" eine weitere Aufnahme (des Giftes) ... Schwindel, Übelkeit hatte ich mir ja schon erfolgreich abgewöhnt! Das merkt sich der Körper (Suchtgedächnis), ähnlich wie beim Radfahren, für immer!

    Auch ich kämpfte anfangs (Abstinenz) immer gegen den Gedanken, die "Verführung", was sicherlich auch sehr hilfreich war, doch erst als ich begriff, dass ich körperlich schon längst über'n Berg war und mich entspannte, nicht mehr "kämpfte", also nicht mehr die Gedanken an Verzicht, Wehmut o.ä. wachhielt, verlor ich meine Angst, wurde mir sicher.

    Ich gestatte mir sogar Alkohol zu trinken (verbot es mir nicht mehr) - doch warum sollte ich dieses, schon einmal erlebte Elend wiederholen wollen? Wusste ich doch, was dann passiert! Wer sich einmal am heißen Ofen verbrannte, lernt doch auch daraus (meistens).

    Hallo Emily,

    Du bist doch nicht machtlos! Im Gegenteil, du allein hast die "Macht" , du entscheidest! ... nun wieder.

    Ob du dich weiterhin psychoaktiven Substanzen aussetzt, kein Alkohol = kein zunehmendes Leid ... durch langsamen Zerfall, nicht nur auf neuronaler Ebene. Dank deines Bewusstseins, bist du wieder klar im Kopf, lebst bewusst - entscheidest selbst, nicht mehr dein, durch Toxine benebeltes Gehirn. Das ist doch 'ne freie Entscheidung mit der sich viel besser leben lässt.

    Als ich begriff ... es steht in meiner Macht, nur in meiner, vom Alk loszukommen und ich auch begann diese, meine "Macht" auszuüben (nicht trinken), wurde das Leben wieder fröhlicher, nicht ideal, aber auch nicht so erbärmlich wie zuvor.

    Wenn ich im Supermarkt das Bier, den Wein, den Fusel ansehe ... welche Macht hat er da, in seiner Flasche? Keine!

    Ich habe in der Zeit angefangen abends zur Entspannung zu trinken.

    Benutzten wir nicht alle Alkohohl als "Beruhigungspille", als Herrunterfahr-Mittel, Sedativum, als Retter in der Not ... wenn gar nichts mehr ging? Wir am Ende unserer Kräfte, Nerven waren, wir der Verzweiflung, der Ausweglosigkeit machtlos (?) ausgeliefert waren? Anfänglich sicher auch als Stimula/Stimulierung, um bestimmte Reize zu verstärken - wenn denn die Dosierung stimmte!

    Was hat sich heute, nüchtern, geändert? Sind wir gelassener geworden, weil wir eh' nix ändern können? Fügen wir uns, akzeptieren, worauf wir sowieso keinen Einfluss haben? Sind uns bestimmte Sachen schei**egal geworden? Oder ist's gar die "Altersmilde", uns bestimme Sachen jetzt/heute nicht mehr soooo wichtig erscheinen?

    Warum rege ich mich nicht mehr so auf ... wie früher? Warum kann ich heute div. "Laberrhababer" lächelnd und sehr nachsichtig ertagen, worüber ich mich früher noch erregte?

    Bin ich weiser geworden, sprich: gelassener, toleranter? Oder produziert mein Körper, altersbedingt, weniger Stresshormone? Früher wollte ich immer die Welt verändern. ^^ Heute nehme ich die Welt wie sie ist, einfach so, fast (!) schon gleichgültig, gönne jedem seine Meinung, auch seine Fehlbarkeit und mir die meine.

    ... wenn der Nachbar seine Kinder schlägt, in fernen Ländern die Bomben fallen oder der Planet, langsam, sich mehr und mehr erhitzt ... was kann ich schon allein (!!!) dagegen tun? Mich aufregen - schadet nur mir!

    Ein Bekannter, ein niemals nüchterner Alkoholiker, Mitte/Ende 60, fand sich mit sich und seinem nicht gerade rosigen Lebensumständen ab, mit dem Satz: "Was will man (ich) denn machen?" "... warum soll ich mit der Sauferei aufhören? Das ist doch noch das Einzige was ich hab' ... und sterben tu' ich sowieso, warum nicht besoffen? Dann tut's wenigstens nicht weh." = irgendwie traurig, doch wenn man keine Ziele mehr hat, jedenfalls keine erreichbaren?

    ...

    Das war dann schlichtweg die Sucht

    Die Sucht ist doch ein Verändernwollen des gegenwärtigen Zustandes, mit den einfachsten, schnellsten, bekannten und bewährten Mitteln, ein hervorrufen von Wohlbedinden! Ein Ertäglich(er)machen.

    Erst wenn die Folgen, der Kater (Achtung: nicht männliche Katze ^^ ) am nächsten Morgen, das drohende Leberversagen oder andere unerträgliche Folgen größer sind, als der zu erwartende Vorteil, man sich dessen bewusst ist, setzt doch ein Umdenken, ein "Wollen" ein. Wenn der zu erwartende Erfolg größer ist ( nüchtern sein und bleiben), als der kurze (berauscht sein).

    Die Sucht ist doch nichts Reales, Haptisches (Greifbares), es ist doch ein emotional bedingtes Unvermögen (mit einer Situation zurechtzukommen), ähnlich der Angst, Trauer oder sonstigem negativen Gefühl, beim Süchtigen.

    Die Sucht ist doch ein antrainiertes Verhalten, welche zur "Eigenschaft", die durch Botenstoffmangel oder -überprodukton (im Hirn), wurde.

    Wer kein Alkoholiker ist, versucht doch dieses "Abschiessen" zu vermeiden, 'n bissel verzaubert sein, "angerauscht", locker sein ... das will man doch! Es kommt doch nur zum Blackout, weil man nicht richtig dosiert/dosieren kann.

    "Ich musste trinken, weil ich süchtig war ..." = warum konnte ich bestimmte Situationen nicht ertragen oder wollte es nicht ertragen? Weil ich so selbstbewusst, mir so sicher war?

    Ob die deine Ausführungen allerdings zum Nachdenken bringen, ...

    Wer's nie probiert, wird es auch nie herauskommen!

    Hätte ich nie nachgedacht, auch über den vielen Schwachsinn, würde ich heute noch meine Alkflaschen zum Glascontainer bringen und mich bedauern!

    Scheitern gehört auch zum Erfolg, ebenso wie Zweifeln, Hinterfragen.

    Jeder ist so individuell und so hat jeder auch seinen eigenen individuellen Weg.

    Genau, den muss jeder für sich finden, für sich allein, allen Kontroversen zum Trotz. Was bei mir funktionierte, funktioniert bei dir vielleicht nicht. Wird nicht darum sich auch ausgetauscht, um einen für sich passenden Weg zu finden?

    Will ich? ist doch die alles entscheidende Frage!

    Einmal dem Suff verfallen, wird's nicht gerade einfach, wieder davon loszukommen. Aber es gelingt!

    Antrainierte "Mechanismen" (im Kopf) wird man wieder los. Ich oder andere erfolgreich permanent Alkoholfreie sind doch keine "Sonderwesen" mit speziellen Fähigkeiten!!! Wir hielten durch, eigneten uns ein (anderes) Bewusstsein an, festigten es ... das ist doch keine Zauberei.

    Es braucht Zeit, auch muss man geduldig sein, durchhalten, sich permanent in Gelassenheit üben (wohl der schwieigste Teil), doch es funktioniert!

    Ich kann doch nur Denkanstösse liefern, auch Fragen - doch entscheiden/antworten muss jeder selbst. Einer versteht's, ein anderer nicht, ich bin doch nicht Dr. Allwissend. Ich hab' so viele Zweifel, Nöte, vielleicht auch verkehrte Ansichten, wie jeder andere auch.

    Ich muss meinen Weg gehen! Meine Erkenntnis, Aha-Erlebnisse, Zufriedenheit finden ... das hilft mir weiter!

    Inwiefern es Anderen hilft, muss doch jeder selbst entscheiden.