Beiträge von Susanne68

    Hört sich ja nach dem richtigen Schritt an.

    Du wirst es kaum glauben, ich war kurz davor, auch bei Dir mal nachzufragen, weil ich Dich immer unten sehe. Und ich kann mir ziemlich gut vorstellen, was in Leuten, die auf mehrmalige Nachfragen (in dem Fall von Gerchla) nicht antworten, vorgeht.

    Jedenfalls wünsche ich Dir, dass Du das packst. Es ist nie zu spät, nur wenn man sich ganz aufgibt.

    Gruß Susanne

    Je nach dem. Meistens sind es ja freundliche Fragen.
    Ich hab schon mal so oft einfach gesagt "ich trinke generell keinen Alkohol", wenn jemand die Getränkeliste runterbeten wollte, um mir was Passendes anzubieten, bis mich jemand gefragt hat, ob ich Antialkoholiker bin. Dann hab ich gesagt "Im Gegenteil". War lustig.

    Normalerweise werde ich heute nur noch gefragt, was ich will, und was ich dann wünsche, kriege ich, ohne irgendwelche Kommentare.
    Ansonsten reicht "Nein danke" auch bei mir in den meisten Fällen.
    Bei Nachfragen, warum, wie anderso erwähnt, mache ich den Leuten dann halb scherzhaft durchaus klar, dass ich schon mal genug hatte.

    Und wenn mich jemand wirklich bedrängt (kam schon vor) frage ich ob mein Gegenüber es eigentlich braucht. Das ist den meisten so peinlich, dass nichts mehr kommt. Und ansonsten einfach ein klares Nein, wenns nicht anderes geht. Wenn ich nicht will, dann will ich nicht, und da lass ichs drauf ankommen, wenn jemand meint mir was aufdrängen zu müssen.

    Im Übrigen noch was zu dem Abstinenzwillen.

    Ich hatte den bis zu dem Tag, an dem es bei mir geschnackelt hat, nicht. Noch am Abend davor hatte ich mit meinem Partner, mit dem ich schon halb in Trennung war, der eigentlich nur noch drauf wartete eine andere Wohnung zu finden, eine Diskussion, dass ich zwar nach wie vor versuche, mich irgendwie zu beherrschen, aber ganz aufhören kam für mich bis dahin nie in Frage. Nur Pausen, damit der Körper nicht gleich zusammenklappt und ich noch etwas länger trinken kann und im sonstigen Leben noch ein bisschen fuktioniere.
    Saufen selbst stand für mich bis dahin nie zur Diskussion, ich hab nur mit den Kontrollverlusten gekämpft und mich dafür gehasst. Und auch da störte es mich weniger, wie besoffen ich war, sondern wie mein Körper darauf und wie ich dann auf Andere reagiert habe.

    Mir gings halt mitten in der Nacht auf, was ich da eigentlich mache, wie es mir tatsächlich geht (und nicht, was ich mir vormache, nämlich, dass Saufen das Leben schöner macht, was eine absolute Selbstlüge war), und wie sich das weiterentwickeln wird (sehr wahrscheinlich jedenfalls)und da konnte ich mir überhaupt mal vorstellen, dass es "ganz ohne" möglicherweise viel einfacher wäre.

    Einen absoluten Abstinentwillen hatte ich da auch nicht, aber ich war wenigstens mal dazu bereit, mich auf einen längerandauernden Versuch einzulassen, wie das denn wäre, und hab mir dann erst mal eine Frist gesetzt, wie lange ich das unbedingt schaffen wollte und dann zur Wiedervorlage. Aber schon mit dem Hintergedanken, dass es wohl tatsächlich besser wäre, ganz aufzuhören, aber wie sich das anfühlen würde, wusste ich da halt noch nicht. Meine Pausen bis dahin waren jahrelang immer drei Tage nüchtern zu 4 Tagen trinken, dann auch ein paar Wochen, als es schlimmer wurde, und dann hab ich halt mal mit einem Jahr angefangen, aber nicht mehr mit dem Hintergedanken dann wieder anzufangen sondern einfach mal nur um zu gucken wie es mir dann geht, und meine Angst vor einem Leben ganz ohne Alkohol im Griff zu behalten. Ich kauf ja nicht die Katze im Sack :), war ja unbekanntes Terrrain für mich.
    Dann hat mich das aber so überzeugt, das ich gar nicht mehr anfangen wollte. Ausser in der Anfangsphase, durch die ich durch musste, hab ich mich dann gar nicht dazu gezwungen, abstinent zu bleiben, ich hatte dann gar keine Lust mehr zu trinken und ich brauchte es auch nicht mehr. Und es kam auch relativ schnell der Punkt , wo ich nicht mehr zurück und das wieder aufgeben wollte, mein Abstinenzwille hat sich da erst entwickelt.

    Vielleicht hast Du ja da irgendwo einen Denkfehler, dass Du aufhören "musst", da das ja eher eine freiwillige Angelegenheit ist, sogar eine Angelegenheit der Selbstbestimmung und der freien Entscheidung, die man macht weil es so wie mans bisher gemacht hat irgendwie unerträglich geworden ist.


    Die eigene Mutter sollte man schon einbeziehen und der werten Dame klar machen, dass sie dir nicht fortlaufend Alk anbietet, wenn Du sie triffst.

    wenn sie es dann versteht. Meine Mutter hat mich dann noch ca. 6 Jahre lang gefragt, ob ich denn wirklich nichts will, und beim Griechen möchte sie nach wie vor, dass ich den Ouzo nicht ablehne, denn den kriegt ja dann sie. Mich juckt es zum Glück nicht, wenn der Alkohol vor mir steht.
    Bei meinem Vater war da eh nichts zu machen, der war ja bis zu seinem Ende stolz drauf, dass es bei ihm zu Hause nichts alkoholfreies gab, das musste ich mir schon selbst mitbringen.

    Also zu dem Thema, da kann man sich eventuell nicht davon abhängig achen, ob das Andere verstehen (wollen oder überhaupt können)

    Guten Morgen Schnisskettchen,

    irgendwie war mir Dein Thema bislang entgangen, aber da ich Dich regelmässig eingeloggt sehe habe ich mal geguckt wer das eigentlich ist.

    Ich beziehe mich mal auf Deinen Vorstellungsbeitrag, dass Dir Therapien nicht Neues mehr bringen und das Du aber eigentlich nen Enzug bräuchtest weil Du Dich selbst nicht bremsen kannst.

    Wie gehts Dir momentan?

    Kurz zu mir, ich habe bis zu meinem 24. Lebensjahr an Drogen so ziemlich alles genommen, was es damals gab, also erst mal zu Hause bei meinen Eltern schon mit dem Trinken angefangen, und weil das alleine ja irgendwie langweilig war und nicht genügend Kick brachte, ausserdem nicht revoluzzermässig genug war, und ich ausserdem ein bisschen Bewusstseinserweiterung wollte, dann ein paar Jahre auf der Szene verbracht mit sehr hohen Höhen und sehr tiefen Tiefen, bis ichs mal fast nicht überlebt hätte. Absolut Polytox, von Einzeldrogen war ich dabei gar nicht so abhängig. Dann hat es mir aber von selbst gereicht, ohne Therapie. Ich wollte mir auch von keinem ins Hirn gucken lassen, also freiwillig hätte ich damals nie Therapie gemacht.

    Alkohol, bis dahin Beikonsum, und Cannabis, für mich nach meiner Auffassung eher harmlos, habe ich weiterhin konsumiert, aber eher gemässigt. Geraucht habe ich ebenfalls, wie ein Schlot, damit hatte ich mich abgefunden.

    Irgendwann mit 40, 41 war ich mit der Sauferei nach mehreren Jahren von schlimmer werdenden Abstürzen und jahrelangen Versuchen, durch Trinkpausen zu einem kontrollierbaren Konsum zu kommen, was auf Dauer nicht klappte, dann so weit, dass ich vom Saufen absolut die Schnauze voll hatte. Die Kifferei, die ich bis dahin ebenfalls noch betrieben hatte, hinderte mich daran, mit dem Rauchen aufzuhören, also hab ich das da auch gleich gelassen. Und ein Jahr später war ich dann auch noch so weit, das Rauchen auch noch an den Nagel zu hängen.

    Ich hab das tatsächlich dann alles (jeweils, hintereinander) gleich beim ersten Versuch bleiben lassen können. Kiffen war eh einfach, das erwähne ich deswegen kaum. Beim Alkohol und beim Rauchen war es so, das ich mich erst mal derartig dafür gehasst habe, dass ich das nicht besser kontrollieren oder auch - beim Rauchen - überhaupt ganz bleiben lassen konnte, und dieser Hass hat mich ein Stück weit auch durch den Entzug getrieben. War saufen kann, kann auch fürs Aufhören leiden, und wenn so ein Glimmstengel derartige Macht über mich hat, dann hab ichs wohl nicht anders verdient.

    Versteh mich nicht falsch, ich kratze nicht an diesen ganzen Konzepten von Krankheit und Therapie, aber dieser Selbsthass hat mich in die Lage versetzt, mich ein Stück weit von mir und meinem Verhalten zu distanzieren und meinem inneren Schweinhund quasi zu befehlen, dass er da jetzt durch muss, weil ich ihn - und damit mich - nämlich sonst noch mehr hasse. Die sanfteren Teile kamen dann viel später erst, das musste ich mir ja erst mal leisten können. Es war wirklich die Wut auf mich selbst, und die ganz konkreten Probleme, die ich vom Saufen hatte, Kotzen, Schweissausbrüche, Streitereien für die ich mich auch gehasst habe, wegen der ich das angegangen bin und wegen der ich das dann wohl auch geschafft habe. Und natürlich wusste ich dabei auch, dass es besser für mich ist, war ein bisschen tricky, das innerlich zusammen zu bringen.

    Vielleicht schreibst Du ja mal wie es Dir jetzt geht.

    Gruß Susanne

    Ich finde es auch gut, dass Du es durchgehalten hast.


    Und vielleicht tatsächlich mal ein Jahr. Für immer nichts mehr zu trinken macht mir immer noch etwas Angst. Ganz ist das Gefühl etwas zu verlieren noch nicht verschwunden.

    Ich bin mir dessen bewusst, dass ich nicht hellsehen kann. Über das, was in 20 Jahren ist, habe ich mir am Anfang relativ wenige Gedanken gemacht. Der Gedanke "nie wieder" hat mich gar nicht so sehr beschäftigt. Das ergab sich dann eher von selbst.

    Am Anfang hatte ich mir mal ein Jahr vorgenommen, ich wusste ein Jahr kann ich auf jeden Fall aushalten, egal was kommt. Nach einem Jahr bin ich auch mit den ganzen Feiern und Biergärten und Sommerfesten und Weihnachten und Fasching etc. einmal rum, und dann kann ich ja in mich gehen. Wenn ich dann wirklich zu dem Schluss komme, dass es mir besser gefallen hat, als ich noch getrunken habe, dann kann ich ja auch wieder damit anfangen.

    Und obwohl mein Leben nicht nur ein Zuckerschlecken war (mir geht es nicht wrklich schlecht, aber ich habe auch einige Baustellen), war mir dann ziemlich schnell und absolut gründlich klar, dass Trinken an meinem Leben nichts verbessert. Es macht das Schöne nicht schöner, und es löst auch keine Probleme, sondern ist höchstens ein zusätzliches Problem, mit dem ich dann fertig werden müsste. Ich kann mir heute einfach keine Situation mehr vorstellen, in der Trinken für mich etwas verbessern würde.

    Es geht da um die Frage, was hat das Trinken da eigentlich für eine Funktion, wenn man vor einem Leben ohne Alkohol Angst hat?


    Und manchmal kommen auch die Stimmen die mir sagen, wenn ich es doch jetzt schon so viele Tage geschafft habe, kann ich ja gar kein Alkoholiker sein.

    Ich weiss bis heute nach manchen Kritereien nicht hundertprozentig, ob ich Alkoholiker bin, denn ein Alkoholiker kann ja nach landläufiger Meinung nicht aufhören. Ich konnte aber aufhören, als ich wirklich nicht mehr wollte...diese Haarspalterei bringt mich persönlich nicht weiter. Tatsache ist, dass ich so viel getrunken habe, dass es nicht mehr schön war und das ich es sehr wahrscheinlich nicht überlebt hätte. Man kann sich nämlich auch tot saufen , wenn man kein Alkoholiker ist, dafür reichts wenn man regelmässig eine Alkoholvergiftung hat. Irgendwann ist es halt einer zu viel.

    Und mein Verhalten war selbstschädigend und krank genug, das macht niemand so, der alle Tassen im Schrank hat, und war auf jeden Fall Grund genug, etwas daran zu ändern. Wie sich das Kind nun nennt, ist mir verhältnismäßig egal, aber ich habe sogar einen Alkoholikertypus gefunden, der dazu passt, Gamma-Alkoholiker. Das ist nach der Klassifikation nach Jellinek, zwar teilweise heute überholt, passt aber stellenweise immer noch.

    Gamma-Alkoholier sind Rauschtrinker, die aber jederzeit längere Pausen einlegen können.

    Zitat

    Gamma-Trinker, auch Rauschtrinker genannt, haben ihren Alkoholkonsum nicht mehr unter Kontrolle und werden daher als suchtkrank eingestuft. Haben Gamma-Trinker einmal angefangen zu trinken, können sie nicht mehr aufhören – selbst wenn sie das Gefühl haben, genug getrunken zu haben. Da Gamma-Trinker oftmals über einen längeren Zeitraum abstinent bleiben können, reden sich viele Betroffene ein, nicht süchtig nach Alkohol zu sein.

    Da bist Du jedenfalls schon gut dabei, denke ich. Ich war es jedenfalls.

    Und man kann immer Gründe finden, warum man nicht aufhören muss oder anders gesagt, weitertrinken darf. Spielt aber eigentlich keine Rolle, denn es kann einem sowieso niemand verbieten, höchstens man hat schon sehr viel Scheiss gebaut und kriegt gerichtliche Auflagen. Du musst halt irgendwann eine Entscheidung fällen, was Du willst, und auch diese Entscheidung könntest Du ja irgendwann wieder über den Haufen werfen, wenn es Dir nüchtern gar nicht gefällt.
    Und keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung, viele eiern jahrelang rum, mal wollen sie aufhören, dann wieder trinken, aber das ist eigentlich ein ziemliches Elend, nach meinem Empfinden.

    An sich kann ich Dir nur empfehlen, Dir die positiven Seiten der Nüchternheit genau zu betrachten, so wie du es machst, auch wahrzunehmen, was sich alles verbessert. Und da gegenzurechnen, was Alkohol alles für Schäden anrichtet, auch wenn Du weitertrinken würdest, das würde ja nicht besser. Letztlich kann Dir die Entscheidung natürlich niemand abnehmen.

    Ach, und wenn mich wirklich mal jemand fragt, "warum", mache ich das entweder so wie Greenfox, oder ich sage nur "Nein danke" , ich muss mich ja schliesslich nicht vor Andernen dafür rechtfertigen was ich trinke, ich bin lange genug volljährig um das selbst zu entscheiden. An sich ist da ja eine Unverschämtheit, das jemandem aufzudrängen, und geht gar niemanden etwas an, warum ich mich für dieses oder jenes entscheide...
    Und wenn mich jemand ärgert, ärgere ich ihn auch, frage ich ihn warum er eigentlich unbedingt saufen muss und nicht O-Saft trinken kann wie ich, ob er Alkoholiker ist oder es braucht..dann ist gleich Ruhe.
    Und meistens sage ich inzwischen, dass ich in der ersten Lebenshälfte mehr getrunken habe, als mein Gegenüber in 5 Leben schafft, das führt meistens zu Gelächter und wird aber überall akzeptiert.

    Gruß Susanne

    Dass das am Anfang schwer fällt, ist ziemlich normal. Ich hatte damit auch Probleme.

    Da gilt aber auch "nicht alles auf einmal", sondern es geht in erster Linie um eine "Insel im Alltag", so 20 Minuten, wo die ganzen inneren Antreiber mal ruhig sein dürfen. Und wo man sich dann anschliessend, statt immer nur getrieben zu sein, auch kurz mal überlegen kann, was man gerade eigentlich will.

    Ich hab da wahrscheinlich aber auch das Problem, dass ich da schon weit weg bin, denn ich hab ja über Jahre immer wieder was gemacht und eben mit Therapeut und so, wo ich Feedback hatte. Ein Aussenstehender, der Ahnung hat und das einigermassen live mitkriegt, kann einem ja auch ganz gute Hinweise geben, wo man das ein wenig falsch und zu ambitionert angeht.

    Gruß Susanne

    Das habe ich am Anfang meiner Trockenheit, als ich dachte, jetzt habe ichs geschnallt, auch gedacht. Wer rückfällig wird, will ja nur nicht so richtig oder hats noch nicht kapiert.

    Nach zig Gespächen habe ich aber begriffen, dass man sehr wohl wollen und trotzdem rückfällig werden kann. Weil Sucht sich eben auch auf einer Ebene abspielt, die mit dem reinen Willen und der Vernunft nicht greifbar ist.
    Und weil gleichzeitig die Emotionen, die Gefühle, zu erheblichen Teilen steuern, was man denkt. Das Denken ist da alles andere als unabhängig, und dafür gibts wirklich gute Experimente und Untersuchungen, dass Leute unter Stress oder Angst z.b völlig andere Antworten geben und ganz andere Entscheidungen fällen, als wenn sie gut ausgeruht sind. Die gleichen Leute wohlgemerkt. Und auch Wille und Freiheitsgrade hängen von verschiedenen Bedingungen ab.

    Nikotin hat nun mal das deutlich höhere Suchtpotential als Alkohol, gemessen daran, wie viele der Erstkonsumenten dann eine Abhängigkeit entwickeln. Alkohol verursacht gesamtgesellschaftlich den deutlich größeren Schaden, aber am Rauchen sterben deutlich mehr. Und die sterben zum Teil auch auf eine Art und Weise (wenn sie mit Luftröhrenschnitt oder halber Lunge immer noch nicht aufhören) , die sich mit dem Verstand auch kaum erklären lässt.

    Letztlich steckt halt jeder nur in sich selbst drin und spürt nur die eigenen Erlebnisse so wirklich. Und beim Rest kann er nur zugucken und seinen Senf dazu geben. Was anderes mache ich ja auch nicht. Ich versuche, irgendenwie korrekte Antworten zu geben, auf Basis meiner Erfahrungen und meines Wissens, weiss dabei sowieso, dass das begrenzt ist, und wie das im Gegenüber aussieht und wie das dort wirkt, habe ich nie in der Hand.


    Für mich ist es klar, warum der Entzug von Alkohol schwieriger ist, als der vom Tabak.

    so unterscheiden sich die Erfahrungen.
    Ich hab ein Jahr nach dem Trinken mit dem Rauchen auch noch aufgehört, demgegenüber erschien mir das mit dem Alkohol nachträglich wie ein Spaziergang. Hab ich von einigen anderen auch schon so gehört, und das was Du schreibst aber auch.
    Kann man irgendwie alles nicht über einen Kamm scheren.

    Gruß Susanne


    Ich habe es dann noch versucht ein bisschen zu erklärendass sie ja auch an mitbekommen hat, wie ich betrunken sein kann und dass ich es dann jeden Tag will.
    Sie hat es nur bedingt verstanden.

    Damit hab ich ziemlich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Meine Mutter hat sich schon wegen den Drogen aufgeregt, und wenn ich dann zu betrunken war, ebenfalls, und es war auch schon einer der Scheidungsgründe der Ehe mit meinem Vater. Anderseits ist meine Mutter selbst ein Mensch, der der Meinung ist bzw. lange war, dass man arm dran ist, wenn man nicht mehr "darf" und von daher wollte sie es lange nicht verstehen, das ich ganz damit aufgehört habe. Noch Jahre später fragte sie mich, wie ich dann von einer Veranstaltung heimkomme, weil es für sie absolut undenkbar war, dass man nach einer Feier noch fahrtüchtig ist. Denn auch meine Mutter hätte da nicht mehr fahren dürfen und konnte sich das auch nicht vorstellen, wie man feiern kann, ohne zu trinken.


    Mich würde interessieren, was das für Strategien sind. Ich habe gehört: Situation verlassen (nicht immer möglich), Wasser trinken (immer möglich). Was gibt es noch für Möglichkeiten?

    Rekonvaleszent hat hier mal eine Liste geschreiben, ich finde sie gerade nicht mehr. Such mal in seinen Beiträgen.

    Trinken, Vernünftig essen gehört jedenfalls auch dazu, satt sein und nicht nur mit Fast Food, sondern was wirklich sättigt.
    Möglichkeiten sich abzureagieren, also nicht nur aus der Situation raus, sondern auch Sound hören, spazieren gehen, drauf achten das man ausgeschlafen ist.

    Das Wissen, dass es vorbei geht.
    Und der feste Entschluss, es gibt sowieso nichts, egal was passiert.

    Bei mir wars einmal einfach saumäßig Durst, mit Apfelschorle bekämpft, und das andere mal wurde es durch einen Geruch geweckt, der nicht mal was mit Alkohol zu tun hatte, sondern nur eine Erinnerung an eine Situation weckte. Bin rausgegangen und habe tief durchgeatmet.

    Am Anfang hab ich mich stark damit beschäftigt, in welcher Situation ich gewöhnlich angefangen habe und was das in dem Momenrt, wo ich zugelangt habe, für ein Gefühl war. Also was mein hauptsächlicher Trinkanlass war, zu dem Zeitpunkt (früher habe ich auch noch aus anderen Gründen getrunken, aber das spielte da keine so große Rolle mehr) war das bei mir so die "Feierabendsituation". Wenn ich nach einer Situation, in der ich unter Stress und Druck stand, rauskam und endlich wieder "frei" war. Ich hatte dann oft den ganzen Tag nicht ans trinken gedacht, aber da überkams mich halt und dann gleich richtig. Wobei das auch nicht immer gleich war, sondern sogar ziemlich verwirrend, manchmal hab ich mir auch lange vorher ausgemalt, wie ich mich so richtig volllaufen lasse, wenn ich mal ein paar Tage keine Verpflichtugen habe (und es auch keiner merkt, der mich dran hindern könnte)..aber diesen Gedanken habe ich mich dann auch nicht mehr hingegeben.

    Und der ganze Saufstil, den ich hatte, ging ja sowieso nur, weil ich mich zu den Pausen gezwungen habe und es daher überhaupt einen definierbaren Punkt gab, an dem ich angefangen habe.

    Ich hab mir dann eine Strategie zurechtgelegt, was ich genau in der Situation mache. Meistens musste ich nur erst mal was essen, bevorzugt Eisbecher, dann war dieser Impuls weg. Das funktionierte bei mir sehr gut.

    Ausserdem hab ich mich schon damit beschäftigt, also auch Bücher gelesen und mich "verortet", wo ich in dem ganzen Suchtgeschehen eigentlich stehe und wie ich ticke. Was bringt mich zu welchen Reaktionen, und das ganz ohne Wunschkonzert, sondern möglich so betrachtet wie es eben war und dann entsprechende Schlüsse draus gezogen. Eine Zeitlang habe ich mich mit "Du musst zufrieden trocken werden" sogar unnötig unter Druck gesetzt, hab da zu Perfektionismus geneigt bis ich akzeptiert habe, dass ich einfach mal schlecht drauf bin, wenn ich schlecht drauf bin, dass ich das nicht erzwingen kann - und dass ich deswegen aber noch lange nicht trnken muss. Ich hab das also innerlich voneinander getrennt, Trinken und Unzufreidenheit.

    Und lange ging das bei mir eh nicht mit dem Saufdruck, also in der ganzen Zeit in der ich so unzufrieden war musste ich dagegen trotzdem kaum ankämpfen, Bedürfnis zu trinken hatte ich da nicht. Kann ich nicht erklären, warum das bei mir so gründlich durch war und bei anderen nicht so funktioniert.

    Gruß Susanne

    Kann ich schon nachvollziehen. Erstens war ich in meiner Jugend auch ziemlich perspektivlos mit den gleichen Gedanken, und zweitens habe ich mir ja in der Trockenheit große Teile dessen, wofür es sich für mich zu leben lohnt, erst erarbeitet. Ich erzähle ja hier nur Teilbereiche dassen, was ich mache, und ich denke auch nicht laufend drüber nach, aber manchmal fällt mir schon auf, was alles anders wäre, wenn ich noch trinken würde. Wenn ich überhaupt so alt geworden wäre :)

    Hallo Sophie,


    Er will einfach nicht zu geben, dass er ein Problem hat. Immer wenn ich ihn darauf anspreche ist er total böse und sagt dann: du isst ja auch die ganze Zeit süßigkeiten und das ist auch nicht gesund bla bla bla. Oder ich hab ja nichts getrunken. Aber ich merke es sofort wenn er was er getrunken hat.

    Habt ihr einen Tipp für mich wie ich weiter vorgehen soll?
    Oder wie ich es besser ansprechen kann, dass er es mal akzeptiert?

    Liebe Grüße aus Österreich und danke

    ich bin hier grade für heute am Zumachen, will Dir aber wenigstens eine kurze Antwort geben.

    Also alles was Du schreibst ist für einen Menschen, der trinken will, meistens kein Grund, damit aufzuhören. Bei manchen reichts, aber zum Beispiel bei mir, hab selbst getrunken, musste es schon noch deutlich dicker kommen. Vor allem musste es mir selbst erst mal ganz furchtbar schlecht gehen, bis ich überhaupt mald dran gedacht habe, damit aufzuhören. So ein bisschen Crash, das steckt man weg.

    Bis da hin hatte ich kein Problem mit meiner Trinkerei, aber mein Partner hatte ein Problem damit.
    Und so liest sich das, was Du schreibst, für mich eben auch. Er kann kein Problem zugeben, weil er aus seiner Sicht keines hat. Aber Du hast ein Problem. Und nur so kann die Kommunikation laufen, das Du so ein großes Problem hast, dass Du es bald nicht mehr aushälst,. Denn er hält es ja noch aus. Ob er dann was macht, steht in den Sternen. Wenn das so einfach wäre, gäbs viele Probleme weniger.

    Lies Dich hier mal durch den Angehörigenbereich, siehst ja schon an den Überschriften, dass es viele mit Deinem Problem gibt. Vielleicht bist Du dann schlauer.

    Gruß Susanne

    Hallo Rina,

    Was genau macht Dir da dran so Angst?

    Ich meine, ich hab natürlich auch schon drüber nachgedacht. Ich hab mich mit solchen Leuten auch schon ausgiebig unterhalten, was denn da los war. Einige waren lange Zeit zufrieden trocken und sind dann einfach leichtsinnig geworden, haben es zum Teil einfach vergessen.
    Oder sie hatten immer irgendwie die Hoffnung, irgendwann könnten sie wieder, tief drinnen einfach nicht abgeschlossen.
    Bei den anderen ist oft irgendwas mit Depressionen oder ähnlichem, wo Trockenheit dann auch kein rechtes Lebensgefühl bringt und die Rückfälle wenigstens eine zeitlang Erleichterung bringen, vor allem bei Leuten die eher langsam wieder anfangen. Und wenn Du am Leben nichts findest, ist ja irgendwie auch grade schon egal, ob das nun gesund ist.
    Ich kannte auch schon Leute, die haben sich mit regelmässigen Entgiftungen richtiggehend eingerichtet, da kennen sich die Drehtürkandidaten ja schon gegenseitig und sind alte Bekannte, die haben sich irgendwie damit abgefunden.

    Genau da dran denke ich halt, wenn ich aus irgendwelchen Gründen wieder in engen Kontakt zu Alkohol komme, zuletzt eben bei meinem Vater, den ich betreut habe und der ja seinen Alkohol bis zum Schluss wollte und brauchte.
    Und irgendwo glaube ich, dass es mein Vorteil ist, dass ich keinerlei Hemmungen habe, mich darüber zu unterhalten bzw. zu schreiben und dass ich es auch ein interessantes Thema finde, was man ja auch wissenschaftlich betrachten kann. Damit vergesse ich es auf jeden Fall schon mal nicht. Und wie ich dabei ja auch immer mal wieder lese, gibt anderen helfen Sinn im Leben und das ist mit Sicherheit auch ein Mittel gegen Sinnlosigkeit.

    Und wenn das mit dem Lebensgefühl bei mir auch mal so wäre, dann weiss ich natürlich auch nicht, was ich täte. Vielleicht wärs mir ja dann irgendwie auch schon egal.
    Nur möchte ich natürlich nicht so enden und ich habe mit Sicherheit eine Menge Möglichkeiten, um mich anders zu entscheiden. Und da dran, an diesen Entscheidungsmöglichkeiten, musst Du dann halt arbeiten, wenn Du diese Angst hast.

    Gruß Susanne

    Noch mal zu der Situation da.

    Ich hab mir früher an der Supermarktkasse oft eine Batterie Flachmänner mitgenommen, um eine Stunde pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verkürzen, und an denen bin ich danach natürlich auch noch vorbeigelaufen. Und klar, hab ich mir auch schon vorgestellt, wie das wäre, heute graust mir nur noch davor. Schon der beschissene Geschmack im Mund.
    Und die Überlegung, man könnte ja, jetzt siehts ja keiner..mein Partner war nach ein paar Wochen meiner Trockenheit im Krankenhaus, da hab ich mir auch noch mal deutlich überlegt, dass ich das ja wegen mir mache.

    Trotzdem würde ich keine Spielchen damit machen, ich hab schon ein paar Leute ganz fürchterlich an der Sauferei verrecken sehen und von daher ist das für mich eine absolut ernst zu nehmende Erkrankung. Deswegen muss man ja jetzt nicht lebenslang Trübsal blasen. Humor hilft bei vielem, und mit der Zeit ist auch Vieles möglich, aber "dumm rumtun" würde ich mir überlegen.
    Ich meine, bei mir ist die Nüchterneit schon lange Normalität und mein Handeln ist nicht mehr groß davon bestimmt, obs irgendwo Gefahren für mich gibt. Ich leb wie ganz normale Leute. Trotzdem bin ich mir des Risikos bewusst und ich hab auch schon ein paar Leute gesehen, die dann nach 12, 15 Jahren meinten, jetzt könnten sie mal ein Gläschen probieren.


    Ich finde es ganz schön heftig, dass du diese Laune 4 Jahre lang ausgehalten hast. Heftig im Sinne von absoluter Konsequenz gegenüber deinem Entschluss nichts mehr zu trinken. Das ist ganz schön stur und rebellisch ;)
    Gut, dass du etwas dagegen gefunden hast, denn es war mit Sicherheit sehr anstrengend.

    Das war nicht so viel anders als Du das mit dem Wein beschreibst. Ich hab jahrelange Erfahrung mit Trinkpausen und ich wusste aus Erfahrung, dass es bei mir eben auch nicht bei einem Schluck bleibt, um die Laune zu heben, sondern mit Sicherheit in noch größerer Scheixxe endet als vorher.
    Und als ich noch gesoffen habe, war ich ja keine Spur glücklicher. Schon da waren die besten Momente in den letzten Jahren nüchtern, ich meine, da gibts ja noch eine Menge Abstufungen. Zum Teil wars sicher auch der Gegensatz, wenn ich richtig abgestürzt war, war es nüchtern kurz mal schöner, es ist ja so schön wenn der Schmerz wieder nachlässt, alter Masochistenwitz, bis der Druck halt wieder kam. Und ich hab ihm nachgegeben, aber das half da schon immer nur nen Moment lang, und dann musste ich schon nachlegen, um wenigstens dieses Anfluten noch ein bisschen zu haben. Ich war da schon lange nicht mehr in der Situation, dass ich gemütlich mal was getrunken hätte, ich war längst in der Sturztrunkphase.
    Also einfach mal nur, da gabs nichts mehr zu holen. Das war ausgeluscht, restlos.
    Und zum Teil hab ich mich auch mit dem Gedanken über Wasser gehalten, wie viele Leute auf der Welt in viel größerem Elend leben als ich und die auch nichts haben, um das runterzuspülen.

    Zu dem was Du da schreibst, es ist richtig, dass man sich nicht auf alle Situationen geistig vorbereiten kann und auch mal mit Überraschungen fertig werden muss. Trotzdem kann einen der Saufdruck auch völlig überraschend auch mal heftig erwischen, ich hatte das zwei mal, und dann braucht man ein paar Strategien um da wieder rauszukommen. Denn ich hab dann festgestellt, in dem Moment war das mal kurz, nur zwei drei Minuten, so intensiv, dass es das klare Denken deutlich beeinträchtigt hat. Da hilfts dann schon wenn man sich vorher was überlegt hat.

    Und so am Anfang, so lange das noch nicht so richtig "sitzt", würde ich solche Situationen auch nicht unbedingt suchen.

    Vieles wird ja dann sowieso langweilig, wenn man dann mitkriegt, was andere besoffen für Schwachsinn labern und man sich vor Augen hält, dass man selbst ja genau so war, und genau den gleichen Schrott erzählt hat, ober so was in der Art.

    Ansonsten bin ich absolut bei Dir, drüber nachdenken, was das tatsächlich bringt, also über den Moment raus, wie sieht das dann morgen, übermorgen aus wenn ich jetzt mit trinken anfange, und sich dabei nichts vorzumachen, kann schon viel helfen. Aber wohl auch nur, wenn man trotz allem Licht am Ende des Tunnels sieht und davon überzeugt ist, dass das auf Dauer was bringt.

    Gruß Susanne

    Es gibt natürlich schon Leute, die mehrere Anläufe brauchen, aber dann ist morgen eben wieder der "Tag danach", und falls Du jemals wieder einen Anlauf machst, bist Du dann auch irgendwann wieder bei zwei Wochen.
    Rein rational betrachtest hast Du eben die Chance, das das jetzt psychischer Entzug ist und das das irgendwann besser wird, wenn Du das ganz einfach durchstehst. Kann Dir aber leider niemand garantieren.

    Was könntest Du denn sonst tun, was Dir Spaß machen könnte, oder zum Wohlfühlen beiträgt? Früher hat man immer gesagt, Sauna, aber das ist momentan vielleicht nicht so ideal, aber vielleicht fällt dir ja was ein. Saufen würde Dich ja auch nur nen Moment lang befriedigen und entlasten, denke ich, dann käme der Jammer ja wieder. Also besser einen Genuss ohne so große Reue.

    Und ansonsten, tja, Du hast morgen das Kopfweh, nicht ich...