Hallo Nobs ,
von meiner Seite ein Danke, dass du deine Erfahrungen und Gedanken mit der stationären Therapie mit uns teilst. Für den einen oder anderen, der sich vor einer vergleichbaren Situation befindet, könnte das möglicherweise interessant sein.
Ich kann bezüglich eines solchen Aufenthaltes nicht mitreden, denn ich war, als ich aus meiner Alkoholabhängigkeit ausstieg, nicht in stationärer Therapie und von den diversen Aufenthalten meines Vaters in vergleichbaren Kliniken wie deine, weiß ich zu wenig. Und selbst wenn ich mehr darüber wüsste, wäre das längst nicht mehr aktuell, weil das in den 70er und 80er Jahren war. Was ich ansonsten darüber weiß, habe ich mir angelesen, das ist aber mit persönlichen Erfahrungen in einer entsprechenden Klinik nicht vergleichbar.
Ich war aber wegen schwerer Depressionen vor ein paar Jahren in einer Klinik und das, was du bislang geteilt hast, erinnert mich an meine Anfänge dort. Ich war auch in einem Doppelzimmer untergebracht, wir hatten aber immerhin ein eigenes kleines Bad für uns zwei. Im Nachbarzimmer waren drei Patienten untergebracht.
Bei mir war der Therapieplan in der ersten Woche so gut wie leer, außer Wassertreten vor dem Frühstück, Morgenrunde mit allen Patienten, bei der wir einer nach dem anderen kurz unser jeweiliges Befinden beschreiben sollten und einem Arztgespräch war da nichts. Erste Therapie-Angebote setzen meiner Erinnerung nach erst ab der zweiten Woche ein und auch in der zweiten war das noch sehr wenig.
Man erklärte mir damals, dass das absichtlich sei. Ich sollte erstmal ankommen. Das ist bei Depressionen vielleicht auch wichtig und richtig.
Ich kann aufgrund dessen, was ich über Suchterkrankungen weiß, nur vermuten, dass sich das auch bei Suchterkrankungen ähnlich verhält.
Ich durfte immerhin auf dem Klinikgelände spazieren gehen, musste mich dafür nur jedesmal im Büro des Stationspersonals ab- und wieder anmelden. Nur einmal, als es mir psychisch überhaupt nicht gut ging, verbot man mir, die Station zu verlassen. Ich hatte dafür herzlich wenig Verständnis und war stinksauer. Ich wusste zwar, warum sie das taten, denn sie trugen in gewisser Weise Verantwortung für mich, aber ich fühlte mich entmündigt.
Nachdem sich der schwer depressive Zustand, in dem ich mich zum Zeitpunkt der Aufnahme befand, allmählich besserte, konnte ich die viele freie Zeit nach und nach für mich nutzen. Ich war im Grunde ja schon immer ein kreativer Mensch gewesen.
Rauchen durften die Patienten dort nur draußen auf einer Dachterrasse. Es war ihnen gestattet, weil man eben nicht alle Baustellen auf einmal angehen kann. So stank es auf der Station nicht nach Zigarettenrauch.
Ich wünsche dir, dass du dort das mitnehmen kannst, was du für dich brauchst. Dass die Einzelsitzungen mit gleich zwei Psychologen richtig gut waren, hört sich vielversprechend an.
Viele Grüße
AmSee