Guten Morgen, Kogge ,
von mir ein Danke, dass du den sprichwörtlichen Ball aufgenommen hast, wobei ich bei deinen Ausführungen den Eindruck habe, dass es, wie das bei schriftlicher Kommunikation leider leicht passiert, zu einem Missverständnis gekommen ist.
Ich habe keine Vorwürfe machen wollen und gewiss auch nicht mit quasi erhobenem Zeigefinger belehren wollen, sondern lediglich etwas erläutern, was hier schon mal ein Thema gewesen ist. Ich hab insofern lediglich sprichwörtlich einen Ball in die Runde geworfen.
Dass du zum Thema „Suchtverlagerung“ von ehemals substanzabhängigen Menschen in die Sportsucht keine validen Daten gefunden hast, wundert mich nicht. Denn, wenn ich bedenke, wo und wie überhaupt Daten erhoben und evaluiert werden, kann ich mir nicht vorstellen, wie es da zu einer validen Statistik kommen könnte.
Falls das von meiner Seite missverständlich rübergekommen sein sollte, möchte ich nochmals versichern, dass ich gewiss nicht gegen einen gesteigerten Aktivitätsbereich bin. War ich in dem, was ich aus dem Artikel zitiert hatte, nicht deutlich genug, was das Verlassen der sogenannten Komfortzone betrifft? 🤔
Mir ging es lediglich darum, das Thema „Suchtverlagerung“ zur Sprache zu bringen, dafür zu sensibilisieren, dass das passieren kann (nicht muss). Ich hab dir, Kogge damit nicht unterstellen oder dir vorwerfen wollen, dass du deine Sucht verlagert hättest.
Ich selbst war früher Perfektionistin, ich konnte gar nicht anders. Bei diesem Streben nach Perfektion kannte ich selbst meine Fehler sehr genau und ich habe meine sämtliche Energien investiert, um mich selbst zu optimieren.
So kritisch, wie ich mit mir selbst war, blieb mir kein Patzer, kein Fehler verborgen. Und meine „Fehler“ wurden nicht weniger, aufgrund meines Perfektionismus sah ich immer mehr. - Alkohol wurde übrigens zu jener Zeit ein Schmiermittel, um noch besser und länger funktionieren zu können. -
Ich hab‘s mit noch mehr Kontrolle versucht und brannte über meinem Perfektionsstreben schließlich völlig aus. Zuletzt blieb mir nichts mehr, als mich aufgrund schwerer Depressionen in eine Klinik zu begeben.
Ich hab mich wieder berappelt, konnte auch wieder in meinen Beruf zurückkehren. Dann verlor ich aufgrund des Ausbruchs einer Autoimmunerkrankung (Multiple Sklerose) die Kontrolle über meinem Körper, das brach meiner Psyche dann sozusagen das Genick, die Depression kam zurück und tritt bei mir in Phasen leider immer wieder auf.
Mein Arzt meinte mal zu mir, ich müsse lernen, meine „Fehler“ zu lieben. Hat mich lange beschäftigt dieser Satz, denn ich wusste nicht, wie ich das bewerkstelligen sollte.
Wirklich „lieben“ kann ich meine Fehler auch heute noch nicht, aber ich schaffe es zumindest, sie zu akzeptieren und ihnen mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen.
Von der Perfektion habe ich mich bemüht Abschied zu nehmen. Das gelingt mir inzwischen ganz gut. Maß und Mitte sind für mich existentiell geworden. Als Mensch, der von seinem Wesen her zum Intensiven neigt - ich liebe Flow, dieses Gefühl, Zeit und Raum zu vergessen und dabei maximale Leistung und Vergnügen zu empfinden -, ist das manchmal gar nicht so leicht.
Danke an Bighara für deinen Beitrag. Der geht in die Richtung, an die ich gedacht habe: Maß und Mitte.
Wünsche allen hier ebenfalls einen angenehmen Tag.