Beiträge von AmSee13

    Hallo aixman ,

    auch von mir ein herzlich Willkommen.

    Ich hoffe hier auf ein Geben und Nehmen zur erfolgreichen Abstinenz aller hier.

    So ist das hier auch eigentlich gedacht. :)

    Ich wünsche dir ein gutes Ankommen hier und einen hilfreichen Austausch.

    Freundliche Grüße

    AmSee (Mitglied und Mod)

    Hallo Tron100 ,

    ich hab selbst auch schon erlebt und nicht vergessen, wie unerträgliche, dauerhafte Schmerzen und mangelnder Schlaf mich völlig fertiggemacht haben. Das war bei mir zwar nicht das Knie, sondern hatte andere Ursachen, aber das kommt mir nicht ganz unbekannt vor, was du von dir erzählst.

    Nach dem bisschen, was ich aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis über die Transplantation künstlicher Gelenke (Knie und Hüfte) weiß, bringt das deutlich spürbare Linderung bis völlige Schmerzfreiheit. Du hast damit ja offenbar auch schon einmal gute Erfahrungen gemacht.


    Auf meine Nachfrage bin ich gekommen, weil mich interessiert, ob du dem Umgang mit möglichem Suchtdruck nun, da du etwas Abstand und die nötige Ruhe gewonnen hast, etwas mehr als „nur“ Hoffnung entgegensetzen kannst.

    Ich selbst lebe aufgrund meiner MS-Erkrankung im Prinzip ständig damit, dass es bei mir zu Verschlechterungen meines gesundheitlichen Befindens kommen kann. Das vergangene Jahr ist bei mir suboptimal gelaufen und letztens, als mir auf einmal die Beine versagten, befürchtete ich schon neues Übel. Es war zum Glück kein neuer Schub, später taten meine Beine wieder wie gewohnt ihren Dienst, aber erschrocken hat mich das schon.

    Und dann bringt ja auch das Alter zunehmend irgendwelche Zipperlein mit sich, im schlimmsten Fall Ernsteres.

    Für mich stellt sich immer wieder die Frage, wie ich ggf. für mich sorgen kann. Inzwischen übrigens nicht mehr, weil mir Alkohol als mögliche Lösung noch nahe wäre, das war bei mir nur am Anfang, sondern um möglichst bis zuletzt ein zufriedenes Leben führen zu können.


    Ich kann das sogar nachvollziehen, dass du das letzte Mal in den Artikeln nicht das Richtige für dich gefunden hast, aber interessant wäre jetzt vielleicht, sich auf die Suche zu begeben, was denn gegebenenfalls das Richtige für DICH wäre.

    Das von meiner Seite nur als Inspiration.

    Hi Tron,

    wenn es jemanden trifft, dass du noch zweimal rückfällig geworden bist, dann bist du es doch, oder nicht?

    Wir teilen hier doch nur unsere Erfahrungen, um als Ressource zur Selbsthilfe zu dienen. Ob diese Ressource zur Selbsthilfe genutzt wird oder nicht, liegt nicht in unserer Verantwortung. Inwiefern sollten wir dann enttäuscht sein, wenn sie nicht genutzt wird?

    Ich finde das viel wichtiger, dass du den Mut gefunden hast, dich hier wieder zu melden und dir hier weitere Unterstützung für dich suchst.


    Du hast es dann doch probiert, mit nur 5,49 € pro Tag alle Probleme zu lösen, wie es dir Mitte Oktober noch durch Kopf ging. Und du hast am eigenen Leib erfahren, dass das nicht funktioniert.

    Du bist nicht der einzige, der noch mindestens eine Ehrenrunde drehen musste, um zu begreifen, dass Alkohol wohl doch keine Lösung ist. Das ist anderen hier auch schon passiert. Entscheidend ist meines Erachtens, was jemand daraus macht.

    Bleibt die Frage, ob diese Erfahrung nachhaltig genug für dich war, um nicht nochmals eine solche Erfahrung machen zu müssen. Entsprechende Gedanken könnten wieder kommen (Stichwort: Suchtgedächtnis - was immer das auch ist).


    Verstehe ich das richtig, dass du seit Mitte November nicht mehr getrunken hast, seit du die Vollbremsung gemacht hast?

    Dann war das wohl das, was du momentan wirklich gebraucht hast.

    Ich kann dir nur wünschen, dass mit der Knie-OP die Zeit der Schmerzen überstanden ist. Hast du dir schon Gedanken für den Fall gemacht, dass du nicht wieder ganz schmerzfrei wirst?

    Nur zu hoffen, dass der Saufdruck wegbleibt, könnte zu wenig sein…..


    Freundliche Grüße

    AmSee

    Über die vielen Jahre meines Alkoholkonsums habe ich immer mehr Dinge aufgegeben und einfach nur durch trinken ersetzt. Sucht bedeutet ja auch, mit der Zeit immer mehr dem Alkohol unterzuordnen bzw. aufzugeben. In manchen Phasen meines Alkoholkonsums habe ich den ganzen Tag nur getrunken - und sonst schlicht und einfach nichts gemacht.

    Ich war noch nicht an dem Punkt angelangt, dass ich den ganzen Tag nur getrunken hätte und Dinge zugunsten meines Alkoholkonsums aufgegeben hätte, deswegen entstand bei mir durch die Abstinenz auch kein dermaßen großes Loch, das ich mich völlig neu auf etwas besinnen musste, womit ich meinen Alltag gestalte.

    Für mich stellten sich solche Fragen, wie sie im Artikel Bewahrung der eigenen Abstinenz durch „Selbstfürsorge“ aufgenommen worden sind:

    • Wie verbringe ich meine Abende und/ oder das Wochenende, wenn ich mich nicht mit Alkohol „belohne“ oder „tröste“, was gibt’s für Optionen und Alternativen?
    • Wie verbringe ich die sonstigen Gelegenheiten, an denen ich mich mit Alkohol „belohnt“ oder „getröstet“ habe, was gibt’s für Optionen und Alternativen?
    • Wie verhalte ich mich in gesellschaftlichen Runden, in denen üblicherweise Alkohol konsumiert wird, oder bei gesellschaftlichen Ereignissen? Gehe ich gar nicht erst hin, um meine Abstinenz nicht zu gefährden, oder gehe ich hin und setze mich damit der Gefahr aus, getriggert zu werden?
    • Wie gehe ich damit um, dass in Film und Fernsehen ständig Alkohol konsumiert wird und mich daran erinnert, wie selbstverständlich das auch mal für mich war?
    • Wie verhalte ich mich im Supermarkt, wo ich an den Wein-, Bier- und Schnapsregalen, vor denen ich sonst ggf. mit Aussuchen und in Vorfreude so viel Zeit verbracht habe, vorbei muss?
    • Wie gehe ich damit um, wenn ich in einem Restaurant oder Café oder im Sommer beim Gang durch die Fußgängerzone damit konfrontiert werde, dass Menschen um mich herum Alkohol konsumieren?
      Was macht das mit mir?


    In diesen Bereichen entstanden für mich durch die Entscheidung für die Abstinenz Löcher, für die ich neue Lösungen finden musste.


    Als ich hier Ende Oktober 20 aufschlug, war ich zunächst nicht so weit, dauerhauft auf Alkohol verzichten zu wollen. Mir war bewusst geworden, dass ich wohl ein Problem hatte, aber ich hing noch so an dem, was ich mir an Genuss und Lebensfreude vom Alkohol versprach.

    Erst, als mir bewusst wurde, dass es leichter für mich war, es ganz bleiben zu lassen, sowie die Aussicht, dass es tatsächlich möglich ist, das, was ich eigentlich suchte, ohne Alkohol zu erreichen, gab mir den Mut, mich diesbezüglich auf die Suche zu begeben.

    Ich bin dabei sozusagen zweigleisig gefahren. Einerseits habe ich mich sehr viel mit den Erfahrungen derer, die den Absprung geschafft haben, beschäftigt und dem, was ich an Literatur zu den Themen „Alkohol“, „Alkoholmissbrauch“ und „Alkoholismus“ gefunden habe. Das alles hat mich sehr nachdenklich gemacht und mich in meinem Umdenken bestärkt.

    Andererseits interessierte mich sehr, wie ich auf gesundem Weg das erreichen könnte, was mir sonst der Alkohol gegeben hatte.

    Da ich aufgrund der Schübe meiner MS-Erkrankung in meinem Bewegungsradius stark eingeschränkt war, begann ich damit, durch regelmäßige Spaziergänge meinen Bewegungsradius wieder zu erweitern.

    Da sich Schlaf und Stimmung bei mir verbesserten, fühle ich mich zunehmend stabiler und stärker, meine Konzentration verbesserte sich. Und so konnte ich Dinge angehen, die ich sonst für unmöglich hielt oder nur mit vielen Pausen erledigen konnte. Das wiederum wirkte sich positiv auf meine Stimmung und mein Abstinenzvorhaben aus.

    Ich begann mit diversen kreativen Projekten und probierte Verschiedenes aus. Darunter war bei mir in den folgenden Jahren zum Beispiel das Interesse für alte Nähmaschinen und ihre Technik. Zeitweise hatte ich tatsächlich einen kleinen Fuhrpark alter Nähmaschinen, die zu verschenken gewesen waren und nur etwas Pflege brauchten, um fit für die nächste Runde zu sein, bei mir herumstehen. Für alle die, die ich wieder hergeben wollte, habe ich zufriedene Abnehmer gefunden. Eine größere Anzahl tut ihren Dienst nun in einem der Länder des afrikanischen Kontinents. Das freut mich sehr, weil diese Wunderwerke der Technik, die tatsächlich noch für die Ewigkeit gebaut waren, bei uns längst nicht mehr geschätzt werden, dort aber tatsächlich geschätzt, gebraucht und genutzt werden.

    Auch das Arbeiten mit Holz und das Aufarbeiten alter Möbelstücke füllte und füllt einen großen Teil meiner Freizeit. Das mache ich für mich und meinen Haushalt, aber manchmal ergibt es sich, dass ein Stück wieder bei mir auszieht und einen Abnehmer findet.

    Bis hier erstmal mein Beitrag.

    AmSee

    Hallo Emily ,

    ich sortiere in meinem Haushalt ja auch regelmäßig das aus, was ich inzwischen als Ballast empfinde, und empfinde das ebenfalls als befreiend.

    Ich mache das nach Lust und Laune. Manchmal kann und will ich das nicht. Das ist dann auch ok so.

    Wenn ich gut alkoholfrei lebe, warum sollte ich noch über Alkohol nachdenken, wenn Gedanken an Alkohol nicht mehr da sind?

    Gedanken über Alkohol kommen bei mir hoch, wenn ich in meinem Umfeld oder in meinen Hörbüchern oder Büchern, die ich lese, oder in Film und Fernsehen mit Alkoholkonsum konfrontiert werde.

    Es ist nicht mehr so, dass mich das belastet, weil ich denke, fühle und lebe, dass ich selbst mir das nicht mehr antun will, mich davon befreit fühle. Doch da Alkohol in unserer Gesellschaft nun einmal so omnipräsent ist, ist das Thema Alkohol - zumindest bei mir - nie ganz weg.

    Zu deiner Frage, ob ich Menschen begegne, die ‚Gelassenheit‘ als passives Abwarten missverstehen: Täglich. Die Menschen sind überall, das ist ein großes gesellschaftliches Thema. Jeder, der nur klagt, motzt und meckert, statt zu handeln, befindet sich genau in dieser Rolle.

    🤔 Für mich hat das herzlich wenig mit ‚Gelassenheit‘ zu tun, eher etwas mit Ignoranz, Opferrolle, Fatalismus, Leugnung eigener Verantwortung und was sich da noch für passendere Begrifflichkeiten findet. - Mein Kopf ist zur Zeit zu müde, deshalb liefert er mir kaum treffende Begriffe. -


    Ich kann deinen Ausführungen aber gut folgen, manches davon ist mir selbst wohlvertraut, auch wenn mir anderes widerfahren ist als dir und deiner Familie.

    Ich habe mich den Ereignissen, die mir und meiner Familie widerfahren sind, immer wieder zu stellen versucht, denn mein überaus ausgeprägtes Verantwortungsgefühl ließ nichts anderes zu. Mein Körper und meine Psyche haben die Überforderung nicht gut verkraftet, sondern alle möglichen Symptome für Überforderung angezeigt. Von Gelassenheit war ich da Welten entfernt.


    Erst im Nachhinein, als mir durch professionelle Hilfe ganz andere Möglichkeiten der Bewältigung zur Verfügung standen, begriff ich, wie ich selbstfürsorgerlicher (du würdest es wohl ‚selbstführend‘ nennen) hätte handeln können. Gewiss hätte ich an der Erkrankung nichts ändern können und auch den Tod nicht aufhalten können, aber ich hätte mich meinen Gefühlen besser stellen können, ich hätte damit so umgehen können, wie ich es gebraucht hätte.


    Gelassenheit hat für mich nichts mit Passivität zu tun. Gelassenheit hilft mir heute, mich nicht dort zu verausgaben, wo ich nichts ändern kann, sondern mich stattdessen auf meinen Gestaltungsspielraum zu besinnen. Es erfordert manchmal Mut und Kraft, sich den eigenen Gefühlen und der eigenen Ohnmacht zu stellen, so jedenfalls erlebe ich das bisweilen, auch heute noch.

    Hallo Kogge ,

    bis zu deinen Ausführungen zum Begriff „Gelassenheit“ finde ich meine Ansichten in deinem Beitrag wieder. Ich drücke mich zwar etwas anders aus, aber im Kern ist es das, was ich zusammen mit anderen hier in unserem Artikel Was uns hilft, nicht mehr zu trinken? - Bewusst nüchtern leben: Chance, Freiheit, Fundament, Gewinn zum Ausdruck bringen wollte.

    Das sogenannte „Suchtgedächtnis“, das ich andernorts als Totschlagargument empfunden habe, oder, wie du das beschreibst, als „gigantischer Schatten, der lebenslang über einem hängt“, hat mich sehr beschäftigt, weil ich begreifen oder zumindest nachvollziehen wollte, was das ist bzw. was dahinter stecken könnte. Das, was ich diesbezüglich gefunden habe und mir persönlich aufgrund eigener Erfahrungen einleuchtete, habe ich hier und dort und eben auch in jenem Artikel zu vermitteln versucht.


    Ich selbst habe ebenfalls keine Angst vor dem sogenannten Suchtgedächtnis. Ich bemühe mich auch darum, das nicht als Totschlagargument zu verwenden, gerade ich selbst mit dieser Art der Diskussion meine Schwierigkeiten hatte.

    Ich selbst versuche lediglich, wenn ich darüber spreche, für das zu sensibilisieren, wie du das beschreibst: „Ja, man kann die neuronalen Vernetzungen im Gehirn im wahrsten Sinne ‚trockenlegen‘ oder ‚verbuddeln‘. ABER: Die Vernetzungen bleiben bestehen, und es gibt individuelle Trigger, die sie reaktivieren können.“


    Nach allem, was ich zu unserer Thematik in Erfahrung bringen konnte und was sich für mich in eigenen Erfahrungen und Erfahrungen anderer Selbstbetroffener, von denen ich gelesen habe, bestätigt hat, ist eine einmal getroffene Entscheidung für die Abstinenz kein Selbstläufer, sondern offenbar eine Entscheidung, die immer wieder bewusst getroffen werden muss.


    Ich empfinde das auch so, wie du das beschreibst: Ein Nein zum Alkohol ist ein Ja zu mir selbst. Deswegen gefällt mir und lebe ich die Formulierung „Ich will keinen Alkohol trinken.“ Für mich steckt da noch mehr dahinter als in der Formulierung „Ich brauche keinen Alkohol zu trinken.“, was ich ebenfalls schon seit geraumer Zeit so empfinde.

    Und trotzdem schlich sich letztens, während wir zu einer Freundin fuhren, die dem Sekt nicht abgeneigt ist, ganz kurz der Gedanke in meinen Kopf, wie angenehm das doch wäre, ein Glas Sekt mit ihr zu trinken. - Das entspricht überhaupt nicht meinem gegenwärtigen Empfinden gegenüber Sekt und sonstigen Alkoholika und ich bin auch weit weg davon, einen solchen Gedanken umzusetzen. Bemerkenswert ist für mich daran Folgendes: Der Gedanke und das damit verbundene Empfinden war, das spürte ich, etwas Altes, eine ehemalige Vernetzung in meinem Kopf, die offenbar trotz allem noch immer da ist.


    Bezüglich des Begriffs „Gelassenheit“, den du als „Bewegungslos sein. Abwarten“ interpretierst - Bist du da Menschen begegnet, die das tatsächlich so leben oder zumindest so vermitteln? 🤔 - so beinhaltet dieser Begriff für mich tatsächlich den Mut und die Kraft zu haben, das, was ich beim besten Willen nicht verändern kann, hinnehmen oder annehmen zu können.

    Letzteres konnte ich den größten Teil meines Lebens nicht, ich hab immer nach Lösungen oder Auswegen gesucht. Eine für mich unveränderliche Situation auszusitzen oder zu ertragen, brachte mich oft in emotionale Not und führte zu enormer psychischer und physischer Anspannung. - Ich vermute, weil ich als Kind und Jugendliche so oft dazu gezwungen war und sehr darunter gelitten habe.

    Gelassenheit im Sinne von Mut und Kraft, das, was ich beim besten Willen nicht verändern kann, hinnehmen oder annehmen zu können, habe ich erst in den vergangenen Jahren kennengelernt. Seither gerate ich nur noch selten in emotionale Not.

    Du sprichst in deinem Folgebeitrag von Demut. Auch diese schwingt für mich in dem Begriff Gelassenheit, wie ich selbst sie empfinde, mit.


    Das, woraus ich selbst so etwas wie Resilienz erreicht bzw. sie gefunden habe, entspringt bei mir tatsächlich der ausgewogenen Kombination aus allen drei Begriffen des sogenannten Gelassensheitsgebets: Gelassenheit, Mut und Weisheit zwischen „ich kann Dinge verändern und ich kann Dinge nicht ändern“ zu unterscheiden.


    AmSee

    Die Formulierung "ich will den Alkohol nicht mehr" ist deutlich besser für mich als Alkoholiker, denn das bedeutet auch "ich habe das selbst in der Hand".

    Diese Formulierung „ich will den Alkohol nicht mehr“ ist schon seit geraumer Zeit das, was ich tatsächlich empfinde.

    Ich habe keine Angst vor einem Rückfall und lebe ebenfalls nicht mehr nach dem Prinzip der ständigen Risikominimierung.

    In meiner Anfangszeit habe ich diese gebraucht, weil Konfrontation mich überfordert hätte. Knapp drei Jahrzehnte meines Lebens gehörte Alkohol zu meinem Leben dazu, war für mich so selbstverständlich, wie das in unserer Gesellschaft allgemein vorgelebt wird. Im Grunde musste ich die positiven Seiten eines abstinenten Lebens erst kennenlernen und lernen, wie ich das, was ich mir vom Alkohol versprochen hatte, aus eigener Kraft erreiche.

    Für mich war das übrigens die Aussicht, dass, wie es mir von meinen Gesprächspartnern hier vor fünf Jahren authentisch rüberkam, ein abstinentes Leben seine positiven Seiten hat, die mir Mut machte, das ebenfalls erreichen zu können. - Und ich kann sagen, dass ich‘s tatsächlich erreicht habe. -


    Wenn mir heute jemand Alkohol anbietet, lehne ich einfach ab: „Nein, Danke, ich trinke keinen Alkohol, ich nehme aber gerne ein Wasser (oder wenn ich da gerade Lust drauf habe: Apfelschorle, Cola, Bitter Lemon).“

    Ich formuliere das so, weil ich Alkohol tatsächlich nicht mehr will. Mir geht‘s diesbezüglich, als wäre ich von einer Gehirnwäsche befreit.

    Wenn ich ein alkoholisches Getränk ablehne, spielt für mich überhaupt keine Rolle, dass ich ein Alkoholproblem hatte und deswegen nicht wieder Alkohol konsumieren sollte.


    Eine spannende Frage dazu: Warum ziehst Du, auch nur theoretisch, in Betracht, einen Rückfall zu haben? Warum kannst Du es nicht ausschließen?

    Ich bin generell auch ein Mensch für Strategien und einen Plan B, das finde ich im Leben immer wichtig. Aber beim Thema Alkohol lässt mein Mindset es gar nicht zu, darüber nachzudenken, was passieren könnte. Für mich fühlt sich das so an: Alleine die theoretische Auseinandersetzung mit dem Gedanken (und dem Plan für den Notfall) hält in meinem Kopf einen Funken wach. Einen Funken, der eher dafür sorgt, dass wieder ein Brand ausbrechen könnte, weil die Option ‚Scheitern‘ ja existiert und abgesichert ist.

    Ich kann mir derzeit überhaupt nicht vorstellen, jemals wieder Alkohol zu konsumieren und einen Rückfall zu haben, aber ich selbst schließe die Möglichkeit, dass irgendetwas in meinem Leben eintreten könnte, auf das ich quasi nicht vorbereitet, sondern vollkommen überfordert bin, nicht kategorisch aus. Ich hab‘s ja selbst in meinem Leben schon erlebt, was für unangenehme, einen völlig überfordernde Wendungen das Leben so nehmen kann.

    Dass ich die Möglichkeit nicht kategorisch ausschließe, bedeutet nicht, dass für mich die Option „Scheitern“ existiert und abgesichert ist, im Gegenteil geht es für mich darum, die Möglichkeit von unerwarteten Wendungen einzukalkulieren und, sofern sie eintreten, eine innere Haltung zu haben, mit diesen umgehen zu können.


    Ein Beispiel:

    Meine Mutter wurde für sie und uns völlig unerwartet aus ihrem normalen und gewohnten Leben und Alltag gerissen, als sie einen Schlaganfall erlitt, der sie linksseitig vollkommen lähmte.

    Sie konnte nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren, sondern musste direkt vom Krankenhaus in ein Pflegeheim umziehen. Für meine Mutter und für uns eine kaum erträgliche Situation. Sie war, weil sie gelähmt war, ständig auf andere angewiesen, musste um alles Mögliche bitten. …. Und teilweise lange warten, bis das Pflegepersonal wieder Zeit für sie hatte.

    Vier Jahre dauerte ihr Leben dann noch und meine Mutter war die meiste Zeit sehr unglücklich.

    Ab und zu bekam sie, die in jungen Jahren alkohol- und tablettenabhängig gewesen war und den Absprung Mitte 20 geschafft hatte, anlässlich dieser oder jener Feier vom Pflegepersonal ein Glas Sekt und trank es auch. Wie das Pflegepersonal meinte, wurde sie dann fröhlich und gesellig.

    Nein, sie wurde nicht rückfällig, sie wäre ja auch nicht in der Lage gewesen, sich selbst Alkohol zu verschaffen.

    Ich selbst habe mich während dieser Zeit und auch in den letzten Jahren immer wieder gefragt, wie ich damit umgehen könnte, wenn ich in eine solche Lage käme. Und deshalb arbeite ich an meiner inneren Haltung und pflege diverse Interessen, um möglichst auch eine solche Lage bewältigen zu können, ohne zu verzweifeln.


    Mich persönlich beunruhigt die theoretische Auseinandersetzung nicht und ich bin deswegen auch nicht ständig wachsam oder passe ständig auf.

    Vergleichbar ist das, was ich empfinde, vielleicht mit einem geübten Auto- oder Motorradfahrer: Ich fahre ganz entspannt und souverän (durchaus auch mal 200 km/h), hab dabei aber die Fahrbahn (insbesondere für Motorradfahrer seeeeehr wichtig) und meine Umgebung im Blick.

    Ist die Fahrbahn oder sind die Sicht- und Verkehrsverhältnisse schlecht, passe ich mein Tempo und meine Fahrweise an. Kommt von der Seite oder von vorne unerwartet ein Hindernis auf mich zugerast, weiß ich zumindest recht genau, was ich tun sollte.


    AmSee

    Hallo ZurueckimLeben ,

    Danke für deinen Beitrag. Der geht so ziemlich in die Richtung, in der ich auch unterwegs bin.

    Ich hatte die Tage privat so viel um die Ohren, dass ich erst jetzt dazu komme, wieder ins Forum zu schauen. Ich würde gerne ausführlicher auf deinen Beitrag eingehen, aber das wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

    Nur ein Hinweis von mir, weil du mir direkt geantwortet hattest: Ich stehe zwar als Themeneröffner da, aber tatsächlich ist dieses Thema aufgrund eines Beitrags von Emily zustande gekommen, den ich in diesen Thread verschoben hatte.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Lange Rede kurzer Sinn.

    Ich werde hier aufgefangen. Menschen die die Hölle Alkohol selbst erlebt haben stehen mir hier zur Seite. Urteilen nicht über mich, sondern unterstützen mich. Nicht mit mahnenden Worten, sondern mit Denkanstössen.

    Das freut mich, dass du das so wahrnimmst, denn so wünsche ich selbst mir eine SHG und habe selbst das hier ja auch so erfahren.


    Das DANKE kann ich nur zurück bzw. weitergeben an all die, die diese SHG in der Vergangenheit mitgetragen haben, und an die, die sie derzeit mittragen. Und das sind, auch wenn es hier immer mal sehr ruhige Phasen gegeben hat und auch jetzt noch gibt, gar nicht mal so wenige.

    Inzwischen hat dieses Forum wieder mehr aktive Mitglieder und das tut dieser SHG sichtlich gut. Deshalb von mir ein Danke, dass ihr da seid, auch wenn der Umstand, der euch hierher geführt hat, kein guter war. In dieser SHG machen wir gemeinsam was draus und sind, wie Kogge das letztens geschrieben hat, „Gestalter“.

    Es bleibt diesem Forum nur zu wünschen, dass es weiter wächst, und dass die, die hier Unterstützung erfahren, im Laufe der Zeit selbst zu Unterstützern für Neuankömmlinge werden.

    Auch bemerkte ich während meiner Hochalkoholphase, dass Alkohol kaum noch wirkte ... ich wurde weder "verzaubert", noch euphorisch oder gelassen. Die Motorik setze allmählich aus, die Betäubung nahm zu und endete, dann in komatösen Schlaf = es wurde also nichts "besser", angenehmer, schöner.

    Das war meine Erkenntnis -> siehe oben, nach 3 Jahren Abstinenz, der Alkohol wirkte nicht (mehr).


    Hast du diese Erkenntnis denn nicht schon gehabt, als du noch gesoffen hast?

    Nie kam ich auf die Idee, kontrolliert trinken zu wollen.

    Diese Idee klingt aber in einigen Formulierungen von dir an….

    Guckst du:

    Wenn indische Yoga-Gurus sogar ihren Herzschlag willentlich, wesentlich (!) beeinflussen können, "normale Menschen" sich nur durch ihre Vorstellungen exellent aufregen können, manchmal auch beruhigen ^^ , da wird es mir, halbgebildeter Pappnase, doch gelingen, nach 2 ... 3 Bier eben nicht den Vollrausch, die absolute Betäubung anzustreben, um mich am nächsten Tag darüber zu ärgern (wie all die Jahre zuvor), was ich doch für ein Volltrottel bin/war.

    Auch will ich nichts verallgemeinern, ich wollte nur meine Furcht loswerden, mir beweisen, Alkohol kann mir nichts, ausser ich lasse es zu.

    Mir erschließt sich deine Logik nicht, Paul .


    Mit diesem Bewusstsein startete ich diesen Versuch: kann ich mir einreden, dass Alkohol eben nicht wirkt, psychisch? Oder ist der Körper schon so an diesen Stoff gewöhnt, dass kaum noch was passiert?

    Du wolltest dir beweisen, dass die psychoaktive Substanz Alkohol bei dir nicht psychoaktiv wirkt, weil du dir das A entsprechend einreden kannst oder B dein Körper so an diesen Stoff gewöhnt ist, dass kaum noch etwas (positiv Wahrnehmbares) passiert?

    Wie passt das Beispiel mit dem indischen Guru da hinein, wenn‘s um den Umgang mit einer psychoaktiven Substanz wie Alkohol geht? 🤔

    Wenn B nun zuträfe, weißt du bezüglich A noch gar nichts, oder?🤔

    Wenn B nicht zutrifft, A dummerweise schief ginge, so frage ich mich, was du dann gewonnen hättest.

    Wenn A bei diesem einen Test nicht schief ginge, sondern zu funktionieren schien, so frage ich mich, was hast du dann gewonnen hättest.


    Ich kann das durchaus nachvollziehen, dass du vor dem Stoff Alkohol an sich keine Angst haben möchtest, wobei ich selbst gar keine Angst vor Alkohol habe, sondern lediglich so etwas wie Respekt vor diesen Zusammenhängen von Psyche und neurobiologischen Prozessen habe, die mein psychisches und physisches Befinden beeinflussen. Ich bewundere, wie kompliziert das alles aufeinander abgestimmt zu sein scheint und wie schwer mitunter willentlich beeinflussbar. Wenn jemand zum Beispiel Grippe hat, so geht‘s ihm oder ihr auch psychisch schlecht und letzteres ist für die Dauer der Grippe nur schwer willentlich zu beheben.


    Mir ist der Gedanke, mir jemals nochmal Alkohol antun zu wollen, fremd (geworden), insofern interessiert es mich überhaupt nicht, ob ich meinen Konsum jemals wieder kontrollieren kann oder nicht. Ich muss auch nicht erst ausprobieren, ob mir Alkohol nach der langen Zeit meiner Abstinenz noch schmeckt oder wieder schmeckt oder nicht.

    Ich bin einfach nur froh, davon gekommen zu sein und Alkohol kein bisschen zu vermissen. Das würde ich beim besten Willen nicht aufs Spiel setzen wollen.

    Paul ist nicht der erste, von dem ich höre/ lese, dass er einen Selbsttest unternommen hat, um sich selbst etwas zu beweisen oder um etwas zu überprüfen.

    Zur Nachahmung würd ich‘s nicht empfehlen und ich wäre auch äußerst vorsichtig, daraus allgemein gültige Erkenntnisse zu ziehen, wie bspw. dass es sich bei Suchtverlangen „nur“ um eine rein psychische Krankheit handelt, eine „Krankheit“, die nur vom Denken, von Gedanken beeinflusst würde.

    Ehrlich gesagt wundert es mich, dass gerade du, Paul , zwischen psychisch und körperlich einen Unterschied machst, da du selbst doch den ganzheitlichen Ansatz favorisierst, bei dem in gewisser Weise alles miteinander zusammenhängt.

    Paul , interessant wäre, warum du das gemacht hast. Wolltest du etwas testen oder wolltest du dir und eventuell anderen etwas beweisen?

    Ich selbst hab gar nicht das Bedürfnis oder Interesse auszutesten, was passiert, wenn ich mal wieder Alkohol trinke. Warum sollte ich das auch tun? Meinem Körper täte ich damit nicht wirklich einen Gefallen, im Gegenteil. Vermissen tue ich auch nichts, weil ich keinen Alkohol mehr trinke. Mir selbst muss ich nichts beweisen und anderen schon gar nicht.

    Selbst gebackene Plätzchen.

    Gewiss, aber die ältere Generation um die 80 mag nicht mehr selbst backen, aber trotzdem Weihnachtsteller verteilen.

    Und die von meinen Mann gebacken Kekse futtern wir seit dem 1.Advent.

    Wir selbst tendieren zu ein paar Süßigkeiten, die wir sonst auch gerne mögen und keine speziellen Weihnachtsleckereien sind.

    Die Orangen und ein paar andere Südfrüchte lassen wir uns direkt von einem Bio-Erzeuger aus Spanien liefern.

    Mir ist das ähnlich ergangen wie Paul . Nachdem ich die eine oder andere Doku gesehen hatte, ist mir das Interesse an so manchem Produkt vergangen zumal mir Nachhaltigkeit und Wertschätzung von Natur, Tier und Mensch ein besonderes Anliegen ist.

    Ich schaffe das nicht ganz so wie Sparkassen_Helga , aber ich bin ebenfalls in dieser Richtung unterwegs.


    Apropos Lidt-Kugeln: Gestern waren die während einer Geburtstagsfeier in meiner Familie Thema. Die Familie sieht regelmäßig die Ernährungsmittel-Doku des Produktentwicklers Sebastian Lege auf ZDF und hatte die Tage die Doku „Die Tricks in Weihnachtsprodukten“ gesehen. Darin wurden u.a. Klassiker wie die Lindor-Kugeln unter die Lupe genommen.

    Das Gespräch in unserer Geburtstagsrunde drehte sich deswegen darum, was man denn stattdessen auf die Weihnachtsteller, die am Abend des 24. traditionell dazu gehören, tun könnte.