Hallo Miteinander,
zu etwas, was Bassmann-neu geschrieben hat, möchte ich gerne noch etwas schreiben. Es richtet sich nicht explizit an dich, Blackisbeautiful , sondern allgemein an jeden, der mitliest.
Was ich für mich aber auch beim Neuanfang nicht akzeptieren konnte, war dieses bedingungslose "Nie-wieder". Ich hätte es akzeptiert, wenn ich die Erfahrung gemacht hätte, dass es wirklich nicht anders geht. Ich machte diese Erfahrung jedoch nicht. Aber ich machte die Erfahrung, dass die Überwindung der Sucht das größte Geschenk war, das ich mir machen konnte.
Bassmann gehört, wie es aussieht, zu den Selbstbetroffenen, die so etwas wie „Selbstremission“ erfahren haben.
Seit geraumer Zeit gibt es auch Studien, die sich mit diesem Phänomen befassen, von dem aber in Selbsthilfegruppen und auch im Gesundheitswesen (noch?) nur selten die Rede ist, das aber, wie Studien bestätigen, nicht so selten ist, wie es scheint.
Solche Selbstbetroffenen wie Bassmann sind in den üblichen Selbsthilfegruppen eher selten anzutreffen. Die Gründe dafür wird sich denken können, wer sich näher mit der Thematik beschäftigt.
Insofern ist Bassmann-neu hier eine seltene Ausnahme.
Wer Bassmanns (ehemals Katros) Zeit hier im Forum so nachverfolgt, weiß, womit er, umgekehrt aber auch die Mehrzahl der Selbstbetroffenen hier zu kämpfen hatten, und warum es zu unangenehmen Auseinandersetzungen gekommen ist.
Die Mehrzahl der Selbstbetroffenen hier und auch anderswo hat eben gegenteilige Erfahrungen gemacht als Bassmann und sie haben im üblichen Suchthilfesystem das gefunden, was sie brauchten.
Dass diese SHG und auch Bassmann-neu die Auseinandersetzungen ausgehalten haben, ist meines Erachtens etwas Besonderes und ich halte die Tatsache, dass Bassmann ein Teil dieser Community ist, für eine Chance. Denn was Bassmann zu teilen vermag und teilt, ergänzt den Bereich der Möglichkeiten und Wege im Umgang mit unserer Suchterkrankung.
Kurz eingehen möchte ich aber auch auf eine gewisse Problematik:
Nach allem, was ich bei mir selbst und bei vielen Selbstbetroffenen, die hier aufgeschlagen sind, beobachten konnte, kann ich ziemlich gut nachvollziehen, worin Selbstbetroffene, wie bspw. Rekonvaleszent oder Greenfox oder langjährig abstinente Selbstbetroffene im anderen Forum, die Gefahr sehen, sich mit der Möglichkeit, irgendwann zu einem risikoarmen, klinisch unauffälligen Konsum zurückfinden zu können, zu beschäftigen.
Ihre Erfahrungen bei sich selbst und vielen anderen Selbstbetroffenen im Selbsthilfesystem sind eben, wie wenig jegliche Kontrollversuche bei ihnen und vielen anderen funktioniert haben.
Insofern dienen die Diskussionen und Auseinandersetzungen sowohl der Selbstfürsorge, haben aber auch etwas mit einem gewissen Verantwortungsgefühl zu tun.
Als ich selbst noch relativ am Anfang stand und mich sozusagen „nur“ notgedrungen vom Alkoholkonsum verabschieden musste, hätte das verlockend geklungen, irgendwann zu einem risikoarmen Alkoholkonsum zurückkehren zu können.
Ich bezweifle sehr, dass das hilfreich für mich gewesen wäre.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und mit mir selbst bin ich mir hundertprozentig sicher, dass ich wieder einen Kontrollverlust erleiden würde, wenn ich Alkohol konsumieren sollte. - Nun stellt das für mich deswegen kein Problem dar, weil mir das Interesse am Alkoholkonsum so gänzlich vergangen ist.
In so einer Selbsthilfegruppe wie dieser hier eine gute Balance zu finden, ist und bleibt eine Herausforderung.
Ich schließe mit folgendem Hinweis:
Wer glaubt, dass Selbstremission ohne eigene Aktivität möglich sei, täuscht sich.
In diesem Zusammenhang möchte ich einen Satz in Bassmanns Beitrag nochmals hervorheben, weil er eine absolut nicht unwichtige Information enthält:
Ich musste erst komplett aufhören, um neu anfangen zu können.
Beste Grüße
AmSee