Ich kann nicht sagen, dass ich mich dafür bedauere aktuell nicht zu trinken. Also ich entscheide das ja. Nichts und niemand zwingt mich dazu. Außerdem hab ich mir die Suppe selbst eingebrockt, da hab ich wenig Mitleid mit mir selbst.
Ich hab das auch so gesehen und sehe das auch so, dass ICH das entscheide.
Niemand kann mir verbieten, Alkohol zu trinken, und niemand, dass ich abstinent lebe. Das ist ganz allein meine Entscheidung.
Als ich vor über vier Jahren mit dem Trinken aufgehört habe, habe ich zunächst ja nur die Reißleine gezogen. Aufgeschlagen war ich hier, weil ich mir wegen meines Konsums Sorgen machte und glaubte, hier Menschen vorzufinden, die sich damit auskennen.
Durch die Erfahrungsberichte anderer hier und durch den Austausch begriff ich erstmal nur, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich zu jenem Zeitpunkt nicht die Reißleine zog.
Was ich über das nüchterne Leben anderer Nutzer hier erfuhr, machte mir Mut, denn ich hatte mir nicht vorstellen können, dass ein Leben ohne Alkohol ein schönes Leben sein könnte.
Im Laufe meiner Abstinenz bemerkte ich dann zunehmende Verbesserungen, sowohl körperlicher als auch psychischer Art. Dadurch erst wurde mir am eigenen Leibe bewusst, dass ich mir mit meinem Alkoholkonsum offenbar mehr geschadet hatte, als ich gedacht oder erwartet hatte.
Das bestärkte mich dann auf meinem neuen Weg. Ich hab zu jener Zeit auch sehr viel zu dem Thema gelesen. Emotional ging’s da mitunter auch richtig rund. - Etwas, was im ersten Jahr übrigens recht normal ist, ich hab das von vielen anderen auch gehört/ gelesen.
Womit ich nicht gerechnet hatte, war, was die Konfrontation mit dem „normalen“ Leben, nachdem die Einschränkungen wegen Corona aufgehoben wurden, mit mir machte. Das hab ich nicht kommen sehen und es hat mich zu jenem Zeitpunkt offensichtlich vollkommen überfordert.
Aber n Freudensprung mach ich halt auch nicht. Dafür ist es auch viiiiiel zu früh.
Kann ich nachvollziehen. Hab ich zu jenem Zeitpunkt auch nicht gemacht.
Das Bewusstsein, was ich mir für ein Geschenk gemacht hab mit der Abstinenz, die Freude, die Dankbarkeit, der Mehrwert stellte sich erst im Laufe der Zeit ein.
Viele Grüße
AmSee