Beiträge von AmSee13

    Stilles Wasser

    Das hört sich schön an, was du über dich und deine Begegnung mit den Gegenden an, mit den du früher mal verbunden warst, schreibst.

    Mir geht es anders mit diesen Gegenden meiner Kindheit und Jugend, wobei ich auch nicht das Gefühl habe, mir selbst etwas vergeben zu müssen.
    Ich war einfach nur fürchterlich einsam und verlassen dort.

    Und wann immer ich in den letzten Jahren dort war, drängten sich diese Empfindungen von Einsamkeit und Gefangenschaft immer wieder auf. Das hab ich nie ablegen können.
    Meine eigene Geschichte dort, aber auch die meiner Familienmitglieder und sogar Vorfahren dort sind traurige Geschichten…. Das hat sich bis zum Tod meiner Mutter und danach im Verhältnis zu der mir verbliebenen Herkunftsfamilie fortgesetzt.

    Ich schaue nach Möglichkeit nicht mehr zurück. Ich hab mehr oder minder die Zusammenhänge begriffen, das war in gewisser Weise heilsam, weil ich meine Wurzeln und damit auch mich kenne, aber meinen Blick richte ich nunmehr auf mein persönliches JETZT und das liegt nicht mehr dort.

    Ohne diese Kiste ist der Blick frei für neue Einblicke.

    So geht’s mir in anderen Gegenden, die frei von Geschichten meiner Familie sind.

    LG AmSee

    Ich finde das eine arrogante Haltung etwas als Binse zu deklarieren. Wir sind alle strohdoof geboren worden. Und wenn jemand glaubt, dass da die Extraportion Milch im Kinderriegel ist, sollte man darüber auch ernsthaft reden. Es gibt keine dummen Fragen.

    Das mag arrogant rübergekommen sein, aber so war und ist das nicht gemeint.
    Vielleicht täusche ich mich, das mag durchaus sein, auch ich bin nur ein Mensch, der mal Fehler macht und diese, sofern sie mir auffallen oder ich drauf aufmerksam gemacht werde, auch eingestehen kann.

    Ich selbst traue schon lange keiner Werbung mehr und erlebe in meinem persönlichen Umfeld Menschen, denen es ebenso ergeht, daher hab ich schlicht darauf geschlossen, dass das mehr oder minder allgemeingültig ist.

    Was „dumme Fragen“ betrifft, so sehe ich das wie du. Es gibt keine dummen Fragen und ich habe mich meines Wissens bislang immer bemüht, Fragen ernst zu nehmen, auch solche, welche mancher für dumm halten mag.

    Selbst Verantwortung zu übernehmen geht doch nur als informierter Bürger.

    Nun sind die Chancen dazu hier in Deutschland ja nun nicht die schlechtesten.
    Man mag über das Bildungssystem schimpfen, wie man will, aber die Befähigung, sich selbst zu informieren und sich ein eigenes Urteil bilden zu können, wird durchaus vermittelt.

    Ich sehe das aktuell bei meinen Mädels. Wir sind alle im gleichen Alter und leiden alle unter grauenhaften Wechseljahrsbeschwerden. Und ich bin ehrlich entsetzt, was die zum Teil von ihren Ärzten zu hören bekommen. Das geht weit über das "Da müssen sie jetzt durch" von meinem Arzt hinaus. Einfach absolute Fehlinformationen aus den 70er Jahren bis zu Fehlbehandlungen (das hatte ich ja auch schon in der Vergangenheit bei einer andere Sache).

    Das kann ich nachvollziehen, nur ist hier in Deutschland grundsätzlich keine Frau allein mit diesen Beschwerden.
    Und wenn ICH feststelle, dass mir mein Arzt nicht helfen kann, dann suche ich mir anderswo Hilfe. Auch zu Wechseljahren und den damit verbundenen Beschwerden lassen sich eine Vielzahl an Informationen und ggf. Austausch mit anderen betroffenen Frauen finden.

    Ja, auch ich hatte mit inkompetenten Ärzten zu tun, aber wann immer mir das aufgefallen ist, hab ich mir einen neuen Arzt gesucht.

    Wenn wir uns hier nur und ausschließlich über Alkohol unterhalten wollen, glaube ich, wird es hier verarmen. Das ist nur meine unwichtige Meinung.

    Ich hab den Eindruck, dass hier ein Missverständnis vorliegt.

    Es geht mir nicht darum, mich hier nur und ausschließlich über Alkohol zu unterhalten.
    Tatsächlich können wir dieses Forum auch nutzen, um unseren Horizont auf andere Themen zu erweitern, beispielsweise über andere mögliche Abhängigkeiten.


    Ich komme nochmals darauf zurück:

    Wenn die Antwort auf die Frage, „Ist es akzeptierter von Pharmaprodukten abhängig zu sein?“, „Ja“ lauten sollte, was haben wir hier mit unserer speziellen Problematik davon?

    Wie hilft uns das weiter?

    Die Antwort „Ja“ legt meines Erachtens zum Beispiel nahe, sich dafür zu bemitleiden, dass Alkoholismus im Gegensatz zur Abhängigkeit von Pharmaprodukten weniger akzeptiert ist.

    Und das hilft wenig weiter, oder nicht?


    Wie könnte die Fragestellung denn anders lauten, damit es zu einem Austausch kommt, wie er dir, wie ich deinen Beiträgen entnehme, eigentlich vorschwebt?

    Weil viele sich ausschließlich auf die Beseitigung/Bekämpfung der Wirkung beschränken, anstatt die Ursache zu beseitigen.

    Das geht bei der Gesundheit los und hört bei der Umweltverschmutzung/Klimawandel auf.

    Vielleicht zu einfach, dass man dem Glauben schenken kann.

    Haben wir vergessen/verlernt/verdrängt, das jede Wirkung/Symptom einer Ursache bedarf???

    Paul , Bitte! Hör damit auf allgemein über andere zu reden und dich darüber zu erheben, was andere immer alles falsch machen.

    Mir gefallen die Beiträge, wenn du tatsächlich von DIR sprichst.

    Das ist doch eine gute Herangehensweise. Doch woher weiß ich, was gut für mich ist? Wenn mir jeder, auch Arzt, etwas anderes erzählt, wenn mich z.Bsp. Werbung täglich zu verfühen versucht, wenn mir jeder eine, möglichst schnelle, Lösung verspricht, jeder mir das rät, von dem er überzeugt ist und versucht nur seine Meinung gelten zu lassen, wenn der Versuch unternommen wird, kritische Äußerungen zu unterdrücken

    Das ist mir zu allgemein, Paul .
    Nimm doch nur mal den einen oder anderen Nutzer hier im Forum, der für sich herausgefunden hat oder gerade herausfindet, was er oder sie wirklich braucht.

    Ich hab für mich gelernt, meinem Körper zu vertrauen. Er signalisiert mir ständig, was er braucht, und er signalisiert auch, was er nicht braucht.

    Ich fühle mich müde? Dann ruhe ich mich einfach aus oder ich gehe schlafen.

    Ich hab Hunger? Dann esse ich etwas, was gesund und vollwertig ist. Ich weiß genau, was passiert, wenn ich zu viel Zucker esse, also achte ich darauf.


    Mein Körper signalisiert mir, wenn ich Bewegung brauche, also bewege ich mich, gehe spazieren oder mache ein paar sportliche Übungen.

    Und was von Werbung zu halten ist, das wissen wir doch schon lange. Oder glaubst du noch, dass in Kinderriegeln eine Extraportion Milch ist?


    In den Diskussionen kommt es schnell dazu, dass über andere geredet wird, doch bleiben wir doch einfach mal bei uns.

    Hallo Sunny,

    wenn du ihn nicht mehr lieben würdest, wäre es ja auch verhältnismäßig einfach, aber so einfach ist das selten oder nie.

    Nach dem, was du über deinen Partner so erzählt hast, wirkt das auf mich nicht so, dass du es mit einem tatsächlich erwachsenen Menschen zu tun hast, mit dem man eine Partnerschaft auf Augenhöhe führt. Das klingt eher so, als wenn du es mit einem launischen Kind zu tun hast, für das du die Verantwortung einer Mutter übernommen hast.

    Ich find’s grundsätzlich ja nachvollziehbar, wenn man als Erwachsener aus verschiedensten Entwicklungsbedingungen so seine Schwierigkeiten und Probleme hat, aber die Lösung liegt nicht darin, die Verantwortung für sich dann auf andere abzuwälzen.
    Die Lösung liegt darin, selbst Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.

    Und er trifft ja trotzdem seine eigenen Entscheidungen, ob du damit nun einverstanden bist oder nicht, ob die gut für ihn sind oder nicht. Insofern kann man von ihm auch erwarten, dass er die Konsequenzen für sein Handeln trägt.

    Dass die Kinder erleichtert sind, dass du da bist und dich um ihn kümmerst, ist verständlich und nachvollziehbar, und möglicherweise macht dich diese Anerkennung auch etwas stolz auf dich, aber eine Beziehung zwischen zwei tatsächlich im wahrsten Sinne Erwachsenen ist das nicht. Und DAS spürst du offenbar auch.

    Ich denke nicht, dass die 16 jährige Tochter zu jung ist, um sie einzubeziehen. Ich war deutlich jünger, als ich in unsere Familienproblematik hineingezogen wurde und von mir aus gezwungen war, Verantwortung zu übernehmen.
    Für entscheidend halte ich, dass die beteiligten Erwachsenen einen Vorsprung haben und in der Lage sind, klare, vernünftige und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen und diese auch entsprechend kommunizieren können. Das war bei mir damals nicht der Fall, im Gegenteil wirkten alle Beteiligten Erwachsenen reichlich hilflos auf mich. Vertrauen, dass ich mich tatsächlich auf sie verlassen kann, hätte ich unbedingt gebraucht.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Sparkassen_Helga , ich kann deinen Ärger und deinen Frust durchaus nachvollziehen, dass du nach langer Recherche etwas gefunden hast, was dir möglicherweise helfen könnte, von unserem Gesundheitssystem aber nicht bezahlt wird.

    Ich schiebe mitunter auch Frust, weil ich dieses oder jenes, was tatsächlich besser für mich ist, als das, was vom Gesundheitssystem bezahlt wird, aus eigener Tasche bezahlen muss.

    Und dann schimpfe und fluche ich hier zuhause auch laut vor mich hin, aber ich bleibe da nicht, weil das zu den Dingen gehört, an denen ich nichts ändern kann. Ich kämpfe nicht mehr gegen Windmühlen.

    Stattdessen besinne ich mich auf das, was ICH tatsächlich ändern kann, und versuche das nach Möglichkeit umzusetzen. Und wenn’s sein muss, bezahle ich aus eigener Tasche dafür.

    Viel Erfolg dafür, liebe Emily. 🍀

    Ich werde lernen, Einschränkungen als neue Chance zu sehen.

    Ich hab für mich gelernt, welchen Unterschied es für mich macht, wenn ich mit der Perspektive auf mögliche Chancen, an meine Leben und die jeweiligen Umstände herangehe.

    Darüber hinaus gehe immer wieder mit der Perspektive heran, dass ich es bin, die entsprechende Entscheidungen trifft, die nach Abwägen der Möglichkeiten IHRE Wahl trifft.


    Im Urlaub hatte ich zwischendurch Schmerzen, sie beschäftigten mich zeitweise sehr, nahmen meine Aufmerksamkeit gefangen. Da habe ich mich umgesehen, habe mich auf den jeweiligen Moment fokussiert und mir gesagt, „Ich bin jetzt hier, dies ist ein Moment und ich habe mich dafür entschieden, hier zu sein.“ Klingt merkwürdig, wenn ich das so aufschreibe, aber es hat mir in den Momenten geholfen.

    In der Doku gehts übrigens um was ganz anderes ^^

    Ich hatte mir vor meinem ersten Beitrag hier die Doku bereits halb angesehen….

    Deshalb ja auch mein Beitrag:


    Man kann zwar mal darüber nachdenken, inwiefern das, was die Pharmaindustrie so auf den Markt wirft und bewirbt, bedenklich ist und absichtlich neue, völlig unnötige Probleme und sogar Abhängigkeiten generiert werden, aber inwiefern hilft uns hier bei unserer Thematik die Frage weiter, ob es „akzeptierter [ist] von Pharmaprodukten abhängig zu sein“? 🤔


    Wenn die Antwort auf die Frage, „Ist es akzeptierter von Pharmaprodukten abhängig zu sein?“, „Ja“ lauten sollte, was haben wir hier mit unserer speziellen Problematik davon?

    Wie hilft uns das weiter?


    Wenn ich Spotify höre, kommt regelmäßig eine Werbung für Medikament bei Reizdarmbeschwerden. Ich klinke mich dann für einen Moment aus, um sie nicht mehr hören zu müssen. Immer, wenn ich sie höre, denke ich, wie verkehrt diese Werbung doch ist. Denke mir, wenn du Reizdarm hast, kümmere dich doch mal ernsthaft um die Ursache, statt nur immer die Symptome zu therapieren.

    Ja, so ist das nun mal mit manchem Zeug, was die Pharmaindustrie auf den Markt wirft und bewirbt, aber gleich alles in Frage zu stellen und sogar zu verteufeln, halte ich nicht für sinnvoll.

    Das fordert nur zu solchen Grundsatzdiskussionen heraus, die hier im Forum bislang herzlich wenig echte, gute Früchte trugen, sondern stattdessen eher zu Frust bei allen Beteiligten geführt haben.

    Für sinnvoller halte ich, wenn wir uns darüber Gedanken machen, wie wir bei uns jeweils kausal arbeiten können, wie wir selbst dafür sorgen können, dass es uns besser geht. Und das können wir am besten an unseren eigenen Beispielen und unseren eigenen Erfahrungen.

    All das noch einmal hautnah in der Erinnerung zu erleben ist schon schmerzhaft. Doch es ist ein heilsamer Schmerz der die Akzeptanz für das erhöht was gewesen ist.

    Ich war ab und zu in der Gegend meiner Kindheit und Jugend… Es ist an sich eine schöne Gegend, aber für mich hing immer ein dunkler Schleier darüber.
    Vor einer Weile bin ich auf Motorradtour dort gewesen. Gerade, DASS ich dort mit meinem großen Motorrad unterwegs war, fühlte sich für mich wie ein Sieg an. „Sieh dich an, seht mich an, ich hab‘s überlebt. Und wie!“ Und dabei war das so unwahrscheinlich…..

    Ich hab dort sogar unsere ehemaligen Nachbarn wiedergetroffen und einen Blick auf das Haus und in den Garten werfen können, wo wir damals gelebt haben…. Ja, es fühlte sich befreiend und schmerzhaft zugleich an…. Und die Begegnung mit unseren ehemaligen Nachbarn war in gewisser Weise heilsam.


    Ich könnte allerdings nicht sagen, dass es ein heilsamer Schmerz war, der die Akzeptanz für das, was gewesen ist, erhöht hätte. Ich akzeptiere das, was war. Es hat mich zu der werden lassen, die ich heute bin, und das hat, wie ich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erkennen durfte, nicht nur Nachteile.


    Ich bin trotzdem noch immer nicht gerne dort und inzwischen hat es sich auch so ergeben, dass ich dort nicht mehr hinfahre, sondern in andere, gänzlich unbelastete Gegenden. Fühlt sich besser für mich an.

    Diese Gewissheit „Es ist vorbei.“ habe ich erst im Laufe der Therapie mit EMDR erreicht….

    Hab schon befürchtet, dass mir das mit dem „echte“ Depression um die Ohren fliegen könnte. 😉

    Ich hab‘s einfach nicht besser ausdrücken können, was ich mit solchen Depressionen meine, die tatsächlich mit AD gelindert werden können, im Gegensatz zu solchen, die aufgrund anderer Ursachen nicht mit AD gelindert werden können.
    Hab‘s deswegen zwischendurch auch mit „klinisch“ versucht, aber selbst das ist missverständlich.

    Kurz und gut, ich hab Hormonmangeldepressionen sicher nicht kleinreden wollen, falls das so rübergekommen sein sollte.

    Eine Freundin von mir hatte nach der Geburt ihres Kindes eine postpartale Depression. Schlimm war das. Die dürfte, wie ich vermute, hormonell bedingt gewesen sein. Ich weiß nicht, wie diese behandelt wurde, darüber haben wir nie gesprochen, aber ich weiß, wie sehr meine Freundin darunter gelitten hat.

    Ergänzung: Das hatte ich vorhin vergessen….

    Soweit mir bekannt ist, ist eine Depression, die erstmalig auftritt, durchaus heilbar, anders verhält sich das mit chronischen Depressionen; die lassen sich bislang offenbar nur lindern.

    Es ging schon damals, als bei mir erstmalig Depression diagnostiziert wurde, nicht darum, dass diese allein mit einem Antidepressivum heilbar wäre, sondern schon damals war klar, dass für Heilung eine entsprechende therapeutische Begleitung notwendig ist.

    Diese Info sollte mir damals Mut machen, weil ich aufgrund des Beispiels meiner Mutter ziemlich geschockt war, ebenfalls an Depressionen erkrankt zu sein und vor Augen hatte, ihr Schicksal teilen zu müssen und den Rest meines Lebens ähnlich leiden zu müssen wie sie.


    Ich habe Mitpatienten kennengelernt, die von sich aus nichts für ihre Genesung unternommen haben, sondern erwartet haben, dass das AD sie heilt. So funktioniert das nicht.


    Zu dem von Paul verlinkten Bericht: Das Ergebnis wundert mich nicht in Anbetracht der Tatsache, wie leichtfertig Psychopharmaka von so manchem Arzt verordnet werden, ohne dass tatsächlich eine Depression vorliegt. Das wird von Helga ja nicht zu Unrecht kritisiert.

    Wenn jemand keine echte Depression hat, wie soll ein AD denn da Linderung bringen? - Ist doch logisch, dass da nix bei rauskommt. Und es auch logisch, dass angesichts der Zahlen all derer, die AD nehmen, aber keine klinische Depression haben, dann auch Antidepressiva-Studien scheitern.

    Wie soll ein Psychopharmakum eine Depression heilen, die durch Hormonmangel entstanden ist? Diese kann man nur heilen indem man Hormone ersetzt.

    Wir reden da, denke ich, von unterschiedlichen Problemen.
    Das, woran ich beim Schreiben gedacht habe, sind Depressionen, die nicht im Zusammenhang mit Hormonmangel stehen, sondern andere Ursachen haben, PTBS zum Beispiel.

    Das, was du im Sinn hast, sind eher Depressionen, die bspw. im Zusammenhang mit den Wechseljahren stehen. An die habe ich dabei überhaupt nicht gedacht…..

    Heilen geht nur durch das Beheben der Ursache. Und da kaum untersucht wird und nur Symptome behandelt werden, sehe ich da keine echte Heilung.

    An der Behebung der Ursache habe ich zum Beispiel mit meinem Psychiater/ Neurologen durchaus über die Jahre gearbeitet. Meine Mutter mit ihren Ärzten ebenso, soweit das möglich war und sie es zugelassen hat. Und mit den mir Nahestehenden, von den ich gesprochen habe, hat es sich auch so verhalten.
    Ich kann das, was du schreibst, so nicht bestätigen.

    Psychopharmaka wirken, aber sie heilen nicht.

    Womit wir bei der Frage wären, was unter „Heilung“ zu verstehen ist. Darunter scheint ja jeder etwas anderes zu verstehen.
    Ich wage aufgrund eigener Erfahrungen und dem, was ich bei mir Nahestehenden, die ebenfalls an echter Depression erkrankt sind, beobachten konnte, zu behaupten, dass Psychopharmaka vorhandenes Leid lindern können.
    Soweit mir bekannt ist, ist eine Depression, die erstmalig auftritt, durchaus heilbar, anders verhält sich das mit chronischen Depressionen; die lassen sich bislang offenbar nur lindern.

    Die Tiefs sind zwar weg, aber sich freuen gibts auch nicht mehr.

    Kann ich so nicht bestätigen. Das gilt weder bei mir noch bei den von mir erwähnten Nahestehenden. Wir empfinden durchaus richtige, echte Freude und es geht uns zeitweise ausnehmend gut.
    Was wir nicht mehr haben, sind diese grauenvollen Tiefs und, wenn wir Tiefs haben, sind die seltener und dann halbwegs erträglich.

    Also, ich kann für mich nicht sagen, dass die Psychopharmaka, die ich in den letzten Jahren genommen habe, das Leben leichter gemacht hätten, so fühlte sich das nicht an.

    Sie haben lediglich dafür gesorgt, dass meine Stimmung nicht mehr dauerhaft hoffnungslos, niedergeschlagen, traurig, dunkel und schwarz war, dass ich nicht mehr ohne Antrieb und ohne jegliche Interessen war, konzentrationslos und vergesslich (Depressionsdemenz), dass der Drang, meinem Leben ein Ende setzen zu wollen, aufhörte. Stattdessen wurde ich einfach nur einigermaßen stabil. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

    Und das meine ich mit „weniger gehandicapt“. Fühlst du dich dauerhaft niedergeschlagen, traurig, empfindest alles als hoffnungslos, hast du so gut wie keinerlei Antrieb und keine Interessen mehr, so ist das ein sehr, sehr großes Handicap.

    Als bei mir fünf Jahre vor meinem endgültigen Zusammenbruch erstmals Depressionen diagnostiziert wurden, habe ich Medikamente verweigert. Ich war fest gewillt, ohne auszukommen und hab alles versucht, um da rauszukommen. Ich hab‘s nicht geschafft…. Ohne die Psychopharmaka hätte ich vor zehn Jahren meinem Leben ein Ende gesetzt.

    Für mich geht es insofern nicht darum, mir das Leben leichter zu machen oder eine Abkürzung zu nehmen, sondern darum, so stabil zu sein, dass ich mein Leben in die Hand nehmen kann und in die Hand nehmen will.


    Ich kenne auch Leute, die Tavor missbräuchlich nehmen, ich kenne aber auch Leute, die eine sehr, sehr tiefe depressive Phase damit überlebt haben und später, sobald sie wieder stabil waren, nie wieder Gebrauch davon genommen haben. Deswegen, meine ich, sollte man auch da differenzieren.

    Hallo Sunny,

    natürlich kannst du hier schreiben. Dass das hier an der richtigen Adresse ist, weißt du ja schon.



    Ich denke, entscheidend ist erstmal, deinen eigenen Empfindungen zu vertrauen.

    Und die sprechen meines Erachtens eine deutliche Sprache. So, wie’s läuft, stimmt da etwas gewaltig nicht.

    Ich frage mich gerade, was dich eigentlich hält, so weiter zu machen, wie bisher. Fühlst du dich verpflichtet, weiterzumachen?


    Wenn du mal so tust, als würdest nicht du das geschrieben haben, sondern jemand anderes, vielleicht ein Forumsmitglied oder eine Freundin von dir. Was kommen dir dabei für Gedanken in den Sinn?


    Das erstmal in Kürze von mir.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Und so lang das so ist, wird es auch so bleiben, auch wenn man Sehhilfen, Gehhilfen und andere Prothesen mit Psychpharmaka gleichsetzt.

    Es steht jedem frei, sich mal ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

    Grundsatzdiskussionen sind wichtig, jedoch gezielte, alles mit allem vermengen ist eher weniger hilfreich.

    Ich spiele auf solche Grundsatzdiskussionen an, die hier nahezu in jedem Thread aufgemacht worden sind ….. Dazu haben sich hier schon diverse Nutzer geäußert….

    Es spricht meines Erachtens nichts dagegen, wenn wir uns hier auch mal über das Thema „Medikamentensucht“ austauschen.

    Für herzlich wenig hilfreich halte ich da Verallgemeinerungen oder Grundsatzdiskussionen.


    Für hilfreich halte ich, wenn wir uns ganz konkret über dieses oder jenes austauschen, mit dem wir selbst unmittelbar zu tun haben.

    Wenn ein Kind Ritalin einnimmt heißt es oft, oh das arme Kind ist krank und muss behandelt werden, damit es gesund wird.

    Die Vorstellung mag zwar in unserer Gesellschaft allgemein verbreitet sein, aber das liegt eher daran, dass viele Menschen keine Ahnung haben von diesem Thema.

    Ich sehe das genau so wie du, dass es nicht normal ist, wenn in einer Schulklasse 60% der Jungs Ritalin nehmen, das bedeutet aber nicht, dass dieses Medikament grundsätzlich fragwürdig ist. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie hilfreich und entlastend ein solches Medikament für einen Menschen sein kann, der wirklich mit ADS oder ADHS zu tun hat.

    Ich selbst habe mich vor Kurzem nach vielen quälenden Jahren für eine lebenslange Therapie entschieden. Diesen Weg kann ich nicht jetzt nicht mehr einfach abbrechen. Ich werde also die nächsten Jahre von min. zwei Substanzen dauerhaft abhängig sein. Für mich war das sehr schwer das anzunehmen, da ich ja schon auf ein anderes Medikament angewiesen bin. Ich hadere sehr mit der Verpflichtung/ Abhängigkeit das dauerhaft einnehmen zu müssen.

    Das ist das, was ich meine, wenn ich schreibe, dass ich es für hilfreich halte, wenn wir uns ganz konkret über dieses oder jenes austauschen, mit dem wir selbst unmittelbar zu tun haben.

    Die Sache ist doch die: Helfen dir diese zwei Substanzen, die du nun nehmen musst, um weniger gehandicapt durchs Leben zu kommen? Passt die Chancen- Nutzen- Rechnung oder passt sie nicht?

    Ich vergleiche das mal mit einer Brille. Ohne sie wäre ich im Alltag gehandicapt, weil ich ohne Brille kaum mehr was lesen oder erkennen kann. Wenn man’s genau nimmt, bin ich den Rest meines Lebens abhängig davon, eine Brille zu tragen, aber niemand, der eine Brille trägt, würde da von Abhängigkeit sprechen und das problematisieren.