Die Frage ist dabei doch, auf wen man selbst in einer solchen Situation mehr Rücksicht nehmen muss.
da es bekanntermassen schon sehr schwierig bis unmöglich ist, sich an grundlegenden Punkten selbst zu verändern (sonst würden die ganzen persönlichen Probleme im Umgang mit Süchtigen ja auch kein großes Problem darstellen, denn das suggeriert einem ja jeder Lebenshilferatgeber, mach mal, dann bist Du in drei Wochen ein anderer Mensch), erscheints mir relativ logisch, den Versuch, einen Anderen in einem grundsätzlichen Bereich (und dazu möchte ich Sucht schon zählen) zu ändern, als etwas überoptimistisch anzusehen.
Also kann man eigentlich nur auf sich selbst Rücksicht nehmen, denn was den Anderen angeht, ist man grundsätzlich machtlos...ausser dem geht es dabei um (relativ) nichts. Und ich kenn ja auch beide Seiten, weiss wie sehr man an der Sucht festhalten kann, mit allen Kräften und sämtlicher Intelligenz, die man hat, und als Zuschauer auch. Und ich weiss noch ganz genau, als mein Partner versuchte, mich von der Sauferei abzubringen, blieb mir immer die Frage "und was dann? Was mache ich dann ohne Alkohol?"..das sah für mich einfach nie nach einem Leben aus, was ich haben wollte. Und das, obwohl ich sicher lange Phasen ohne Depresionen hatte, so ein Leben ohne Alk erschien mir einfach nicht erstrebenswert. Und ich habe dafür gekämpft, so zu leben wie ich es wollte.
Das Problem ist ja ein bisschen, weil der Angehörige sich selbst und seinem Umgang damit nicht ändern kann, versucht er den Süchtigen zu ändern. Und nicht nur aus altruistischen Gründen, sondern auch um sein eigenes Leiden an der Situation zu kurieren. Ist zumindest ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.
Und wie beim Süchtigen muss man auch beim Angehörigen gucken, was er (eventuell gar nicht bewusst) davon hat, dass er in der für den angehörigen ebenfalls unerträglichen Situaition bleibt und nicht einfach geht. Viele Angehörige merken ja nur, dass beim Anderen was nicht stimmt, aber nicht, wie es ihnen selbst dabei geht.