• Hallo,
    Möchte mich hier vorstellen. Ich bin Sina 28. Seit ca 4 Jahren trinke ich regelmäßig Alkohol. Zuerst nur Abends, dann auch tagsüber. Es wie es dann so ist wurde es immer mehr. Hauptsächlich Bier. Erstmal zumindest.. mittlerweile war es dann schon mal Sekt oder Wein. Noch bin ich nicht beim Schnaps gelandet. Ich habe auch schon mehrmals aufhören wollen. Es hat nie richtig geklappt. Letzte Woche war es völlig in Ordnung. Die fanze Woche über garnichts. Und am Sonntag hat es wieder angefangen. Ich kenne das Verhalten ja bereits und wusste es endet nicht am Montag morgen nach dem Aufstehen. Bis heute morgen ging es bis ich die Kontrolle wieder hatte und mich ablenken konnte. Es ist ein Trauerspiel. Es klappte so gut aber man ist einfach ständig damit in Kontakt. Ich weiß das ich Alkoholiker bin. Eher so das ich es tatsächlich mehrere Tage aushalte ohne aber wehe es gibt ein Glas dann finde ich kein Ende mehr. Ich habe mich hier angemeldet weil ich hoffe ihr könnt mir Tipps und Ratschläge dazu geben.
    Liebe Grüße

  • Hallo Sina,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön das Du Dich hier angemeldet hast und etwas gegen Dein Alkoholproblem unternehmen möchtest.

    Du schreibst, dass Du Tipps und Ratschläge von uns erhoffst.

    Ich könnte Dir jetzt so ganz naheliegende und vielleicht auch pauschale Ratschläge geben. Diese würden dann lauten: Geh zum Arzt und öffne Dich dort, sprich über Deine Situation und mach' mit ihm oder ihr zusammen einen Plan. Gehe auch unbedingt zur Suchtberatung und öffne Dich dort, auch hier wird man Dir ganz bestimmt wertvolle Tipps und Informationen geben können. Letztlich könntest Du auch mal schauen, ob Du eine Selbsthilfegruppe findest die zu Dir passt.

    Wie gesagt, dass wären jetzt so ganz "allgemeine" Ratschläge die aber sehr zielführend sind.

    In den paar Jahren wo ich mich jetzt schon mit anderen Alkoholikern austausche habe ich aber gelernt, dass viele gerade diese naheliegenden Schritte nicht gehen können. Sie können sich nicht vorstellen sich beim Arzt zu outen, sie haben Angst davor zur Suchberatung zu gehen und in einer Selbsthilfegruppe könnten sie ja jemanden treffen den sie kennen.

    Und ehrlich gesagt war das bei mir damals genau das Gleiche. Ich habe auch erst x-mal versucht irgendwie selbst von dem Zeug weg zu kommen, wobei ich immer kläglich gescheitert bin. Ich brachte nur Trinkpausen zustande, mal längere und mit zunehmender Dauer meiner Sucht dann nur noch ganz kurze. Am Ende konnte ich gar nicht mehr pausieren bzw. ich wollte auch gar nicht mehr. Ich wollte nur noch trinken. Heute verstehe ich das alles, heute weiß ich wie mächtig diese Sucht eigentlich ist und das es die wenigsten alleine schaffen davon weg zu kommen. Ich persönlich kenne genau eine Person, und ich habe mittlerweile einige trockene Alkoholiker gesprochen, die quasi ohne Hilfe von dem Zeug weg gekommen ist. Wobei diese Person locker 20 Jahre getrunken hatte und erst durch einen furchtbaren Unfall, der ihr leicht auch das Leben hätte kosten können, sozusagen wachgerüttelt wurde. Sie hatte verdammtes Glück und trotzdem eine schlimme Verletzung. Das "reichte" dann aus um aufhören zu können und soweit ich weiß auch ohne Hilfe von außen. Absolute Ausnahme, zumindest kenne ich keinen anderen Fall.

    Ich weiß nicht wie das bei Dir, ich weiß nicht wie Du tickst und wozu Du bereit bist.

    Was uns allen hier sicher ein wenig helfen würde wäre, wenn Du ein bisschen mehr von Dir berichtest. Wenn Du das möchtest. Also einfach mal so Sachen wie: Wie sieht Dein Umfeld aus? Trinkst du alleine oder in der Gruppe? Trinkst Du heimlich? Gibt es jemanden der da mit involviert ist (Partner, Eltern, Geschwister)? Was meinst Du warum Du trinkst? Was willst Du mit dem Alkohol erreichen? Was belastet Dich, wie bist Du da hinein gerutscht? Was hast Du schon unternommen um vom Alkohol weg zu kommen?

    Also Du merkst, das sind eigentlich so ganz allgemeine Fragen die uns aber enorm helfen Deine Situation besser einschätzen zu können. Und dann können wir hier viel besser Rückschlüsse ziehen, unsere eigenen Erfahrungen heraus kramen und mit den Deinigen abgleichen. Und so können wir Dir dann viel besser unsere "Tipps", ich sage mal lieber, unsere Meinung schreiben.

    Wobei ich aber jetzt schon nochmal betonen möchte, dass das was ich einleitend geschrieben habe, also Arzt / Suchtberatung und ggf. auch SHG auf jeden Fall ein sehr sehr gutes Vorgehen ist. Also eigentlich das absolut logische und richtige Vorgehen. Denn Alkoholsucht ist eine anerkannte Krankheit und wenn man (schwer) krank ist, dann geht man logischerweise zum Arzt. Alleine dieser Arztbesuch verhindert dann schon mal, dass Du kalt entziehst. Da kann man gemeinsam einen Plan machen und schauen, ob Du zuhause oder besser stationär auf Entzug gehst. Du bist betreut und kannst dann auch weitere Schritte absprechen. Da ist dann auch die Suchtberatung sehr hilfreich.

    Aber wie gesagt, ich weiß ja gar nicht ob Du Dir das überhaupt vorstellen kannst. Ich konnte mir das damals nicht vorstellen und musste genau deshalb viele Jahre trinkend verbringen bis es dann irgendwann doch mal so weit war.

    Vielleicht kannst Du Dir das ersparen.

    So, jetzt lass ich es aber mal. Ich wünsche Dir einen guten Start hier und einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG
    gerchla

  • Hallo Gerchla,
    Danke für deine Antwort. Es tut einem wirklich gut darüber zu sprechen.
    Zu deinen Fragen. Ich trinke für mich alleine, heimlich. Ich wollte nie, dass es jemand mitbekommt. Angefangen hat es nachdem meine Mutter verstorben war und wie es so ist nämlich sehr schwer zu verstehen war sie ebenfalls Alkoholikerin. Jahrelang.. ich habe also manchmal das gefühl, dass ich schon als Kind nie etwas anderes gesehen habe als diese Verhaltensweise. Das schlimmste daran ist, dass ich nie werden wollte wie sie und dann passiert es. Ich war bis jetzt bei einer Psychotherapeutin. Ein ambulanter Entzug ist nun das nächste. Ich weis man kann sich nur selbst helfen aber es ist schön wenn man von anderen hört, die dasselbe Problem haben. Es ist einfacher sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten. Vielen Dank für die Infos. Ich hoffe du bleibst weiterhin weg von diesem Zeug.
    Liebe Grüße

  • Hallo Sina,

    schön das Du Dich wieder gemeldet hast. Es kommt leider nicht so selten vor das Hilfesuchende nach dem ersten Post wieder verschwinden und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich Dich mit meinen Fragen nicht verschreckt habe. Ich bin froh, dass es nicht so ist.

    Danke für Deine Antworten, ein wenig klarer sehe ich jetzt. Bevor ich Dir weiter schreibe will ich mich aber kurz bei Dir vorstellen:

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und trinke jetzt schon lange keinen Alkohol mehr. Davor trank ich weit über 10 Jahre abhängig. Die meiste Zeit davon komplett heimlich. Ich hatte Familie (Frau und 2 Kinder) war aber trotzdem in der Lage meine, zumindest in den letzten Jahren, extremen Trinkmengen zu verheimlichen. Sogar meiner Familie gegenüber. Ich habe bis zum Ende meiner "Karriere" funktioniert, wobei sowohl meine körperliche als auch meine psychische Verfassung bereits Jahre vorher schon mehr als desolat waren. Die letzten zwei Jahre meiner Sucht waren fürchterlich. Ich war ein psychisches Wrack und hatte ein Doppelleben aufgebaut, in mir regte sich gefühlsmäßig nicht mehr viel. Nur noch Verzweiflung und Aussichtsloligkeit. Körperlich spürte ich auch mehr und mehr die Symptome meines maßlosen Konsums.

    Meine Gedanken zu Deinen Zeilen:

    Es liest sich für mich jetzt so, dass Du Dir Hilfe gesucht hast und bereit bist diese Hilfe anzunehmen. Dazu kann und möchte ich Dich beglückwünschen! Genau richtig! Ich gehe jetzt mal davon aus, dass "ambulanter Entzug" für Dich auch bedeutet, dass Du diesen ärztlich betreut durchführen wirst. Damit bist Du schon mal safe.

    Zitat

    . Ich weis man kann sich nur selbst helfen


    Ich würde es so forumilieren wollen. Ich würde sagen, dass man selbst für sich und sein Leben verantwortlich ist. Und das man selbstverständlich alle Entscheidungen selbst treffen muss. Es muss einem klar sein, dass Hilfe von außen, egal in welcher Form und egal wie gut diese ist, immer "nur" ein Anstoss sein kann, einem den möglichen Weg weisen kann. Gehen muss man diesen Weg selbst. Die eigentliche "Arbeit" muss man am Ende dann selbst machen, aber man kann sich dabei helfen und leiten lassen. Gefährlich wäre es, wenn man denkt man könnte die Verantwortung für das eigene Leben an z. B. seinem Therapeuten abgeben und dieser hätte sich zu kümmern weil das ja schließlich sein Job wäre. Nein, man ist und bleibt immer für sich selbst verantwortlich.

    Wenn Du möchtest, dann schreibe uns hier was Dich umtreibt. Wo Du Ängste hast, wo Du nicht klar siehst, etc. Ich könnte Dir jetzt all meine Gedanken dazu schreiben was meiner Meinung nach wichtig ist um zu einem Leben ohne Alkohol zu kommen. Ich lass das jetzt aber mal weil ich nicht weiß ob Dich das gerade interessiert. Wenn Du hier im Forum liest, kannst Du das auch in anderen Beiträgen von mir nachlesen. Also egal was, egal welche Fragen, welche Gedanken Du hast, teile sie mit uns wenn Dir danach ist. Und wir werden Dir unsere Sicht der Dinge schreiben.

    Zitat

    Ich hoffe du bleibst weiterhin weg von diesem Zeug.


    Das hoffe ich auch. Ich arbeite jeden Tag daran, wobei es jetzt bei mir schon lange nicht mehr um akute Dinge geht. Ich habe meine Suchtgeschichte aufgearbeitet, meine Trinkgründe gefunden und viele davon beseitigt. Manche lassen sich nicht einfach beseitigen, weil sie einfach derart anerzogen sind (Stichwort: Kindheit), dass ich lernen musste damit zu leben bzw. sie zu kontrollieren. Was bisher ganz gut geklappt hat. Ich weiß was der Sinn meines Lebens ist (das wusste vor und während meiner Trinkerzeit nicht) und ich gestalte mein Leben so, dass ich diesem Sinn gerecht werden kann. Das führt bei mir zu einer großen Dankbarkeit und damit auch zu einer Zufriedenheit. Ich denke, dass für mich dadurch der Sinn des Alkohols (=Veränderung der akutellen Situation / Auszeit / Entspannung / mal weg beamen) entfällt. Ich brauche ihn nicht weil ich nichts sofort oder akut verändern möchte. Mein Leben ist sehr gut so wie es ist und ich baue weiter daran. Schritt für Schritt.

    Trotzdem kann ich nicht sagen: Ich bin absolut safe und werde nie wieder trinken. Ich kann nur sagen, dass ich alles dafür tun werde mein Leben auch weiterhin selbstverantwortlich ohne Alkohol zu führen.

    Alles Liebe und Gute für Dich. Und wie gesagt: Wenn Dir was durch den Kopf geht, einfach her damit.

    LG
    gerchla

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