Hallo,
ich war bereits schon einmal für eine kurze Zeit im Forum aktiv.
Ich habe es damals nicht geschafft auf jede einzelne Antwort zu antworten. Daher an dieser Stelle an Greenfox, Gerchla, Caroline, Rekonvalseszenz (richtig geschrieben?) und allen anderen herzlichen Dank im Nachhinein. Ich lese seitdem beinahe täglich in den Beiträgen und finde es außergewöhnlich und sehr hilfsbereit, was besonders die Stammschreiber hier leisten. Das wollte ich mal loswerden.
Weil ihr hier ja für alle Hilfesuchenden ein paar Worte findet, möchte ich mich auch irgendwie entschuldigen, dass ich die Kommunikation abbrach. Ich hatte eine sehr starke Arbeitsauslastung über Monate, die mich an meine absoluten Grenzen brachte.
Seit meinem ersten Beitrag war ich für 5 oder 6 Wochen abstinent (kalter Entzug, ohne Beratung, Suchtberatungsstelle, etc.). Dann, als ich wg. der Überlastung nicht mehr konnte, kam ein Rückfall für einen Monat. In dieser Zeit nahm ich trotz der gleichbleibenden Arbeitsanforderungen wieder meine alten Gewohnheiten auf. Natürlich weniger, da ja kaum Zeit blieb. Es fühlte sich falsch an, aber ich konnte nicht richtig nachdenken und auch keine Notbremse ziehen. Kurz nachdem die Projekte endlich vorbei waren, hatte ich einen segensreichen Unfall. Der verschaffte mir Zeit, mich um mich selbst zu kümmern.
Nun sind es wieder ca. drei Monate, in denen ich es ohne Alkohol probiere und das Leben relaxter angehen darf. Fünf Mal wurde ich in dieser Zeit schwach, allerdings jeweils eher geringe Mengen. Mindestens gleichbedeutend wenn nicht noch wichtiger war allerdings zwei Wochen zuvor eine Lebensmittelumstellung. Die Erschöpfungszustände, die ständigen Infekte, Depressionen, Nervosität, diffusen Krankheitssymptome der letzten Jahre kamen von einer Autoimmunerkrankung, die auch eine Glutensensibilität verursacht. Um diese Erkrankung habe ich mich nie wirklich gekümmert. Gluten ist auch Bestandteil von Bier, meinem jahrzehntelangen Lieblingsgetränk. Seitdem ich auf die Ernährung achte und lerne, für mich wieder zu sorgen und den Alkohol weglasse, geht es mir sehr viel besser. Ich wollte das nur teilen, weil ich an verschiedenen Stellen hier im Forum über ähnliche Problematiken gelesen habe. Vielleicht hilft es jemanden.
Heute war ich zum ersten Mal bei den Anonymen Alkoholikern. Ca. 30-40 Menschen waren dort im Raum. Viele, nicht alle erzählten in den zwei Stunden der Reihe nach, was sie so erzählen wollten. Es gab kein Feedback zu den einzelnen Beiträgen. Ich hörte nur zu, obwohl ich mich gerne vorgestellt hätte. Aber um vor fremden Gruppen zu reden brauche ich immer sehr viel Anlaufzeit. Und alle wollten reden. Selbst in der Pause und nach der Sitzung hörte ich älteren Männern zu, die mir von ihrem Leben erzählten.
These: Das beste Mittel für die Suchtprävention ist jemand, der Zeit hat und einem wirklich zuhört.
Gibt’s vielleicht bei uns Suchtis nicht so oft, worauf ja auch sonst einiges hinweist (Verheimlichung der Sucht selbst vor engen Vertrauten).
Alkoholismus ist ein gesellschaftliches Problem, für dass sich die Betroffenen privat und alleine schämen sollen. Denke ich grade, muss aber niemand auch so denken. Vielleicht sollte man sich öffentlich schämen. Wenn alle das zusammen tun, gäb‘s auch keine Scham mehr.
Sorry, für den langen Beitrag. Wollte eigentlich nur Hallo sagen….
Herzlichst
Lichtzwei