Abhängig, Co-Abhängig oder Angehörige?

  • Hallo, liebe Forumsmitglieder.

    Ich möchte mich gerne vorstellen,
    bin w, 52 Jahre alt und im Moment nicht wissend, ob ich abhängig, Co-Abhängig oder (nur) Angehörige eines Alkoholkranken bin.

    Ich habe viel im Internet gelesen und habe jetzt, um erst einmal selber einschätzen zu können wo ich stehe, seit 7 Tagen keinen Alkohol mehr getrunken. Meine Gedanken allerdings kreisen ständig um das Thema "Alkohol". Vielleicht auch, weil mein Lebenspartner so gar nicht auf Alkohol verzichten will.

    Ich weiß, viele werden mir jetzt raten: Geh doch mal zum Arzt --- aber das ist gar nicht so einfach. Die Scham hindert mich (noch) daran, nach außen zu treten!

    Wann war denn bei Euch der Punkt, an dem ihr erkannt habt, was wirklich Phase ist? Im Internet kann man viel nachlesen, aber vieles ist auch widersprüchlich. Vielleicht kriege ich hier ein paar Antworten auf meine inneren Fragen.

    Viele Grüße
    Katerle66

  • Hallo Katerle66,

    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum. Das war doch schon mal ein Schritt nach außen, wenn auch erst mal in die anonyme virtuelle Welt. Aber es war ein wichtiger Schritt und wir sind hier zwar in der virtuellen Welt, aber alle trotzdem reale Menschen die in irgendeiner Form mit Alkoholsucht oder Alkoholmissbrauch zu tun haben.

    Da komme ich gleich mal zu mir, damit Du weißt mit wem Du es zu tun hast:

    Männlich, Ende 40, Alkoholiker und mehrere Jahre trocken.

    Zitat

    bin w, 52 Jahre alt und im Moment nicht wissend, ob ich abhängig, Co-Abhängig oder (nur) Angehörige eines Alkoholkranken bin.

    Oder vielleicht beides? Das war das erste was mir ganz spontan in den Sinn gekommen ist. Ausschließen kann man das ja nicht. Aber ich glaube nicht, dass es hier jemanden gibt, der Dir mit absoluter Sicherheit sagen kann, ob Du Alkoholikerin bist oder ob Du Co-Abhängig bist oder sogar beides. Ich glaube, dazu sind wir hier im Forum zu weit weg. Wir können nur unsere Meinung kund tun, Dir unsere eigene Einschätzung mitteilen.

    Bei Dir könnte ich jetzt, ehrlich gesagt, noch gar nichts sagen, denn dafür weiß ich einfach zu wenig von Dir. Wie lange trinkst Du schon? Trinkst Du regelmäßig? Trinkst Du sehr viel, also z. B. bis zum Kontrollverlust und passiert Dir das immer oder sehr häufig? Kontrollierst Du die Trinkmengen Deines Partners? Lügst Du für ihn, wenn er mal wieder wegen Alkoholkonsum ausfällt? Hängt Dein Wohlbefinden vom alkoholtechnischen Zustand Deines Partner ab?

    Ich könnte noch einen Haufen Fragen mehr stellen und könnte Dir dann zwar meine Meinung sagen aber sicher nicht bestimmt ob Du abhängig bist oder nicht. Hast Du schon mal einen Selbsttest gemacht? Einen Alkoholselbstetst meine ich? Wenn nicht, dann google mal danach. Und mach den dann mal. WICHTIG: Ganz ehrlich antworten, nicht fälschen oder schönreden. Da hast Du dann schon mal einen kleinen Anhaltspunkt wo Du stehst bzüglich einer möglichen Alkoholsucht.

    Du kannst das ganze aber auch anders sehen. Du könntest Dir auch sagen: Ja, ich habe auf jeden Fall ein Alkoholproblem und das möchte ich bekämpfen. Und es ist mir im Grunde egal ob ich bereits Alkoholiker bin oder "nur" Missbräuchler. Ich möchte nicht mehr trinken - also was muss oder kann ich tun? Das wäre auch eine mögliche Einstellung.

    Mir hat beispielsweise kein Arzt explizit gesagt: Sie sind Alkoholiker! Es war umgekehrt - ich war beim Arzt und auch beim Psychologen und habe gesagt: Ich bin Alkoholiker! Ich habe da erst gar keine anderen Meinungen aufkommen lassen. Nach allem was ich in den Jahren des Trinkens erlebt habe, gab und gibt es für mich daran gar keinen Zweifel. Ja, vielleicht gibt es Menschen, die ebensoviel und ebensolang oder noch länger als ich getrunken haben und die sind/waren nur Missbräuchler und fanden irgendwann zu einem moderaten Konsum zurück... Mag sein, dass es die tatsächlich gibt. Aber das ist mir doch völlig egal. Ich wollte nie mehr Alkohol trinken und somit war und ist diese Frage für mich überhaupt nicht mehr von Bedeutung.

    Und je länger ich trocken war und je mehr ich meine Sucht, meine Trinkerzeit, aufgearbeitet habe umso fester wurde mein Entschluss nie mehr trinken zu wollen. Wenn man dann irgendwann plötzlich merkt wie sinnfrei Alkohol ist und wie einfach es doch ist ohne zu leben, dann stellt man sich die Frage, warum man eigentlich so lange gesoffen hat.

    Und man merkt auch, dass es nicht nur einfacher wird ohne Alkohol zu leben sondern auch, dass die Lebensqualität eine ganz andere wird. Wahrnehmung und Bewuststein verändern sich und mein Leben ist heute wunderbar - was nicht bedeutet, dass es bei mir keine Probleme gäbe, dass es nicht mal auch emotionale Tiefschläge gibt und ähnliches. Es passiert eben alles was anderen Menschen auch passiert. Nur das ich nach dem Elend der Sauferei einen anderen Blick auf die kleinen, schönen Dinge habe und dass ich die Rückschläge und Probleme als nüchterner, trockener Mensch sofort und ganz anders angehen kann.

    Zitat

    Ich weiß, viele werden mir jetzt raten: Geh doch mal zum Arzt --- aber das ist gar nicht so einfach. Die Scham hindert mich (noch) daran, nach außen zu treten!

    Grundsätzlich würde ich Dir auch raten: Geh mal zum Arzt! Aber nicht weil der Dir dann sofort sagen kann ob Du Alki bist oder nicht. Sondern weil ein kalter Entzug u. U. Lebensgefährlich sein kann - da wäre es gut gewesen Du wärst schon zum Arzt bevor Du aufgehört hast mit dem Trinken. Und dann ist es auch nicht schlecht mal zu wissen, ob irgendwas "kaputt" gegangen ist durch die Trinkerei. Und man könnte sich auch mal darüber unterhalten, welche weiteren Schritte man gehen kann um dauerhaft ohne Alkohol zu leben, falls Du das als Ziel überhaupt hast.

    Aber ich kann Dich trotzdem auch verstehen. Die Scham ist da und auch ich bin damals auch erst nach ein paar Tagen zum Arzt. Hätte auch schief gehen können, wenn ich ein Delir gefallen wäre. Aber soweit hatte ich gar nicht gedacht. Da stelle man sich mal vor, dass ich bereits am ersten Abend in eine SHG ging, aber erst Tage später zum Arzt. Das war ziemlich blöd von mir aber Scham meinem Arzt gegenüber spielte schon auch eine Rolle. Im Nachhinein alles völlig unbegründet. Komischerweise hatte ich vor der SHG keinerlei Scham, im Gegenteil: es ein sehr gutes Gefühl Menschen um mich zu haben, die genau wussten wie es mir ging. Das hat mir damals sehr geholfen erst mal in die Spur zu kommen.

    Wäre das nicht auch was für Dich? SHG gibt's übrigens sowohl für Alkoholiker als auch für Co-Abhängige.

    Also, ich wollte Dir hier jetzt einfach mal eine kleine Brücke bauen ein bisl mehr von Dir zu erzählen, natürlich nur wenn Du das willst. Dann können wir das hier ein wenig besser einschätzen und Dir mehr und gezielter aus unseren eigenen Erfahrungen berichten.

    Auf jeden Fall wünsche Dir Dir einen guten Austausch hier im Forum und freue mich wieder von Dir zu hören.

    LG
    gerchla

  • Vielen lieben Dank für dein lesen und deine emphatische Antwort, Gerchla.

    Gerne erzähle ich mehr von mir und meinem Alkoholkonsumverhalten.

    Bis vor ca 5 Jahren spielte Alkohol keine große Rolle in meinem Leben. Ich war sportlich orientiert, lief mehrmals die Woche, ging ins Fitnessstudio und war in einigen Vereinen aktiv.
    Es folgten einige persönliche Schicksalsschläge wie Trennung, Tod eines Angehörigen und immer öfter trank ich 1 bis 3 Bier. Immer alleine und ganz oft am Wochenende beim Spazieren gehen.

    Vor 4 Jahren lernte ich dann meinen jetzigen Lebensgefährten kennen. Bei unseren Treffen am Wochenende fiel mir schnell auf, dass er jede Menge Wein trank. Während ich je 2 bis 3 Gläser an den Wochenendabenden zu mir nahm war es bei ihm bis zu 4 Flaschen Wein pro Abend. Er war trotzdem weder großartig betrunken noch hatte er am nächsten Tag irgendwelche alkoholbedingten Ausfallerscheinungen, deshalb störte es mich anfangs auch gar nicht.
    Nach einem halben Jahr zogen wir zusammen und ab da trank auch ich in seiner Gesellschaft jeden Abend ein paar Gläser Wein mit.

    Vor über einem Jahr veränderte sich unsere Beziehung. Mein Lebenspartner verfiel immer mehr in eine Art Lethargie. Bis auf seine tägliche Arbeit schaffte er gar nichts mehr. Das hieß für mich, dass ich mich nach meiner eigenen Vollzeitbeschäftigung mit täglichen 3 Stunden Fahrtweg alleine um den gesamten Haushalt, den Garten, um seine persönlichen Belange wie Rechnungen, Verträge, Arzttermine etc und natürlich um meine eigenen Dinge kümmern musste.
    In dieser Zeit begann ich abends und vor allen Dingen an den freien Wochenenden immer mehr zu trinken. Teils auch schon morgens beginnend und mit Kontrollverlust. Wiederholte alkoholbedingte Fehltage auf der Arbeit, die ich aber bisher noch mit Erkältung etc entschuldigen konnte, folgten.

    Vor einem halben Jahr wurde eine alkoholbedingte Verfehlung, welche ein strafrechtliches Verfahren gegen mich nach sich zog aufgrund geringer Schuldfähigkeit eingestellt. Mein Promillewert war über 2,0. Schlagartig wurde mir bewusst, dass der Alkohol dabei war, mein Leben zu zerstörten.

    Mein Partner und ich vereinbarten nichts mehr zu trinken. Aber das war schon gar nicht mehr wirklich möglich. Unser Leben drehte sich da schon nur noch um Alkohol. Mein Partner wurde in dieser sagen wir mal tageweise „abstinenten“ Zeit zunehmend aggressiver und streitbarer. Das wir schon lange keinen Sex, keine sozialen Kontakte außer zu selber trinkenden Bekannten und keine nichtalkoholischen Unternehmungen mehr hatten, brauche ich glaube ich nicht speziell zu erwähnen.
    Im November 2017 zog ich aus unserer gemeinsamen Wohnung aus.

    Unsere Beziehung veränderte sich. Wir waren nur noch stundenweise zusammen, jeder schlief in seiner eigenen Wohnung, alles wurde wieder ruhiger. Zunehmend unternahm ich wieder Dinge, ohne dabei zu trinken . Vor 4 Wochen sagte ich meinem Partner: “Ich glaube, unsere Beziehung ist am Ende, du bist irgendwie nur noch mein Saufkumpane“. Und genauso war es. Wenn wir uns sahen tranken wir immer. Nie wieder bis zum Vollrausch aber doch immer bis zu 2 Flaschen Wein.

    Seit 1 Woche ist er nun in einer Rehamaßnahme, 700 km weit entfernt. Ich passe während seiner Abwesenheit auf seine Tier (Hund und Katze) in seiner Wohnung auf. Er hat die Wohnung wie einen Saustall verlassen. Ich habe 3 Tage aufräumen müssen um alles einigermaßen wieder in Ordnung zu bringen. Ich bin so wütend. Leere Weinflaschen stapeln sich neben leeren Ouzoflaschen. die Wäsche wurde seit Wochen nicht gewaschen, geschweige denn die Spülmaschine bedient. Offensichtlich hat er nicht nur die abendliche Flasche Wein mit mir gemeinsam sondern auch noch jede Menge alleine bei sich Zuhause getrunken.

    Tagsüber haben wir noch Kontakt per WhatsApp. Abends ist er unterwegs. Ich habe 2 Mal angerufen und ihn gegen 22/23 Uhr beim Trinken „erwischt“. Jetzt verkneif ich mir das Anrufen, die Sorge um ihn verstärkt ehrlich gesagt noch meinen Wunsch selber zu trinken.

    Heute ist nun mein 7ter Tag ohne Alkohol und auch ohne ihn. Anfangs hatte ich leichte Magenkrämpfe und einen trockenen Mund. Jetzt ist aber nur noch der tiefe Wunsch zu trinken übrig geblieben. Die Bar ist gut bestückt, aber noch kämpfe ich dagegen an.

    Lieber Gerchla, soviel erst einmal zu meiner Vorgeschichte. Wahrscheinlich habe ich viel zu viel geschrieben, aber es tat gut, dass einmal strukturiert runterzuschreiben.

    Dass ich ein Problem habe, habe ich schon vor längerer Zeit bemerkt. Ich habe viel im Internet recherchiert – muss gestehen, dass ich nur Halbwissen über diese Krankheit hatte bzw. habe. Ich dachte, solange wir morgens nicht mit zittrigen Fingern aufwachen, sei noch alles in Ordnung.

    Ich habe auch schon eine SHG in meinem Dorf ausfindig gemacht. Zu Fuss in nur 10 Minuten zu erreichen. Aber ich wohne in einem Dorf. Jeder kennt jeden, auch die Ärzte trifft man mal auf einem Plausch beim Einkaufen oder auf dem Markt. Alles ist wenig anonym.

    Ich hoffe, mit ein wenig Zeit und mehr Umgang mit dieser Krankheit habe ich den Mut, mir nötige Hilfe zu holen. Ich denke, alleine kann man diesen Kampf niemals gewinnen, auch wenn es einige Tage so zu sein scheint.

    Herzliche Grüße an dich und alle Mitlesenden

    Katerle66

  • Hallo Katerle66,

    auch von mir, erst mal ein herzliches Willkommen bei uns im Forum.

    Zu mir, ich bin weiblich 53 Jahre und Alkoholiker.
    Seit sieben Wochen bin ich nun wieder ohne Alkohol.
    Auch ich habe einen Partner, der es sich im Moment nicht vorstellen kann, dauerhaft ohne Alkohol, ein zufriedenes Leben zu führen.
    Ob du schon abhängig bist, oder sogar Co Abhängig, kann ich natürlich nicht wissen.
    Mir scheint aber dein Umgang mit Alkohol recht bedenklich.
    Am Vormittag zu trinken, der Kontrollverlust, auch 2 Promille hat man nicht einfach so.
    Du hast ja unheimlich viel Arbeit und dein ganzer Tag ist mit Pflichten gefüllt.
    Mich würde interessieren, wobei genau dir der Alkohol eine Hilfe ist, in welcher Situation du ihn einsetzt, wo soll er dir Entspannung verschaffen?.
    Hängst du noch sehr an deinem Partner und brauchst den Alkohol vielleicht um die derzeitige Situation besser aushalten zu können?
    Ich weiß du trinkst im Moment keinen Alkohol, aber vielleicht hilft dir ja das Wissen, warum du im Moment, den tiefen Wunsch nach Alkohol verspürst.
    Wenn du genau weißt, wozu du ihn einsetzen möchtest, kannst du dir auch die Frage stellen, verschafft mir der Alkohol, wenn ich ihn jetzt trinke eine Lösung für meine Sorge, oder verschärft sich damit die Situation noch.

    Diese Frage hilft mir im Moment nüchtern zu bleiben, da ich keine Antworten finde, wobei mir der Alkohol eine dauerhafte gute Lösung anbietet.

    Ich wünsche dir einen guten Austausch hier im Forum.

    Es grüßt die Birgit.

  • Guten Morgen Katerle,

    vielen lieben Dank für Deine offen Zeilen. Vielleicht hört sich das blöd an, aber die Tatsache, dass Du so offen über Deine Situation schreibst ist für mich eine sehr gute Voraussetzung, dass Du auch die weiteren notwendigen Schritte gehen wirst. Basis für einen erfolgreichen Ausstieg aus der Sucht ist immer erst mal das Akzeptieren der selbigen. Nur wenn man sich selbst eingesteht, dass man Alkoholiker ist bzw. ein massives Problem hat, dann hat man die Chance dagegen anzugehen. Diesen Punkt hast Du bereits erreicht!

    Jetzt einfach mal meine Einschätzung, die keinerlei Anspruch auf die ultimativ gültige Wahrheit hat:

    Deinen Partner würde ich nach Deiner Beschreibung definitiv als Alkoholiker bezeichnen. Die Mengen, die Regelmäßigkeit, sein Verhalten usw. spricht mehr als dafür. Gut, das ist Dein Partner, vielleicht auch Ex-Partner, und somit auch sein Problem.

    Zu Dir, da würde ich sagen, dass Du leider genauso in der Sch...e hängst. Grundsätzlich ist ja nicht die Menge entscheidend ob man süchtig ist oder nicht. Es ist immer die Frage, ob man ohne kann oder nicht. Oder besser, wenn man sogar ohne kann (was Du ja gerade machst), wie stark man dann an den Alkohol denkt bzw. ob ein Verlangen danach vorhanden ist. Dabei geht es eben nicht um körperliche Symptome, also die körperliche Abhängigkeit. Diese stellt sich meist erst sehr spät ein, da ist man längst psychisch abhängig. Und genau um diese psychische Abhängigkeit (=Sucht) geht es, geht es jetzt auch bei Dir. Sie ist dafür verantwortlich, dass man auch Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre nach dem letzten Schluck Alkohol wieder rückfällig wird.

    Körperlich ist man nach relativ kurzer Zeit durch, d.h. die Symptome (Zittern, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche, usw.) verschwinden und man ist sozusagen entgiftet. Bei der Psyche sieht das etwas anders aus. Als ich, bereits an meinem ersten trockenen Tag, in eine SHG der AA ging, sagte mir der damalige Gruppenleiter folgendes: So lange man gesoffen hat, so lange braucht man auch, bis man wieder normal wird. Eine Aussage, die ich heute so nicht unterschreiben würde, die aber im Kern für mich trotzdem sehr viel Wahrheit hat. Es ist nämlich so, dass es eben nicht reicht, einfach nichts mehr zu trinken. Und was einem immer klar sein muss: Man kann diese Krankheit nicht heilen, man kann sie "nur" zum Stillstand bringen. Würde ich wieder Alkohol trinken, dann wäre ich ruck zuck wieder da wo ich schon mal war und das wäre für mich mein sicheres Ende.

    Bitte mache nicht den Fehler jetzt einfach nichts mehr zu trinken und zu glauben, dass sich dann alles andere (z. B. Dein Verlangen nach Alkohol) einfach so ergeben wird. Wer dauerhaft ohne Alkohol leben möchte muss m. E. unbedingt aufarbeiten bzw. an sich arbeiten. Ohne wird aus der ganzen Geschichte wahrscheinlich nur eine Trinkpause. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich hatte viele Trinkpausen, einige dauerten mehrere Monate. Da habe ich halt einfach nichts getrunken, mich aber überhaupt nicht mit mir und meiner Sucht beschäftigt.

    Mein Aufarbeiten erfolgte dann bei meinem letzten Ausstieg, der hoffentlich auch weiterhin (idealerweise für den Rest meines Lebens), anhalten wird. Das war der Schlüssel zum Erfog, wenngleich das alles mit sehr schmerzhaften Entscheidungen verbunden war. Aber mal ehrlich: War das nicht klar? Ich meine, ich soff ja nicht aus Spaß - es musste ja etwas sein, was genau dieses Verhalten in mir auslöste. Und das ganze dann noch kombiniert mit der Eigenschaft, Probleme nicht ansprechen zu können (also so war das bei mir) und sich in eine (heile) Scheinwelt zu flüchten. Es war bei mir klar, wenn ich da raus will, dann muss ich mein Leben umkrempeln. Und es hat funktioniert - als ich dazu bereit war, vorher nicht.

    Was Dich betrifft, so kann ich Dich nur dazu ermuntern, Dir jetzt wirklich noch weitere Hilfe zu holen. Besuche einfach mal eine Suchtberatung (ist anonym), überlege Dir, ob Du nicht in diese SHG gehen möchtest, Du hast doch nichts zu verlieren. Wenn Du dort Leute triffst, die Du kennst, ja was meinst Du warum die wohl dort sind? Oder aber Du schaust mal, ob Du in der Umgebung, etwas weiter weg eine SHG findest. Diesen Aufwand sollte es Dir wert sein.

    Ich finde Du bist sehr klar, Du reflektierst sehr gut. Du siehst z. B. jetzt schon, dass man diesen Kampf alleine nur schwer gewinnen kann. Es ware geradzu eine Schande, wenn Du nicht weitere Schritte einleiten würdest. Es wäre eine Verschwendung in meinen Augen weil Du aus meiner Sicht auf jeden Fall schon jetzt das "Potenzial" (blöder Begriff mir fällt gerade nix besseres ein) ein abstinentes Leben zu führen. Und das ist übrigens ein ganz wunderbares Leben. Dein Leben gehört dann wieder Dir und wird nicht vom Alkohol dominiert und von den Gedanken daran.

    Und wie Du wohl schon selbst bemerkt hast, wirst Du diesen Weg alleine gehen müssen. Mit alleine meine ich ohne Deinen Partner. Du hast Deine eigene Baustelle um die Du Dich kümmern musst. Meiner Meinung nach kann man auch erst anderen helfen, wenn man selbst mit sich im Reinen ist. Davon bist Du weit entfernt. Ich denke, Du hast ja bereits die ersten Schritte zu einem unabhängigen Leben getan, und diese sicherlich nicht ohne Grund. Also achte auf Dich und Dein Leben und versuche zunächst einmal hier Deinen Weg zu finden. Dein Partner kann für sich genau das gleiche machen, wenn er dazu bereit ist. Wenn nicht, dann ist das seine Entscheidung und liegt nicht in Deiner Verantwortung.

    Vielleicht wirst auch im Zuge Deiner Aufarbeitung, also der Aufarbeitung Deiner Sucht, auch das grundsätzlche Verhältnis zu Deinem Partner unter die Lupe nehmen. Was er Dir eigentlich bedeutet, ob er Dir gut tut oder nicht. Ob Du ihn wirklich liebst oder nicht, ob Du Dir überhaupt eine Zukunft mit ihm vorstellen kannst. Sollte er weiter trinken halte ich das für einigermaßen sinnlos, aber selbst wenn er trocken werden sollte heißt das noch lange nicht, dass dann für Dich alles wunderbar ist. Ich habe mich getrennt nachdem ich trocken wurde....

    Wenn Du Fragen hast, einfach raus damit. Vielleicht haben Dir meine Zeilen ein paar Anregungen geliefert, wie Du weiter vorgehen könntest. Das ist meine Motivation hier zu schreiben.

    Alles Liebe und bis bald

    Gerchla

  • Hallo und willkommen im Forum, Katerle,

    Dein Nickname lässt vermuten, dass Du aus dem Schwäbischen kommst?
    Gerchla hat Dir schon vieles hervorragend zu Deiner Problematik geschrieben.

    Ich möchte nur noch auf Deine eingangs gestellte Frage eingehen:
    „im Moment nicht wissend, ob ich abhängig, Co-Abhängig oder (nur) Angehörige eines Alkoholkranken bin.“
    So, wie Du Dein eigenes, derzeitiges Empfinden bzgl. Alkohol beschreibst, spricht vieles für eine Abhängigkeit (Suchtdruck: ständiges Denken an Alkohol usw.).
    Letztlich wirst aber tatsächlich nur Du selbst die auf Dich zutreffende Einschätzung vornehmen können. Aus Deinen Beiträgen geht hervor, dass Du Dich bereits für aktive Maßnahmen gegen eine Sucht entschieden hast, wozu ich Dich beglückwünsche. 44.

    Nur so, wenn sich Betroffene aktiv mit ihrer Suchtproblematik auseinandersetzen, kann die Sucht dauerhaft zum Stillstand gebracht werden.
    Co-Abhängigkeit ist zwar ein völlig eigenständiges Krankheitsbild, kann sich aber durchaus gleichzeitig mit einer stoffgebundenen Sucht entwickeln. Ich würde Dir empfehlen dazu z. B. über das Wesen einer Co-Abhängigkeit hierhier nachzulesen.
    Aufgrund Deiner bisherigen, deutlich vorgenommenen Abgrenzung zu Deinem weitertrinkenden Partner (Z.B. getrennte Wohnverhältnisse, nicht mehr anrufen, wenn er wahrscheinlich betrunken ist ..) liest es sich für mich eher so, dass Du zwar unter Umständen gefährdet warst in eine Co-Abhängigkeit hineinzurutschen, aber bereits sehr wachsam auf die Symptome reagiert hast.
    Dass Du Dich zum Beispiel um die Tiere Deines Partners kümmerst, solange er abwesend ist, hat nichts mit Co-Abhängigkeit zu tun, sondern ist in Beziehungen und Freundschaften ein völlig normales Verständnis. Wenn Du seine Wohnung aufgeräumt hast, dann wäre es – was aber wahrscheinlich schon aufgrund der Tiere nicht geht? – richtig gewesen, ihm „seinen Saustall“ bei seinem Wiederkommen vor Augen zu führen, damit er selbst erkennen kann, wie tief er schon in der Sucht drinsteckt.
    Würdest Du aber weiterhin für ihn all die Dinge und Angelegenheiten erledigen, die er aufgrund seiner Sucht nicht selbst erledigen kann, dann wäre es bedenklich. Ebenso, wenn Du ihn mit Alkoholika versorgen würdest, weil er selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.

    Wichtig ist bei allem, mit oder ohne Partnerschaft, dass Du jetzt, wo Du Deine eigene Problematik erkannt hast, Dich vor allem um Dich selbst kümmerst und beizeiten aktiv Maßnahmen ergreifst, die Dich vor einem erneuten Rückfall in die Sucht bewahren.
    Sicher hast Du Dich hier schon ein wenig eingelesen. Dann wirst Du festgestellt haben, dass erfahrene trockene Alkoholiker empfehlen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Dort triffst Du durchweg auf Betroffene, die dasselbe Problem haben und gemeinsam versuchen, es miteinander auf- und abzuarbeiten. Außerdem bekommst Du dort ganz reale und konkrete Tipps und Erfahrungen mitgeteilt, wie andere damit fertiggeworden sind.

    Ich wünsche Dir einen tollen, weiterführenden Austausch hier im Forum!
    Ich wünsche Dir einen guten und weiterführenden Austausch hier!

  • Guten Morgen, Birgit, Gerchla und Dietmar.

    Ich bin ganz gerührt von euren Antworten. Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, wie "normal" ihr mit diesem doch sehr schambehafteten Thema umgeht.
    Irgendwie denkt doch jeder, mir kann das nicht passieren. Als Bild hat man dabei den alkoholkranken Penner auf der Straße vor Augen. Und eines Tages wacht man auf und fragt sich :"Wie konnte MIR das bloß passieren?".

    Vor einem halben Jahr brachte ich meinen Partner im Vollsuff in Gefahr. Wir buchten einen Motorbootsurlaub auf einem Binnensee. Eines abends, als ich volltrunken war, bekam ich es im Kopf und wollte das vor Anker liegende Boot weiterfahren. Das Problem an der Sache war neben dem alkoholisierten Fahren, dass mein Partner sich noch im Wasser aufhielt. Aufmerksame Beobachter riefen Gott sei Dank die Wasserschutzpolizei. So wurde meinem Treiben schnell ein Ende bereitet.
    Ich bin mit einem eingestellten Verfahren wegen geringer Schuldfähigkeit davon gekommen aber der Schock sitzt heute noch tief. Was hätte alles passieren können :(


    Das war der Zeitpunkt an dem ich begann, mich im Internet mit der Problematik Alkoholismus zu befassen. Denn obwohl ich nicht mehr trinken wollte und es auch außerhalb der Wohnung vermiet, war es mir nicht möglich, abends keinen Alkohol zu trinken. Wie Gerchla geschrieben hat, habe ich dann nachlesen, dass weit vor den allgemein bekannten Anzeichen wie zittrigen Händen eine Alkoholkrankheit vorliegen kann - nämlich die seelische Abhängigkeit.

    Deine Frage Birgit, was mir der Alkohol gibt, regt mich daher sehr zum Nachdenken an. Ich glaube, ich will so den Verlust eines meiner Kinder und eine darauf folgende Trennung zum Kindesvater vergessen. Ich trinke mir die Gedanken einfach weg. Zuerst trank ich ja alleine und erst später kam dann mein Partner hinzu. Ich glaube, es haben sich einfach 2 Menschen gefunden, die unkompliziert miteinander trinken können. Keiner hinterfragt und akzeptiert das, was man eigentlich nicht akzeptieren sollte ... alkoholbedingtes Fehlverhalten.

    Dietmar, der Link zur Definition "Co-Abhängigkeit" ist übrigens klasse. Ich habe schon einiges darüber nachgelesen, aber so verständlich habe ich es noch nicht vorgefunden. Ich gebe dir recht, auch ich denke jetzt, dass bei mir keine Co-Abhängigkeit vorliegt. Ich habe eigentlich nur aufgeräumt, weil ich die Wochen in seiner Wohnung verbringen muss. Und so hätte sich das keiner angetan.
    Es ist vielleicht sehr egoistisch, aber ich glaube, dass meine Kraft nur für mich reichen wird. Ich kann ihn nicht überzeugen uns gemeinsam Hilfe zu holen.

    Ich habe meinen Partner angeboten, mit mir in die SHG zu gehen (nicht ganz selbstlos, denn mir fehlt die stützende Hand beim ersten Mal). Aber er zeigt wirklich keine Einsicht. Nicht einmal meinetwegen würde er eine SHG aufsuchen. Für ihn haben wir noch alles im Griff; können weniger trinken, mein Verhalten auf See sei nur eine Ausnahme gewesen, sowas würde sich nicht wiederholen.
    Ich glaube, mein Partner ist noch nicht weit genug gefallen um endlich wieder aufstehen zu wollen.

    Es fällt mir ehrlich gesagt auch noch sehr schwer, einen Sinn in diesem, meinen Leben sehen zu können. Worte wie."das Leben ist auch ohne Alkohol schön" sind im Moment noch so weit weg. Deshalb macht es mir gerade richtig Mut, deinen Werdegang zu lesen, Gerchla. Vielleicht auch weil ich vor einigen Jahren selber noch Marathon gelaufen bin, da kommen eigene, schöne Erinnerungen hoch.

    Ich frage mich nur, woher habt ihr euren Mut genommen, alleine in eine SHG zu gehen? Alleine der Gedanke, ich muss mich vor all den Leuten hinstellen und sagen, wer und vor allen was (Alkoholikerin) ich bin, macht mir Angst.

    Ich danke euch sehr , für eure positiven, wirklich mutmachenden Beiträge und die vielen Anregungen, über die ich nachdenken kann.

    herzliche Guten Morgen Grüße

    Katerle66

  • Liebes Katerle,

    ich bewundere wirklich Deine klaren und strukturierten Gedanken. Was Du schreibst hat für mich Hand und Fuß und ich lese einen Menschen, der aus meiner Sicht absolut so weit ist, um dem Alkohol auf Dauer lebewohl zu sagen. Ich versuche jetzt mal zu ein paar Äußerungen von Dir meine Sicht darzustellen:

    Zitat

    Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, wie "normal" ihr mit diesem doch sehr schambehafteten Thema umgeht.


    Weißt Du, wir haben das doch alles schon durch. Und natürlich habe ich (und ich denke die meisten Mitschreiber auch) mich geschämt. Und genau diese Scham war bei mir lange mit ein Grund, warum ich von dem Zeug nicht losgekommen bin. Da ich ja heimlich trank, wollte ich auch heimlich aufhören. Dann wäre das mit dem Schämen nicht so schllimm geworden weil ja keiner mitbekommen hätte, dass ich ein Trinker war. Aber so funktioniert es leider nicht. Mag Ausnahmen geben, aber ich denke eher sehr wenige. Irgendwann kommt man mal zu dem Thema "Outing". Also, wem sagt man, dass man Alkoholiker ist und wo lässt man es besser. Ich habe es damals erst mal meiner Familie gesagt, also Eltern und Geschwister und dann auch allen meinen engere Freunden. Letztlich hat mir mein bester Freund, den ich schon mein Leben lang kenne und der aus allen Wolken gefallen ist, dann auch sehr geholfen. Eben durch zahlreiche Gespräche und durch seine Einschätzung, die wiederum ganz anders war als das, was z. B. vom Psychologen kam. Est tut gut und es ist gut darüber zu sprechen. Die Scham lässt nach wenn man erkannt hat, dass man krank ist und das Alkoholismus nichts mit Willenschwäche o. ä. zu tun hat. Und irgendwann kann man auch zu dem Punkt kommen, dass man selbstbewust dazu steht, denn man ist immerhin auch einer von den wenigen, die etwas gegen diese Krankheit unternehmen. Du weißt ja, dass die meisten Alkoholiker nicht raus kommen aus ihrem Suchtkreislauf, leider.

    Zitat

    Ich frage mich nur, woher habt ihr euren Mut genommen, alleine in eine SHG zu gehen? Alleine der Gedanke, ich muss mich vor all den Leuten hinstellen und sagen, wer und vor allen was (Alkoholikerin) ich bin, macht mir Angst.


    Vielleicht hast Du eine etwas falsche Vorstellung von einer SHG. Ich bin da jetzt nicht der absolute Fachmann, da können Dir z. B. Dietmar oder Greenfox sicher mehr zu sagen, aber als ich damals in der SHG "aufschlug", musste ich gar nix sagen. Also, ich hatte ein 4 Augengespräch mit dem Gruppenleiter vor meiner ersten Teilnahme, wo ich halt erzählt habe was ich damals eben erzählen wollte. Er hat mir keinerlei Fragen gestellt, es war also meine eigenen Entscheidung wieviel ich preis geben wollte. Und in der Sitzung haben dann alle anderen von sich erzählt. Also bei mir war das eine AA-Gruppe, das ist eine Monologgruppe. Dort spricht wer möchte aber die anderen nehmen dazu keine Stellung. Es wird also nicht diskutiert dort. Das muss man mögen - ehrlich gesagt bin ich irgendwann dann auch raus aus der Gruppe, weil ich gemerkt habe, dass es mich nicht weiter bringt. Es war goldrichtig, dass ich dort sofort hin bin, auf Dauer habe ich dann andere Wege gefunden. Möglicherweise wäre sogar eine Gruppe in der diskutiert wird besser für mich gewesen. Was will ich Dir damit sagen? Du brauchst überhaupt keine Angst haben, wirklich nicht. Du bist der Chef äh die Chefin. Du kannst jederzeit gehen, niemand kann Dich zu etwas zwingen und es würde mich wundern, wenn jemand das überhaupt versuchen würde. Normalerweise triffst Du dort auf Menschen, die ganz genau wissen wie es Dir geht - also genau wie hier auch! Sei mutig! Probier es aus - dann wirst Du sehen ob es was für Dich ist oder auch nicht.

    Zitat

    Ich glaube, ich will so den Verlust eines meiner Kinder und eine darauf folgende Trennung zum Kindesvater vergessen. Ich trinke mir die Gedanken einfach weg.


    Oh, das tut mir sehr leid, dass Du so einen schweren Schicksalsschlag erleiden musstest. So etwas schlimmes zu verarbeiten ist nicht einfach, wir machen das in unserer Familie gerade ebenfalls durch. D.h. hier betrifft es jetzt mehr die Seite meiner Frau aber wir sehen wie die Menschen leiden und sind selbst natürlich auch nicht unbeteiligt. Das ist schlimm....
    Du wirst es bemerkt haben, der Alkohol hilft nicht. Er hilft bestenfalls temporär, in dem Moment wo Du Dich eben gerade wegbeamst. Aber das hält ja nicht ewig und letztlich wird es immer schlimmer weil dann ja andere Probleme dazu kommen. Man wird krank dabei, einerseits süchtig und anderseits fehlt die Aufarbeitung der eigentlichen Ursache. Denn solange man trinkt kann man nix aufarbeiten.

    Zitat

    Ich gebe dir recht, auch ich denke jetzt, dass bei mir keine Co-Abhängigkeit vorliegt


    Ich glaube auch, dass Du dieses Problem nicht hast. Ich denke Du kannst Dich voll auf Deine Alkoholabhängigkeit konzentrieren. In diesem Fall sogar ein Vorteil, weil Du nur eine Baustelle hast. Ähm, ja ich weiß, es ist eine große Baustelle aber die andere Geschichte wäre dann nochmal genauso groß.

    Zitat

    Es ist vielleicht sehr egoistisch, aber ich glaube, dass meine Kraft nur für mich reichen wird. Ich kann ihn nicht überzeugen uns gemeinsam Hilfe zu holen.


    Das ist nicht egistisch, sondern gesund. Genau so ist es nämlich. Du bist für Dich verantwortlich, er ist für sich verantwortlich. Hilfsangebote gibt es zur Genüge, man muss sich nur darauf einlassen und sie annehmen. Du wirst Deine Kraft für Dich brauchen. Es ist nicht leicht aus der Sucht heraus zu kommen, da wirst Du einiges investieren müssen an Kraft und Energie. Aber Du wirst das schaffen, Du kannst das auf jeden Fall schaffen. Und er, er muss für sich entscheiden was er tun will, ob er auch raus will oder ob er weiter trinken will. Er ist ein erwachsnener Mann mit freiem Willen. Das ist nicht Dein Ding.

    Zitat

    Aber er zeigt wirklich keine Einsicht. Nicht einmal meinetwegen würde er eine SHG aufsuchen.


    Das unterstreicht das oben Geschriebene nur noch. Also verigss es. Selbst wenn er deinetwegen hin gehen würde wäre es der falsche Ansatz. Er muss es für sich tun, nur für sich und nicht für Dich. Es ist immer schlecht für jemanden anderen trocken werden zu wollen. Denn das liefert dann wieder viele Gründe zum erneuten Trinken, z. B. wenn der andere für den man trocken wurde, nicht so tut wie man das möchte... das kann auf Dauer nicht gut funktionieren.

    Zitat


    Es fällt mir ehrlich gesagt auch noch sehr schwer, einen Sinn in diesem, meinen Leben sehen zu können. Worte wie."das Leben ist auch ohne Alkohol schön" sind im Moment noch so weit weg


    Also, Du stehst jetzt mal ganz am Anfang. Vergiss das nicht. Gib Dir Zeit, das ist wichtig. Fange jetzt an zu reflektieren, Du kannst das, sonst könntest Du nicht so schreiben wie Du das tust. Da helfen eben die von mir schon geschilderten Gespräche mit wem auch immer sehr. Reflektiere Deine Sucht, Dein Leben. Wer bist Du? Wer willst Du sein? Was erwartest Du von Dir und Deinem Leben? Warum bist Du da wo Du jetzt bist und fühlt sich das gut an? Welche Vorteile hat Dir der Alkohol gebracht? Wo wirst Du sein, wenn Du noch weiter trinkst, welche Vorteile würdest Du da dann sehen?

    Nur mal ein paar Beispiele. Ich habe mir diese und ähnliche Fragen immer und immer wieder gestellt und immer und immer wieder beantwortet. Das Ergebnis war, dass mir der Alkohol überhaupt keine Vorteile gebracht hat. Ich trank noch nicht mal, weil es mir so gut gescheckt hätte (Stichwort: Genusstrinker und ich muss auf diesen Genuss nun verzichten). Ich war schon in meiner Jugend als ich noch gar kein Problem hatte, immer Wirkungstrinker, vielleicht ganz am Anfang Gesellschaftsmittrinker, weil's cool war und dazu gehörte. Aber dann immer Wirkungstrinker. Und ich habe natürlich nicht vergessen, wie viele schöne Momente und Erlebnisse ich mit Alkohol hatte. Was hatten wir für tolle Feiern, was haben für lustige Dialoge geführt, was haben wir betrunken philosophiert und uns dabei halb tot gelacht. Ja, lustig wars..... bevor ich süchtig wurde!!!!

    Und ich durfte später lernen, also nachdem ich trocken wurde, dass ich das jetzt alles tatsächlich wieder habe. Es ging verloren in meiner akuten Trinkerzeit, da war nämlich nix mehr lustig, da gab's keine tiefgründigen Gespräche mehr etc. Aber jetzt, jetzt habe ich das alles wieder. Ohne Alkohol, das geht nämlich auch. Es geht sogar besser. Es ist wunderbar, glaube mir.

    Aber da braucht es Zeit für. Das meine ich mit Aufarbeiten. Wenn Du aufhörst zu trinken ist Dein Hirn noch nass. Deine Gedanken sind noch nass. Du kannst nicht einfach umswitchen. Genau so funktioniert ja das miese Suchthirn: es liefert Dir jetzt fadenscheinige Gründe warum Du doch wieder trinken solltest. Es versucht Dir klar zu machen, dass die Welt ohne Alkohol ja gar nicht auszuhalten ist. Verstehst Du, genau das ist die Sucht. Mies und hinterhältig ist sie, und verlogen bis ins letzte Glied.
    Du musst das trockene Denken und Verhalten neu lernen. Ich habe das am Anfang sehr kopfgesteuert gemacht. Um so länger das Aufarbeiten andauerte (es dauert immer noch an, in anderer Form), umso intuitiver wurden die Gedanken und das Verhalten. Also ich meine damit, wo ich anfangs bewusst denken musste: "das ist jetzt ein nasses Verhalten", da änderte sich das mit der Zeit und die Gedanken kamen von selbst "trocken". Ach es ist schwer zu erklären. Gib Dir unbedingt Zeit und arbeite unbedingt auf - dann hast Du sehr gute Chancen.

    Zitat

    Vielleicht auch weil ich vor einigen Jahren selber noch Marathon gelaufen bin, da kommen eigene, schöne Erinnerungen hoch.


    Da kannst Du wieder hin kommen. Gib Dir Zeit. Laufen war immer meine Leidenschaft. Dann kam die Sucht und damit verbunden auch eine enorme Gewichtszunahme. Fast 20 Jahre bin ich dann nicht mehr gelaufen, wie auch. Dauernd besoffen....
    Als ich trocken wurde habe ich bewusst nicht sofort wieder angefangen. Ich hatte Angst durch das Laufen könnte ich meine Sucht verdrängen. Also die Erfolge beim Laufen, die sich ja sehr schnell durch mehr Ausdauer, schnellere Zeiten usw. einstellen, diese Euphorie die das in mir auslöst, das hätte meine Aufarbeitung behindern können. Ich hatte also echt Angst, dass ich übers Laufen das Aufarbeiten meiner Sucht aus den Augen verlieren. Das versteht jetzt wahrscheinlich nur jemand, der selbst Läufer ist und weiß, was einem dieser Sport geben kann. Mein Ziel war es, wieder laufen zu können. Mein Ziel war es aber auch, wenn ich z. B. irgendwann mal z. B. gesundheitsbedingt nicht mehr Laufen kann, nicht in ein Loch zu fallen und dann den Alkohol im Kopf zu haben. Und genau deshalb wollte ich das Kapitel Alkohol vorher abgearbeitet wissen.

    Puuuh, soviel Geschreibsel nur wegen dem Laufen. Du wirst verstehen was ich meine, da bin ich sicher.

    Also, hab Mut und gibt Dir auch gleichzeitig Zeit. Es wird, ich bin sicher.

    LG
    gerchla

  • Hallo Gerchla, vielen Dank für die Zeit, die du dir für mich hier nimmst.

    Meine Informationen zur SHG begrenzen sich aus dem, was ich aus dem Internet zu dieser einen SHG lesen konnte. Da hieß es

    „… Man sitzt auf Sesseln um einen niedrigen Tisch in einem hellen und gemütlichen Raum. Es gibt verschiedene Sorten von Erfrischungsgetränken. Zu Beginn stellt sich jeder Anwesende mit seinem Vornamen vor, sagt, ob er Alkoholiker oder Angehöriger ist und wie er sich gerade fühlt. … Der Abend endet, indem jeder Teilnehmer ein Feedback über den Abend gibt…„

    Und diesen Ablauf stelle ich mir für mich persönlich wirklich, wirklich sehr schwer vor. Vielleicht schaue ich mir da noch einmal Alternativen an.

    Ich habe mich jetzt ein wenig hier im Forum „durchgelesen“ und bin auch über Anteile deiner Geschichte gestolpert. Du läufst also auch Marathon und Halbmarathon, warst früher – vor deinem Alkoholmissbrauch – schon läuferisch unterwegs. Und daher schätzt du den läuferischen Aspekt meiner Meinung nach auch sehr richtig ein. Beim Laufen verfällt man in einen rauschähnlichen Zustand voller Glücksgefühle. Das würde mich wohl eher von ALLEM anderen ablenken. Abgesehen davon, dass ich mit 20 kg Gewichtszunahme ohnehin nicht laufen würde/könnte. Ich werde an der Ursache arbeiten müssen, ansonsten sind Rückfälle garantiert, dass weiß ich.

    Aber nun habe ich seit 10 Tagen ja schon nichts mehr getrunken. Allerdings muss ich trotzdem langfristig noch irgendwas finden, was die freigewordene Zeit füllt. Freunde, andere als die die ebenfalls trinken habe ich nicht mehr. Für Hobbys war auch keine Zeit mehr, anderer Sport – na ja  Da ist eine Menge wieder aufzubauen.
    Im Moment ist das aber nicht so wirklich möglich. Ich bin so wahnsinnig müde …

    Gestern habe ich es trotzdem zu einem Miniouting geschafft (ein Anfang ist getan). Ich habe bald Geburtstag und meine jüngste Tochter (24) bekam von einem Kunden eine Flasche besonderen Likör und ein Glas selbstangelegten Rumtopf für mich mit. Der Aufhänger war gut und wir redeten lange über meine Befürchtung, Alkoholikerin zu sein. Sie bestätigte aus ihrer Sicht meinen katastrophalen Umgang mit Alkohol (soviel dazu, dass das Umfeld nichts mitbekommt).

    Es ist noch ein weiter Weg, aber ich bin wirklich fest entschlossen ihn jetzt zu gehen. Ich werde mich hier weiterhin noch ein wenig vorbereiten und austauschen. Wissen erleichtert meiner Meinung nach den Anfang ungemein. Außerdem hilft es mir, keine Ausreden zuzulassen. Hier lese ich die Ausreden und Beschwichtigungen, die mir auch tagtäglich durch den Kopf huschen ("ist doch nur ein Glas", "morgen fängst du eben wieder bei null an", "du hast es so lange geschafft nichts zu trinken, vielleicht ist ja doch noch alles im grünen Bereich", etc) .

    FALSCH!!! Wenn ich kein Problem hätte, würde ich nicht mehr an Alkohol denken.


    @ Birgit

    Ich las auch deine Geschichte. 22 Jahre abstinent. Wow … eine so lange Zeit und wie du sagt, auch schöne Zeit. Ich gratuliere dir dazu.

    In Bezug auf deinen Umgang mit Alkohol kann ich dir (leider) nichts schreiben.

    Aber ich verstehe sehr gut, in welchem Zwiespalt du dich bzgl. deines Mannes befinden musst. Ich selber war mein Leben lang verheiratet, hatte eine ganz bezaubernde Familie...

    Da fällt es schwer, sich auch nur im Ansatz ein Leben ohne diese Menschen vorstellen zu können.
    Vielleicht wäre es aber ein Kompromiss, den Gedanken an eine räumliche Trennung zuzulassen. So könntest du dich vielleicht etwas von dem Alkoholkonsum deines Mannes distanzieren, dich dadurch besser schützen. Man redet ja immer so schnell von Trennung dabei ist dazwischen ja noch so viel anderes möglich.

    Mein Vater war auch Alkoholiker. Ein sehr ruhiger, zurückgezogener Mensch, der frühzeitig in den Ruhestand versetzt wurde. Wir waren finanziell gut gestellt, so dass meine Mutter ihn bis zu seinem Tode alleine häuslich pflegen und auch mit Alkohol versorgen konnte.
    Sie ist seit 12 Jahren neu liiert und genießt erst jetzt ihr Leben in vollen Zügen. Es war ihr vergönnt all das, was sie zu Zeiten meines Vaters verpasst hat, noch nachholen zu können (über Reisen, Freunde und Verwandte besuchen, Sportverein bis hin zur eigenen Fußpflege). Ich als Tochter hätte es ihr viel, viel früher gegönnt.

    Vielleicht kann ich mir deshalb auch nicht vorstellen, meinem Lebenspartner selbstlos und aufopfernd auf seinem Weg zu begleiten, wenn er beim Trinken bleibt. Ich hoffe natürlich, dass er noch einsichtig wird. Aber letztendlich ist jeder nur für sein eigenes Leben verantwortlich. Ich würde meine Konsequenzen aus seiner Entscheidung ziehen (müssen).

    Ich wünsche dir sehr, dass du einen guten Weg für dich findest und vor allen Dingen trocken bleibst.

    Seid beide herzlichst gegrüßt

    Katerle66

  • Hallo, Katerle, und auch von mir nachträglich ein HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum!

    Auch wenn ich bisher nichts schrieb - ich habe mitgelesen.

    Kurz zu mir: männlicher Berliner, Ü50, Alkoholiker, seit einigen Jahren trocken.

    Und zum Thema SHG


    Meine Informationen zur SHG begrenzen sich aus dem, was ich aus dem Internet zu dieser einen SHG lesen konnte. Da hieß es

    „… Man sitzt auf Sesseln um einen niedrigen Tisch in einem hellen und gemütlichen Raum. Es gibt verschiedene Sorten von Erfrischungsgetränken. Zu Beginn stellt sich jeder Anwesende mit seinem Vornamen vor, sagt, ob er Alkoholiker oder Angehöriger ist und wie er sich gerade fühlt. … Der Abend endet, indem jeder Teilnehmer ein Feedback über den Abend gibt…„

    Und diesen Ablauf stelle ich mir für mich persönlich wirklich, wirklich sehr schwer vor. Vielleicht schaue ich mir da noch einmal Alternativen an.

    kann ich Dir wirklich nur raten, Alternativen anzuschauen. Aber im realen Leben! Denn irgendwelche Beschreibungen im Internet sind das Eine - das persönliche Erleben etwas völlig anderes.
    Natürlich ist es in dieser Beziehung schade, dass Du auf dem Dorf wohnst. Denn es ist natürlich besser, wenn man mehrere Gruppen zur Auswahl hat. Schließlich gibt es ja die unterschiedlichsten Gruppenformen - Monolog-, Dialog-Gruppen, angeleitete Gruppen, reine Betroffenen-Gruppen etc.
    Zum Thema SHG habe ich mich mal hier ausführlich "ausgelassen".

    Die Schilderung ... hört sich für mich erstmal schlimmer an, als es vermutlich ist. Wahrscheinlich, weil ich nun schon fast 10 Jahre Gruppenerfahrung habe.
    Wenn Du mal hingehst und es Dir live anschaust, kannst Du Dir ja, falls es wirklich so schrecklich steif zugeht, immernoch eine andere Gruppe suchen ...

    Zu einem anderen Thema wollte ich auch ebventuell etwas schreiben - hat sich aber inzwischen erledigt ;)

    Gestern habe ich es trotzdem zu einem Miniouting geschafft (ein Anfang ist getan). Ich habe bald Geburtstag und meine jüngste Tochter (24) ... Der Aufhänger war gut und wir redeten lange über meine Befürchtung, Alkoholikerin zu sein. Sie bestätigte aus ihrer Sicht meinen katastrophalen Umgang mit Alkohol (soviel dazu, dass das Umfeld nichts mitbekommt).

    Und - war dieses Gespräch (wie ich glaube) befreiend? Für Euch beide? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unheimlich hilfreich und erleichternd sein kann, sich den ganzen Ballast mal von der Seele zu reden. Das kann mit einem Angehörigen sein oder in einer SHG. Wobei es MIR in der Gruppe leichter fiel - man trifft sich, redet, kotzt sich u.U. aus und geht wieder auseinander. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

    So, das soll erst mal reichen.

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Hallo Greenfox,

    lieben Dank auch für deinen Willkommensgruß.

    Du wurdest mir schon als einer von zwei Fachmännern in Bezug auf das Thema SHG genannt. Toll, dass du mir den Link geschickt hast. Der Post ist sehr, sehr informativ.

    Es bekräftigt meine positive Einschätzung zu SHG im Allgemeinen. Das das Angebot bei uns im Dorf etwas spärlich ist, ist ja irgendwie verständlich und nachvollziehbar. Deshalb habe ich mich auch schon im näheren Umfeld umgesehen und da ist das Angebot doch deutlich größer.
    Ich bin eigentlich auch Therapieerfahren (in Bezug auf Trauer) und kenne daher die Vorzüge sich in einem geschützten Rahmen auszutauschen. Aber das jetzt ist doch noch mal eine ganz andere Herausforderung.

    Ich habe mir vorgenommen, innerhalb der nächsten 14 Tage eine Gruppe aufzusuchen. Mein Ziel ist es ja, gar nichts mehr zu trinken. Nicht heute, nicht morgen und auch in einem Jahr nicht mehr. Und dazu brauche ich Hilfe und Unterstützung.
    Ich weiß, dass der Anfang für mich wohl noch relativ easy war, trockene Tage zwischendurch kenne ich sehr gut. Leider ist der Anfang eines Glas Alkohols für mich der Anfang, bald wieder ohne Limit zu trinken. Da passt die Definition von Alpha- und Gammaalkoholikern ganz gut.


    Da ich im Moment sehr viel im Forum lese, stolpere ich immer wieder über diejenigen unter uns, die bei Feierlichkeiten etc Probleme mit dem "nein" sagen haben. Während meiner Ehe passte für meinen Mann und mich Alkohol nicht in die Kindererziehungsphase, hieß Alkohol wurde niemals getrunken. Wir haben uns stattdessen zu Grillveranstaltungen oder Geburtstagen alkoholfreies Bier mitgenommen oder in Gaststätten eben alkoholfreies Bier bestellt.
    Vielleicht kann der eine oder andere etwas aus meiner Schilderung für sich mitnehmen - so umgingen wir zumindest den üblichen Überredungsversuchen von Freunden.

    Wenn das jetzt ganz fernab der Problematik Alkoholismus ist, dann überliest das einfach. Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit nicht "am Thema vorbei" schreibe. Ich bin einfach noch nicht tief genug in der Materie drin.

    Tag 12 ist nun auch schon fast geschafft und auch der Druck, Trinken zu wollen, ebbt langsam ab.

    Herzliche Grüße

    Katerle

  • Warum sollte das "am Thema vorbei" sein? Es gehört doch dazu, dass man schildert, wie man in einer Situation reagiert, um nicht Alkohol zu trinken/trinken zu müssen/in Versuchung zu kommen.
    Das ist doch Sinn und Zweck einer SHG/des Forums, andere an seinen Erfahrungen partizipieren zu lassen bzw aus den Erfahrungen anderer zu lernen.

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

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    können wir nur selber tun!

  • Ich wünsche einen schönen Guten Morgen ins Forum.

    Lieber Greenfox,

    natürlich ist ein Forum dafür da, u.a. sein Erlerbtes mitzuteilen, damit andere User von meinen Erfahrungen profitieren können (grob vereinfacht dargestellt). Allerdings beruhen meine Schilderungen auf den Umgang mit Alkohol zu gesunden Zeiten. Da stand keine Sucht im Hintergrund, es war unsere Lebensphilosophie.

    Ich lese sehr häufig die Sätze:"Was gibt dir der Alkohol?", "Warum glaubst du konsumieren zu müssen?". Die Ursachen sind ganz unterschiedlich - es gibt den Genußtrinker, den Stresstrinker, den Vergessenstrinker (mich)...

    Auf mich selbst bezogen habe ich mich beim Schreiben gefragt, warum trinkst du eigentlich selber immer Bier MIT Alkohol statt wie früher einfach die alkoholfreie Variante zu wählen?

    Ich kam zu dem Ergebnis, dass ich die Szenarien eigentlich um das Trinken herum plane. D.h. alles was ich mache ist davon abhängig, dass ich dabei trinken kann.
    D.h. treffe ich mich mit Freunden zum Essen, will ich ja dabei Alkohol trinken. Das ist wohl eher der Grund meiner Verabredung zum Essen statt zum Spazierengehen oder zum Treffen bei Kaffee und Kuchen.

    Derjenige, der nicht "nein" sagen kann, hat vielleicht auch eine ganz andere Motivation nicht "nein" sagen zu können.

    Wie gesagt, meine Schilderungen beruhen auf einen gesunden Umgang mit Alkohol der nicht darauf beruhte, dass eine Sucht im Hintergrund stand. Vielleicht ist sie hilfreich, vielleicht auch nicht.

    Jeder kann sich das seinige herausziehen, muss sich damit aber nicht identifizieren. Es ist die Schilderung einer zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht Süchtigen. Deshalb mein Hinweis: Vielleicht am Thema Alkoholismus vorbei".

    Herzlichst

    Luna

  • Die Ursachen sind ganz unterschiedlich - es gibt den Genußtrinker, den Stresstrinker, den Vergessenstrinker (mich)...

    Und den Sowohl-als-auch-Trinker - mich ??? Ich habe sowohl aus Genuß (war aber meist entweder nur die Ausnahme oder der Anfang), zum Stressabbau als auch zum Vergessen getrunken. Zum Schluß war es aber egal - Hauptsache trinken, die Nerven beruhigen, die Entzugserscheinungen :(
    Auch ich habe im Nachhinein festgestellt, dass ich meine Aktivitäten nach dem Alkohol ausgerichtet habe - Ausflüge, Wanderungen nur dorthin bzw. da entlang, wo es genügend Zwischenstopps/Möglichkeiten gab, um den Pegel wieder aufzufüllen, Feierlichkeiten durften nicht zu lange dauern oder zu weit weg sein, damit ich rechtzeitig nach Hause kam (auf Feiern habe ich mich arg zurückgehalten, auch weil ich meist mit dem Auto unterwegs war und zu Hause dann erstmal "tanken" musste) und, und, und ...
    Ist schon erschreckend (für mich war es das jedenfalls), wenn man im Nachhinein auf sein Verhalten zurückschaut und die ganze Planung, Logistik registriert ...

    Ach, was bin ich froh und zufrieden, dass ich mir DAS nicht mehr antun muss :D :sun:

    Allen ein schönes Wochenende!

    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Zitat

    Ist schon erschreckend (für mich war es das jedenfalls), wenn man im Nachhinein auf sein Verhalten zurückschaut und die ganze Planung, Logistik registriert ...

    Wahrlich wahr: Spitzen-Suchtmanager mal ganz anders betrachtet :wall:

  • ... und genau das habe ich befürchtet.

    Ein Streit am Wochenende und ich trinke ... Tag 13 ist nicht geschafft :(

    Im Übrigen - ich bin auch der "Sucht"managertyp, der mal ganz anders betrachtet werden möchte.

    Herzliche Grüße

    Katerle

  • Oje, Katerle!

    Vielleicht willst du uns die Ursache des Trinkens näher beschreiben?
    Hey, die wenigsten von uns haben es beim ersten Mal geschafft. Ich halt sicher nicht.
    Wichtig ist nun den genauen Grund herauszufinden was oder welche Dinge das berühmte Fass diesmal zum Überlaufen gebracht haben...
    Bedenke: du bist nicht für die Tiere und die Wohnung deines Partners verantwortlich!
    Stressfaktoren reduzieren- alles was geht!

    Das Allerwichtigste ist nun nicht in negativen Gedanken zu versinken. Du hast heute eine Entscheidung getroffen, morgen triff eine andere ;)

    Einen lieben Gruß
    Xandi

  • Bedenke: du bist nicht für die Tiere und die Wohnung deines Partners verantwortlich!
    Stressfaktoren reduzieren- alles was geht!

    Das Allerwichtigste ist nun nicht in negativen Gedanken zu versinken. Du hast heute eine Entscheidung getroffen, morgen triff eine andere ;)

    Das ist so eine schöne Nachricht, Xandi,


    Ich darf mir das einfach nicht weiter antun.
    Abgesehen von seinem Alkoholkonsum sieht sein Kontostand katastrophal aus. Eigentlich hätte ich gestern nur eine Überweisung für ihn machen sollen/wollen. Er war schon mittags am Telefon volltrunken und seine Allgemeineinstellung "ist doch alles egal" hat mich so wütend und gleichzeitig so traurig gemacht ...

    Na gut. Ich lese dich hier und es gibt mir Mut noch einmal anzufangen. Vielen, vielen Dank.

    Der Absturz gestern war (nur) 1/2 Flasche Cognac und viele vergossene Tränen schwer. Ich will es nicht beschönigen aber auch nicht mehr verheimlichen.
    Ich fange heute also wieder mit Tag 1 der zweiten Runde an.


    Herzliche Grüße

    Katerle

  • Suuuuuper!!!!
    Du hast es abgestoppt. Gratulation!!
    Das ist nicht einfach. Sehr gut gemacht. :)

    Sein Kontostand ist nicht dein Problem und seine Überweisungen auch nicht...

    Okay. Tag 1. Und weiter geht's.
    Alles gut.

    Liebe Grüße,
    Xandi

  • Hallo Katerle,

    Zitat

    Ein Streit am Wochenende und ich trinke ... Tag 13 ist nicht geschafft :(


    Ich sehe das mal so: Niemand hat gesagt das es einfach wird!

    Schlimm wäre es, wenn Du Dich jetzt unterkriegen lässt. Aber wie sehe bzw. lese bist Du bereits dabei neu Anlauf zu nehmen. Sehr gut.

    Du konntest also Deinen festen Vorsatz nicht mehr trinken zu wollen nicht einhalten. Ok, wenn das so einfach wäre, dann wäre dieses Forum hier überflüssig. Das wäre sehr schön, ist aber nicht so. Es geht um eine Sucht und davon los zu kommen ist eben mitunter ziemlich schwierig.

    Für mich stellen sich jetzt erst mal 2 Fragen:

    Warum hast Du zum Alkohol gegriffen?

    Wie willst Du künftig mit solchen Situationen umgehen?

    Zu 1: Die gelernten Mechanismen haben gegriffen. Die Wirkung von Alkohol ist Dir bekannt, Dein Suchthirn hat ganze Arbeit geleistet. Es gab Streit, Du warst sicher in einer enormen Stresssituation. Wie gelernt hast Du zum Alkohol gegriffen, konntest in dieser besonderen Situation nicht via Vernuft bzw. Verstand gegensteuern. Genau so funktioniert sie ja, die Sucht.
    Was hättest Du statt dessen tun können? In den Wald laufen, Deine Wut und Deinen Frust heraus schreien, und nebenher einen Liter Wasser trinken. Ob das bei Dir funktioniert hätte weiß ich nicht. Mir geht es nur darum, dass Du einen Plan brauchst mit solchen Dingen umzugehen.

    Damit wären wir bei Punkt 2.
    Was auch immer Dir hilft, pack es in einen Notfallkoffer. Also ein Koffer, den Du immer sofort zur Hand nimmst, wenn der Druck zu trinken kommt. Das kann z. B. auch sein, dass Du sofort einen Menschen anrufst, der Bescheid weiß und mit dem Du dann sprechen kannst. Oder aber Du läuft in den Wald.... oder was auch immer. Nur Alkohol trinken solltest Du nicht.

    Ich bin immer noch sicher, dass Du da raus kommen kannst. Gib Deine Pläne jetzt nicht auf. Lerne aus diesen Vorfall. Besuche diese SHG, Du hast es Dir ja vorgenommen. Überlege wie Du mit Deinem Outing weiter vorgehen möchtest. Und arbeite auf, ich weiß, das ist immer die gleiche Leier bei mir. Aber wenn Du das machst, wirst Du auf lange Sicht den Notfallkoffer in die Ecke stellen können. Es braucht halt alles auch bisl Zeit.

    Also bitte bleib dran und lass jetzt den Kopf nicht hängen. Heute ist Tag 2 und ich wünsche Dir, dass Du irgendwann einfach aufhören kannst mit dem Zählen, weil es für Dich normal geworden ist keinen Alkohol mehr zu trinken.

    LG
    gerchla

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