Jürgen1971

  • Hallo
    Ich wollte mich kurz vorstellen. Bin 46 Jahre und Alkoholiger. Ich trinke seit 16 Jahren intensiv Bier.
    Zwar immer mit Wochenlangen Pausen. Aber dann wieder extrem. Nach jetzigen 7 Tage Trinkgelager ca. 10 Bier 0,5/pro Tag. muß jetzt Schluß sein. Das Problem ist, ich esse in der Phase fast nichts und dem entsprechend gehts mir körperlich beschissen. Ich habe jetzt endlich, das ich was ändern muß. Trinke seit gestern nichts mehr. Habe dafür auch gewaltige Probleme. (Körperlich). Es lief schon an Morgen an. 5Bier und dann schlafen. Dann wieder 5 Bier und ab ins Bett. Das war mein Tagesablauf.

  • Guten Morgen Jürgen,


    erst mal herzlich Willkommen bei uns im Forum.


    Ich bin Alkoholiker, Mitte 40 und ein paar Jahre trocken.


    Ich glaube es wäre sinnvoll, wenn Du für Dich einen eigenen Thread beginnen würdest, im Vorstellungsbereich. Das ist ja hier der Thread von "Zweiradler" und ich denke Du hättest sicher gern Deinen eigenen wo wir expliziert mit Dir zu Deinen Fragen schreiben können. Vielleicht kopierst Du einfach Deine Vorstellung "hinüber" in Deinen eigenen Thread.


    Ist jetzt ne blöde Einleitung weil Du bist ja hier, weil Du ein Alkoholproblem hast und Dich austauschen willst. Und Du bist hier bei uns ganz richtig, um mal auf das eigentliche, wichtige Thema zurück zu kommen.


    Hast Du denn schon konkrete Pläne wie Du vom Alkohol weg kommen willst? Ich meine außer das Du sagst: Jetzt ist schluss! Wirst Du eine Suchtberatung aufsuchen? Deinen Arzt einweihen? Beides sind meiner Meinung nach recht gute Vorgehensweisen die einem sehr viel Hilfe beim Ausstieg geben.


    Auf jeden Fall wünsche ich Dir einen guten Austausch hier im Forum und freue mich wieder von Dir zu lesen.


    LG
    gerchla

  • Guten Morgen Jürgen!


    Ich habe mal Deine Vorstellung von Zweiradlers Thread abgetrennt.


    Und auch ich möchte erstmal HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum heissen :welcome:


    Wie Gerchla bin auch ich Alkoholiker und nun schon ein paar Jahre trocken. Es ist also möglich - und es lohnt sich!


    Hast Du denn schon konkrete Pläne wie Du vom Alkohol weg kommen willst? Ich meine außer das Du sagst: Jetzt ist schluss! Wirst Du eine Suchtberatung aufsuchen? Deinen Arzt einweihen? Beides sind meiner Meinung nach recht gute Vorgehensweisen die einem sehr viel Hilfe beim Ausstieg geben.


    Diesen Fragen kann ich mich nur anschließen. Auch wenn Du schreibst, dass Du hier schon intensiv mitgelesen hast, möchte ich Dir doch 2 Rubriken ans Herz legen/empfehlen:
    Zum Einen unsere Linksammlung und zum anderen "Wer hilft mir"
    Dort findest Du auch viele weiterführende Informationen.


    Wäre schön, mehr von Dir zu lesen!


    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Danke für eure Rückmeldung. Als erstes will ich eine Suchtberatungaufsuchen und mir alles anhören.
    Einen Arzt meines Vertrauens habe ich leider noch nicht. Da ich erst umgezogen bin. Aber mein festes Umfeld, weiß von meinen Problem und werden mich mit meinen Vorhaben voll unterstützen.

  • Zitat

    Aber mein festes Umfeld, weiß von meinen Problem und werden mich mit meinen Vorhaben voll unterstützen.


    Das finde ich sehr gut. Das bedeutet ja, dass Du Dich dort bereits als Alkoholiker geoutet hast. Dieses zugeben, dass man ein massives Problem hat bzw. Alkoholiker ist/sein könnte ist oft eine große Hürde. Ich denke aber (aus eigener Erfahrung), dass es sehr wichtig ist sein näheres Umfeld darüber zu informieren.


    Der Termin bei der Suchtberatung ist ebenfalls sehr hilfreich. Da kannst Du Dir erst mal eine Einschätzung holen und auch das mögliche weitere Vorgehen besprechen. Und Du hast da normalerweise auch jemanden der ziemlich genau weiß wovon er spricht.


    Was den Arzt betrifft: Vielleicht probierst Du einfach mal irgend einen aus. Einen Hausarzt zu dem Du auch gehen würdest/müsstest wenn Du jetzt z. B. eine Krippe hättest. I.d.R. haben die Ärzte schon auch etwas Erfahrung mit Alkoholsucht - es gibt ja ziemlich viele von uns. Zumindest hättest Du jemanden der Dich beim Entzug auch ein wenig begleiten könnte. Und fallst Du körperliche Probleme bekommst weißt Du auch gleich wen Du fragen kannst bzw. es kann vorher abgesprochen werden was wie und wann.


    Aus meiner Sicht ist es auf jeden Fall wichtig, dass Du Dich mit Deiner Krankheit / Deiner Trinkerei auseinander setzt. Nur nichts mehr trinken reicht i. d. R. nicht aus um dauerhaft etwas zu verändern. Ich habe das oft versucht und bin immer gescheitert. Das große Problem an der Alkoholsucht ist eben die psychische Abhängigkeit die meist bereits lange vor der körperlichen entsteht und die nach Beendigung der körperlichen Abhängigkeit (durch Entgiftung und Entzug) einfach bestehen bleibt. Ein Leben lang, leider. Aber, die Krankheit kann zwar nicht geheilt werden, wohl aber gestoppt. Und das muss das Ziel sein - dafür muss an der Psyche gearbeitet werden. Ich denke Du wirst da bei der Suchtberatung auch einiges Erfahren.


    Alles Gute und bis bald


    LG
    gerchla

  • Ja, so sehe ich es auch.Aber meine körperlichen Probleme sind jetzt am 2.Tag extrem weniger geworden. Das soll nicht heißen. Na also geht doch wieder

  • Zitat

    Ich bin dann einfach ein anderer Mensch, der alles vernachläßigt. Und der Mensch will ich zu100% nicht mehr sein.


    Eine gute Einstellung. Von heute auf morgen geht das nicht, das wirst Du sicher wissen. Ich war am Ende meiner Trinkerzeit ein psychisches und auch körperliches Wrack. Körperlich gesehen hatte ich schon nach ein paar Tagen das Gefühl ich könnte einen ganzen Wald alleine mit der Axt abholzen. Ich hatte das Gefühl mir ginge es gut wie nie. Ich kam ja aus einer Zeit des jahrelangen kontinuierlichen trinkens. D.h. die letzten Jahre gab es keinen Tag ohne Alkohol, nicht mal wenn ich krank war und z. B. Fieber hatte. 10 - 12 Bier mussten es sein, oft noch Wein dazu. Das täglich und auf diesem Niveau auch ein paar Jahre. Ab und zu vielleicht mal "nur" 8 Bier. Aber ok - ich war einfach ein Wrack und hatte sehr sehr großes Glück, dass mir körperlich nix geblieben ist.


    Ich erinnere mich, dass ich schon nach drei oder vier wochen 6 Kilo abgenommen hatte. Einfach nur durch das Weglassen von Alkohol um statt dessen Wasser zu trinken. Ohne Ernährungsumstellung oder so. Ich fühlte mich so gut, es war fast ein euphorisierendes Gefühl. Wäre da nicht die Psyche gewesen..... Die erholte sich leider nicht von jetzt auf gleich. Da gings zum Arzt und zu Psychologen. Da gings zur Selbsthilfegruppe, da waren zahlreiche Gespräche über viele Monate notwendig.


    Ein meiner damaligen SHG sagte der damalige Gruppenleiter zu mir: Faustregel - Solange Du gesoffen hast, so lange brauchst Du auch bist Du wieder normal bist!


    Naja, vielleicht ist das ein klein wenig zu eng gefasst, aber grundsätzlich ist da schon was dran. Und bei mir sind's jetzt schon ein paar Jahre und ich ertappe mich manchmal immernoch, dass ich Denkweisen habe, die aus meiner nassen Zeit stammen. Selten, immer seltener und ich habe gelernt sie zu reflektieren und sofort wieder daraus zu lernen. Das hat jetzt nix mit Saufdruck oder so zu tun - den hatte ich eigentlich so gut wie nie, nicht mal am Anfang. Aber ich habe eben auch gelernt, dass ein Rückfall immer erst im Kopf statt findet, dass zuerst die Gedanken wieder nass werden bevor man dann tatsächlich zum Glas greift. Und da ich einen riesen Respekt vor meiner Sucht habe, bin ich da ziemlich sensibel was meine Denkweisen anbelangt.


    LG
    gerchla

  • O.k, du hast wirklich Glück gehabt. Ist natürlich viel heftiger gewesen. Aber wie du schon sagst, die Psyche ist ganz entscheidend. Und das ist mir voll bewußt. Ich war einmal bei einer Entgiftung und da war es Wurst wieviel jeder getrunken hat. Ich hatte 2 Tage davor jeweils 8 Bier getrunken habe. Und da waren Leute, die 2 Flaschen Schnaps getrunken über 3 Jahre fast täglich getrunken haben. Natürlich waren die körperlich kaputter als ich. Aber in eins waren wir alle gleich. Die Psyche und da macht es keinen Unterschied, wieviel jemand trinkt. Ausnahme natürlich Genußtrinker. Aber selbst sie spielen mit den Teufel Alkohol. Ich hatte dort sehr gute Gespräche mit Mitpatienten. Und die haben mir damals die Augen geöffnet. Aber selbst da habe, ich gedacht. Naja laß sie Reden. Ich mach eine Trinkpause und trinke nur Bier. Da betrifft mich das ja nicht. Doch jetzt habe ich endgültig begriffen, das es auf Dauer oder schon bevor man körperlich eingeschränkt ist, immer der Kopf ist.


    Grüße
    Jürgen

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