Beiträge von Gerchla

    Hallo Johann,

    herzlich Willkommen hier im Forum. Wollte Dich erst mal nur kurz begrüßen und muss mich leider kurz fassen weil ich gerade wenig Zeit habe.

    Ich finde es prima, dass Du Dir diese Gedanken über Deine Sucht machst und Dich hier angemeldet hast. Ich habe einige Gedanken zu dem was Du geschrieben hast, kann aber aus zeitlichen Gründen gerade nicht auf alles eingehen.

    Zwei Dinge möchte ich Dir aber sagen:

    Die Tatsache, dass Du bisher ohne körperliche Symptome entziehen konntest ist kein Garant dafür, dass das auch beim nächsten mal problemlos funktionieren wird. Ich kenne Geschichten von Alkoholikern, die 10 mal problemlos und ohne irgendwelche körperliche Anzeichen ihr Trinkpausen eingelegt haben und beim 11. mal in der Notaufnahme landeten. Aus dem Nichts. Ich denke zwar mal, damit werde ich Dich jetzt nicht davon überzeugen können einen Entzug in einer Klinik zu machen. Sagen will ich Dir das aber trotzdem. Mir war das nämlich damals bei meinem Ausstieg auch nicht so bewusst und leider gibt es auch Fälle, wo es richtig schief geht. Im schlimmsten Fall war's das dann...

    Dann wollte ich Dir noch sagen, dass ich diese Gedanken "jetzt nicht aufhören zu können" auch hatte. Ich hatte immer einen Grund, weshalb ich gerade jetzt nicht aufhören konnte. Beliebt waren hier anstehende Geburtstagsfeiern, Silvester, Weihnachten und Urlaub. Das waren für mich, der ich ja fast meine ganze Trinkerzeit heimlich trank, dann ja auch noch die Anlässe, wo ich mal öffentlich trinken "durfte", ohne meine Tarnung zu verlieren. So hat es sich dann quasi fast nie "rentiert" mit dem Trinken aufzuhören.

    Was da mit Dir passiert, also diese Gedanken, die verantwortet Dein Suchthirn. Die Sucht suggeriert Dir, dass es ohne Alkohol ja gar nicht gehen kann. Wie soll man den mit seinem besten Freund in den Urlaub fahren ohne dann entspannt mit ihm trinken zu können? Grauenvolle Vorstellung, gell? Vielleicht kannst Du wirklich mit Deinem Freund offen darüber sprechen. Ich konnte es mit meinem und er hat mir sehr geholfen. Vielleicht könnt Ihr Euch ja dazu durchringen, einen Urlaub mit wenig und sehr moderatem Alkoholkonsum zu verbringen und Du begibst Dich anschließend in ein Krankenhaus um qualifiziert zu entziehen. Kalt zu entziehen kann ich Dir, wie schon geschrieben, einfach nicht empfehlen.

    Solltest Du es mal schaffen von dem Zeug wegzukommen, was ich Dir sehr wünsche, dann wirst Du viele Dinge ganz anders sehen. Du wirst Dich wundern, was ohne Alkohol alles so geht und Du wirst festellen, dass ALLES auch ohne Alkohol geht. Vielleicht ein wenig anders, jedoch (und das sage ich aus fester Überzeugung) immer intensiver, klarer und deutlich besser als mit Alkohol.

    Jetzt muss ich aber echt weg. Ich werde versuchen, Dir später noch zu schreiben oder morgen.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch hier im Forum

    LG
    gerchla

    Hallo Sonja,

    ich kann Dir keine Tipps geben, wie Du Deinen süchtigen Ex-Freund sensibilisieren könntest. Er ist wahrscheinlich alkoholkrank müsste sich um seine Genesung selbst kümmern, müsste zumindest etwas ändern wollen. Zu dieser ominösen Schulfreundin kann ich Dir auch nichts sagen, außer vielleicht das ich ihr Verhalten als alles andere als normal empfinde. Und das es sich für mich bei ihr (zumindest aufgrund Deiner Beschreibung) um einen sehr bedauernswerten Menschen handeln muss der einen Haufen Probleme an der Hacke zu haben scheint. Aber auch sie müsste sich da zunächst mal selbst drum kümmern.

    Nun zu Dir. Du schreibst hier in einem Selbsthilfeforum für Alkoholiker und Angehörige. Und gehörst zur Kategorie der Angehörigen. Du schreibst hier also, vermute ich mal, weil es Dir nicht gut geht und Du für DICH Hilfe suchst. Damit Du Dein Leben wieder nach Deinen Vorstellungen leben kannst. Ist das wirklich so?

    Aktuell dreht sich aber in Deinem Thread alles um Deinen Ex-Freund und dann teilweise noch um dessen Schulfreundin. Es scheint, als möchtest Deinen Ex-Freund helfen und im Grunde ist es ja völlig wurscht ob Du ihn rausholen, sensibilisieren oder trocken legen möchtest. Alles dreht sich nur um ihn, so scheint es mir zumindest.

    Damit wirst Du meiner Meinung nach aber nicht weiter kommen. Solange sich Dein Leben um das seine dreht wirst Du nicht zu einem selbständigen, eigenständigen Leben zurück finden. Sondern immer Dein Wohlbefinden mit dem Deines Ex-Freundes verknüpfen. Jetzt kannst Du natürlich sagen, dass das alles nicht stimmt, Du ja gar kein Problem hast und Du ja nur ein paar Tipps willst, wie zur Vernunft gebracht werden könnte.

    Dann kann ich nur sagen: Ich habe keine Tipps, von außen erreicht man in der Regel nicht viel. Da kann ich dann nur sagen: Er scheint trinken zu wollen (und spielen), dann lass ihn trinken und spielen. Er ist ein erwachsener Mensch der nichts illegales tut und einen freien Willen hat. Wenn er trinken will, soll er trinken. Wenn er aufhören will, kann er zahlreiche Hilfsangebote in Anspruch nehmen.

    Alles Gute wünsche ich Dir.

    LG
    gerchla

    Liebe Steinbock84,

    Zitat

    Denn im Grunde ist es ja wie bei der Erziehung von Kindern, Konsequenzen androhe und nicht einhalten funktioniert nicht sonst ist jeglicher Respekt verloren....


    Das hast Du natürlich richtig erkannt. Aber weißt Du, es geht auch beim Einhalten der angekündigten Konsequenzen eigentlich nicht um ihn sondern um Dich. Du tust Dir etwas Gutes wenn Du diese Konsequenzen dann auch ziehst, machst Du aber einen Rückzieher verletzt Du Dich selbst. Er befindet sich ohnehin in einer anderen Welt.

    Anders als bei der Kindererziehung kannst Du ihn eben nicht erziehen, denn er ist nasser Alkoholiker und für ihn zählt nur der Alkohol. D. h. Du kannst darauf hoffen, dass Deine Konsequenzen, also z. B. das Du Dich trennst und ausziehst, eigenen Wege gehst, etwas bei ihm bewirken. Aber mehr als hoffen bleibt Dir nicht. Und auch dieses hoffen solltest Du idealerweise lassen (ich weiß dass das leicht daher gesagt ist), denn Du ziehst diese Konsquenzen ja für Dich, nicht für ihn. Völlig unabhängig davon, wie er reagieren wird, regaieren könnte, idealerweise reagieren sollte. Verstehst Du was ich meine? Ist wahrscheinlich schwer zu verstehen, aber so lange Du Deine Entscheidungen mit seinen (gewünschten) Reaktionen oder seinem Wohlbefinden etc. verknüpfst, drehst Du Dich um ihn. Und genau davon solltest Du Dich aber lösen.

    Was nun aber nicht bedeuten soll, dass Du, sollte er tatsächlich z. B. eine Therapie antreten und ernsthaft versuchen auszusteigen, nicht nochmal darüber nachdenken kannst, wie Du damit umgehst. Das wäre eine ganz neue Situation, die bräuchte eine neue Bewertung, ich könnte hier jetzt nur spekulieren.

    Aber die Tatsachen sind ja gerade andere. Gut, dass Du mit eiiner Beratungstelle sprichst. Sehr gut. Weißt Du, dass ist ja nicht gerade ne Kleinigkeit, die Du da im Moment durch machst. Es ist wohl ein Meilenstein in Deinem Leben, etwas großes, eine große Veränderung, so oder so. Und es ist eine sehr emotionale und sehr schwere Situation. Ich kann Dich nur ermutigen Dir möglichst viel Hilfe zu holen.

    Ich möchte jetzt auch erst mal nicht weiter darauf eingehen, ob eine Trennung realisierbar ist oder nicht. Ich habe mir eine Trennung von meinen Kindern auch nie vorstellen können (ich sage bewusst Kindern, weil ich bei meiner Entscheidung mich zu trennen primär immer nur an meine Kinder gedacht habe, was aber nicht bedeutet, dass mir meine Frau total egal gewesen wäre). Ich dachte, es wäre absolut UNMÖGLICH das meinen Kindern anzutun. Bis ich merkte, dass ich ihnen noch viel schlimmeres Leid antun würde bzw. werde, wenn ich bleiben würde. Denn ich wusste, dass ich dann früher oder später wieder trinken würde. Und dann, dann hätte es kein Halten mehr gegeben und ich hätte sie mit in den Abgrund gerissen.

    Vielleicht ist das Thema Trennung und warum es Dir nicht möglich erscheint ja etwas, das Du bei der Beratung mal ansprechen kannst.

    Zitat

    Ich hätte auch noch eine Frage an dich, wie bzw was hat dich dazu bewogen, nichtmehr zu trinken und dir Hilfe zu holen?

    Ich verstehe, dass Dich das interessiert. Ich denke, Du wirst Dir Gedanken darüber machen, ob das bei Deinem Mann auch passieren könnte. Nehme ich jetzt mal an. Ich schreibe es Dir auch gerne, aber es hat keine Bedeutung für Dich. Denn es gibt kein Schema, nichts wirklich Nachvollziehbares, was sein oder passieren müsste, dass ein Alkoholiker plötzlich entscheidet seiner Sucht den Kampf anzusagen. Es können bestimmte Ereignisse sein, die das auslösen. Also z. B. der Verlust des Partner, der die Nase voll hatte. Bei manchen reicht ein abgenommener Führerschein oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Andere bekommen ein paar Takte von Arzt geblasen, sehen mit Schrecken ihre Blutwerte und kommen zur Einsicht. Ich kenne auch die Geschichte von jemanden, der bei einer Wanderung in den Bergen ins Tal blickte und plötzlich wusste: Jetzt ist es vorbei - und es war vorbei (sehr vereinfacht gesprochen).

    Oft spricht man auch vom persönlichen Tiefpunkt, den ein Alkoholiker erreichen muss bevor es schaffen kann. Nur ist es eben der PERSÖNLICHE Tiefpunkt und der ist eben individuell und bei jedem anders. Wie gesagt, vom Verlust des Führerscheins bis hin zum Aufwachen in der Entgiftungsstation inkl. Reanimation weil der Kreislauf zusammen gebrochen war ist alles dabei.

    Und leider, das will ich auch sagen und das zeigt Dir auch ein Blick in die Statistik, scheint es bei der überwiegenden Mehrzahl der Alkoholkranken diesen Tiefpunkt nicht zu geben oder sie erreichen ihn nicht. Denn es sind ja die Wenigeren, die überhaupt was gegen ihre Krankheit unternehmen und leider schafft es dann von diesen auch nicht die große Masse dauerhaft abstinent zu leben. Es ist also wirklich schwer aus dieser Sucht heraus zu kommen. Genau deshalb solltest Du eben auf Dich schauen, Deine Hoffnungen fahren lassen und nur dann tiefer über Deinen Mann nachdenken, wenn sich bei ihm wirklich etwas verändert.

    Kurz wie das bei mir war: Ich war ein Wrack, psychisch total am Ende, körperlich ebenfalls schon ziemlich angegriffen (stark übergewichtig, konnte nicht mehr auf dem Bauch liegen = Schmerzen und hatte Darmprobleme). All das hatte ich aber schon eine längere Zeit, mal schlimmer, mal wieder etwas besser. Und nach außen hin funktionierte ich noch, war erfolgreich im Job, konnte die Fassede gerade noch so aufrecht erhalten.

    Am Ende kann ich Dir nicht sagen, warum ich gerade zu diesem Zeitpunkt ganz spontan und ganz plötzlich beschloss nie mehr trinken zu wollen. Es war eine Sekundenentscheidung, vielleicht sogar nur Bruchteile. Plötzlich schoss es in mein Hirn: OVER - jetzt machst reinen Tisch, jetzt ist es vor bei und jetzt wirst du alles dafür tun, wirklich ALLES um nie mehr trinken zu müssen.

    Auslöser bei mir war am Abend, als ich von der Arbeit heim kam (bereits 4 oder 5 Bier intus wie immer), eine Konfrontation mit meiner Frau. Sie hatte eine schwere Lüge meinerseits aufgedeckt und mich frontal damit konfrontiert. Normalerweise hätte ich mich aus dieser Situation heraus gelogen. So wie ich es unzählige Male vorher auch getan hatte. Ich bin mir ganz sicher, dass mir das auch gelungen wäre, denn Alkoholier sind wahre Meister im Lügen und Manipulieren. Aber warum auch immer, ich wollte nicht mehr!

    Und dabei wusste ich ganz klar und ganz genau, was das bedeuten würde. Alles würde zusammen brechen, alles kaputt gehen. Mein ganzes Leben und das Leben meiner Familie würde unmittelbar nach meiner Entscheidung aus den Angeln gehoben werden. Du weißt ja vielleicht, dass ich gut 10 Jahre heimlich getrunken habe, meine Frau wusste nichts (zumindest hat sie mir das ernsthaft versichert in einem späteren Gespräch). D. h. mein Satz: Ja es ist so wie Du sagst und ich möchte Dir noch sagen, dass ich Alkoholiker bin (sinngemäß, meinen genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr), hat alles verändert. Erst mal musste ich noch beweisen, dass ich wirklich Alkoholiker bin, was schnell passiert war. Ich zeigte ihr einfach all meine Verstecke die voll waren mit diversen Flaschen. Danach begann ich sofort weitere schwerste Lügen meinerseits zu beichten. Und glaube mir, Du willst nicht wissen was ich alles zu beichten hatte.

    Und dann war mein und ihr bisheriges Leben vorbei. Einer ihrer letzten Sätze war, das werde ich wohl nie vergessen: bis eben war ich glücklich....

    Ok, das ist ja jetzt nicht das Thema. Wieso, weshalb und warum ich das genau zu diesem Zeitpunkt tat? Keine Ahnung, vielleicht war das mein persönlicher Tiefpunkt. Ich kann Dir nur sagen, dass ich unglaublich dankbar bin, dass ich diesen Moment hatte. So schwer die Monate danach waren, so froh bin ich, dass ich durch wen oder was auch immer dieses Geschenk bekommen habe und mein Leben zurück gewinnen konnte.

    Aber wie gesagt, so war es halt bei mir. Bei anderen ganz anders, bei vielen niemals.

    LG
    gerchla

    Zitat

    Ja scheiße ich wollte mit ihm alt werden....

    Das wollte meine Frau auch mit mir. Kurz nachdem ich trocken wurde habe ich mich von ihr getrennt. Und damit all ihre bis dahin in Stein gemeiselten Zukunftspläne einfach so weggefegt. Ich habe dadurch auch meine von mir über alles geliebten Kinder "verloren", d.h. ich wurde zum stundenweisen Wochendpapa. Es war für mich die Hölle, diese Entscheidung war die schwerste in meinem Leben und doch wusste ich, dass ich sie treffen muss und dass ich sie so treffen muss. Und natürlich gingen auch meine Frau und meine Kinder durch die Hölle.

    Aber wir waren konsequent. Sowohl sie als auch ich! Als die Entscheidung getroffen war, waren wir beide konsequent weil wir wussten, dass alles andere nur in eine Katastrophe führen würde. Und natürlich hat es einen Moment gedauert, bis wir beide wieder ein normales Leben führen konnten. Jeder von uns hat sich Hilfe geholt, ich sowieso, weil ich ja auch noch meine Alkoholsucht im Nacken hatte aber auch sie, weil sie die Trennung verarbeiten musste. Und auch unsrere kleine Tochter hatte einen Psychologen.

    Vielleicht verstehst Du was ich damit sagen möchte.

    Um Dir Mut zu machen möchte ich Dir noch sagen, dass wir heute sehr gut miteinander reden können, ein sehr gutes Verhältnis haben. Hätten wir keine Kinder gehabt, wären wir sicher komplett getrennte Wege gegangen. So aber sahen wir uns ab und an und heute können wir auch mal in Ruhe zusammen einen Kaffee trinken, ohne tieferen Anlass. Und ich bin heute wieder verheiratet mit einer wunderbaren Frau und ich bin ein sehr glücklicher Mensch. Hättest Du mir das damals prophezeiht, ich hätte Dir kein Wort geglaubt.

    Ganz liebe Grüße
    Gerchla

    Hallo Dina,

    fühl Dich mal virutell gedrück. Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Bei vielem was Du geschrieben hast, lese ich Deine Verzweiflung, Dein "verwirrt sein" heraus. Wenn Du über ihn schreibst, dann erkenne ich einen Alkoholiker, einen recht typischen. Die "Argumente" die er Dir gegenüber bringt, was er sagt, wie er sich rechtfertigt, wie er plötzlich Dich und Deine Familie angreift usw., es ist eigentlich so durchschaubar, wenn man diese Krankeheit ein wenig kennt.

    Ich bin selbst Alkoholiker, 50 Jahre alt und lebe jetzt aber glücklicherweise schon lange ohne Alkohol. Meine Denkweise, meine Gefühle von damals, all das was ich dadurch getan und anderen angetan habe, das ist mir aber noch so präsent als wäre es gestern gewesen.

    Ich bin grundsätzlich immer jemand, der nicht gleich schreibt: Verlasse ihn, schau zu, dass Du Land gewinnst. In Deinem Fall jedoch frage ich mich wirklich, wie Du da heraus kommen könntest. Du hast Dich zwar getrennt, hast also sozusagen schon "die Beine hin die Hand geommen", aber ihr seht Euch täglich auf der Arbeit.

    Also ehrlich, und auch ganz unabhängig von der Alkoholsucht, aber sowas ist nach Trennungen grundsätzlich nicht ideal. Denn so ist es Dir enorm erschwert Abstand zu gewinnen. Die Tatsache, dass Du ihn noch liebst trägt sein übriges dazu bei. Jetzt hast Du es schon geschafft ihn sozusagen "in Liebe loszulassen", will sagen, Du bist gegangen obwohl Du ihn noch liebst, wie Du ja selbst schreibst. Sowas ist ein großer Schritt und dieser war für Dich sicher kein einfacher. Und jetzt wird das sozusagen unterlaufen dadurch, dass ihr euch in der Arbeit seht.

    Aus dem was Du schreibst meine ich heraus zu lesen, dass Du immernoch etwas von ihm erwartest. Ein bestimmtes Verhalten vielleicht, eine bestimmte Wertschätzung Dir gegenüber vielleicht, ein nicht einfach so wegschmeißen dessen was ihr all die Jahre gehabt habt vielleicht. Aber ist das alles nicht ein Rumgeeiere? Ist es nicht so, dass hier die klare Linie fehlt, zumindest von Deiner Seite aus? Ist es nicht so, dass Du irgendwie (obwohl Du ausgezogen bist) hoffst, es könnte doch alles noch gut werden? Und er enttäuscht Dich ein ums andere mal, weil er so gar nichts tut, was in diese Richtung geht? Lese ich das richtig?

    Ich möchte Dir sagen, dass Du Dir ganz klar werden solltest, was Du eigentlich möchtest. Lass ihm sein Leben. Wenn er es trinkend verbringen möchte, selbst wenn er sich zu Tode trinken möchte, lass es bei ihm, es ist seine Entscheidung. Es geht hier nur um DICH. Du solltest darauf achten, dass Du nicht kaputt gehst bei der ganzen Geschichte. Und Du kannst auch nichts anderes tun als auf Dich zu achten. Du wirst sicher bemerkt haben, dass Du auf ihn und seine Sucht keinen Einfluss, keine Macht hast. Wenn dem so wäre, dann hättest Du ihn längst von der Flasche weg gebracht. Aber genau das funktioniert eben nicht, genau das unterbindet die Sucht. Und der Mensch, der er mal war oder von dem Du denkst das er mal war, der hat längst andere Prioritäten, nämlich den Alkohol. Da hilft es Dir auch nichts, wenn dieser "gute" Mensch ab und an mal "aufblitzt", denn er könnte nur theoretisch und im allerbesten Fall und nur dann zurück kehren, wenn er seine Sucht zum Stillstand bringen würde.

    Danach sieht es nach Deinen Schilderungen überhaupt nicht aus. Überhaupt nicht. Und selbst wenn, wäre das ein langer Weg mit unsicherem Ausgang. Wenn ich mich als Beispiel nehme: Ich wurde nach dem ich aufgehört hatte mit den Trinken nicht mehr derjenige, der ich vor meiner Trinkerzeit war. Ich denke ich kann von mir sagen, dass ich ein anderer Mensch bin, gerpägt durch die Erfahrungen meiner Trinkerzeit. Und, so wie Du das schilderst, kanntest oder kennst Du ja eigentlich nur den trinkenden Menschen, denn er scheint ja schon seit 30 Jahren zu trinken. Wie er wäre wenn er wirklich abstinent leben würde, also dauerhaft und nicht nur ein paar Wochen, das weißt Du gar nicht.

    Darum kann ich nur nochmal sagen: Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Nimm Dich wichtig, gib Dir die Bedeutung die Dir zusteht und die Du verdient hast. Achte auf Dich, das hast Du in der Hand. Und lass ihm seins.

    Und ich bin jetzt ganz ehrlich: Wenn es irgendwie möglich wäre würde ich in Deiner Situation den Arbeitsplatz wechseln damit Du wieder zu Dir und zur Ruhe finden kannst.

    Und ja, ich weiß, dass ich mich sehr leicht rede, dass es alles andere als einfach ist und man von außen immer klug daher reden kann.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und finde es sehr gut und schön, dass Du den Mut hattest Dich hier zu öffnen. Ich bin sicher, Du wirst noch viele Anregungen auch von anderen Betroffenen erhalten. Alles alles Gute für Dich!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Steinbock84,

    Zitat

    Mal reagiert er "ganz normal" (ja da und da hatte ich etwas viel, aber ist ja nicht jeden tag und er könne jederzeit aufhören, auch wenn ich und vielleicht er auch weiß das das nicht wahr ist), mal wird er gereizt und mal übergeht er das ganze thema und lässt sich gar nicht darauf ein. Ich bin mir nicht sicher ob er selbst schon soweit ist und erkannt hat das er Alkoholiker ist oder er es wirklich nicht sieht oder sehen will.

    Was Du da schreibst sind recht typische Reaktionen eines nassen und (noch) nicht so recht einsichtigen Alkoholikers. Es kann durchaus sein, dass er selbst schon weiß oder merkt, dass bei ihm was nicht stimmt. Ich vermute sogar, dass es so ist. Denn wenn ich an mich selbst zurück denke, dann war der Zeitpunkt an dem ich mir darüber klar wurde, dass ich wohl ein gewaltiges Alkoholproblem habe weit vor dem Zeitpunkt meines Ausstiegs. Allerdings hat einen die Sucht derart im Griff, dass man sich selbst in die Tasche lügt und dann nur das glaubt, was man glauben will. In lichten Momenten jedoch war ich mir sehr bewusst, dass ich da in was hinein geraten bin, aus dem ich wohl so einfach nicht mehr heraus kommen werde.

    Aber es geht ja hier gar nicht um Deinen Mann sondern um Dich. Mich würde jetzt noch eines interessieren:

    Wie deutlich wirst Du denn, wenn Du mit ihm über dieses Thema sprichst? Ich meine damit ob Du "nur" so Dinge sagst wie "meinst du nicht du trinkst etwas zu viel?" oder ob Du ihm ganz deutlich machst das Du das nicht mehr möchtest. Das es Dich und Deine Kinder enorm belastet und Euch die Lebenfreude nimmt. Und ihm auch erklärst, was Du von ihm erwartest, wie Du Dir eine Beziehung oder Partnerschaft mit ihm vorstellst. Letzltich, so jedenfalls meine Meinung, wirst Du irgendwann mal ganz deutlich sagen müssen was Du tun wirst, wenn er sein Trinkverhalten nicht ändert. Und daran solltest Du Dich dann auch halten.

    Denn, ich schrieb es bereits, Du solltest auf Dich und Deine Wünsche und Bedürfnisse achten. Anderfalls wird er Dich mit in den alkoholischen Abgrund reißen. Wenn er sieht welche Konsequenzen Du aus seiner Trinkerei für Dich ziehst und wenn er wahr nimmt, was das für ihn bedeutet, dann wird auch er sich entscheiden müssen: Ob er diese (also Deine) Konsequenzen irgnoriert und weiter trinkt oder ob er sein Leben verändern möchte um z. B. Dich und seine Familie nicht zu verlieren. Nun sagt man ja immer, ein Alkoholiker sollte von sich aus trocken werden wollen. Stimmt m. E. grundsätzlich auch und ist sozusagen die Idealvoraussetzung. Aber manchmal braucht es auch einen "Wachrüttler" um zu realisieren wie ernst die Lage eigentlich ist.

    Wobei ich leider auch sagen muss, dass sich trotz "Wachrüttler" viele Alkoholiker einfach für den Alkohol entscheiden....

    LG
    gerchla

    Liebe Steinbock84,

    vielleicht hast Du in anderen Threads schon von mir gelesen, falls nicht möchte ich mich kurz bei Dir vorstellen:

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker und Papa von 3 Kindern. Meine erste Frau (mit der ich zwei wunderbare Kinder habe) habe ich , nachdem ich trocken wurde, verlassen. Ich lebe jetzt schon länger ohne Alkohol, bin wieder verheiratet und habe noch eine wunderbare Tochter bekommen. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben.

    So, nur damit Du Dir ein kleines Bild machen kannst wer Dir hier schreibt.

    Ich möchte Dir sagen, dass ich sehr gut verstehen kann, dass Du Dich nicht "einfach so" trennst. Ich möchte auch nicht mit "dann ist der Leidensdruck noch nicht groß genug" oder "dann bist Du noch nicht am Tiefpunkt angelangt" kommen. Auch wenn das vielleicht richtig ist möchte ich Dir erst mal nur sagen, dass ich das verstehen kann, ohne die genauen Hintergründe zu kennen. Ich will und kann nicht beurteilen ob es richtig ist, das Du Dich (noch) nicht trennst, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, auch wenn ich auf der anderen Seite stand, wie schwer es ist sich zu trennen! Und wie viele Gedanken man sich macht und dass dabei oft auch ganz surreale Gedankengänge aufkommen die einem außen stehenden Menschen wahrscheinlich völlig unlogisch vorkommen. Von außen ist es immer leichter auf eine Situation zu schauen, aber Du lebst ja dieses Leben und Du steckst in diesem Leben.

    Du schreibst, Du hast noch mehr Punkte auf der "Bleiben"-Seite als auf der "Gehen"-Seite. Ich glaubte heraus lesen zu können, dass die LIEBE auf der Bleiben-Seite stand. Das ist eine ganz starke Macht, ein ganz starker Grund. Fehlende Liebe meinerseits war bei mir letztlich der entscheidende Grund weshalb ich mich von meiner Frau trotz zahlreicher Gründe die für ein Bleiben gesprochen hatten, getrennt habe. Mit meiner Lebenserfahrung weiß ich aber heute auch, dass es manchmal besser sein kann, "in Liebe los zu lassen", als in Liebe unterzugehen.

    Ich möchte Dir erst mal noch sagen, dass ich die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen habe, nicht über die absolute Wahrheit verfüge, mich schon oft in meinem Leben geirrt habe und Dir nur meine Meinung und meine Sichtweise schreiben möchte. Ich bin kein Angehöriger eines trinkenden Partners, ich stand auf der anderen Seite. Alles was ich Dir schreibe ist geprägt von diesen Erfahrungen, passt also nicht 100%ig zu Deiner Situation sondern kommt eben von Seiten des Alkoholikers. Bitte habe das immer im Blick, wenn Du über meine Zeilen nachdenken solltest. Das war mir jetzt nochmal wichtig Dir vorab zu schreiben.

    Also, dann mal meine Gedanken:
    Wenn Du ihn noch liebst und um ihn "kämpfen" möchtest, dann solltest Du Dir aus meiner Sicht klare Grenzen setzen. Denn sonst läufst Du Gefahr einen langen und aussichtslosen und am Ende für Dich vernichtenden Kampf zu führen. Aktuell schreibst Du ja, dass er 6 - 10 Bier trinkt, heimlich wahrscheinlich noch was oben drauf (was ich als ehemaliger Heimlichtrinker als sehr wahrscheinlich finde) und sich mehr und mehr verändert hat. Negativ. Wie Du schreibst poltert er herum, tickt aus und ich hoffe nur, er wird Dir oder den Kindern gegenüber nicht gewaltätig. Denn das wäre aus meiner Sicht dann ein nicht mehr verhandelbarer Grund ihn sofort zu verlassen. Davon gehe ich jetzt aber mal nicht aus.

    Sein Verhalten ist normal, ganz normal für einen Alkoholiker. Anfangs merkt man gar nichts, mit zunehmender Dauer der Sucht und steigender Menge verändert sich der Charakter ganz enorm. Am Ende lebte ich in einer Parallelwelt und war nur noch damit beschäftigt diese aufrecht zu erhalten. Ich log und betrog was das Zeug hielt und versuchte irgendwie die Fassade aufrecht zu erhalten. Jedoch war ich nie agressiv, verbal ausfällig oder ähnliches. Jedoch sagte meine Ex-Frau mal zu mir: Ich wünschte Du hättest mich geschlagen, dann hätte ich gewusst woran ich bin und hätte Dich sofort verlassen - über diese Aussage kannst Du Dir ja mal Deine eigenen Gedanken machen.....

    Zurück zu Dir. Die absolute Trinkmenge ist gar nicht entscheidend. Es geht doch nur darum, wie Du Dich damit fühlst. Aktuell scheinst Du also noch mehr pro Partner als contra zu sein. Obwohl er Dir und ich nehme mal an auch Deinen Kindern stark zusetzt. Deshalb: Setze Dir und ihm Grenzen die dann auch einzuhalten sind. Sei ganz klar darin, was Du tun wirst, wenn diese Grenzen überschritten oder missachtet werden. Kommuniziere das auch und bitte bitte halte Dich dann auch an das was Du kommuniziert hast. Nichts schlimmer, als wenn er merkt, dass Du immer wieder einknickst und er machen kann was er will.

    Ich will ehrlich sein. Es hat meiner Meinung nach keinen Sinn dauerhauft mit einem uneinsichtigen Alkoholiker zusammen zu leben. Das ginge nur dann, wenn Dich sein Konsum und Verhalten nicht stören sollte und es Dir nichts aus macht das er säuft und sich so benimmt. Wenn Du Dir sozusagen "nur" Sorgen um seine köperliche Gesundheit machen würdest und ihn ansonsten aber so nehmen könntest wie er ist. Ich gehe aber davon aus, dass das bei Dir nicht der Fall ist und Du eigentlich einen richtigen Partner möchtest und nicht ein zustätzliches, uneinsichtiges aggresives Kind um das Du Dich kümmern musst.

    Ich weiß nicht was Du alles schon unternommen hast. Aber ich würde mich an Deiner Stelle auch mal mit dem CRAFT-Programm beschäftigen. Bitte google das einfach mal. Das ist ein Programm das speziell für Partner uneinsichtiger Alkoholiker konzipiert ist die eben nicht einfach alles hinwerfen wollen sondern die noch um ihre Beziehung kämpfen möchten. Vielleicht ist das ja was für Dich / Euch und es hilfrt Dir weiter. Es macht aber meiner Meinung nur Sinn, wenn Du Dir ein Zusammenleben mit ihm überhaupt noch vorstellen kannst, wenn also nicht schon zu viel Porzelan zerbrochen wurde. Aber da Du ihn noch liebst.....

    Ansonsten sehe ich das so, dass Du irgendwann mal eine Entscheidung treffen musst / treffen solltest. Kannst Du mit ihm darüber sprechen? Wie reagiert er denn, wenn Du ihn direkt darauf ansprichst? Sieht er sich selbst als Alkoholiker? Will er was unternehmen oder schließt er es komplett aus?

    Fatal wäre aus meiner Sicht, wenn Du eine Never-Ending-Story aus Deiner Situation machen würdest. Solche Stories können Alkoholiker leider sehr gut produzieren in dem sie die Angehörigen immer wieder mit unterschiedlichsten Methoden bearbeiten. Drohen, hinhalten, versprechen, sogar mal was machen (halbherzig), tiefe Liebe schwören, um Verzeihung bitten, flehen und verkünden, dass sie ohne ihren Partner nicht leben können, dem Partner die Schuld geben das man säuft, usw. usf.

    Manipulieren gehört zum Handwerkszeug eines Alkoholikers und er beherrst es wie kein Zweiter. Deshalb musst Du Dir ganz klar werden, was DU möchtest. Es geht nur um DICH! Lass ihm sein Leben, wenn er dann tatsächlich weiter trinken möchte, dann lass ihn trinken. Er ist erwachsen, er entscheidet das selbst. Nur DU solltest Dich dann auch für DICH entscheiden.

    Das waren mal meine Gedanken.

    Und ich glaube tatsächlich, dass Du für Dich ein wenig das Tempo heraus nehmen solltest (nur ein Gefühl von mir), dass Du Dich in Ruhe strukturieren solltest um dann aber ganz konsequent zu handeln. Und ich glaube da hilft es Dir nicht, wenn ich Dir schreibe "nimm die Beine in die Hand und laufe so weit Du kannst", weil ich denke dass das eben auch nicht Dein Weg ist. Noch nicht....

    Liebe Steinbock84, bitte achte auf Dich! Du musst der wichtigste Mensch in Deinem Leben sein. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Und, was ich auch als ganz wichtig empfinde: Du hast die Verantwortung für Deine Kinder (sie werden noch nicht volljährig sein, oder?). Achte auf sie! Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass die Kinder am meisten leiden. Und viel viel viel mehr mitbekommen, als Du auch nur ansatzweise vermuten würdest. Meine Tochte musste nach meinem Ausstieg erst mal in psychologische Behandlung und das war das beste was wir machen konnten. Mein Gott, ich hatte überhaupt nicht geschnallt wie tief sie (damals ein kleines Mädel im Grundchulalter) mit vertrickt war. Und das, wo ich doch nur heimich trank, nie gewaltätig war, nie austickte, nie herum schrie....

    Ich schrieb, dass Du auf Dich schauen musst. Aber natürlich auch auf Deine Kinder, denn sie haben niemand anderen. Dein Partner wird es nicht können, für ihn ist nur noch seine Sucht wichtig, für ihn steht nur der Alkohol im Mittelpunkt. So war es bei mir auch.

    Liebe Steinbock, nimm aus meinen Zeilen was Dir hilft, den Rest verigss einfach. Ich wünsche Dir von Herzen das Du einen, das Du DEINEN Weg in ein freies und selbstbestimmtes Leben finden wirst!

    LG
    gerchla

    Naja, ich weiß nicht was ich darauf antworten kann. Entweder es macht irgendwann Klick oder eben nicht. Schaut man die Statistik an, macht es bei den wenigsten Klick. Vielleicht ist es auch einfach nur ein Geschenk oder Glück, dass man die Chance bekommt der Sucht zu entkommen. Hat man sie bekommen, darf man undendlich dankbar sein.

    Es macht m. E. auch keinen Sinn erkunden zu wollen, wie es bei anderen zu einem Klick kam, denn bei allen mit denen ich darüber gesprochen habe war es anders. Ich kenne auch Geschichten von trockenen Alkoholikern bei denen es erst mal überhaupt nicht klick gemacht hat. Sondern die quasi "zwangsweise" in eine Therapie gingen, weil es sein "musste", sie wurden unter Druck gesetzt und gaben diesen dann nach. Im Laufe der Therapie sind sie dann langsam, ohne klick, zur Erkenntnis gekommen, dass sich so ein Leben ohne Alkohol durchaus lohnt bzw. für sie alternativlos ist.

    LG
    gerchla

    Liebe DieGedankensindfrei,

    ich freue mich sehr, dass Du mir so ein positives Feedback gegeben hast.

    Ich will Dir gerne die "Sicht" eines Alkoholikers schildern, bin aber gleichzeitig am Hadern mit mir selbst, wie ich mich hier jetzt richtig ausdrücken kann. Ich wills mal versuchen, bitte Dich aber gleichzeitig nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Es ist nicht so einfach zu erklären. Ich kann es auch nur aus meiner persönlichen Sicht, meinen persönlichen Erlebnissen und Empfindungen heraus schildern und ich weiß aus vielen Diskussionen mit anderen Alkoholikern, dass es nicht bei allen genau gleich ist.

    Vermeintlich ist es ja so, dass die Alkoholkrankheit in ein paar unterschiedliche Typen eingeteilt werden kann (z. B. nach Jellinek oder auch Lesch) und da finden sich dann halt irgendwie und irgendwo alle wieder und irgendwie verläuft diese Krankheit bei allen ähnlich. Von außen drauf gesehen mag man das so empfinden, genauer hingesehen ist die Alkoholsucht aber eine sehr sehr individulle Angelegenheit. Und so ist es auch mit dem Ausstieg aus dieser Sucht. Vermeintlich gibt es die üblichen Wege heraus zu kommen, im Detail muss aber jeder Betroffene seinen eigenen Weg finden.

    Was ich Dir hier also schreibe gibt nur meine eigene Sichtweise aus meinen eigenen Erlebnissen wieder. Bei Deiner Mama kann das in einigen Bereichen durchaus anders sein.

    Mir ist es auch ganz wichtig Dir zu sagen, dass ich bei allem was ich schreibe niemals den Alkoholiker aus der Verantwortung nehmen möchte. Das kann so rüber kommen ist jedoch von mir nie so gemeint. Fakt ist für mich, dass ein Alkoholiker die volle Verantwortung für seine Sucht und damit auch für das sich daraus ergebende Elend hat. Und selbstverständlich auch für das, was er anderen damit antut. Auch wenn er das in dem akuten Moment des "antuns" suchtbedingt macht, also es im nüchternen Zustand niemals tun würde.

    Das waren ein paar Worte vorab.

    Also, dann kurz zu mir, meiner Sicht, meiner Geschichte.

    Zitat

    Natürlich ist mir der Konsum nicht fremd, ich war schon mal betrunken. Und genau das ist der Punkt, mir war meist schwindelig, übel und ähnliches. Ich habe mich schon mal übergeben und richtig Schädelweh bekommen. Typische Alkoholerscheinungen. Ich fand das nie sonderlich angenehm.
    Fühlt sich das für den Alkoholiker anders an?

    Trinken und Trinken sind zwei Paar Stiefel. Es ist ein großer Unterschied ob ich als nichtsüchtiger normaler Mensch mich mal betrinke und von mir aus auch total besoffen bin und Unsinn daher rede (inkl. der Nebenwirkungen die ich dann am Tag danach spüre) oder ob ich ein Alkoholiker bin, der schon jahrelang in seiner Sucht gefangen ist.

    Warum? Wenn ich mich mal betrinke, sonst aber keinen Alkohol trinke oder nur sehr moderat, dann bin ich Herr meiner Sinne, mein Wesen verändert sich nicht dauerhaft (zumindest nicht alkoholbedingt), ich bin eben der Mensch, der ich bin.

    Wenn ich jedoch in eine Sucht gerutscht bin, dann verändert sich mit zunehmender Dauer dieser Sucht nicht nur mein Trinkverhalten (es steigt in der Regel kontinuierlich) sondern es verändert sich eben auch mein Wesen stark. Bei mir war das so, dass ich die ersten Jahre meiner Sucht wirklich prima funktioniert habe. Alles bestens. Ich war zwar schon süchtig (wusste es nicht, machte mir keine tieferen Gedanken darüber), hatte aber sonst keine Auffälligkeiten. D. h. ich trank meine 2, 3 oder 4 Bier am Tag, wusste noch zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden und hatte noch sowas wie ein funktionierendes Gewissen. Jedoch blieb diese Sucht eben nicht stehen und nach Jahren auf diesem für mich noch recht niedrigen Trinklevel stieg mein Konsum langsam an. Quasi parallel veränderte sich aber auch meine Wahrnehmung mehr und mehr.

    Es ist wirklich sehr schwer zu erklären für mich. Also ich begann zu lügen um Problemen aus dem Weg zu gehen. Längst trank ich komplett heimlich (was ja auch eine Lüge in sich ist) um eben nicht als jemand mit einem Alkoholproblem erkannt zu werden. Daraus ergab sich dann aber ein enormer Druck. Denn diese Fassade aufrecht zu erhalten nimmt enorm viel Energie in Anspruch. Lügen ergaben wieder andere Lügen und Du wirst es mir wahrscheinlich nicht glauben. Aber zum Ende meiner "Karriere " hin wusste ich oft selbst nicht mehr, was eigentlich wahr war und was ich erlogen hatte. Es war so, als wäre ich in eine Parallelwelt abgetaucht. Und ich glaubte auch wirklich, dass diese Welt "existierte", ich verlor jedes Gefühl dafür, wie es anderen Menschen damit geht, was ich anderen Menschen damit antue.

    In seltenen Momenten jedoch, und das hatte dann gar nichts mehr damit zu tun, dass ich da vielleicht gerade nüchtern gewesen wäre, blitzte es kurz auf. Also das Bewusstsein, was ich da eigentlich tue. Diese kurzen klaren Momente waren aber so schmerzhaft, dass ich sie sofort wieder verdrängen wollte = trinken!

    Wenn ich sage, es hatte nichts damit zu tun, dass ich gerade nüchtern war, dann will damit sagen, dass ein nasser Alkoholiker nur weil er gerade mal zufällig 0 Promille hat, kein anderen Mensch ist. Denn da hat ihn die Sucht längst derart im Griff und verändert, dass es nicht reicht mal nüchtern zu sein um erkennen zu können was man da eigentlich fabriziert. Wenn man den Ausstieg schafft, so war es jedenfalls bei mir, dann dauert es Monate (bei mir etwa ein Jahr) bis man einigermaßen wieder klar ist. Ein AA-Freund hat mir mal gesagt: So lange Du gesoffen hast, so lange dauert es auch bis Du wieder normal bist - ich persönlich halte das mit meinen heutigen Erfahrungen für etwas übertrieben, aber im Kern ist schon was dran.

    Also weiter im Text. Ich hatte Frau und zwei Kinder. Meine Kinder waren mein ein und alles, ich liebte und liebe sie über alles und ich habe trotz Sucht versucht ein so guter Papa zu sein wie es nur geht. Übrigens: Nicht mal die Liebe zu meinen Kindern schaffte es, für mich ein Grund zu sein mich aus der Sucht zu lösen. Ich habe mein permanent unterschwellig schlechtes und mit Schuldgefühlen belastetes Gewissen versucht damit zu beruhigen, dass ich ein Über-Hausmann und ein Über-Papa sein wollte. Und nicht geschnallt, dass man das alles gar nicht von mir erwartet hatte sondern einfach nur "mich" als Menschen wieder haben wollte. Aber meine Familie hatte eben nicht mich, sondern sie hatte meinen Paralllelwelt Alkizwilling der dachte er würde ja niemanden etwas tun, weil ich ja nicht gewaltätig, verbal ausfällig o. Ä. war. Und da ich heimlich trank mussten sie sich ja nicht mal Sorgen um mich machen.

    Was für eine hirnlose Denke. Natürlich bemerkte vor allem meine Frau, dass unsere Ehe längst im Eimer war. Das sie nicht mehr an mich heran kam, ich mich mehr und mehr zurück zog. Dass ich emotional total abstumpfte und wirre Ansichten hatte. Ich kannst kaum erklären denn trotzdem funktionierte ich ja. Ging zur Arbeit, war erfolgreich, usw.

    Tja, natürlich habe ich vor allen in den ersten Jahren der Sucht, also ab dem Zeitpunkt wo ich merkte "da stimmt was nicht", versucht etwas dagegen zu unternehmen. Das Ergebnis waren dann Trinkpausen. Anfangs sogar mehrere Monate, später Wochen, dann Tage und irgendwann war es ein mega Erfolg wenn ich mal nur 4 oder 5 Bier am Tag getrunken hatte statt 10 oder 12.

    Nur ließ mich die Sucht nicht raus. Es ging immer weiter und immer tiefer, so wie das bei den meisten der Alkoholiker ist. Und die meisten kommen da auch nicht heraus, sie sterben an ihrer Sucht. Entweder mittelbar oder unmittelbar. Es sind nur wenige, die überhaupt ernsthaft etwas dagegen tun (können) und davon sind es dann auch wenige, die es dauerhaft schaffen die Sucht zu überwinden. Einige davon schreiben hier im Forum.

    Ich darf einfach nur dankbar und glücklich sein, dass es mir gelungen ist. Wie? Das wirst Du Dich jetzt vielleicht fragen. Ja wie? Ja wie soll ich Dir das jetzt erklären? Einfach so, einfach so an einem Abend wo ich mit 4 oder 5 Bieren intus (mein warumup) nach Hause kam und mir meine Frau eine große von ihr aufgedeckte Lüge präsentierte. Und plötzlich, völlig ungeplant, wusste ich: Jetzt mache ich reinen Tisch! Ich hätte mich auch aus dieser Situation wieder (wie unzählige Male zuvor) heraus lügen können. Mit etwas Aufwand aber es wäre mir sicher gelungen, denn ein Alkoholiker ist der Godfather der Manipulation und Täuschung. Aber ich wollte nicht mehr.

    Und so machte ich reinen Tisch in dem vollen Bewusstsein, dass danach nichts mehr so sein wird wie es vorher war. So kam es auch. Mein ganzes Leben veränderte sich, alles wurde anders. Trennung von meiner Familie, ich erst mal nur mit mir selbst und meiner Schuld beschäftigt usw.

    Jetzt möchte ich aber auch betonen: Für meine Familie war das der Supergau! Papa weg, Mann weg, alle Zukunftspläne weg, alles weg! Ich hatte mit meiner Sucht alles kaputt gemacht, allen schlimmstes Leid zugefügt. Inklusive meiner selbst, denn auch ich ging (jetzt ja auf Dauer ohne Alkohol) durch die Hölle. Aber ich hatte kein Selbstmittleid sondern ich war mir immer bewusst, dass ich der Täter war, nicht das Opfer. Denn niemand hatte mir den Alkohol eingeflösst, ich trank ihn selbst und zumindest anfangs auch freiwillig.

    Dazu kenne ich auch andere Meinugen. Ich kenne auch Alkoholiker, die sagen: das war nicht ich, das war die Sucht, der Alkohol. Da kann man diskutieren, etwas dran ist aus meiner Sicht natürlich. Ich sehe es aber trotzdem anders und ich kann und will meine Verantwortung nicht auf den bösen Alkohol abschieben. Letzlich gibt es hier bei uns in Deutschland viele Hilfsangebote die es einem ermöglichen wenigisten den Kampf gegen die Sucht aufzunehmen. Ob man ihn dann gewinnt steht nochmal auf einem anderen Blatt.

    So, jetzt habe ich viel geschrieben und weiß gar nicht mehr so recht, ob ich damit überhaupt auf Deine eigentlichen Fragen richtig eingegangen bin.

    Aber ich belasse es jetzt mal dabei. Wenn Du Fragen hast, dann stelle sie gerne.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Antworten auf Deine Fragen bekommst und diese Dir dann auch weiterhelfen um Frieden schließen zu können.

    LG
    gerchla

    Hallo DieGedankensindfrei,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum. Schön, dass Du uns hier Deine Geschichte erzählst.

    Ich bin Alkoholiker, 50 Jahre alt und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol.

    Ich muss sagen, Deine Geschichte hat mich sehr bewegt und berührt. Ich glaube Du bist eine starke Frau und Du hast meinen allergrößten Respekt. Du konntest Dich lösen aus dieser völlig kaputten Mutter-Kind-Beziehung, konntest Dein eigenes Leben aufbauen. Auch wenn es vielleicht ein wenig unkonventionell passierte, wie ich aus Deinen Zeilen heraus lese.

    Von den vielen Geschichten Angehöriger hier weiß ich, dass es nicht selbstverständlich ist sich lösen zu können. Du hast das Stichwort "Co-Abhängigkeit" ja schon angesprochen. Ich denke Du hast das richtig gemacht, Du hast Distanz geschaffen, bist weg und hast Dein eigenes Ding gemacht. Wie es dabei in Dir selbst ausgesehen hat, wie es Dir dabei gegangen ist, das weißt nur Du selbst. Ich vermute aber, dass es ein harter und schwerer Weg war und noch ist.

    Und jetzt, so denke ich mir, gehst Du ans Aufarbeiten. Und ich glaube, dass Du das ganz richtig machst, denn nur so wirst Du das Leiden, welches Du ja nach wie vor empfindest, lindern oder vielleicht sogar ganz beseitigen können. Bei mir als Alkoholiker war es jedenfalls so. Mein Aufarbeiten hat mir zentral geholfen, mein "altes" oder anderes Leben zu aktzeptieren, meine Schuld (davon kann jetzt aber bei Dir keine Rede sein) zu akzeptieren um überhaupt erst mal ein neues Leben beginnen zu können.

    Ich denke, dass ich nicht ganz der "Richtige" hier im Forum für Dich bin, denn ich bin ja sozusagen auf der anderen Seite, also ich bin Alkoholiker. Hier sind aber auch viele Angehörige, teils Partner, teils aber auch Kinder von Alkoholikern, mit denen Du sicher einen ganz wertvollen Austausch führen kannst. Das wünsche ich Dir auf jeden Fall und dass Du einen Weg finden kannst, um mit Deinem früheren Leben Frieden zu schließen.

    Alles alles Gute und

    LG
    gerchla

    Hallo Manuel,

    herzlich Willkommen bei uns im Forum.

    Ich bin 50 Jahre alt, Alkoholiker, Vater von 3 Kindern und lebe jetzt schon länger ohne Alkohol. Schön, dass Du den Mut hattest hier zu schreiben. Das ist nicht selbstverständlich und die Art wie Du schreibst zeigt mir, dass Du gerne raus möchtest, raus aus diesem Teufelskreis, wie Du es ja selbst schreibst.

    Als ich in Deinem Alter war hatte ich ein Kind, eilte beruflich von Aufstieg zu Aufstieg, war glücklich verheiratet, gesund, finanziell solide bebettet, lebte in einer Eigentumswohnung und alles war bestens. Trotzdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits Alkoholproblem. Noch nicht so weit ausgeprägt wie das bei Dir der Fall zu sein scheint, jedoch dürfte ich in dieser Zeit (also im Alter von knapp 30 Jahren) mit dem heimlichen Trinken begonnen haben. Auf den Tag genau kann ich das nicht mehr sagen, das verschwimmt alles ein wenig in meiner Erinnerung aber es kommt gut hin.

    Vom Trinkniveau her war ich damals viel niedriger als das was Du von Dir beschreibst. Ich trank ein, maximal zwei Bier. Diese jedoch regelmäßig, also täglich. Anfangs "ganz normal" zum Feierabend, später dann heimlich, weil ich Diskussionen mit meiner Frau vermeiden wollte.

    Zu dieser Zeit hätte ich vielleicht noch "relativ einfach" die Reißleine ziehen können. Jedoch war ich mir der großen Gefahr in der ich schwebte nicht bewusst. Ich wusste zwar schon, dass das mit dem heimlichen konsumieren jetzt nicht so eine ganz tolle Idee ist, hatte jedoch z. B. in der Arbeit gute Möglichkeiten mit Kollegen ein Feierabendbier zu trinken bevor ich nach Hause ging. So kam mir dieses heimliche Trinken gar nicht so heimlich vor. Ich verheimlichte es sozusagen "nur" vor meiner Frau. Nach ein paar Jahren jedoch war ich längst darüber hinaus und trank selbstverständlich auch zuhause heimlich und da war es dann aber längst zu spät. Da wusste ich dann auch, dass es nicht normal war was ich tat aber, die Sucht hatte mich schon fest im Griff.

    Übrigens auch zu dieser Zeit noch auf relativ "niedrigem" Niveau. Das war dann die Zeit wo ich mit 4 - 5 Bier pro Tag gut hin kam. Hier konnte ich auch noch längere Pausen einlegen, längere Zeit mal komplett verzichten. Immer dann, wenn ich mal wieder das Gefühl hatte, ich müsste jetzt dringend was ändern.

    Deshalb will ich Dir sagen, dass Du nichts darauf geben kannst, dass Du seit längerer Zeit stabil bei 2 Flaschen Wein bist (was ja aber auch schon eine gewaltige Menge ist). Das kann und wird sich ändern, wenn Du nichts dagegen unternimmst. Ich war mehrere Jahre auf der 4 - 6 Bier-Schiene unterwegs. Das war, leicht ironisch gesagt, meine "beste Zeit" als nasser Alkoholiker. Da funktionierte noch alles prima, ich war hell in der Birne, hatte noch alle sozialen Kontakte und niemand merkte mir irgendwas an.

    Tja, am Ende meiner Karriere trank ich über das Doppelte täglich plus Wein und begann früh morgens vor der Arbeit. Ich war sowohl körperlich im Eimer als auch ein psychisches Wrack. Vom Ende meiner "besten Zeit" bis zum totalen Wrack dauerte es dann vielleicht 3, maximal 4 Jahre. Und hätte ich den Absprung nicht geschafft, würde ich heute hier sicher nicht schreiben.

    Ich möchte Dich ermutigen, dass Du jetzt, wo Du hier ja schon einen ersten Schritt getan hast, darn zu bleiben. Ich kann Dir kein Patentrezept liefern, wie Du da jetzt heraus kommst. Aus meiner Erfahrung mit mir selbst aber auch aus dem, was ich die ganzen Jahre durch andere Alkoholiker erlebt und erzählt bekommen habe, wirst Du Deinen eigenen Weg finden und gehen müssen.

    Ich möchte Dir ans Herz legen, dass Du Dir möglichst viel Hilfe holst. Oder zumindest möglichst viele Hilfsangebote ausprobierst. Also ich meine damit: Geh zu Arzt und öffne Dich, geh zur Suchtberatung und rede mit Menschen die was davon verstehen, überlege Dir, ob Du nicht auch mal eine reale Selbsthilfegruppe besuchen möchtest.

    Du wirst dann merken was gut für Dich ist und Du kannst mit dieser Hilfe auch einen Plan machen, wie es bei Dir weiter gehen könnte. Da gibt es ja unterschiedliche Optionen. Z.B. Langzeittherapie ja oder nein, ambulante Therapie ja oder nein, gar keine Therapie aber vielleicht Unterstützung durch einen Psychologen usw. Manche kommen auch nur mit Unterstützung einer SHG zurecht.

    Die wenigsten allerdings, das will ich auch sagen, schaffen es komplett ohne Hilfe. Auch ich hatte dann, als ich so weit war, sehr viel Hilfe. Die ich mir selbst gesucht hatte und bereitwillig an nahm.

    Ich will Dich jetzt nicht gleich am Anfang zutexten, nicht dass ich Dich damit noch abschrecke. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn wir Dich hier ein Stück weit begleiten dürften, auf Deinem Weg. Und dann kann ich, können wir Dir zu gegebener Zeit immer wieder ein wenig über unseren Weg berichten, unsere Erfahrugnen mit Dir Teilen.

    Also, erst mal alles Gute von mir und einen guten Austausch hier im Forum! Ich freue mich wieder von Dir zu lesen!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Britt,

    was dieses neue Gruppenmitglied betrifft: Gut das Du es geschafft hast aus seinem Kopf heraus zu gehen. Aber weißt Du, mit der Erfahrung die Du ja jetzt schon hast, mit Deiner Alkoholgeschichte und auch mit Deiner langen Zeit, die Du jetzt schon ohne Alkohol lebst, da müsstest Du doch klar sehen, was für ein bedauerlicher Mensch das eigentlich ist. Das hat mir Dir, Deinem Job oder der Polizei generell eigentlich gar nix zu tun. Er verhält sich wie ein ganz klassischer, uneinsichter Alkoholiker, der so auf keinen Fall raus kommen wird aus seiner Spirale.

    Da darfst Du gerne drüber stehen. Und wenn Du noch einen Schritt weiter gehen möchtest, darfst Du diesen Menschen sogar bedauern.

    LG
    gerchla

    Hallo Ymmont,

    ich will meine Antwort mal ganz einfach halten: wenn Du bereits süchtig bist, wirst Du nicht mehr kontrolliert trinken können. Solltest Du „nur“ Missbrauch betrieben haben könnte es gelingen, das Risiko ist aber hoch, denn Dein Hirn weiß ja bereits sehr gut wie Alkohol funktioniert. Irgendwas muss er Dir ja geben, sonst hättest Du nicht so viel getrunken. Mit genießen hat das m.E. Nämlich nichts mehr zu tun.

    Tja wenn Du es nicht lassen kannst und willst, Dir also gar nicht vorstellen kannst erst mal einfach gar keinen Alkohol mehr zu trinken, dann wirst Du es wohl ausprobieren müssen. Dann wirst Du sehen was passiert. Diesbezüglich kannst Du Dich auch mal über das Programm zum „kontrollierten Trinken“ informieren. Allerdings kann das meiner Meinung nach nur funktionieren wenn Du noch nicht süchtig bist. Einem Süchtigen bleibt nur noch die absolute Abstinenz. Was übrigens keinen Verlust von Lebensqualität bedeutet sondern das genaue Gegenteil. Aber gut, das wirst Du Dir jetzt wahrscheinlich nicht vorstellen können, dafür scheinst Du noch zu sehr den Wunsch nach „Deinem“ Bier zu verspüren.

    Was immer Du jetzt tust: Wenn es schief geht wünsche ich Dir die Kraft und Einsicht dann die richtigen Schritte einzuleiten.

    Einen Trick, der es Alkoholikern ermöglicht ab und an mal was zu trinken und ansonsten abstinent zu Leben gibt es also natürlich nicht. Entweder süchtig oder nicht süchtig.

    Alles Gute
    Gerchla

    Hallo freedom8,

    meine Erfahrung, resultierend u. a. aus einer gescheiterten Ehe: Vertrauen ist das A + O einer funktionierenden Beziehung. Gibt es kein Vertrauen, wird eine Beziehung über kurz oder lang scheitern. Natürlich kann man auch Beziehungen in gegenseitigem Misstrauen führen, was ich jedoch als Zeitverschwendung erachte.

    Wie erreiche ich also Vertrauen? Durch Offenheit meinem Partner gegenüber. Reden, reden, reden. Ehrlichkeit ist dabei ein ganz wichtiger Aspekt.

    Bitte nicht falsch verstehen: Ich meine damit nicht, dass man seinem Partner wirklich allen seelischen Balast den man so mit sich herum schleppt auf's Auge drücken muss. Denn meiner Meinung nach ist ein Partner nicht gleichzeitig ein Therapeut, damit kann er/sie schnell überfordert werden. Mein Partner sollte allerdings genau wissen, weshalb ich zum Therapeuten gehe.

    In meiner jetzigen Ehe ist es so, dass meine Frau genau weiß, dass ich Alkoholiker bin, wie es dazu kam, wie ich mich mit meiner Krankheit auseinander setze, dass ich z. B. hier im Forum schreibe usw. Und wir reden auch ab und an über dieses Thema ganz allgemein, wenn es die Situation erfordert oder wir beide einfach Lust dazu haben. Gleichzeitig haben wir aber auch vereinbart, dass meine Alkoholsucht unser (ihr) Alltagsleben nicht dominieren soll. Ich ihr also nicht täglich meine neuesten Erkenntnisse bezogen auf meine Sucht usw. präsentiere.

    Nun ist meine Frau jedoch selbst nicht süchtig. In Deiner Situation, wo ihr ja beide betroffen seid, halte ich es für extrem wichtig, dass ihr Euch "Regeln" gebt. Dass Ihr unbedingt miteinander sprecht um Euch ggf. auch gegenseitig stützen zu können. Offenheit erzeugt Vertrauen und Vertrauen könnt Ihr beide sicher gut gebrauchen. Diese Thema zu tabuisieren, alles was Dich oder sie diesbezüglich beschäftigt einfach auszubleden und es dann im Gegenzug mit sich allein auszumachen, kann sehr gefährlich werden.

    Wie gesagt, Deine Partnerin ist nicht Deine Therapeutin oder Psychologin. Aber sie sollte doch wissen was Dich beschäftig, was in Dir vor geht usw. Und ja, umgekehrt natürlich genauso!

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Bine,

    also, das liest sich für mich sehr gut. Ein wenig fühle ich mich an meine damalige Situation erinnert. Ich schrieb ja schon häufig, was bei damals "abgelaufen" ist. Was ich damals als ganz stark empfunden habe, war dieses Gefühl zu wissen, dass ich nicht mehr trinken möchte. Und das ich bereit bin alles dafür zu tun um das zu schaffen. Ich hatte eine große Zuversicht, die ich z. B. auch durch meine ganzen Aktivitäten gewonnen habe. Mit Aktivitäten meine ich, dass ich richtig aktiv wurde was die Bekämpfung meiner Sucht betraf. SHG war eine, Psychologe war eine andere, mich Outen und mich z. B. mit meinem besten Freund intensivst austauschen wieder eine andere. Und dann natürlich der Mönch.

    Für mich war es entscheidend, dass ich all diese Dinge gemacht habe. Dann sie halfen mir, meinen Weg zu finden. Immer und immer wieder konnte ich korrigieren, begann langsam mehr und mehr zu verstehen.

    Ich denke, ganz wichtig ist, dass man über die Aufarbeitung lernt /erkennt, wie sich die Sucht in einem manifestieren konnte. Um so genau diese Trigger künftig auszuschließen bzw. sollten sie mal auftreten, sie "beherrschen" zu können.

    Am Ende dieses langen Prozesses steht meiner Meinung nach dann das Ziel ein (wirklich!) zufriedenes Leben (gerne auch ein glückliches Leben) zu führen. Denn ich glaube, wenn man es schafft mit seinem Leben zufrieden zu sein, also so richtig zufrieden, dann fällt der Grund Alkohol trinken zu wollen weg. Das ist m. E. ein lebenslanger Prozess der nie endet und der viel Aufmerksamkeit sich selbst gegenüber erfordert. Denn, so ein Leben ist eben ein Leben. Und zwar mit allen Unwägbarkeiten - positive wie auch negative. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich immer wieder mal an einen Punkt komme, wo ich eine Entscheidung für mein weiteres Leben treffen muss - mal eine eher kleine, manchmal auch eine große. Und genau hier geht darum auf sich zu achten, Prioritäten zu setzen, im Gleichgewicht zu bleiben.

    Denn, worüber man sich natürlich immer im Klaren sein muss: Nur weil man es jetzt geschafft hat vom Alkohol weg zu kommen, packt einem das Leben nicht in Watte. Es passiert alles so, wie es passieren soll. Die alkoholbedingt selbst herbeigeführten Katastrophen fallen natürlich weg. Mit anderen negativen Einschlägen müssen wir umgehen wie jeder andere Mensch auch. Und genau da halte ich es für besonders wichtig darauf zu achten, immer im Gleichgewicht zu bleiben. Und ich glaube wirklich, dass wir gerade durch unsere Sucht hier sogar eine spezielle Chance haben.

    Nämlich die Chance, ein besonderes Bewusstsein zu entwickeln, das gestärkt wird durch die oft sehr sehr tiefgründigen und negativen Erfahrungen / Erlebnisse die wir während unserer nassen Zeit gemacht haben.

    Und was ich noch sagen möchte: Es sind nicht immer die großen Einschläge im Leben, die am gefährlichsten sind. Ich halte "ein sich aus den Augen verlieren", das Einschleichen einer "irgendwie ist alles blöd und ich weiß nicht warum"-Stimmung (weil eigentlich gehts mir doch gut) für oft viel gefährlicher! Große negative Ereignisse, wie z. B. der Tod eines lieben Menschen, kann man aufarbeiten, ggf. auch mit Hilfe von außen - eine "eigentlich passt doch alles und trotzdem fehlt mir was" Stimmung hingegen ist viel schwerer zu greifen. Da muss man sich schon sehr gut kennen und sich sehr intensiv mit sich selbst auseinander setzten.

    Ok, jetzt bin ich leicht ins Philosophische abgeglitten ;D

    Ich habe mich jedenfalls sehr über Deine Rückmeldung gefreut. Bleib dran! Arbeite auf, auch wenn's manchmal weh tut. Jedoch lernst Du dabei auch ganz viel über Dich selbst und es kann sehr sehr erfüllend und spannend sein. Und, wann immer Dir danach ist, teile Deine Erfahrungen hier mit uns. Und wenn Du uns brauchst, dann weißt Du ja wo wir sind.

    LG
    gerchla

    Guten Morgen Bine,

    nur ganz kurz, weil ich weg muss:

    Zitat

    Aber ich sehe durch eure Nachrichten, dass es ja eigentlich nicht weh tut, eigentlich kein Verzicht ist...Das muss jetzt nur noch wirklch in meinem Kopf ankommen.

    Du darfst das "eigentlich" getrost weg lassen. Es dauert einen Moment, bis man an diesem Punkt ankommt. Dietmar hat auch schön beschrieben warum das so ist. Aber man kommt dort an, das darfst Du mir gerne glauben.

    Zitat

    Aber ich fange an zu verstehen.


    Das freut mich sehr!

    Bleib dran! Ich wünsche Dir nur das Allerbeste!

    LG
    gerchla

    Hallo Bine,

    vieles von dem was ich Dir, nachdem ich Deine Antwort auf meinen Post gelesen hatte, schreiben wollte, hat Dietmar aus meiner Sicht bereits wunderbar erläutert.

    Ich will Dir zu einigen Dingen trotzdem noch meine Meinung sagen:

    Zitat

    Ich weiß genau dass ich es lassen muss, tu es aber nicht.


    Bei dieser Aussage von Dir wird es schön deutlich: Du MUSST es lassen, aber Du willst es eigentlich gar nicht. Du weißt, Du MUSST, aber weiter trinken wollen würdest Du schon gerne. Idealerweise moderat, so wie es nicht süchtige Menschen ja auch tun und können. Ist es nicht so? Und Dein, ich nenne es jetzt mal Suchtteufelchen, wird Dir immer wieder sagen: Das muss doch zu machen sein, das kann doch nicht so schwer sein.

    Wirklich Freude wird erst nach längerer Zeit der Abstinenz aufkommen. Das hängt mit den biochemischen und hormonellen Nebenwirkungen des Alkohols ab, die durcheinander gekommen sind. Die anfängliche Freude, nach wirklich schlimmen Eskalationen, mal für ein paar Tage ohne Alkohol auszukommen, bricht sehr schnell in sich zusammen.


    Hier hat es Dietmar genau auf den Punkt gebracht. Ich kenne das auch von mir. Meist war es irgend ein Ereignis, das mir klar machte: So geht es nicht weiter. Ich MUSS jetzt was unternehmen. Ich MUSS jetzt aufhören mit dem Trinken. Und so begannen bei mir die Trinkpausen. Ich schrieb schon, dass diese am Anfang meiner Sucht relativ lange andaurten, später immer kürzer wurden und am Ende gar nicht mehr möglich waren.

    Was passierte da dann also bei mir? Erst mal war ich entschlossen nichts mehr zutrinken. Und zog das dann auch erst mal durch. Gerade am Anfang motivierte ich mich besonders durch das zählen der Tage, die ich nun schon ohne Alkohol war. Ich erinnere mich gut, dass sich 7 Tage ohne oder 20 Tage ohne so richtig gut für mich anhörten. Ich weiß noch, dass ich mir das auch immer wieder vorgesagt habe und mir stolz auf die Schulter geklopft habe. Ich weiß auch noch, dass ich nie ernsthafter darüber nachdachte, was ich denn jetzt für Vorteile habe. Klar erkannte ich die für mich ganz offensichtlichen, z. B. das ich mich nicht um Beschaffung und Entsorgung (ich trank ja heimlich wie Du weißt) kümmern musste. Ansonste, das kann ich klar sagen, war der GROßE Vorteil für mich aber, dass ich mein Gewissen beruhigt hatte.

    Und das in mehrer Hinsicht. Einmal gegenüber meiner Familie, der ich in dieser abstinenten Phase keine Lügengeschichten erzählen musste, denen ich mit "gutem Gewissen" zeigen konnte, dass alles so ist wie sie glaubten das es sei. Und dann auch mir Gegenüber, denn je länger diese Phase andauerte, desto beruhigter wurde ich und desto mehr Hoffnung hatte, vielleicht doch kein Alkoholproblem zu haben.

    Nun, eine ganz fatale Angelegenheit. Denn hat sich die Sucht bereits manifestiert, egal übrigens auf welchen Trinkniveau und auch egal wie lange man schon süchtig war, dann wird eben diese Sucht alles dafür tun, um wieder aktiv werden zu können. In meinem Fall gab es meist zwei Szenarien:

    Szenario 1: nach längerer Zeit ohne Alkohol meinte ich, ich könnte ja vielleicht doch moderat bzw. kontrolliert wieder trinken. Weil, wer so lange ohne sein kann, der kann ja auch mal ein Bier am Tag trinken, aber keinesfalls mehr = fataler Irrtum, wenn man bereits süchtig ist. Warumj ich das unbeding aber wollte, das habe nicht hinterfragt :o

    Szenario 2: irgend ein Anlass stand an (z. B. Geburtstagsfeier / ich erinnere mich auch an ein Silvester, etc.) und, da ich ja schon so lange nichts mehr getrunken hatte, kann ich dort ja mal ein paar Bier trinken (öffentlich trank ich ohnehin nicht viel) und danach einfach wieder aufhören = fataler Irrtum, siehe Szenario 1

    All das "machte" die Sucht. Ich hab's damals nur nicht so richtig verstanden. Entscheidend für mich aus heutiger Sicht ist, dass ich immer dachte ich müsste, obwohl ich ja eigentlich nicht wollte. Klar wollte ich nicht mehr so viel und nicht mehr so regelmäßig trinken. Aber ich konnte mir gar nicht vorstellen überhaupt nichts mehr zu trinken. Letztlich wollte ich doch einfach nur das, was die Masse der Menschen auch konnte: Ab und an mal was trinken!

    Zitat

    ch möchte keine Trinkpause, ich möchte aufhören, weiß aber nicht wie. (und gleichzeitig frage ich mich, will ich es denn wirklich oder sage ich es nur, weil ich es sagen sollte. Denn sonst wäre ich ja schon lange abstinent).


    In dem was Du in Klammer geschrieben hast steckt für mich der Kern. Siehe das, was ich oben geschrieben habe.

    Leider, liebe Bine, kann ich Dir nun nicht sagen, wie Du dazu kommst, es wirklich zu WOLLEN. Darüber hat Dir Dietmar ja schon einiges geschrieben. Es ist höchst individuell. Bei Dietmar war es Prozess, es klingt fast danach als hätte er es sich "erarbeitet". Bei mir war ein Punkt erreicht, wo ich so am Ende war, dass ein kleiner Auslöser reichte um quasi "spontan" zu beschließen: ab jetzt ist schluss. Aber im Grunde war es auch ein Prozess, der mich über Jahre immer tiefer in die Sucht sinken ließ um dann an meinem "persönlichen Tiefpunkt" zu dieser Entscheidung zu finden.

    Zitat

    Viele hier spechen von diesem "Schlüsselerlebnis", du von dem Tag "x".
    Darauf will ich nicht warten, aber ich weiß nicht was ich brauche um den Alkohol wirklich hinter mir zu lassen.


    Dazu möchte ich Dir sagen: ja, viele HIER IM FORUM, hatten so ein Erlebnis oder aber kamen, wie Dietmar, anderweitig zur Erkenntnis aufhören zu wollen. ABER: Hier sind ja nur die, die es geschafft haben (und natürlich die, die Hilfe suchen so wie Du). Die ganz große Masse an Alkoholiker bleibt in ihrer Sucht gefangen. Es sind ja eher wenige, die den Kampf gegen die Sucht aufnehmen und dann noch weniger, die ihn auch dauerhaft gewinnen.

    D. h., viele erleben keinen Tag X, haben kein Schlüsselerlebnis und können sich auch anderweitig nicht dauerhaft vom Alkohol lösen. Und funktionieren dann halt irgendiwe trotz Sucht (Stichwort: funktionierender Alkoholiker) bis sie irgendwann halt mal.... ja was auch immer.

    Ich schrieb Dir, dass ich Dir auch nicht sagen kann, wie Du vom müssen zum wollen kommst. Ich finde hier aber Dietmar's Ansatz, Dir einfach mal klar zu machen, wozu Dir der Alkohol eigentlich dient, als sehr guten Weg.

    Ich (und ich glaube viele andere trockene Alkoholiker auch) haben sich diese Frage dann im Nachhinein gestellt um überhapt erst mal verstehen zu können, wieso sie in diese Sucht gerutscht sind und dann so lange darin gefangen waren. Ich musste mir diese Frage auch beantworten, weil mir die Antwort darauf elementar hilft, mein Leben dauerhaft ohne Alkohol zu leben. Als ich erkannte, warum ich trank (ich hatte objektiv gesehen überhaupt keinen Grund mit dem Saufen anzufangen), konnte ich lernen, diese "Suchtauslöser" zu bekämpfen. Ich konnte Alternativen finden, die das Ergebnis brachten, welches ich glaubte durch den Alkohol zu erreichen. Und je mehr mir das gelang, je mehr ich verstand, desto klarer wurde mir wie sinnfrei der Alkohol in meinem Leben eigentlich war und ist.

    Ich sage Dir hier aus vollster Überzeugung, dass ich (und auch Du) ohne Alkohol alles genauso gut, mindestens genauso gut, erleben / machen /fühlen /lösen etc. kann wie mit. Hätte mir das jemand in der Zeit als ich trank, ich hätte das als frommen Wunsch empfunden. Und ich sage Dir das als jemand, der durchaus auch positive Erinnerungen an Alkohol hat. Was war das schön, wenn wir im Urlaub zusammen mit einem Glas Rotwein in den Sonnenuntergang gesehen haben.. oder wie war das schön und verbindend, wenn ich mit Freunden um den Grill stand und wir über Gott und die Welt philosophiert haben und uns dabei zugeprostet haben. Es gibt da ja auch den Spruch: Wie soll ich meinem besten Kumpel denn sagen das ich ihn liebe, wenn ich mich mit ihm zusammen nicht mehr betrinken kann?

    Nun, ich habe heute all diese Erlebnisse auch. Sogar größtenteils mit den selben Freunden. Nur ohne Alkohol und ich sage jetzt mal: Es ist noch viel schöner.

    Ich könnte hier jetzt unzählige andere Beispiele nennen. Ich denke, Du weißt was ich meine.

    Ich wünsche Dir in jedem Fall, dass Du nicht so tief in Sucht versinken musst umd irgendwann mal einen Tag X zu haben. Vielleicht kannst Du (noch) gegensteuern. Ich wünsche es Dir.

    LG
    gerchla