Beiträge von Paddy

    Ich hatte gerade letzte Woche dieses Thema: ich war beim Zahnarzt zur Reinigung (das erste Mal seit 15 Jahren 😳) und sollte vorab den Mund spülen. Es war mir ehrlich gesagt egal, on da Alk drin ist oder nicht. Ich kann da anscheinend gut unterscheiden, Mundwasser ist Mundwasser und Schnaps ist Schnaps 😉. Tiramisu u.ä. lasse ich aber auch stehen, ich glaube, es würde mir gar nicht schmecken. Und bei Medikamenten gibt es eigentlich immer eine alkoholfreie Alternative.

    „Der kleine Prinz“ habe ich im KH während meiner Entgiftung gelesen, zum ersten Mal. Das ganze Buch ist einfach genial, aber das kurze Kapitel über den Säufer war natürlich etwas ganz besonderes!

    Moin Tom,

    Respekt, da hast du dir ja was vorgenommen 💪 ich wünsche dir eine schöne Zeit, genieße die Tour! Ich war eben eine Stunde im Wald spazieren, auch im hohen Norden,und habe diesen Frühlingsausbruch förmlich aufgesogen. Und weil ich gerade im Flow bin geht’s gleich in meinem kleinen Garten weiter 🌷🥀💐😊

    Ist vielleicht die Sucht schuld?

    Das klingt banal, hat aber mMn einen wahren Kern. Ich frage mich natürlich auch, wie ich in die Sucht rutschen konnte und finde keine Antwort. Meine Kindheit war „okay“, ich habe keine schweren Traumata erleben müssen, meine Eltern haben Alkohol nur moderat konsumiert (soweit ich das mitbekommen habe). Ich hatte lange Zeit keine großen Probleme zu bewältigen, ernst wurde es erst als ich um die 30 war. Für mich war es sogar ein Stück Freiheit, als ich mit Mitte 20 in meiner ersten eigenen Wohnung abends Bier oder Wein trinken konnte, zur Entspannung. Das gehörte für mich zum normalen Leben eines Erwachsenen dazu und war „freier“ Wille. Die Sucht hat sich erst Jahre später entwickelt, soweit ich das beurteilen kann, als Folge des regelmäßigen Konsums mit steigenden Mengen. Sozusagen ein physiologisch erklärbarer Prozess.

    Andererseits stehe ich erst ganz am Anfang des Prozesses und frage mich auch, ob da noch etwas in meiner Psyche schlummert, das ich noch erkunden muss. Ich setze mich da aber auch nicht unter Druck, alles zu seiner Zeit.

    Zitat

    Warum sagen wir nicht einfach "allen" Konsumierenden, Alkohol/Suchtmittel sind ungefährlich, wenn du sie nicht konsumierst

    weil jeder Abhängige darüber lachen würde. Falsch ist es dennoch nicht, als Desinfektionsmittel ist Alkohol sogar sehr hilfreich 😉. Für mich ist die Flasche Wein im Supermarkt auch ungefährlich, solange sie da rum steht und nicht in meinem Einkaufswagen landet.

    Ich denke, jeder hat auf dem Weg zur Abstinenz seine ganz eigene Einstellung zum Alkohol entwickelt und wenn sie hilft, ist sie richtig.

    Warum warnte mich niemand davor?

    Eine absolut berechtigte Frage! Andererseits: Warne ich andere davor Alkohol zu trinken? Wenn ich sehe, dass z.B. meine Kinder Alkohol trinken, dann mache ich mir ernsthaft Sorgen. Nicht nur wegen der Gefahr, dass sie abhängig werden können, sondern auch wegen der prinzipiellen Gefahr für die Gesundheit. Ansprechen werde ich das Thema nicht, weil ich fürchte, dass es wie eine Moralpredigt rüberkommt. Nach dem Motto: das muss er ja als trockener Alki sagen. Ich kann nur hoffen, dass ich ihnen ein abschreckendes Beispiel als Süchtiger und ein positives Beispiel als Abstinenter bin.

    Wenn ich wegen Alkohol am Steuer meinen Führerschein verliere und sogar zur MPU muss, muss der Pegel ja schon recht hoch gewesen sein. Die Autofahrt mag dann ein "Ausrutscher" gewesen sein, der hohe Alkoholkonsum wohl eher nicht. Ich kenne mindestens zwei Personen, die mit großer Anstrengung ein Jahr abstinent geblieben sind und ihren Führerschein wieder bekommen haben, aber danach froh waren, endlich wieder saufen zu können. Einsicht? Nicht wirklich.

    Das ist doch ein schönes Bild: der Dreck muss weg! Ich habe für mich bemerkt, dass es mir leichter fällt, den inneren Schweinehund zu besiegen. Ich bin aktiver und was gemacht werden mus, mach ich (meistens 😬). Dadurch sind viele kleine Dinge im Alltag einfacher geworden und belasten mich nicht unnütz lange.

    Mojo der Konsum von Alkohol respektive Drogen ist weit verbreitet in der Künstlerszene, gehört nach meiner Erfahrung längst nicht mehr zum guten Ruf. Ich habe viele Jahre semiprofessionell Musik gemacht und festgestellt, dass die, die es Ernst meinen, auf Drogen bewusst verzichten. Alkohol führt ganz simpel dazu, dass die Feinmotorik gestört wird und der „Geist“ langsamer arbeitet. Das mag bei einem bildenden Künstler weniger auffallen oder sogar kreativ wirken, für einen Musiker ist das fatal. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich Auftritte nüchtern viel kreativer spielen konnte, während ich unter Alkohol meistens nur das gelernte routiniert runtergespielt habe. Im Gegenteil, da ich etwas enthemmter war habe ich mir Sachen zugetraut, die gründlich in die Hose gingen.


    Will sagen: egal, ob Künstler, Kreativer oder Normalo: die Sucht und die Auswirkungen vom Alkohol sind bei allen gleich.

    Es gibt Selbstbetroffene, die von Anfang an den Weg der Konfrontation gehen können, es gibt aber auch nicht gerade wenig andere, die genau das, die Konfrontation, erstmal völlig überfordert.

    Genau, das muss die jeweils „andere Seite“ aber erstmal verstehen bzw. akzeptieren. Bei mir z.B. war das Erstaunen in der SHG groß, dass ich nach so kurzer Zeit kein Problem damit hatte, dass zu den Feiertagen in meiner Gegenwart Alkohol getrunken wird. Ich kann Situation wie Suchtdruck/Craving nicht nachvollziehen, weil ich sie nicht erlebt habe. Trotzdem ist mir bewusst, dass andere Menschen ein Riesenproblem damit haben können.

    Ich fürchte, wir verlassen gerade das Thema 😉😁

    Vorsicht, Paul , deine Argumentation geht in die Richtung, dass. ein Alkoholiker freiwillig trinkt und nur einen schwachen Willen hat —> Stigma. Welche Entscheidung treffen wir schon aus freien Willen, was ist freier Wille überhaupt?

    Es ist aktuell allgemeiner Konsens, dass Süchte vom Unterbewusstsein gesteuert werden, also dem Teil des Gehirns, dass uns Atmen lässt und verhindert, dass wir damit willentlich aufhören. Bei einer Sucht hat das Unterbewusstsein etwas falsches gelernt und verinnerlicht. Dazu hat sich kein Süchtiger aus freien Willen entschieden. In das Unterbewusstsein können wir nur sehr beschränkt eingreifen, bei Süchten z.B. durch Therapien, ändern des Mindsets usw. mit dem Ziel, altes zu verlernen und neues zu lernen.

    Ich habe dazu mal eine Frage: Habt ihr bereits schlechte Erfahrungen nach einem "Outing" gehabt? Hattet ihr den Eindruck, dass ihr stigmatisiert werdet oder geringschätzig behandelt werdet?

    Vielleicht hatte ich bisher einfach Glück, aber wenn ich mein Alkoholproblem in der Familie, im Freundeskreis oder bei Arbeitskollegen angesprochen habe waren die Reaktionen auf meine Abstinenz durchweg positiv, aber auch nachdenklich in Hinsicht auf den eigenen Alkoholkonsum.

    Ob ich über den Grund, warum ich keinen Alkohol trinke, rede ist bei mir situationsabhängig und ich gehe damit nicht hausieren. Ich halte mich eher zurück, wie ich es auch bei anderen, sehr privaten Themen tue. Aber Angst vor dem Thema habe ich auch nicht. Und wer mich deswegen, aus welchem Grund auch immer, verurteilt, kann gerne aus meinem Leben verschwinden.

    Hallo Mausezahn, gut, dass du erstmal durchgehalten hast, bleib dabei! Ja, es hilft sehr viel, darüber zu reden, ein Gespräch ist einfach nachhaltiger als sich nur in Gedanken damit zu beschäftigen. Willst du eigentlich eine Therapie machen? Und gehst du zu einer Selbsthilfegruppe? Es hilft enorm, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, geht mit auf jeden Fall so.

    Hallo Ciara,

    Mein Konsum hat sich über lange Zeit gesteigert, war die letzten Jahre aber konstant bei 1l Bier + 1l Wein, nur abends. Nicht mehr und nicht weniger. Die nächste Steigerung wäre es gewesen, tagsüber gegen die Entzugserscheinungen zu trinken, da habe ich dann die Reißleine gezogen.

    Ob jemand körperlich abhängig ist, kann jeder selbst beurteilen, Ehrlichkeit vorausgesetzt. Bei mir waren es typische Symptome wie zitternde Hande und übermäßiges Schwitzen, das war eindeutig.

    meine Freundin trinkt seit mindestens 10 Jahren eine Flasche Wein und eine Flasche Sekt täglich […] Aber warum bleibt sie täglich bei jeweils einer Flasche?

    Äh, das sind zwei Flaschen 😬😉

    Ist das kontrollierter Konsum ?

    Gute Frage, wenn jemand nur so viel trinkt, wie lange Zeit als unbedenklich galt, hat diese Person sich ja unter Kontrolle. Es entwickelt sich keine Suchtproblematik und es ist klar, wann es genug ist, ma ntrinkt also kontrolliert, bewusst oder unbewusst. Das ist dann auch nicht anstrengend, Anders sieht es meiner Meinung nach aus, wenn eine Sucht vorlag und der Alkoholkonsum nach definierten Regeln stattfindet. Wenn das aber für jemanden funktioniert ist das ja ok und gut, zumindest besser als jeden Tag bis zum Filmriss zu trinken.

    Auch wenn es für mich kein Thema ist, würde mich interessieren, wie sich KT im Alltag darstellt. Paul fragt zu recht: bist du damit zufrieden? Kann KT stressfreier sein als totale Abstinenz?

    Meine Meinung zum KT, die einige sicher recht radikal finden werden:

    Ich habe gelernt, dass Alkohol ein süchtig machendes Nervengift ist. Es greift auch in kleinen Mengen massiv in unsere Hirnchemie ein und ist verantwortlich für diverse üble Erkrankungen. Nennt mir einen Grund, warum ich mir das „kontrolliert“ antun sollte.