Was war entscheidend dafür, dass es Dir dann schließlich doch gelungen ist?
Ich bin durch den Alkohol ins Suizidale abgerutscht. Nachdem ich einen Abend völlig fertig, depressiv und unter Alkoholeinfluss enthemmt an den Platz gegangen bin, den ich mir für den Suizid im Vorfeld ausgesucht hatte und mit einer immer größer werdenden inneren Bereitschaft, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung gekämpft habe, bin ich nach ein paar Stunden an dem besagten Ort aus meinem Film aufgewacht, war schlagartig nüchtern und innerlich komplett leer, weil ich völlig fertig war über mein Vorhaben in den Stunden davor. Ab dem Zeitpunkt war klar…ok, ich hab‘s nicht geschafft mich umzubringen, ergo will ich wohl leben. Dann muss sich jetzt was ändern. Mit dem Alkohol ist Schluss. Der Preis meines Lebens war mir zu hoch, um ihn an den Alkohol zu bezahlen. Ganz einfache Milchmädchenrechnung so gesehen. Bin danach in den Entzug (Doppeldiagnosenstation wegen der Suizidalität) und danach inne Reha.
Was hat Dich lange Zeit daran gehindert auszusteigen?
Mein tief in mir drin verwurzelter Leistungsgedanke, der mich lange in der Sucht hat aushalten lassen. Eine ausgeprägte Leidensfähigkeit. Fehlende Bereitschaft sich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und halt auch…Elternhaus. Ich komme aus einer dysfunktionalen Familie mit Gewalterfahrungen, emotionaler Vernachlässigung und ganz viel Mist. Wenn zwei von drei Kindern in der Sucht landen, ist zu Hause was falsch gelaufen. Das ist ein Kind zu viel, um Zufall zu sein. Bei der Bewältigung des Ganzen hat der Alkohol geholfen. Heute würd ich sagen…ich bin bereits mit 16 Jahren abhängig vom Alkohol geworden. 🤷♀️ Und weil der Alkohol so gut funktioniert hat, ich damit wunderbar Gefühle verdrängen konnte etc. hat das was gedauert bis ich mich davon trennen konnte (s.o.). Musste erst existenziell werden bei mir…Leben oder Sterben. 🫣