Beiträge von Bighara

    Stilles Wasser Ist das denn eine Frage, mit der man sich zwingend schon beschäftigen muss? Wenn ich mich an meinen Entzug erinnere, dann habe ich gerade am Anfang nur existiert und war froh, durch den jeweiligen Tag gekommen zu sein. Alle Folgethemen kommen mit der Zeit, wenn der Alkohol zurücktritt und Platz für andere Themen (und Fragestellungen) da ist.

    Lala Nur so als Tipp: Überleg dir schonmal Beschäftigungen oder Ablenkungen, denen du unmittelbar nachkommen kannst, wenn die Anspannung bei dir innerlich steigt. Damit du direkt was zu tun hast, dein Kopf beschäftigt ist und nicht erst überlegen musst. Mir hat Malen nach Zahlen zum Beispiel geholfen oder auch nen Spaziergang draußen (natürlich geht das nur, wenn man nicht die Gefahr bei sich sieht, nen Büdchen oder Supermarkt anzusteuern).

    Lala Nie wieder Alkohol trinken - lös dich mal vom ganz großen Rad und fang an lieber im Kleinen an. 😜 Heute nicht trinken, das langt völlig. Hangele dich lieber von Tag zu Tag und freu dich darüber, wenn du den Tag schaffst. Das nimmt was Druck raus. Denn Druck machste dir selbst gerade schon genug.

    Hinsichtlich deiner Frage zu kontrolliertem Trinken kann ich dir nur meinen Standpunkt schildern: Meiner Meinung nach ist kontrolliertes Trinken als vom Alkohol abhängiger Mensch nicht möglich. Ich kann den Alkohol nicht kontrollieren, denn er kontrolliert mich. Das habe ich akzeptiert und bin da auch völlig fein mit.

    Lala Hello! Hier bist du unter Gleichgesinnten, daher kein Grund zur Scham. Was du beschreibst, kenne auch ich noch zu gut. Der Kampf um die Kontrolle über den Alkohol, der nicht gewonnen werden konnte. Für dich ist das wahrscheinlich noch was zu früh, aber ich möchte es hier trotzdem platzieren…ich war so alt wie du, als ich im Sommer 2022 erstmalig in den Entzug gegangen bin und danach in die Entwöhnung. Ich bin zwar nicht verheiratet, aber mit Kind. Der Schritt in die Klinik war hart, aber im Nachhinein das Beste, was ich hätte machen können. Raus aus dem Alltag, somit hatte ich die Zeit mich nur um mich selbst zu kümmern und wie ich ohne Alk klarkommen kann. Darüber hinaus wurde therapeutisch auch aufgearbeitet, wieso weshalb warum der Alkohol solch eine Funktion in meinem Leben einnehmen konnte. Das war wirklich hilfreich. Seitdem hab ich auch keinen Tropfen mehr angerührt. 🥳😁 Ich möchte das nur mal als mögliche Option hier in den Raum werfen. Gibt viele Wege, die nach Rom oder in Abstinenz führen. Aber lass die Scham nicht gewinnen, denn die ist scheisse. Zieh dich nicht zurück, auch wenn du getrunken hast, schreib hier im Forum…hier triffst du auf Zuspruch und Verständnis. 🥰

    In diesem Sinne: Herzlich Willkommen!

    Gelernt hab ich das mit den Ich-Botschaften in der Therapie und in der Klinik. Nur so funktionieret auch eine Gruppentherapie, sonst wird die Gruppe auch schnell zur Meute.

    Gegen Ich-Botschaften ist gar nichts einzuwenden. Aber da ich als Egoistin wirklich viel um mich kreise, versuche ich mich bewusst auf Andere zu lenken und mehr hin zu ‚Was willst du‘ und nicht ‚Was will ich’. So ist das gemeint.

    AmSee13 Liebe AmSee, also, wenn ich eins in diesem Forum gelernt habe, dann dass ich NUR für mich sprechen kann. 🤣 Und das ist aus meinen Beiträgen aber auch klar zu erkennen. Da steht viel ‚Ich, Ich, Ich‘. Fühle mich da manchmal schon sehr egozentrisch, weil ich das im Alltag als geübte Egoistin versuche ein wenig abzustellen.

    Allein durch den Podcast beschäftige ich mich ja viel mit Sucht und mit allen möglichen Themen, die damit einhergehen. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige und mit zunehmender Dauer der Abstinenz ist es so, als würde sich immer mehr die Essenz der Sucht für mich herauskristallisieren. Manchmal denke ich mir dann: Hach, eigentlich ist es so einfach und naheliegend, weißt du?!

    Tiffy Weißt du, ich beobachte dass immer wieder, dass Menschen dich dafür schämen oder innerlich fertig machen, weil Suchtgedanken sie plagen. Mit dir ist alles in Ordnung, auch wenn du den Drang hast Alkohol zu trinken, obwohl es dir ohne Alkohol so viel besser geht. Ich finde, dass diese Suchtgedanken sogar wichtig sind, weil sie für dich auch als eine Art Hinweisgeber dienen können…vielleicht bist du in der Überforderung unterwegs, wenn die Suchtgedanken kommen? Ist dir in dem Moment alles zu viel? Ist ok, dann fahr einen Gang runter und kümmere dich um dich selbst. Für mich funktioniert der Weg See Akzeptanz sehr gut, weil ich es für müßig halte gegen meine Sucht anzukämpfen…das hieße ja, dass ich gegen mich selbst kämpfen muss und das ist ein Kampf, den ich nicht führen mag. Die Sucht ist ein Teil von mir, sie ist da und wenn sie anklopft mit Suchtgedanken, dass sage ich ‚Hallo, ich sehe, dass du da bist, ich weiß, was du mir gerade sagen möchtest, aber ich mache es heute anders als früher, daher danke für die Erinnerung an das Gewesene, aber du kannst jetzt auch wieder anziehen mit deinen Suchtgedanken.‘ Dieser Weg erfordert natürlich viel Aufmerksamkeit nach innen und den Wechsel auf die Metaebene, aber das ist alles machbar mit ein wenig Training. Sei auf jeden Fall nicht so streng mit dir selbst, wenn der Alkohol sich bei dir meldet. Es sind nur Gedanken, Tiffy. Erst mit wenn deine Beine, Hände und dein Mund auch zum Alkohol bewegen, damit schaffst du dann Tatsachen. Erst dann und zwischen Alkohol denken und Alkohol trinken - da liegt viel Zeit dazwischen. Wenn du an Alkohol denkst, hat das keinerlei Aussagekraft über dich als Person. Keine!

    Hallo Tiffy ,

    ich weiß nicht, ob dir das hilft, aber ich bin bald knapp zwei Jahre trocken und war heute auf der Beerdigung eines Freundes, den ein Herzinfarkt viel zu früh aus dem Leben gerissen hat. Seitdem ich vom Tod erfahren habe, ist der Wunsch da mich wegzuballern. Das hat aber weniger was damit zu tun, dass ich wirklich saufen will, sondern weil die Emotionen so stark sind. 20 Jahre Gefühlsbetäubung wische ich nicht mit 2 Jahren Abstinenz weg. Gelernt ist schließlich gelernt. 😉 Nimm den Drang zu Alkohol trinken als das, was er ist: Ein Drang, den dir deine alten Gedankenschaltkreise vorgaukeln. Es ist kein echtes Bedürfnis wie Wasser trinken, Essen oder Schlafen. Es sind nur fucking Gedanken und auf Dauer wird der Umgang mit den Emotionen leichter. Vielleicht sprichst du auch mit deinen Kindern darüber, was da gerade mit dir los ist, um was Druck von dir zu nehmen, was die Aufrechterhaltung der Fassade angeht.

    Moin Mops,

    ich denke, dass es darum geht, dass du deinen eigenen Weg findest und nicht, dich irgendwie anzupassen. Du bist kein Vereinsmensch? Wunderbar - ich auch nicht. 🙃 Ich hab nach der Klinik die Nachsorgegruppe verlassen, weil das ein ziemlich trauriger Haufen war. ABER: Ich kam aus einer geschützten Käseglocke einer Klinik…daher ist anfangs die Unterstützung durch Gleichgesinnte wirklich wichtig, denn wir Menschen sind nunmal auch Rudeltiere und mit dem Gefühl von Unterstützung lässt es sich dem Alkohol ‚einfacher‘ entsagen. Aber es gilt für dich den Weg zu finden, der für dich funktioniert. Wenn du dich regelmäßig zu SHG hinquälen musst, dann ist das auch nicht optimal. 🙈 Du musst auch nicht heute oder morgen eine Lösung finden….der Weg ist das Ziel, also gib dir was Zeit. 😊

    Honk Auch, wenn das natürlich nicht schön ist, so sind diese innerfamiliären Dynamiken im Rahmen der Abstinenz meines Erachtens in gewisser Weise normal. Bei mir ist der Kontakt zur gesamten Familie (zumindest das, was noch übrig war), wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Du hast das familiäre System verlassen durch die Abstinenz und passt damit nicht mehr so richtig rein. Das spüren die anderen Systemmitglieder in der Regel - wenn auch nur unterbewusst. Daher gibt es hier den berühmten Scheideweg: Entweder man geht mit, um sich selbst und das System zu verändern oder man hält am Status Quo fest und tut alles dafür, um das bestehende System zu erhalten. Die Angst vor Veränderungen grätscht hier voll rein und der letztere Weg ist meist der Bequemere. Aber Preis wird der Bindungsverlust zu dir und deiner Familie sein…vielleicht nicht komplett, aber die Art des Kontaktes verändert sich ja, denn wie du es ja beschreibst, gehst du schon in den Rückzug bzw. Vermeidung dieser Person. So alte eingefahrene familiäre Strukturen sind wahnsinnig schwer aufzubrechen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich hab‘s probiert. Am Ende steht die Erkenntnis: Wenn ich nicht zurück ins System, mich anpassen und dem fügen will, dann ist die Konsequenz, dass ich alleine (ohne Familie) bleiben muss. 🤷‍♀️

    rent Ich finde, es steht mir auch gar nicht zu. Nur, weil ich abhängig vom Alkohol geworden bin, heißt das noch lange nicht, dass alle Anderen auch ein Problem mit dem Alkohol oder Sucht allgemein haben. Klar, das Risiko, dass man abrutscht, ist natürlich da, aber das fällt für mich unter allgemeines Lebensrisiko. Es gibt immer noch mehr Menschen in Deutschland, die kein problematisches Verhalten zum Alkohol haben, als Menschen, die ein Problem damit haben. Und natürlich weiß mein 17-jähriger Sohn auch um die Gefahren, die der Suff mit sich bringt, aber ich mache ihm keineswegs ein schlechtes Gewissen, wenn er von einer Feier ‚betrunken‘ (Pillepalle im Vergleich zu mir früher) nach Hause kommt und seinen Spaß hatte. Ich bin die mit dem Problem und nicht er. Ich hab nur zu lange mein Problem auch zu seinem Problem gemacht und in diese Ecke geht dieses Missionarische für mich halt auch. Ich mache mein Problem zu dem Problem Anderer und verteufele etwas, weil ICH ein Problem damit habe und auf etwas nicht klarkomme. Dann dreht sich ja doch wieder alles um das Suchtmittel - nur dieses Mal aus der anderen Perspektive und damit bin ich dann auch nicht besser als zuvor im Suff auch. Daher…immer schön gechillt bleiben, würde mein Sohn sagen. Lasst die Leute ihre Erfahrungen machen und gut ist‘s. ✌🏻😆 Peace and out.

    Nun ja, wenn der Junge dich fragst, dann bleib doch einfach bei dir: Ich hab aufgehört zu trinken, weil es mir durch den Alk schlecht ging und ich ein Problem mit dem Alkohol entwickelt habe. 🤷‍♀️ Es geht um dich und den Alkohol und nicht nicht um deinen Bruder und den Alkohol. That‘s it, wenn du mich fragst. Was der Junge da in Bezug auf deinen Bruder draus macht, liegt nicht in deiner Hand.

    Hallo Ailin,

    die Zeit wird es zeigen. Ich kann verstehen, dass du den Vater deiner Kinder nicht vollends ins Messer laufen lassen möchtest, aber bitte ziehe in Betracht, dass deine Hilfe, was das Finanzielle und die Behördensachen betrifft, nun zu seiner Entlastung führt und dies den Leidensdruck und auch den Handlungsdruck bei ihm wieder in Bezug auf die Sucht schmälert. Läuft ja wieder von einer Seite aus. Es muss nicht so kommen, aber nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen, wenn er wieder einbricht und das Spiel von vorne beginnt - und du das Gefühl hast, deine Hilfe war für die Katz. War sie nicht. Egal, wie das Ganze ausgeht, du wirst daran wachsen und daraus lernen. Ich drücke dir die Daumen, dass der Vater deiner Kids die Kurve kriegt und nachhaltig Veränderung anstreben wird. Tatsächlich sehe ich das gerade aber nicht bei ihm, sonst würde er Hilfe von Außen annehmen wollen - so wie er das bei dem anderen Krams ja auch getan hat.
    Deine Hilfe hat er ja gern angenommen in der Hinsicht.

    Viele Grüße von der Bighara

    Wenn es einem Menschen ab dem Tiefpunkt möglich ist auszusteigen, WARUM ist es dann auf einmal möglich? Es ist ja an sich kein anderer Mensch.

    Ich habe da nun länger drüber nachgedacht und ich denke, dass es sich auf Lust- und Unlustverhalten grob runterbrechen lässt. Wir Menschen sind bequem und verhalten uns nach dem Lustprinzip. Veränderung jedoch ist Unlustverhalten par excellence. Für Veränderung braucht man Motivation und Veränderung muss man wollen. Da steckt viel Antrieb dahinter und diesen Antrieb entwickeln wir Menschen, wenn es 1) nicht mehr anders geht und wir Alternativen finden müssen, weil die Kosten des Lustverhaltens schlichtweg zu groß geworden sind. Das wäre der Weg des Leidensdruckes und der Tiefpunktthese. Hier ist der Handlungsdruck auch mit am Größten, denn an dem Punkt geht es einem einfach sehr dreckig. Da will man raus und ist bereit dafür dann quasi alles zu tun. Hohe Veränderungsmotivation oder auch der Turning Point. Ich bin jedoch auch zu dem Schluss gekommen, dass es 2) auch einen zielorientierten Ansatz geben muss…wenn man sich ein Ziel sucht, was sehr attraktiv ist, dann wird man auch Motivation und Willen zur Veränderung aufbringen. Beispiel: Ich will unbedingt einen Marathon laufen (aus welchen Gründen auch immer) und ordne dieser Zielerreichung nun alles unter (höre auf zu Saufen, gehe trainieren, stelle meine Ernährung um). Nur als Beispiel.

    Hallo Tom,

    ich hab die Gedanken an Alkohol, wenn emotional stressige Situationen auf mich einprasseln, in denen ich früher save getrunken hatte. Ich nehme sie als das was sie sind: Gedanken. Sie kommen und gehen, ich muss nicht nach ihnen handeln und gut ist‘s. Passiert alles nur in meinem Kopf und bedingt nicht automatisch eine Handlung. Daher…sei nett zu dir, auch wenn solche Gedanken durch deinen Kopf huschen. Es ist normal, wenn du mich fragst. Der Alkohol hat dich lange begleitet und dein Suchtgedächtnis wird sich immer wieder mal melden. Aber es wird ruhiger mit der Zeit. So viel kann ich dir nach über 1 1/2 Jahren Abstinenz mittlerweile sagen. 🤷‍♀️😉 Hoffe, meine Antwort holt dich insoweit ab.

    Was war entscheidend dafür, dass es Dir dann schließlich doch gelungen ist?

    Ich bin durch den Alkohol ins Suizidale abgerutscht. Nachdem ich einen Abend völlig fertig, depressiv und unter Alkoholeinfluss enthemmt an den Platz gegangen bin, den ich mir für den Suizid im Vorfeld ausgesucht hatte und mit einer immer größer werdenden inneren Bereitschaft, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung gekämpft habe, bin ich nach ein paar Stunden an dem besagten Ort aus meinem Film aufgewacht, war schlagartig nüchtern und innerlich komplett leer, weil ich völlig fertig war über mein Vorhaben in den Stunden davor. Ab dem Zeitpunkt war klar…ok, ich hab‘s nicht geschafft mich umzubringen, ergo will ich wohl leben. Dann muss sich jetzt was ändern. Mit dem Alkohol ist Schluss. Der Preis meines Lebens war mir zu hoch, um ihn an den Alkohol zu bezahlen. Ganz einfache Milchmädchenrechnung so gesehen. Bin danach in den Entzug (Doppeldiagnosenstation wegen der Suizidalität) und danach inne Reha.

    Was hat Dich lange Zeit daran gehindert auszusteigen?

    Mein tief in mir drin verwurzelter Leistungsgedanke, der mich lange in der Sucht hat aushalten lassen. Eine ausgeprägte Leidensfähigkeit. Fehlende Bereitschaft sich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Und halt auch…Elternhaus. Ich komme aus einer dysfunktionalen Familie mit Gewalterfahrungen, emotionaler Vernachlässigung und ganz viel Mist. Wenn zwei von drei Kindern in der Sucht landen, ist zu Hause was falsch gelaufen. Das ist ein Kind zu viel, um Zufall zu sein. Bei der Bewältigung des Ganzen hat der Alkohol geholfen. Heute würd ich sagen…ich bin bereits mit 16 Jahren abhängig vom Alkohol geworden. 🤷‍♀️ Und weil der Alkohol so gut funktioniert hat, ich damit wunderbar Gefühle verdrängen konnte etc. hat das was gedauert bis ich mich davon trennen konnte (s.o.). Musste erst existenziell werden bei mir…Leben oder Sterben. 🫣