Beiträge von Miaflorentine

    rent ich habe deine Nachricht heute morgen mehrfach gelesen, weil sie mir so gut getan hat. Durch den ganzen Nebel in meinem Kopf und mit all der Scham.
    Von Herzen danke dafür.

    Ja, das Vertrauen in sich sinkt und die Scham steigt.

    Also für mich bedeutet nüchtern sein im Augenblick: ich muss unerträgliche Gefühle aushalten und noch dazu die Hilflosigkeit, weil ich meine „Lieblingsstrategie“ nicht mehr nutzen kann. Noch dazu diese schrecklichen Eingeständnisse über sich selbst… ich bin süchtig. ich bin jetzt in der Liga „entzügig“.
    Irgendwie erschüttert mich das.

    Aber ich versuche mir die Erinnerung vor Augen zu rufen, dass es leichter wird, wenn man erstmal ein paar Tage nüchtern ist. Also zumindest in Bezug auf das gewohnte Ritual zu einer bestimmten Zeit. Was sicher noch Jahre bleibt ist ja dann die Gefahr, wenn Auslöser kommen…

    Mit dem erwähnten Podcast habe ich gestern schon angefangen:)

    Ich habe eine Therapeutin, mit der konnte ich immer offen über mein Trinkverhalten sprechen, auch wenn ich dort eigentlich wegen Angst und Panik bin.
    Ich denke es wäre gut sie zu bitten, meine Sucht in der nächsten Zeit in den Vordergrund zu stellen. Ich werde sie morgen fragen, da habe ich ohnehin einen Termin.
    Und ich habe heute einen Termin bei der Suchtberatung zum Vorgespräch vereinbart.

    ich lese mit staunen, dass du während deiner Entzüge allein warst! Wie ging es dir denn damit, hast du dich nicht sehr einsam gefühlt?
    Also als ich hier neulich lag, meine ganzen Alltagsaufgaben gar nicht tun konnte und allein war, war das einfach nur furchtbar.

    Das es schon bei recht geringen Mengen Schwierigkeiten geben kann, hat man mir letztes Jahr bei der suchtberatung auch gesagt… Aber ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich das überhaupt nicht ernst genommen habe :/


    viele liebe Grüße, mit aufrichtigem Dank!

    Honk kannst du dir vorstellen wie gut es tut, wenn man gerade etwas getan hat, zu dem man überhaupt nicht stehen möchte, sich damit trotzdem zeigt und am nächsten morgen dann lesen darf: es ist gut, dass du dich hier angemeldet hast und auseinandersetzt?! Ja. Wahrscheinlich kannst du dir das sehr gut vorstellen. Ich bin dankbar dafür.
    Auch, nochmal lesen zu dürfen, wie diesen Teufelskreis auch du kennst, der von außen betrachtet, für jeden Nichtsüchtigen sicher absurd anmuten muss. Als würde man den Kopf immer wieder gegen eine Mauer schlagen.
    Ja bitte, würdest du mir von deinem entscheidenden Moment erzählen, als du aufgehört und dabei bleiben konntest?
    … ich denke mir manchmal lieblos und kalt über mich selbst, wenn ich mal wieder Alkohol hole, nachdem ich kurz vorher noch sicher war, es nicht zu tun: ja, dann musst du halt noch ganz tief nach unten, um es endlich zu kapieren.

    Oje, der Hinweis macht mir echt Höllenangst. Plötzlich Entzug zu spüren kommt mir vor wie eine ganz neue Liga im unteren Bereich.
    Ja, ich werde das berücksichtigen.
    An die Telefonseelsorge habe ich gar nicht gedacht, danke auch dafür!

    rent danke für dein Willkommen, den Einblick in deine Geschichte und den Hinweis darauf, dass das Vertrauen in sich selbst mit der Nüchternheit zurück kommt!

    Wie genau ist dir immer mehr bewusst geworden, dass du auch ohne Alkohol ein erfülltes Leben haben kannst?
    In meiner letzten „längeren“ Nüchternphase von etwa zwei Monaten, da gab es zwar anfangs eine Art Euphorie über das Gelingen, aber recht schnell hat sich doch das Gefühl eingeschlichen, wie sehr mir betrunken sein fehlt.
    Und nebenbei, manchmal, egal ob betrunken oder nüchtern (aber besonders oft, wenn ich getrunken habe), denke ich: wenn der Preis fürs trinken ein kürzeres leben ist, zahle ich ihn eben. Das ist es wert.
    Gleichzeitig schäme ich mich für solche Gedanken auch, weil das natürlich eine saudoofe Rechnung ist. Ich will nicht leidvoll an einer Folgeerkrankung sterben. Und ich will auch auf gar keinen Fall so enden, wie man bei einer fortgeschrittenen Alkoholkrankheit endet!
    Und genau hier wäre dann ja eigentlich alles klar, ich müsste es nur lassen…

    Mia,

    hast Du für Dich schon einen Gedanken gefasst, wie es weiter gehen könnte?

    … eine gute Frage. Ich werde mich heute wieder bei der örtlichen Suchtberatung anmelden. Davon abgesehen habe ich „erstmal ein paar Tage nüchtern bleiben“ Gedanken, die wohl typisch für jemanden sind, der den Ernst der Lage noch nicht vollkommen begriffen hat, oder?

    Ihr Lieben,


    ich kann gerade nicht auf einzelne Antworten eingehen, weil ich mich so in Not fühle und überhaupt keine Kapazität habe.


    Obwohl ich vorgestern so arg erschrocken war, dass ich nach fünf Tagen trinken scheinbar erstmals Entzugssymptome hatte und gestern nüchtern blieb, habe ich heute getrunken.
    Mittags wusste ich noch, wie wichtig es für mich ist, gerade jetzt meine Selbstwirksamkeit beisammen zu kratzen. Dann kamen einige Auslöser und plötzlich wusste ich, dass ich trinken werde und mich nichts in der Welt davon abhalten kann.
    Ich habe sogar prophylaktisch meine Arbeit abgesagt, obwohl sie mir so wichtig ist!

    Wie kann es nur sein, dass ich alles klarer sehe, als jemals zuvor und trotzdem losfahre und Alkohol kaufe?
    Ich fühle mich so verloren und hoffnungslos.
    Ich hatte alle diese wertvollen, kraftvollen Worte noch vor Augen, die ich hier in den letzten Tagen gelesen habe.
    Aber ich glaube, selbst wenn ich jetzt jemanden hätte, den ich anrufen könnte und der mir all die guten Gründe nennen würde, nicht zu trinken- ich hätte es trotzdem getan.
    Ich fürchte mich wahnsinnig davor, nüchtern zu werden. Aber es fühlt sich an, als hätte ich keine Kapazität, solche Tage wie heute nüchtern zu überstehen und als hätte ich damit meinen Weg geebnet.
    Ich weiß nicht, ob es etwas schlimmeres gibt, als sich sein Unvermögen an Kontrolle in solchen wichtigen Momenten zu beweisen.

    ich hätte gern einen Freund angerufen. Aber ich glaube meine Hoffnungslosigkeit und alles, was in mir vorgeht, würden jeden Freund überfordern.

    Ich hoffe meine ziemlich verzweifelten Worte bringen niemanden in Schwierigkeiten. Danke fürs lesen.
    Wahrscheinlich werde ich gleich hoffentlich einschlafen.

    Vielen Dank für eure Antworten 😊

    Das ist irgendwie schön, wenn man etwas von sich zeigt und da sind Menschen, die lesen und antworten!

    Könnte mir jemand sagen, wie ich mich auf einzelne Antworten beziehen kann? Geht das nur, indem ich zitieren auswähle, oder gibt es noch eine andere Möglichkeit?

    Brant, ich würde sehr gern etwas von deiner Geschichte lesen!

    Honk, Dankeschön, den werde ich suchen.

    Ich fühle mich nicht besonders gut zur Zeit. Vor ein paar Tagen habe ich mich getrennt, aber mit sehr viel Traurigkeit darüber.
    Kurz hatte ich den Gedanken, diese ganzen Trennungs- und Verlustgefühle auszuhalten sind erschwerte Bedingungen, aber andererseits ist es sicher eine gute Zeit für Selbstbegegnung. In jedem Fall eine Notwendigkeit.

    Hallo, ich bin Mia, 39 Jahre alt und vor etwa zwei Jahren wurde mir bewusst, dass ich mein Trinkverhalten nicht kontrollieren kann.

    In meiner Jugend wurde um mich herum exzessiv getrunken. Es war in meiner damaligen Clique absolut notmal, Freitags mit dem trinken zu beginnen- bis zum Erbrechen und erst sonntags wieder auszunüchtern.
    Schnell habe ich festgestellt, dass Alkohol ein scheinbar absolutes Zaubermittel gegen die Angst war. Gegen die Angst, die da ist, solange ich zurückdenken kann.

    Plötzlich konnte ich dazugehören, locker und lustig sein, anstatt mich vor lauter Angst von Menschen fern zuhalten.
    Aber nach ein paar Jahren habe ich immer öfter schon Mittwochs getrunken und ein wenig später manchmal morgens vor meiner Ausbildung, um den Umgang mit Menschen überhaupt aushalten zu können.
    Da war ich 19 Jahre alt und hätte mein Leben manchmal gern beendet, weil es sich aus unterschiedlichen Gründen unerträglich anfühlte.

    Was mich dann für eine paar Jahre vor einem noch tieferen Absturz bewahrt hat, war, dass es mir plötzlich körperlich so schlecht ging, dass ich nicht mehr trinken konnte. Jedes Mal, wenn ich es versuchte, reagierte mein Körper so heftig, dass ich quasi in die Abstinenz gezwungen wurde.
    Aufgearbeitet habe ich diese Alkoholthematik nie.
    Ich bekam meinen wunderbaren Sohn, der heute 16 Jahre alt ist, heiratete und investierte alle Kraft in die Aufgabe, die liebevolle Mama zu sein, die ich selbst nicht gehabt hatte.

    Dann kam die Scheidung.
    Ich hatte immer noch und mehr denn je mit schlimmen Panikattacken zu tun, obwohl ich bereits jahrelange Therapie, Klinikaufenthalte und alle möglichen alternativen Ansätze hinter mich gebracht hatte.
    Mein Exmann ist mit meinem Sohn ausgezogen und mein Leben lag in Scherben.
    Ich begann wieder zu trinken.
    Bis ich mich nicht mehr erinnern konnte, wann mein Letzter nüchterner Tag war.

    Im ersten Jahr habe ich überhaupt nicht auf die Menge geachtet- es war mir einfach egal, ich wollte nur, dass die Angst vor dem Leben nicht so präsent ist und ich schlafen kann.
    Dann habe ich immer mal wieder Trinkpausen eingelegt.

    Aber vor etwa zwei Jahren wurde mir bewusst, dass ich mittlerweile wieder fast täglich trank. Es fing immer mit ein paar Bier an, danach brauchte ich unbedingt noch mehr und trank alles, was ich in der Küche meines damaligen Partners so fand, oder lief noch nachts zum Kiosk. Hauptsache nicht nüchtern werden.
    Am Morgen darauf jedes Mal das selbe „heute muss ich es mal lassen“. Überwiegend lief das immer auf „naja, ein zwei Bier gehen schon“ - mit bekanntem Ende- hinaus.
    Ich habe mich schuldig gefühlt.
    Ich habe durchaus gemerkt, was ich meinem Körper antue und hatte Angst vor der Zukunft… vor einem Leben ohne Alkohol, vor Krankheit, vor mir selbst.
    Aber ich habe versucht das wegzuschieben, bis zu einem Abend im letzten Jahr, wo einer meiner besten Freunde mich plötzlich besorgt ansah und sagte „ich kenne dich nicht mehr nüchtern. Du bist immer betrunken!“

    Das hat mich wie ein Schlag getroffen, ich habe geweint und ihm gesagt, dass ich Angst um mich habe.
    Danach bin ich vorerst nüchtern geblieben und zur Suchtberatung gegangen. Ich habe an den meisten Treffen teilgenommen und mich bewusst auseinandergesetzt.
    … nicht ohne Scham muss ich aber zugeben, dass es ich mit ziemlich viel Widerstand darauf reagierte, als man mir eine Entgiftung vorschlug.
    Zu der Zeit hatte ich ja eine Weile nicht getrunken und immerhin kam ich (mit Mühe und Not) oft genug mit „nur“ sechs Bier aus.
    Heute ist mir meine Reaktion unangenehm.
    Letztes Jahr fühlte sich der Vorschlag noch absurd an- ich habe einen Großteil meiner Suchtgeschichte einfach ausgeblendet.
    Das jetzt hier zu schreiben, damit so ein deutliches Bild zu zeichnen, fühlt sich unangenehm an.
    Ebenso wie die Tatsache, dass ich irgendwann nicht mehr zu den Treffen ging. Ich dachte- warum auch immer- ich krieg das hin, solange ich ein paar Tage ohne Alkohol zwischen meine Trinktage schieben kann.

    Nun ja, das hat eine Weile irgendwie halbwegs funktioniert.
    Aber gerade habe ich wieder mal einige Tage hintereinander getrunken, ab 18 Uhr (bescheuert, wie man versucht, sich mit solchen unwichtigen Details selbst zu beruhigen), so zwischen 4 und 7 Bier.
    Ich hätte auch gern gestern getrunken, aber es ging mir einfach körperlich zu schlecht.
    Ich weiß nicht, ob das ein leichter Entzug war, ist. Aber ich habe angefangen hier zu lesen. Und entschieden, mich vorzustellen.
    Und bin schockiert, wie sich das liest.
    Ich glaube, ich bin süchtig.
    Ich möchte heute nichts trinken.
    Ich brauche dringend Selbstwirksamkeit und ein bisschen Unterstützung 😔

    Es hilft mir, hier zu lesen. Vielen Dank!