Beiträge von Honk

    Sooo......wenn ich gewusst hätte, was die Nüchternheit alles für Konsequenzen in meinem Leben nach sich zieht....vor Schiss davor hätte ich wohl nicht aufgehört......na, das war nicht ernst gemeint.

    Aber auf jeden Fall habe ich heute nicht nur die Entscheidung getroffen sondern auch die Zusage für ein Jobangebot gegeben. Und ich muss mit ein bisschen Abstand jetzt sagen, es ist richtig so.

    Mein quasi jetziger, unkündbarer Job war auch immer quasi eine Sicherungseinrichtung für mein Trinken.....was soll mir denn schon passieren? Und dafür hab ich all die Frustrationen auch hingenommen. Gleichzeitig, als ich noch trank, dachte ich, mein Trinken wäre verantwortlich dafür, dass ich den Job so grau gesehen habe.

    Doch mein Leben wurde bunt, ist bunt, ist schön und lebenswert. Der Job aber blieb so wie er ist und meine Frust, jetzt auch aus der "klaren" Perspektive betrachtet, blieb nicht nur, nein, Frust wurde immer klarer und deutlicher.

    Und deutlich wurde auch, man will mich. Woanders. Und zwar nicht nur durch ein Bewerbungsverfahren, nein, man hat sich richtig menschlich Mühe gegeben, man ist mir entgegenkommen und man hat mir Raum als auch Zeit für eine Entscheidung gegeben. Ganz anders als die kühlen Einstellungsverfahren im öffentlichen Dienst. Und der letzte Termin fühlte sich richtig an. Und meine künftigen Aufgaben spannend, bestimmt auch fordernd, aber auch deutlich besser bezahlt. Und was die Sicherheit angeht: Ich bin mir sicher, wenn der Job in die Binsen gehen sollte, ich finde ratz atz was anderes. Dem bin ich mir nun sicher, weil ich nun weiß, was ich wert bin.

    Krass.......aber ich bin erleichtert. Ich habe gesagt, 2024 fälle ich eine Entscheidung und wie der Zufall es so will, der neue Job wird aber genau, aber genau auf den Tag mit dem neuen Jahr beginnen :)

    Honk Auch, wenn das natürlich nicht schön ist, so sind diese innerfamiliären Dynamiken im Rahmen der Abstinenz meines Erachtens in gewisser Weise normal. Bei mir ist der Kontakt zur gesamten Familie (zumindest das, was noch übrig war), wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Du hast das familiäre System verlassen durch die Abstinenz und passt damit nicht mehr so richtig rein. Das spüren die anderen Systemmitglieder in der Regel - wenn auch nur unterbewusst. Daher gibt es hier den berühmten Scheideweg: Entweder man geht mit, um sich selbst und das System zu verändern oder man hält am Status Quo fest und tut alles dafür, um das bestehende System zu erhalten. Die Angst vor Veränderungen grätscht hier voll rein und der letztere Weg ist meist der Bequemere. Aber Preis wird der Bindungsverlust zu dir und deiner Familie sein…vielleicht nicht komplett, aber die Art des Kontaktes verändert sich ja, denn wie du es ja beschreibst, gehst du schon in den Rückzug bzw. Vermeidung dieser Person. So alte eingefahrene familiäre Strukturen sind wahnsinnig schwer aufzubrechen. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich hab‘s probiert. Am Ende steht die Erkenntnis: Wenn ich nicht zurück ins System, mich anpassen und dem fügen will, dann ist die Konsequenz, dass ich alleine (ohne Familie) bleiben muss. 🤷‍♀️

    Über deine Worte muss ich mal in Ruhe nachdenken. Also dass das Verhalten der Person aus der eigenen Angst vor Bindungsverlust kommen könnte, das wäre in der Tat eine Erklärung.
    Das würde auch andere Verhaltensweisen erklären.
    Allerdings, und das zeigen ja auch die letzten Jahre, teils Jahrzehnte, ist dieser Klammern so extrem geworden, dass es nur noch belastet und damit automatisch zu Distanz führt. Quasi eine selbsterfüllende Prophezeiung.

    Das Problem ist nur, die Person alleine kann das nur ändern, ich nicht. Ich könnte wiederum nur erneut in die Position kommen, das Verhalten auszuhalten und zu akzeptieren. Aber das wird so schwer, weil da wieder nur mutmaßliche böswillige Aktionen auszuhalten wären. Und da ich mir selber geschworen habe, mich von Einflüssen, die mich negativ bestrahlen, fernzuhalten und zu distanzieren, bleibt eigentlich nur die Distanz.

    Nun ja, echt blöde, aber der anderen Seite läuft es in meiner Kernfamilie so gut wie noch nie. Das ist die positive Seite des Ganzen :)

    VG

    Zufriedene Abstinenz oder überhaupt Zufriedenheit muss erkämpft werden, ich muss etwas dafür tun, etwas verändern ... jeden Tag neu.

    Ich finde das ganz wichtig was Du sagst, weil ich das ebenfalls mit als Kernbotschaft sehe. Und ich sehe das nicht nur als Kernbotschaft für die Abstinenz sondern auch für die Lebensentwicklung.

    Das klingt vielleicht blöde, aber ich finde, wir ehemaligen Trinker haben vielleicht sogar einen Vorteil durch unsere Abstinenz, die wir im Leben nutzen können.
    Wir wissen, wie es ist, "unten und gefangen" zu sein und haben ja - erneut - oder erst dann, lernen müssen, zu uns zu stehen. Und nicht nur zu uns zu stehen, wir mussten lernen und lernen auch weiterhin, uns zu entwickeln. Und zwar ganz bewusst. Wir kennen ja den Abgrund, und ich denke, niemand hat Lust da wieder runterzufallen. Deswegen tun wir ja eigentlich alles, um uns von dem Abgrund immer weiter zu entfernen. Und dieses Tun ist ja nichts anderes als Entwicklung.

    Und da gibt es m.E. zwei Modelle, die eine Entwicklung ist das Verharren und die Meidungstaktik, die andere Entwicklung ist das "Überschreiben" des Suchtgedächnisses. Das ist ja oben auch im Stüben - Podcast beschrieben, dass es möglich ist, seine Synapsen umzuprogrammieren. Das heisst zwar weiterhin, 0,00%, aber das Craving und der Umgang mit Alkohol wird ein anderer.

    Und wenn man so etwa geschafft hat, sich von so einer Sucht und dem Gesellschaftlichen Druck zu lösen, dass gibt auf jeden Fall Auftrieb. Wenigstens soviel, dass man sich morgens auf jeden Fall stolz auf die Schulter klopfen sollte. *Klopf Klop*

    Ich bring hier nochmal meinen Lieblingsspruch:

    Being sober is so much more than not drinking. It´s a lifestyle of radical clarity, presence, self development & adventure into possibility.
    (love.sober instagramm)

    Was gibt´s bei mir Neues: Pfingsten hab ich bislang die längste Rad - Graveltour meiner Karriere gemacht, in drei Tagen knapp 400 Kilometer. Und dabei die ganz erfreuliche Erfahrung gemacht, all die Grundlagenausdauer die ich mir seit dem Start meiner Abstinenz aufgebaut habe, zahlt sich maximal aus. Denn, ich war abends zwar herrlich platt, aber in den Beinen war noch genug Luft. Der Rückweg war prinzipell der anstrengenste Part, es ging durch die Holsteinische Schweiz und die Harburger Berge, und trotz etlicher Anstiege war auch am dritten Tag die Luft nicht raus. Heisst, ein größerer Projekt was ich mittelfristig im Auge habe, sollte körperlich auf jeden Fall machbar sein. Die Tour war ein guter Testlauf.

    Beruflich hatte ich mich ja hier auch ausgekotzt, auch da bewegt sich was. Ich habe nicht nur ein ziemlich gutes Angebot vorliegen, sondern muss mich nächste Woche wohl auch entscheiden. Einen Probetag in der möglichen Firma wird zeigen, ob ich den Schritt wage. Die, im wahrsten Sinne "nüchterne" Analyse zeigt eigentlich, dass ich wechseln sollte. Die emotionale Empfindlichkeit zeigt natürlich die typische, "german Angst" vor Veränderungen. Aber, wenn nicht jetzt wann dann?

    Privat ist es eher gerade belastend, hat sich ein nahestehendes Familienmitglied, dem ich leider nicht so einfach ausweichen kann, endgültig und schlussendlich als maximal toxische Gaslighting - Person gezeigt. Und es kristallisiert sich immer mehr heraus, wie enorm manipulativ die Person all mein Leben auf mich gewirkt hat. Und nicht nur auf mich, auf die ganze Familie und jetzt bekommen es sogar meine Kinder ab, die gar nichts dafür können.

    Da läuft sprichwörtlich eine Fackel herum die überall Feuer legt, sich aber selber als "löschendes Wasser" sieht. Und ich weiss nicht, wie ich mit der Person wenigstens einen Burgfrieden erreichen soll.
    Komplettes, vollständiges Ignorieren der Person wäre eigentlich dringend notwendig. Doch aufgrund der Nähe ist es nicht möglich ihr auszuweichen.

    Wenn meine Frau nicht so zögerlich wäre......wir haben ja schon vor Corona erwogen, alles zu verkaufen und wegzuziehen, wirklich einen Neustart zu machen. Und mich zieht es ja wie ein Magnet nach Dänemark, meine Frau hat einen absoluten JackPot-Job der uns alle Türen öffnen würde, aber meine Frau ist nicht so mutig. Oder noch nicht so mutig, sagen wir mal so.

    Also eines muss ich mal wirklich sagen, dass "Liebe" so sterben kann, hätte ich echt nicht gedacht. Aber, gerade durch die Abstinez und dieser Klarheit, sich wirklich mit den Thematiken zu beschäftigen und nach langem Nachdenken festzustellen - ich habe wirklich keine Schuld, mir wurde es immer nur eingeredet, das ist echt heftig.

    Das Positive ist, das meine Kinder davon profitieren. Und zwar in der Form, dass sie keine manipulativen Eltern haben sondern Eltern, die sie stützen.

    Tja

    Auf Stüben´s YouTube Kanal gibt es gerade ein Video zu dem Thema, "Alkohol: Sucht ist heilbar - oder nicht?"

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    Nach dem schauen des Videos hab ich folgenden Kommentar geschrieben:


    Zitat

    Ich bin endlich gesund und nicht mehr krank, das kann ich von mir berichten. Die Abstinenz hat sich vollends in mein Lebensmodel integriert, ein Leben ohne Alkohol ist nun endlich so normal, wie ich damals das Leben mit Alkohol empfand. Und ich kann mir nicht mehr vorstellen, wieder ins das Leben mit Alkohol zu wechseln, weil ich unendlich viel verlieren würde. Ich würde meine Gesundheit verlieren und meine Fitness, an der ich sehr hart gearbeitet habe. Ich würde meine mentale Stärke verlieren, die ich endlich gewonnen habe. Ich würde wieder in eine Depression rutschen, die mich jahrelang gequält hatte. Ich würde mein Gesicht vor meiner Familie verlieren, die mich jahrelang mit Alkohol ausgehalten hat und ich würde meine Selbstbewusstsein verlieren, was Jahre unter dem Alkohol gelitten hat. Deswegen würde ich von mir sagen, ich bin endlich gesund. Und der Griff zum Glas würde den (Wieder)-Einstieg in eine Krankheit bedeuten. Und wer entscheidet sich freiwillig für eine Krankheit? Ich tue alles dafür, gesund zu bleiben.

    Ich find persönlich, dass fasst es sehr gut zusammen.

    So long!

    Nun ja, wenn der Junge dich fragst, dann bleib doch einfach bei dir: Ich hab aufgehört zu trinken, weil es mir durch den Alk schlecht ging und ich ein Problem mit dem Alkohol entwickelt habe. 🤷‍♀️ Es geht um dich und den Alkohol und nicht nicht um deinen Bruder und den Alkohol. That‘s it, wenn du mich fragst. Was der Junge da in Bezug auf deinen Bruder draus macht, liegt nicht in deiner Hand.

    Ne, das kann man an der Stelle nicht sagen, aus unterschiedlichen Gründen. Das ist ja gerade die Fragilität der Situation. Man sollte nämlich m.E. schon soweit darüber nachdenken, um abzuschätzen, was für Konsequenzen eine Antwort haben könnte. Einen Achtjährigen direkt auf die Situation stupsen und ggf. für das Thema zu sensibilisieren halte ich nämlich gerade nicht für die richtige Option. Deswegen mache ich mir darüber ja Gedanken wie man sich geschickt die Worte hinlegt.
    Und zwar so, dass man sich selber nicht verleugnet, aber gleichzeitig ein anderes Fass auch nicht öffnet. Ein Fass, was eine andere Familie betrifft, zu öffnen, steht mir nicht zu.
    WENN es mir zusteht, dann ist es das Gespräch unter Erwachsenen zu suchen, aber die Kinder gehören da raus.

    Ich wurde schon ewig nicht mehr gefragt, aber falls doch mal wieder, gibt es als Antwort: "Ich trinke keinen Alkohol mehr, weil er mir nicht bekommt, ich ihn nicht vertrage und es mir ohne ihn bedeutend besser geht".

    Die Antwort finde ich da viel kindgerechter und neutraler, vielen Dank.

    Das ist nämlich in Summe gar kein so einfaches Feld. Man kann als Erwachsener in seinem Umfeld nämlich ziemlich schnell Porzellan zerstören, wenn man an manchen Stellen seine Worte nicht achtsam wählt. Und gerade in der erweiterten Familie können vorschnelle Antworten ziemliche Sprengkraft entwickeln, die sich ganz schnell zu einem handfesten Familienstreit entwickeln. Und da wissen wir ja auch, gerade der Alkohol ist da ein Minenfeld.

    Ich hab den Gedanken mal auf mich bezogen, vor zwei Jahren. Und im Familienverbund wäre eine andere Person vom Saulus zum Paulus geworden und hätte mich mit einer unbedarften Antwort in Erklärungsnöte gebracht. Alleine aus dem Affekt des (noch) fehlenden, eigenen Eingeständnisses und der Leugnung der eigenen Situation, wäre ich an die Decke gegangen. Und zwar richtig. Angriff ist die beste Verteidung und erst Recht, wenn die eigenen Kinder mit reingezogen werden.
    Ich nenne das mittlerweile "Schuldnerverhalten". Unrationale Verhaltensweisen, wenn man ertappt worden ist.

    Vor Jahren habe ich einmal einen fetten Streit aus einer ähnlichen Situation mit einem guten Freund gehabt - die Freundschaft ist immer noch schwer belastet von dem Vorfall, aber auch deswegen, weil ich mich verändert habe, mein Kumpel aber nicht.
    Wir haben Bierseelig abends zusammengesessen und es ist eine heiße Diskussion entstanden. Es ging darum, dass er im besoffenen Kopf sich fürchterlich über das Verhalten seiner Tochter aufgeregt hatte. Das diese nicht hören würde und so weiter.

    Ich hab, selber im besoffenen Kopf, die Anwaltsposition der Tochter eingenommen und ihm vorgeworfen, dass er als Erwachsener sein Souverän verlassen hat und er deswegen so wütend und emotional reagiert, WEIL er trinken würde / getrunken hätte. Daraufhin haben wir uns fast geprügelt und er mich aus dem Haus geworfen. Und warum? Weil ich Recht hatte und ihm mit der Aussage voll in die E..... getreten habe. Und er hat mit Schuldnerverhalten reagiert.
    Übrigens hat dieser Abend mit seinen Anteil daran, dass ich mein Verhalten selber reflektiert habe und mir bewusst gemacht habe, wo ich, aufgrund des Alkohols, mein "Erwachsen sein" verlassen habe.

    Und dieser "Groll" des Abends ist immer noch da, nur mit dem Unterschied, ich habe mich verändert, mein Kumpel nicht. Ich jogge mittlerweile regelmäßig bei denen am Haus vorbei, während er eine angestrebte Abstinenz nach einem Monat abgebrochen hat und nun mehr säuft als zuvor. Und immer wenn ich da vorbeilaufe und der mich sieht, weiß ich, der fühlt sich schlecht. Das weiß ich zufällig von seiner Frau, mit der ich mich neulich unterhalten habe und die mir subtil mitteilte, dass die "gerade" zu Hause extrem belastet sind. Gerade wegen des Konsums von ihm.

    Also wie gesagt, dass ist nicht so einfach manchmal.

    Eine Geschichte vom Vatertag geht mir nicht so aus dem Kopf. Ich war mit meinem Bruder und seinem Sohn unterwegs, wir haben Rast gemacht, was zu essen und zu trinken bestellt, eine Unterhaltung geführt.
    Das sagte mein Bruder in dem Gespräch, welches wir über eine Person führten....."der hat sein Leben ja auch nicht im Griff, der ist Alkie........"

    Darauf grätsche sein Sohn rein und fragte, was den ein Alkie wäre und mein Bruder erklärte es ihm mit folgenden Worten:

    "Ein Alkie ist ein Mensch, der ist krank vom Alkohol. Der muss immer Alkohol trinken. Schnaps und solche Sachen. Der trinkt schon Alkohol wenn er morgens aufsteht. Wenn er nicht trinkt, dann fängt er an zu zittern.
    Dein Papa ist kein Alkie. Ich trinke Bier und Alkohol weil es mir Spaß macht und weil es Lebensqualität bedeutet. Und nur am Wochenende oder wenn ich Urlaub habe oder frei habe, wie jetzt."

    Leute....ich hab da ehrlich gesagt gesessen und mir ist die Pizza aus dem Mund gefallen. Also, ich merke mehr und mehr wie der Alkoholkonsum bei meinem Bruder, gerade auch im Bezug auf seinen Sohn immer mehr zum Thema wird. Der Junge ist nicht doof und mein Bruder HAT ein Alkoholproblem und zwar kein kleines.
    Und es ist sooo krass, wenn man ein wenig Abstand zum Alkohol gewonnen hat, wie man dann die Relativierungen derjenigen, die noch fleissig, und zwar deutlichst gefährdend (oder mehr) trinken, aufnimmt.
    Ich hätte meinen Bruder in dem Augenblick natürlich in der Luft zerreissen können, aber natürlich habe ich mir das gespart, ich weiss ja, es bringt nichts.

    Aber eine Angst habe ich, und da möchte ich Euch fragen: Es wird 100% irgendwann (bald) die Frage kommen, warum ich nichts (mehr) trinke. Darauf muss ich mich einstellen, denn der Junge ist pfiffig und hat eine Beobachtungsgabe wie ein Luchs.
    Was sag ich denn dann? Eigentlich weiss ich was ich sagen müsste, gleichzeitig würde ich meinem Bruder damit voll ins Messer laufen lassen. Weil ich es rhetorisch nicht anders verpacken könnte. Wenn ich das nur mache, dann setzte ich mutmaßlich eine heftige Kette in Gang die im Zweifelsfalle mit einem heftigen Verwürfnis enden könnte.

    Tief in mir denke ich, mein Bruder weiß dass er ein Problem hat. Ich meine, der ist ja nicht doof, aber er ist meilenweit davon entfernt, das wirklich ernst zu nehmen, geschweige denn zu ändern. Sein ganzer sozialer Kreis, mit ganz engen Bündnissen ist auf Alkohol gebaut. Da kann keiner aus der Gruppe von heute auf morgen nichts mehr trinken.

    Boah ey, dass ist echt schwierig.

    Ich habe mich heute in die Höhle des Löwen gewagt. Wir hatten heute eine sehr schöne Vatertagswanderung unternommen und sind natürlich unvermeidlicherweise gröhlenden, besoffene Pulks "ehrbarer Väter" oder einfach Leuten, die keine Gelegenheit auslassen, um zu saufen, begegnet. Nach der 3 oder 4 Menschenansammlung dieser "fröhlichen" Leute, an der wir auf engem Wanderwege immer wieder vorbei mussten, ging mir das echt auf den Sack. Zumal viele auch ein Kommunikationsverhalten entwickeln, was vielleicht gut gemeint ist, aber eher nervt. Und wenn du manche rotgesichtige Leute mit wässrigen, trüben Augen und Verlust jeglicher Grob- und Feimotorik aus der nüchternen Perspektive betrachtest, weiß du wirklich was das Prädikat "steif" zu bedeuten hat.

    Nüchtern sein ist einfach geil :)


    Hier in meiner Gegend sind eher alle die unterwegs, die noch keinen Rasierer brauchen. Hier gibt es einen Treffpunkt, da wird quasi eine Sternenwanderung hin gemacht, da treffen sich alle dann ein so einem kleinen "Bach", der eher ein Entwässerungsgraben ist. Und je nach Pegel, von Mensch und Bach, wird dieser auch mal gerne zum tieftauchen benutzt. Von Männlein, Weiblein und allen anderen auch. Was die nicht wissen, kurz vorher werden die Felder dort immer traditionell gedünkt mit Gülle.....aber na ja, was einen nicht umbringt, macht einen härter.

    Was ich bei solchen Versammlungen, aber auch schon früher, wirklich unangenehm finde, sind die schwer besoffenen Mädels. Das war gestern auch zu. beobachten. Ich war mit meinem Bruder und seinen Sohn auf einer kleinen Radtour und wir mussten da durch die Horde durch.
    Da ich hier auf dem Land berufsbedingt bekannt bin, gibt es da auch keinerlei Problemem, alle schön anständig und artig, aber natürlich voll die die Haubitzen mit heftigster Schlagseite.

    Aber boah...besoffene Jungmänner sind das eine, besoffene Jungmädels die sich völlig ungeniert verhalten....ich fand das auch als Jugendlicher auch immer schwierig. Immerhin kann ich mir sagen, richtig zum Volldeppen hab ich mich trotz Suff nie in der Öffentlichkeit gemacht. Irgendwo war da immer noch ein Funken Anstand. Auch in meiner Clique. Und, wir haben in der Clique auch immer auf unsere Mädels aufgepasst, das da keine Scheisse baute oder wenn diese meinte, nun ungeniert vor allen pinkeln zu müssen, dass wir sie dezent abgeschirmt haben.
    Rückblickend muss ich echt sagen, wir haben echt alle immer sehr aufeinander aufgepasst. Einer war immer nüchtern, der fahren konnte und wir haben nie unsere volle Kontrolle verloren sondern immer aufeinander aufgepasst.

    Aber Du hast das schön gesagt, nüchtern ist einfach geil. Ich hab danach noch am Fahrrad gebastelt, Film geguckt, ab ins Bett, jetzt sitz ich hier :) Und leide am Männerschnupfen :/

    Irgendwas ist immer :(

    Folgendes hat nichts mit Alkohol zu tun, hat aber möglicherweise einen gewisse Anlehnung an Süchtiges, aber vor allem toxischen Verhalten zu tun.

    Kurzer Vorabriss: Ich war jahrzehntelang eng mit meinem besten Kumpel befreundet. Bis, vor mittlerweile 15 Jahren, dieser geheiratet hat. Trotz, dass er bei meiner Hochzeit Trauzeuge gewesen ist, ich bei seiner, und er auch Pate für meine große Tochter gewesen ist, hat die Freundschaft von heute auf morgen aufgehört.
    Ohne Begründung, ohne Erklärung, trotz unseren eigentlichen engen Verbundes, trotz dass wir eigentlich auch Kinder im gleichen Alter haben, war es vorbei.
    Tendenziell konnte ich mir auch erklären, warum das so gewesen ist: Natürlich seine Frau, die direkt nach der Hochzeit die Herrschaft über sein Leben übernommen hat. Privatleben, Berufsleben, alles unter ihren Fittchen und anscheinend mit einem riesigen, (unausgesprochenen) Groll gegen mich uns.

    Ich hab dann nach ein paar Kontaktversuchen und fandenscheinigen Ausreden seinerseits die Kontakt vollends abgebrochen. 10 Jahre später fingen wir uns wieder an über die Wege zu laufen. Natürlich ergaben sich durch die Kinder auf einmal Schnittmengen, Schule, Verein, Freunde. Wie es auf dem Dorf so ist.
    Und so belebte sich der Kontakt wieder, ab und zu mal essen gehen, in seiner Firma mal nen Käffchen trinken, ab und zu mal telefonieren.

    Begebenheit Nummer 1, knapp 2 Jahre her, waren wir zusammen essen und standen danach im Auto noch an einer Stelle unserer Jugend und quatschen noch ein wenig, klingelt sein Handy, welches er auf Freisprecheinrichtung schaltetet und wurde von seiner Frau angeschrien, warum er gerade an genau dieser Bank stehen würde, mit wem er gerade v........ würde, er solle sofort nach Hause kommen.
    Stellt sich raus, der gute Mann lässt sich von seiner Frau tracken. Seine Aussage: "wenn ich mich tracken lassen, muss ich nicht erklären, wo ich gewesen bin........"

    Nach der Begebenheit schlief der Kontakt wieder ein für knapp 1,5 Jahre. Das erholte sich dann nach und nach wieder, ich bin ja nicht nachtragend. In der Zwischenzeit, ich wisst es ja, hab ich mein Leben auf links gedreht und ziemlich stark auf eine gesunde, sportliche Lebensweise umgestellt.

    Das wurde in einem kürzlich geführten Telefonat auch etwas länger zum Thema. Man muss dazu wissen, mein Kumpel war nicht der schlankeste, aber mittlerweile ist er auf einem Level, wo man stark darüber nachdenken sollte, was zu tun. Denn so langsam, mit Mitte 40, schleichen sich auch Probleme ein.

    Und jetzt kommt es: Gestern, wir saßen zusammen vor seiner Firma, tranken einen Kaffee weil ich gerade in der Nähe war, kommt seine Frau wie eine Furie auf den Hof gefahren.
    Würdigt mich keines Blickes, drückt ihm eine Tüte vom Bäcker in die Hand: Schokobrötchen, Käsebrötchen, das gute Zeug mit dem Spruch: Hier! Da hast Du Dein gesundes Frühstück! Und ich kaufe gleich für heute Abend fürs grillen ein. Und eine Kiste Bier, damit Du Dir richtig einen genehmigen kannst!
    Und zog ab.

    Ich bin ja nicht auf den Mund gefallen und musste mich derbe zurückhalten da nicht einen passenden Spruch zu geben, aber das war schon eine harte Nummer. Nicht das ich das irgendwie auf mich beziehe, ich bin mit mir zutiefst im Reinen. Meinungen anderer Menschen sind mir egal, und wenn einer meint, mir wegen meines Lebenswandels einen drücken zu müssen, vor allem wegen des Alkohols, so what. Mir geht´s ja sehr gut und ich steh ja auch offen dazu.
    Nein, was ich meine die direkte Beobachtung und das Erleben einer zutiefst toxischen Situation. Wir hatten noch kurz vorher gesprochen, dass es ihm eigentlich gesundheitlich nicht so gut geht und er sich auch Sorgen macht, wie das weitergeht. Gar nicht wegen des Alkohols, aber möglichweise wegen einer Essstörung.
    Und dann bekommt man von seiner Frau, die jetzt ehrlich gesagt auch nicht den fittesten Eindruck macht - gelinde gesagt, so einen Spruch gedrückt.

    Ich kenn da ja eigentlich hier auf dem Dorfe, das viele Kerle voll unter dem Scheffel der Frau stehen - ich zum Glück bin frei wie ein Vogel - , aber so ein Verhalten ist schon echt abgefahren.

    In mir mutet sich das an, das ist Kontrolle über das Fressen. Anders kann ich das nicht sagen und so kam das auch im Gespräch subtil rüber. Das mein Kumpel über Essen und Verhaltensweise von seiner Frau kontrolliert und gesteuert wird, der Mann hat überhaupt keine Entscheidungsfreiheit.

    Das ist krass, das beobachtet zu haben.

    Nun ja, so tragen wir alle unsere Rucksäcke durch die Gegend, ich bin froh, das meiner um einiges, deutlich leichter geworden ist :)

    Habt einen schönen Christi Himmelfahrt / Vatertag, was immer ihr feiern solltet. Ich kuriere meinen Husten aus, eigentlich wäre ich auf dem Radweg nach Berlin - eine 2 tägige Tour, wegen Krankheit abgesagt :/ Irgendwas ist immer.

    So long!

    Rein rational gesprochen: Wer (dein Ex-Mann) in eine solche Lage gekommen ist, und man nicht erkennt, dass einzig und alleine das sofortige Beenden des Alkoholtrinkens einen aus der Lage herausbringen kann, dann ist er verloren. Das meine ich leider so klar, wie ich das hier schreibe.

    Denn, ein "Ausputzer" (Du) sorgst für Erleichterung und damit öffnest Du weiter Tor und Angel, weiter zu trinken. Andererseits, hilfst Du nicht, kann er sich schonungslos dem Selbstmitleid ergeben und natürlich weiter trinken. Ein Teufelskreis. Und der Verlierer bist in beiden Fällen Du. Egal wie Du das drehst oder wendest. Verlieren tust Du und deine Kinder, auf ganzer Linie.

    Deswegen, so schwer es tut das zu sagen: Zieh die Reissleine.

    Es gibt für ihn nur einen einzigen Weg, wenn er eine Chance haben will: Sofort in einen Entzug und sein Leben in den Griff zu bekommen. Die gute Nachricht ist ja, es greifen soziale Sicherungssysteme, die einem einen solchen Ausstieg ermöglichen. Aber, m.E. gehört es zum Genesungsprozess dazu, dass auch wirklich konsequent und alleine anzugehen, und um Hilfe zu bitten.

    Das ist auch immer das, was ich an allen Ecken predige und fordere: Wenn Du Scheiße gebaut hast, dann steh gefälligst dafür gerade. Und wenn erkennbar ist, dass das wirklich passiert, dann kann man vielleicht darüber nachdenken, der Person zu helfen. Aber nur dann.

    Meine Aussage klingt so unglaublich hart, sie ist aber aus der Position getroffen, dass ich damals ja selber gespürt und auch gewusst habe, wie sehr mich der Alkohol im Griff hatte. Ich war wirklich auf dem Wege dahin, dass mir alles scheiss egal war. Es hätte nicht viel gefehlt, und ich wäre dort angekommen. Das wäre dann auch wohl der Moment gewesen, wo meine Frau mich mit den Kindern verlassen hätte. Wie es dann weitergegangen wäre mit mir, keine Ahnung. Auf jeden Fall hätte es niemand durch sein Handeln geschafft, mir den Alkohol wegzuquatschen. Das wäre auf taube Ohren gestossen.

    Ich hab leider keine anderen Worte für Dich. Außer: Kümmere Dich um Dich selber und vor allen die Kinder. Da gibt es definitiv Möglichkeiten dass ihr zusammenkommt. Beantrage eine Reha, Mutter / Kind Kur, geht auf Abstand, kümmert euch um Euch und eure Zukunft. Da warten ganz viele tolle Dinge, die erlebt werden wollen.

    LG!

    Ja, die Akzeptanz in der Gesellschaft spielt da sicher eine große Rolle. Dem hinzu die stigmatisierende Sicht, die sich über Jahrzehnte zur Alkoholproblematik entwickelt und etabliert hat. Es gibt in unserer Gesellschaft sozusagen nur ein entweder/oder. Schwarz oder Weiß. Es gibt den Alkoholkranken Menschen, der leider irreparabel geschädigt ist, und dessen Krankheit nur zum Stillstand gebracht werden kann. Und ansonsten gibt es darüber hinaus in der Wahrnehmung der Gesellschaft anscheinend nur Leute, bei denen alles Bestens und in Ordnung ist. Ich empfinde diese Sichtweise als fatal.

    Wie viele Menschen flüchten über Jahre, oder gar Jahrzehnte immer und immer wieder vor den Schreckensbildern des "Alkoholismus" in ihre Suchtproblematiken zurück. Auch mir ging es so. Ich konnte und wollte es einfach nicht wahr haben, unheilbar krank zu sein, mein Leben lang auf der Hut vor verstecktem Alkohol in Lebensmitteln sein zu müssen, für immer und ewig achtsam zu sein, das Problem auf ewig in der Selbshilfegruppe zu thematisieren und mehr.

    Und ich stelle (für mich persönlich!) tatsächlich fest, dass diese ganzen Dinge auf mich in der Form und in der krassen Ausprägung nicht zutreffen. Für mich persönlich, in meinem Suchtausstieg, waren und sind tatsächlich andere Dinge dann wirklich entscheidend und ausschlaggebend dafür dass ich meine Alkohol- und Suchtproblematik bewältigen konnte.

    Du hast die Problematik in den drei Absätzen wunderbar zusammengefasst. Das kann ich genau so vollends unterschreiben. Und ich kann es nur wiederholen und wiederholen: Dieses Schwarz / Weiss Denken hat mich möglicherweise davon abgehalten, früher nüchtern zu werden. Weil ich mich in keiner Weise mit dem s/w Gedanken und allem was damit einher gehen KÖNNTE identifizieren WOLLTE. Das war für mich unvorstellbar. Ist es ja bis heute. Und meine Erfahrung!! hat mich jetzt, 438 Tage später gelehrt, mein Weg, den ich mir damals zurecht gelegt habe, hat genau so, mit meinem Hurra Patriotismus, bis heute funktioniert und hält mich ebenso stabil.
    Mir hat damals der Podcast von Natalie Stüben sehr geholfen, weil dort ja dieses sehr positive Mindset der Alkoholabstinenz dort auch transportiert wird und die Dame damit auch sehr erfolgreich ist.
    Die Reaktion der Nennung des Namens hat damals an anderer Stelle genau folgende Reaktion verursacht, weiß ich noch wie heute: "Über die Dame reden wir hier nicht.....".
    Ich fühlte mich belehrt wie ein Kind von seiner Omma, der einen auf die Finger bekommen hat, als hätte er "Scheisse" gesagt.

    DOCH, wie müssen darüber reden, ganz viel darüber reden, LAUT darüber reden das Alkoholabstinenz etwas absolut erstrebenswertes ist. Ich bekomme alleine die Pimpernellen wenn ich lesen muss: "Ohne Alkohol ist ein zufriedenes Leben möglich". Alter Leute, ich will kein zufriedenes Leben das möglich wäre. Ich will ein GLÜCKLICHES Leben. Zufrieden ist absolutes Mittelmass. "....und wie gehts Dir?...Joah, soweit ganz gut, ich bin zufrieden"......

    Zufrieden mag für jeden vielleicht etwas anderes bedeuten und eine andere Wertung haben. Aber in Kombination mit den ganzen, negativ notierten Attributen, die einer Alkoholabstinenz anhaften, ist das Wort "zufrieden" absolut zu niedrig angesetzt. Jedenfalls, wenn ich das aus meiner Marketingbrille sehe. Und das Marketing für ein Leben ohne Alkohol ist absolut desaströs und treibt weiter Leute in den Alkoholismus oder lässt sie dort verharren.
    Ich hab gestern durch Zufall eine sehr kritische Berichterstattung über das Phänomen der MPU gesehen (Reschke Fernsehen). Und da wurden die aktuellen Zahlen genannt von Vorfällen, die auf Alkohol im Straßenverkehr zurückzuführen sind. Unglaublich, dass wir als Gesellschaft das zulassen, als normal erachten und genau mit den Leute auch noch fettes Geld verdienen.

    Und die Leute, die abstinent werden wollen, müssen, so jedenfalls das Images, sich den Rest ihres Lebens knechten, geisseln, sich täglich ihrer Krankheit stellen und die Peitsche auf den Rücken hauen. So jedenfalls meine Wahrnehmung und Erfahrung! in der Auseinandersetzung mit der Abstinenz damals. Und die Ärzteschaft / Medien befeuern das Klischee auch noch.

    Boah, ich bin da schon wieder auf 180, gerade WEIL ich in meinem Umfeld so viele Menschen kenne, die eine Abstinenz dringend gut gebrauchen könnten, sich aber überhaupt nicht vorstellen können, das eine Abstinenz eine echt gute Sache ist. Weil die Leute einfach nicht korrekt und vollumfänglich informiert sind. Und die Alkohollobby lacht sich dabei ins Fäustchen.

    Jetzt hab ich aber OT abgeledert, habe fertig, das musste raus. Jetzt brauch ich Kuchen ;)

    Übrigens, die These mit dem persönlichen Tiefpunkt teile ich. Ich bin erst ausgestiegen, als es mir nicht mehr möglich war, Saufpausen, die mir früher scheinbar leicht von der Hand gingen, einzulegen. Das war genau zu der Zeit, als meine Familie mir klar machte: "Entweder Therapie oder Trennung." Das saß und brachte mich in Windeseile dazu, die Flasche weg zu stellen. Bislang mit Erfolg.

    Die Tiefpunktthese teile ich auch. Die Frage ist, ob man wirklich erkennt, ob der eigene Tiefpunkt schon da ist? Und nach der Erkenntnis des Tiefpunktes kommt die Herausforderung des Handelns.
    Es gibt ja auch genug Erfahrungsberichte von Angehörigen, die ihre Menschen wegen des Alkohols verlassen habe, und die Trinkenden trotzdem nicht aufhören.
    Ich persönlich glaube mittlerweile es gibt eine feine Linie, bis wohin der Verstand noch greifen kann, dass es genug ist und ein Ausstieg dann auch machbar ist. Gleichzeitig gibt es aber auch einen "Point of no return".

    Aber wann greift der Mensch, dass er ins Handeln kommen muss? Ich denke, dass ist eine gesamtgesellschaftliche Einstellung zum Alkohol, die es besonders schwer macht, aufzuhören und der Alkohol ab einem Punkt zu zerstörrerisch. Das Thema Gesellschaft und Akzeptanz haben wir ja X-Tausend mal durchgekaut und das hat definitiv eine Berechtigung.

    Zurück zum Thema, ich wurde lange pur von der Trinksucht gehindert, auszusteigen. Ich war voll drinnen in der "Befriedigungsspirale", der der Alkohol in mir auslöste, wenn ich ihn trank.
    Morgens, war ich verkatert vom Vortag, dementsprechend mies gelaunt - wobei das eine Untertreibung ist, ich war durch den Alkohol depressiv - , und nachmittags japsten die Synapsen nach dem Stoff, der die Endorphine im Hirn ausschüttet, das ich mich so fühlen konnte, wie ich das wollte. Bis zu dem Punkt, dass es halt, wie jeden Tag, zu viel war.

    Ich habe meine Lebensuhr ablaufen sehen, mit jedem Tag des Suffes, wurden mir die Dinge klar, die ich NICHT werde machen können, wenn ich weiter trinke. Und das hat mich mehr und mehr zerfressen. Aber ich habe das gewusst, selber gespürt und mich damit auseinandergesetzt. Aktiv auch damit auseinandergesetzt und es blieb immer ein Baustein über, der alles verhindert: Der Alkohol.

    Und dann hat mir das Leben einen absoluten Tiefpunkttag geschenkt. Einen Tag des grausamsten Katers in Hamburg, an meiner Seite meine Tochter. Und ich war minütlich davor, mich auf eine Bank zu legen keinen Milimeter zu gehen, weil es mir so dreckig ging. Wir waren in einem Theaterstück und ich musste mich 2 Stunden beherrschen nicht auf die Bühne zu ko........

    Nach über 12 Stunden des puren Leidens und der maximalsten Beherrschung waren wir zu Hause und ich bin sofort eingeschlafen und habe geschlafen wie ein Baby. Bin aufgewacht, und ich war glasklar im Kopf. Und dann hab ich mir gesagt: Das war´s.

    Der letzte Tropfen des Entschlusses war glasklar das Miterleben der drohenden Handlungsunfähigkeit gegenüber meiner Tochter. Und das meine lieben Freunde bohrt in mir bis heute. Weil ich eigentlich von mir behaupte, ein echt guter Vater zu sein. Aber da hatte ich versagt, auf ganzer Linie.

    Na ja, jetzt wiederum bin ich stolz darauf, ein noch besserer Vater sein zu dürfen, der viel für sich tut, was gleichzeitig der Familie zu Gute kommt. Und es ist ein sehr beruhigendes Gefühl zu wissen, wenn was ist, ich bin sofort bereit, für die Familie zu handeln und für meine Kids da zu sein. Gerade jetzt, wo meine Große Tochter langsam flügge wird.

    Ich komme ins Schwafeln, aber dieser Absatz sei mir noch gegönnt, ich habe genau das neulich mit meinem Bruder besprochen, der bis heute nicht so verstehen kann, dass ich 100% abstinent bin und bleibe, gerade auch der Kinder wegen. Der meinte zu mir: "Mein Sohn kann sich auch immer 1000% auf mich verlassen. Wird nur manchmal bestimmt teuer, denn egal wo er ist, ich schick ihm ein Taxi....."..........weil Papa es nicht einsehen kann, ebenfalls nicht mehr zu trinken. Er meinte neulich zu mir, bei ihm ist doch alles gut. Drei Tage in der Woche trinkt er gar nichts...........

    So long.

    Mein Teufelchen auf meiner Schulter sagt mir gerade jetzt: umso mehr du dich mit dem Thema beschäftigst, desto näher kommen auch die Gedanken zum Alkohol. Eklig intrusive Gedanken, obwohl ich Null Lust auf trinken habe. Kennt das sonst auch jemand? Keine Bange, ich lauf nicht zur nächsten Tankstelle. Wollte das nur mal loswerden.

    Liebe Grüsse

    Tom

    Das ging mir genauso. Viel lesen in den Foren, so schlimm die Geschichten teilweise waren, haben den Gedanken an Alkohol eher wachgehalten und teilweise Craving ausgelöst. Zwar nur ganz subtil, ich hatte nie großartige Cravings, aber dennoch.

    Ich habe mich aber bewusst darauf eingelassen und weitergelesen, nur mit einem anderen Mindset. Um mir gänzlich vor Augen zu führen, wohin ich kommen kann, wenn ich das Gesöff nicht stehen lasse. Und dann konnte ich mir doch immer sagen: "Darauf hast du unter keinen Umständen Lust, dorthin zu kommen, das ersparst du dir".

    Konfrontationstherapie, direktes Auseinandersetzen mit dem Gegner.

    Vielleicht ist eine solche Erfahrung ein Glücksfall, wahrscheinlich hat sie aber Gründe. Nur welche sind es? Was war bei mir anders?
    Ich bin inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr an Zufälle glauben kann, weil es davon zu viele in meinem Leben gab, die sich im Rückblick als Notwendigkeit erwiesen, um mich zu dem werden zu lassen, der ich jetzt bin. Und diese "Zufälle" waren im Zeitpunkt ihres Vorkommens nicht immer erfreulich.


    Bei mir war es ganz klar die intrinsische Motivation, die als Samenkorn in mir schlummerte und darauf wartete, geweckt zu werden. Und ebenfalls, lieber Bassmann-neu , konnte ich vom Rauchstopp von vor über 13 Jahren profitieren, der mich motiviert hatte, durchziehen.

    Ein weiterer Punkt, denke ich im Vergleich, ist, ich habe die Ernsthaftigkeit meines Alkoholproblems erkannt. Ich war mit meinem Trinken nicht mehr glücklich, ich habe die Probleme dabei gesehen und die Folgen abgeschätzt. Und festgestellt, wenn ich nicht aufhöre, dann bleibt mir nur noch das Träumen von bestimmten Dingen, aber nicht mehr das Tun von Dingen, die ich vor habe.

    Mein Freund ist bei weitem nicht soweit, der sieht sein Trinken nicht als problematisch an. Für den ist es normal, Alltag als auch begehrenswert, sich zu den passenden Gelegenheiten zuzuschütten. Sagt er ja auch. Seine Identifikation mit der "Erkenntnis", ein problematisches Verhalten zu haben, ist nicht da.
    Nur, das konnten wir raus arbeiten, seine problematisch werdende Adipositas hat einen direkten Zusammenhang mit dem Alkohol. Das liegt offen auf dem Tisch. Nur, die Message bei ihm im Kopf kommt dementsprechende nicht an. Der Alk ist bei ihm (noch) zu sehr mit "Spaß" verknüpft.

    Interessanterweise habe ich gestern eine Radtour mit einer Freundin gemacht, die so gut wie überhaupt nichts trinkt. Dafür ist sie sehr gebildet, aber das Wissen um die Spiralen, Abhängigkeiten etc von Alkohol, ist überhaupt nicht vorhanden. Und das sehe ich als ein großes Problem, dass man überhaupt kaum was über die Gefährlichkeit des Alkohols weiss.

    Mein Bruder ist da auch so ein Typ. Der hat neulich ernsthaft den Spruch gebracht, als ich meinte: "Ich bin so froh nichts mehr zu trinken, wenn meine Mädels mich brauchen, kann ich ab sofort immer sofort reagieren und losfahren".

    Und da meinte er: "Mein Sohn kann auch voll auf mich zählen, wird für mich nur teuer, weil ich ihm dann immer eine Taxe schicken muss..........." :/

    Mal weg von der Arbeit, wieder hin zu mir bzw. zu dem Thema Alkohol

    "Wenn der Alkohol die Grenze ist"....

    Ich habe ja angedeutet, dass mich mein Alkoholexit sehr verändert hat, in vielerlei Weise und ich diese Erfahrung auch gerne weitergeben möchte, mich dazu auch weiterbilde etc. Ich hatte auch angedeutet, dass ich dabei einen Freund begleite, der selber für sich beschlossen hat, seinen Exit zu finden. Jetzt nicht primär aus vom Alkohol weg, sondern, von seinem deutlichsten Übergewicht, hin zu einer gesünderer Lebensweise. Er hat ja vom Arzt attestiert bekommen, wenn er nichts verändert, schlittert er geradeweg in die Erkrankungen unser Gesellschaft.

    Nun ja, vor ein paar Tage hatten wir ein monatliches Reflexionsgespräch und wie ich schon von Anfang an vermutet habe, wird der Alkohol bei ihm eine tragende Rolle spielen.
    Und das kam jetzt nämlich im Gespräch auch heraus. Wir machen alles richtig, Kaloriendefizit, Sportprogramm, angepasste Ernährung, alles kleine, wirksam Schritte, die auch messbar Erfolge zeigen. Aber der ganze, erarbeitet Erfolg wird zunichte gemacht vom Alkohol. Nach knapp über zwei Monaten Disziplin schleicht sich der Alkohol wieder zurück in sein Leben und übernimmt nach und nach die Kontrolle und zerstört auch die Arbeit, die bis heute geleistet worden sind.

    Meinem Freund ist das bewusst, aber die Partys in diesem Mai, der kommende Urlaub etc. sind auf der Prioritätenliste ganz oben. Bzw. die Alkoholexzesse, die dabei stattfinden werden. Ein Verzicht? Gerade undenkbar. Der Mann würde lieber eine Null-Diät machen, anstatt aufs Bier zu verzichten. Na ja, der Erfolg dieses Tuns ist ja bekannt: Kein Erfolg in Sicht.

    Dieses Gespräch hat mich sehr an mich erinnert, wie ich mit meinem Alkoholkonsum konfrontiert worden bin und ich auf Gedei und Verderb mir NICHT vorstellen konnte, die Flasche(n) stehen zu lassen. Ich wußte zwar das es notwendig wäre, aber den endgültigen Schritt dahin zu machen, war mir unvorstellbar.

    In der Rückschau ist das allerdings echt krass. Ich würde nicht einen einzige Tage meiner Nüchternheit hergeben wollen. Ich bin sehr am überlegen, ob es einen Moment gegeben hat, wo ich lieber gesoffen hätte, anstatt nüchtern zu sein, mir fällt da wirklich keiner ein. Ganz im Gegenteil, ich feiere wirklich jeden nüchternen Tag und jedes Erlebnis mit ihm, meine gewonnene Stärke, Gesundheit und Klarheit.

    Aber damals, vor meinem Exit waren diese Gedanken, sich einmal wirklich so wohl in seinem Körper zu fühlen, unvorstellbar. Gleichzeitig weiss ich auch noch, wie unheimlich schwer der Deckel gewesen ist, den ich auf mein Trinken gelegt habe, um das Suffloch zu verschliessen. Und auch dieser Gedanke ist mir sehr wertvoll, wir sprachen hier mal über Achtsamkeit und Dankbarkeit der Nüchternheit im Alltag....das ist es. Die tägliche Dankbarkeit, das Saufloch verschlossen zu haben.

    Ich habe gestern ziemlich Klartext mit meinem Freund gesprochen und ihm auch gesagt, er hat nun das Wissen, wo sein Problem liegt und eigentlich nur die Wahl, sich für sich oder gegen sich zu entscheiden. Und ihm ist es auch bewusst. Aber ich weiß, wie schwer der Deckel ist und ich drücke ihm die Daumen, ebenfalls das Loch zu schließen. Da kann ich ihm aber nicht helfen außer, ein Vorbild zu sein, dass es möglich ist und sich lohnt.

    Nun ja...und sonst so?

    Alles schön, kommenden Montag wieder ein Vorstellungsgespräch, meine Frau hat nächste Woche ein Testarbeiten auch bei einem neuen AG. Ich wünsche meiner Frau sehr, dass sie endlich auch "ankommt". Und wenn das klappen sollte, hätten wir finanziell die Möglichkeit, dass ich Stunden reduzieren könnte. Und das ist auch eine absolute Option im Gedanken des Wandels, denn in der Zeit könnte ich viel für mich machen. Und das wäre total schön :)

    Genießt das Wetter, schönen ersten Mai zusammen!

    Bei entsprechender Mobilität empfiehlt es sich m.E., zum Beispiel in die Schweiz umzusiedeln und dort zu arbeiten: Da hat man zweifelsohne mehr Lebensqualität (insbesondere bei einen Zeithorizont auf die nächsten Jahre;-). Vielleicht auch eine Überlegung für Honk?

    Sag das mal meiner Frau. Diese hat einen absoluten "JackPot - Job" - Krankenschwester und würde sofort mit Kusshand genommen, eine Wohnung oder Haus gäbe es oben drauf. Mein Herz läge ja mehr nördlich, Dänemark oder so, auch ich würde da releativ zügig was finden können, wenn ich mir die internationale Jobbörse so ansehe. Aber, meine Frau ist da eher sehr defensiv und kann sich aktuell in keiner Weise vorstellen, so einen Schritt zu gehen.

    Wenn es ganz ehrlich nach mir ginge: Ich würde das Land hier sofort verlassen. Ich kann leider nicht so detailiert beschreiben was ich mache, ich bekomme aber seit 15 Jahren vis a vis mit, wie sich hier die Gesellschaft und alles verändert und da wird einem wirklich Angst und Bange. Von einem "Vorzeigearbeitsplatz" hin zu "bald ist nur noch Trash".....und dazu sitzt die Maus (mein Arbeitgeber) wie festgenagelt vor der Schlange und findet keine (ausreichenden) Antworten. Das ist echt krass.

    Das ist ja auch so das was mich bewegt, ich hab hier ja mal wirklich echt gerne gearbeitet, konnte viel gestalten, mitwirken, wurde wertgeschätzt etc. Aber das hat sich in vielen Faktoren so massiv verändert bzw. verändert sich stetig nach unten weiter, das man wirklich resigniert. Und von daher habe ich zu ein paar Leuten hier noch eine gewisse Bindung, die sich aber langsam auch auflöst.

    Zitat

    Die Zahl der offenen Stellen geht seit 2022 abwärts (mehr oder weniger synchron zur Erosion der wirtschaftlichen Performance Deutschlands): Immer mehr als 15% minus.

    Ich glaub dieser Statistik nicht, glaub keine Statistik die du nicht selber gefäscjt hast....ich arbeite, soweit kann ich das sagen, direkt am "Output" für künftige Arbeitskräfte und da kann ich euch sagen, das ist eine Katastrophe geworden. Und ich bin hier noch in (noch) einigermaßen sozial gut gestellten Bereich. Hinzu leben ich selber in der Speckgürtelblase wo (noch) alles gut. Aber auch da scheppert es langsam aber stetig.

    Schwierig alles

    Womit fühlt sich Honk am Wohlsten und womit kann er für sich am Besten leben. Er muss sich nachher im Spiegel angucken können.

    Ich bin bislang immer am besten damit gefahren, wenn ich ehrlich gewesen bin und ein direktes Gespräch gesucht habe. Übrigens die Frage nach einem Zwischenzeugnis habe ich schon Anfang Dezember gestellt, es hat nur 5 Monate gedauert und wurde nur mit Druck über den Personalrat erstellt.....ich habe es letzte Woche bekommen und muss es eigentlich korrigieren lassen, weil meine Tätigkeiten nicht richtig beschrieben sind.

    Vor Konsequenzen innerhalb der Dienststelle mache ich mir keine Sorgen. Die Dienststelle selber ist ja abhängig von der Behörde oben drüber und kann, bin auf ein paar Kleinigkeiten, ja selber nichts entscheiden. Die hängen selber am "Tropf" der Willkür.
    Und eigentlich habe ich zu fast allen Vorgesetzten eine wirklich gute Beziehung, deswegen drängt es mich innerlich auch, mit offenen Karten zu spielen. Meine Unzufriedenheit ist ja eigentlich auch bekannt, man kann nur nicht handeln. Nur glaube ich, dass ich ernsthaft drüber nachdenke zu gehen, damit wird man so nicht rechnen. Wie ich oben sagte, "wir" leben da in einer Blase und dem System fehlen auch ohne Ende Fachkräfte. Allerdings sind Behörden zu dumm und zu schwerfällig darauf zu reagieren. Weder über Arbeitsbedingungen, noch über Gratifikationen....dem TV-L sein Dank......:/

    Und eigentlich in mir habe ich auch echt Bock mal was anderes zu machen und mittelfristig mein eigener Herr zu sein. Na ja, ich lass das noch einmal sacken.

    Zitat

    Gerade vorhin meine Hausrunde gelaufen, 45min, 7km. Wir streben beide das selbe Ziel an, Halbmarathon wär dann das nächste. Aber schön langsam mit den jungen Pferden:) Vor einem Jahr hab ich das knapp gehend, in der doppelten Zeit geschafft...

    👍 perfekt...wenns nur nicht immer irgendwie ziepen würde danach....😩😂. Man wird alt ;)

    Zitat

    Ich weiss jetzt, dass ich auch ausserhalb meines gewohnten Umfelds bestehen kann - wenn ich denn will. Plan B ist übrigens der Jakobsweg, im Ernst. Zumindest eine Idee zu haben, was tun, wenn Plan A nicht hinhaut, hilft mir ungemein. Und nimmt den Druck, auf Teufel komm raus reüssieren zu müssen.

    Backup-Strategien habe ich auch immer in der Tasche, also ich mach mir überhaupt keine Sorgen, kein Lohn & Brot zu verdienen. Und gerade weil hier die Jobbörsen auch wirklich voll sind, und der Bedarf auch immer mehr wird. Ich habe so eine Werbeoffensive um Arbeitnehmer noch nie so erlebt. Was ich auch weiss, der Nachwuchs wird die nächsten Jahre definitiv an vielen Stellen fehlen, insofern wird das für uns "Alten" die nächsten Jahre garantiert komfortabel. Auch öffnet sich der Markt immer mehr für engagierte Quereinsteiger, das typisch Deutsche "du muss für jeden Scheiss nen Papier haben" nimmt langsam aber stetig ab. Für mich als Allrounder und Autodidakten optimal.

    Deswegen sitz ich da ja im ö.D. und denke mir: "Firmenwagen, Homeoffice, flexible Arbeitzeiten, Hansefit, Jobbike, Firmenbeteiligungen" sind alles Dinge, die heute nahezu selbstverständlich sind. Nur im ö.D. nicht, da bleibt man treu bei den Arbeitsplatzbeschreibungen und Bezahlungen von vor über 20 Jahren.
    Meine Arbeitsplatzbeschreibung hat gerade 20 Jahre Geburtstag. Da kann man sich ausrechnen, wie aktuell das heute noch ist....

    Das ich aktuell kein Lust mehr auf meinen Job habe, hab ich soweit anklingen lassen. Und das Thema begleitet mich mehr und mehr und wird aktuell auch immer stärker.

    Und ich kann auch nicht mehr über die Fehler in unserem System hinwegsehen. Ich kann soweit aus dem Nähkästchen plaudern, dass ich bei der öffentlichen Hand angestellt bin. Und es ist einfach gruselig, wie uneffizent die Abläufe sind, wie sich insbesondere die Beamten dort in einer Blase befinden und sich an vielen Stellen wirklich vom System kaputt machen lassen, wie unfähig die Vorgesetzten sind und wie dämlich die uns übergeordnete Behörde.

    Und du kannst nichts machen, obwohl das offensichtliche Sichtbar ist, ist man auf seinem Stuhl auf Gedei und Verderb festgetackert und die noch so notwenige Innovation wird im Keim erstickt..."steht nicht in deiner Arbeitsplatzbeschreibung".

    Oder wenn man mal innovativ und flexibel ist, was ich seit 12 Jahren sein MUSS, gibt es keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten, Belohnungssystem oder sonstiges. Die Leute in der öffentlichen Hand sind GEZWUNGEN zu resignieren und sich das Schauspiel anzugucken

    Aber eines verändert sich gerade massiv: Der Arbeitsmarkt um mich herum. Der Fachkräftemangel nimmt immer mehr zu, überall poppen Jobs auf. Ich frage mich, wie die Regierung auf die Arbeitslosenzahlen kommen, die publiziert werden, wenn ich das mit den Jobanzeigen vergleichen. Na ja, glaube keine Statistik die du nicht selber gefälscht hast.

    "Man sollte die Vorteile nicht vergessen, die nicht ausgesprochen sind."......sagte meine Chefin vor ein paar Wochen, als ich mal wieder subtil meine Unzufriedenheit ansprach. Und ja, ich habe objektiv einige Vorteile im Job, im Prinzip kann ich unkontrolliert machen was ich will aber ich versuche das alle auf meine Waage "Vorteile - Nachteile - Konsequenzen" zu legen.
    Und die Waage pendelt immer wieder in Richtung "ziehe Konsequenzen"....wenn da unser alter Freund, die Gewohnheit nicht wäre und auch ein wenig Angst vor Veränderung.
    Wobei ich mir immer sage, Angst vor Veränderung ist die Verweigerung von Chancen. Und, ich bin ein wenig so geprägt worden, Sicherheit gibt man nicht auf. Und sicher ist mein Job auf jeden Fall. Fast unkündbar dazu auch. Aber noch 20 Jahren dort bleiben? Für mich unvorstellbar.

    Hinzu, ich habe einen Kollegen im Büro sitzen, der ist als Typ eigentlich echt nett, wir verstehen uns echt gut. Aber der Typ ist dauernd krank. Der fällt mindestens fast 1x die Woche aus und die angesammelten Kranktage sind mittlerweile abstrus hoch. Und wer darf den Ausfall kompensieren? Ich.

    Zudem entwickelt sich die Verwaltung, mit den Damen vor Ort immer mehr zu einer Lästerschwesterverwaltung, ein Konstrukt, was ich nie mehr erleben wollte. Unser Team ist durch falsche Personalentscheidungen kaputt gemacht worden.

    Auf jeden Fall habe ich jetzt Bewerbung zwei und drei abgeschickt, Bewerbung vier kommt morgen, und das Projekt "Health Coach" steht auch noch auf meiner Agenda.
    Mittlerweile habe ich mehr und mehr Mut, mich auf eine grundlegende Veränderung einzulassen, das kristallisiert sich mehr und mehr heraus. Und mehr oder weniger unbewusst oder auch bewusst arbeite ich auch im auf einen Wechsel hin, ich werde immer offensiver in meinen Aussagen und den Kritiken am System.

    Das ist schon auffällig und auch definitiv meiner Nüchternheit zu verdanken, dass ich mehr und mehr zu mir stehe, immer mehr Selbstbewusstsein aufbaue und das auch offen zeige.

    Nur aber, eines wurmt mich ein bisschen, und dazu habe ich eine Frage an Euch: Würdet ihr mit offenen Karten spielen und offiziell ankündigen, dass ihr euch beruflich ggf. neu orientieren würdet oder würdet ihr es heimlich machen?

    Ich sag ja immer, der Teufel ist ein Eichhörnchen und Heimlichtuerei wird schnell zu einem Bumerang. Deswegen hab ich so das Besteben mit offenen Karten zu spielen um vielleicht doch ein entgegenkommen zu verhandeln, sofern meine Arbeit irgendwie wertgeschätzt werden sollte. Wenn nicht, dann ist die Sache so oder so klar.
    Ich habe mir selber gesagt, 2024 ist das Jahr der Entscheidungen, irgendwas wird passieren!

    Apropos passieren: Gestern sind fast die 10 Kilometer beim Laufen gefallen. 8,84 Kilometer in meiner 1 stündigen Trainingssession. Ich wollte dieses Jahr die 10k knacken, die liegen jetzt kurz vor mir :) Beharrlichkeit, effizientes Training und Struktur zahlen sich aus :) Vor einem Jahr wäre das undenkbar gewesen....ich freu mich :)

    So long!

    Moin Jane,

    willkommen bei uns!

    Was Du erzählst kommt mir seltsam bekannt vor. Und zwar in dem Falle ist es nicht meine Geschichte, in dem Falle ist es die Geschichte meines Bruders.

    Die Schemata sind da ziemlich gleich, um das auf den Punkt zu bringen, sprechen wir da von einer Clique in dem er sich da befindet, die sind alle enorm "versoffen" als auch trinkfest. Und über die Jahre, Jahrzehnte, haben sich so viele "Saufgeschichten" und Exzesse entwickelt, da könnte man ein Buch von schreiben.

    Bis vor gar nicht langer Zeit wäre das auch in meinen Augen ein lustiges Buch gewesen, die ganzen "Ausfälle" als humorige Stories, aber eigentlich ist es gar nicht lustig.
    Zudem, auch so wie Du das beschreibst, ist die Clique so groß und eingeschworen, das ist ebenfalls eine Blase, in der das Trinken mit regelmäßigen Abstürzen vollkommen normal. Das war früher so, in der Jugend, als auch heute so, im mittleren Alter, nur halt jetzt mit Beruf und Familie.

    Ich beobachte das Trinkverhalten meines Bruder schon länger mit Sorge, ich bin dann meinen eigenen Weg gegangen, lebe ja seit über einem Jahr sehr glücklich abstinent und natürlich ist meine Abstinenz auch Thema. Auf der einen Seite bekomme ich Bewunderung, gleichzeitig Unverständnis gepaart mit der Aussage

    "boah ja, du warst ja auch echt heftig drauf, also so regelmäßig und so trinke ich ja nicht.....bei mir ist alles in Ordnung, ich hab das im Griff...."

    Ja, natürlich waren / sind unsere Trinkverhalten unterschiedlich, ich war zwar regelmäßiger dem Alkohol zugeneigt, aber meine Totalabstürze, Vernachlässigungen der sozialen Pflichten, Lügen zu Hause, Streitigkeiten wegen des Alkohols fanden wiederum bei mir nie statt. Oder ganz selten.

    Bei ihm ist es quasi jedes Wochenende die Regel.

    Und eines der größten Antreiber bei ihm sind die Freunde und würde er aufhören zu trinken, würde meiner Meinung nach ein riesiges, soziales Netzwerk wenigstens erst einmal auf Eis gelegt werden. Und dazu ist mein Bruder defintiv nicht bereit.

    Trinken bei ihm zu Hause, also privat, findet statt, allerdings, soweit ich das sehen kann, gemäßigt. Wobei ich mittlerweile auch weiß, wenn ein Mensch fröhlich erzählt, dass er neuerdings alkoholfreies Bier zu Hause hat, das in der Woche auch ganz gut schmeckt, man ja nicht "immer" normales Bier trinken muss, dann kann ich da schon ableiten dass da durchaus zu Hause auch mehr fließt und das alkoholfreie Bier da eine Rechtfertigung ist.

    Also in Summe kann ich mir vorstellen, da ist bei deinem Freund eine echte Baustelle, dessen Tragweite er oder auch Du da überhaupt noch gar nicht begreift, so ein sozialer Druck kann immens hoch sein.

    Das Du so krass reagierst, und Schluss machst, das ist eine sehr starke Reaktion. Bei meinem Bruder sind auch einige Beziehungen in die Brüche gegangen, wenn man viele davon runter bricht, was der Alkohol immer ein großes Thema und (Mit)-Auslöser für die ganzen Streitigkeiten etc.

    Ich hoffe ganz stark, dass die Liebe zu Dir sehr stark ist und das Dein "Ex-Freund" sein Problem wirklich erkennt. Wenn nicht, dann hast Du einen enorm starken Gegner und gegen den zu gewinnen......ganz ehrlich, das ist fast unmöglich. Da würde ich meiner Tochter ganz ernsthaft nur raten: Mädchen, lauf.
    Aber, hier antworten ja auch einen Haufen Leute, die haben es geschafft, davon mal ab. Aber, stell Dich drauf ein, das meine ich ernst, dass Du Dich soweit vorbereitest um Dich rechtzeitig, wenn es nötig wird, in Sicherheit bringst.

    Das klingt so fies negativ was ich hier schreibe, aber ich hab echt Schwierigkeiten damit dir ganz viel Zuspruch zu geben, "das es wieder wird...", der Alkohol und gerade dann noch mit sozialen Faktor ist halt ein echter Endgegner. Und ohne das dein "Ex-Freund" da wirklich sagt, ich höre auf, wird das ganz schwer bis nichts :/

    Ganz liebe Grüße!

    Ich hab es nach langer Zeit wieder getan:

    Ich habe wieder fotografiert!

    Nach langen Monaten, vielleicht Jahren, war mein Lieblingsmenschenkindsmodel endlich mal wieder zu Gast. Eigentlich hatte ich die Kamera an den Nagel gehängt und wollte mit der Fotografiererei nichts mehr zu tun haben, aber vorgestern habe ich wieder erlebt, wie wertvoll diese Momente sind.

    Mein Lieblingsmenschenkindmodel ist in meinem Tagebuch auch schon einmal aufgetaucht, sie war die "Ursache" des Besuches in Hamburg nachdem ich beschloss, Abstinent zu werden. Zudem hat dieser Mensch auch ganz großen Einfluss auf mich was den Umgang mit meinen Kindern angeht. Ich habe sehr viel von ihr gelernt und vieles mitnehmen dürfen, was mir sehr wertvoll ist und manchen Vätern vielleicht als Informationen verborgen bleibt, sie aber wissen sollten, im Umgang mit ihren eigenen Prinzessinen....oder Drachen...je nach dem.

    Na ja, auf jeden Fall habe ich im Keller einfach drei Bettlaken und damit provisorisch eine kleine Studioecke aufgebaut und mit zwei starken LED Lichtern hinter den Laken ultrasoftes Licht gezaubert. Und wir haben Portraits geschossen.

    Nur dieses Treffen ging dieses Mal anders aus: Letztes Jahr, nach dem Besuch bei ihr, habe ich eine wegweisende Entscheidung getroffen. Dieses Mal, beim Besuch bei mir, wird sie eine wegweisende Entscheidung für sich treffen. Denn, sie hatte eine große Baustelle im Gepäck, die nun bearbeitet werden konnte.

    Und genau DAS ist es, was ich beim fotografieren mag und ich mir wieder beibehalten möchte: Fotografische Arbeit als Seelenöffner und Reflektor. Ich habe mich beim fotografieren in den letzten Jahren immer selber falsch verstanden, als auch "buchen" lassen um Auftragsarbeiten durchzuführen. Und Auftragsarbeiten sind häufig seelenlos.

    Aber die Arbeit mit den Menschen direkt, vis a vis, ist häufig eine Therapiestunde für die Fotografierten. Oftmals, alleine durch den Prozess die Bilder entstehen zu lassen, sieht man Dinge anders.

    Portraits zu fotografieren ist oft ein sehr intimer Prozess. Es treffen sich zwei Menschen, die im Zweifelsfalle gar nichts von einander wissen, diese sind dann aber gezwungen, sich irgendwie aufeinander einzulassen und zu vertrauen. Und mir als Fotograf obliegt die große Verantwortung, die Menschen vor meiner Kamera zu führen, anzuleiten, als auch in Situationen zu bringen, die absolut nicht alltäglich sind, ungewohnt sind. Und in dem Augenblick, wo die Menschen Vertrauen fassen, entstehen die Bilder.

    Und das ist mir im Nebel des Alkohols verloren gegangen, genau dieses Gespür und die Kraft, diese Verantwortung zu übernehmen. Vorgestern haben ich aber gemerkt, diese Kraft ist wieder da und ich kann Dinge entstehen lassen, womit man vorher nicht gerechnet hat.

    Und das macht Spaß, es macht zufrieden. Und on Top konnte ich behilflich sein, eine Richtung, einen Weg aufzuzeigen.

    Das ist wunderschön :)