Hallo Klara
Schön das du weiterhin am Ball bist.
Den von Emily erwähnten Artikel „Erste Hilfe“ bei Suchtdruck / Craving finde ich sehr gut um sich selber mal etwas zurechtzurücken in Bezug auf die vorhandenen Einstellungen gegenüber dem eigenen Alkoholkonsum. Nur nebenbei erwähnt wurde der Artikel liebevoll von Leuten aus dem Forum zusammengestellt. Dafür an dieser Stelle mal ein Dankeschön.
Kommen wir zum Feierabend. Das scheint dein Knackpunkt zu sein. Ich kenne das aus meinen alten Tagen. Da war keine Energie mehr da um noch gross Neues zu beginnen oder auch die Leere oder Sinnlosigkeit des Lebens auszuhalten. Letzlich wurde dann wieder am Altar von König Alkohol geopfert. Eine verhängnisvolle Spirale.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma kam erst als sich meine gewohnten Gedankengänge veränderten. Ein beliebter Satz den ich schon öfters hier im Forum niederschrieb lautet:
Abstinenz ist nicht der Weg in den Himel sondern der aus der Hölle.
Diese Worte haben mich sehr verändert. Ich brauchte nicht mehr vergeblich auf Zustände zu hoffen, die auf Dauer gesehen doch eh` unrealistisch sind. Hiezu fällt mir ein Vortrag des Pioniers Franz Strieger der Abstinenzbewegung ein. Er hat anhand des ehemaligen Boxweltmeisters Cassius Clay, der sich später in Muhammad Ali umbenannte, unser ganzes Dilemma mit dem Alkohol und letztlich die Lösung aufgezeigt.
Niemand will machtlos sein, wir wollen alle Kontrolle haben, wir wollen Macht haben über unser Verhalten und auch über den Alkohol. Das ist etwas, was Dich sehr gedemütigt hat zu erkennen, dass Du Mit dem Stoff nicht umgehen kannst. Bei einem Alkoholiker sind gleichsam zwei Teilpersönlichkeiten. ,,Der Realist," der nach langen Jahren des Leidens erkennt, dass er mit diesem Stoff nicht umgehen kann und „der Illusionist“ das ist jener Teil der sagt, Du kannst es doch, Du musst es nur etwas geschickter anfassen. Du darfst eben keinen Schnaps mehr trinken sondern nur noch Bier, dann wirst Du es schon schaffen. Diese beiden Seiten stehen im Kampf, und dieser Kampf geht oft jahrelang ja oft ein Jahrzehnt. Ich vergleiche es oft mit dem Boxkampf mit Cassius Clay. Cassius CIay ist zwar heute nicht mehr der berühmte Boxer, aber für uns ist er immer noch ein Symbol, ein Champion.
Stell Dir einmal vor, Du würdest Cassius Clay zum Boxkampf einladen. Du kannst Dir denken, was er mit Dir macht. In einer Minute bist Du k.o. und die Leute auf den Rängen werden Dich bedauern und sagen, ,,dieser arme Kerl." Mut hat er aber er ist K.O. Und Du würdest in das Krankenhaus kommen und würdest einigermaßen wieder hergestellt sein und jedermann würde denken: „Der hat genug für immer.“ Nicht so Du. Du gehst in die Straße, in der Cassius Clay wohnt, Du kennst genau den Eingang und Du kennst genau das Schild und Du drückst auf die Klingel und Cassius schaut zum Fenster heraus und Du sagst wieder: Cassius, lets go. - Und er schlägt Dich wieder zusammen, das geht dreimal so und geht fünfmal so und das geht zehnmal so und immer wieder, wenn Du einigermaßen auf den Beinen bist, dann gehst Du in diese Gasse und drückst auf die Klingel und Cassius schaut zum Fenster raus und er schlägt Dich zusammen. Das geht solange, bis du eines Tages das demütigende Wort sagst: ,,Cassius, Du bist stärker als ich." Ich habe verloren. Ich gebe zu, dass ich der schwächere bin. Um dieses Eingestehen der Schwäche und um dieses Eingestehen der Niederlage hast Du Dich jahrelang herumgedrückt, weil Du gedacht hast, dann bricht mein ganzes Leben auseinander. Und diese Angst war der Grund, warum Du immer wieder in den Ring getreten bist und dann machst Du plötzlich die Erfahrung, dass Deine Angst nicht stimmt. In dem Augenblick, in dem Du nämlich zugegeben hast, dass Cassius stärker ist als Du, in dem Augenblick kommt es zu einer inneren Ruhe und Zufriedenheit. Nicht Dein Leben bricht zusammen sondern es bricht Hoffnung auf, ein Weg nach vorn wird deutlich, den Du bisher nie gesehen hast.
Damit will ich es mal belassen. Ich hoffe es ist etwas Inspiration für dich dabei und ein entspanntes Wochenende noch.
Brant