Beiträge von Susanne68

    Hallo Gitte,

    ich bin 60 Jahre alt und trinke seit 19 Jahren nichts mehr. Davor habe ich gut 25 Jahre lang mal mehr, mal weniger getrunken, oft jedenfalls sehr viel und zeitenweise Drogen genommen. Ich kenne es schon aus meinem Elternhaus und habe sehr früh damit angefangen.

    Ich habe noch nie bereut, dass ich damit aufgehört habe und kann Dir daher nur empfehlen, wirklich alles dafür zu tun, was Du tun kannst. Und das, obwohl ich früher für mein Leben gern gesoffen habe und es von daher auch nicht bereue, aber jetzt geht es mir um Größenordnungen besser, was ich früher nie geglaubt hätte. Früher habe ich das Leben oft nur ertragen und konnte mich selbst nicht leiden, heute bin ich öfter mal ziemlich glücklich, insgesamt habe ich ein ganz anderes Lebensgefühl und bin mit mir selbst sehr viel besser im Reinen. Ich bin aber auch realistisch und nicht auf Rosen gebettet, aber deswegen muss ich mich heute nicht mehr selbst behandeln wie meinen ärgsten Feind, was ich mit Weitersaufen definitiv getan hätte.

    Das schreibe ich Dir zur Bekräftigung Deiner Absicht. Kann ich also nur empfehlen. Jetzt noch ein bisschen was zum Aufhören an sich, ich kenne Dich aber nicht und weiss nicht, ob Du was damit anfangen kannst.

    Die letzten paar Jahre meiner Karriere habe ich das nicht so ganz unähnlich gemacht wie Du, immer ein paar Tage nichts getrunken und dann wieder 2 bis 3 Tage bis zur Bewusstlosigeit zugeschlagen, auch so etwa im Wochenrhythmus. Die meiste Zeit war mir das egal, da ich ganz bewusst trinken wollte. Es war für mich halt normal, dass gesoffen wird, wie das viele tun, und ein bisschen extrem war ich schon immer, auch in anderer Hinsicht. Habe ich damals zwar selbstkritsch betrachtet, sah aber lange keinen Anlass, da was Grundsätzliches dran zu ändern, ging sehr lange immer irgendwie weiter. Ich habe auch mit längeren Trinkpausen probiert, es unter Kontrolle zu behalten, mit dem Ergebnis, dass ich dann, als ich es mir wieder "erlaubt" habe, um so mehr zugeschlagen habe, ich habe nachgeholt, was ich mir davor verkniffen hatte. Irgendwann ging es halt nicht mehr und ich musste mich entscheiden, ob ich mich in einem meiner Anfälle totsaufe oder was grundsätzlich Anderes probiere.

    Eines Tages hatte ich die Schnauze voll, das war ein ziemlich plötzlicher Umschwung. Ich will Dich jetzt hier nicht mit den Details langweilen, aber der Knackpunkt bei mir war jedenfalls nicht das Aufhören, sondern die Tatsache, dass ich immer wieder angefangen habe. So wie Du ja auch. Und um das zu lösen, ging es um die Frage, warum ich eigentlich immer wieder damit angefangen habe und was ich mit dem Trinken eigentlich erreichen wollte - und ob das Trinken überhaupt das gebracht hat, wegen dem es mir so wichtig war. Ich verrate Dir vermutlich nichts überraschendes, wenn ich schreibe, dass das Trinken die Erwartungen schon lange nicht mehr erfüllt hatte, dauerte nur lange, bis ich das begriffen hatte. Und wenn die Gier da war, reichte das Denken nur bis zu ersten Erleichterung und dem warmen Gefühl beim Anfluten, aber nicht bis zu den Folgen, die Du ja auch schon beschreibst. Bei mir war es die letzten Jahre regelmässig ein sehr kurzer Spaß, wenn überhaupt, und ein Rattenschwanz an schlechten Gefühlen, also unterm Strich ein ziemliches Verlustgeschäft, was ich aber so nicht gesehen habe, wenn ich mit meiner Gier nichts besseres anzufangen wusste und sowieso erst mal nicht weiter denken wollte.

    Hoffnung alleine ist meistens ein bisschen wenig, man muss es nach meiner Erfahrung und Beobachtung schon aktiv in die Hand nehmen und dranbleiben. Und bitte nimms mir nicht übel, aber ich bin der Meinung, wer so viel für die Sauferei aushält, wie es die meisten gemacht haben, kann auch was für seine Nüchternheit tun.
    Ich meine, wenn einen gebrochene Arme oder so nicht am Saufen hindern, dann hält man ja was aus. Hast Du eine Idee, warum es Dir so viel schwerer fällt, nach längeren Pausen nüchtern zu bleiben? Baut sich da Druck auf, erlebst das Nüchternbleiben als Verzicht? Ich erlebe es schon lange als Gewinnn, dass ich nüchtern lebe, also das ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, was ich schreibe. Früher hab ich halt zur Entspannung, Belohnung, zum Runterkommen getrunken, aber wie oben erwähnt gab es diese Entspannung oder Belohnung ja gar nicht mehr, sondern es war unterm Strich eher bescheiden, also war es ja kein Verzicht, es bleiben zu lassen. Und der Gedanke ans "Normal trinken " verging mir, als ich mir überlegt habe, was mir ein oder zwei Drinks eigentlich bringen, wenn es dabei bleibt..eigentlich auch nichts, ausser dem Gefühl, dass ich gerne weiter gesoffen hätte, mit den bekannten Folgen. "Normal trinken" war für mich noch nie der Bringer, im Nachinhein betrachtet, nichts wofür sich irgendein Aufwand oder Risiko lohnen würde. Ich konnte es drehen und wenden, da war für mich nichts mehr zu holen. Ohne konnte es nur besser werden.

    Wie stellst Du Dir denn konkret vor, was Du für Hilfe brauchen würdest? Ich meine, die Angst vor dem Absturz wird sich erledigen, wenn Du feststellst, dass das ja nur eine Angst vor Dir selbst ist, denn ausser Dir zwingt Dich ja niemand zum Trinken. Da gibts ja eine banale Lösung, wenn Du Saufdruck hast, dann denke es zu Ende, wie das wird, dann vergehts Dir. Aber an sich selbst und seine inneren Einstellungen und Denkmuster ranzugehen, das ist halt die Schwierigkeit. Und auch die Frage zu bearbeiten, was man an seinem Gesamtleben ändern müsste, damit man nüchtern da hin kommt, wo man mit dem Alkohol gerne hin möchte, aber nicht hin kommt.
    Aber es geht ja letztlich um Dein Leben und Saufen ist eine sehr oft tödliche Krankheit, brauchst ja nur noch eine etwas blöderen Unfall bauen, also sollte das ja schon wert sein, etwas dafür zu tun.

    Im übrigen empfehle ich Dir, Dich hier durch die Themen zu lesen, denn vieles ähnelt sich und da stehen bereits sehr viele Erfahrungen, von denen Du vielleicht profitieren kannst.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg und eine guten Austausch hier
    Gruß Susanne

    Ich meine, in der Gruppe wie hier musst Du, wie üblich, das für Dich nehmen, was für Dich am Besten passt und mit was Du am Meisten anfangen kannst.

    Ich vermute, Du weisst am besten, wie sich das für Dich angefühlt hat und ob es Dir Probleme bereitet hat.
    Für mich war es nie ein Problem, wenn ich jemand anderem Alkohol gekauft habe, und auch nicht, wenn ich beim Trinken daneben saß. Für meinen Quasi-Stiefvater - den zweiten Mann meiner Mutter - habe ich viele Jahre im Spirituosen-Spezialgeschäft Edelschnäpse gekauft, und für mich war das gut, weil ich damit immer richtig lag. Ich weiß bei den meisten Leuten nicht, was ich ihnen schenken soll, und mit Alkoholischem liegt man bei vielen Leuten einfach nie falsch. Wozu soll ich mir da groß einen Kopf machen, wenn ich weiss, dass ich das kann? Abgehakt und gut ist.

    Da stand dann der Schnaps bis zum Termin im Keller. Heute interessiert das keinen mehr, deswegen Vergangenheit.
    Bei den ersten Malen habe ich mir noch Gedanken gemacht und aufgepasst, also bewusst wahrgenommen, ob und was das mit mir macht. Wenn ich Kopfkino bekommen hätte - also wenn mich der Gedanke an den Alkohol im Haus in Richtung Gier beschäftigt hätte - hätte ich es gelassen, und ansonsten bin ich davon ausgegangen, dass ich immer einen Weg zum Trinken finden würde, wenn ich das wollte. Genauso bin ich aber davon ausgegangen, dass ich Saufdruck deswegen eine Zeit lang aushalten könnte, aber dieser Saufdruck kam ja gar nicht. Bei mir war es halt immer so, dass zum Trinken bei mir immer ein Stück "Wollen" dazugehört hat, ich war dem nie so völlig ausgeliefert, dass ich völlig gegen meinen Willen getrunken hätte. Und als ich nicht mehr wollte, wollte ich eben nicht mehr, hat geschnackelt und war durch.
    Ich hatte auch jahrelang eine Palette Wein im Haus, anfangs mehrere hundert Flaschen, davon habe ich Kunden immer wieder was gegeben, mich hat das nie interessiert.

    Ich glaube, bei vielen ist das einfach die Angst vor der Angst, wie wollen sie was beurteilen was sie selbst nicht gemacht haben?
    Und bei Anderen kann das ganz anders sein, hab da schon Unterschiedlichstes gehört.

    Horche einfach in Dich rein. Denk ab und zu dran, dass auch in Gruppen viel rein subjektives erzählt wird, das muss man nicht alles so machen. Da sitzen x Leute, die auch vor allem von sich selbst ausgehen. Was für den einen passt, kann für den nächsten das falsche sein. Das sind keine Gurus, die alles wissen. So wenig wie wir hier.
    Gruß Susanne

    Hallo und guten Morgen Conny

    Patentrezepte gegen Dein Problem gibt es leider nicht.

    Ich weiss nicht, wie Eure Gespräche im Allgemeinen ablaufen, ob ihr gut ooder schlecht miteinander reden könnt.
    Und kann auch nicht wirklich beurteilen, ob Dein Mann überhaupt so einfach auf Dauer weniger oder gar nichts mehr trinken könnte, denn wie Rina schon geschreiben hat, müsste er es dafür erst mal ernsthaft versuchen. Erst dann wüsste ja er selbst überhaupt, wie es ihm ohne sein Bier gehen würde oder ob er dauerhaft mit weniger auskäme. Und daran scheitert es ja bereits, wie Du schreibst, da er abwiegelt und das gar nicht als Problem sieht.

    Ich denke, Du solltest Dir selbst überlegen, was Du wilst, und ihn damit konfrontieren, Forderungen stellen. Aber so wie Du von ihm ja im Grunde verlangst, dass er irgendwelche Konsequenzen zieht, sein Verhalten ändert, solltest Du Dir im Vorfeld schon überlegen, welche Konsequenzen Du in dem Fall ziehen würdest, wenn er nichts ändert, denn leere Drohungen bringen überhaupt nichts und das würde er schnell durchschauen.
    Du könntest z.B verlangen, dass er aus Rücksicht auf Dich weniger oder gar nichts mehr trinkt. Ob er das täte, weiss ich natürlich nicht, und ob ers überhaupt könnte, siehe oben. Du kannst natürlich auch versuchen, ihn davon zu überzeugen, das es besser für ihn wäre, aus gesundheitlichen Gründen oder weil du ihn sonst verlässt, käme dann natürlich drauf an, was ihm seine Ehe wert ist und ob Du das überhaupt könntest.
    Wenn er behaupten sollte, dass ers nicht braucht und jederzeit aufhören könnte, kannst Du ihm ja sagen, dass es ihn dann ja wohl auch nicht viel kosten würde, wegen Dir damit aufzuhören..aber da gehts dann meistens schnell in die Richtung, dass man doch nicht so leicht darauf verzichten kann und will, und dann geht das Lavieren, Lügen, die Ausreden und das heimliche Trinken los, es werden tausend gute Gründe zum Trinken gefunden (kennst Du auch schon, Gesundheit und genug trinken, aber da gibts noch ganz andere Möglichkeiten) oder er sagt Dr ganz offen, dass Du es ihm nicht verbieten kannst und damit hätte er sogar recht, denn es ist ja nicht verboten.
    Und mit der Selbstmitleidstour ist auch noch zu rechnen, der arme Kerl würde ja so gerne aufhören, und Du sollst ihn bloß nicht verlassen, sonst geht er ganz unter, und er wird alles versuchen. Öhm, Hilfe für Trinker gibt es sehr viel, und da er ja bei anderer Gelegenheit (die Stimmung könnte schwanken) ja alles im Griff hat, kann er sich diese Hilfe auch sehr gut selbst besorgen. Muss nicht so kommen, kann aber passieren. Du bist jedenfalls nicht dafür verantwortlich. Und bevor ichs vergesse, Verständnis für seine schwierige Situation wird an seinem Verhalten sehr wahrscheinlich nichts ändern, sondern ermöglicht ihm im Gegenteil, nichts zu ändern, dann jammert er halt ab und an aber Du trägst das ja dann mit. Hält Dich aber gut bei der Stange und verlängert im schlechteren Fall Dein eigenes Leiden an der Situation.
    Und verlassen kannst Du Dich nur auf das, was er tut, versprechen kann man viel, wenn der Tag lang ist, das ist beim nächsten Durst wieder vergessen.

    An sich ist es schwierig und meistens unmöglich, einen Trinker zu überzeugen, denn meistens hängt da ziemlich viel dran, die Vorstellung von Entspannung und Lebensqualität oder überhaupt gegen Stress etc. Ich kann Dir aber versichern, dass seine Argumente, viel Trinken und gesund etc. ziemlich hohl sind, denn trinken kann man auch was Anderes, machst Du ja auch, und gesundheitlich vertretbar wären höchstens zwei Bier am Tag, bei mindestens zwei alkoholfreien Tagen in der Woche, und selbst das ist nicht gesund, sondern nur risikoarm. Aber ich fürchte, da es das Normale ist, dass Du ihn davon nicht überzeugen können wirst, solange es ihm selbst durch die Trinkerei nicht wirklich schlecht geht. Denn normalerweise denkt man sich als Trinker (ich hab damit selbst Erfahrung), was soll der Aufwand mit dem Aufhören, ich sterbe eh eines Tages und bis dahin will ich meinen Spaß haben oder so ähnlich. Das Umdenken erfolgt meistens erst an einem kritischen Punkt, und man muss leider sagen, dass die Mehrheit ja gar nie aufhört. Und dafür, dass es es in nächster Zeit wirklich schlimm für ihn wird, trinkt er trotzdem noch zu wenig, diese Menge kann man sehr lange durchhalten. Unterm Strich gibts für viele gar kein "tief genug", ausser 1,80m unterm Boden, da kann man überhaupt keine Vorhersagen machen, wann es jemandem reicht.

    Also eigentlich kannst Du meiner Meinung nach nur eine klare Ansage machen, was Du willst, und hoffen dass er darauf eingeht (und eingehen kann) und im Zweifelsfall selbst Konsequenzen ziehen und dafür sorgen, das es Dir anderweitig gut geht. In Deinem/Eurem Stil natürlich, denn ich bin ja nicht Du und weiss überhaupt nicht, wie Ihr so ein Gespräch angeht. Das ist ja in jeder zwischenmenschlichen Beziehung anders. Und natürlich musst Du gar nichts, nur weil ich dieser Meinung bin.

    Und leider ist es so, dass es sehr viele Angehörige gibt, die diese Situation, in der Du steckst, schon sehr lange mitgemacht haben und alles mögliche vergeblich versucht haben, also das ist kein Problem, das man im Vorbeigehen kurz löst. Das muss man schon ernst nehmen, auch im Hinblick auf Deine eigene Zukunft. Ich hätte das alles jetzt vielleicht auch ein bisschen optimistischer schreiben können, vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, aber nach dem was Du schreibst was er dazu sagt, wie er sich verhält und wie Du bereits mit Rückzug darauf reagierst, ist das über "halb so wild" ja schon ein gutes Stück raus. Denn ihr seid ja schon mitten drin, dass ihr beide um seinen Alkoholkonsum kämpft.

    Soweit meine Ansicht
    Gruß Susanne

    Ja, ich war auch schon immer ziemlich fit und dabei geschlotet, gegiftet, und gesoffen. Und dabei Bergsteigen, wofür ich auch trainieren musste und dazu immer gut und hochwertig gegessen. Hat sicher einige Schäden abgewendet. Andererseits hab ich da auch hirnrissige Sachen gemacht, Schnaps und Dope den Berg hochgeschleppt und auf 4000 m erst mal eine angesteckt. Bis ich mal fast nicht mehr runterkam, dann habe ich das auf hinterher verlegt, ausser dem Rauchen, das musste immer sein. Mir hat da mal einer gesagt, ich soll mir mal überlegen, wie fit ich wäre, wenn ich das lassen würde..hat nichts bei mir bewirkt. War mir sowieso klar, aber ich konnte es halt damals nicht lassen. Und oft standen Andere drumrum, die die Kippen aus gutem Vorsatz im Tal gelassen hatten und bettelten, ob sie nicht vielleicht eine haben könnten. "Gipfelschnaps" stellt in diesen Kreisen eine Art Tradition dar. Auf vielen Gebirgsütten ging und geht es oft hoch her. Morgens wird dann links und rechts des Wegs gekotzt und gelitten.

    Auch dass ich mich aus meiner Behinderung, die damit nichts zu tun hatte und erst nach Jahren der Trockenheit auftrat (Unfall) , so weit raustrainiert habe, dass ich fast normal leben kann, habe ich wohl nur gemacht, weil ich diese Grundfitness habe und weil es mich auch weiterhin nach draußen gezogen hat.

    Ich sehe das auf jeden Fall schon auch so, dass ich einige meiner schlimmsten Zeiten nur deswegen überstanden habe, und auch, weil ich das rausgehen immer als "was für die Seele tun" empfunden habe..was ja nun in der Corona-Krise wieder ganz aktuell ist.


    dass mit den steigenden Verkaufszahlen für Alkohol, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe eher den Eindruck, die Leute machen jetzt eher viel mehr Sport . Überall sieht man die Leute joggen, laufen oder rennen.

    Hier bei uns sind auch viel mehr Leute draussen. Wir denken, das kommt zum Teil weil der ganze Vereinsport ruht und vielleicht auch, weil jetzt alle noch mal rauswollen, so lange man noch darf. Fernsehsport ist ja wohl auch weniger, keine Ahnung, guck ich nie. Ausserdem ist Frühling. Und sonst ist halt auch nichts los, keine Konzerte, keine Frühlingsfeste, nichts.

    Bleiben aber wahrscheinlich immer noch genug übrig, die zu Hause hocken. Denn die ganz große Masse sehe ich draussen trotzdem nicht. Kein Vergleich zu irgendwelchen Volksfesten z.B..

    Sport und Alkohol ist im Übrigen für viele Leute kein Widerspruch. Wo ist das Problem, erst Joggen und sich dann die Rübe zusaufen? Kenne ich X, die das schon immer so machen. Und sich einbilden, sie leben ja so gesund, da macht ihnen der Alkohol nichts.


    Wenn die Gaststätten geschlossen und Ansammlungen vor Kiosken verboten sind, wird zuhause getrunken.
    Das Problem wird eher sein, den gewaltigen Konsum weiterhin vor der Familie zu verheimlichen und es dadurch
    zu vermehrten Streitigkeiten innerhalb der Familie kommt.

    wir haben in Deutschland fast 40 Prozent Singlehaushalte, in Städten noch viel mehr, Leute die zu Hause niemand beaufsichtigt, und da ist es ja grade oft der Job oder irgendein Verein, wo sie ihre Kontakte haben. Was jetzt alles nicht mehr geht. Einsamkeit und fehlende Struktur ist ja für viele auch Grund zu trinken. Ich glaub im Homeoffice, allein zu Haus, können diese Probleme schon auftreten.

    Wie es auf Deinem Bild aussieht, kommt die Knoblauchsrauke auch schon (vorne rechts die größeren Blätter)

    Bärlauch habe ich die Woche zwei mal geholt, allerdings ein bisschen zurückhaltend weil es hier nicht so viele Stellen gibt, und ich will ihn ja nicht kaputtmachen. Für größere Mengen müsste ich weiter fahren und das spare ich mir grade.

    Nächste Wochen werden wir die Corona-Soforthilfe beantragen, alles etwas unübersichtlich momentan. Unser Geschäft könnte zwar weiter laufen, aber wenn unsere Kunden alles runterfahren, brauchen sie uns auch nicht mehr. Und es weiss ja keiner, wie das nun weiter geht.

    Bleibt gesund
    Gruß Susanne

    Ich habe auch priorisiert. Lieber einen Eisbecher als Schnaps. Lieber erst mal noch mehr geraucht.
    Das hab ich dann eins nach dem Anderen wieder in den Griff gekriegt. Ein Jahr später mit dem Rauchen aufgehört und dann erst mal 20 Kilo zugenommen, aber das normalisierte sich auch wieder.

    Das hat mich zwar alles auch gestört, aber es war trotzdem nicht so schlimm, wie weiter zu saufen und später weiter zu rauchen. Ich hab mich halt gefragt, was bringt mich zuerst um? Wenn ich das Schlimmste weglasse, habe ich beim Rest mehr Zeit, um das zu bewältigen. Priorisierung, Häppchen.

    Ich habe dann Atemübungen und später das Meditieren angefangen. Erst mal innerlich einen Schritt von den ganzen Problemen zurücktreten, tief Luft holen, sie mit ein weng Abstand betrachten und mir dann bewusst überlegen, was ich will und was sich machen kann. Mache ich heute noch so, wenn mich die Nachrichtenflut zu überschwemmen droht, und ich merke, dass mir das näher kommt, einfach mal einen Break. Ich hab aber auch jahrelang Übung, also wenn du das nicht gleich kannst, ich hab auch mal angefangen.

    Du schreibst, Du hast Deine Skills vernachlässigt? Man kann nur Skills vernachlässigen, die man hat, also hast Du ja was auf dem Du aufbauen kannst. Gestern ist gestern, machst Du heute halt weiter und wendest sie heute an. Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens, ist ja jeden Morgen so.
    Immerhin hast Du nicht gesoffen, der Alkohol konnte also keine weiteren Schäden anrichten, und niemand ist perfekt. Den Selbsthass kenne ich auch, aber ich hab mir dann auch emotionale Ausflippereien erlaubt, alles nicht so schlimm, so lange man keine entscheidenden Fehler macht, die sich nicht mehr ausbügeln lassen.

    Am Anfang ist es schwierig. Ich habe drauf vertraut, dass ich auch nicht so viel anders bin als Andere, also ich habe einfach mal geglaubt, dass es besser wird, denn bei Anderen ist es ja auch besser geworden. Dafür kann ich Dir gerne als Beispiel dienen. Also ich hatte abschreckende Beispiele, aber ich kannte auch welche, die waren schon da, wo ich hin wollte, und ich habe mich daran gehalten, dass man es schaffen kann, egal was passiert. Ich habe mir einfach keine Ausreden zugelassen, wenn es Andern möglich war, dann war es mir auch möglich.

    Wie gesagt, gutes Gelingen.


    Was mir nur Sorge bereitet ist meine Ausdauer. Susanne, wie hast du es geschafft, die Ausdauer aufzubringen, auch jeden Tag nüchtern zu nutzen? Hattest du Ziele? Eine spezielle Motivation? Das fehlt mir noch ein bisschen. Ja, ich will ein gesundes Leben aber wie soll das aussehen... nun habe ich Zeit mir darüber klar zu werden...und ja, die gebe ich mir.

    manchmal hat jeden Tag nutzen auch so ausgesehen, dass ich einfach im Liegestuhl gelegen bin, gelesen und geschlafen habe. Ich hab das Leben auch genossen, gleich von Anfang an.
    Mich hat es schon immer nach draussen gezogen, bin einfach gerne draussen. In der Schlussphase meiner Sauferei war ich in einem Projekt, wo ich überhaupt nicht mehr rauskam, wo ich es auch nicht geschafft habe, aufzuhören, ich war froh dass das abgeschlossen war und ich wieder raus konnte. Also meistens ging das relativ leicht und ab und an habe ich mich aufgerafft, wenn das nicht von selbst ging. Ich bin das Tag für Tag angegangen.

    Ausserdem hatte ich vom Saufen derartig genug, dass ich eigentlich nur froh war, dass es vorbei war und dass ich überhaupt aufhören konnte. Ich hatte die Monate davor ziemlich viel Angst, weil ich es wegen dem Stress ja nicht geschafft hatte aufzuhören, und ich gemerkt habe, dass ich auf dem Zahnfleisch gehe. Oft bin ich nachts über der Kloschüssel gehangen und hatte dann Angst, dass ich einen Schlaganfall kriege, vor lauter Druck, oder sonst irgendwie verrückt werde. Ich habe da immer noch Trinkpausen gemacht, aber wenn ich getrunken habe war es regelmässig katastrophal. Trotzdem habe ich wegen den Trinkpausen meine eigene Sucht gar nicht so recht gesehen und ausserdem hing viel Geld an dem Projekt, das weg gewesen wäre, wenn ich vorzeitig ausgestiegen wäre. Also hab ich mich da halt bis zum Ende durchgeschleppt und dann hatte ich fertig.
    Und als ich dann mal angefangen habe, wirklich drüber nachzudenken, fiel mir immer mehr ein, was in meinem Leben vielleicht anders gelaufen wäre, wenn ich nicht schon immer so viel gegiftet und gesoffen hätte. Konnte ich zwar nicht mehr ändern und damals wollte ich ja auch nichts Anderes, aber da wollte ich das dann wirklich anders machen. Kann ich gar nicht so genau beschreiben, war auch gar nicht so sehr Kopfsache, ich hab das einfach gespürt dass es mir reicht und dass ich so nicht weiterleben wollte.

    Weil ich mit großen Schwierigkeiten gerechnet habe, habe ich mir zuerst vorgenommen, dass ich es erst mal ein Jahr lang bleiben lasse und dann noch mal drüber nachdenke. Ein Jahr habe ich mir zugetraut und ich hätte ja jederzeit wieder anfangen können, dann ging es mir aber schon nach einigen Wochen so gut, dass ich eigentlich schon wusste dass ich nicht mehr anfangen werde. So mit dem, dass mir das ja jederzeit anders überlegen kann, fahre ich auch mit dem Fahrrad den Berg hoch, ich sage mir immer, wenn zu schwer wird, schiebe ich, und so fahre ich jeden Berg hoch, ich schiebe fast nie. Ein bisschen weiter gehts immer noch. Und beim Alkohol war ich mir ziemlich sicher, wenn ich mir da einen Ausrutscher leiste, stecke ich wahrscheinlich wieder voll drin, denn ob ich den Dreh noch mal gefunden hätte, war ich mir nicht so sicher. Ich hatte aber auch wirklich keine Lust mehr zum Saufen, also das was Du beschreibst, dass Du da mit Dir kämpfen musst, das hatte ich da schon nicht mehr, das hatte ich nur früher, als ich die Pausen gemacht habe aber natürlich trotzdem trinken wollte. Als ich aufgehört habe, war ich da absolut eindeutig. Von daher kann ich Dir an dem Punkt wohl auch nicht weiterhelfen. Für mich sind das psychische Entzugserscheinungen und da vertraue ich drauf, dass das vorbei geht - wenn man nicht wieder anfängt.

    Also ich nehme mir halt einfach nicht zu viel auf einmal vor, ich mache Häppchen draus, die ich schaffe, und dann schaffe ich mir auch Raum, das Geschaffte auch mal zu geniessen. Ab und an muss ich auch mal nachbessern, innehalten und gucken ob die Richtung noch stimmt. So mache ich das inzwischen bei allem. Ich habe festgestellt, dass ich mit den Techniken, die beim Saufen aufhören gelernt habe, auch sonst ganz gut durchs Leben komme. Das verstärkt sich dann von selbst, wenn Du merkst, das Du immer mehr davon hast, und es wird auch leichter weil es ja auch durch Übung besser flutscht. Und wenn Du Spass dran hast, dann bleibst du auch dabei....bzw ich rede da ja von mir, aus meiner Erfahrung.

    Und was natürlich ganz wichtig war, ich habe einen Sinn darin gesehen, aufzuhören, und wenn ich irgendwo einen Sinn drin sehe, dann gebe ich persönlich nicht so leicht auf. Das ist aber auch nicht Neues, denn früher hab ich im Saufen Sinn gesehen, von daher wusste ich aber auch, dass ich ziemlich viel aushalten kann. denn als ich noch gesoffen habe, habe ich ja auch viel ausgehalten, wenn ich mir überlege wie ich da mit mir umgegangen bin und was ich für die Sauferei alles in Kauf genommen und welchen Preis ich dafür bezahlt habe. Also am Aushalten können lags sicherlich nicht. So dachte ich dann halt auch, was ist ein bisschen Saufdruck gegen die Abende über der Kloschüssel, als es mir elend ging und die ich am nächsten Tag wieder vergessen hatte, da kann ich den Saufdruck doch leicht auch aushalten.

    Und so kam halt eins zum Anderen. Und dann war ich es irgendwann gewöhnt, nicht zu trinken, war so normal wie vorher saufen. Trotz diverser Schwierigkeiten, die mein Leben später noch so mit sich brachte, da dachte ich dann gar nicht mehr ans Trinken.

    Gruß Susanne


    Auf einmal entsteht ein richtiges Loch. Und Langeweile und Einsamkeit sind ziemlich starke Trigger! Ich habe nicht wirklich mehr ein Hobby und zu Corona Zeiten kann man draußen auch nicht wirklich was machen.

    Guten Morgen,

    ich wünsche Dir gutes Gelingen.

    Ich habe vor 19 Jahren aufgehört, nicht jeden Tag getrunken, aber mehrmals die Woche bis zum umfallen, und dafür wesentlich länger als Du, alles in allem ca. 25 Jahre. In dieser Zeit gab es natürlich auch mehrere Jahre, in denen ich täglich getrunken hatte, und die Pausen hab ich angefangen weil es meinen Partner gestört hat und um nicht völlig abzustürzen, aber das nur am Rande. Jedenfalls habe ich sicher genügend Blödsinn gemacht und hatte auch sehr viel Glück.
    Jetzt bin ich 19 Jahre clean, auch von allen anderen Drogen und Nikotin, und nüchtern, und ich habe nie bereut dass ich aufgehört habe. Abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich gar nicht mehr leben würde, geht es mir schon lange sehr viel besser als zu der ganzen Zeit, als ich mich zugedröhnt habe. Trotzdem ist natürlich nicht alles easy, ganz normale Probleme, die Nicht-Trinker haben, habe ich auch, aber ich gehe völlig anders damit um als früher.

    Was ich sagen will: ich habe auch im Frühling aufgehört und ich hatte zu dem Zeitpunkt glücklicherweise 3 Monate Zeit für mich selbst, ausser mir einen neuen Job zu suchen, was für mich relativ einfach war, hatte ich nichts zu tun. Das war auch gut so, konnte ich mich mit mir selbst beschäftigen.

    Ich bin sehr viel spazieren gegangen und Rad gefahren, was man momentan zumindest hier bei mir auch noch darf, und gestern wurde ja beschlossen das man weiterhin an die frische Luft darf, in den meisten Gegenden jedenfalls.
    Neben den allgemein bekannten Effekten, die Bewegung an der frischen Luft hat, konnte ich da auch sehr gut meine Gedanken laufen lassen, weil Du ja auch wegen den Gedanken gefragt hast. Bei Bewegung kreisen sie nicht ganz so, sondern bewegen sich eher vorwärts, bei mir zumindest. Damals habe ich auch noch sehr viele Selbstgespräche geführt, richtiggehende Diskussionen mit mir selbst geführt. Bin durch den Wald gelaufen und habe mich mir mir selbst unterhalten oder mit fiktivem Gegenüber, wenn ich noch was auszudiskutieren hatte, aber derjenige nicht greifbar war. Ich habe, damals noch stärker als heute, halt auch verschiedene Teile in mir, die ich irgendwie zusammenbringen musste. Da gibts auch ein Konzept dazu, das nennt sich inneres Team, um diese verschiedenen Stimmen in sich selbst zu bezeichnen. Und eine meiner inneren Stimmen war natürlich auch mein Sucht-ich, mit dem ich auch Diskussionen geführt habe, ich habe es aber nicht unterdrückt, sondern überzeugt. Hört sich vielleicht ein bisschen verrückt an, aber irgendwie musste ich ja rauskommen und da war mir jedes Mittel recht. Verrückt, Hauptsache es hilft.

    Jedenfalls konnte ich, weil ich ja Zeit hatte, ohne weiteres mehrere Stunden draussen spazieren gehen. Zwar schon flott, aber nicht so extrem sportlich, und nach ein paar Stunden war ich dann schon wesentlich ruhiger. Ich bin beim Laufen auch auf manches gekommen, was mir das Nüchternbleiben einfacher machte, also viele Punkte, warum ich das, was ich durchs trinken erreichen wollte, beispielsweise Stressabbau und bessere Laune, nüchtern im Grunde besser erreichen kann, und dass es für mich viele gute Gründe gab - also nicht nur Zwang (ich muss trocken bleiben )- warum es besser für mich war, nüchtern zu bleiben. Sprich ich hatte auch was davon, dass ich aufgehört habe, ist kein Verzicht sondern Gewinn. Das wurde mir bei dem Laufen auch immer klarer, und langweilig war mir in der Zeit dann auch nicht.
    Ich sage mal, bei Selbstgesprächen konnte ich sehr ehrlich zu mir selbst sein, weil mir vor mir selbst auch überhaupt nichts peinlich war, musste nicht drauf achten was ich mir selbst erzähle, denn am Anfang konnte ich Diskussionen mit anderen kaum brauchen. Und da kamen meine tieferen Beweggründe auch ganz gut zum Vorschein.

    Das war meine Methode, nur als Gedankenanregung, weil Du ja gerne Erfahrungen hören willst. Was für Dich das Richtige ist, wirst du dann irgdendwann selbst herausfinden. Nüchtern und offen bleiben ist auf jeden Fall schon mal nicht schlecht.

    Vieles braucht natürlich ganz einfach Zeit und Geduld, und es lässt sich auch nicht beschleunigen. 1 Monat ist ein guter Anfang, aber Du musst jetzt nicht auf 19 Jahre neidisch sein. Denn da wärst Du ja auch gleich 19 Jahr älter, und bis dahin kannst Du noch viele Jahre geniessen, so wie ich das ja auch gemacht habe. Also nur keine Hektik :)

    Gruß Susanne

    Ich denke schon, dass da jetzt insgesamt eine größere Krise auf uns zukommt, weil mir das Szanario, dass es 70 bis 80% erwischen wird, bevor das durch ist, schon relativ plausibel vorkommt. Also mit einiger Wahrscheinlichkeit werden wir auch dabei sein und es zeichnen sich ja auch sonst schon einige Probleme ab, gesellschaftlich, wirtschaftlich etc. und wie unser Geschäft weiter gehen wird, wissen wir auch noch nicht, bleibt jetzt halt abzuwarten und hängt auch davon ab, wie unsere Kunden weitermachen. Verhungern werden wir aber nicht gleich.

    Also ich bin weit davon entfernt, das als harmlos zu empfinden und ich halte mich an die Vorgaben, anderseits würde es mir ja auch nichts helfen nun in Selbstmitleid zu versinken, davon würde es ja nicht besser. Also leben wir vorerst so gut weiter, wie es geht, und passen uns so weit an.
    Ansonsten habe ich mich einer Bürgerinitiative angeschlossen, wo man sich gegenseitig hilft, die gibts nicht erst seit Corona aber für mich war das jetzt der Anlass. Momentan ist noch nichts los, aber man rechnet ja damit dass Einkaufshilfen und auch Kommunikationshilfen für Kranke und alte Leute gebraucht werden, also da gibts dann sicher was zu tun. Vielleicht ist es ja auch eine Möglichkeit, dann trotz Ausgangssperre noch rauszukommen, oder man braucht es selbst mal.

    Also panisch bin ich nicht gerade, aber das Thema ist existent und lässt sich nicht einfach wegschieben. Ich denke mir aber auch, dass ich seit langer Zeit ziemlich gesund lebe, wird mich davor zwar nicht bewahren, erhöht aber sicherlich zumindest die Chance, dass ich es nicht so schlimm kriegen werde. Man wird wahrscheinlich trotzdem welche kennen, die es dann erwischt. Urlaub und so ist dieses Jahr zwar wahrscheinlich gestrichen, aber das ist dann halb so wild.

    Dann halten wir mal die Ohren steif.
    Gruß Susanne

    Bei uns sind sämtliche Versammlungen verboten, unabhängig ob öffentlich oder nicht öffentlich, und unabhängig vor der Personenzahl.
    Dürfte ja wohl auch Real-Life-Selbsthilfegruppen oder Therapiegruppen jeglicher Art betreffen. Meine Krankengymnastik ruht jedenfalls auch.

    Sehr unterschiedlich, würde ich sagen.

    Während manche zwangsgebremst werden, müssen manche Andere, die schon bisher genug zu tun hatten, noch mehr ran (Krankenhäuser z.B.).

    Vielleicht verschiebt es ein wenig die Wertung bei manchen, was wirklich wichtig ist, kann man aber nur hoffen. Bislang gibts auch schon eine Menge Geschrei, weil sich viele nicht einschränken wollen. Und da es die Jungen ja weniger trifft, ist das natürlich auch ein Anlass für Streitereien...gibts schon im Bekanntenkreis.

    Und einige in meinem ferneren Bekanntenkreis haben auch schon private Quarantänegruppen gegründet. Mit ordentlich Hochprozentigem, weil sie glauben, dass das den Virus abtötet. Natürlich nur in entsprechender Konzentration. Also nur Schnaps. Ja, das vertreten die tatsächlich öffentlich.

    Sicher ist wohl nur, dass sich dadurch was ändert. Aber wie die Bilanz ausfallen wird, das können wir nur abwarten. Und es wird dem Vernehmen nach ja nicht in ein paar Wochen vorbei sein.

    Ich habe keine direkte Missbrauchserfahrung. Mir wurde als Kind aber für alles die Schuld gegeben, was irgendwie zwischen meinen Eltern und auch bei mir selbst schiefgelaufen war und mit mir sind ein paar Leute so umgegangen, das sich ein paar Andere, die das mitangesehen hatten, noch 30 Jahre später darüber aufgeregt haben, wie man mit einem Kind (also mit mir damals) so umgehen konnte.

    So nach dem Motto, die Anderen haben nie Fehler gemacht, das lag alles nur an mir. Diese Diskussionen habe ich noch weit bis ins Erwachsenenalter mit manchen der Beteiligten geführt. Letzendlich halfen mir dabei Beobachtungen der erwähnten Aussenstehenden, das ich mir das nicht nur engebildet habe. Ausserdem bin ich darüber auch manchmal so hart und direkt geworden, wie man das hier im Forum teilweise schon gesehen hat, wobei ich das noch ganz anders konnte als ich es hier mache. Es war auch notwendig, um mich daraus zu befreien. Erst dann, als ich diese Probleme richtig adressiert hatte, mich also auch nicht mehr klein machen liess, konnte ich verzeihen.

    Es ist ja bekannt, das Folteropfer, Missbrauchsopfer etc. oft die Schuld für das, was mit ihnen geschehen ist, bei sich selbst suchen, sich mit dem Peiniger innerlich - teilweise unbewusst - auf die gleiche Seite schlagen, einerseits aus Angst, dass noch mehr passiert, anderseits muss es ja - besonders das früher reale, später innere Kind erlebt das so - ja auch einen Grund gegeben haben, dass einem das passiert ist, also irgendwie musste man ja doch irgendwie Schuld daran gewesen sein, denn die Anderen meinens ja nur gut mit dem bösen Kind - wofür man dann auch (später) den Wunsch verspürt, sich selbst zu bestrafen.

    Im Suff baut man Mist, der einen retraumatisiert, und der den Wunsch nach Selbstbestrafung, bei mir war es Selbsthass, am Leben hält. Natürlich macht man das nicht mit bewusster geplanter Absicht so, das ist aus dem Unbewussten gesteuert, und der Alkohol tut dabei natürlich auch seine Wirkung und machts besonders peinlich (Pein ist im Übrigen ein Wort für Schmerz, und "peinliche Befragung" nannte man die Folter der Inquisition). Ich hab eine Zeitlang richtiggehend darauf hingearbeitet, dass mich Leute gehasst haben, ich brauchte das, genau so wie ich ich es gebraucht habe, manchmal so richtig kaputt zu sein, mich selbst fertig zu machen - auch durch und mit der Sauferei und den Drogen- , aber ich habe es erst im Nachhinein verstanden, was da so alles mit reingespielt hatte. Und - auch - weil man sich mit Saufen und Drogen oft erst mal besser fühlt, habe ich auch das lange nicht verstanden, zu was es führte.

    Ich habe dann irgendwann Bilanz gezogen - was habe ich denn wirklich Schlimmes angestellt, was sich nüchtern nicht irgendwie wieder regeln liess? Also ich habe weder jemanden umgebracht oder bewusst gequält, und ich habe auch sonst nicht sehr viel gemacht, was mir auf Dauer niemand verzeihen konnte. Also ich hab mich höchstens ordentlich blamiert, was ich aber dadurch, dass ich ja dann wirklich an mir gearbeitet habe, auch wieder ausgeglichen habe. Und ausserdem kann ich auch ganz gut damit leben, dass mich nicht jeder mag, bisher blieben immer genügende übrig, mit denen ich "konnte". "Keiner mag mich" stimmt sicherlich nicht, also warum soll ich mich dann selbst nicht auch mögen können?

    Und ich meine, ich bin kein Engel, will ich gar nicht sein, aber so schlimm, wie ich dann mit mir umgegangen bin, hattte ich es auch nicht verdient. Einfach mal nüchtern betrachtet. Nüchtern, ein sehr brauchbarer Zustand. Und wie bin ich denn bei Anderen? Bin ich da auch so unbarmherzig, wie ich es bei mir war, so fordernd, das alles immer nur das Beste sein muss? Bin ich ganz sicher nicht. Manche Sachen will ich haben, aber ansonsten kann ich mit vielem leben, und so mache ich das heute auch bei mir.

    Und gerade das Bewusstsein, dass ja schon genügend Andere schlecht mit mir umgegangen sind - und mit Dir bei dem Missbrauch ja auch - ist ja gerade ein Grund, nun mit mir selbst "gut" , also pfleglich umzugehen und nicht das, was mir angetan wurde (hört sich für mich heute schon blöde an, weil ich nicht mehr darunter leide und mich schon lange nicht mehr als Opfer sehe, aber es gab natürlich andere Zeiten), mir dann selbst auch wieder antue, indem ich genauso mit mir umgehe, dass es mir dabei schlecht geht.
    Jedenfalls muss ich ja nicht den Job meiner früheren Peiniger nun selbst zu Ende bringen und denen nachträglich durch mein eigenes Tun Recht geben, sondern ich habe dem gezielt entgegen gearbeitet, nachdem ich es verstanden hatte. Und natürlich ging das aber auch bei mir nicht von Heute auf Morgen, sondern ich musste das üben.

    Geduld, Geduld, Geduld, und das am besten gleich und sofort..das dauert halt und das fällt einem Süchtigen vielleicht auch besonders schwer. Denn von der Droge/dem Alkohol als Droge ist man es ja auch gewohnt, dass man seine Gefühle sofort verändern und sich abschiessen kann, sobald der Stoff in die Blutbahn kommt. Dass etwas so lange dauert, ist ja auch neu und muss ausgehalten werden.

    Bevor es zu sehr ins küchenpsychologische Labern geht, höre ich jetzt aber auf, vielleicht kommt ja rüber, was ich sagen will. Mach Dich nicht dafür fertig, das Dich andere schon fertig gemacht haben, oder so ähnlich.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen,

    also was die Klinikempfehlung angeht, muss ich passen. Hab ich mich nie damit beschäftigt. Wir haben mal eine Paartherapie gemacht, dafür haben wir bei Therapeuten aus dem Telefonbuch angefragt bis uns einer gepasst hat. So ähnlich würde ich das mit der Klinik vielleicht auch machen, wenn ich vor dieser Aufgabe stünde.
    Ich denke, das ist ja auch relativ individuell, welcher Therapeut/welche Einrichtung zu einem passt. Auf vieles kann man sich auch erst mal einlassen, denn irgendwas lernen kann man fast überall und den Blick von aussen kriegt man ja auch fast immer. Seine Komfortzone verlässt man dabei auch fast immer, wenn mans ernst meint, denke ich. Und hier sind ja auch nicht so viele regelmässige Schreiber, also gibts da vielleicht auch gar nicht so viele Empfehlungsmöglichkeiten.

    Zu der psychischen Abhängigkeit möchte ich noch folgendes sagen: ich war nach über 25 Jahren erheblichem Konsum verschiedener Drogen und Alkohol kaum körperlich abhängig, zu meinem eigenen Erstaunen. Gibts.
    Das langfristige Problem ist immer mehr oder weniger das "Psychische". Deswegen fängt man nach Wochen, Monaten und Jahren wieder an, wenn man von der körperlichen Abhängigkeit schon lange nichts mehr merkt, denn die ist nach dem Entzug ja erst mal gegessen - bis man wieder so viel konsumiert hat, das sie sich wieder zeigt, wenn überhaupt, siehe meine eigene Erfahrung. Also wegen körperlicher Abhängigkeit wird man wohl nicht rückfällig, denke ich, das grundsätzliche Problem, dass einem ohne den Stoff etwas fehlt - egal was erst mal - spielt sich wohl immer im Kopf ab. Wobei der Kopf natürlich Teil des Körpers ist, Gehirnstrukturen, Synapsen, Neurotransmitter etc, aber das ist ja nicht das was man unter körperlicher Abhängigkeit versteht. Darüber gibts jedenfalls Bücher, und hier im Forum auch Buchempfehlungen und Linksammlungen, falls Dich das interessiert, muss ich ja nicht alles vorbeten.

    "Nur psychisch" sagt erst mal nichts darüber aus, ob man deswegen leichter aufhören kann. Oft sogar, weil die Angst vor dem körperlichen Entzug fehlt, sogar schwieriger, glaube ich zumindest. Man findet vielleicht auch leichter Ausreden, warum das alles gar nicht so schlimm ist und dass man doch noch "dürfte". Manchmal glaube ich sogar, je schlauer, desto besser die "Erklärungen", die man sich ja auch sich selbst gibt, warum man nun schon wieder....gibt ja den Spruch, dass Intelligenz säuft...und zum Teil auch eine ziemlich passimistische Sicht auf die Welt hat. Ausserdem wollen intelligente Leute alles selbst ausprobieren, weil sie es ja eh besser wissen, also Regeln greifen da nicht so, bis man sich selbst überzeugt hat...stimmt oft, dass man nicht alles so machen muss wie Andere, kann aber auch in die Irre führen.
    Jedenfalls muss jede(r) seine eigenen Erfahrungen machen, die sich kaum auf Andere übertragen lassen.

    Will jetzt hier nicht unken, gebe das aber zu bedenken. Ansonsten kann das, was Du beschreibst, schon ein Anfang sein, irgendwo muss man ja anfangen. Bei mir gabs auch einen ersten Tag an dem ich noch nicht wirklich wusste, wie sich das entwickelt. Macht einfach mal weiter bzw. natürlich vor allem ER.

    Viel Glück und Gruß
    Susanne

    Hallo Changemaker,

    Am dichtesten an einem Rückfall dran war ich vielleicht, als ich ca. 12 Jahre trocken war und mich dabei schon mehrere Jahre überhaupt nicht mehr mit dem Thema beschäftigt hatte. Ich hatte fast ganz vergessen, dass ich schon mal gesoffen hatte. Das hatte weder mit guten noch mit schlechten Erinnerungen zu tun, sondern höchstens mit fehlenden, und mit dem dann sehr normalen sozialen Umfeld, das ich damit hatte.

    Ich lebte sehr normal und mit ziemlich normalen Leuten um mich herum, die ganz gerne mal ein Glas getrunken haben, aber damit eben keine Probleme hatten. Ich merkte dann mit der Zeit, dass mich das irgendwie tangiert und anfängt zu nerven, da ich mit diesen Leuten aber ansonsten einige gemeinsame Interessen hatte und habe, wollte ich das nicht so einfach lassen.
    Ich hatte dann das Bedürfnis, mich von diesem gewöhnlichen Alkoholkonsum der anderen irgendwie innerlich abzusetzen und habe mir deswegen dann eine Gruppe gesucht, um darüber zu reden, damit war das Thema dann aber auch erledigt. Trotzdem glaube ich nicht, dass ich da ernsthaft rückfallgefährdet war, jedenfalls wäre ich wohl kaum ferngesteuert in einen Laden gegangen.

    Dann war ich nochmal relativ dicht dran, als ich meinen ebenfalls trinkenden Vater betreut habe und dabei als Bevollmächtigte drüber entscheiden musste/durfte, wie nun mit seinem Alkoholbedarf umgegangen werden sollte, denn er selbst war ja dann hilflos und konnte sich nicht mehr selbst versorgen. Da war mir das auch bewusst, und für mich war das teilweise "back to the roots", denn ich hatte ja zu Hause mit dem Trinken angefangen, und seine Sprüche waren auch manchmal entsprechend, aber mehr als dass mir das bewusst war, war es auch nicht.

    Wenn ich hier schreibe, um das irgendwie zu verdeutlichen, wie das bei mir mal war, kann ich mich an gute wie schlechte Seiten der Sauferei gleichermaßen erinnern. Ich glaube aber, dass ich insgesamt sowieso viel vergessen habe, das meiste, was ich damals erlebt habe, war ja auch nicht so dermassen bedeutsam, dass ich dauernd drüber nachdenken würde, und Filmrisse hatte ich auch einige, konnte mich ja zum Teil am nächsten Morgen schon kaum dran erinnern.
    Jedenfalls sind das nach meiner Einschätzung immer nur so Schlaglichter, die die Erinnerung auf das Vergangene wirft. Und vor allem ist es weit weg, mein früheres Leben, und meistens habe ich sehr viel inneren Abstand dazu, selbst wenn ich es detailliert erzähle. Ich meine, wenn ich das mit Erzählungen meiner Schulzeit oder meiner Kindheit vergleiche, da fallen mir ja auch gute und schlechte Zeiten ein, ohne das ich deswegen zurück will oder mich das irgendwie noch aus der Bahn werfen würde. Es war einmal, und heute ist heute.

    Ich meditiere ab und an, hab ich mal zur Stressbewältigung und zum Runterkommen angefangen, statt Saufen sozusagen, und ich glaube, wenn es da noch tiefsitzende Wünsche in mir gäbe, wieder mal was zu trinken, dann wäre mir das wohl bereits aufgefallen.

    Gruß Susanne

    Klar ist das eine Option, wenn es anders nicht geht. Aber das musst Du auch richtig regeln, wenn Du verheiratet bist, sonst merkt die Familie das auch.
    Entweder Du bist Doppelverdiener mit zwei Konten, so dass nur von einem das Geld eingezogen wird (geht wohl eh nur, wenn die Schulden nur auf einen laufen und der die Privatinsolvenz anmeldet, sonst haften ja beide, wir hatten hier ja bei den Angehörigen auch schon die Geschichten mit den Häusern, wo dann beide bei den Schulden haften), oder es leben alle unter dem gleichen Freibetrag, wenn ich mich nicht irre. Und das Gesamteinkommen der Familie ist natürlich immer geringer, wenn einer der Verdiener auf den Freibetrag reduziert íst, als wenn er über sein Einkommen frei verfügen kann. Wenn das Ganze dann wegen der Sauferei sowieso schon auf der Kippe steht, hast Du Dein Blatt womöglich überreizt. Da musst Du dann schon selbst Überzeugungsarbeit leisten und das nicht erst dann, wenn Du Dich per Rückfall gerade mal wieder selbst in die Ecke manövriert hast.

    Ich habe das jedenfalls vermieden und lieber so verhandelt, dass ich da noch mitreden konnte, wie viel mir blieb. Dazu musste ich dann aber auch liefern. Das gehört aber wiederum auch zu den Bereichen, wo ich mir die Freiräume schaffe, in denen ich überhaupt an mich denken kann.

    Von daher ist es schon ganz OK, wenn Du an Dich denkst und wegen Dir trocken bist, aber wenn Du nur denkst erst komm ich und nach mir die Sintflut, legt Dir halt irgendwer die Daumenschrauben an. Und ob das der Trockenheit förderlich ist, wage ich zu bezweifeln.

    Gruß Susanne

    Vielleicht kommen die ganzen Probeme auch nur, weil Du in der Probezeit krank geworden bist? Ich kenne das, bei mir war es auch so, hatte dann auch einen neuen Job und wurde nach 6 Wochen krank. Blödes Gefühl, erst recht wenn man dann auch noch den Anspruch an sich selbst hat, es dann erst recht zu schaffen (weil man ja nicht mehr säuft, sollte man doch eigentlich fitter sein als vorher, denkt man sich ja so).

    Schulden (ich hatte auch welche, sogar ziemlich) haben die unangenehme Eigenschaft, dass da meistens Verträge dran hängen, die eingehalten werden müssen und man damit verpflchtet ist. Kürzer treten ist da gar nicht so einfach bzw. gehört in die Rubrik "Wunschkonzert", bis das irgendwie geregelt ist. Klar, wenn dann der Job wegen der Krankheit in der Probezeit auf der Kippe steht bzw. man zumindest die Angst hat, und auch die Angst, dass man die Schulden/Kredite dann nicht mehr bedienen könnte, ist das natürlich nicht so toll. Ich hatte das dann irgendwann bezahlt, blieb mir nichts Anderes übrig. Ansonsten lebe ich heute nicht über meine Verhältnisse.

    Tja, und der Partner, der eh schon lange gegen die Sauferei war (bei mir jedenfalls), ist verständlicherweise wenig begeistert, wenn er da schon wieder mit drin hängt, vor allem weil er ja schon wieder nichts dran ändern kann. Und womöglich ist dieser Partner von den Schulden ja auch betroffen und hängt mit drin, auf die eine oder andere Weise. Dem kann ich ja nun schlecht die Verantwortung zuweisen, wenn ich das irgendwie verbocke.

    Einer der Gründe, warum die Trockenheit meine persönliche Angelegenheit war und sein musste, denn mein Partner konnte nichts dafür, dass ich mich da rein geritten hatte. Und ich persönlich finde nicht, dass mein Partner irgendwas tun müsste, damit ich trocken bleibe. Trocken bleiben würde ich auch wollen, wenn die Beziehung völlig scheitert, und zwar wegen mir selbst. Klar ist es nett, wenn man dann zusammenhält, aber wenn das nicht der Fall ist, muss es auch ohne gehen. Ich muss mit mir selbst auskommen, auch wenn der Partner irgendwann weg sein sollte.

    So sehe ich das jedenfalls...