Guten Morgen Spacecowboy,
will mal nur kurz ganz konkret was sagen.
An Pillen wurde vor einigen Jahren eine Sau durchs Dorf getrieben, es scheint inzwischen jedoch wieder ziemlich ruhig darum geworden zu sein, war wohl doch nicht so toll und hat die Hoffnungen, die viele darauf gesetzt hatten, nicht so erfüllt wie gedacht.
Alkohol ist eine Droge, die an sich schon ein gewisses Suchtpotential hat, also bei allen, wenn sie nur genug trinken (dafür gibts ausreichend randomisierte Studien), und Sucht/Entzugsdruck ist ein häufiger Grund für Rückfälle.
Potential heisst ja nicht, alle kriegens, aber man kanns auch nicht an irgendwas festmachen wer es dann kriegt. Also es ist eine Eigenschaft des Stoffs wie bei anderen Drogen auch.
Aber Alkoholismus ist, auch wegen der Bewusstseins/Erlebensänderung, ziemlich vielschichtig und viele brauchen ja gerade die Wirkung, um ihren Laden/ihr Leben mit dem Sprit am Laufen zu halten. Die Wirkung gibts dann aber mit Reduzierung auch nicht mehr, und das ist ein erheblicher Teil des Problems, weswegen kaum jemand dauerhaft reduziert. Wenn der Durst nicht sowieso beim Trinken kommt, der berühmt-berüchtigte Kontrollverlust, klares Suchtmerkmal.
Einige brauchen dann zumindest Ersatz der ihnen wenigstens was vergleichbares bringt, einen emotionalen Ausgleich oder was ihnen halt dann fehlt, und Viele müssen grundsätzlicher was an ihrem Leben ändern, weil das eben so nur mit dem regelmässigen Abschuss funktioniert hat.
Also durch den Entzug, körperlich wie geistig/seelisch muss man durch und wenn man nicht ganz aufhört und das Problem bereits besteht, verlängert man dadurch nur seine Leiden.
Und man kann das durchaus auch erst mal alleine angehen - wenn man das kann. Also wenn man keine Lust auf xyz, Gruppen, Therapeuten hat, kann man es ja zumindest mal probieren. Ich bezweifle dass es viel bringt wenn man sich dann dazu zwingt, obwohl man nicht dahinter steht. Das Risiko ist halt, dass man erst mal noch länger weitersäuft, wenn das nicht klappt. Muss nicht, aber kann.
Zitat
Rund jeden zweiten Abend rund 3 Flaschen Wein
...Was machst Du eigentlich an den anderen Tagen? Trinkst Du da wenig oder gar nicht?
Ich habe in den letzten Jahren meiner Trinkerkarriere fast nur (Ausnahmen, Feste etc. bestätigen die Regel) nach Feierabend getrunken und jede Woche an etwa drei Tagen (zusammenhängend, war dann sicher auf 0,0 Promille und das wollte ich auch so) Pause gemacht. Als es immer schlimmer wurde, auch sehr viel längere Pausen eingeschoben. Hauptsache nicht ganz aufhören, also ziemlich viel getan ums irgendwie im erträglichen Rahmen zu halten.
Und als ich dann endgültig die Schnauze voll hatte (hab viel Schnaps getrunken und das war ziemlich extrem, bis ich eines Tages einfach nicht mehr konnte und wollte) habe ich eine dieser Pausen im Grund erst mal nur ausgedehnt. Ohne die Pausen hätte ich wahrscheinlich ganz anderen Entzug gehabt.
Da werden ja dann von selbst Wochen und Monate draus, so viel passiert da ja erst mal oberflächlich gesehen nicht. Das Gift geht aus dem Körper, und manches am Erleben regelt sich schon rein durch die Dauer. Nur halten das viele einfach nicht durch und wo Du stehst, weisst nur Du.
(Stationäre) Therapie hat ja bei vielen erst mal den Sinn, dass sie aus ihrer gewohnten Umgebung rauskommen, es dort keinen Alkohol gibt (keine Versuchung und klare Konsequenzandrohungen, wegen denen man sichs dann überlegt ), und natürlich sieht man dabei auch ein paar Andere , kann man sich dann überlegen wie man das sieht, Erfahrungsaustausch oder schlechte Beispiele, denen mans nicht nachmachen will.
Ich kenne Leute die sonst mitten im Leben stehen, für die ist die Entgiftungsstation das Highlight ihres Lebens, kümmert sich wenigstens mal jemand um sie und so lustig haben sie es sonst nirgends (haben mir schon welche ganz klar so erzählt). Wäre aber klar nicht meines, denn sind keine Leute mit denen ich tauschen wollte, denn wenn DAS das Highlight ist...
Also was für wen zu spät ist und wozu, ist natürlich auch individuell. Da gabs nen alten Witz, wo sich einer mit Schwarzgebranntem blind gesoffen hat, und dann dem Arzt, der ihn gewarnt hatte, gesagt hat "nichts was ich gesehen habe, war so schön wie der Schnaps".
Vor was hast Du konkret Angst, dass es zu spät werden könnte? Ich meine, rein technisch gehts bei Dir noch lange tiefer. Und ist es bislang noch graue Theorie oder gehts schon los? Ich frag deswegen, weil sehr oft muss es halt erst weh tun. Bis dahin ist es eigenlich fast üblich, zu versuchen sich durchzumogeln.
Das Rauchen, 50 Kippen++, hab ich allerdings erst ein Jahr später aufgehört. Ich wollte, als ich mal damit angefangen habe, schon reinen Tisch machen, aber beides auf ein mal war mir dann zu viel. Aber da das bei mir eine Vollsucht war und im Hirn an den selben Mechanismen ansetzt, wollte ich das loshaben. Nichts fand ich lächerlicher als Leute in Gruppen, die in Punkto Alk Moralpredigten hielten und dann erst mal ne Kippenpause brauchten.
Gruß Susanne