Beiträge von Susanne68


    Für mich wars schon wegen dem Aufwachsen ziemlich normal, zu trinken, als mich zuerst Leute und später mein Partner mal drauf angesprochen haben, ob das eigentlich immer sein muss, war ich zuerst eigentlich überzeugt, dass die spinnen und nicht ich.

    fällt mir grade auf, dass man das unterschiedlich lesen kann. Man könnte ja rauslesen, dass das bei mir zu einer Abwehrhaltung geführt hätte, erwischt, nein, so viel trinke ich doch gar nicht. Dass ich mich dafür geschämt hätte, dass ich darauf angesprochen wurde.

    War aber nicht so. Ich sah mich absolut im Recht. Ich war tatsächlich überzeugt, dass nur Leute, die aus gesundheitlichen Gründen dazu gezwungen sind, darauf zu verzichten, oder total brave Langweiler, nicht laufend einen draufmachen. Ich wäre früher nie auf die Idee gekommen, dass man das als halbwegs normaler Erwachsener, und damit meine ich, jemand den ich halbwegs ernst nehmen konnte, auch freiwillig bleiben lassen kann. Einer der Punkte, an denen ich mich nüchtern sehr geändert habe.

    Will Dich jetzt hier nicht kurz abfertigen, und damit Du nachvollziehen kanst, dass ich das tatsächlich nicht komisch finde, was Du schreibst, noch ein bisschen was zur Erläuterung.
    Scham wegen der Sauferei, oder besser gesagt wegen ihren Auswirkungen, kenne ich natürlich schon.

    Für mich wars schon wegen dem Aufwachsen ziemlich normal, zu trinken, als mich zuerst Leute und später mein Partner mal drauf angesprochen haben, ob das eigentlich immer sein muss, war ich zuerst eigentlich überzeugt, dass die spinnen und nicht ich.
    Aus Protest, weil ich mit Trinken zu Hause ja gar nicht schlecht auffallen konnte, habe ich dann auch noch mit Drogen angefangen und bin ein paar Jahre dabei geblieben, hatten ja auch Wirkung die mir gefallen hat und Risiko...ich war schon als Kind eher ein Wildling, bin mehr auf Bäumen und Felsen rumgeklettert und habe mich mit anderen geprügelt als mit Puppen gespielt.
    War für mich auch Protest gegen das Establishment, da war schlecht auffallen ja erklärtes Ziel. Ich hab auch ein paar Fehler gemacht für die ich die Rechnungen dann bezahlen musste, aber damit war das für mich auch irgendwie gegessen.

    Ich bin aber früher nie auf "meinesgleichen" so richtig böse los gegangen, also ich war auch im betrunkendsten Zustand lange noch ein ziemlich umgänglicher Mensch. Nach der Sturm- und Drangzeit wurde es eher ruhiger. So lange, und so lange ich meistens gemäßigt getrunken habe und nur ab und an völlig breit war, hat mich das auch nicht die Bohne gestört. Ich hab aber immer täglich getrunken, so typisch Gewohnheit, es gab bei mir viele Jahre keine alkoholfreien Tage und weniger als drei Bier warens auch kaum jemals.

    Das änderte sich aber, wohl auch durch diesen dann doch jahrzehntelangen Konsum und in Verbindung mit Stress kam es zu Persönlichkeitsveränderungen, ich wurde dann zunehmend jähzornig. Der Stress in meinem Leben nahm zu, und die Stresstoleranz nahm durch den Alkoholkonsum ab, wunderbar. Irgendwann fing ich dann auch mit Trrinkpausen an, um das Risiko beherrschbar zu halten und weil ich meinem Partner auch entgegenkommen wollte, ich kannte andere Alkoholiker und hatte ein paar abschreckende Beispiele in meiner Umgebung.

    Im Vollsuff bin ich zunehmend richtiggehend ausgerastet. Und dafür habe ich mich dann schon so was wie geschämt, weil ich schon die Ausraster meines Vaters nicht leiden konnte und nie so werden wollte.
    Wenn ich dann morgens mühsam zu Bewusstsein kam, vom Schluss des Abends sowieso nichts mehr wusste, aber das letzte an was ich mich erinnern konnte, ein fürchterlicher Streit war, und mir mein Körper dringend mitteilen wollte, dass es die Hälfte vielleicht auch getan hätte, hab ich mir dann natürlich auch regelmässig vorgenommen, dass ich das nächste Mal etwas früher aufhöre. Was ich aber natürlich nicht getan habe, denn der Durst kam ja beim Trinken und halb angesoffen "Nein" sagen war halt nicht meines.
    Und ich konnte mich dann natürlich so auch selbst immer weniger leiden. Mein Körper zeigte mir die Grenzen auch auf. Und dass ich halt nicht weniger trinke, wenn ich mal damit angefangen habe, war mir irgendwann auch klar. Gar nichts war dann irgendwann einfacher, als wenig zu trinken.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen,

    ja, hier gibt es einen Teil, den man als Neuling nicht einsehen kann. Unterscheidet sich von dem hier im Wesentlichen dadurch, dass man etwas privater ist, wenn man öffentllich nicht alles schreiben will. Nach meiner Beobachtung kommt man rein, wenn man 10, 20 Beiträge geschrieben hat, die sich so angehört haben, dass mans riskieren kann. Also eigentlich recht einfach.

    Über die Struktur schreibt Dir Greenfox vielleicht selbst, im muss mir das ja auch zusammenreimen ;D...bin aber froh, dass sie es machen.


    Mit dem Hinnehmen meinte ich eher tagsüber. Mir fehlte damals das Selbstwertgefühl, weil ich mich immer
    schuldig fühlte, weil ich abhängig war. Und so war ich öfter ruhig und nahm so einiges hin, wo ich heute sagen
    würde: Geht´s noch???

    Weisst Du, wie ich das meine?

    ich denke, ich weiss, wie Du das meinst, auch wenns bei mir etwas anders war. So weit kann ich über meinen Tellerrand rausgucken, denke ich.

    Gruß Susanne

    Hallo elly,

    ich trinke auch schon ziemlich lange nichts mehr (seit 2001) und setze mich nach wie vor gerne damit auseinander.


    Ich nehme vieles nicht mehr einfach so hin. Nicht ganz
    einfach für meine Lieben! ;) Daran mussten sie sich erstmal wieder gewöhnen.

    warst Du trinkend pflegeleicht? Solls ja geben, dass jemand seine Sorgen still ersäuft. Von mir könnte man das nicht sagen, ich war immer renitent, rebellisch. Zwar auch nicht auf mich aufgepasst, aber von anderen habe ich mir erst recht nichts sagen lassen. Schon allein, dass ich derartig gesoffen habe, entsprach ja kaum den Wünschen meiner unmittelbaren Umgebung. War da schon eher mein Kopf, den ich durchgesetzt habe.
    Bin eigentlich eher angenehmer geworden, denke ich, mit ein paar Umwegen. Ich ziehe die Grenzen ein bisschen leiser als früher, und mir fällt es vielleicht auch eher auf, wenn es mir reicht. Früher hab ichs selbst erst gemerkt, wenn ich ausgeflippt bin.

    Und gabs bei Dir ein "Vorher", hast Du als Erwachsene angefangen oder auch schon als Jugendliche gerne über den Durst getrunken so wie ich und noch ein paar?

    Gruß Susanne


    Und das ging bei mir schon sehr lange, denn ich habe mir ein Leben ohne Alkohol die meiste Zeit als dermassen traurig vorgestellt, dass ich lieber wegen der Sauferei gestorben wäre, als aufzuhören.

    übrigens noch was. Ich bin in einem Elternhaus, mit Verwandschaft und einem Freundeskreis aufgewachsen, wo ich eigentlich nie etwas anders kannte als das, dass Erwachsene trinken und dass ein schönes Leben, Feierabend, Urlaub nur mit Alkohol möglich sind. Man wurde ja direkt geadelt, wenn man älter wurde, bekam man beim Familienessen den ersten eigenen Drink als Zeichen des aufkommenden Erwachsenwerdens.

    Ich selbst bin da reingewachsen und hatte dementsprechend auch kein Erwachsenenleben "vorher", auf das ich dann hätte zurückgreifen können. Die ersten Filmrisse hatte ich mit 15, damals war das noch lustig, und damit wars eigentlich schon rum. Also das auch, warum ich mir ein Leben ohne Alkohol nur traurig vorstellen konnte...das hab ich mit der Muttermilch aufgesogen. Im übertragenen Sinn, meine Mutter hat gern einen gezwitschert, allerdings weniger als mein Vater, aber ob sie während der Schwangerschaft auch geschnapselt hat, keine Ahnung. Jedenfalls durfte ich schon sehr früh auch mal nippen.

    Und Kindern lebt man das natürlich vor, die Vorbildfunktion ist einer der Gründe (neben anderen Problemen, die Alkoholikerfamilen haben können) warum Kinder von Trinkern ein deutlich höheres Risiko haben, selbst eines Tages abhängig zu werden, und wenn sich die Eltern noch so sehr einbilden dass die Kinder nichts mitkriegen.


    Hallo Sonnenkäfer,

    toll das Du Dich gegen das Trinken mit Deinen Freundinnen entschieden hast. Das könnte ein wichtiger Schritt auf Deinem Weg gewesen sein, damit hast Du eine ganz bewusste Entscheidung gegen den Alkohol getroffen.


    Ich kann das nachvollziehen. Ohne Alkohol zu leben und das in unserer Gesellschaft, das kann einem schon utopisch vorkommen. Hat er doch einen verdammt hohen Stellenwert und wird sozusagen mit allem in Zusammenhang gebracht was irgendwie Spaß macht.

    Und gerade wenn man am Anfang steht ist dieses "NIE MEHR" ganz groß und vielleicht auch ein wenig bedrohlich. Aber das liegt sicher auch daran, dass es sich für Dich jetzt nach "nie mehr DÜRFEN" anfühlt, also nach einem Verlust. Und wer verliert schon gerne etwas. Gleichzeitig merkst Du aber jetzt schon, das Du auf der anderen Seite auch einiges gewinnen kannst. Wenn Du es jetzt also schaffst, dass aus diesem "nie mehr DÜRFEN" ein "nicht mehr WOLLEN" wird, dann wird auch langsam dieses Gefühl des Verlusts verschwinden. Und wenn Du es schaffst all die positiven Gefühle die Dir der Alkohol verschafft hat auch ohne Alkohol zu empfinden, dann BRAUCHST Du ihn ja gar nicht mehr. Er hat plötzlich keine Daseinsberechtigung mehr, er wird plötzlich reduziert auf das, was er tatsächlich eigentlich ist: Zellgift und Droge.

    ich knüpfe da mal an.

    Also erstens habe ich auch nie einen Gedanken daran verschwendet, nie wieder etwas zu trinken, so lange ich mir das Trinken noch irgendwie ertäglich gestalten konnte. Und das ging bei mir schon sehr lange, denn ich habe mir ein Leben ohne Alkohol die meiste Zeit als dermassen traurig vorgestellt, dass ich lieber wegen der Sauferei gestorben wäre, als aufzuhören.
    Erst als es gar nicht mehr auszuhalten war, dachte ich dann, nüchtern bzw. trocken, also nüchtern als Lebenseinstellung, dauerhaft, kanns eigentlich auch nicht schlimmer sein.

    Und so wie bei Dir auch, kamen mir, als ich dann mal angefangen habe, drüber nachzudenken, alle möglichen Situationen in den Sinn, die weniger besoffen, oder wenn ich gleich etwas anders gemacht hätte, anders gelaufen wären. Wo ich mir letztlich das Leben damit versaut und mir Probleme selbst geschaffen habe, weil mir Alkohol - und früher Drogen - einfach wichtiger waren, wegen dem so tollen Gefühl, was ich zeitenweise aber auch tatsächlich hatte, nur irgendwann halt nicht mehr. Das wurde eine längere Zeit richtig extrem, mir fiel nur noch an allen Ecken und Enden auf, welchen Scheiss ich nun nicht mehr an der Backe habe, so ohne Alkohol.

    Ich hab mir dann auch ausgemalt, und gespürt, wie es anders eigentlich sein könnte. Allerdings, kleiner Wermutstropfen, hielt bei mir die anfängliche Euphorie schon einige Monate, ging Einiges ziemlich super was mit Alkohl sicher nicht mehr gegangen wäre. Aber dann sind bei mir die Bäume auf jeden Fall nicht weiter in den Himmel gewachsen, sondern ich kam dann durchaus auf den Boden meiner Tatsachen zurück. Als das Nüchternsein zur Normalität wurde, kam dann auch der ganz normale Alltag wieder durch und da musste ich dann schon auch noch ein bisschen was ändern.

    Dann zu dem "nie wieder"...also ich wollte sicher nicht mehr trinken, aber bis ich mir wirklich ziemlich sicher war, dass ich das schaffe, das dauerte schon ein bisschen. Eigentlich halfen mir dabei sogar einige Schwierigkeiten, bei denen ich gemerkt habe, dafür brauche ich es dann auch nicht. Sonst wäre das ja immer eine reine Schönwetter-Veranstaltung geblieben, diesem Frieden hätte ich vermutlich nicht getraut.
    Und natürlich hab ich die positiven Sachen dann schon ungetrübt und ohne nachträgliche Reue genossen.

    Was das "dürfen angeht"...ich darf ja, ich will nur nicht und ich brauche es auch nicht mehr. Wenns mir jemals einfallen würde, dass ich doch lieber wieder trinke, gäbe es ja nichts einfacheres als das. Ich könnte ja jederzeit wieder anfangen, wenns mir nüchtern unerträglich wäre oder ich wäre der Meinung es wäre schöner, wieder zu trinken. Also es ist ja nie so, das man da jetzt nicht mehr dran käme.
    Und ich mache das jetzt schon über 19 Jahre ohne Alkohol. Bis jetzt verspüre ich kein Bedürfnis, da dran was zu ändern.

    Gruß Susanne

    Guten Morgen Spacecowboy,

    will mal nur kurz ganz konkret was sagen.

    An Pillen wurde vor einigen Jahren eine Sau durchs Dorf getrieben, es scheint inzwischen jedoch wieder ziemlich ruhig darum geworden zu sein, war wohl doch nicht so toll und hat die Hoffnungen, die viele darauf gesetzt hatten, nicht so erfüllt wie gedacht.

    Alkohol ist eine Droge, die an sich schon ein gewisses Suchtpotential hat, also bei allen, wenn sie nur genug trinken (dafür gibts ausreichend randomisierte Studien), und Sucht/Entzugsdruck ist ein häufiger Grund für Rückfälle.
    Potential heisst ja nicht, alle kriegens, aber man kanns auch nicht an irgendwas festmachen wer es dann kriegt. Also es ist eine Eigenschaft des Stoffs wie bei anderen Drogen auch.

    Aber Alkoholismus ist, auch wegen der Bewusstseins/Erlebensänderung, ziemlich vielschichtig und viele brauchen ja gerade die Wirkung, um ihren Laden/ihr Leben mit dem Sprit am Laufen zu halten. Die Wirkung gibts dann aber mit Reduzierung auch nicht mehr, und das ist ein erheblicher Teil des Problems, weswegen kaum jemand dauerhaft reduziert. Wenn der Durst nicht sowieso beim Trinken kommt, der berühmt-berüchtigte Kontrollverlust, klares Suchtmerkmal.
    Einige brauchen dann zumindest Ersatz der ihnen wenigstens was vergleichbares bringt, einen emotionalen Ausgleich oder was ihnen halt dann fehlt, und Viele müssen grundsätzlicher was an ihrem Leben ändern, weil das eben so nur mit dem regelmässigen Abschuss funktioniert hat.

    Also durch den Entzug, körperlich wie geistig/seelisch muss man durch und wenn man nicht ganz aufhört und das Problem bereits besteht, verlängert man dadurch nur seine Leiden.

    Und man kann das durchaus auch erst mal alleine angehen - wenn man das kann. Also wenn man keine Lust auf xyz, Gruppen, Therapeuten hat, kann man es ja zumindest mal probieren. Ich bezweifle dass es viel bringt wenn man sich dann dazu zwingt, obwohl man nicht dahinter steht. Das Risiko ist halt, dass man erst mal noch länger weitersäuft, wenn das nicht klappt. Muss nicht, aber kann.

    Zitat

    Rund jeden zweiten Abend rund 3 Flaschen Wein

    ...Was machst Du eigentlich an den anderen Tagen? Trinkst Du da wenig oder gar nicht?

    Ich habe in den letzten Jahren meiner Trinkerkarriere fast nur (Ausnahmen, Feste etc. bestätigen die Regel) nach Feierabend getrunken und jede Woche an etwa drei Tagen (zusammenhängend, war dann sicher auf 0,0 Promille und das wollte ich auch so) Pause gemacht. Als es immer schlimmer wurde, auch sehr viel längere Pausen eingeschoben. Hauptsache nicht ganz aufhören, also ziemlich viel getan ums irgendwie im erträglichen Rahmen zu halten.

    Und als ich dann endgültig die Schnauze voll hatte (hab viel Schnaps getrunken und das war ziemlich extrem, bis ich eines Tages einfach nicht mehr konnte und wollte) habe ich eine dieser Pausen im Grund erst mal nur ausgedehnt. Ohne die Pausen hätte ich wahrscheinlich ganz anderen Entzug gehabt.

    Da werden ja dann von selbst Wochen und Monate draus, so viel passiert da ja erst mal oberflächlich gesehen nicht. Das Gift geht aus dem Körper, und manches am Erleben regelt sich schon rein durch die Dauer. Nur halten das viele einfach nicht durch und wo Du stehst, weisst nur Du.

    (Stationäre) Therapie hat ja bei vielen erst mal den Sinn, dass sie aus ihrer gewohnten Umgebung rauskommen, es dort keinen Alkohol gibt (keine Versuchung und klare Konsequenzandrohungen, wegen denen man sichs dann überlegt ), und natürlich sieht man dabei auch ein paar Andere , kann man sich dann überlegen wie man das sieht, Erfahrungsaustausch oder schlechte Beispiele, denen mans nicht nachmachen will.

    Ich kenne Leute die sonst mitten im Leben stehen, für die ist die Entgiftungsstation das Highlight ihres Lebens, kümmert sich wenigstens mal jemand um sie und so lustig haben sie es sonst nirgends (haben mir schon welche ganz klar so erzählt). Wäre aber klar nicht meines, denn sind keine Leute mit denen ich tauschen wollte, denn wenn DAS das Highlight ist...

    Also was für wen zu spät ist und wozu, ist natürlich auch individuell. Da gabs nen alten Witz, wo sich einer mit Schwarzgebranntem blind gesoffen hat, und dann dem Arzt, der ihn gewarnt hatte, gesagt hat "nichts was ich gesehen habe, war so schön wie der Schnaps".

    Vor was hast Du konkret Angst, dass es zu spät werden könnte? Ich meine, rein technisch gehts bei Dir noch lange tiefer. Und ist es bislang noch graue Theorie oder gehts schon los? Ich frag deswegen, weil sehr oft muss es halt erst weh tun. Bis dahin ist es eigenlich fast üblich, zu versuchen sich durchzumogeln.

    Das Rauchen, 50 Kippen++, hab ich allerdings erst ein Jahr später aufgehört. Ich wollte, als ich mal damit angefangen habe, schon reinen Tisch machen, aber beides auf ein mal war mir dann zu viel. Aber da das bei mir eine Vollsucht war und im Hirn an den selben Mechanismen ansetzt, wollte ich das loshaben. Nichts fand ich lächerlicher als Leute in Gruppen, die in Punkto Alk Moralpredigten hielten und dann erst mal ne Kippenpause brauchten.

    Gruß Susanne

    Ich knüpfe da mal noch mal bei Gerchla wegen der Langeweile an.

    Ich weiss nicht, wie Du tickst, aber es könnte natürlich auch sein, das Dir Dein Job so viel Energie zieht, dass Du in der Freizeit nur noch passiv konsumieren kannst, die Die Energie fehlt, etwas befriedigerendes zu tun.

    Ich kenne schon immer seit dem Einstieg ins Berufsleben Leute, für die ist ihr Beruf Berufung, die ziehen ihre Befriedigung und ihre Lebensenergie aus dem, was sie da tun.
    Ich war da drauf immer neidisch, denn für mich war das irgendwie anders. Ich galt zwar als hochintelligent und kann durchaus einiges, aber Berufung war das für mich nie, sondern im Grunde immer nur Mittel zu dem Zweck, meine Freizeit bzw. mein Leben überhaupt zu finanzieren. Ich lebe nicht, um zu arbeiten, sondern ich arbeite, um zu leben. Irgendwie wars immer ein sauer Apfel, wir nannten das Gehalt dementsprechend auch Schmerzensgeld.

    Es gibt etwas, was sich Glücksforschung nennt, und da gibts auch Untersuchungen, wie viel Geld man eigentlich braucht um glücklich zu sein. Ab einem gewissen Gehalt führen weitere Gehaltserhöhungen nicht mehr zu spürbar mehr Glück. An sich müssten dann halt andere Sachen her. Ich wollte mehr Freizeit, weil es eine ganze Menge Dinge gibt die ich in meiner Freizeit gerne mache und dafür reichen 6 Wochen Urlaub im Jahr eigentlich nicht.

    Wenn Du dann halt abends auch noch sehr müde bist, in Dir aber irgendwelche Sehnsüchte schlummern, die Du nicht verwirklichen kannst, weil Du gestresst und gleichzeitig fertig bist, kann das natürlich ein Grund sein. Du kannst Deine Langeweile ja dann nicht mehr anders füllen. Und das, was Du bräuchtest, um Dein Leben wirklich zu geniessen, erreichst Du auch nicht, weil Deine Zeit und Kräfte anderweitig gebunden sind. Da ist trinken dann halt irgenwie auch der Weg des geringsten Widerstands.

    Hallo,

    Ich sags mal so, so lange das Elend in irgendeiner Weise noch erträglich war, habe ich zwar versucht, mich irgendwie zu bremsen und zu einem normalen Konsum zu finden, was auf Dauer gesehen vergeblich war, aber ich habe keinen Gedanken daran verschwendet, wirklich aufzuhören. Ich hab Trinkpausen gemacht, Tage, Wochen, Monate, das konnte ich immer, aber für mich war immer klar, danach werde ich wieder trinken.

    Erst als es in meinem Kopf ziemlich plastisch vorstellbar wurde, dass ich in absehbarer Zeit vielleicht auf extrem hässliche Weise absolut unzurechnungsfähig werden würde und auch der Tod schon relativ realistisch vor mir stand, konnte ich mir vorstellen, dass ein Leben ohne Alkohol vielleicht auch nicht schlimmer wäre.

    Und nicht dass wir uns falsch verstehen: tagsüber habe ich super funktioniert. Aber ich hab dann nach Feierabend erst mal einen halben Liter Schnaps zum Aufwärmen reingekippt, und damit fing der Abend ja erst an. Das war meine Ration auf dem Heimweg.

    Eines Tages ist es mir beim frühmorgendlichen Ausnüchtern (samt allen Nebenwirkungen wie Schwitzen, Kotzen, auf der Kloschüssel rumhängen) derartig reingefahren, dass ich morgens einfach wusste, ich höre jetzt auf. Natürlich, klar, wusste ich noch nicht wie das geht. Aber der Anfang war ja nicht viel anders als meine Trinkpausen, das konnte ich ja. Hab dann halt statt nach Feierabend was reinzukippen erst mal gegessen und bin spazierengelaufen.
    Anfangs wars leicht, weil ja erst mal die ganzen Nebenwirkungen des Saufens wegfielen, ich morgens ganz anders aufgewacht bin, die ganzen Selbstvorwürfe wegfielen. Ich wurde richtiggehend euphorisch, die Leichtigkeit des Seins wenn der Schmerz endlich nachlässt. Ich war ein paarmal in der Suchtberatung, war informativ, aber erst mal danach nichts weiter gemacht, ausser nichts zu trinken.
    Und es war absolut klar, Trinken ist für mich keine Option mehr, egal was passiert, ich gehe nie wieder zurück.

    Tja und dann fiel mir dann irgendwann nach geraumer Zeit auf, dass mich die Art von Job, die Du da beschreibst, kaputt macht. Nach aussen war ich im Management als Beförderungskandidatin, mit besten Gehaltsoptionen, aber es war nicht mein Leben. Ich hätte über kurz oder lang wieder trinken müssen, um das zu ertragen, und dazu war ich auf gar keinen Fall bereit.
    Und das hab ich hier schon öfter mal beschrieben, Du wirst es finden wenn es Dich interessiert.

    Gruß Susanne

    Geschmackssache. Ich habs eh nicht so mit Kindern, aber ich hab auch oft das Gefühl, dass werdende Mütter ihr Hirn irgendwo in der Garderobe abgegeben haben.
    Und gerade bei Alkoholikerinnen denke ich persönlich spontan eher an Kindesmissbrauch als an Mutterliebe...ohne jemanden was zu unterstellen, aber der Zusammenhang besteht halt schon relativ oft.

    Will noch mal was zu der Einsamkeit sagen.

    Klar kann man feststellen, dass viele Freundschaften nur wegen dem Schmiermittel Alkohol Freundschaften sind oder waren. Trinkkumpane bei genauer Betrachtung. So lange man selbst säuft, sucht man sich ja auch einen Bekanntenkreis, bei dem man durch seinen Hochkonsum nicht schlecht auffällt. Wo man dazupasst, wenn mans krachen lässt.

    Man findet neue Leute, die einen dann trocken nehmen wie man ist. Das dauert halt ein wenig und man muss sich sicher überlegen, mit wem man das dann will. Aber an sich ist es nicht so viel anders, als wegen dem Studium in eine andere Stadt zu ziehen und sich dort einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Klar, in der Kneipe rumängen wird dann irgendwann den meisten trockenen Trinkern langweilig, man trifft sich nicht mehr zum gemeinsamen Saufen, sondern braucht dann halt andere gemeinsame Interessen.

    Abgesehen davon, die "echten" Freunde sind mir trotzdem geblieben. Manche saufen weiter und sind ja fast neidisch, dass ich aufgehört habe. Was ich aber denen überlasse.

    zu dem was ich da schreibe, gibts übrigens noch nen Satz, der trifft nicht immer zu, aber bei mir ging das wohl nur so, um mit mir ins Reine zu kommen:

    Da wo es weh tut, geht es lang.

    Aber nicht mit Selbsthass und dem Willen sich zu schaden, sich selbst fertig zu machen, wie ich es saufend oft gemacht habe, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass es manchmal einfach erst mal weh tun muss, um einen Heilungsprozess in Gang zu setzen.


    Was hast du gegen diesen Stresspunkt unternommen?

    lange und anhaltende Übung.
    Die Dinger im Stil "ändern sie in zwei Wochen ihr Leben" funktionieren bei mir nicht.

    Also erst mal hab ich festgestellt, dass reden in der Gruppe mir überhaupt nicht hllft.

    Dann hab ich erst mal Yoga angefangen, dabei auch Entspannungsübungen kennen gelernt und erste Meditationserfahrungen gemacht. War sehr schwierig, weil dabei erst mal die ganze Wut, die in mir drin steckte, innerlich aufstieg, einige Male bin ich aufgesprungen und musste dann erst mal ne Stunde laufen, um mich wieder zu beruhigen.

    Irgendwas sagte mir aber, das es der richtige Ansatz für mich war, aber erst mal wurde es dadurch noch schlimmer. Irgendwie hatte ich halt eine innere Tür geöffnet, meine Büchse der Pandora, und dann musste erst mal raus was drin war, oder so ähnlich eben.
    Jedenfalls bin ich über mehrere Jahre immer unzufriedener mit meinem Leben geworden, bis ich dann nach 4 Jahren Trockenheit mal nach einem Therapeuten gesucht habe. Nach ein paar Probestunden bei Verschiedenen geriet ich dann an einen alten Hasen, einen klinischen Psychotherapeuten, der sich auf Meditation und Hypnosetechniken spezialisiert hatte, das Ganze lief dann auch unter dem Ziel Eigencoaching, also das man dabei sein eigener Betreuer wird.
    Ich war da über ein Jahr einmal im Monat, musste das selbst bezahlen (was gut für die Motivation ist), und das war natürlich darauf angelegt, dass man das selbst dann praktisch laufend macht. Natürlich nicht Stunden am Tag, sondern halt auch alle zwei drei Tage mal wie es am besten reinpasst.
    Ich hab mich dann auch weiter mit Meditation beschäftigt und mache das bis heute. Es ist ein Teil meines Lebens geworden. Tut mir halt gut. Also ich muss mich dazu nicht zwingen, sondern ich darf das und nehme mir die Zeit, wenn ich das Bedürfnis dazu verspüre.

    Und dass ich nicht mehr mit dem Trinken angefangen habe, lag halt da dran, dass ich ganz genau wusste, dass der Weg da ganz gewiss nicht lang geht. Ich habe mehrere Jahre Erfahrung mit Versuchen, mein Trinkverhalten durch Trinkpausen zu normalisieren, das wurde immer schlimmer und da wollte ich eben definitiv nicht mehr hin, das war absolut keine Option, da habe ich lieber ein paar Jahre die schlechte Laune ausgehalten, das war im Vergleich immer noch besser.

    Gruß Susanne

    Was das lesen und schreiben angeht...ich meine, ein Forum lebt ja davon, dass welche schreiben, dass es was zu lesen gibt und dass es nicht immer nur die gleiche Handvoll Schreiber ist, bei denen man sich die nächste Antwort irgendwann im Voraus schon ausrechnen kann. Also eigentlich kann da schon prinzipiell niemand zu viel sein, ausser er ist extrem unfriedlich drauf.

    Ansonsten ist die Welt zwar klein, aber ich denke wenn Du bei Orten nicht mit Namensnennungen, sondern mit Umschreibungen arbeitest, dann ist die Wiedererkennung gar nicht so einfach. Ich bin bei Facebook bei ein paar Regionalgruppen, wo es wirklich um genau beschriebene Gegenden geht, und da finde ich es manchmal unglaublich wie gering das Vorstellungsvermögen vieler Zeitgenossen entwickelt ist.

    Und die Wahrscheinlichkeit, aus München zu sein und irgendwo in Berlin Bekannten über den Weg zu laufen, ist höher als die Wahrscheinlichkeit der Wiedererkennung hier, einfach von der Zahl her. Zufälle gibts, aber wie Du schon schreibst, haben die ja vielleicht das gleiche Problem.

    Was das Ganze Psychothema angeht: ich wollte am Anfang nur deswegen mit dem Trinken aufhören, weil ich unmittelbar körperlich unter meinen Suff-Folgen gelitten habe. Es waren eigentlich ein paar ganz "harte" Themen, nächtliche Schweissausbrüche, Kotzen, Schlaganfallrisiko, auch meine Ausflippereien im Suff, wo die Anfangsaufgabe eigentlich nur ganz klar hiess, das erste Glas stehen zu lassen, denn der Durst kam bei mir während des Trinkens. Wenn ich schon mal angetrunken war habe ich erst recht nicht "Nein" zum nächsten Schluck gesagt, und das wusste ich ja irgendwann aus Erfahrung, habs oft genug ausprobiert. Mit ein bisschen zusätzlicher Information, dass das beim Alkoholismus relativ normal ist, konnte ich mich damit einigermaßen leicht abfinden. Aber auch erst nachdem ich die Schnauze voll davon hatte, davor hab ich das biligend in Kauf genommen.

    Ich wollte anfangs kein anderer Mensch werden, sondern ich wollte der gleiche Mensch, nur ohne diese Trinkfolgen bleiben. Bei mir dauerte es längere Zeit, bis ich gemerkt habe, dass ich an meinem Leben doch noch einiges ändern muss, weil ich dann zwar schon längere Zeit (ein, zwei, drei Jahre) nüchtern und auch zufrieden trocken in dem Sinn war, dass das für mich OK war, nichts mehr zu trinken, aber ich war mit einigen anderen Dingen derartig unzufrieden, dass ich doch noch was tun musste. Also ich bin dann irgendwann noch mal in eine etwas unkonventionelle Psychotherapie gegangen, die nichts mit Alkohol zu tun hatte (für die aber längere Abstinenz Voraussetzung war).

    Nach 8 Wochen ohne Alkohol war bei mir grade mal die Motivationsgruppe in der Suchtberatung kurz vor dem Ende, und dann hab ich ca. ein dreivierteljahr lang überhaupt nichts mehr unternommen, ausser eben nicht zu trinken. Ich hab mich überhaupt nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Erst dann fing ich so langsam wieder an, mich da ran zu tasten. Und das lag daran, dass ich abends nicht runtergekommen bin und mir dann einfiel, klar, früher hast Du Dir die Kante gegeben, um abzustressen (eigentlich hab ich mir die Kante gegeben wenn ich gerade Lust hatte, ob das nun viel Sinn hatte oder nicht war mir eigentlich ziemlich egal, ich bin ja nur nem spontanen Impuls gefolgt wenn ich Lust drauf hatte. Aber wohl schon mit einer inneren Erwartung, dass der Druck in mir dann nachlässt und der Abend irgendeinen Spaß bringt, was schon lange nicht mehr richtig funktionierte, was ich aber immer erfolgreich verdrängt habe), und heute hast Du (also ich) offensichtlich nichts mehr, was Dir dabei hilft, also hat es vielleicht doch noch damit zu tun.

    Ich bin eine eindeutige Verfechterin dessen, dass jeder selbst wissen muss, warum und wie er das macht, wobei für mich die Motivation zum Aufhören eigentlich wichtiger ist, als die Gründe warum man getrunken hat. Ich persönlich musste vor allem wissen, was ich damit erreichen will, dass ich aufhöre (und das war primär, dass ich anders schlafen und aufwachen wollte mit dem ganzen drumrum), natürlich kann ich Dir auch einen Vortrag halten warum ich damit angefangen habe, aber meine Trink/Konsumgründe haben sich während über 25 Jahren Suchtkarriere deutlich gewandelt und mindestens die Hälfte meiner Probleme hatte ich erst vom Trinken bzw. früher von den Drogen. Das Zeug hat ja Wirkung und sorgt selbst für Schäden aller Art. Letztlich wars eigentlich sowieso nur noch Sucht mit den Hauptgründen Montag, Dienstag, Mittwoch. Oder es hat geregnet wahlweise die Sonne gescheint, saufen kann man wegen allem, wenn man einen scheinbar vernünftigen Grund dafür braucht.

    Und Königsweg oder Standardprozedere...gerade bei Langzeit-Trockenen, also bei Leuten die länger als 10 Jahre nüchtern sind, erlebe ich es relativ oft, dass sie sagen, dass es eines Tages einfack klick gemacht hat und sie plötzlich genug hatten und ohne das übliche Prozedere aufgehört haben. Schon was gemacht, sich damit auseinandergesetzt, aber nicht nach strengen Regeln. Was natürlich mit der Zusammensetzung meines Bekanntenkreises zu tun haben kann, klar.

    Und an sich gilt, was funktioniert ist immer richtig. Ob das jetzt jemand Anderes genau so macht oder völlig anders, dient dem Erfahrungsaustausch, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Ja, hier gibts natürlich auch Leute, denen die Familie das Messer auf die Brust gesetzt hat und die dann was gemacht haben (nicht ich).
    Das ging aber nur, weil von denen selbst dann auch was kam, sie dann tatsächlich was gemacht haben.

    Man kann sich nicht drauf verlassen. Es gibt nämlich mindestens genau so viele, bei denen das nicht wirkt. Bei vielen wirkt ja nicht mal das Bewusstsein, dass sie dran sterben werden. Kinder sind oft auch kein Argument, das wirklich zieht. Hättest Du mal meinen Vater fragen müssen.
    Der war früher der Meinung, Kinder die es wert sind, überlebens schon, und um den Rest ist es nicht schade. Er ist übrigens lieber dran gestorben, bevor er was gemacht hätte "rentiert sich für mich nicht"...ich hätts fast genau so gemacht, hab dann die Kurve aber noch gekriegt.

    Und vorher weiss mans halt nicht und fährt auf eigenes Risiko. Es ist halt viel "kann sein, kann auch nicht sein"..es gibt Statistiken und hinter jeder stehen eine Menge Einzelschicksale.

    Klar sind auch Angehörige selbst dafür verantwortlich, wie weit sie das mitmachen und zu merken, wenn sie das nicht mehr schaffen. Oft sind die Angehörigen nämlich früher reif für eine grundsätzliche Änderung als der Alkoholiker. Man sollte aber auch nicht verschweigen, dass da viele dann erst mal selbst auf dem Zahnfleisch gehen, selbst daran krank werden, bevor sie was ändern..oder genauso wie beim Alkoholiker das bis zum bitteren Ende läuft. Gibts ja oft genug.

    Nur wenn hier jemand danach fragt gebe ich nur ungern die Auskunft, das das schon wird, wenn mans ja gar nicht weiss und auch noch nichts darauf hindeutet. Es kann werden, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist halt nicht übermässig hoch.
    Und wenn vom Gegenüber noch gar nichts an Einsicht und Änderungswille kommt, dauerts meist noch lange bis der überhaupt mal in die Gänge kommt. Und ob ers dann schafft, weiss man auch noch nicht, und in diese ganze Zeit über läuft aber auch die Lebensuhr des Angehörigen weiter, sprich wenn der Angehörige irgendwann glücklich werden will, muss er sich auch überlegen wie viel Zeit er da noch investieren kann oder will.

    Eigentlich der Leidensdruck. In Kombination mit der relativ plötzlichen Einsicht, dass ich mir einen Großteil des Problems durch mein eigenes Handeln selbst mache, es also beenden könnte. Das musste ich aber erst sehen, hatte also ne Art "Geistesblitz", es hat Klick gemacht.

    Mei, ich stand vor der Frage ob ich weiter versuche, mich in den finalen Absturz zu saufen, oder obs nüchtern wirklich schlimmer wäre.

    Ich war halt immer der Meinung, wenn ich mit dem Trinken aufhöre, dann ist das Leben sowieso so beschissen, dass ich mir gleich einen Strick nehmen kann. War einfach meine Denke, meine tiefste Überzeugung, kann ich nicht auf die Schnelle erklären. Da müsste ich weit ausholen und irgendwo hab ichs hier auch schon mal zu ergründen und zu beschreiben versucht.
    Dabei habe ich die letzten Jahre meiner langjährigen Suchtkarriere ja nicht mal jeden Tag getrunken und war zu dem Zeitpunkt, als ich aufgehört habe, gar nicht mal besonders auf der Verliererseite, ich war nur bis in mein tiefstes Inneres hinein mein ganzen Leben bis da hin überzeugt davon, dass ein Leben ohne Rausch grundsätzlich vollkommen sinnlos ist.
    Und wenn ich getrunken habe, hab ichs meistens krachen lassen, bis nichts mehr reinpasste. Halb besoffen war für mich rausgeschmissenes Geld.

    Also letztlich gings mir dann vom Saufen selbst schon so beschissen, wie ich mir das Nüchternsein eh schon vorgestellt hatte. Besoffen sein war irgendwann nicht mehr schöner als meine bescheidene Vorstellung vom trockenen Leben.
    Da kams dann eh schon auf nichts mehr an, dann hab ich halt mal probiert wie das so wäre, wenn ichs zur Abwechslung mal ganz ohne probiere.
    Mein Partner hatte da innerlich schon das Weite gesucht, war am ausziehen, war nicht mehr auszuhalten mit mir. Davor hatte er das 13 Jahre lang mit Höhen und Tiefen, aber langsam schlimmer werdend, mitgemacht und wir hatten auch das volle Programm durch. Und ich habs ihm zuliebe und weil ich auch nicht ganz abstürzen wollte, ja auch dazwischen zeitenweise ohne probiert, Trinkpausen gemacht, aber mir fehlte dann einfach was, was ich mit nichts anderem füllen konnte, und was er mir auch nicht hätte geben können.
    Ich bin ganz ohne Drogen oder Alkohol nicht dauerhaft klargekommen, und wenn ich wieder angefangen habe, waren die Abstürze halt vorprogrammiert, die Gier kommt beim Trinken, die einen nennen das Kontrollverlust, die anderen wissen es schon vorher, wie es endet, kommt aber bei Vielen aufs Gleiche raus.

    Bevor ich mit ihm zusammen war, hatten mich schon mindestens zwei andere Kandidaten vor die Wahl gestellt, entweder sie oder meine Escapaden. Hab mich jedesmal für die Escapaden entschieden und die Typen weggeschickt, hat sich für mich einfach besser angefühlt. Mein letzter Partner (mit dem ich nach dem Aufhören auch wieder zusammenkam und bis heute zusammen bin) war sehr viel weiter bereit, das zu akzeptieren, die Liebe war wohl auch groß genug um einiges zu fressen, bis es halt doch zu schlimm wurde.

    Das war dann am Ende echt Stress, und ich dachte ja eigentlich, ich saufe gegen den Stress und weils das Leben schöner macht. Dafür musste ich zahlreiche Runden kotzend über der Kloschüssel hängend und mit zunehmenden Ängsten vor Schlaganfall, Delirium, sonstigen Hirnschäden, Variszen und was der Alkohol sonst noch für Schäden anrichtet, absolvieren, bevor ich geglaubt habe, dass es vielleicht ganz ohne Alkohol doch einfacher wäre. Also ich wusste durchaus, was ich da mache, konnte es aber nicht lassen. Passte also hinten und vorn nicht mehr zusammen. Und ich hab mich mit Händen und Füßen gegen diese Erkenntnis gewehrt, weil ich mir ein Leben ohne eben schlicht nicht vorstellen konnte. Heisst nach zwei drei nüchternen Tagen war ich immer gleich so weit, dass ichs ja im Griff habe und gar nicht richtig abhängigig bin. Bis mir dann halt mal aufgegangen ist, dass man ja schon nen ganz schönen Dachschaden haben muss, um das über Jahre so zu treiben.

    War dann einfacher aufzuhören, als weiter zu saufen. Aber dazu musste ich halt erst kommen. Und danachs wars noch ein Haufen Arbeit, erst mal die Trümmer aufräumen und bis ich dann mal wirklich mit meinem Leben so klar gekommen bin, dass es für mich dauerhaft auszuhalten ist, und ich glaube, das wusste ich irgndwie auch und davor hats mich vor dem aufhören ja auch gegraust. Ich meine das Glas stehen lassen und dann den ganzen Tag unzufrieden und grantig sein, kanns ja auch nicht sein, und um das dauerhaft zu ändern musste ich noch ziemlich viel tun. Das ist ja irgendwo auch der Punkt, warum man es für Andere nicht machen kann, weils echt ans Eingemachte geht und man durchaus auf der Strecke öfter mal überlegen muss, was man eigentlich will.

    Und von aussen kommt keiner wirklich dran, weil keiner dafür sorgen kann, dass es dem Anderen wirklich reicht (bei genauer Betrachtung müsste man ja dafür zu sorgen versuchen, dass er seinen Tiefpunkt schneller erreicht, wäre aber sehr fraglich ob das funktionieren würde, sowas wie Führerscheinverlust oder Trennung gehen genau in diese Richtung, aber eben ohne Erfolgsgarantie), auch keiner in die inneren Erklärungskonstrukte des aktiven Trinkers wirklich eingreifen kann (man kann ihm keine Einsicht vermitteln), und die meisten Hilfsversuche sind derartig ungeeignet, dass sie eher zur Leidensverlängerung beitragen, weil sie dem Saufenden die Verantwortung für sein Leben abnehmen wollen. Ich meine, das funktioniert ja auch zwischen Süchtigen selbst nur bedingt, obwohl die ihr Empfinden und ihr Denken gegenseitig wesentlich besser verstehen können, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben, als Angehörige das oft können, wenn der Andere einfach noch nicht so weit ist.

    Mal so ein Versuch, das ohne allzulangen Roman irgendwie halbwegs verständlich zu beschreiben.

    Gruß Susanne

    Dem von miss.reid habe ich an sich nicht viel hinzuzufügen.

    Ich würde Dir aber zusätzlch empfehlen, hier einige andere Angehörigengeschichten und auch das eine oder andere Buch aus den Literaturempfehlugen https://alkoholforum.de//index.php?topic=1715.0 zu lesen, um einen besseres Verständis dafür zu kriegen, wie das allgemein so läuft.

    Deine Erfahrungen haben nämlich schon viele gemacht, es wurde hier auch schon viel dazu geschrieben und leider führst Du mit Deinen Streitereien und Kontrollversuchen einen ziemlich aussichtslosen Kampf. Es ist nicht so, dass ich nicht verstehe, wie schwierig das für Dich ist, aber es klappt nach allgemeiner Erfahrung halt einfach nicht, was Du da versuchst. Du kannst nur versuchen, Dich selbst aus der Situation irgendwie zu retten oder anders damit klar zu kommen.
    Ihn wirst Du nicht ändern, und selbst wenn er selbst sich ändern wollen würde, wäre es noch längst nicht sicher, ob er das auch schaffen würde. Und Du kannst ihm nicht helfen und ihm keine Verantwortung dafür abnehmen, das könnte er nur selbst, aber dafür müsste er das ja erst mal wollen. Davon ist er ja meilenweit entfernt. Ich das mal so salopp, das ist so ein Fall wo ich für mich denke, das wird noch 10 oder 15 Jahre so weitergehen, bis ihm das langt, wenn überhaupt. Ich kann natürlich nicht hellsehen, aber das denke ich da halt.

    Und wenns irgendwelche Patenrezepte geben würde, wie man jemanden zu bringt, mit dem Trinken aufzuhören, dann wäre garantiert einiges einfacher. Aber die allermeisten müssen dafür erst mal selbst gewaltig auf die Fresse fallen oder mit ihrer Trinkerei ziemlich unglücklich sein, und selbst das reicht ja den meisten nicht. So lange der da noch was Positives dran findet, kannst Du das vergessen. Das ist wie bei den Rauchern, da weiss ja auch jeder wie gesund es ist, deswegen hört kaum einer auf.

    Und es ist Dein Leben, das Du dabei mit an die Wand fährst. Könntest Du längst anderswo glücklich sein.

    Gruß Susanne

    So wie ich Dich verstehe, bist Du ja aber in der Beziehung nicht glücklich. Dazu muss er Dir ja nicht direkt was tun.

    Ich meine, wenn ich in einer Beziehung auf Dauer nicht glücklich bin und daran aber nichts ändern kann, weil der andere irgendwas macht, womit ich nicht klar komme, dann kann mein Gegenübr ja der netteste Mensch der Welt sein, deswegen darf ich mir doch trotzdem ein Leben aussuchen, was mich glücklich macht, also ich darf dann auch gehen, und der Andere muss dann damit klar kommen. Ich bin doch nicht verpflichtet, mit dem zusammen zu bleiben, nur weil der mir nichts tut. Dann ist er halt nicht der Mensch, mit dem ich zusammen leben will.

    Dir tut es ja was, egal ob er das mit Absicht macht oder nicht. Dich stört es und er ändert es nicht. Reicht das nicht?

    Das ist meine Sicht. Wie siehst Du das denn?

    Hallo,

    das sind ja zwei wesentliche Themen, die zwar zusammenhängen, die ich aber trotzdem getrennt sehen würde.

    Das eine ist der Alkoholkonsum an sich. Dazu gibts medizinische Empfehlungen, was risikoarm und gesundheitlich vertretbar ist. Das findest Du z.B. hier
    https://www.kenn-dein-limit.info/risikoarmer-konsum.html

    ..natürlich ist vielen das Risiko bis zu nem bestimmten Punkt egal, ist ja bei vielen Sachen so wo es auch um den Spaß geht, dafür geht man schon mal ein Risiko ein. Motorradfahren, Gleitschirmfliegen, Reiten, usw., da kann überall was passieren und es wird trotzdem gemacht.

    Der andere, ist wohl wesentlichere Punkt ist wohl der, dass Du Dich so in Deiner Beziehung unwohl fühlst. Ich meine, man kann niemanden gegen seinen Willen verändern, auch dann nicht wenn man mit demjenigen verheiratet ist, und wenn er auf Deine Wünsche nicht eingeht oder auch nicht eingehen kann (das weiß ich nicht) Du musst dann halt irgendwann mal für Dich entscheiden, ob Du Dich in irgendeiner Weise damit arrangieren willst oder ob Du unter diesen Umständen bis das der Tod euch scheidet mit ihm verheiratet bleiben möchtest. Wie wirst Du denn in zwanzig Jahren drauf zurückblicken (musst Du nicht mir beantworten, sondern Dir)?


    Gruß Susanne