Beiträge von AmSee13

    Unter uns: Damals war mein neues Leben im SOBER GLOW noch taufrisch: Da hatte ich mich an oben beschriebener Nikotin-Coffein-Zucker-Alkohol-Kombination in der Tat mal ein wenig dran hochgezogen.

    Das kann ich sogar gut nachvollziehen.

    Ich weiß inzwischen nicht mehr so genau, wie das bei MIR in den ersten Monaten war, aber ich hab dieses Überlegenheitsgefühl im Laufe der letzten Jahre, die ich mich hier und zwischendurch auch anderswo engagiert habe, bei anderen, die neu dabei waren, bemerkt.

    Dagegen ist ja auch erstmal nichts zu sagen, vielleicht gehört das auch einfach mal eine Zeitlang dazu. Es ist ja auch Wahnsinn, was da in dir abgeht, wenn du es schaffst, dich zu lösen.

    Als ich noch getrunken habe, habe ich mir ein angenehmes, zufriedenes Leben ohne Alkohol nicht vorstellen können. Und als Raucherin fand ich mich cool.

    Und dann legt sich wie durch ein Wunder so ein Schalter um, du steigst aus und du stehst auf der anderen Seite und guckst von draußen auf all die anderen, die in dem, was ich mittlerweile als Gehirnwäsche bezeichnen möchte, noch drin stecken und glauben, dass sie sich da drin wohlfühlen.

    Und was Wortwahl betrifft: Was meinst du, wie ich manchmal mit der passenden Wortwahl ringe. ;)

    Grüße

    AmSee

    Ergänzen möchte ich noch meine eigene Erfahrung mit Ansprachen oder Hinweisen meines Mannes, als ICH noch getrunken habe und überzeugt war, ICH hätte meinen Konsum im Griff und könnte das kontrollieren:

    Mein Mann hat mich immer mal wieder besorgt auf meinen Konsum angesprochen. Er selbst hat eher wenig getrunken und eigentlich nur in Gesellschaft.

    Heute kann ich seine Sorge nachvollziehen, damals aber hat mich seine Einmischung nur genervt und ich fühlte mich immer wieder von ihm bevormundet. Ich hab trotzdem gemacht, was ICH wollte und für richtig hielt. Ich war überzeugt davon, dass ER einfach keine Ahnung hat und einfach nur aus einer für mich als spießig empfunden gesellschaftlichen Konvention heraus redet und handelt. Und so habe ich abends alleine zuhause meine Flasche Wein geleert oder meine Flasche Sekt mit Aperol gemischt. Für mich war das Feierabend und Savoir-vivre/ la dolce vita. Allmählich wurden meine Mengen größer, aber da ich ja Pausen einlegen konnte, war ich mir sicher keine Alkoholikerin zu sein. Der Gedanke, auf Alkohol verzichten zu müssen, falls ich Alkoholikerin wie mein Vater werden würde, jagte mir eine Heidenangst ein. Dass mein Konsum riskant war, war mir bewusst, aber das hielt mich nicht vom Trinken ab. Riskant bedeutete für mich ja nur, dass es ein Risiko gibt, aber dieses Risiko glaubte ich, im Griff zu haben. Ich glaubte, ich könnte meinen Konsum kontrollieren.

    Erst als mir mein Konsum selbst Sorgen zu bereiten begann, weil ich‘s eben doch nicht so unter Kontrolle hatte. Den Vorsatz, nur ein, maximal zwei Gläser zu trinken, konnte ich so gut wie gar nicht einhalten. Er fiel in der Regel schon beim ersten Glas: „Wieso denn nur ein Glas? Was ist denn das für ein Unsinn.“ ging mir dann durch den Kopf. Und so trank ich, bis ich satt war, und das waren zu dem Zeitpunkt, als ich aufhörte, drei Flaschen Wein (in der Regel trockener Rotwein) und/oder Sekt (pur oder mit Aperol).

    Mein Mann meinte, wenn ich mich richtig erinnere, mal zu mir: „Was wäre, wenn du wählen müsstest zwischen dem Alkohol und mir?“

    Ich fand das eine äußerst fiese Wahl, vor die ich da durch ihn gestellt wurde und ich hatte KEIN Verständnis dafür. Natürlich wollte ich meinen Mann nicht verlieren, aber was sollte denn diese blöde Wahl? Ich lass mir doch nicht das Messer an die Brust setzen, besonders wo ER doch ein Problem draus macht, wo gar keines ist.

    So habe ich damals tatsächlich getickt. Heute kann ich seine Sorge durchaus nachvollziehen.

    Heute ist es für mich unvorstellbar, überhaupt jemals wieder Alkohol trinken zu WOLLEN. ICH habe mich von mir heraus für die Abstinenz entschieden und für MICH war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens.


    Ich erzähle dir das, um zu verdeutlichen, wie ein Mensch mit einem Alkoholproblem ticken kann. Selbst wenn ein Problem eigentlich schon offensichtlich ist, löst man sich nicht unbedingt davon, weil es irgendwie undenkbar ist, ohne Alkohol auskommen zu müssen. Weil es sich fürchterlich anfühlt, das Angenehme, Schöne, was man sich vom Alkoholkonsum verspricht, entbehren zu müssen.

    Das betrifft übrigens Alkoholiker, die noch nicht an dem Punkt angekommen sind, an dem ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt, als trinken zu müssen. Die Alkoholiker, die über diesen Punkt hinweg sind, müssen dann trinken, weil die Entzugserscheinungen, wenn der Pegel wieder absinkt, nicht auszuhalten sind. Und die machen dann weiter, obwohl ihnen richtig dreckig geht, weil’s ihnen ohne Alkohol noch dreckiger geht.

    Bei allen ist aber gleich: Von außen kann nicht erzwungen werden, mit dem Alkoholkonsum aufzuhören. Erfolgreich aufhören kann nur jemand, der das selbst als sich heraus aus eigenem Willen will.

    Und weil das leider so ist, ist äußerst fraglich, was DU als Angehörige an Bedingungen schaffen kannst, wenn ER nicht von sich aus für sich selbst die Verantwortung übernimmt.

    Etwas anderes ist das, WENN er die Verantwortung übernimmt, denn dann kannst du ihn dabei begleiten. Die Bedingungen bestimmt ihr dann im Gespräch gleichberechtigt miteinander.

    Viele Grüße

    AmSee

    Ich frage mich halt, ob sein "Suchthirn" überhaupt je eine Tätigkeit attraktiver finden wird als das Trinken? Oder ob er sich da einfach zu was anderem zwingen müsste, was dann vielleicht erst mit der Zeit wirklich Spass macht? Wie sind dazu eure Erfahrungen? Was kann ich tun, um ihn zu motivieren? Würde es helfen, etwas zusammen zu machen oder wäre es besser, wenn er etwas für sich hat?

    DU kannst herzlich wenig tun, um ihn zu motivieren. Es kann durchaus sogar so sein, dass er deine Versuche, ihn zu irgendeiner „Ersatztätigkeit“ zu motivieren, als übergriffig empfindet.

    Wenn ich dir das mal so sagen darf: Das liest sich, wie wenn eine Mutter ihr desinteressiertes Kind für irgendein Interesse motivieren will.

    Er ist ein erwachsener Mann, der selbst Verantwortung für sein Leben übernehmen muss.

    Die sogenannte Selbstfürsorge muss von IHM ausgehen.

    Und wenn ER wirklich will, dann wird er eine Tätigkeit finden. Möglich ist das durchaus.

    Ich hoffe, meine Antworten konnten dir bezüglich deiner Fragen etwas weiterhelfen.

    Falls du weitere Fragen oder Gedanken hast, die du teilen möchtest, nur heraus damit.

    Viele Grüße

    AmSee

    Im Thread mit den Tipps habe ich gelesen, dass man sexuellen Kontakt von Nüchternheit abhängig machen soll. ….

    Das ist tatsächlich ein Problem in unserer Beziehung, weil er gerne mehr möchte, ich aber auch von mir aus selten Lust drauf habe, wenn er betrunken ist. Er fühlt sich nicht begehrt von mir - was in dem Moment ja auch so ist, aber nicht weil ich ihn nicht begehre sondern einfach nicht ihn in betrunkenem Zustand. Ich finde das Thema sehr schwierig, weil wenn ich ihm sage, dass ich nur noch mitmache, wenn er nüchtern ist, fühlt sich das einerseits wie eine Erpressung an, andererseits auch wie eine Verpflichtung. Dass wenn er dann verzichtet, dass ich dann auch wirklich muss um ihn "zu belohnen". ?(

    Entscheidend ist doch, was DU willst bzw. dass ihr in dieser Angelegenheit BEIDE wollt.

    Wenn DU keine Lust hast, wenn er betrunken ist, dann ist das doch Argument genug.

    Mag ja sein, dass er sich dann nicht begehrt fühlt, aber es ist ja, wie du sagst, in dem Moment auch so und Punkt.

    Und das zu formulieren, dass du nicht magst, wenn er betrunken ist, ist doch keine Erpressung!

    Du magst doch einfach nur nicht.

    Und wer sagt denn, dass du wollen musst, wenn er nüchtern ist?

    Wenn ihr BEIDE wollt, dann passt es? Wenn’s nur einseitig ist, was ist das dann?

    Aus meiner Sicht müssten wir irgendwann unser Umfeld informieren. Bisher wissen nur wir beide, dass er Alkoholiker ist. Aber wäre es nicht sinnvoll, Freunden und Familie transparent zu sagen, was Sache ist?

    Es gibt kein „MUSS“, das Umfeld zu informieren.

    Das darf jeder für sich selbst entscheiden.

    Deshalb frage ich mich schon, ob es wirklich sinnvoll ist, mich selbst seinetwillen einzuschränken? Wenn er jetzt einen trockenen Abend versucht, trinke ich sicher nicht neben dran mein Bierchen. Aber wenn ich nicht zu Hause bin oder er sowieso auch trinkt - macht es dann einen Unterschied?

    Da er derzeit trinkt und damit offenbar noch gar nicht gänzlich aufhören möchte, wird es für IHN wenig bringen, wenn du nur seinetwegen abstinent bist.

    Als ICH mich entschlossen habe, gar keinen Alkohol mehr zu konsumieren, ist mein Mann nicht gleichzeitig mit mir abstinent geworden und ich hab das auch gar nicht von ihm erwartet.

    Er hat weiterhin ab und zu in entsprechender Runde außerhalb Alkohol getrunken und ICH fand das auch in Ordnung. Zuhause gab es allerdings keinen Alkohol.

    Wir haben viel über dieses Thema geredet und ich habe ihm viel über meine neuerworbenen Erkenntnisse erzählen dürfen. DAS hat ihn nachdenklich gemacht. Inzwischen lebt er allerdings auch schon über eineinhalb Jahre aus eigener Überzeugung zufrieden abstinent. Er könnte tatsächlich Alkohol trinken, wenn er wollte, aber er will es nicht mehr. Es gibt ihm nichts mehr.

    Warum erzähle ich dir das? - Wenn er aussteigen will, steigt er aus, ob du Alkohol konsumierst oder nicht. Wenn er das nicht will, ist DEIN Verzicht, wenn du’s nur für ihn und nicht für dich tust, eigentlich egal.

    Wenn er aussteigt, dann kann es hilfreich sein, in seiner Gegenwart nicht zu trinken, um ihn nicht zu triggern.

    Fortsetzung folgt

    Hallo und herzlich Willkommen, Jeanne! 🙋‍♀️

    Kurz zu mir, damit du eine Ahnung bekommst, wer dir hier antwortet:

    Ich, 50, w, hab mir selbst Ende Oktober 2020 eingestanden, ein Problem mit Alkohol entwickelt zu haben (ich hab meinen Konsum nicht mehr wirklich kontrollieren können, hab aber noch gut funktioniert). Als MIR durch die Beschäftigung mit dem Thema klar wurde, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog, hab ich die Reißleine gezogen. Und ich lebe seither tatsächlich abstinent und sogar zufrieden abstinent. Aufgewachsen bin ich mit einem alkoholkranken Vater, der regelmäßig rückfällig geworden ist und überhaupt nicht mehr funktioniert hat, sondern dessen Rückfälle für uns tatsächlich existentiell geworden sind.

    Ich fange mit der Beantwortung deiner Fragen mal damit an:

    Ich weiss, ich kann nur mir selbst helfen. :) Ich möchte halt einfach die besten Bedingungen für ihn schaffen, damit er erfolgreich sein kann.

    Wenn dein Partner nicht wirklich und ernsthaft von sich aus aussteigen will, kannst du noch so sehr bemüht sein, die besten Bedingungen für ihn zu schaffen, er wird nicht erfolgreich aussteigen. Entscheidende Voraussetzung ist also, dass der Wunsch und das Wollen Auszusteigen tatsächlich von IHM kommen. Das kann nicht erzwungen werden.

    In der Beratung, die mein Partner nun angefordert hat, wurde ihm offenbar gesagt, dass er den Alkohol besser nach und nach reduzieren soll. Auch als "Endziel" haben sie keine absolute Abstinenz definiert sondern einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol.

    Wenn in der Beratung tatsächlich so ein Ergebnis herausgekommen sein SOLLTE (ich kann das weder gänzlich verneinen, noch bejahen), so könnte dieser Rat davon abhängig sein, was dein Mann dort von sich erzählt hast.

    Hintergrund für den Rat, Alkohol nicht abrupt abzusetzen, sondern schrittweise zu reduzieren, könnte die Berücksichtigung der Gefahren des sogenannten „Kalten Entzuges“ sein. Was ICH mir allerdings schwerlich vorstellen kann, ist, dass in diesem Zusammenhang nicht von ärztlicher Unterstützung die Rede gewesen sein sollte.

    Zum „Verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol“: Im Zusammenhang mit einer Alkoholkrankheit kann ICH mir darunter nur das sogenannte „Kontrollierte Trinken“ vorstellen. Das ist ein Thema, von dem ich immer mal wieder gehört bzw. gelesen habe, mir ist aber hier im Forum nur ein (!) Alkoholiker bekannt, der das laut eigener Aussage tatsächlich erfolgreich praktizieren kann. Und der trinkt laut eigener Aussage ganz selten mal ein Bier.

    Wer tatsächlich einmal vom Alkohol abhängig geworden ist, kann seinen Konsum in der Regel nicht mehr kontrollieren, denn gerade der Kontrollverlust kennzeichnet diese Erkrankung.

    Das, was dein Mann dir von der Beratung erzählt hat, klingt jedenfalls nicht danach, dass er überhaupt Abstinenz anstrebt. Er WILL weiterhin Alkohol konsumieren und er scheint zu hoffen, dass er zu einem kontrollierten Konsum zurückfinden kann.

    Wie schätzt DU denn die Lage ein? Glaubst DU, dass er seinen Konsum unter Kontrolle bekommt?

    Fortsetzung folgt

    Hallo Fortune,

    ich wohne leider nicht am See, hat sich nicht so ergeben, aber mein Nickname steht für die Adresse, wenn’s sich‘s ergeben würde. ;)

    Danke für das Kompliment und dass du’s angesprochen hast. Kommt nicht oft vor, dass es angesprochen wird. Ich selbst hab aus diesem Forum viel für mich mitnehmen können und ich schätze es sehr, deshalb bin ich auch geblieben und aktiv dabei.

    Dein Beitrag bei Paul spricht mich übrigens an, insbesondere weil ich das ganz ähnlich wahrnehme.

    Dieses Reinwerfen von Stoffen, um ein bestimmtes Gefühl anstrengungsfrei zu "produzieren", finde ich mittlerweile so richtig deplatziert, mitunter gar peinlich ...

    Das geht mir eher nicht so, obwohl ich durchaus nachvollziehen kann, was du meinst.

    Ich für mich erinnere mich gut, wie ich an den Alkohol und die Zigaretten gekommen bin und was ich mich von dem Konsum versprochen habe. Ich war da doch nicht viel anders als andere. Und wie du eingangs schriebst, kamen sie als „gute Freunde“ daher.

    Ich bin einfach froh und dankbar, dass ICH mir ihrer negativen Dynamik, die ich lange ausgeblendet habe oder im Sinne meiner Kosten-Nutzen-Rechnung für kontrollierbar hielt, schließlich entziehen KONNTE. Nicht gerade wenige schaffen genau das nämlich nicht.

    Insofern habe ich eher ein mitwissendes, bedauerndes, mitunter allerdings auch amüsiertes und/ oder bitter-ironisches Verständnis für solche Beispiele, wie du‘s geschildert hast. Je nach dem, das kommt auf die Situation und den Typen an. In der Regel beschäftige ich mich allerdings eher wenig mit der Beobachtung anderer und bleibe lieber bei mir und meinem eigenen Jetzt, das gefällt MIR besser.

    Ob wir Abstinenzler Trendsetter werden, wage ich derzeit zu bezweifeln. Ich beobachte, wie gerade die nächste Generation, meine Nichten (13 und 10) an den Alkohol herangeführt werden und ihr Interesse daran entwickeln… X/

    Wir lesen uns?!?

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo, -FORTUNE-!

    HERZLICH WILLKOMMEN hier im Forum. 🙋‍♀️

    Schön, dass Du zu uns gefunden hast und von Deinen positiven Erfahrungen mit der Abstinenz berichtest. Der zweite Teil deins Slogans gefällt mir besonders gut. ;) Deckt sich irgendwie mit meinen eigenen Erfahrungen, seit ich abstinent lebe.

    Schau dich hier gerne ein bisschen um, komm in Ruhe an. Und wenn du Fragen haben solltest oder etwas mit uns teilen möchtest, was Dir bei deiner Selbsthilfe weitergeholfen hat, nur heraus damit.

    Mein Sommer ist zwar in letzter Zeit häufig verregnet, aber genießen kann ich meine Zeit trotzdem. Genieß du ebenfalls den Sommer.

    Ich selbst bin übrigens 50 und habe mich Ende Oktober 2020 vom Alkohol getrennt.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Orangina,

    schön, dass du wieder zurück bist! 🙋‍♀️

    Wie du siehst, hat sich hier ein bisschen was verändert, aber WIR sind noch da. 😄

    Wir lesen uns?!

    Liebe Grüße

    AmSee

    Nur so ein Tipp:

    Da du selbst das Positive, was Abstinenz mit sich bringt, vermutlich noch nicht kennst, könntest du dir jetzt erstmal vor Augen führen und ggf. notieren, wovon du eigentlich weg willst, wovon du dich befreien willst.

    Auch das kann am Anfang recht hilfreich sein. Wenn du weißt, wovon du weg willst, bekommst du eine Ahnung, wo du eigentlich hin willst.

    Hallo Italien,

    sei dir bewusst, dass DU allein für DICH verantwortlich bist.

    Im Grunde geht es nicht darum, dass man = andere dir keinen Alkohol anbieten soll. Das wirkt so, als ob du die Verantwortung für dein Trinken oder Nicht-Trinken anderen überlässt.

    Entscheidend ist doch, was DU willst.

    Wenn DU nicht trinken willst, dann lehnst du ab, auch wenn man dir Alkohol anbietet.

    Wenn er meint, dass du heimlich trinkst, was kümmert‘s dich, wenn er Unrecht hat?


    Klar kenne ich diese Sitte und diese Sprüche, dass zu gemütlicher Runde ein Glas Wein oder Bier oder … gehört. Sollen andere meinetwegen ruhig weiter daran glauben, ich sehe das inzwischen völlig anders.

    Es wird möglicherweise etwas dauern, aber es ist durchaus möglich, sich von dieser Vorstellung/ dieser Sitte zu lösen und sich dabei tatsächlich überhaupt nicht schlecht oder klein zu fühlen.

    Wenn du dich näher mit den Schattenseiten des Alkoholmissbrauchs beschäftigst (diesbezüglich kannst du hier im Forum durchaus fündig werden) und selbst von den nicht unbeträchtlichen Vorteilen der Abstinenz profitierst, wirst du manche Sitte, manchen Spruch womöglich ganz anders sehen….

    Grüße

    AmSee

    Hallo Italien,

    das, was du beschreibst, kenne ich selbst nur allzu gut. Die positive Wirkung des Alkohols, aber eben auch die negative.

    Als ich für mich erkannt hab, dass ich zunehmend die Kontrolle verliere, dass es kaum mehr ein Halten gibt, wenn ich mal angefangen habe, hab ich mich in diesem Forum hier angemeldet. Durch den Austausch mit anderen, aber auch durch das Lesen anderer Erfahrungsberichte hier wurde mir dann klar, wo ich bereits stand und wohin es mit mir kommen würde, wenn ich nicht die Reißleine zog.

    Daraufhin habe ich die Reißleine gezogen. Das war Ende Oktober 2020.

    Seither lebe ich abstinent, ja sogar zufrieden abstinent. Ich hab nicht den Eindruck, auf etwas verzichten zu müssen, im Gegenteil: ICH hab das Gefühl von etwas frei zu sein.

    Ob du’s schaffen kannst? - Ich stell‘ mal die Gegenfrage: Warum solltest du’s denn nicht schaffen, wenn du‘s dir ernsthaft vorgenommen hast?

    Gewiss ist es leichter, wenn man nicht jemanden an der Seite hat, der selbst trinkt und auch noch zum Trinken animiert, aber unmöglich ist es nicht. Das liegt letztlich ganz bei dir, wie du damit umgehst. Hast du mit ihm denn schon mal über dieses Thema gesprochen, dass du für dich ein Problem siehst?

    Grüße

    AmSee

    Hallo Italien,

    was gestern passiert ist, ist erstmal passiert. Daran lässt sich nun nichts mehr ändern.

    Die Frage nach dem „Warum?“ spielt erstmal keine Rolle, darum kannst du dich später noch kümmern, wenn du aufarbeiten willst und kannst, was da eigentlich mit dir vor sich gegangen ist.

    Kontrollverlust, wenn erstmal Alkohol getrunken worden ist, ist nicht unbedingt selten für Menschen, die ein Problem mit Alkohol entwickelt haben…. Und Pausen von Tagen, Wochen oder Monaten spielen da dann keine Rolle mehr.

    Wie siehst du das denn? - Hast du ein „Problem“ mit Alkohol? Kommt es öfter zum Kontrollverlust, WENN du trinkst?

    Wenn die Antwort „Ja“ lautet, stellt sich die Frage, welche Konsequenzen du daraus ziehen willst.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Birgit.

    Wenn du auf einer Skala zwischen 1 und 10

    ( 1 für steht für „bestens“, 10 steht für „nix geht mehr“)

    benennen müsstest, wie‘s dir derzeit geht:

    Wo würdest du dich derzeit einsortieren?


    Wenn du diesen Wert hast:

    Was müsstest du tun, damit’s noch schlimmer wird?


    ………….

    Wenn du dir klar ist, was es noch schlimmer macht, bietet sich der Gedanke an die Gegenrichtung an:

    Stell dir vor, der Wert hätte sich gebessert…

    Welche Schritte liegen dann hinter dir, was hast du unternommen?

    Grüße

    AmSee

    Das möchte ich noch kommentieren.

    An sich muss man das Trinken überhaupt nicht rechtfertigen, Es ist in unserer Gesellschaft erlaubt, üblich und kommentiert wird es ja meist erst, wenn es deutlich zu viel wird oder andere darunter leiden.

    Stimme deinem Kommentar insgesamt zu, ich sehe manches sogar ähnlich.

    In dem kurzen Satz, den ich eingangs geschrieben habe, beziehe ich mich lediglich auf einen Aspekt, den ich aus der Rückfallforschung kenne: Ein Rückfall geschieht nicht einfach aus „heiterem Himmel“, sondern in der Regel geht dem eine Verkettung von gewissen Umständen voraus. Vor diesem Hintergrund habe ich Birgits Vorstellung einfach mal grob zusammengefasst.

    Man könnte diesen Aspekt als „Rechtfertigungsargument“ betrachten, man kann das aber auch anders sehen und dann aus der „Opferrolle“ heraustreten.

    Natürlich muss sich Birgit für ihr Trinken nicht rechtfertigen, aber sie hätte sich wohl kaum hier angemeldet, wenn sie nicht einen gewissen Leidensdruck verspürte, oder?

    Hallo und herzlich Willkommen in unserem Forum, Birgit. 🙋‍♀️

    Danke für deine Vorstellung, deutlich wird darin durchaus, wie deine ungünstige Lebenssituation - dein Arbeitsplatz - zu deinem Rückfall geführt hat.

    Nun frage mich, was ICH dir antworten könnte bzw. wie ich dir Hilfe zur Selbsthilfe leisten könnte. Fragen hast du keine gestellt… 🤔

    Wohin dich deine derzeitige Reise mit Alkohol führen kann oder voraussichtlich führen wird, wirst du vermutlich selbst schon vor Augen haben, insbesondere wenn du in der Materie nicht neu bist.

    Vom Trinken abhalten werde ich dich nicht können, den Schritt, wieder abstinent zu werden, kannst du nur selbst machen.

    Hast du womöglich ein paar Fragen, auf die du selbst noch keine Antwort weißt? Wie könnten wir DIR Hilfe zur Selbsthilfe geben?

    Kurz zu mir: Ich bin 50, w, Erwachsene Tochter eines Alkoholikers (EKA) und lebe inzwischen seit über zweieinhalb Jahren abstinent und zwar seit ich dieses Forum hier gefunden hatte, wo ich zu meinem Glück an die zu mir passenden Ansprechpartner geriet.

    Viele Grüße

    AmSee

    P.S.: Ich schiebe deinen Faden mal in den Vorstellungsbereich, wo er eigentlich hingehört. ;)

    Ja, wie kannst du ihn schützen? - Wie nimmt er denn seinen Papa wahr?

    Dazu noch etwas zur Ergänzung:

    Bei dem, was ich bei dir lese, denke ich natürlich an MEINE Erinnerungen als Kind mit einem betrunkenen Vater.

    Ich bin schon ziemlich früh von dem geprägt worden, was in MEINER Familienkonstellation so abging, nur dass MEINE Mutter eben leider nicht die „Reißleine“ gezogen hat…

    Kinder bekommen sowas im Allgemeinen schon in sehr jungen Jahren mit, ohne das für sich in den richtigen Zusammenhang einordnen zu können. Es verunsichert sie und das unter Umständen nicht gerade wenig, ohne das aber formulieren zu können.

    Daher meine Frage, wie dein Sohn seinen Papa wahrnimmt. Das kannst du nur herausfinden, wenn du ihn beobachtest und ggf. mit ihm sprichst.

    Von daher kann ICH dir erstmal dazu gratulieren, DASS du entschieden hast, die Reißleine zu ziehen und zu gehen.

    Was das Jugendamt betrifft: Magst du von den Begründungen der Therapeuten in der Eltern-Kind-Kur erzählen?

    Was spätere Besuche deines Sohnes bei seinem Vater betrifft, so kannst und solltest DU das entsprechend reglementieren. Zum Beispiel vorerst keine Übernachtungen, wenn dein Ex Abends betrunken ist.

    Es könnte auch gut sein, dass dein Ex, wenn du erstmal ausgezogen bist, völlig die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum verliert, da er nicht mehr „unter Beobachtung“ steht oder oder oder… In dem Fall sollte dein Sohn besser gar keinen Kontakt zu ihm haben.

    Hallo und herzlich Willkommen in unserem Forum, bluemoon! 🙋‍♀️

    Kurz zu mir:

    Ich, 50, bin erwachsene Tochter eines Alkoholikers und lebe seit über zweieinhalb Jahren abstinent.

    Ich weiß nicht, aus welchen Gründen die Therapeuten in der Eltern-Kind-Kur Bedenken geäußert haben, zum Jugendamt zu gehen. Erklären kann ich mir das so erstmal nicht, insbesondere wenn es um Fragen des Sorgerechts und um Besuchszeiten geht.

    Wohin du dich aber erstmal für weitere Beratung wenden könntest, wäre zum Beispiel die Suchtberatung, denn deren Angebot auch für Angehörige offen.

    Sowohl für dich als auch für deinen dreijährigen Sohn dürfte das keine einfache Situation sein….

    Ich kann euch beiden, deinem Sohn und dir, nur wünschen, dass ihr möglichst bald ausziehen könnt. Ja, wie kannst du ihn schützen? - Wie nimmt er denn seinen Papa wahr?

    Viele Grüße

    AmSee