Und nun noch etwas Konkretes zu dem Sog, den du täglich verspürst.
- WARNUNG: Dieser Text wird etwas länger, was überfordernd wirken könnte. Lass dir für die Lektüre ruhig Zeit, hier eilt NIX.
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Als ICH aufgehört habe, habe ich von den Erfahrungen und Werkzeugen profitiert, die ich bei meinen zahlreichen Ausstiegen aus meiner Nikotinsucht gesammelt hatte.
Abgesehen von dem Leidensdruck, der groß genug sein sollte, um tatsächlich aussteigen zu WOLLEN, ist eine Veränderung der Gewohnheiten und des üblichen Tagesablauf äußerst hilfreich.
Der Belohnungszentrum, jetzt nenne ich es mal „Suchtgedächtnis“, weil das in diesem Zusammenhang zutreffender ist, ist auch an Gewohnheiten gekoppelt. Mit anderen Worten, es wird von gewissen Gewohnheiten und Erwartungen getriggert.
Alkohol sorgt im Gehirn - solange du nicht das Stadium erreicht hast, in dem das Ganze gar nicht mehr funktioniert und dir nichts anderes mehr übrig bleibt als Saufen zu MÜSSEN, weil ein Absenken des Spiegels zu unerträglichen Entzugserscheinungen kommt - für eine Ausschüttung von Glücksbotenstoffen (Endorphine, Dopamin usw.).
Im Suchtgedächtnis reicht schon die Erwartung, die Aussicht, dass es gleich zur Belohnung kommt, für die Ausschüttung dieser Hormone. Und diese Erwartung/ Aussicht muss befriedigt werden, sonst wird’s ungemütlich.
Und das ist im Prinzip dieser Sog, der dich fast wie ferngesteuert zum Supermarkt fahren lässt. Und diese ganzen Tricks, Gedanken „Es kriegt doch eh keiner mit“ gehören dazu. Manche fassen diese ganzen Gedanken, die da so zusammenkommen können, unter die Vorstellung eines sogenannten Sucht-Teufelchens
zusammen.
Diesen Sog zu dem Zeitpunkt, in dem er auftritt, bewältigen zu wollen, ist gar nicht mal so einfach. Da spielt Verschiedenes u.a. die eigene Neurochemie eine Rolle. - Falls dich das Thema näher interessiert, kannst du in unserer Linksammlung fündig werden oder ich schicke dir den einen oder anderen Link zu diesem Thema. -
Deshalb ist eine entsprechende VOR-Bereitung, also vorher entsprechend für sich zu sorgen, ungemein hilfreich, damit es möglichst gar nicht erst zu einer Sog-Situation kommt.
Das bedeutet zum Beispiel eine Änderung der eigenen Gewohnheiten, des Tagesablaufs, eigener Strukturen.
Konkret bedeutet das zum Beispiel, den Einkauf zu einem anderen Zeitpunkt zu erledigen und auch anders einkaufen zu gehen. Vielleicht sogar in einen anderen Markt einkaufen zu gehen.
Konkret bedeutet das, dich auf die Suche zu begeben, was DIR eigentlich wirklich gut tut.
Es kann durchaus sein, dass dir da zunächst gar nichts einfällt, aber das macht nichts, irgendwann kommt aus deinem Inneren eine Antwort.
Konkret bedeutet das zum Beispiel auch, hier im Forum zu schreiben und sich mit anderen auszutauschen (Keine Sorge soooo schnell machen wir hier nicht dicht. Wir lassen den anderen Nutzern genügend Zeit, die Information zu lesen, dazu zu antworten und sich ggf. zu verabschieden).
Zu dem Punkt, was dir gut tun konnte, eine Erfahrung, die ich selbst gemacht habe:
Als ich wegen Depressionen in der Klinik war, sagte man mir, ich sollte tun, was mir gut tut.
Ich kann dir sagen, mir fiel zunächst nichts ein. Ich wusste zwar, dass was Menschen so im Allgemeinen gut tut und es gibt ja auch Listen, aber irgendwie hatte das gefühlsmäßig nichts mit MIR zu tun. Da kam gefühlsmäßig nix von bei mir an.
Dass ich zu dem Zeitpunkt ständig kilometerweit spazieren ging, weil ich das irgendwie für mich brauchte und wollte, hatte ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht auf dem Schirm.
Bei einem dieser Spaziergänge aber ging ich dieser Frage nach und fühlte in mich hinein. Eine ganze Weile kam da gar nichts und dann PLÖTZLICH „Warmes Körnerkissen“. Ich mag den Geruch und diese Wärme.
Von da an, habe ich bewusst immer wieder zum Körnerkissen gegriffen, wenn ich mir was Gutes tun wollte.
Einmal auf eine Idee gekommen, stellten sich dann so nach und nach weitere Dinge ein, die MIR wirklich gut tun.
Und diese baute ich dann bewusst in meinen Tagesablauf ein und teilweise auch in meinen sogenannten „Notfallkoffer“. Der ist aber noch ein anderes Thema, dem du dich nicht unbedingt jetzt schon stellen musst, um dich nicht zu überfordern.
Kurz zusammengefasst ist so ein „Notfall-Koffer“ eine Sammlung deiner persönlichen, als höchst wirksam erfahrenen Exit-Strategien.
Ich lass das erstmal so stehen.
Liebe Grüße
AmSee