Beiträge von AmSee13

    Ja, ich habe mich soeben durch den langen Text gearbeitet. ;)

    Gerne sogar.

    Da gibt’s so einiges, auf das ich dir antworten möchte und gewiss auch werde. Hab da aber ein bisschen Geduld, denn ich muss mich nun erstmal um was anderes kümmern.

    Außerdem hab ich dir gerade soooo viel geschrieben, wofür du dir gerne etwas Zeit nehmen darfst. 😉

    Wir lesen uns.

    Viele Grüße

    AmSee

    Und nun noch etwas Konkretes zu dem Sog, den du täglich verspürst.

    - WARNUNG: Dieser Text wird etwas länger, was überfordernd wirken könnte. Lass dir für die Lektüre ruhig Zeit, hier eilt NIX. ;) -


    Als ICH aufgehört habe, habe ich von den Erfahrungen und Werkzeugen profitiert, die ich bei meinen zahlreichen Ausstiegen aus meiner Nikotinsucht gesammelt hatte.

    Abgesehen von dem Leidensdruck, der groß genug sein sollte, um tatsächlich aussteigen zu WOLLEN, ist eine Veränderung der Gewohnheiten und des üblichen Tagesablauf äußerst hilfreich.

    Der Belohnungszentrum, jetzt nenne ich es mal „Suchtgedächtnis“, weil das in diesem Zusammenhang zutreffender ist, ist auch an Gewohnheiten gekoppelt. Mit anderen Worten, es wird von gewissen Gewohnheiten und Erwartungen getriggert.

    Alkohol sorgt im Gehirn - solange du nicht das Stadium erreicht hast, in dem das Ganze gar nicht mehr funktioniert und dir nichts anderes mehr übrig bleibt als Saufen zu MÜSSEN, weil ein Absenken des Spiegels zu unerträglichen Entzugserscheinungen kommt - für eine Ausschüttung von Glücksbotenstoffen (Endorphine, Dopamin usw.).

    Im Suchtgedächtnis reicht schon die Erwartung, die Aussicht, dass es gleich zur Belohnung kommt, für die Ausschüttung dieser Hormone. Und diese Erwartung/ Aussicht muss befriedigt werden, sonst wird’s ungemütlich.

    Und das ist im Prinzip dieser Sog, der dich fast wie ferngesteuert zum Supermarkt fahren lässt. Und diese ganzen Tricks, Gedanken „Es kriegt doch eh keiner mit“ gehören dazu. Manche fassen diese ganzen Gedanken, die da so zusammenkommen können, unter die Vorstellung eines sogenannten Sucht-Teufelchens :evil: zusammen.

    Diesen Sog zu dem Zeitpunkt, in dem er auftritt, bewältigen zu wollen, ist gar nicht mal so einfach. Da spielt Verschiedenes u.a. die eigene Neurochemie eine Rolle. - Falls dich das Thema näher interessiert, kannst du in unserer Linksammlung fündig werden oder ich schicke dir den einen oder anderen Link zu diesem Thema. -

    Deshalb ist eine entsprechende VOR-Bereitung, also vorher entsprechend für sich zu sorgen, ungemein hilfreich, damit es möglichst gar nicht erst zu einer Sog-Situation kommt.

    Das bedeutet zum Beispiel eine Änderung der eigenen Gewohnheiten, des Tagesablaufs, eigener Strukturen.

    Konkret bedeutet das zum Beispiel, den Einkauf zu einem anderen Zeitpunkt zu erledigen und auch anders einkaufen zu gehen. Vielleicht sogar in einen anderen Markt einkaufen zu gehen.

    Konkret bedeutet das, dich auf die Suche zu begeben, was DIR eigentlich wirklich gut tut.

    Es kann durchaus sein, dass dir da zunächst gar nichts einfällt, aber das macht nichts, irgendwann kommt aus deinem Inneren eine Antwort.

    Konkret bedeutet das zum Beispiel auch, hier im Forum zu schreiben und sich mit anderen auszutauschen (Keine Sorge soooo schnell machen wir hier nicht dicht. Wir lassen den anderen Nutzern genügend Zeit, die Information zu lesen, dazu zu antworten und sich ggf. zu verabschieden).


    Zu dem Punkt, was dir gut tun konnte, eine Erfahrung, die ich selbst gemacht habe:

    Als ich wegen Depressionen in der Klinik war, sagte man mir, ich sollte tun, was mir gut tut.

    Ich kann dir sagen, mir fiel zunächst nichts ein. Ich wusste zwar, dass was Menschen so im Allgemeinen gut tut und es gibt ja auch Listen, aber irgendwie hatte das gefühlsmäßig nichts mit MIR zu tun. Da kam gefühlsmäßig nix von bei mir an.

    Dass ich zu dem Zeitpunkt ständig kilometerweit spazieren ging, weil ich das irgendwie für mich brauchte und wollte, hatte ich zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht auf dem Schirm.

    Bei einem dieser Spaziergänge aber ging ich dieser Frage nach und fühlte in mich hinein. Eine ganze Weile kam da gar nichts und dann PLÖTZLICH „Warmes Körnerkissen“. Ich mag den Geruch und diese Wärme.

    Von da an, habe ich bewusst immer wieder zum Körnerkissen gegriffen, wenn ich mir was Gutes tun wollte.

    Einmal auf eine Idee gekommen, stellten sich dann so nach und nach weitere Dinge ein, die MIR wirklich gut tun.


    Und diese baute ich dann bewusst in meinen Tagesablauf ein und teilweise auch in meinen sogenannten „Notfallkoffer“. Der ist aber noch ein anderes Thema, dem du dich nicht unbedingt jetzt schon stellen musst, um dich nicht zu überfordern.

    Kurz zusammengefasst ist so ein „Notfall-Koffer“ eine Sammlung deiner persönlichen, als höchst wirksam erfahrenen Exit-Strategien.

    Ich lass das erstmal so stehen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo May,

    wie geht es dir denn heute? Du bist ja noch mitten drin im Entzug. Pass diesbezüglich bitte gut auf dich auf.

    Selbst wenn du jetzt nicht zum Arzt gehst, lohnt es sich für dich, dich in der nächsten Zeit mal körperlich durchchecken zu lassen und deine Blutwerte untersuchen zu lassen.

    Du kennst zwar diesen mehr oder minder starken Kater am Morgen und beobachtest außer Gewichtszunahme keine weiteren Nebenwirkungen deines Alkoholmissbrauchs, aber möglicherweise wird es dir ähnlich gehen wie mir, wenn du eine Weile abstinent bist.

    Ich wusste zwar, als ich noch trank, dass Alkohol ein Nervengift ist und an verschiedenen Stellen im Körper Schaden anrichten kann, aber was das für MICH eigentlich bedeutet, habe ich verdrängt bzw. nicht sehen wollen. Ich wollte ja gerne Alkohol trinken und hab mir davon jede Menge Lebensfreude und gute Lebensart, auch Savoir Vivre genannt, versprochen.

    Wie sehr mir mein Alkoholmissbrauch körperlich und psychisch tatsächlich zugesetzt und geschadet hat, wurde mir erst im Laufe meiner Abstinenz deutlich. Und ich kann dir versichern, dass das für MICH eine sehr prägende Erfahrung war. Ich hab ja nun krankheitsbedingt ein paar Handicaps und musste mich darauf einlassen, damit zu leben. Hab ich ja auch. Die Abstinenz jedoch brachte mir etwas zurück, von dem ich nicht erwartet hätte, dass ich das nochmals erleben dürfte. Das bedeutet nicht, dass nun alles immer eitel Sonnenschein ist, aber grundsätzlich geht’s mir körperlich und psychisch besser als zu Zeiten, in denen ich noch getrunken habe. Was für ein Geschenk ich mir mit meiner Entscheidung, mich vom Alkohol zu befreien, gemacht habe!

    Und noch etwas mehr dazu:

    Ich las etwas von zufriedener Abstinenz und das schien mir mit einem Mal so verlockend, dass ich da hin wollte. Dass ich weg wollte, von dem, was war.

    Als ich mich hier angemeldet habe, war ich soweit, mich meinem Problem zu stellen, denn mir war bewusst geworden, dass ich so nicht weiter machen will.

    Meiner eigenen Erfahrung nach - und die hat sich im Austausch mit anderen Hilfesuchenden bestätigt - ist entscheidend, sich bewusst zu sein oder zu werden, wovon man eigentlich weg will. Der Leidensdruck muss sozusagen groß genug sein, um es tatsächlich angehen zu wollen und dabei erfolgreich zu sein.

    Als ich hier im Oktober 20 aufschlug, konnte ich mir nicht vorstellen, dass ein Leben ohne Alkohol tatsächlich ein schönes Leben sein könnte. Ich hatte nur diesen Verzichtsgedanken im Kopf, das heißt, was ich alles aufgeben müsste.

    Ich hab dann an dem Gedanken gearbeitet, dass ich nicht verzichte, sondern mich von etwas befreie. Ich konnte ja noch nicht wissen, wie angenehm ein Leben ohne Alkohol sein würde.

    Heute und schon eine ganze Weile geht’s mir nahezu so, dass ich mich frage, warum die Menschen überhaupt so wild auf Alkohol sind. Ohne ist es doch so viel schöner. Ich kann alles, was ich mir vom Alkohol versprochen habe, ohne dieses Hilfsmittel Alkohol. Ich kann richtig Spaß haben, feiern, tanzen, albern sein, mich entspannen, den Feierabend und das Wochenende genießen und das gänzlich ohne lästige, unangenehme Nebenwirkungen. ;)

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo May,

    ich gehe mal auf das eine oder andere ein, vielleicht kannst du damit etwas anfangen.

    Du erzählst von diesem Sog. Einen solchen habe ich erlebt, als ich noch getrunken habe und mein Problem vor mir verleugnet habe bzw. einfach nicht sehen wollte oder konnte.

    Ich hätte zu dem Zeitpunkt nicht an „Suchtdruck“ gedacht, denn ich war ja noch überzeugt, kein Problem zu haben, sondern meinen Konsum selbst noch kontrollieren zu können.

    Ob das schon „Suchtdruck“ ist oder nicht, spielt letztlich eigentlich keine Rolle. Fakt ist aber, dass du deine eigenen Vorsätze immer wieder mehr oder minder ungewollt brichst.

    Im engeren Sinne wird meiner Erfahrung dieser Begriff „Suchtdruck“ gebraucht, wenn man sich tatsächlich schon bewusst ist, Alkoholiker zu sein, abstinent leben will und plötzlich aus mehr oder minder heiterem Himmel ein nahezu unerträgliches Verlangen aufkommt, sich Alkohol besorgen und trinken zu müssen.

    Es gibt einen Faden im Infobereich, der sich mit diesem Thema beschäftigt, vielleicht hast du ihn schon entdeckt.

    Mir selbst hat geholfen, mich näher mit der Neurobiologie des Gehirns zu beschäftigen, um zu verstehen, was da eigentlich im Kopf abgeht. Das machte das, was da mit mir so abgeht, nachvollziehbar und bot mir Punkte, an denen ich ansetzen konnte.

    Kurz zusammen gefasst, hat dieser Sog, den du immer wieder erlebst, etwas mit dem sogenannten Belohnungszentrum im Kopf zu tun. Alkohol sorgt für eine Ausschüttung bestimmter Botenstoffe und zwar in einem viel größeren Maß, als das auf natürliche Weise zu erreichen ist. Und das Tolle daran, was sich dein Belohnungszentrum merkt, ist, dass du NIX dafür tun musst außer Alkohol zu konsumieren. Die ganzen Schattenseiten blendet es vollkommen aus, die haben mit ihm ja auch gar nichts zu tun. Die Aussicht auf die Belohnung lässt dich wie ferngesteuert, immer wieder zum Alkohol greifen.

    Zu deiner Frage: Ja, auch du könntest es schaffen, dem Ganzen zu entkommen und dem Sog zu widerstehen.

    Wie? - Nun, den ersten Schritt hast du gemacht: Du hast dir eingestanden, dass du ein Problem hast und dich hilfesuchend an dieses Forum hier gewandt.

    Im nächsten Schritt wird’s darum gehen, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen, und dir darüber klar zu werden, was DU eigentlich willst. Willst du weiterhin versuchen, deinen Konsum unter Kontrolle zu bringen, oder geht’s in eine andere Richtung?

    Mir selbst wurde, als ich hier vor bald drei Jahren aufgeschlagen bin, durch den Austausch mit anderen bewusst, dass ich’s eigentlich nicht mehr kontrollieren kann. Ich kannte mich inzwischen gut genug, um mir sicher zu sein, dass der Versuch, es kontrollieren zu wollen, ein so großer Kraftakt für mich wäre, dass ein regelmäßiges Scheitern zu erwarten war. Mir war klar, dass es für MICH die bessere Entscheidung wäre, es ganz bleiben zu lassen.

    Ich las etwas von zufriedener Abstinenz und das schien mir mit einem Mal so verlockend, dass ich da hin wollte. Dass ich weg wollte, von dem, was war. Ich war zuletzt übrigens auch bei 2 Flaschen Wein pro Abend, kurz bevor ich mich hier anmeldete, waren‘s sogar mehr.

    Das war jetzt schon ein etwas längerer Text. Ich hoffe, nicht zu lang.

    Viele Grüße und gutes Ankommen hier (eine Weile ist das Forum ja noch da)

    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, May,

    nein, allein bist du mit deinem Problem in der Tat nicht.

    Diese „Geschichte“ mit dem zu viel trinken, kommt mir ziemlich bekannt vor. ;)

    Du schreibst, dass du dir schon mehrfach vorgenommen hast, keinen Alkohol zu trinken, deinen Vorsatz aber nicht einhalten konntest. - Wie war das denn so bei dir, was hat dich deinen Vorsatz immer wieder über Bord werfen lassen? - War es so etwas wie Suchtdruck oder hattest du dich im Kopf noch nicht wirklich vom Alkohol verabschiedet?

    Meine eigene Erfahrung war, als ich meine Vorsätze, nicht oder weniger oder kontrolliert Alkohol zu trinken, nicht eingehalten habe, dass ich mich vom Alkohol eigentlich gar nicht verabschieden wollte. Bevor ich Ende Oktober 20 hier aufschlug und auch noch in der ersten Zeit nach meiner Anmeldung hier, habe ich mir ein zufriedenes, glückliches Leben ohne Alkohol gar nicht vorstellen können und wollen.

    Hinweisen möchte ich dich unbedingt auf die Gefahren eines sogenannten „Kalten Entzugs“. Wenn du regelmäßig Alkohol getrunken hast, ist ein völliger Entzug nicht ganz ungefährlich. Achte bitte auf dich und suche, wenn’s ernst werden sollte, einen Arzt auf. Hier findest du Informationen zu Entzugserscheinungen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Der Faden ist schon etwas älter, aber im Grunde ist er zeitlos. ;)

    In diesem Sommer ist dieser alkoholfreie Cocktail unser Favorit:

    Wir haben ihn „LiMiGi“ getauft:

    Zutaten:

    1 Bio-Limette

    Frische Blätter von Marokkanischer Minze oder Pfefferminze

    1/2 Tl brauner Zucker

    Ginger Ale

    Eiswürfel

    Zubereitung:

    Limette in Spalten oder Scheiben schneiden und ins Glas geben. Dazu Minzblätter und Zucker.

    Mit einem irgendwie geeigneten Werkzeug stampfen, damit Saft und Aromen austreten. Durchmischen und mit Ginger Ale und Eiswürfeln auffüllen.

    Hallo Majpb,

    ich sehe dich zwischendurch immer mal wieder online.

    Gerne darfst du mit uns teilen, wie die bisherigen Antworten bei dir angekommen sind und/ oder was dich beschäftigt. Ganz kurz oder auch etwas länger. Natürlich darfst du auch schreiben, wenn dich etwas/ eine Antwort überfordert oder du etwas erst sacken lassen musst oder oder oder.

    Grüße

    AmSee

    Was du tun kannst?

    Greenfox hat dir da am Ende seines Beitrags einen guten Tipp gegeben.

    Für IHN kannst du nicht sorgen, aber für DICH und damit auch für deine Kinder.

    Es kann unheimlich hilfreich sein, mit anderen Angehörigen von Alkoholikern in einer Selbstgruppe zu sprechen. Sei es über (unberechtigte) Schuldgefühle, sei es, wie die Kinder reagieren und wie du mit ihnen darüber reden kannst und das Problem erklären.

    - Achte, wenn möglich darauf, dass er deine Kinder nicht sprechen kann. Aus eigener Erfahrung mit meinem Vater, der Alkoholiker war und regelmäßig abgestürzt ist, habe ich noch sehr gut in Erinnerung, wie manipulativ ein Alkoholiker sein kann. Mein Vater hat uns Kinder benutzt, um seine Ziele zu erreichen. Er hat das nicht böse gemeint, aber als nasser Alkoholiker ist man emotional außerordentlich instabil und nicht selten hält der Alkoholiker sich selbst für das Opfer.


    Es geht beim Austausch in einer Selbsthilfegruppe nicht nur darum, das Ganze rational - vom Kopf her - zu klären, sondern auch emotional. Eine Selbsthilfegruppe vor Ort kann da eine sehr wichtige Ressource sein.

    Hallo Majpb,

    Willkommen in unserem Forum.

    Ich überlege die ganze Zeit, weil ich mich schuldig dafür fühle, ein Gespräch mit ihm zu suchen, in der Hoffnung dass ich noch zu ihm durchdringen kann, weiß aber nicht genau, ob es die Sache nicht noch schlimmer macht, wieder den Kontakt zu ihm zu suchen.

    So, wie du eure Beziehung geschildert hast, würde es mich kaum wundern, dass du Schuldgefühle verspürst, denn du hast dich während eurer Beziehung sehr „für ihn reingehängt“.

    Du hast viele Gespräche mit ihm geführt, weil er u.a. das Defizit hat, nicht über seine Gefühle sprechen zu können, und weil er offensichtlich schon vor eurer Beziehung ein Alkoholproblem hatte, aus dem du ihn mit vielen Gesprächen usw. herauszuhelfen versuchtest.

    Was du beschreibst, klingt jedenfalls nicht nach einer Beziehung von zwei tatsächlich erwachsenen Menschen. Ich nehme bei dem, was du beschrieben hast, eher ein sehr deutliches Gefälle wahr. Du hast dich um ihn gekümmert, hast Termine bei Ärzten für ihn gemacht, dort für ihn gesprochen. DAS ist eine Verantwortung, die Eltern für ihre Kinder übernehmen.

    Es ist durchaus nachvollziehbar, dass du in diese Rolle hineingerutscht bist. So etwas passiert vielen, die mit einem in gewisser Weise hilfsbedürftigen Partner zusammenkommen.

    Falls du dich näher mit dem Thema beschäftigen möchtest, empfehle ich dir das Thema „Co-Abhängigkeit“.

    Nur ist dein Ex eben kein Kind mehr, für das ein anderer Erwachsener die Verantwortung übernehmen müsste, sondern ein erwachsener Mann. Und selbst WENN du die Verantwortung übernehmen würdest, macht er als Erwachsener trotzdem das, was er will, und das geht mitunter in eine ganz andere Richtung. Als Erwachsener ist und bleibt dein Ex für sich selbst verantwortlich und er trifft ja durchaus SEINE Wahl. Du trägst keinerlei Verantwortung für ihn und du musst das auch nicht.

    Auch wenn es unheimlich schwer ist, ihm beim Abstürzen zuzusehen, aber erstens dürftest du bei allem, was da bislang geschehen ist, nicht die richtige Gesprächspartnerin sein, und zweitens lässt sich leider niemand, der Alkohol trinken will, der darin seine „Medizin“ sieht, dauerhaft davon abbringen.


    Es mag durchaus sein, dass er sehr an deinen Kindern hängt, jedoch dürfte dich dein Bauchgefühl nicht trügen, deine Kinder da raus zu halten und es nicht zum erneuten Kontakt kommen zu lassen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo BT,

    ich hab dein Thema aus der „Erstinformationen“-Rubrik unter die Rubrik „Aktuelles“ verschoben. Dort geht es eher hin.

    Deine Frage wurde schon von anderen beantwortet.

    Für dich stellt sich nun die Frage, wie du damit umgehst bzw. umgehen kannst.

    Grüße

    AmSee

    Ähnlich wie bei Susanne ist auch bei mir das Leben nicht immer eitel Sonnenschein. Mitunter geht’s mir mies, habe ich schlechte Laune, fühle ich mich unwohl, habe Stress, zeigen sich meine Erkrankungen mehr oder minder ausgeprägt.

    Was ich weiß, ist, dass Alkohol nichts daran ändern würde, dass es mir mit Alkohol nicht besser gehen würde. Das, was ich unter Alkoholeinfluss zuletzt in meinem Körper und meiner Psyche spürte, ist unvergessen. Und das, was ich während der Abstinenz in meinem Körper spüren durfte, hat Bände gesprochen.

    Und zusätzlich will ich schon dieses erste Empfinden des Kontrollverlusts, das sich schon nach den ersten Schlucken Alkohol, besonders Sekt, im Kopf einstellt, nie wieder spüren.

    Ich lebe nicht in dem Empfinden auf etwas „Schönes“/ einen „Freund“ verzichten zu müssen. Alkohol fehlt mir überhaupt nicht.

    Vielleicht unterliegen nahezu alle Menschen auch nur der riesigen Illusion und reden sich wechselseitig ein, dass wir alle dem süßem Gesang der Sirenen folgen müssten?

    Vielleicht ist das Leben pur ja gar nicht so doof, wie's gemeinhin unterstellt wird?

    Uns hat's ja anscheinend durchaus positiv überrascht.

    Meine eigene Vermutung geht in diese Richtung, wobei ich mich niemals zum Propheten wider den Alkohol aufspielen würde oder dies auch nur möchte.

    Es wird ja nicht konsequenterweise jeder, der sich mit dieser „Sirene“ einlässt, gleich zum Alkoholiker.

    Es gibt ja tatsächlich nicht gerade wenige Menschen, die tatsächlich problemlos Alkohol trinken können. Die trinken dann mal ein oder vielleicht auch ein paar mehr Gläser, aber dann bleibt es auch dabei, in der Zeit, in der sie nicht trinken, denken sie gar nicht an den Alkohol, er spielt für sie überhaupt gar keine Rolle. Solche Leute entwickeln, warum auch immer, keine Sucht.

    Und dann gibt es eben solche Menschen wie mich, die anfällig sind, eine Sucht zu entwickeln.

    Interessant fand und finde ich persönlich, was in dem Vortrag zum Anhören, „Der Untergang der Titanic“, von Prof. Lindenmeyer von der Salus-Klinik in Lindow angeführt wird. Demnach beeinflussen offenbar klare gesellschaftliche Regeln für den Konsum von Alkohol, ob es in einem Land mehr oder weniger Alkoholiker gibt. Die, die anfällig wären, eine Alkoholsucht zu entwickeln, werden trotzdem nicht süchtig, weil die Regeln das gewissermaßen verhindern.

    Es mag eine riesige Illusion sein, dass Alkohol zum Leben dazu gehöre, aber ich erinnere mich gut, dass ich mir von dieser Illusion einiges versprochen habe und eine Weile auch davon profitierte. Ich bin glücklicherweise nie dahin gekommen, dass ich irgendetwas, was ich unter Alkoholeinfluss getan hätte, bereuen müsste. Ich hatte durchaus meinen Spaß, meine wilden Jahre. Und ich kann mich auch heute noch gut mit den Menschen unterhalten und mit ihnen lachen, wenn’s um alkoholschwangere Anekdoten geht.

    Bei MIR kam halt irgendwann der Punkt, dass ich nicht mehr profitierte und mir allmählich klar wurde, dass ich so nicht mehr weitermachen kann. Und ich würde sogar behaupten, dass ich erst da, weil ich leben und nicht untergehen wollte, bereit für einen anderen Weg war. Möglicherweise war ich das vorher nicht oder konnte das nicht. Ich weiß es nicht und es ist mir auch nicht wichtig, das zu wissen.

    Vielleicht trifft's eine Aussage von Susanne aus Oktober 2020 ganz gut: "Und heute kann ich feiern und auch den Sonnenuntergang bei Saft genießen. Ohne drüber nachzudenken, ob ich ein Problem habe oder mir hinterher irgendwelche Selbstvorwürfe zu machen. Genuss ohne Reue. Ich bin heute gefühlsmäßig da, wo ich mit dem Trinken immer hin wollte."

    Als ich Ende Oktober 2020 hier aufschlug, war es u.a. Susanne, die mir geantwortet hat. Ich hab nicht nachgesehen, aber das Zitat könnte aus meinem damaligen Faden stammen. Und weil ich da stand, wo ich eben stand, war ich bereit, diesen Weg auszuprobieren und hatte definitiv ein Interesse zu etwas zu kommen, was ich mir bis dahin nicht mal im Ansatz vorstellen konnte.

    Und heute bald drei Jahre später kann ich sagen, dass es mir genau so geht, wie Susanne das damals beschrieben hat.

    Ob ich ohne meinen Umweg dorthin gelangt wäre? 🤷‍♀️ Ich weiß es nicht.


    Ob ich meine MS hätte verhindern können, wenn ich nicht Alkohol getrunken hätte und nicht geraucht hätte? Keine Ahnung! Vielleicht, vielleicht auch nicht. Sie könnte auch ausgebrochen sein, weil ich nahezu mein ganzes Leben lang unter Dauerstress gestanden habe, stets weit über meine eigenen Grenzen gegangen bin und trotz einiger Bemühungen nicht in der Lage war, Selbstfürsorge zu betreiben und vor mir selbst zu vertreten.

    Ich hab diesen Gedanken, dass ich selbst für den Ausbruch meiner Erkrankungen verantwortlich war, mal gehabt. Mein Arzt erwiderte darauf, dass dieser Ansatz wenig hilfreich sei und es auch so dies und das gäbe, was dagegen spräche.

    Es ist also müßig, sich solche Fragen zu stellen und ich stelle sie mir auch nicht mehr, sondern kümmere mich JETZT darum, dass es mir möglichst nicht schlechter, sondern besser geht.

    Krankheit als Chance.

    Und so, wie sich der Zustand meines Körpers und meiner Psyche trotz chronischer Erkrankungen unter der Abstinenz gebessert haben - Hätte mir das vorher nie so vorstellen können! - habe ich selbst nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Das, was ICH mir vom Alkohol versprochen habe, kriege ich vergleichsweise sogar besser ohne hin, nachhaltiger und ohne unangenehme Nebenwirkungen.

    Essen & Sex sind in Sachen alkoholforum.de/attachment/44/Dopaminausschüttung chancenlos -

    zumindest dann, wenn man mit einem kurzen Leben zufrieden ist

    Jetzt nur mal kurz dazu. - Um auf das andere einzugehen, brauche ich mehr Zeit und Muße. -

    Da du die Dopaminausschüttung ansprichst. Das Interessante ist dabei für das sogenannte Belohnungszentrum ja auch noch, dass im Falle von Alkohol, Nikotin und Drogen nicht für die Dopaminausschüttung „gearbeitet“ werden muss, einfach rein damit und binnen Sekunden geht die Party ab. Daher ist deren Abhängigkeitspotential so hoch.

    Dummerweise ist die Neurobiologie unseres Gehirns mit dieser Party, mit dieser Dopamin-Überschwemmung völlig überfordert. Und werden nach und nach weitere Dopamin-Rezeptoren gebildet, um mit einer solchen Überschwemmung klarzukommen.

    Die Folgen sind dann, dass

    - du erstens die Dosis erhöhen musst, um wieder so ne Party empfinden zu können,

    - du zweitens wegen der vermehrten Rezeptoren mit dem körpereigenen Dopamin, das du auf natürlichem Wege ausschüttest, keinen Blumentopf mehr gewinnst, d.h. weniger bis gar nicht positives Empfinden erreichst,

    - dein Körper drittens u.U. sogar die eigene Produktion von Dopamin runterfährt bis gänzlich einstellt.

    Muss ja jeder selber wissen, ob er sich darauf einlässt… ;)

    Hallo Mara

    Ich muss ganz offensichtlich etwas an meinem Alltag ändern.

    Ich weiß das alles, habe viele Bücher zum Thema gelesen, aber immer wieder komme ich an diesen Punkt, wo das alles was ich weiß, nicht mehr zählt und ich mich mit Alkohol abschalten muss.

    Ich habe auch viel dazu gelesen und das hat mir durchaus etwas geholfen, nur ist Wissen das eine, das tatsächliche Umsetzen dessen, was man weiß, und sich darin zu üben nochmals ne ganz andere Hausnummer.

    Wie ist das denn bei dir, setzt du dich selbst womöglich zu sehr unter Druck, überforderst du dich? Staut sich da nach und nach etwas an oder sind es unerwartete Ereignisse von Außen, die einfach zu viel werden?

    Nach meiner eigenen Beobachtung kann ich, seit die Depressionen schließlich ausgebrochen waren, nicht mehr so über meine Grenzen gehen wie früher, im Gegenteil setzen Körper und Psyche mir engere Grenzen, wenn ich mich überfordere. - Und ich bin nahezu mein ganzes Leben IMMER über meine Grenzen gegangen, ich hab mich herzlich wenig um MICH und meine eigenen Bedürfnisse gekümmert. -

    Positiv betrachtet hat mich meine Erkrankung dazu gebracht, meine Grenzen kennenzulernen, besser und langfristiger für MICH zu sorgen und überhaupt erstmal MEIN eigenes Tempo zu finden.

    Ich stell dir mal ein paar Fragen. Du musst sie nicht mir beantworten, es reicht, wenn du sie für dich beantwortest. Falls du allerdings Fragen haben solltest, nur heraus damit!

    Wie sorgst du denn bislang für dich?

    Wie entspannst du dich? Wendest du regelmäßig eine oder mehrere Entspannungsübungen an?

    Wie gehst du mit Stress um, mit Stress allgemein und mit bestimmten Stressoren?

    Hast du Skills für bestimmte Levels von Anspannung kennengelernt? Wendest du diese regelmäßig an?

    Bis hier erstmal.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Fortune,

    Danke für das Kompliment, lass dich von dieser „Liga“ aber nicht abschrecken, dich einzubringen. 😉

    Nun zu deinem Gedankenexperiment:

    Wenn ich all das Wissen, das ich JETZT habe, tatsächlich mit 35 Jahren schon genau so gehabt hätte, würde ich nicht trinken.

    Mein Mann zum Beispiel, zwar keine 35, sondern 52, hat nie nennenswert Alkohol konsumiert und er dürfte tatsächlich auch kein Suchtgedächtnis haben. Der könnte problemlos Alkohol konsumieren, aber der hat gewissermaßen mit mir dazugelernt. Ich hab mein ganzes Wissen, das ich mir so nach und nach erarbeitet habe, mit ihm geteilt. Er hat das letzte Mal Ende Dezember 2021 Alkohol getrunken - Das war, als er sich mit Freunden beim Griechen getroffen hatte und, weil man das so eben so macht, den einen Ouzo aufs Haus getrunken hatte. Die Wirkung hat er als so unangenehm empfunden, dass er keinen Bedarf und kein Interesse mehr verspürte, jemals wieder Alkohol trinken zu wollen. Wann immer ihm etwas angeboten wird, lehnt er ab und kommuniziert, dass er keinen Alkohol mehr trinken möchte.

    Obwohl er zweifellos nie Alkoholiker war, habe ich ihn in seinem ersten abstinenten Jahr dieselben Beobachtung aussprechen hören, die auch ich gemacht hatte.

    Dein Gedankenexperiment ist ansonsten aber schwierig, denn ich selbst hätte mir das Wissen nicht angeeignet, wenn ich nicht an meinen Tiefpunkt gelangt wäre. Ich steckte einfach zu tief in dem, was ich heute Gehirnwäsche nenne, drin.

    Ich vermute, dass Rekonvaleszent, weil auch er erst seine Erfahrungen machen musste und davon geprägt wurde, sich deshalb auch nicht auf dein Gedankenexperiment einlassen kann.

    Als Alkoholiker ist dieser Zustand, den du beschreibst, nicht mehr zu erreichen und es dient unter Umständen auch dem Selbstschutz, sich gar nicht mit solchen Gedankenspielen zu beschäftigen.

    Herzliche Grüße

    AmSee

    Hallo und herzlich Willkommen, Mara.

    Ich fange mal mit deiner letzten Frage an:

    Kennt ihr das Gefühl, nach einiger abstinenter Zeit plötzlich jenseits aller Vernunft wie ferngesteuert zu sein und Alkohol zu besorgen?

    Ja, kenne ich, wobei ich mir dessen zu dem Zeiten, als das bei mir so wahr und glaubte, meinen Konsum noch unter Kontrolle zu haben, nicht wirklich bewusst war.

    Ich selbst, 50, w, leide ebenfalls seit vielen Jahren unter Depressionen und nehme derzeit auch noch immer Antidressiva. Ob ich jemals ohne auskommen werde, lässt sich derzeit noch nicht absehen, auch wenn es mir, seit ich Ende Oktober 2020 abstinent geworden bin, psychisch sehr, sehr viel besser geht. Auf meine „Bedarfs-Medikation“ habe ich schon seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr zurückgreifen müssen. Ich war wegen der Depressionen vor ein paar Jahren ebenfalls in einer Klinik und zwar für vier Monate. In jener Zeit und noch in den Monaten danach habe, ich nicht getrunken, u.a. wegen der Antidepressiva. Dann aber habe ich doch wieder langsam mit den Konsum begonnen, weil ich das für vertretbar hielt. Mein behandelnder Neurologe/Psychiater wusste das, mein Alkoholkonsum war immer mal wieder Thema, aber untersagt hat er mir den Alkoholkonsum nicht.

    Nach und nach wurde mein Konsum immer mehr, ich glaubte aber, das kontrollieren zu können und trotz „riskanten“ Konsums noch im vertretbaren Bereich zu sein. Bis es mir selbst dann doch mehr als nur einmal unheimlich wurde, weil ich viel mehr trank, als ich vor mir selbst noch vertreten konnte und immer wieder in einen Zustand gelangte, in dem ich mich erschlagen, erschöpft und furchtbar müde fühlte. Der angenehme, stimmungsaufhellende, antriebssteigernde Zustand ließ sich nicht halten, es kippte zuletzt immer um. Ich hab unter Alkoholeinfluss häufig Suizidgedanken gehabt.

    Ja, du bist mit deinen Fragen und deinem Anliegen hier durchaus richtig, auch wenn die wenigen aktiven Nutzer hier allesamt schon eine ganze Weile trocken sind.

    Ich vermute einfach mal aufgrund meiner eigenen Erfahrungen, dass du zuhause vermehrt Alkohol trinkst oder Suchtdruck erlebst, weil du dich zu vielen Reizen ausgesetzt fühlst. Mit Depressionen zu leben ist alles andere als einfach. Wie ist das bei dir, fühlst du dich mitunter überfordert zuhause, triggert dich da was?

    Alkohol kommt ja, wenn man diese Wirkung einmal richtig kennengelernt hat, gerne als sogenannter Wohltäter daher. Bei Depressionen ein höchst effektives „Medikament“. Kein Antidepressivum wirkt so schnell und so effizient.

    Nur ist Alkohol kein guter Wohltäter und definitiv kein „Medikament“. Aufgrund seiner Wirkung, die sich binnen Sekunden nach dem Konsum auf das Belohnungszentrum auswirkt, merkt sich dein sogenanntes Belohnungszentrum die positive Wirkung, nicht aber die Schattenseiten, die sich irgendwann einstellen. Deshalb wird es dir diese Super-Lösung immer wieder anbieten.

    Ich selbst war nicht in einer Suchtklinik, deshalb kann ich dir dazu nichts sagen. Vielleicht kann das jemand anderes hier, der selbst in einer Suchtklinik“ gewesen ist.

    Was du aber dort lernen kannst, sind u.a. andere tatsächlich hilfreiche Coping-Strategien (= Bewältigungsstrategien) und noch zweifellos noch einiges mehr. In einem seiner Vorträge zum Anhören erklärt Professor Lindenmeyer von der Salus-Klinik in Lindow, was unter „Therapie“ zu verstehen ist. Vielleicht hilft dir diese Information etwas weiter.

    Viele Grüße

    AmSee