Nachtrag:
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht mir in meinem letzten Beitrag nicht darum, dich fertig zu machen. Das ist meine Sache nicht und das steht mir meines Erachtens auch gar nicht zu. Wenn du aber ehrlich zu dir selbst bist, bist du schon fertig.
Bei dem, was du von dir erzählst, zeigst du ganz deutliche Züge von „Co-Abhängigkeit“, aber letztlich ist das nur ein Begriff. Was das eigentlich bedeutet und welche Konsequenzen das für dich hat, wirst du selbst inhaltlich für dich füllen müssen, um ggf. die Konsequenzen ziehen zu können.
Meine direkten Fragen an dich stelle ich dir nicht ohne Grund. Du musst sie übrigens nicht hier beantworten, es reicht vollkommen, wenn du sie für dich selbst beantwortest.
Co-Abhängigkeit ist im Grunde genauso mies, wie alle anderen Abhängigkeiten. Und prinzipiell ist es genauso schwer, sich daraus zu lösen, wenn man erstmal da hineingeraten ist.
Rent hat dir soeben geschildert, wie seine Innensicht als Alkoholiker war. Wenn du hier andere Beiträge im Angehörigen-Bereich liest, dürftest du auf ähnliche Beiträge stoßen.
Auch ich habe meinen Partner als eine Art „Feind“ wahrgenommen, als ich noch getrunken habe und er mir seine Besorgnis mitgeteilt hat.
Gleichzeitig erhoffe das die Ärztin durch die Blutwerte auf das Alkoholproblem aufmerksam wird, und vielleicht helfen kann, ist das naiv? Ich spiele mit dem Gedanken selbst zu der Hausärztin hinzugehen, um ein Gespräch zu suchen, keine Ahnung ob das was bringt.
Setzen wir das Gedankenspiel doch mal fort.
Stell dir vor, was passiert, wenn du zur Ärztin gehst und ihr sagst, dass deine Freundin Alkoholikerin ist.
(Wenn sie schon länger bei jener Ärztin ist und diese nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, dürfte nicht unwahrscheinlich sein, dass diese etwas ahnt. Auch die Blutwerte könnten auf Alkoholabusus hindeuten. Was würde es aber helfen, dass anzusprechen, wenn keine Krankheitseinsicht da ist? - Wenn’s ihr unbequem wird, wird deine Freundin u.U. einfach den Arzt wechseln. Hätte ich übrigens so gemacht, s‘ ist bei mir nur nicht mehr so gekommen, weil mein Arzt in den Ruhestand gegangen ist, und der nächste mich systembedingt gar nicht richtig kennenlernte.)
Glaubst du, dass das für deine Freundin der entscheidende Hinweis ist, der zur Krankheitseinsicht und zum Umsetzen entsprechender Konsequenzen führt?
Deine Freundin weiß im Grunde doch schon längst, dass da bei ihr was nicht stimmt, aber sie unternimmt nicht ernsthaft was dagegen. Sie schützt vor ihrer Ärztin „mal wieder starke Magenprobleme (Durchfall, erbrechen)“ vor, verschweigt den Alkoholkonsum.
Ganz ehrlich, deine Freundin will doch gar nichts ändern.
Selbst wenn deine Freundin ärztlicherseits auf Entzug gesetzt würde, wird sich langfristig nichts bei ihr ändern, solange sie nicht von sich aus eine Entscheidung trifft und die entsprechenden Konsequenzen zieht.
Wenn du mit der Ärztin sprechen solltest, nimmst du deine Freundin ein wenig aus ihrer Komfortzone. Das wird ihr nicht gefallen, aber es ist derzeit äußerst fraglich, ob sich dadurch irgendetwas ändert.
Ich kann das nachvollziehen, dass du Angst um deine Freundin hast. Deine Ängste sind ja auch nicht unberechtigt. Nur kannst DU sie auf Dauer nicht vor sich selbst bewahren.
Du darfst sie lieben, aber dann liebe sie so, wie sie ist, und lass sie IHREN Weg gehen. Dazu gehört u.U. auch, sie loszulassen.
Niemand sagt, dass das leicht ist. Leicht ist das nicht. Doch es wird dir auf Dauer nicht gut tun, wenn du so weitermachst wie bisher.
Wenn’s dir hilft, darfst du hier durchaus alle deine Fragen stellen. Vielleicht findest du für DICH ein paar hilfreiche Antworten.