Beiträge von AmSee13

    Hallo Mia,
    lass dich von mir, wenn du das magst, einfach mal virtuell tröstend in den Arm nehmen.

    Im Grunde kommt da für dich gerade einiges zusammen, was dich verständlicherweise im Moment überfordert und dir zusetzt:

    Da ist die Erfahrung, dass vor deinem Traumagefühl offenbar doch nicht so sicher warst, wie du geglaubt/ gehofft hattest.

    Da ist das Traumagefühl selbst, das unerwartet aufgebrochen ist.

    Da ist die Erfahrung des Rückfalls an sich, die eine ganze Reihe von unangenehmen Gefühlen, Gedanken, möglicherweise auch negativen Glaubenssätzen nach sich zieht.


    Verständlicherweise fühlst du dich niedergeschlagen.



    Lass dir von mir aber Mut machen und deine Perspektive ein wenig verändern.

    Betrachte diese Erfahrungen als Chance.

    Du weißt nun etwas, was du vorher nicht wusstest bzw. was dir vorher nicht bewusst war.
    Nun kannst du dich entsprechend anpassen und ggf. Vorsorge treffen.

    Dieses Mal ist dir mehr als bewusst, dass ein Alkohol-Pflaster nicht wirklich hilft.
    Diese Lernerfahrung kann dir in Zukunft von Nutzen sein.

    Du weißt du nun, dass es nicht nur der Alkohol war, der die Tür zu deinem Trauma durchlässig gemacht hat.
    Das klingt und wirkt womöglich erstmal beängstigend auf dich, aber es bietet sich dir damit auch eine Chance, geeignete Wege zu finden, das Trauma zu bearbeiten und nicht hinter einer Tür zu verschließen.


    So stark und tatsächlich mutig, wie ich dich hier wahrnehme, wirst du deine Wege finden, das zu bewältigen.

    Bis du das zu deiner vollkommenen Zufriedenheit erreicht hast, mag es noch ein bisschen dauern, aber nüchtern hast du die Chance dafür, mit Alkohol hast du sie nicht.


    Welche Werkzeuge, die du während deiner Therapie gelernt hast, könnten dir jetzt helfen?


    Mir hat häufig geholfen, meinen sogenannten „sicheren Ort“ aufzusuchen. An einem dieser Orte, der für ein ganz bestimmtes Ich von mir geschaffen wurde, befindet sich ein Wesen, das für mich sorgt.

    Auch meine beiden Hündinnen helfen mir sehr, sehr oft.

    Das nur so als Beispiele. Du wirst gewiss eigene Werkzeuge haben.


    Liebe Grüße

    AmSee

    Da bin ich wieder. 🙋‍♀️

    Ich nehme dir das voll ab, dass du die Tage vorher gar nicht an Alkohol gedacht hast, dass du’s nicht hast kommen sehen.

    Tatsächlich aber steckst du, wie du das selbst beschreibst, schon eine Weile in einer ziemlich unausgewogenen Lebenssituation. Das sind Situationen, die für keinen, egal ob suchtkrank oder nicht, leicht zu ertragen sind. Wir alle streben nach einem ausgewogenen Leben, das liegt in unserer Natur.

    Kommt dann noch eine sogenannte Risikosituation hinzu, kann‘s zu einem Rückfall kommen. Bei dir kam da gestern offenbar so einiges zusammen.


    In Situationen, die uns besonders fordern, wenden wir Bewältigungsstrategien an, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben.

    Nicht immer sind das tatsächlich die besten Bewältigungsstrategien. 🤷‍♀️

    Du bzw. dein Gehirn, dein Belohnungszentrum, dein Suchtgedächtnis kennt die Wirkung von Alkohol und du hast Alkohol als „Bewältigungsstrategie“ angewandt.

    Da deine andere Strategien gestern nicht überzeugend, nicht tragfähig genug waren, war es naheliegend, dass sich dir dieser Weg aufgedrängt hat. Dass der zunächst wie gewünscht funktioniert, wissen alle, die diesen Weg einmal beschritten haben.

    Wenn so ein Gedanke wie „Das trinke ich jetzt“ einmal da ist, dann hat der so eine Sogkraft, wie du das beschreibst.

    Ich hab das auch schon so erlebt, bin damit aber im Zusammenhang mit Nikotinmissbrauch noch vertrauter.

    Tatsächlich war auch mir dann alles vorher Erarbeite so ziemlich egal, bzw. war ich vollkommen bereit, das alles über Bord zu werfen. Du beschreibst das mit dem Bild eines Vertrages ziemlich genau. Mir persönlich war in solchen Situationen sprichwörtlich die Jacke näher als die Hose,

    Das hat dann mit Vernunft gar nichts mehr zu tun. Im Grunde läuft da in unserem Gehirn ein ganz anderes Programm ab, gesteuert von den Botenstoffen, die das Belohnungszentrum ausschüttet. Die Aussicht auf Belohnung reicht schon aus, um diese Botenstoffe auszuschütten.

    Sich dem DANN noch zu entziehen, ist kaum mehr möglich, insbesondere nicht, weil man aufgrund seiner unausgewogenen Lebenssituation eh angeschlagen ist.

    Wenn du das Suchtmittel dann konsumiert hast, ist, so auch meine eigene Erfahrung, kein Halten mehr.

    Danach tritt der sogenannte Rückfallschock ein und mit ihm all diese negative Glaubenssätze.

    Was für schöne Titel man dem Alkohol so geben kann: „Freund“, „Helfer in der Not“, „Seelentröster“, „Pflaster“ usw.

    Ich greife von diesen „schönen“ Titeln für Alkohol mal das Bild des „Pflasters“ auf, weil sich damit gut etwas veranschaulichen lässt.

    Pflaster sollen eigentlich dazu da sein, dass eine Wunde heilt.

    Wie ist das aber mit der Wunde unter dem „Alkohol-Pflaster“, heilt die?


    Bis hierin erstmal.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Ps wie bescheuert!!! Da überstehe ich Weihnachten und Silvester, um mir nach fast drei Monaten an einem Sonntagabend, vor einem anstrengenden Arbeitstag so die kannte zu geben….

    Mach dich jetzt nicht klein. Passiert ist passiert. Das sind eben so „Spielereien“ / Tricks eines üblichen Suchtgedächtnisses. 🤷‍♀️

    Positiv betrachtet, kannst du viel daraus lernen. 💪

    Hallo Mia,
    find ich voll stark deine Offenheit und Ehrlichkeit dir selbst und uns gegenüber. Mir jedenfalls signalisiert das auch, wie viel Vertrauen du in uns hast, dass du dich uns so offen und ehrlich zeigst.

    Damit hast du aber auch eine Basis geschaffen, auf der wir bei deiner Hilfe zur Selbsthilfe ernsthaft ansetzen können. Denn, glaub mir, was du da über dich schreibst, ist dem einen oder anderen hier nicht unbekannt. Hat er/ sie so oder so ähnlich selbst erlebt.

    Ich teile diesbezüglich gerne meine eigenen Gedanken und Erfahrungen mit dir, komme aber erst später dazu.

    Jetzt, zu diesem Zeitpunkt halte ich es gar nicht für so wichtig, den Gründen, warum das gestern passiert ist, auf die Spur zu kommen. Möglicherweise ist das jetzt gerade sogar kontraproduktiv, weil’s dich kleiner macht, als du eigentlich bist, weil’s zu Selbstvorwürfen u.ä. führen könnte und wieder Druck erzeugt. Um die Gründe darfst du dich später kümmern, wenn der Zeitpunkt passender ist und du dich stabilisiert hast.


    Jetzt sollte es nur um alles das gehen, was deine Selbstwirksamkeit stärkt, was dich stabilisiert, was dich stark macht.

    Also, welcher positiv formulierte Glaubenssatz würde dir jetzt helfen, wie möchtest du dich sehen?

    Bis später!

    Liebe Grüße

    AmSee

    Falls du auch solche Glaubensätze über dich hast, haue diesen Mist einfach über Bord (die helfen dir kein Stück weiter) und fokussiere dich einfach auf die Zeit, die du schon geschafft hast, was du alles schon nüchtern bewegt hast und steh einfach auf und mach genau da weiter.

    Rent spricht da etwas ganz Wichtiges an und zwar diese negativen Glaubenssätze.
    Wir alle kennen sie, aber an ihnen ist in der Regel herzlich wenig bzw. absolut gar nichts dran.

    Du darfst über dich wahrlich ganz anders denken, denn du hast dir (und uns, die wir von dir lesen dürfen) schon bewiesen, zu was du in der Lage bist und wie stark du eigentlich bist.

    DU BIST MITTENDRIN und nicht am Anfang.

    Genau so ist es.

    Welcher positiv formulierte Glaubenssatz würde dir jetzt helfen?

    Ein Rückfall KANN passieren, die Gründe dafür sind unterschiedlich. Bei dem einen mag es Leichtsinn oder Selbstüberschätzung sein, bei dem anderen eine Kette von Ereignissen, die schließlich zu kaum erträglichem Suchtdruck geführt haben.


    Hauptsache ist, du stehst wieder auf.

    Möglicherweise kannst du aus genau diesem Rückfall eine ganze Menge für dich lernen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Italien,

    habe dein Gesuch in einen eigenen Thread verschoben, weil das nichts mit Miaflorentines Thread zu tun hat.


    Zu deiner Frage habe ich gerade keine passende Lösung parat.
    Würde dich ein Wannenbad erwärmen?


    Viele Grüße

    AmSee

    Was ich noch teilen wollte….


    Hab dieses Jahr an Heiligabend daran denken müssen, wie ich, als ich vor über drei Jahren hier aufschlug, noch verhandelt habe, ob ich nicht an Heiligabend eine Ausnahme von der Abstinenz machen dürfte.

    Wie anders geht es mir inzwischen. Ich sah mich an Heiligabend am Tisch sitzend um und stellte mit positiver Überraschung und Freude fest, wie weit weg ich von einem solchen Bedürfnis bin. Ich hatte keinen Moment das Gefühl, dass mir etwas fehlt, im Gegenteil schien für anderes, was ich sonst einfach übersehen hatte, viel mehr Raum zu sein. Das fühlte sich einfach nur schön an.
    Abstinent zu sein fühlt sich für mich völlig selbstverständlich an.


    Dankbarkeit erfüllt mich zur Zeit. Mein Krankenlager konnte ich vor genau zwei Wochen zum ersten Mal wieder verlassen. Seither ging’s mir täglich ein Stück besser und ich konnte mich doch noch auf Weihnachten und weitere anstehenden Feste vorbereiten. Jetzt sehe ich dem Jahresausklang gelassen und entspannt entgegen und blicke mit Zuversicht und Gelassenheit dem neuen Jahr entgegen.


    Wünsche euch ebenfalls einen angenehmen Jahreswechsel und ein möglichst frohes neues Jahr 2024.🍀


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Mia,
    meine Gratulation erstmal für bereits achtunddreißig abstinente Tage. Das ist klasse.

    Denk an Beppo Straßenkehrer, möchte ich dir von meinem Krankenlager aus zurufen.


    Denk nicht an die ganze Straße auf einmal, sondern denk immer nur an den nächsten Schritt.
    👣🐾👣🐾

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Mara,

    Willkommen zurück. 🙋‍♀️


    Um in den geschützten Bereich zu gelangen, werden ein paar aussagekräftige Beiträge von dir erwartet.
    Ein Freischaltung in diesen Bereich erfolgt nicht automatisch nach x/y Beiträgen, sondern erst nach sorgfältiger Prüfung durch die Moderation, da wir natürlich wissen möchten, mit wem wir es da zu tun haben.
    (Siehe Forenregeln)

    Mein Vorschlag: Komm erstmal in Ruhe hier an und gibt uns die Chance, einander näher kennenzulernen.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo liebe AmSee13 ,


    gerne möchte ich zum weiteren Austausch ein Thema eröffnen- gerade habe ich wieder festgestellt , wie wenig ich mich hier noch auskenne 🙈 ich habe diesen Thread hier kaum wieder gefunden und bin mir auch noch nicht ganz im Klaren, wo der geschützte Bereich überhaupt ist.

    Liebe Mia,

    du hast eine PN. 😉


    Nun bis du schon bei Tag 28! Da kannst du wirklich stolz drauf sein!
    Prima, dass es sich grad leicht anfühlt!

    Liebe Grüße

    AmSee

    Dann hab ich mich gefragt wie sieht mein Leben aus und was brauche ich wirklich zu meinem Glück. Eine meine Antworten war "Weniger ist oftmals mehr" und diese Erkenntnis setze ich für mich Schritt für Schritt um.

    Kann dir da gut folgen, weil’s mir ähnlich geht.

    Und dennoch fühle ich, dass ich mir Gewalt antun würde, wenn ich eine Aktion im großen Stil in Angriff nehmen würde, auch wenn ich mich von dem ganzen Kram mitunter so belastet fühle, dass ich am liebsten sofort den Container bestellen möchte.

    Und so vertraue ich da gewissermaßen meinem Bauchgefühl. Bislang lag ich damit immer richtig.
    Es muss sich richtig anfühlen, dann ist es auch richtig.

    An dem Müllvermeidungsthema bin ich auch dran. Kaufe so bewusst, wie es mir möglich ist, ein und mache vieles selbst.

    Hallo Bighara,

    Wie Brant geschrieben hatte, ist es ein Versuch so einen riesigen Themenkomplex in Worte zu packen. Das war ein wenig zu viel Rundumschlag.

    😉 genau, es ist ein riesiger Themenkomplex und lass dir von mir versichern, dass du meine volle Anerkennung hast, dass du dich mit soooooo einem Projekt aus deiner Komfortzone wagst.

    Hinterher ist man immer schlauer, heißt es, und da ist ja auch was dran.

    Ich sehe die Punkte, dass ich mehr bei mir bleiben muss, denn darum geht es mir. Gleichzeitig hatte ich mir auch vorgenommen, Nichtbetroffenen die Sucht thematisch näherzubringen und mehr Verständnis für die Erkrankung zu wecken. Denn meiner Meinung führt Aufklärung zu Verständnis und damit auch zu einer anderen Sicht und einem anderen - weniger stigmatisierten hoffentlich - Umgang mit der Erkrankung.


    Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen mit diesem Themenkomplex und in der Selbsthilfe drängt sich mir der Gedanke auf, dass du dir zunächst einmal zu viel vornimmst, zu groß denkst.

    Du machst da in gewisser Weise zwei große Fässer auf, die, wie ich das wahrnehme, im Grunde jedes für sich schon ziiiiiieeeeemlich groß sind. Du musst das gar nicht alles unter einen Hut bringen.

    Eine wohlmeinende Anregung: Beschäftige dich nicht mit dem, was in den Köpfen anderer Menschen sein könnte.
    Da kann alles mögliche drin sein oder überspitzt gesagt eben auch gar nichts.
    Nimm Abstand davon, in den Köpfen anderer bewusst etwas verändern zu wollen. Du kannst gar nicht wissen, was drin ist. Manchmal überraschen Menschen dich im positiven wie im negativen Sinn.

    Das einzige, was du tun kannst, ist, sie zum Zuhören einzuladen.
    Brich das, was du erzählen möchtest, so weit runter, dass du selbst dir zuhören möchtest, dass es für dich in sich stimmig und logisch klingt.
    Wenn deine Zuhörer ins Mitschwingen kommen, wenn da irgendwas ist, was sie anspricht, dann verändert sich vielleicht etwas in ihren Köpfen. Vielleicht aber auch nicht. 🤷‍♀️

    Ob du einen Betroffenen überhaupt erreichst, hängt von soooo vielen Faktoren ab. Du schilderst doch selbst, wie lange du gebraucht hast, dir dein Problem selbst einzugestehen und dann auch noch tätig zu werden. Ich selbst hab dafür auch echt lange gebraucht.
    Da hängt in der Regel so viel dran, sich selbst sein Problem überhaupt erst einzugestehen und dann auch noch in Handlung zu kommen. Mancher Betroffene schafft das leider nie.

    Nimm dir selbst den Druck, für andere irgendwas erreichen zu MÜSSEN. Musst du nicht.
    Du darfst das, was du inzwischen weißt, teilen, vielleicht hilft das jemand anderem. Mehr aber auch nicht.

    Die Leute aus dem anderen Fass kannst du u.U. erreichen, wenn du einfach nur von dir erzählst. Da fließen wesentliche Informationen, die aufklären, von ganz allein mit rein, wenn du nur von dir erzählst. Wenn du sie gar nicht interessierst, interessiert sie auch nicht die Aufklärung.

    Also:

    Don‘t thing big! Think small! That‘s really enough. 😉

    Stilles Wasser möchte dir nur kurz rückmelden, dass mir dieser Thread gefällt, weil er etwas in mir anstößt, was auch mich seit geraumer Zeit beschäftigt.

    Bin schon in winzig kleinen Schritten unterwegs. :saint:


    Gebe die Sachen allerdings nicht zum Wertstoffhof, das geht mir gegen den Strich, wenn Sachen noch gut sind oder nützlich sind, aber über Kleinanzeigen und Zu-Verschenken-Kiste.

    Liebe AmSee, ich mag mich gern im geschützten Bereich mit dir austauschen- das würde bedeuten dort ein Thema zu eröffnen, richtig?

    Liebe Mia,
    da gibt es zwei Möglichkeiten:

    Entweder du eröffnest dort im passenden Unterforum ein neues Thema mit einem Titel, den du für passend hältst, oder aber ich kopiere dir den entsprechenden Beitrag in ein neues Thema, das ich dorthin schiebe.


    Lieber wäre mir die erste Variante. 😉


    LG AmSee


    P.S.: Das freut mich, dass du mit meiner Betrachtung etwas Positives anfangen konntest. Nur aus dem Grund habe ich dir das geschrieben, denn die Unsicherheit am Anfang ist mir selbst durchaus in Erinnerung geblieben.

    Kennt ihr das, wenn ihr betrunken seid und so in euren „Urschmerz“ fallt, euch innerlich an irgendwas total aufhängt und am nächsten morgen manchmal noch nicht mal mehr genau wisst, was es war? Gott oh Gott, dass war bei mir oft so. Manchmal wusste ich auch noch, was es war- aber hatte dazu dann nüchtern einen ganz anderen Bezug. Vor allem aber, hätte ich nüchtern anders reagiert.

    Ja, kenne ich nur allzu gut…. :/

    Was den Podcast angeht: Ich möchte nicht den Hörer überzeugen oder in irgendeiner Art missionieren. Ich sehe mich nicht in der Position das zu tun. Jede Suchtgeschichte ist anders. Ea gibt da kein richtig oder falsch. Es gibt lediglich gewisse Parallelen. Ich bin die Expertin für mein Leben und für meine Suchtgeschichte und mit der bin ich nun in dem Podcast an die Öffentlichkeit gegangen, ich stelle mich hin und sage: So war es bei mir. Das kann mit einem passieren. Das sind meine Schlüsse aus dem Ganzen.

    Hallo Bighara,

    ich hab mich nun näher mit deinen drei Folgen befassen können und mir einen eigenen Eindruck verschafft. Hier nun eine Teilrückmeldung zu einem Aspekt, den ich sehr schwierig finde.

    (Achtung: Ich teile damit meine Gedankenwelt. 😉)

    In der Folge „Q&A mit Ela“ kündigst du u.a. an, darüber aufklären zu wollen, „Wie Sucht funktioniert, wie sie entsteht, wo sie herkommt“.

    So formuliert, ist das ein ziemlich großes Unterfangen, suggeriert allgemeingültige Aussagen.
    Nun geben Mediziner, Menschen, die sich damit wissenschaftlich beschäftigen, allgemein gültige Aussagen zu solchen Fragen ab, aber das sagt in der Regel herzlich wenig darüber aus, wie sich sowas von Innen anfühlt, wie sich sowas für einen selbst anbahnt.

    Wenn ich dich richtig verstanden habe, geht’s dir eigentlich auch gar nicht um allgemeingültige Aussagen, sondern darum, anhand deiner persönlichen Geschichte zu informieren, wie das bei DIR konkret war, um Menschen in vergleichbaren Situationen abzuholen.

    Wenn dir das gelingt, füllst du eine Lücke zwischen allgemeingültigen Aussagen von Medizinern und Erfahrungen von persönlichen davon Betroffenen. Eigentlich geht’s dir um die Innensicht, oder?

    Was du bislang getan hast, ist, zu teilen, wie sich das anfühlte, als du voll drin hingst (Interview mit Ela), wie während deiner Klinikzeit ein Trauma aufgebrochen ist und deine Sucht dich gefordert hat bzw. noch jetzt fordert (ausformulierte Suchtgedanken in Folge 2).


    Am Ende von Folge 2 machst du eine mehr oder minder allgemein gültige Aussage. Dieser letzte Teil ist insgesamt sehr, sehr dicht. Da ich weiß, was da alles dahinter steckt, ist er nach meinem Empfinden zu dicht. Für jemanden, der nicht so recht in dem Thema drin ist - und die Worte, die du deinen Zuhörern in den Mund legst, sprechen dafür, dass du davon ausgehst -, dürfte das schwer sein, dir da folgen zu können.
    Wenn du dann noch sagst, „Daher ist mir das auch so wichtig, dass ihr versteht, was ich sage.“ kommst du nach meinem Empfinden missionarisch rüber. - Genau das willst du aber ja nicht, also missionarisch rüberkommen.
    Ob deine Zuhörer das letztlich verstehen, ist eigentlich auch nicht wichtig. Verstehen ist sowieso ein Vorgang, der von soooo vielen Faktoren abhängt. - Nebenbei bemerkt - ich hab’s mit Wörtern - vermeide ich selbst nach Möglichkeit den Ausdruck „verstehen“, ich verwende aus bestimmten Gründen den Ausdruck „nachvollziehen“. 🧐 -


    Meine Empfehlung: Erzähl einfach von dir, bleib dabei ganz bei dir. Das reicht schon. Wenn du einen inhaltlichen Punkt, den du in der Klinik oder der Therapie gelernt hast, nahebringen willst, bleib konkret bei Beispielen von dir.

    Wer beim Zuhören bei sich feststellt, „Oh, das kommt mir bekannt vor, was die da von sich erzählt. Das ist bei mir ganz ähnlich.“, der kann von deinem Erzählen etwas für sich mitnehmen.
    Und wenn er etwas für sich mitnimmt, dann hast du erreicht, was du wolltest.

    LG AmSee

    Liebe Mia,

    die Methode, die du da gestern gewählt hast, nämlich das Szenario zu Ende zu denken, ist eine Methode, die auch anderen schon sehr geholfen hat.

    So, wie ich das sehe, bist du nicht in einen kräftezehrenden Widerstand gegangen, sondern hast dir selbst etwas sehr, sehr Hilfreiches geboten. Du hast weitergedacht, weiter gespürt, was aus dem Nachgeben folgt.

    Dein Belohnungszentrum bzw. dein Suchtgedächtnis selbst hat das Negative nicht gespeichert, dafür ist es nicht gemacht.

    Du hast deinem gesamten Inneren System aber eine ganz wertvolle Hilfe geboten, weiterzudenken, dir die Konsequenzen auszumalen, und damit etwas ergänzt, was deinem Belohnungszentrum naturgemäß fehlt.

    Wenn ich mir die Bewertung erlauben darf: Hast du super gelöst! 👍


    Dass du die Erleichterung heute morgen nicht so intensiv spüren kannst, ist nachvollziehbar und völlig verständlich, denn DAS, was das dringende Bedürfnis nach „Auszeit“, nach Rückzug oder Flucht in den wohl bekannten „wohligen, betäubenden Nebel“ ausgelöst hat, ist noch nicht bewältigt.

    Diese Aufgabe stellt sich dir noch und noch bis du nicht genug geübt darin, dich dem zu stellen. Doch lass dir von mir versichern, so, wie ich dich hier bislang wahrgenommen habe, wirst du deinen Weg, ja sogar mehrere hilfreiche, erfolgreiche Wege finden.

    Liebe Grüße

    AmSee