Beiträge von AmSee13

    Die Konsequenz aus meinem Gedankengebäude ist, dass ohnen Willen nichts geht.

    Darin, dass ohne Willen nichts geht, sind sich hier doch alle einig, Paul .

    Mit dem unbedingten Willen, aus der Sucht aussteigen zu wollen, fängt es doch bei allen an. Nur benötigt mancher eben mehr Unterstützung als du zum Beispiel, weil er oder sie es alleine ohne adäquate Unterstützung nicht schafft. Bighara hat als maximale Unterstützungsmaßnahmen das Paket aus Entzug, Reha, Nachsorge, Adaption und Clean-WG genannt.

    Eine solche Unterstützung wurde Betroffenen durch die Entscheidung des Bundessozialgerichtes vom 18. Juni 1968 ermöglicht, und zwar eben dadurch, dass Alkoholismus als Krankheit anerkannt wurde.

    Wenn ich den Süchtigen, also mich, nicht dazu motivieren kann, aufhören zu wollen, freiwillig, aus eigener Kraft, passiert da auch nicht viel.

    Auch darin sind wir uns, denke ich, einig. Genau das versuchen wir hier auch immer wieder Hilfe suchenden Angehörigen zu vermitteln.

    Es beißt sich doch: 'es ist keine Frage des Willens' und gleichzeitig '... oder keinen Willen zu benötigen'.

    Diese Logik kann ich wirklich nicht erfassen!

    Ganz ehrlich, das habe ich so in keinem der anderen Beiträge gelesen - und ich bin’s grad extra nochmals durchgegangen…

    Paul , ich hab den Eindruck, dass das Problem eher darin liegt, dass du nicht genau genug liest, was andere schreiben.

    Du spitzt immer wieder unzutreffend zu, was du bei anderen gelesen haben willst.

    In keinem der Beiträge von Bighara oder Stilles Wasser oder anderen ging es darum, passiv zu sein oder keinen Willen zu benötigen.

    Das, worum es in den Beiträgen, auf die du dich beziehst, ging, scheinst du nicht wirklich erfasst zu haben. Vielleicht deshalb, weil du zu sehr in deinem eigenen Gedankengebäude festhängst?

    Die Konsequenz aus deinem Gedankengebäude wäre nämlich, dass Alkoholsucht nichts anderes als ein Problem fehlenden Willens sei.

    Stilles Wasser hat vor Kurzem erst in einem anderen Thread von dir, der einen ähnlichen Inhalt wie dieser hier hatte, geantwortet, inwiefern die Entscheidung des Bundessozialgerichtes vom 18. Juni 1968 für ihn eine Erleichterung war. Und das war und ist sie nicht nur für Brant, sondern auch für viele andere Menschen, die von Alkoholsucht betroffen sind.

    Hallo Paddy,

    da ich unterwegs bin, hab ich derzeit nicht die Möglichkeit, mir diese Videos anzusehen.

    Ich kann dir auch mangels Erfahrungen dazu und mangels näherer Kenntnisse zu diesem Arzt und seinem Konzept, weder zu- noch abraten.

    Was ich dir empfehlen kann, hier im Forum mal die Suchbegriffe „Naltrexon“ und „Adepend“ sowie „Adepent“ einzugeben. So kannst du finden, was es hierzu im Forum schon an Erfahrungsaustausch gegeben hat.

    Ich habe gelernt, dass die Standard-Therapie Entgiftung/Entwöhnung/Reha eine recht geringe Erfolgsquote hat und dass da eine regelrechte Industrie hinter steht.

    Mit solchen Beurteilungen wäre ich äußerst vorsichtig. Ja, es gibt Statistiken, aber zu bedenken ist dabei, was damit erfasst und was eben nicht erfasst ist…

    Mir fällt in dem Zusammenhang der Spruch von Churchill ein: „Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“

    Grüße

    AmSee

    im Moment sehe ich sie leider gar nicht mehr.

    Du hast mein Mitgefühl.
    Das kommt mir bekannt vor, was du schreibst….

    Ich kann dir nur Mut machen, dass das wieder besser wird. Was du bereits von dir geteilt hast, klingt nach Schritten und Impulsen, die ähnlich wie bei mir in die Richtung gehen, die dich da rausbringen werden.

    Ich hoffe mit der Zeit kleinere Dinge zu finden, die etwas unauffälliger sind.

    Na, entscheidend ist doch erstmal, dass du schon etwas gefunden hast, was dir hilft.👍 Und wenn das Buch „Fermats letzter Satz“ dir hilft, was spricht denn wirklich dagegen, es in einer Schultertasche mit dir zu tragen?

    Ich hab ne Zeitlang alle möglichen hilfreichen Utensilien mit mir herumgetragen. Auch einen Block, um unterwegs was aufschreiben oder zeichnen zu können.

    Mir ging’s so, dass ich - einmal offen für mögliche Skills - alles Mögliche entdeckt habe, was ich als hilfreich empfand.

    Wir versuchen das immer wieder, nur leider ist das "Urmännchen" in mir da noch zu stark. Es will einfach nicht einsehen, dass keine akute Gefahr mehr von dieser Situation ausgeht.

    Sowas in der Art ist mir selbst auch vertraut.

    Ich weiß nicht, womit du zu tun hast und du musst das hier auch nicht nennen. Was ich selbst erfahren habe, ist, dass es unter Umständen Zeit braucht und auch den geeigneten Zeitpunkt, um an das, was traumatisiert hat, herangehen zu können und unter professioneller Begleitung verarbeiten zu können.

    Ich hab meine Panikattacken auch nicht immer mit meinem „Werkzeugen“ in den Griff bekommen können, aber ich war immerhin auch nicht ständig ausgeliefert.

    Das hört sich bei dir aber immerhin nach einem guten Zeichen an, dass du die Nadel nicht mehr brauchst.

    Das klingt danach, dass du dich noch nicht auf so etwas vorbereiten kannst…. 🤔

    Hast du schon mal von dem Begriff „Skills“ gehört?

    Falls nicht:
    Mit dem Begriff „Skill“ wird jedes Verhalten bezeichnet, das in einer schwierigen Situation kurzfristig wirksam und dabei langfristig nicht schädlich ist. Skills sind Verhaltensmaßnahmen, die kurzfristig im Umgang mit starken Anspannungszuständen und Krisensituationen hilfreich sind und langfristig dabei helfen, mit der eigenen Erkrankung besser zurechtzukommen. Hervorgegangen ist dieser Begriff aus der dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) für Borderliner, setzt sich inzwischen aber auch für andere Bereiche durch.


    Unter der verlinkten Seite findest du eine Verlinkung auf eine Liste zur Inspiration von möglichen Verhaltensmaßnamen.
    Das eine oder andere wendest du vielleicht schon mehr oder minder bewusst an, möglicherweise erschließen sich dir Bereiche, wo du zur Selbsthilfe ansetzen könntest.

    Je nach Anspannungsgrad bieten sich unterschiedliche Skills an, ggf. auch um die eigene Innere Anspannung herunterregulieren zu können.

    Was Gerüche betrifft, zum Beispiel : Gibt’s da vielleicht eine Möglichkeit mit einem anderen Geruch, den du stets bei dir führst und als hilfreich empfindest, gegenzusteuern? Das kann ein stärkerer, sehr unangenehmer Geruch sein oder umgekehrt ein Geruch, den du als angenehm empfindest. Das Ziel von sowas ist, ins Hier und Jetzt zurückzukommen.

    Weißt du schon, was bei dir diese Panikattacken auslöst? Kannst du da gegebenenfalls schon vorher für dich sorgen oder kommen die für dich sozusagen noch aus heiterem Himmel?

    Es ist eher was sich in meinem Kopf abspielt, sehr viel Trauer und Schmerz.

    So mancher hier berichtet davon, wie klar und deutlich Gefühle plötzlich hochkommen, wenn er aus der Vernebelung des Alkoholmissbrauchs heraustritt. Das ist insofern also recht „normal“.

    Allgemein ist man in den ersten Wochen und Monaten emotional etwas instabil. Das habe ich selbst so erlebt und auch schon von vielen anderen gelesen.

    Das hat wohl durchaus etwas mit der Umstellung in der Neurochemie und -biologie des Gehirns zu tun. Dazu kommen dann noch die Triggersituationen, in denen man üblicherweise Alkohol konsumiert hat. Das sogenannte Belohnungssystem, das vom Alkoholmissbrauch gekapert wurde, springt auf solche Situationen an. Das kann dann durchaus auch mal fordern.

    Wenn du in der Stabilisierungsphase der Therapie bist, wirst du nach und nach weitere Übungen zur Selbsthilfe kennenlernen. Ich selbst habe für bestimmte traumatische Erinnerungen eine Übung kennengelernt, um solche Themen erstmal in einer Art imaginierten Tresor wegzusperren, um diese zum richtigen Zeitpunkt im geschützten Raum der Therapie bearbeiten zu können.

    Das, was du Box nennst, kenne ich auch. Das hat mir auch schon in anderen Bereichen geholfen.

    Hallo Nenilius,

    Hat jemand in der ersten Phase die Erfahrung gemacht, dass der Bauch sich sehr aufgebläht hat und man unter Verstopfung leidet? Ich hab mir deswegen ein Abführmittel und Sauerkrautsaft besorgt.

    Ich hab überhaupt keine Appetit und trotzdem seit Samstag ein KG zugenommen? Ich zwinge mich jeden Tag einen Teller Gemüsesuppe und einen Joghurt zu essen. Hat jemand auch diese Erfahrung gemacht?

    🤔, solche Beschwerden hatte ich nicht, die könnten aber durchaus mit deinem Alkoholmissbrauch zu tun haben, so dass da ein bisschen was durcheinander ist, das heißt, dass die Magenschleimhaut gereizt ist sowie die Darmflora in Mitleidenschaft gezogen.

    Zusätzlich wirkt sich natürlich auch psychischer Stress aus, wie du ihn zur Zeit durchleidest.

    Das Zunehmen könnte etwas damit zu tun haben, dass dein Körper etwas mehr Wasser eingelagert hat, auch die Verstopfung könnte sich so auswirken. Trinkst du zur Zeit ausreichend Wasser? Wenn nicht, so rate ich dir dazu, ja sogar noch mehr Wasser zu trinken als üblich. Das hilft auch, um keinen oder zumindest weniger Durst nach Alkohol aufkommen zu lassen.

    Alkoholmissbrauch sorgt auch für Veränderungen in der Neurochemie und -biologie des Gehirns, das hat etwas mit der Überflutung des Gehirns mit Botenstoffen, die durch den Alkohol ausgeschüttet werden, zu tun.
    Führst du dir weniger Alkohol zu als gewohnt, wirkt sich das auf das sogenannte Belohnungssystem aus.

    Die gute Nachricht ist, dass sich das im Laufe der Abstinenz wieder normalisiert. Das dauert nur eine ganze Weile. Deswegen kann es dir zur Zeit durch den Entzug nicht nur körperlich schlechter gehen, sondern insbesondere auch psychisch.

    Das wiederum kann sich durchaus auch auf den Appetit auswirken.

    Als ich - das war noch bevor mir mein Alkoholkonsum entglitt - in eine tiefe depressive Phase glitt, hatte ich überhaupt gar keinen Appetit mehr. Ich musste mich regelrecht zwingen, überhaupt etwas Nahrung zu mir zu nehmen.

    Wenn du in der Therapie gerade dabei bist, dich zu stabilisieren, wirst du sicherlich ein paar Übungen kennengelernt haben, die du für dich anwenden kannst.

    Hast du ansonsten schon mal darüber nachgedacht, dich wegen deiner derzeitigen Symptome an einen Arzt zu wenden? Wäre in Anbetracht der Umstände vielleicht ratsam…


    Wenn du ansonsten Fragen an uns haben solltest, nur heraus damit. Vielleicht können wir dir mit unseren eigenen Erfahrungen Hilfe zur Selbsthilfe geben.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo und Willkommen in unserer Online-Selbsthilfegruppe,

    Danke dir für deine Vorstellung, ich schalte dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Thread in das entsprechende Unterforum.

    Empfehlen kann ich dir schon mal, dich in unserem Info-Bereich etwas näher einzulesen. Insbesondere mit der Problematik eines sogenannten Kalten Entzuges solltest du dich vielleicht mal näher vertraut machen.

    Ein gutes Ankommen hier wünsche ich dir und einen hilfreichen Austausch.

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Hallo Paul,

    das, was du auf meinen Beitrag ergänzt hast, halte ich für enorm wichtig, weil darin auch das enthalten ist, worin eben die Hürde besteht.

    Ohne das, was du ergänzt hast, stand gewissermaßen im Raum, dass jemand, der es eben nicht alleine schafft, nicht genügend Vernunft usw. gehabt hätte. Es stand die Vorstellung im Raum, dass das dann persönliches Versagen sei.
    Insofern ergänzt Bigharas Beitrag das, woran ich gedacht habe.

    Ich denke übrigens nicht, dass das in deiner Absicht lag, aber ansprechen musste ich dennoch, was mir persönlich an den Formulierungen aufstieß.


    Das, was mir selbst jetzt in meinem krankheitsbedingt gehandicapten Leben so sehr hilft, habe ich trotz aller Vernunft, allen Bewusstseins, allem eigenen Bemühen nicht alleine erreichen können. Ich hab Hilfe dafür gebraucht und in meiner Not auch in Anspruch genommen.


    Alkoholismus ist das eine - schon problematisch genug - , aber wenn du zum Beispiel auch noch in Depressionen drinhängst - und das ist ja auch bei Alkoholismus nicht gerade selten - dann hast du auch mit etwas zu tun, was sich unter Umständen durch Vernunft, Wissen, Bewusstsein nicht alleine lösen lässt.


    Mein Vater war noch nicht an dem Punkt, an dem deiner offenbar schon angekommen war. Er hatte immer wieder trockene Phasen, in denen er mit viel Mühe das wiederaufzubauen versuchte, was er zuvor mit seinen Rückfällen vernichtet hatte. Er hat, soweit mir das bekannt ist, alles versucht, um seiner Sucht dauerhaft zu entkommen, aber er hat’s eben nicht geschafft und verunglückte mit Anfang 40 infolge eines selbstverschuldeten Autounfalls, als er mal wieder im Selbstversuch versuchte, das zu retten, was noch zu retten war.

    Ich würde gerne noch ein paar Gedanken loswerden…

    Das, was Paul da alleine geschafft hat, ist so manchem, der mit Alkoholismus zu tun hat, nicht oder nicht mehr möglich….

    Ich selbst musste, als ich Pauls Beiträge diesbezüglich las, an die vielen erfolglosen Selbstversuche meines Vaters denken, die stets auf der Intensivstation endeten.

    Und inzwischen hab ich auch von dem einen oder anderen gelesen, der ebenfalls nicht mehr ohne qualifizierten Entzug aus seiner Sucht aussteigen konnte.

    Insofern stößt es mir persönlich auf, wenn in diesem Zusammenhang von „Bewusstsein, Wissen, Gelassenheit“ oder von „Vernunft“ die Rede ist, denn Bewusstsein, Wissen und auch Vernunft dürfte mein Vater und so manch anderer auch gehabt haben und trotzdem konnten die sich nicht am eigenen Schopf aus ihrer Sucht befreien.

    Und Sucht zeichnet sich eben auch durch Kontrollverlust aus, das lässt sich mitunter eben nicht mehr mit Vernunft oder Wissen steuern.

    Vor diesem Hintergrund wünsche ich dir, Paddy, dass du das findest, was DU eben für DICH tatsächlich brauchst.

    Man kann das auch anders sehen: Das ist stark von dir, dir und nun auch Deinem Arbeitgeber einzugestehen, dass du ein Problem hast, dir passende Hilfe suchst und das Problem von dir aus angehst.
    Selbstverständlich ist das nicht und auch alles andere als leicht.

    Trotzdem kann ich dich nur dazu beglückwünschen, einen so verständnisvollen Arbeitgeber zu haben. Ich denke, dass auch das dir die Angelegenheit etwas leichter macht.

    Doch du hast nicht Unrecht, wie erschreckend Alkoholismus in unserer Gesellschaft verbreitet ist.
    Das fällt meiner Wahrnehmung nach erst so richtig auf, wenn man sozusagen die Seiten wechselt und sich bewusst wird, wie verbreitet Alkoholmissbrauch um einen herum ist.

    Hallo Paddy,

    schon allein für solche Informationen ist es gut, Ansprechpartner vor Ort zu haben, die eben ggf. auch solche Informationen haben.

    Dann wünsche ich dir erstmal viel Erfolg beim Organisieren deiner längerfristigen Abwesenheit, dann alles Gute für den Entzug und schließlich dass es tatsächlich gleich mit der anschließenden Reha klappt und du dort das findest, was du brauchst. 🍀


    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Paddy,

    ja, wenn man erstmal angefangen hat, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, dann lässt sich viel darüber finden.

    Ich finde diese Vorträge auch interessant, ich schaue sie mir sogar immer wieder mal an, obwohl ich eigentlich weiß, was darin erzählt wird. Manche Information wird dadurch aufgefrischt, manche Information ordne ich mit dem, was ich inzwischen weiß oder erfahren habe, nochmals neu oder anders ein.

    Bedrückend ist für mich die Erkenntnis, dass in Deutschland der Alkohol so unfassbar normal ist. So werde ich in Zukunft in einen anderen Supermarkt als sonst gehen, weil in "meinem" jeder durch die Alkoholabteilung durch muss. Das haben andere besser gelöst. Ich mache mir auch schon intensiv Gedanken darüber, wie mein Alltag ohne Alkohol aussehen wird.

    Das hat mich am Anfang auch beschäftigt, dass Alkohol so omnipräsent und selbstverständlich in unserer Gesellschaft ist. Inzwischen ist das zwar etwas, was ich immer mal wieder zur Kenntnis nehme, was mich selbst aber nicht mehr besonders viel beschäftigt oder bedrückt, weil erstens Alkohol in meinem Leben so gar keine Rolle mehr spielt, und zweitens der Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft eine Angelegenheit ist, an der ich nichts andern kann. Da spielt für mich dann der sogenannte Gelassenheitsspruch eine Rolle.
    Ich gebe aber durchaus zu, dass das seine Zeit gedauert hat, bis ich da hin gekommen bin, und dass ich durchaus an meiner inneren Einstellung gearbeitet habe.

    Wenn du jetzt schon weißt, dass dich der Gang durch deinen Supermarkt triggern wird, weil dir der Alkohol einfach zu nah ist, dann ist das eine durchaus vernünftige Entscheidung, einen anderen Supermarkt zu deinem zu machen, wo du nicht durch eine Alkoholabteilung durch musst. Das ist dann nichts anderes als Selbstfürsorge.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Paddy,

    darf ich dich fragen, wie es dir inzwischen geht?
    Empfehlen kann ich dir, falls du sie nicht inzwischen schon selbst entdeckt hast, die fünf Vorträge zum Anhören, die Professor Lindenmeyer von der Salus Klinik Lindow auf deren Webseite ins Netz gestellt hat: https://www.salus-kliniken.de/lieber-schlau-…e-zum-anhoeren/
    Darüber kannst du dich zum Beispiel auch darüber informieren, was du in einer Therapie so erwarten kannst.

    Das ist kein unnötiger Druck und: ja, 0,0 muss das Ziel sein. Bei mit zumindest. Wenn du das kontrollierte Trinken hinbekommst, ist das ja schön für dich. Für mich und viele andere funktioniert das nicht. Wenn ich so etwas lese weckt es eher die Hoffnung, dass nach dem Entzug vielleicht doch mal ein Bier geht. Den Gedanken darf ich nicht zulassen.

    Ich sehe das ganz ähnlich wie du. Für mich war bald, nachdem ich mich hier angemeldet, vorgestellt und ausgetauscht hatte, klar, dass das sogenannte Kontrollierte Trinken für mich nicht funktioniert. Ich war zwar offenbar noch nicht körperlich abhängig geworden, dass mir nichts anderes übrig blieb, als zu trinken und einen gewissen Pegel einhalten zu müssen, aber all die Kontrollversuche, die ich zuvor - ohne zu wissen, dass das sogenanntes Kontrolliertes Trinken sei - unternommen hatte, hatten nicht wirklich funktioniert. Der Durst war sozusagen immer beim Trinken gekommen.

    Ich hab hier in den ersten Wochen noch gerungen, ob ich nicht doch irgendwann mal eine Ausnahme machen könnte, aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto klarer und bewusster wurde mir, dass ich mich von diesem Gedanken verabschieden sollte. Und ich hab mich dann auch davon verabschiedet und es bis heute, bald vier Jahre später, wahrlich nicht bereut.

    Im Laufe der Zeit kam es mir vor, als ob ich mich von einer Art Gehirnwäsche befreite, und schon eine ganze Weile reizt mich so gar nichts mehr am Konsum von Alkohol. Ohne führe ich im Grunde das Leben, was ich mir vom Alkohol versprochen, aber eigentlich nie bekommen habe. Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein, so ist das Leben nun einmal nicht, aber ich hab das gänzlich selbst in der Hand, wie ich mein Leben gestalte.

    Viele Grüße und weiterhin gutes Ankommen hier

    AmSee

    Moin und Willkommen, Paddy,

    Danke für deine kurze Vorstellung.
    Ich schalte dich gleich für den Austausch im öffentlichen Bereich frei und verschiebe deinen Thread in das entsprechende Unterforum.

    Lies dich hier erstmal in Ruhe ein und komm erstmal an. Wenn du Fragen an uns haben solltest, nur heraus damit hier in deinem Thread.

    Hilfreich wird es gewiss für dich sein, vor Ort in der SHG, bei der du gestern warst, Ansprechpartner direkt vor Ort zu haben. Wenn’s noch weitere SHG-Gruppen bei dir vor Ort geben sollte, schau dir ruhig auch diese an. Keine Gruppe ist wie die andere.

    Freundliche Grüße

    AmSee (als Moderatorin)

    Ich habe Alkoholiker, 70 + kennen gelernt, für die war es ein Ding der Unmöglichkeit, ohne Stoff, noch irgendwie Freude zu empfinden. Nicht weil sie es nicht wollten, aber die waren zu sehr an externe Trigger gewöhnt. Da stellt sich nichts mehr um. Dazu kamen noch körperliche Gebrechen, also auch kein "richtiger" Sport mehr. Die haben sich bewusst gegen die Abstinenz entscheiden müssen. Ab einem bestimmten Punkt, geht vermutlich weder kontrollierter Konsum, noch Abstinenz. Wenn ich so darüber nach denke, macht mich das ziemlich traurig.

    Dazu ist mir ein Beitrag eingefallen, den ich hier im Forum mal gelesen habe.

    Darin wurde auf einen Dokumentarfilm über ein Sanatorium im Schweizer Jura verwiesen. In diesem Sanatorium leben austherapierte Alkoholiker, viele längst von ihren Familien verlassen.

    Sie kriegen dort ihre Ration und leben dort wenigstens ein Leben in Würde.

    Hier der Link zu dem Dokumentarfilm „Ganz unten - Ein Ort im Jura, wo Scheitern erlaubt ist“:

    https://www.srf.ch/kultur/gesells…ern-erlaubt-ist