Mir ist, klar, dass die Wissenschaft da andere Erkenntnisse hat und ich vertraue der Wissenschaft prinzipiell (hab ja selber eine Naturwissenschaft studiert 😉), aber nach meinem Empfinden ist das noch nicht konsequent zu Ende gedacht.
Danke, dass du deine Gedanken hier einbringst, Paddy .
Das, was du schreibst, könnte den Austausch hier sogar um einen weiteren Punkt bereichern, weil wir gemeinsam weiterdenken können.
Und ich hab zu dem, was du geschrieben hast, sogar ein paar Gedanken.
Was mich stört: ist jemand von harten Drogen weggekommen, dann ist er ein Ex-Junkie. Hört jemand auf zu Rauchen ist er ein Ex-Raucher. Hört jemand auf zu Saufen ist er ein trockener Alkoholiker. In meinen Augen ist das eine Stigmatisierung, ich bin ja nicht krank, nur weil ich an dem gesellschaftlich akzeptierten Alkoholkonsum nicht mehr teilnehme.
Paul hat da schon einen Gedanken angesprochen: Wer wertet welche Aussage?
Das, was dich zu Recht stört, ist die gesellschaftliche Stigmatisierung. Und die hat mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass Alkoholkonsum gesellschaftlich anerkannt ist und ein Leben ohne für den größeren Teil der Bevölkerung undenkbar.
Dir wird auf die Schulter geklopft, wenn du‘s schaffst, den Drogen zu entkommen, auch wenn du‘s schaffst mit dem Rauchen aufzuhören, weil gesellschaftlich anerkannt ist, dass das schädlich und unerwünscht ist.
Bei Alkohol ist das völlig anders, weil Alkoholkonsum für die Gesellschaft zum Leben dazugehört. Insofern vermag unsere Gesellschaft nicht zu würdigen, wenn jemand nicht trinkt, und erst recht nicht, wenn jemand aus seiner Alkoholsucht aussteigt.
Die Gesellschaft hat in diesem Zusammenhang eine Vorstellung von „Krankheit“, die ich absolut nicht teile. Ich würde umgekehrt das, wie in unserer Gesellschaft mit Alkohol umgegangen wird, als „krank“ bezeichnen. Gesund ist in meinen Augen jemand, der das, was ich da vorgestern und gestern nebenbei so mitbekommen habe, nicht mitmacht.
Ich mache aber einen Unterschied zwischen der gesellschaftlichen Vorstellung von Alkoholismus als „Krankheit“ und der Erkrankung Alkoholismus an sich, die eben auch darin besteht, dass sie sich nicht vollkommen heilen lässt, sondern etwas bleibt, dass im Fachchinesisch als „neurobiologisch engrammiertes Suchtgedächtnis“ bezeichnet wird.
Kurz und gut: Wer wertet?
Lässt du dich von Außen von einer Gesellschaft bewerten, die‘s nicht besser weiß, oder betrachtest du das Ganze von Innen auf der Basis dessen, was du über Alkoholismus weißt.