Hallo Laggard,
Warum tue ich mich so schwer,diese Krankheit bekannt zu geben ?
ich vermute mal, dass du die Antwort darauf schon weißt.
So, wie ich das bei mir selbst und auch bei anderen beobachtet habe, ist das ein nicht ganz so leichter Lernprozess, sich selbst überhaupt erstmal eingestehen zu können, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben. Ich vermute mal, dass das bei dir nicht anders war.
Vermutlich wirst auch du bestimmte Vorstellungen gehabt haben, die in unserer Gesellschaft über Alkoholismus und Alkoholiker bestehen.
Nun hast du’s dir selbst eingestanden, ein ernsthaftes Problem zu haben und hast die notwendigen Schritte eingeleitet. Das ist schon mal ein ganz wesentlicher Schritt.
Die Frage, ob man sich outen soll oder nicht, stellt sich wahrscheinlich jeder, der am Anfang steht. Wie ichso schon geschrieben hat, gehen die Meinungen darüber weit auseinander. Diskutiert wurde dieses Thema, wenn ich mich recht erinnere, zuletzt in Emily s Thread Heimlichtuerei oder Ehrlichkeit. An den Beiträgen dort zu diesem Thema kannst du ablesen, wie unterschiedlich das auch bei den Nutzern hier gesehen und gehandhabt wird. Vielleicht findest du dich ja in dem einen oder anderen Beitrag dort wieder?
Sich zu outen kann ein zusätzlicher Schutz sein, es kann aber auch nach hinten losgehen, gerade weil, wie Stilles Wasser das zum Beispiel geschrieben hat, „Menschen, die nicht selbst betroffen sind absolut nichts mit dieser speziellen Begierde was anfangen [können] und [es] zweitens (…) zum Beispiel in der Firma oder so vllt gar nicht so angebracht [ist].“
Entscheidend ist meines Erachtens, dass du‘s dir erstmal selbst eingestanden hast, für dich Verantwortung übernommen hast und selbst die nötigen Maßnahmen triffst, die du für dich brauchst. Was du bislang erzählt hast, bist du entsprechend achtsam und selbstfürsorglich unterwegs.
Bighara hat etwas ganz Wichtiges geschrieben, was ich nochmals aufgreifen möchte:
Es ist gut dir Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen soll und was nach dem Entzug kommt…aber überfordere dich nicht. Dein Körper und Geist sind gerade mit Entzug beschäftigt. Ich bin da damals auch so durchmarschiert, hab dann aber im Nachhinein schon gemerkt, dass diese Zeit so ziemlich das Anstrengendste war, was ich in meinem Leben gemacht habe.
Liebe Grüße
AmSee