Beiträge von AmSee13

    Moin ichso ,

    Und doch möchte auch ich es für mich als Leitfaden nutzen. Denn klar, habe ich schon in vielerlei Hinsicht stürmische Meere bewältigt. Aber zu was für einem Preis? Meist war es teuer, vor allem für die Gesundheit. Und nicht nur von meiner eigenen.

    Ich frage mich bei deinen Zeilen gerade, ob du das Sprichwort anders auffasst als ich. 🤔


    Ich sehe das nämlich so:


    Unruhige Zeiten, Stürme widerfahren uns ähnlich wie Seeleuten auf dem Meer im Laufe unseres Lebens immer mal wieder. Zwar erlebt der eine möglicherweise mehr Stürme als der andere, aber ruhig und ohne fordernde Zwischenfälle verläuft ein Leben ja nicht, ich denke da Krankheit, Alter, Tod, Eifersucht, Neid usw.

    Daraus, wie wir die Stürme bewältigen, können wir lernen. Wer macht denn schon von Anfang an Alles richtig?

    Im Sturm auf See kann diese oder jene Handlung, die aus Unerfahrenheit geschieht, zu Schiffbruch führen. Seeleute, die das überleben, haben an Erfahrung hinzugewonnen und können/ werden es beim nächsten Sturm anders machen.

    In meinem Leben hat es ja nun reichlich Stürme gegeben, manches habe ich wohl richtig gemacht, aber Fehler habe ich auch gemacht, die sich gar nicht gut auf meine Gesundheit ausgewirkt haben. Auch finanzielle Verluste hat‘s gegeben und der eine oder andere Mensch hat sich von mir abgewandt. Letzteres lag nicht unbedingt nur an mir. 🤷‍♀️


    Doch schau dir an, wo ich heute stehe. Selbst wenn du mich nur aufgrund dessen, was ich hier teile, kennst, so wirst du einen Eindruck von mir haben.
    Ich selbst würde mich zu den erfahrenen Seeleuten zählen. 😉


    Liebe Grüße

    AmSee


    P.S.: Für MICH ist es die Perspektive, die ich einnehme, die sich hilfreich/ konstruktiv auf mich und mein Befinden auswirkt, oder aber destruktiv und depressiv.
    Blicke ich auf die Stürme und, wie schwer die waren, was ich da alles falsch gemacht und verloren habe?
    Oder blicke ich auf die Erfahrungen, die ich dabei gewonnen habe und die ich gelernt habe, für mich zu nutzen?
    Ich wähle die letztere Perspektive, sie wirkt sich hilfreich/ konstruktiv auf mich und mein Befinden aus.
    - Und das ist nicht im Sinne des sogenannten „Positiven Denkens“ zu verstehen, auf das Brant in einem anderen Thread Bezug genommen hat und vor dem, wie aus dem Vortrag, den Brant als PDF verlinkt hat, hervorgeht, nicht ohne Grund gewarnt werden sollte.

    AmSee13 Alsonich wollte jetzt nicht diejenigen diskreditieren, die diese Willensstärke etc nicht haben. Die wenigsten Menschen haben das. Also ich meinte es so, dass das eher die Ausnahme, denn die Regel ist.

    Blackisbeautiful , das hab ich mir schon so gedacht, dass du da niemanden diskreditieren wolltest, aber dennoch halte ich es für wichtig, das anzusprechen, nicht nur deinetwegen, sondern generell.

    Es existieren ja in unserer Gesellschaft leider viel zu sehr noch falsche Vorstellungen über Alkoholismus und über Alkoholiker. Ich selbst war dieser falschen Vorstellung ja auch aufgesessen, weshalb ich mich lange dagegen gesträubt, gewehrt und vor mir verleugnet habe, ein ernsthaftes Alkoholproblem zu haben.

    Erst, als ich mich dann doch getraut habe, mich meinem Problem zu stellen und mich hier austauschen konnte, begriff ich, wie falsch meine Vorstellung war.

    Und aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse ist es mir wichtig, zumindest im Rahmen dieses Forums hier, auch dieses Thema ggf. anzusprechen.

    Dass man auch ohne Substanzen einen Rausch fühlen kann, weiß ich. Das sogenannte Flow Erleben. Meist durch körperliche Aktivität zu erreichen. Ich hab das auch schon beim Laufen geschafft, aber ich kann nicht so lange rennen, wie ich den Rausch brauche 😂. Das hält halt nur solange man die Aktivität weiter betreibt.

    Da du deinen Sport erwähnt hattest, hab ich mir schon fast gedacht, dass du zumindest eine Ahnung davon hast. 😄

    Man kann z.B. auch über Tanzen, Singen einen Rausch herbeiführen, erleben.


    Das ist etwas anders als mit Alkohol, denn für genau das, was man im Alkohol sucht, gibt es keinen vergleichbaren Ersatz, das hat eben auch etwas mit dem psychoaktiven Cocktail zu tun, den man sich mit Alkohol, ohne sich dafür anstrengen zu müssen, binnen Nullkommanix reinziehen kann.

    Von daher würde ich immer davon abraten, sich einen adäquaten Ersatz zum Alkohol oder zu anderen Drogen zu suchen. Das macht nur unzufrieden und das Belohnungssystem lässt sich auch nicht verarxxxxxx.

    Im Laufe der Abstinenz kann man aber viele andere Möglichkeiten entdecken, auf natürliche Weise das zu bekommen, was man eigentlich braucht.

    Und manchmal möchte man auch „berauscht“ sein. Ich empfinde mich zum Beispiel manchmal „berauscht“, wenn ich in Feld, Wald und Wiesen unterwegs bin, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Motorrad. Zu Fuß und auf meinem Motorrad hab ich schon die besten „Räusche“ gehabt. Und auch beim Tanzen in der richtigen Atmosphäre auf einer Party mit der richtigen Musik. 😅


    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo mia ,
    von mir ein Danke für deinen Beitrag. Ich kann das gut nachempfinden, was du geschrieben hast, ich finde mich sogar teilweise in deinen Gedanken und Erfahrungen wieder.


    Und ich find’s auch gut, wie du deine Empfindungen und Erfahrungen mit dem anderen Forum beschrieben hast.
    Ich habe dort auch etwas für mich mitnehmen können, aber es hat dann letztlich doch nicht zu mir gepasst.

    Liebe Grüße

    AmSee

    P.S.: Guck mal in deine PNs.

    Blackisbeautiful , gerne.
    Ganz ehrlich, bei allem, was ich bislang zum Suchtthema gelesen habe, und darunter war auch einiges an wissenschaftlicher Literatur, habe ich keine Erklärung gefunden, wie diese Selbstremission möglich ist.
    Noch hat sich die Neurobiologische Forschung damit wohl nicht befasst, zumindest hab ich dazu noch nichts gefunden.
    Ist auch nicht verwunderlich, denn bislang hat sich das Gesundheitssystem wenig mit diesem Phänomen beschäftigt.

    Ich wäre äußerst vorsichtig damit, das mit enormer Disziplin, Willensstärke und emotionaler Stabilität zu erklären. Das geht nämlich im Prinzip in Richtung Stigmatisierung derer, die das denn doch nicht schaffen und wirkt sich u.U. fatal aus.
    Sucht ist ne komplexe Angelegenheit und hat wenig mit fehlender Disziplin und fehlender Willensstärke zu tun. Und was die emotionale Stabilität betrifft: Nicht jeder verfällt der Sucht, weil‘s ihm (zu) schlecht geht, auch das Gegenteil kann der Fall sein.

    Ich selbst hab den Aufräumprozess in den vergangenen Jahren durchlaufen und wage zu behaupten, emotional stabil zu sein, aber ich würd‘s trotzdem nicht auf einen weiteren Versuch ankommen lassen, Alkohol zu konsumieren, wie Bassmann das getan hat.

    Nicht, weil ich Angst hätte. Ich hab keine Angst vor Alkohol, sondern ich hab das Interesse daran völlig verloren. Für mich gibt’s überhaupt keinen Grund mehr dafür, warum ich mir Alkohol nochmals und sei‘s in noch so geringem Maße antun sollte.

    Da fällt mir ein:
    Weißt du eigentlich, dass man Rausch auch ohne Alkohol und Drogen hervorrufen kann; und das frei von unangenehmen, schädlichen Nebenwirkungen?

    Liebe Grüße

    AmSee

    Fehlt noch: ein harter, langer Weg, nie wieder, für immer süchtig, lebenslang, bekennst du dich ... Alkoholiker und ähnliche dramatische Vokabeln.

    Klingt provokativ, Paul . Möchtest du provozieren?
    Und wenn ja, warum? - Passt doch gar nicht zu dem, was du hier laut eigener Aussage eigentlich möchtest….

    Das, worauf Stilles Wasser meines Erachtens anspielt, ist die Selbsttäuschung, die vielen hier doch nur allzu vertraut ist. Wenn ich mich recht erinnere, hast du auch schon mal davon geschrieben.


    Ich weiß von mir selbst noch allzu gut, wie ich meinen Alkoholkonsum vor mir selbst verharmlost hab.

    Diese Frage „trinke ich zu viel und will ich so weiter machen?“ hab ich vor mir selbst immer wieder so beantwortet: Oh, Mann, ich trinke zu viel, ich will so nicht weitermachen.“ Und dann hab ich entweder eine Trinkpause eingelegt, es zu kontrollieren versucht, oder auch nicht.
    Insofern, hatte ich eine Antwort, aber eigentlich oder uneigentlich war damit gar nix gesagt.

    In dem Moment, als ich die Wahrheit erkannte, nämlich dass ich dabei bin, unterzugehen - und das steckt in dem Begriff „Alkoholiker“ ja drin - , der Wahrheit in die Augen schaute, war ich bereit, mich dieser Wahrheit konsequent zu stellen und Nägel mit Köpfen zu machen.


    Und von wegen „harter, langer Weg“…. Du erzählst doch selbst von deinen Erfahrungen, wie schwer es dir gefallen ist und dass es Zeit und Geduld gebraucht hat, bis du dahin gekommen bist, wo du jetzt bist….. 🤔

    Egal welchen Weg oder welche Worte du wählst oder ich oder sie, er muss plausibel sein für dich, mich oder sie. 👋

    Stimme dir grundsätzlich zu, aber ich hab bei diesem Ringen um Begrifflichkeiten auch vor Augen, wie ich selbst (und nach meiner Beobachtung viele andere, die am Anfang stehen) geneigt war, mein Problem vor mir selbst zu verharmlosen.
    Und mit anderen harmlosen Begriffen kann man sich auch vor der eigentlichen Realität drücken.

    Hallo Miteinander,

    zu etwas, was Bassmann-neu geschrieben hat, möchte ich gerne noch etwas schreiben. Es richtet sich nicht explizit an dich, Blackisbeautiful , sondern allgemein an jeden, der mitliest.


    Was ich für mich aber auch beim Neuanfang nicht akzeptieren konnte, war dieses bedingungslose "Nie-wieder". Ich hätte es akzeptiert, wenn ich die Erfahrung gemacht hätte, dass es wirklich nicht anders geht. Ich machte diese Erfahrung jedoch nicht. Aber ich machte die Erfahrung, dass die Überwindung der Sucht das größte Geschenk war, das ich mir machen konnte.


    Bassmann gehört, wie es aussieht, zu den Selbstbetroffenen, die so etwas wie „Selbstremission“ erfahren haben.

    Seit geraumer Zeit gibt es auch Studien, die sich mit diesem Phänomen befassen, von dem aber in Selbsthilfegruppen und auch im Gesundheitswesen (noch?) nur selten die Rede ist, das aber, wie Studien bestätigen, nicht so selten ist, wie es scheint.


    Solche Selbstbetroffenen wie Bassmann sind in den üblichen Selbsthilfegruppen eher selten anzutreffen. Die Gründe dafür wird sich denken können, wer sich näher mit der Thematik beschäftigt.

    Insofern ist Bassmann-neu hier eine seltene Ausnahme.

    Wer Bassmanns (ehemals Katros) Zeit hier im Forum so nachverfolgt, weiß, womit er, umgekehrt aber auch die Mehrzahl der Selbstbetroffenen hier zu kämpfen hatten, und warum es zu unangenehmen Auseinandersetzungen gekommen ist.

    Die Mehrzahl der Selbstbetroffenen hier und auch anderswo hat eben gegenteilige Erfahrungen gemacht als Bassmann und sie haben im üblichen Suchthilfesystem das gefunden, was sie brauchten.


    Dass diese SHG und auch Bassmann-neu die Auseinandersetzungen ausgehalten haben, ist meines Erachtens etwas Besonderes und ich halte die Tatsache, dass Bassmann ein Teil dieser Community ist, für eine Chance. Denn was Bassmann zu teilen vermag und teilt, ergänzt den Bereich der Möglichkeiten und Wege im Umgang mit unserer Suchterkrankung.


    Kurz eingehen möchte ich aber auch auf eine gewisse Problematik:

    Nach allem, was ich bei mir selbst und bei vielen Selbstbetroffenen, die hier aufgeschlagen sind, beobachten konnte, kann ich ziemlich gut nachvollziehen, worin Selbstbetroffene, wie bspw. Rekonvaleszent oder Greenfox oder langjährig abstinente Selbstbetroffene im anderen Forum, die Gefahr sehen, sich mit der Möglichkeit, irgendwann zu einem risikoarmen, klinisch unauffälligen Konsum zurückfinden zu können, zu beschäftigen.

    Ihre Erfahrungen bei sich selbst und vielen anderen Selbstbetroffenen im Selbsthilfesystem sind eben, wie wenig jegliche Kontrollversuche bei ihnen und vielen anderen funktioniert haben.

    Insofern dienen die Diskussionen und Auseinandersetzungen sowohl der Selbstfürsorge, haben aber auch etwas mit einem gewissen Verantwortungsgefühl zu tun.


    Als ich selbst noch relativ am Anfang stand und mich sozusagen „nur“ notgedrungen vom Alkoholkonsum verabschieden musste, hätte das verlockend geklungen, irgendwann zu einem risikoarmen Alkoholkonsum zurückkehren zu können.
    Ich bezweifle sehr, dass das hilfreich für mich gewesen wäre.

    Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und mit mir selbst bin ich mir hundertprozentig sicher, dass ich wieder einen Kontrollverlust erleiden würde, wenn ich Alkohol konsumieren sollte. - Nun stellt das für mich deswegen kein Problem dar, weil mir das Interesse am Alkoholkonsum so gänzlich vergangen ist.


    In so einer Selbsthilfegruppe wie dieser hier eine gute Balance zu finden, ist und bleibt eine Herausforderung.


    Ich schließe mit folgendem Hinweis:

    Wer glaubt, dass Selbstremission ohne eigene Aktivität möglich sei, täuscht sich.
    In diesem Zusammenhang möchte ich einen Satz in Bassmanns Beitrag nochmals hervorheben, weil er eine absolut nicht unwichtige Information enthält:

    Ich musste erst komplett aufhören, um neu anfangen zu können.


    Beste Grüße

    AmSee

    Hallo Paul ,

    das finde ich richtig gut, wie du das beschrieben und durchdacht hast. 👍

    Ich hab ja nun selbst so gar kein Problem mit den Begrifflichkeiten, ich lebe und empfinde trotz dieser Begrifflichkeiten das, was du mit anderen Begriffen beschreibst.

    Doch ich bin ja nun lange genug dabei, um zu wissen, dass mancher mit den bislang so üblichen Begrifflichkeiten seine/ ihre Schwierigkeiten hat.
    Möglicherweise findet sich mancher in dem wieder, was du beschrieben hast, und kommt mit deinen Begriffen besser klar.

    Deshalb von mir ein Danke an dich, dass du das hier teilst.

    Viele Grüße

    AmSee

    AmSee13 Ja, habe ich verstanden. War auch eher etwas provokant gemeint. Ich fand dieses Wort „Trinkvorbehalt“ irgendwie unpassend.

    Blackisbeautiful , was meinst du, was es hier in diesem Forum aufgrund der unterschiedlichen Wege schon für Diskussionen gegeben hat? 😅

    Inzwischen gibt’s nach meiner Wahrnehmung der letzten Jahre hier schon seit geraumer Zeit eine friedliche Co-Existenz.
    Und dafür setze ich mich auch ein, dass das so bleibt.

    Mit Rekonvaleszent und Bassmann hast du hier nun zwei langjährige Mitglieder kennengelernt, die unterschiedlich unterwegs waren und es noch sind.

    Und ich für mich konnte von beiden etwas für mich mitnehmen und darin sehe ich hier eben auch eine Chance.

    Mein Tipp: Nimm das zur Kenntnis, was Rekonvaleszent von sich erzählt hat, in dem Kontext sehe ICH das nämlich mit dem „Trinkvorbehalt“.
    Ich empfehle dir, das mit dem „Trinkvorbehalt“ mal im Hinterkopf zu behalten. Vielleicht kannst du das noch brauchen. Vielleicht auch nicht. Time will tell.

    Beste Grüße

    AmSee (als Mod und Mitglied)

    Oder ist es die Bedingung eine lebenslange Abstinenz anzustreben, um hier im Forum aktiv sein zu können?

    Ist aus dem bisherigen Austausch nicht schon deutlich geworden, dass das in dieser SHG nicht als Bedingung gestellt wird?


    Ich kann nur nochmals wiederholen, was ich dir schon einmal geschrieben habe:

    Wie du beim Lesen durch die verschiedenen Threads feststellen wirst, haben wir hier Mitglieder mit ganz unterschiedlichen Wegen und unterschiedlichen Erfahrungen.

    Das stellt einerseits eine Herausforderung dar, ist andererseits aber auch eine Chance.

    Was zu dir passt und was nicht, wirst du im Laufe der Zeit für dich herausfinden können.


    Viele Grüße

    AmSee

    Stilles Wasser Wäre es möglich, meinen Thread in den geschützten Bereich zu verlagern? Um in den Austausch zu gehen, gibt man ja schon recht viele Details öffentlich preis und ich bin am Ende dessen, was ich dem www zur Verfügung stellen möchte.

    Frage geklärt. 👍

    Dieser Thread bleibt nach Absprache mit Blackisbeautiful im öffentlich sichtbaren Bereich stehen.

    Beste Grüße

    AmSee (als Mod)

    Blackisbeautiful ,

    Meine Gedanken kreisen grad permanent um Alkohol. Allerdings, weil ich mich für das Thema jetzt interessiere und irre viel hier in dem Forum rumstöbere.

    das ist nicht direkt das, was ich meinte, wobei ich auch das ziemlich gut kenne, wie es dir gerade mit dem Thema geht.

    Ich habe am Anfang auch alles gelesen, was ich in die Finger/ vors Auge bekam. Das Thema hatte mich gepackt und typisch für mich bin ich da sehr intensiv herangegangen. Mein Arzt meinte mal zu mir, ich würde aus allem, was mich interessiert, eine Doktorarbeit machen. 😅

    Warum ich das erzähle: Sowas hat seine Vorteile, aber auch seine Nachteile. Ein Nachteil liegt in der Überforderung. Und ich selbst hab mich, wie ich dann feststellen musste, tatsächlich überfordert.

    In den Momenten, wo ich das nicht tue (also bei der Arbeit ausserhalb der Pause oder beim Sport), denke ich nicht an Alkohol.

    Vielleicht ist das bei dir tatsächlich so, vielleicht täuschst du dich aber auch darin.

    Ich selbst hab mich lange getäuscht und war mir sicher, kein Alkoholproblem zu haben. Erst im Nachhinein hab ich erkannt, dass ich schon lange, bevor‘s mir bewusst wurde, ein Alkoholproblem hatte.


    Warte mal das halbe Jahr ab, wie‘s sich mit Gedanken an Alkohol verhält, beobachte das.

    Ich habe so viele Geschichten hier gelesen, vor allem im EKA Bereich. Das hats mir grad irgendwie verlitten.

    Kann ich gut nachvollziehen.
    Ich bin ja selbst ein EKA, hat mich trotzdem nicht davon abgehalten, dem Alkoholmissbrauch zu verfallen. Was ich hier dann so gelesen habe, hat mich zum einen erinnert, wie‘s bei mir zuhause war, es hat mich aber auch erschüttert, weil ich nicht nur meinem Vater, sondern teilweise auch mich in den von Angehörigen geschilderten süchtigen Partnern wiedererkannt habe.


    Wenn du dich mit den Schattenseiten des Alkoholmissbrauchs beschäftigst, wird dir ganz anders. Und du siehst das, was um dich herum so geschieht, mit anderen Augen.

    Hallo Blackisbeautiful ,

    ich freue mich für dich, wenn du hier in dieser SHG das für dich mitnehmen kannst, was DU brauchst.
    Damit erfüllt sie das, wofür sie gedacht ist.


    Auf mich wirkst du jedenfalls sehr reflektiert und ich kann mich gerade bei dem Austausch mit dir hier noch recht gut erinnern, wie das bei mir war, als ich hier aufgeschlagen bin.

    Zu meinem Glück habe ich damals hier die für mich passenden Gesprächspartner gefunden und konnte von dem Austausch mit ihnen sowie durch Selbstbeobachtung und Selbstreflektion sehr viel für mich lernen.

    Ich würde nach allem was ich hier gelesen habe sagen, dass ich nicht physisch abhängig bin. Psychisch auch nicht, da es mir (noch) gelingt, nicht zu trinken, wenn ich es mir vornehme, ABER dass es bis dahin echt nur noch n Katzensprung ist. Ob man da das Rad zurückdrehen kann, weiß ich nicht. Ich bin kein Arzt. Eigentlich ist das auch nicht relevant.

    Das sehe ich genauso, dass es eigentlich nicht relevant ist.
    Entscheidend ist eigentlich nur, ob du Leidensdruck hast, wenn du Alkohol konsumierst. Und diesbezüglich weißt du, dass es dir so, wie es bislang gelaufen ist, nicht gut tut.

    Ich selbst finde auch, dass selbst die Unterscheidung, ob jemand „nur“ psychisch oder doch bereits schon physisch abhängig ist, nicht relevant ist. Abhängig ist abhängig und bedeutet letztlich nichts anderes, als nicht mehr frei zu sein.

    Noch etwas zur sogenannten psychischen Abhängigkeit:


    In dem, was Gerchla da geschrieben hat, steckt eine ganze Menge drin und, wenn du dich auf das Experiment einlassen solltest, wirst du einige Erfahrungen und Beobachtungen machen können.

    Psychische Abhängigkeit bedeutet nicht, dass man bereits trinken muss, aber noch nicht physisch abhängig ist. Wer „nur“ psychisch abhängig ist, kann Trinkpausen einlegen, wenn er/ sie sich das vornimmt.
    Die psychische Abhängigkeit äußert sich schon darin, wenn immer wieder Gedanken an Alkoholkonsum im Kopf sind. Jemand, der überhaupt kein Problem mit Alkohol hat, denkt im normalen Alltag gar nicht nicht an Alkohol.
    Meine tatsächlich schon längst vorhandene psychische Abhängigkeit äußerte sich, wie mir nach und nach bewusst wurde, u.a. darin, dass meine Gedanken immer wieder um den Alkohol kreisten.

    Psychische Abhängigkeit beginnt im Prinzip schon dann, wenn Alkohol gezielt um seiner Wirkung Willen konsumiert wird. Nicht ohne Grund heißt es, dass Alkohol Abhängigkeitspotential hat.

    Du schreibst, dass du den Rausch liebst und ihn ganz gezielt wegen seiner Wirkung einsetzt. Und da liegt bei dir tatsächlich ein Knackpunkt.


    Doch, wie du selbst schon festgestellt hast, ist es irrelevant, ob du schon eine psychische Abhängigkeit entwickelt hast oder noch nicht.
    Relevant ist, wie es dir mit deinem Konsum derzeit geht. Und da hast du ein Problem festgestellt, an dem du etwas ändern kannst und willst.
    Alles Weitere wird sich im Laufe der Zeit ergeben.

    Vielleicht trinkst du irgendwann wieder und stellst dann fest, wie’s dir damit geht und ob du Kontrollverluste erleidest, wie das anderen hier ergangen ist, oder zu einem verhältnismäßig harmlosen oder risikoarmem Konsum zurückfinden kannst.
    Time will tell.

    So oder so kannst du dich dabei durch diese SHG begleiten lassen.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Blackisbeautiful ,

    es entspricht ja nun den Erfahrungen dieser SHG und der Selbstbetroffenen hier, dass es nicht den „einen“ Weg gibt, der für alle und jeden gilt, sondern dass jeder für sich selbst seinen Weg finden muss.

    Und es entspricht den Erfahrungen hier und auch anderswo, dass, wer vom Alkohol (noch?) nicht lassen will, von nichts und niemanden überredet oder überzeugt werden kann, es trotzdem zu tun.

    Und so wirst auch du deine eigenen Erfahrungen machen dürfen und daraus Konsequenzen ziehen oder nicht.


    Ich kann das nicht beurteilen, ob du auch eher so‘n Willibald bist oder nicht.

    Nach dem, was du eingangs geschildert hast, unterscheidest du dich in einer Sache nicht wenig von Willibald.
    Er trinkt laut eigener Aussage ab und zu und dann gemäßigt.

    Es gibt noch ein Mitglied hier, ein Mitglied, das schon seit sehr langer Zeit hier dabei ist, das einen anderen Weg gegangen ist, das ist Bassmann-neu . Vielleicht schreibt er bei Gelegenheit etwas dazu. 🤷‍♀️

    Anders als bei Willibald sprach bei dir aber ein nicht geringer Leidensdruck aus dem, was du von dir erzählt hast.

    Es könnte also sein, dass du kein Willibald bist. So reizvoll das für dich vielleicht gerade klingt, in etwa so weitermachen zu können, wie bisher.

    Daher Bremse rein, gucken wie es so läuft, weiterlesen und erstmal sortieren

    Mach das und beobachte selbst, wie‘s läuft.

    Ich meine, ich rauche und allgemein nicht der Typ für die Gesundheitsnummer.

    Sorry, wenn ich dabei wissend schmunzeln muss….

    Möchte dazu eine kleine Geschichte erzählen: So ähnlich hat ein guter Freund von mir bis vor einer Weile auch argumentiert. Und dann wurde er mit der Diagnose, möglicherweise Lungenkrebs, konfrontiert.
    Hat ihn, obwohl ihm klar war, dass das bei seiner Raucherei nicht unwahrscheinlich ist, irgendwie doch eiskalt erwischt.
    Nun hat er seine ursprüngliche Argumentation über Bord geworfen und hört mit dem Rauchen auf.

    Ich selbst hab als Kind meinen Opa an Lungenkrebs sterben sehen und als Erwachsene vor wenigen Jahren erst meine Oma, die in jungen Jahren nur gepafft hatte, und kurz darauf von meiner anderen Familienseite meinen Onkel, der ebenfalls nur ab und zu bei Feiern mal mitgepafft hatte.

    Ich sag dir, wenn du unmittelbar davor stehst und vor der Frage, wie du stirbst, ob du grausam zugrunde gehst oder im Bestfall mehr oder minder ohne Leiden, siehst du deine derzeitige Argumentation vielleicht etwas anders.

    Beste Grüße

    AmSee

    Guten Morgen, Blackisbeautiful ,

    Bighara ob ich dauerhafte Abstinenz anstrebe, weiß ich noch gar nicht. Ich trinke nicht. Heute nicht, Morgen nicht, erstmal nicht. Aber unabhängig davon sollte ich an meinem Leben auf der Überholspur was ändern, sonst endet das irgendwann vor nem Betonpfeiler, weil mein Körper den Dienst quittiert.

    zu dem hier und zu dem, was Bighara geschrieben hat, möchte ich gerne noch etwas schreiben:


    Bighara hat mit dem, was sie dir geantwortet hat, nicht Unrecht, das entspricht auch meinen eigenen Erfahrungen, aber ich möchte doch nochmals betonen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt erstmal keine Rolle spielt, ob du dauerhafte Abstinenz anstrebst oder nicht.

    Ich weiß von mir selbst noch zu gut, dass ich mich damals nicht mit dem Gedanken einer dauerhaften Abstinenz anfreunden konnte. Und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin, sondern es anderen, die dann doch dauerhaft abstinent geworden sind, auch so ergangen ist.

    Deshalb hat mir damals der Gedanke, „Heute trinke ich nicht.“ geholfen und ich hab mich nur auf das heute konzentriert. Und im Hinterkopf hatte ich dabei auch das Experiment, das Gerchla mir vorgeschlagen hatte.

    Im Laufe der Zeit erschloss sich mir dann durch eigene Erfahrungen und sehr viel Auseinandersetzung mit dem Thema, warum es heißt, „Nicht saufen reicht nicht.“.

    Deshalb möchte ich dazu raten, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, erste Erfahrungen zu sammeln und bei der Beschäftigung mit dem Thema am Ball zu bleiben.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hi allerseits,

    willibald42 was meinst Du mit „diesem Stadium“?

    da bezieht willibald42 sich auf etwas, wie er das bei sich selbst wahrnimmt: Ihm ist bewusst Alkoholiker zu sein, aber ihn stört seine Suchterkrankung im Alltag wohl nicht. Er hat hier mehrfach betont, dass er vom Alkohol nicht lassen möchte und er trinkt ab und zu Alkohol.
    Wie er bislang geteilt hat, trinkt er aber nicht exzessiv, sondern mäßig und kontrolliert. Er zieht dabei nicht dieses sogenannte „Kontrollierte Trinken“ nach Prof. Körkel durch, das zu einer Konsumreduktion führen soll und mit Hilfe von Programmen in meist kostenpflichtigen Kursen erlernt wird.

    Kannst mir gerne widersprechen, willibald42 , wenn ich das falsch wiedergegeben habe.


    willibald42 , die Formulierung „unrealistisch“ finde ich unglücklich gewählt. Muss da an diese Kurzgeschichte denken, die Stilles Wasser hier mal eingestellt hat:


    Und an diesen Spruch hier:

    “Alle sagten, dass es so nicht geht, und dann kam einer, der nicht wusste, dass es so nicht geht, und der hat es dann einfach gemacht.“.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Blackisbeautiful ,

    manches, was du von dir erzählst, kommt mir sehr vertraut vor, weil ich, auch wenn mein Leben etwas anders verlaufen ist als deins, Ähnliches erlebt, gefühlt und getan habe.

    Ich selbst bin zum Beispiel nicht selten ohne Handy, ohne Schlüssel, ohne Portemonnaie von zuhause weggelaufen. Ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr….


    Du wirkst auf mich übrigens ähnlich reflektiert, wie ich das bin, und ebenfalls sehr, sehr selbstkritisch.


    Da ich in der Lage bin, das von außen zu betrachten, wirkt deine Selbstkritik auf mich zu kritisch. Von dir und deinen eigenen Bedürfnissen bleibt bei aller Selbstkritik so herzlich wenig übrig, deine eigenen Bedürfnisse bekommen wenig Würdigung, sondern werden wiederum kritisiert.


    Nach dem, was du so über dich erzählst, liegt bei mir die Vermutung nahe, dass du oder zumindest ein (vernachlässigter) Teil von dir schon länger aus deinem (selbst errichteten) Gefängnis ausbrechen möchtest, dass du endlich „gesehen“ werden möchtest. Kann es sein, dass du deswegen jedem alles erzählst, ob er es nun hören will oder nicht?


    Gefängnis mit gelegentlichem Freigang trifft es. Aber ich habs mir auch noch selbst gebaut. Ob ich mich da selbst irgendwann rauslassen kann, weiss ich in diesem Moment nicht. Es kommt mir so eingefahren vor. So VERfahren.

    Wie Bighara das schon geschrieben hat, ist eine Kur, um Abstand von Allem zu bekommen, eine gute Idee.

    Ich selbst steckte auch in einer Art von Gefängnis fest bis ich völlig zusammenbrach und nix mehr ging.
    Da musste nicht nur ich lernen, mich aus meinem Gefängnis rauszulassen, auch mein Umfeld und insbesondere mein Mann musste umlernen.
    Das war für uns beide nicht immer einfach. Alte, gewohnte Muster und Prägungen legt wohl niemand so leicht ab, aber Schritt für Schritt haben wir‘s geschafft und sind noch heute dabei, weitere Schritte zu schaffen.

    Dieser Leistungsgedanke war auch bei mir tief eingeprägt. Ich hab mir, als ich schon eine Weile trocken war, nochmals therapeutische Hilfe gesucht und konnte dies und anderes erfolgreich aufarbeiten und mich von gewissen Prägungen und negativen Glaubenssätzen, die ich verinnerlicht hatte und zu meinen eigenen gemacht hatte, distanzieren.

    Viele Grüße

    AmSee

    Hallo Blackisbeautiful ,

    das kann ich mir durchaus vorstellen, dass man dir den Lebensstil noch nicht so ansieht.

    Doch lass dich davon nicht täuschen, ein ernsthafter Blick auf Biografien wie deine zeigt, dass das nur eine Frage der Zeit ist, bis man‘s auch dir ansieht. Es sei denn, du ziehst die Reißleine.


    Was du von dir so erzählst, klingt nach einem Leben am Limit…


    So ein Binge-Typ bin ich auch gewesen…
    Bis dann nix mehr ging…


    N‘ bisschen binge bin ich noch immer, aber das gehört offenbar zu meiner Natur.
    Wenn ich wollte, gäbe es Möglichkeiten, etwas daran zu ändern. Versucht hab ich das auch, aber hab für mich festgestellt, dass ich das Intensive auch brauche und gar nicht anders sein möchte.

    Dazu, das zu erkennen und zu akzeptieren, gehörte für mich dann auch, die Auszeiten, die Körper und Psyche brauchen und sich bei mir auch holen, selbst wenn ich andere Pläne habe, zu akzeptieren.


    Übrigens hatte ich, als ich getrunken habe, auch eine gefährlich hohe Toleranz. Ich war damals sogar stolz darauf, so trinkfest zu sein. - Heute denke ich anders darüber, hab im Nachhinein gelesen und für mich als relevant begriffen, dass sich Trinkfestigkeit auch begünstigend darauf auswirkt, eine Alkoholsucht zu entwickeln.


    Viele Grüße

    AmSee

    Hi 4Emmi ,

    hab gesehen, dass du die Tage mal wieder online warst.

    Wie mag‘s dir inzwischen wohl gehen?

    Ich hab dir dann nicht mehr geantwortet, da du nach dem 31. Dezember nichts mehr von dir hast hören lassen.

    Wenn du das möchtest, können wir gern wieder in einen Austausch eintreten.

    Viele Grüße

    AmSee