Im Internet habe ich eine kurze Beschreibung gefunden die die Opferrolle sehr gut erklärt.
Die Opferrolle beschreibt eine Haltung, in der sich jemand als hilfloses Opfer von Umständen oder anderen Personen sieht. Betroffene neigen dazu, sich selbst zu bemitleiden und die Verantwortung für ihre Situation abzulehnen. Sie konzentrieren sich auf erlittenes Leid und fühlen sich machtlos, etwas an ihrer Lage zu ändern. Diese pessimistische Sichtweise kann dazu führen, dass sie passiv bleiben und sich nicht um Lösungen bemühen.
https://kurz.wortbedeutung.info/Opferrolle/
Danke an Stilles Wasser , dass du dich dieses Begriffs angenommen und dafür einen eigenen Thread eröffnet hast.
Auch finde in der kurzen Beschreibung diesen Begriff sehr gut erklärt.
Mir persönlich ist diese „Opferrolle“ in gewisser Weise fremd, weil ich mich fast mein gesamtes Leben darum bemüht habe, selbst die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, so gut mir das eben jeweils gerade möglich war.
Es gab immer mal wieder Zeiten, in denen ich mich von den Lebensumständen gefangen fühlte, das waren zweifellos harte Zeiten, aber ich konnte gar nicht anders als immer wieder nach Lösungen zu suchen. Etwas in mir wollte leben, wollte überleben. Und wann immer sich mir eine Chance auftat, aus einer für mich als nicht länger erträglich empfundenen Lebenssituation auszubrechen, habe ich diese genutzt. Da war so eine Art von Gespür in mir für solche Chancen, teilweise war’s sozusagen der Mut der Verzweiflung, besser kann ich das nicht beschreiben.
Selbst in den Zeiten meines schlimmsten depressiven Tiefs sowie in den Zeiten, in denen meine Stimmung infolge meines Alkoholmissbrauchs in den Keller stürzte, war ich zwar unendlich lebensmüde, aber noch immer auf der Suche nach Lösungen.
Im Hinterkopf hatte ich selbst dabei in diesen Situationen etwas, was ich mal bei Jean-Paul Sartre gelesen hatte, dessen Argumentation, so radikal sie auch ist, für mich durchaus schlüssig ist.
Vertraut ist mir diese Rolle aber von anderen Menschen, die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind. Ich habe diese Begegnungen als sehr unangenehm erlebt, solche Begegnungen waren für mich teilweise wie ein schwarzes Loch, das auch mir meine zeitweise begrenzt zur Verfügung stehenden Energien abzog.
Da war keine Sicht auf die eigene Verantwortung für sich selbst vorhanden, kein Blick auf Lösungen, kein Blick auf eigene Errungenschaften oder irgendetwas, was es tatsächlich an Positivem in deren Leben gab, sondern nur der Blick auf durch andere Menschen erlittenes Leid gerichtet, auf die Schuld der anderen, darauf, dass andere etwas ändern müssten, damit es einem selbst wieder besser ginge.
An eine Begegnung erinnere ich mich besonders, weil sie besonders intensiv für mich war und so aufschlussreich, dass ich für mich daraus die Konsequenz gezogen habe, mich in Zukunft vor solchen Menschen zu schützen. Mein Mitgefühl für diesen Menschen und mein Bemühen, ihn an das zu erinnern, was er erreicht hat und Mut zu machen, ging für mich nach hinten los. Die Energie, die mich dieser Mensch gekostet hat, war weg, ohne dass es was gebracht hätte, stattdessen richtete dieser Mensch einen Teil seiner Wut und Verzweiflung gegen mich.
Das mag hart klingen, dass ich mich vor solchen Menschen nun schütze, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt und lernen müssen, dass jeder für sein eigenes Leben die Verantwortung trägt und dass es für MEIN Leben notwendig war, mir die Menschen, die ich zu retten versuchte, weil sie ihrer eigenen Verantwortung für sich nicht nachkamen, von der Schulter nehmen musste.