Beiträge von AmSee13

    All das noch einmal hautnah in der Erinnerung zu erleben ist schon schmerzhaft. Doch es ist ein heilsamer Schmerz der die Akzeptanz für das erhöht was gewesen ist.

    Ich war ab und zu in der Gegend meiner Kindheit und Jugend… Es ist an sich eine schöne Gegend, aber für mich hing immer ein dunkler Schleier darüber.
    Vor einer Weile bin ich auf Motorradtour dort gewesen. Gerade, DASS ich dort mit meinem großen Motorrad unterwegs war, fühlte sich für mich wie ein Sieg an. „Sieh dich an, seht mich an, ich hab‘s überlebt. Und wie!“ Und dabei war das so unwahrscheinlich…..

    Ich hab dort sogar unsere ehemaligen Nachbarn wiedergetroffen und einen Blick auf das Haus und in den Garten werfen können, wo wir damals gelebt haben…. Ja, es fühlte sich befreiend und schmerzhaft zugleich an…. Und die Begegnung mit unseren ehemaligen Nachbarn war in gewisser Weise heilsam.


    Ich könnte allerdings nicht sagen, dass es ein heilsamer Schmerz war, der die Akzeptanz für das, was gewesen ist, erhöht hätte. Ich akzeptiere das, was war. Es hat mich zu der werden lassen, die ich heute bin, und das hat, wie ich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erkennen durfte, nicht nur Nachteile.


    Ich bin trotzdem noch immer nicht gerne dort und inzwischen hat es sich auch so ergeben, dass ich dort nicht mehr hinfahre, sondern in andere, gänzlich unbelastete Gegenden. Fühlt sich besser für mich an.

    Diese Gewissheit „Es ist vorbei.“ habe ich erst im Laufe der Therapie mit EMDR erreicht….

    Hab schon befürchtet, dass mir das mit dem „echte“ Depression um die Ohren fliegen könnte. 😉

    Ich hab‘s einfach nicht besser ausdrücken können, was ich mit solchen Depressionen meine, die tatsächlich mit AD gelindert werden können, im Gegensatz zu solchen, die aufgrund anderer Ursachen nicht mit AD gelindert werden können.
    Hab‘s deswegen zwischendurch auch mit „klinisch“ versucht, aber selbst das ist missverständlich.

    Kurz und gut, ich hab Hormonmangeldepressionen sicher nicht kleinreden wollen, falls das so rübergekommen sein sollte.

    Eine Freundin von mir hatte nach der Geburt ihres Kindes eine postpartale Depression. Schlimm war das. Die dürfte, wie ich vermute, hormonell bedingt gewesen sein. Ich weiß nicht, wie diese behandelt wurde, darüber haben wir nie gesprochen, aber ich weiß, wie sehr meine Freundin darunter gelitten hat.

    Ergänzung: Das hatte ich vorhin vergessen….

    Soweit mir bekannt ist, ist eine Depression, die erstmalig auftritt, durchaus heilbar, anders verhält sich das mit chronischen Depressionen; die lassen sich bislang offenbar nur lindern.

    Es ging schon damals, als bei mir erstmalig Depression diagnostiziert wurde, nicht darum, dass diese allein mit einem Antidepressivum heilbar wäre, sondern schon damals war klar, dass für Heilung eine entsprechende therapeutische Begleitung notwendig ist.

    Diese Info sollte mir damals Mut machen, weil ich aufgrund des Beispiels meiner Mutter ziemlich geschockt war, ebenfalls an Depressionen erkrankt zu sein und vor Augen hatte, ihr Schicksal teilen zu müssen und den Rest meines Lebens ähnlich leiden zu müssen wie sie.


    Ich habe Mitpatienten kennengelernt, die von sich aus nichts für ihre Genesung unternommen haben, sondern erwartet haben, dass das AD sie heilt. So funktioniert das nicht.


    Zu dem von Paul verlinkten Bericht: Das Ergebnis wundert mich nicht in Anbetracht der Tatsache, wie leichtfertig Psychopharmaka von so manchem Arzt verordnet werden, ohne dass tatsächlich eine Depression vorliegt. Das wird von Helga ja nicht zu Unrecht kritisiert.

    Wenn jemand keine echte Depression hat, wie soll ein AD denn da Linderung bringen? - Ist doch logisch, dass da nix bei rauskommt. Und es auch logisch, dass angesichts der Zahlen all derer, die AD nehmen, aber keine klinische Depression haben, dann auch Antidepressiva-Studien scheitern.

    Wie soll ein Psychopharmakum eine Depression heilen, die durch Hormonmangel entstanden ist? Diese kann man nur heilen indem man Hormone ersetzt.

    Wir reden da, denke ich, von unterschiedlichen Problemen.
    Das, woran ich beim Schreiben gedacht habe, sind Depressionen, die nicht im Zusammenhang mit Hormonmangel stehen, sondern andere Ursachen haben, PTBS zum Beispiel.

    Das, was du im Sinn hast, sind eher Depressionen, die bspw. im Zusammenhang mit den Wechseljahren stehen. An die habe ich dabei überhaupt nicht gedacht…..

    Heilen geht nur durch das Beheben der Ursache. Und da kaum untersucht wird und nur Symptome behandelt werden, sehe ich da keine echte Heilung.

    An der Behebung der Ursache habe ich zum Beispiel mit meinem Psychiater/ Neurologen durchaus über die Jahre gearbeitet. Meine Mutter mit ihren Ärzten ebenso, soweit das möglich war und sie es zugelassen hat. Und mit den mir Nahestehenden, von den ich gesprochen habe, hat es sich auch so verhalten.
    Ich kann das, was du schreibst, so nicht bestätigen.

    Psychopharmaka wirken, aber sie heilen nicht.

    Womit wir bei der Frage wären, was unter „Heilung“ zu verstehen ist. Darunter scheint ja jeder etwas anderes zu verstehen.
    Ich wage aufgrund eigener Erfahrungen und dem, was ich bei mir Nahestehenden, die ebenfalls an echter Depression erkrankt sind, beobachten konnte, zu behaupten, dass Psychopharmaka vorhandenes Leid lindern können.
    Soweit mir bekannt ist, ist eine Depression, die erstmalig auftritt, durchaus heilbar, anders verhält sich das mit chronischen Depressionen; die lassen sich bislang offenbar nur lindern.

    Die Tiefs sind zwar weg, aber sich freuen gibts auch nicht mehr.

    Kann ich so nicht bestätigen. Das gilt weder bei mir noch bei den von mir erwähnten Nahestehenden. Wir empfinden durchaus richtige, echte Freude und es geht uns zeitweise ausnehmend gut.
    Was wir nicht mehr haben, sind diese grauenvollen Tiefs und, wenn wir Tiefs haben, sind die seltener und dann halbwegs erträglich.

    Also, ich kann für mich nicht sagen, dass die Psychopharmaka, die ich in den letzten Jahren genommen habe, das Leben leichter gemacht hätten, so fühlte sich das nicht an.

    Sie haben lediglich dafür gesorgt, dass meine Stimmung nicht mehr dauerhaft hoffnungslos, niedergeschlagen, traurig, dunkel und schwarz war, dass ich nicht mehr ohne Antrieb und ohne jegliche Interessen war, konzentrationslos und vergesslich (Depressionsdemenz), dass der Drang, meinem Leben ein Ende setzen zu wollen, aufhörte. Stattdessen wurde ich einfach nur einigermaßen stabil. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

    Und das meine ich mit „weniger gehandicapt“. Fühlst du dich dauerhaft niedergeschlagen, traurig, empfindest alles als hoffnungslos, hast du so gut wie keinerlei Antrieb und keine Interessen mehr, so ist das ein sehr, sehr großes Handicap.

    Als bei mir fünf Jahre vor meinem endgültigen Zusammenbruch erstmals Depressionen diagnostiziert wurden, habe ich Medikamente verweigert. Ich war fest gewillt, ohne auszukommen und hab alles versucht, um da rauszukommen. Ich hab‘s nicht geschafft…. Ohne die Psychopharmaka hätte ich vor zehn Jahren meinem Leben ein Ende gesetzt.

    Für mich geht es insofern nicht darum, mir das Leben leichter zu machen oder eine Abkürzung zu nehmen, sondern darum, so stabil zu sein, dass ich mein Leben in die Hand nehmen kann und in die Hand nehmen will.


    Ich kenne auch Leute, die Tavor missbräuchlich nehmen, ich kenne aber auch Leute, die eine sehr, sehr tiefe depressive Phase damit überlebt haben und später, sobald sie wieder stabil waren, nie wieder Gebrauch davon genommen haben. Deswegen, meine ich, sollte man auch da differenzieren.

    Hallo Sunny,

    natürlich kannst du hier schreiben. Dass das hier an der richtigen Adresse ist, weißt du ja schon.



    Ich denke, entscheidend ist erstmal, deinen eigenen Empfindungen zu vertrauen.

    Und die sprechen meines Erachtens eine deutliche Sprache. So, wie’s läuft, stimmt da etwas gewaltig nicht.

    Ich frage mich gerade, was dich eigentlich hält, so weiter zu machen, wie bisher. Fühlst du dich verpflichtet, weiterzumachen?


    Wenn du mal so tust, als würdest nicht du das geschrieben haben, sondern jemand anderes, vielleicht ein Forumsmitglied oder eine Freundin von dir. Was kommen dir dabei für Gedanken in den Sinn?


    Das erstmal in Kürze von mir.

    Freundliche Grüße

    AmSee

    Und so lang das so ist, wird es auch so bleiben, auch wenn man Sehhilfen, Gehhilfen und andere Prothesen mit Psychpharmaka gleichsetzt.

    Es steht jedem frei, sich mal ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

    Grundsatzdiskussionen sind wichtig, jedoch gezielte, alles mit allem vermengen ist eher weniger hilfreich.

    Ich spiele auf solche Grundsatzdiskussionen an, die hier nahezu in jedem Thread aufgemacht worden sind ….. Dazu haben sich hier schon diverse Nutzer geäußert….

    Es spricht meines Erachtens nichts dagegen, wenn wir uns hier auch mal über das Thema „Medikamentensucht“ austauschen.

    Für herzlich wenig hilfreich halte ich da Verallgemeinerungen oder Grundsatzdiskussionen.


    Für hilfreich halte ich, wenn wir uns ganz konkret über dieses oder jenes austauschen, mit dem wir selbst unmittelbar zu tun haben.

    Wenn ein Kind Ritalin einnimmt heißt es oft, oh das arme Kind ist krank und muss behandelt werden, damit es gesund wird.

    Die Vorstellung mag zwar in unserer Gesellschaft allgemein verbreitet sein, aber das liegt eher daran, dass viele Menschen keine Ahnung haben von diesem Thema.

    Ich sehe das genau so wie du, dass es nicht normal ist, wenn in einer Schulklasse 60% der Jungs Ritalin nehmen, das bedeutet aber nicht, dass dieses Medikament grundsätzlich fragwürdig ist. Ich weiß aus persönlicher Erfahrung, wie hilfreich und entlastend ein solches Medikament für einen Menschen sein kann, der wirklich mit ADS oder ADHS zu tun hat.

    Ich selbst habe mich vor Kurzem nach vielen quälenden Jahren für eine lebenslange Therapie entschieden. Diesen Weg kann ich nicht jetzt nicht mehr einfach abbrechen. Ich werde also die nächsten Jahre von min. zwei Substanzen dauerhaft abhängig sein. Für mich war das sehr schwer das anzunehmen, da ich ja schon auf ein anderes Medikament angewiesen bin. Ich hadere sehr mit der Verpflichtung/ Abhängigkeit das dauerhaft einnehmen zu müssen.

    Das ist das, was ich meine, wenn ich schreibe, dass ich es für hilfreich halte, wenn wir uns ganz konkret über dieses oder jenes austauschen, mit dem wir selbst unmittelbar zu tun haben.

    Die Sache ist doch die: Helfen dir diese zwei Substanzen, die du nun nehmen musst, um weniger gehandicapt durchs Leben zu kommen? Passt die Chancen- Nutzen- Rechnung oder passt sie nicht?

    Ich vergleiche das mal mit einer Brille. Ohne sie wäre ich im Alltag gehandicapt, weil ich ohne Brille kaum mehr was lesen oder erkennen kann. Wenn man’s genau nimmt, bin ich den Rest meines Lebens abhängig davon, eine Brille zu tragen, aber niemand, der eine Brille trägt, würde da von Abhängigkeit sprechen und das problematisieren.

    Hallo Laggard ,

    schön, von dir zu hören und zu lesen, dass es bei dir soweit gut läuft.


    Er hat mir allerdings auch angedeutet, dass er mir bei wichtigen Punkten nicht entgegenkommen kann. So werde ich weiterhin einen Wechsel zur anderen Stelle anstreben.

    Das klingt für mich so, dass du nun gegenüber deinem Chef für deine Bedürfnisse einstehen kannst und dich nicht so leicht unterkriegen lässt, weil/ wenn er dir bei wichtigen Punkten nicht entgegenkommen kann. Das hört sich nach neuer Stärke und neuem Selbstbewusstsein an.

    Diesen Konflikt anzugehen, war bestimmt nicht einfach für dich, aber du hast es geschafft und anschließend ebenfalls für dich sorgen können, und DAS zählt. 👍

    Wünsche dir weiter das nötige Selbstvertrauen und die Stärke für dich und deine Bedürfnisse einzustehen. 🍀


    Beste Grüße

    AmSee

    Ist es akzeptierter von Pharmaprodukten abhängig zu sein?


    Man kann zwar mal darüber nachdenken, inwiefern das, was die Pharmaindustrie so auf den Markt wirft und bewirbt, bedenklich ist und absichtlich neue, völlig unnötige Probleme und sogar Abhängigkeiten generiert werden, aber inwiefern hilft uns hier bei unserer Thematik die Frage weiter, ob es „akzeptierter [ist] von Pharmaprodukten abhängig zu sein“? 🤔

    Was ich nachvollziehen kann, ist, dass jeder Mensch seine Wünsche und Vorstellungen hat, wie er sein Leben möglichst gut und glücklich führen möchte, und grundsätzlich seine Schwierigkeiten damit hat, wenn da etwas dazwischenkommt, sei es Krankheit, ungünstige Verhältnisse, Unrecht oder Verantwortungslosigkeit anderer, Krieg, eine Naturkatastrophe usw.

    Und es ist auch völlig verständlich und nachvollziehbar, damit seine Schwierigkeiten, ja sogar Probleme zu haben und auch damit zu hadern, verzweifelt und wütend zu sein und sich auch hilflos zu fühlen.

    Was ich persönlich nicht nachvollziehen kann, weil mir das fremd ist, ist, in solchen Situation nicht die Verantwortung für das eigene Leben und ggf. die von Kindern zu übernehmen und das zu tun, was im Bereich des Möglichen liegt.

    Ich hab das nie wirklich verstehen können, auch wenn ich als Erwachsene echte Depression und das, was alles damit verbunden ist, von Innen erlebt habe, warum meine Mutter meinen Vater nicht verlassen hat, als sie die Chance dazu hatte. Und sie hätte tatsächlich mehr als die eine Chance, die sie nur kurzzeitig ergriffen hat, gehabt.

    Sich um die Probleme zu drehen, hält einen permanent in der Beschäftigung. Man braucht keine Ziele mehr im Leben, wenn man fortlaufend Probleme hat.

    Ganz ehrlich: Das verstehe ich nicht.
    In der Beschäftigung hält man sich doch auch, wenn man nach Lösungen sucht. 🤔

    Es gibt Menschen, die sind lösungsorientiert, andere problemorientiert.

    Ja, so ist es wohl. Und es scheint zumindest so zu sein, dass die Menschen, die problemorientiert sind, das auch nicht einfach so ablegen können.

    Ich weiß nicht, warum das so ist, ich kann‘s nur zur Kenntnis nehmen und dankbar dafür sein, dass ich irgendwie nie anders konnte, als nach Lösungen zu suchen.

    Das klingt hochgradig psychopathisch, aber ich bin tatsächlich ganz normal. Das waren die kindlichen Gedanken der Verzweiflung in einer ausweglosen Situation nach einer Lösung suchend.

    Hochgradig psychotisch wär‘s, wenn du als Erwachsene auch noch so denken und handeln würdest….

    Wer sich mit kindlicher Entwicklung ein bisschen auskennt und zumindest eine Ahnung hat, was missbräuchliche Erfahrungen und das Aufwachsen in einer dysfunktionalen Umgebung für ein Kind bedeuten, kann nachvollziehen, warum ein Kind solche Gedanken haben kann…


    Wie du sagst, sind es kindliche Gedanken der Verzweiflung in einer ausweglosen Situation, bzw. in einer als ausweglos empfundenen Situation. Ich kann, da es mit meinen Eltern anders war als bei dir, nur ahnen, wie verzweifelt du gewesen sein musst, um das zu denken. Doch ich kann es nachvollziehen, weil ich selbst als Kind und Jugendliche zeitweise Situationen als ausweglos empfunden habe bzw. mich mangels eigener Möglichkeiten, dem dauerhaft entfliehen zu können, ausgeliefert gefühlt habe und zum Ausharren gezwungen gesehen habe. Als Kind kannst du nicht einfach weglaufen, wenn du keinen Ort kennst, wohin du fliehen könntest.

    Mich erstaunt und ich bewundere es immer wieder, wenn ein junger Mensch daraus ausbricht und selbst die Verantwortung für sein Leben übernimmt und eben kein „Opfer“ bleibt. Selbstverständlich ist das nicht.

    Ich bin mit 15 gegangen, als sich mir die Chance dazu bot, zwar in dem Sinne nicht abgehauen, sondern mit Hilfe des Jugendamtes von zuhause weg, aber ich bin gegangen, um nicht zugrunde zu gehen. Hab’s da, wo ich dann untergekommen bin, zwar, wie sich dann herausstellte, auch nicht so gut gehabt und bin ein gutes Jahr später auch dort weg, weil‘s nicht mehr auszuhalten war, aber immerhin war’s dort anders als zuhause und ich habe erstmal überlebt.
    Ich hab daraufhin wieder die Hilfe des Jugendamtes in Anspruch genommen und bin so schließlich in einer Einrichtung untergekommen, wo ich bis zum Abitur ganz gut aufgehoben war.

    Ich bin anfangs nicht von mir aus auf das Jugendamt als Unterstützungsmöglichkeit gekommen. Wie auch? Mein Glück, dass ich es kennenlernte, war, dass meine Eltern sich endlich scheiden lassen wollten und über das Sorgerecht entschieden werden musste.

    Im Internet habe ich eine kurze Beschreibung gefunden die die Opferrolle sehr gut erklärt.

    Die Opferrolle beschreibt eine Haltung, in der sich jemand als hilfloses Opfer von Umständen oder anderen Personen sieht. Betroffene neigen dazu, sich selbst zu bemitleiden und die Verantwortung für ihre Situation abzulehnen. Sie konzentrieren sich auf erlittenes Leid und fühlen sich machtlos, etwas an ihrer Lage zu ändern. Diese pessimistische Sichtweise kann dazu führen, dass sie passiv bleiben und sich nicht um Lösungen bemühen.

    https://kurz.wortbedeutung.info/Opferrolle/

    Danke an Stilles Wasser , dass du dich dieses Begriffs angenommen und dafür einen eigenen Thread eröffnet hast.

    Auch finde in der kurzen Beschreibung diesen Begriff sehr gut erklärt.

    Mir persönlich ist diese „Opferrolle“ in gewisser Weise fremd, weil ich mich fast mein gesamtes Leben darum bemüht habe, selbst die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, so gut mir das eben jeweils gerade möglich war.

    Es gab immer mal wieder Zeiten, in denen ich mich von den Lebensumständen gefangen fühlte, das waren zweifellos harte Zeiten, aber ich konnte gar nicht anders als immer wieder nach Lösungen zu suchen. Etwas in mir wollte leben, wollte überleben. Und wann immer sich mir eine Chance auftat, aus einer für mich als nicht länger erträglich empfundenen Lebenssituation auszubrechen, habe ich diese genutzt. Da war so eine Art von Gespür in mir für solche Chancen, teilweise war’s sozusagen der Mut der Verzweiflung, besser kann ich das nicht beschreiben.

    Selbst in den Zeiten meines schlimmsten depressiven Tiefs sowie in den Zeiten, in denen meine Stimmung infolge meines Alkoholmissbrauchs in den Keller stürzte, war ich zwar unendlich lebensmüde, aber noch immer auf der Suche nach Lösungen.

    Im Hinterkopf hatte ich selbst dabei in diesen Situationen etwas, was ich mal bei Jean-Paul Sartre gelesen hatte, dessen Argumentation, so radikal sie auch ist, für mich durchaus schlüssig ist.



    Vertraut ist mir diese Rolle aber von anderen Menschen, die mir im Laufe meines Lebens begegnet sind. Ich habe diese Begegnungen als sehr unangenehm erlebt, solche Begegnungen waren für mich teilweise wie ein schwarzes Loch, das auch mir meine zeitweise begrenzt zur Verfügung stehenden Energien abzog.


    Da war keine Sicht auf die eigene Verantwortung für sich selbst vorhanden, kein Blick auf Lösungen, kein Blick auf eigene Errungenschaften oder irgendetwas, was es tatsächlich an Positivem in deren Leben gab, sondern nur der Blick auf durch andere Menschen erlittenes Leid gerichtet, auf die Schuld der anderen, darauf, dass andere etwas ändern müssten, damit es einem selbst wieder besser ginge.

    An eine Begegnung erinnere ich mich besonders, weil sie besonders intensiv für mich war und so aufschlussreich, dass ich für mich daraus die Konsequenz gezogen habe, mich in Zukunft vor solchen Menschen zu schützen. Mein Mitgefühl für diesen Menschen und mein Bemühen, ihn an das zu erinnern, was er erreicht hat und Mut zu machen, ging für mich nach hinten los. Die Energie, die mich dieser Mensch gekostet hat, war weg, ohne dass es was gebracht hätte, stattdessen richtete dieser Mensch einen Teil seiner Wut und Verzweiflung gegen mich.


    Das mag hart klingen, dass ich mich vor solchen Menschen nun schütze, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt und lernen müssen, dass jeder für sein eigenes Leben die Verantwortung trägt und dass es für MEIN Leben notwendig war, mir die Menschen, die ich zu retten versuchte, weil sie ihrer eigenen Verantwortung für sich nicht nachkamen, von der Schulter nehmen musste.

    Habe alles mögliche angefangen um herauszufinden was mir liegen könnte.

    Den Ansatz finde ich gut. So hab ich’s ja auch gemacht, denn wie sonst sollte ich ernsthaft herausfinden können, was mir liegt und was nicht.

    Gibt da genug, aber alles nur ein bisschen? Nein.

    Ich bin nicht der Typ, der sich nur auf eine Sache konzentriert und die dann in einem Zug von vorn bis hinten durchzieht. Dass ich das nicht bin und auch gar nicht anders sein will, habe ich erst in diesem Jahr wirklich begriffen.

    Insofern hab ich nicht ungern mehrere potentielle Projekte, an denen ich dann nach Lust und Laune arbeite. Dann auch hochkonzentriert und intensiv.

    Dennoch aber war ich in gewisser Weise dem Schnäppchenfieber verfallen. Das hat durchaus Spaß gemacht und ich bereue es auch nicht, irgendwie gehört das für mich auch zu „Alles hat seine Zeit“, aber nun darf mich das eine oder andere gerne wieder verlassen. Beziehungsweise es hat mich wieder verlassen, denn ich habe in den letzten Tagen für alles Abnehmer gefunden, die zufrieden waren, so etwas zu verschenken gefunden zu haben. - Passt für mich dann wieder ins Konzept Nachhaltigkeit, das mir ein sehr großes Anliegen ist.

    und dann lieber mehr raus unter Menschen. Neue Entwicklung bei mir.

    Prima. 👍

    Hallo Libra,

    Für mich ist es tatsächlich auch egal warum jemand nicht trinkt. Allerdings ist einer, der wegen des Geschmacks drauf verzichtet oder weil es der Glaube verbietet, natürlich kein Gesprächspartner, der die Peinlichkeiten, Scham und Abgründe kennt.
    Oder mit dem man sich über das Leben nach einer Abhängigkeit austauschen kann.

    das kann ich nachvollziehen.

    Mir hat sich das Problem so sozusagen nicht gestellt, weil ich hier von Anfang an passende Gesprächspartner hatte.

    Ich bin hier ja aufgeschlagen, weil ich mir Sorgen wegen meines Alkoholkonsums machte und befürchtete ein ernsthaftes Problem entwickelt zu haben. Mir war das sehr peinlich, aber hier war‘s erstens anonym und zweitens hoffte ich hier Menschen zu finden, die sich damit auskennen.

    Und ich hab zu meinem Glück gleich zu mir passende Gesprächspartner gefunden. Ich hab anfangs auch nur hier über dieses Thema gesprochen, weil‘s mir wie gesagt ziemlich peinlich war.

    Dass es mir nicht mehr peinlich war, sondern ich im Gegenteil ein ganz neues Selbstbewusstsein entwickelt habe, kam erst später, nachdem ich mich viel mit dem Thema beschäftigt hatte und mich hier viel über dies und das ausgetauscht hatte.

    Kurz und gut, hier kannst du solche Gesprächspartner finden, die du suchst.

    Wünsche dir und deiner Familie erstmal ein schönen Familienurlaub.

    Liebe Grüße

    AmSee

    Hallo Libra,

    nun komme ich dazu, dir ausführlich zu antworten.

    Er trinkt nicht, für ihn ist das aber gar kein Thema. Ich habe schon einmal vorsichtig versucht, das Gespräch in diese Richtung zu lenken, aber er hat den Ball nicht aufgenommen. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass mehr als nur Nicht-Mögen dahinterstecken könnte.

    Ich persönlich finde, dass es keine Rolle spielt, warum jemand nicht trinkt. Man muss das meines Erachtens überhaupt nicht offenlegen.

    Alkoholkonsum ist in unserer Gesellschaft zwar selbstverständlich und es herrscht die allgemeine Vorstellung, dass Alkohol zum Leben dazu gehöre, aber wenn man sich tatsächlich mal tiefer in die Materie eingearbeitet hat, gibt es überhaupt keinen vernünftigen Grund dafür, seinem Körper Alkohol anzutun. Es gibt stattdessen sehr viele gute Gründe, es überhaupt nicht zu tun.

    Das will in unser Gesellschaft aber niemand hören - ich denke da zum Beispiel auch an meine Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen und auch Freunde; und ich selbst war bis vor ein paar Jahren ja auch nicht anders -, deshalb begründe ich selbst zum Beispiel nicht, warum ich keinen Alkohol trinke.

    Zudem herrscht in unserer Gesellschaft noch immer eine falsche Vorstellung davon vor, was ein Alkoholiker oder eine Alkoholikerin sei. - Ich selbst hatte, als ich hier aufschlug, auch eine falsche Vorstellung. - Der Begriff ist noch immer stigmatisierend und kaum ein Gegenüber weiß damit umzugehen, wenn man sich als „Alkoholiker“ outet.

    Der eine oder andere Alkoholiker outet sich aus Selbstschutz - und wenn das jemand für sich für richtig und wichtig hält, finde ich das völlig in Ordnung -, aber ein Outing kann ggf. auch nach hinten losgehen. Insofern darf das jeder für sich selbst entscheiden, ob er oder sie sich als Alkoholiker/in outet oder nicht.

    Man legt anderen gegenüber ja auch nicht unbedingt seine Krankheiten offen. Wozu auch? Das geht doch eigentlich niemanden außer einem selbst etwas an.

    Für mich persönlich spielt das eigentlich keine Rolle mehr, dass ich eine Alkoholabhängigkeit entwickelt habe, denn ich möchte gar keinen Alkohol mehr konsumieren, er fehlt mir überhaupt nicht, sondern im Gegenteil fühle ich mich wie von einer Gehirnwäsche befreit. Und das, was ich mir früher stets vom Alkohol versprochen, aber rückblickend betrachtet nie wirklich bekommen habe, bekomme ich heute besser, nachhaltiger und nebenwirkungsfrei hin. 😅


    Im Hinterkopf habe ich lediglich, dass sich das, was mein sogenanntes Belohnungssystem leider mal gelernt hat, im ungünstigen Fall nochmals aufdrängen könnte, deshalb bleibe ich am Thema dran.

    Zum einen, weil mein Gehirn noch immer so programmiert ist, dass Alkohol dazugehört. Wenn ich zum Beispiel abends im Urlaub am Strand sitze, kommt dieser Impuls. Oder beim Kochen. Kognitiv weiß ich, was Alkohol ist, was er mit mir macht, wie schädlich er ist – und ich sehe auch, wie die Alkoholindustrie funktioniert. Aber emotional ist das nicht immer angekommen.

    Ich habe diese Impulse inzwischen schon lange nicht mehr, ich hab mir das in gewisser Weise abtrainiert, indem ich mir in solchen Momenten in Erinnerung gerufen habe, was ich wirklich davon gehabt habe. Früher war ich überzeugt, dass ich Wein und Co des Geschmacks und Genusses wegen konsumiere, aber im Laufe meiner Beschäftigung mit dem Thema ist mir bewusst geworden, dass Alkohol und Vergorenes eigentlich überhaupt nicht schmeckt. Tatsächlich haben wir uns auch das „nur“ antrainiert, ist das eine Folge der Wirkung von Alkohol auf das sogenannte Belohnungssystem.

    Vielleicht brauchst du einfach noch mehr Zeit und Austausch hier, damit’s auch emotional bei dir ankommt.

    Vor etwa einem Jahr habe ich zwei AA-Treffen besucht – einfach, weil ich hoffte, dort jemanden zu finden, mit dem ich gut reden kann. Die Leute dort waren wirklich super nett! Aber so richtig auf einer Wellenlänge waren wir leider nicht. Die Stimmung war sehr schwer, fast düster – das hat mich eher abgeschreckt. Deshalb bin ich nicht wieder hingegangen. Vielleicht hätte ich noch ein anderes Treffen ausprobieren sollen.

    Ich selbst habe keine reale SHG bei mir vor Ort aufgesucht, ich hatte nicht das Bedürfnis danach, mir persönlich reicht diese Online-SHG hier, aber ich habe mit Interesse gelesen, was andere Nutzer hier von ihren Erfahrungen mit einer realen SHG vor Ort geteilt haben.
    Jede SHG ist anders, das liegt letztlich an den Menschen, die daran teilnehmen. Ich war zeitweise noch in einer anderen Online-SHG, stellte dann aber fest, dass die nicht zu mir und ich nicht zu ihr passte.
    Vielleicht wäre es interessant für dich, dir noch andere Gruppen in deiner Umgebung anzusehen.

    Bis hierhin erstmal. S‘ist recht lang geworden. 😉


    Viele Grüße

    AmSee

    Da war ich jetzt aber ganz schön im Flow…Ich hoffe ich erschlage niemanden mit dieser Textwand.

    Ich mag auch lange Texte und ich find‘s sogar prima, dass du hier gleich in so einen Flow gekommen bist. Ich deute das mal positiv für uns. 👍

    Ich schaff‘s nur heute nicht mehr, dir zu antworten, und muss das verschieben.

    Wir lesen uns.