Hallo lieber Sonnenkäfer,
erst einmal herzlich willkommen im Forum.Ich wollte dir gesten Abend schon schreiben,aber gerade als ich fertig war,stellte ich fest, dass der Strang geschlossen war. Habe es aber abgespeichert,weil ich mir schon dachte, dass das nur ein Versehen war. Jetzt brauche ich es also nur eben rüber kopieren ;D
....meinen großen Respekt, dass du beides - Alkohol und Zigaretten -auf einen Schlag gelassen hast. Ich habe mir zwischen meinem trocken-werden und dem Zigarettenentzug immerhin mehr als zwei Jahre Zeit gelassen.
Das mir der depressiven Stimmung ist übrigens unter anderem auch eine ganz normale körperliche Reaktion,weil ja dein Nervensystem die Gifte Alkohol und Nikotin...und die anderen Suchtstoffe in der Zigarette fest "eingeplant" hat. Zigaretten waren bei mir übrigens noch wesentlich schlimmer,vielleicht auch weil: getrunken habe ich "nur" Abends; geraucht habe ich aber von früh morgens bis spät abends, morgens mit Kaffee,Abends mit Alk. Als ich trocken geworden bin war meine Stimmung eher im Gegenteil: fast euphorisch.
Also das mit der depressiven Stimmung könnte auch passieren, wenn alle anderen um dich herum knochentrockene Nichtraucher wären, aber dass alle anderen um dich herum anscheinend "dein Leben" weiter führen macht die Sache natürlich nicht leichter.
Das Problems war bei dir vielleicht damals auch, dass du für deine Tochter aufgehört hast. Das ist natürlich sehr löblich, ich bin selber Vater und würde für meine Tochter auch auf alles verzichten. Aber dadurch hast du es natürlich auch als Verlust empfunden.Sicher, diesen Verlust bzw.Verzicht hast du gerne erbracht, aber dann wahrscheinlich die ganze Zeit dem Moment entgegen gefiebert wenn "es wieder geht".
Um dabei zu bleiben ist wichtig, das du Trockenheit und Rauchfreiheit als Gewinn ansiehst. Wenn dir jetzt beides auf einmal zu schwer erscheint fang doch erst mal mit dem Alkohol an. Natürlich lässt sich das nicht erzwingen, Trockenheit als Gewinn anzusehen, aber der Austausch mit Menschen, die trocken geworden sind und jetzt ein zufriedenes und glückliches Leben führen kann dabei helfen. Deshalb ist es schon mal super,dass du hier schreibst. Vielleicht wäre auch eine Selbsthilfegruppe mit realen "analogen" Treffen etwas für dich. Das geht ja jetzt bei den meisten nach den Kontaktbeschränkungen auch wieder langsam los .
Noch etwas zu den depresssiven Stimmungen.. .Bei meinem Rauchstopp habe ich mich immer an den Spruch gehalten: "das kommt jetzt nicht, weil ich aufgehört habe zu rauchen ,sondern weil ich so lange und so viel geraucht HABE. "....lässt sich übrigens auch auf Alkohol übertragen.
Noch ein Gedanke,der mir beim heutigen Lesen auch noch gekommen ist. Du schreibst, dass dein Freundes- und Bekanntenkreis dem Alkohol auch sehr zugetan ist. Um so wichtiger finde ich es auch, dass au da ein Gegengewicht schaffst und auch Leute näher kennen lernst, bei denen der Alkohol keine so große Rolle spielt oder die sogar abstinent leben. Eine Selbsthilfegruppe hat natürlich den Vorteil, du kannst über dein Problem reden, kannst von den anderen lernen, und nette Bekanntschaften - wenn nicht gar Freundschaften - ergeben sich fast von selbst wenn du regelmäßig hingehst.
Bei mir war das übrigens auch so, dass früher, als ich in deinem Alter war (bin jetzt 52) mein gesamter Freunds-/Bekanntenkreis dem Alkohol zugetan war. Dann folgte bei mir eine Zeit nach der Geburt meiner Tochter und in fester Partnerschaft, wo ich meinen Konsum - zumindest betr. Alkohol, aber nicht btr.. Zigaretten -auch stark einschränken konnte,phasenweise habe ich sogar abstinent gelebt. Nach der Trennung habe ich denn wieder angefangen, nicht weil ich so unter der Trennung gelitten hätte, sondern weil "es wieder ging" -ohne soziale Kontrolle durch die Partnerin.
Am ersten Abend in der eigenen Wohnung waren es 3 Halbliter-Flaschen Bier "zur Feier des Tages" -das weiß ich noch genau, und innerhalb eines halbes Jahres wurde es mindestens fünf, ,meist 6 bis 7 - zumindest an den Abenden an denen ich getrunken habe -und das war wirklich jeder Abend an dem meine Tochter nicht bei mir war -also mehr als die Hälfte alle Abende. Ohne meine Tochter wäre es jeder einzelne Abend gewesen - und ich war total einsam,habe immer alleine getrunken....da war dann nichts mehr von der Zeit als ich zwischen Mitte 20 und Mitte 30 war mit durchgefeierten Nächten am Wochenende, das war einfach nur noch saufen,nichts mehr mit feiern. Still und alleine habe ich jeden Abend auf meinem Balkon gesessen, bis tief in die Nacht, in der linken Hand ne Pulle und in der rechten Hand ne Kippe.
Liebe Grüße
Frank