Beiträge von Brit


    Genau das meine ich auch...dieses Überstülpen gewisser Regeln und dann meinen ,dass sie für alle gelten müssen und dass das der einzige Weg ist !!
    Das halte ich für überheblich.

    Hallo Orangina,
    ich verstehe irgendwie nicht, was dich da so triggert...
    Jeder darf doch seine eigenen Regeln aufstellen, soweit sie nicht gegen geltendes Recht verstoßen.
    Ich meine, ich kann doch Regeln, wie z.B. eine Hausordnung aufstellen, wie sie für mich gerade richtig erscheint und die für alle Mieter gültig ist.
    Der Mieter kann die akzeptieren und einziehen oder aber die Regeln für überheblich halten und nicht einziehen.

    Jeder ist frei in seiner Entscheidung…
    Gruß Britt


    Hallo Britt,

    das ist aber nur dann eine Bewältigungsstrategie, wenn Dich diese Themen tatsächlich triggern.

    Gruß Susanne

    na klar, ich wende immer Bewältigungsstrategien (liegen übrigens in meinem Notfallkoffer) an, wenn mich was auch immer triggert. Muss ja nicht nur der Alkohol sein, manchmal triggern mich auch Menschen, da wende ich dann andere Strategien an...

    Gruß Britt


    Ich hab zum Beispiel auch Schwierigkeiten mit dem Begriff „nasses Denken“. Damit wird ja ganz gerne mal hantiert. Wenn man aber mal nachfragt, was den nun genau „nasses Denken“ sei, wird’s schwammig, scheint eine genaue Definition nicht möglich zu sein.
    Viele Grüße
    AmSee

    Moin,
    in der Suchtfibel (empfehle ich nicht nur einem Süchtigen) ist magisches Denken beschrieben:
    „nasses Denken“ und „trockener Rückfall“ sind typische Denkstrukturen eines Alkoholikers.
    Magisches Denken ist z.B.:
    "Wenn das und das passiert, dann muss ich einfach was trinken." oder "es ist doch ganz normal, dass ein „trockener Alkoholiker“ mal einen Rückfall baut."
    Also, dass „man“ sich nicht an das hält, was Tatsache ist, sondern irgendetwas voraus sieht, was man für Tatsache hält, weil alte Verhaltens-und Denkmuster uns geradezu dazu zwingen.
    Dass ich durch die Auseinandersetzung mit diesem Thema der Begrifflichkeiten gelernt habe, mich gegen diese Gedankenkonstrukte zu sträuben und lieber zu hinterfragen,
    was wirklich abgeht, betrachte ich als großen Gewinn .

    Lieben Gruß
    Britt

    In unserer Gesellschaft breitet sich eine wirklich fiese Selbstgerechtigkeit ideologisch aufgeladener und in moralischer Selbsterhöhung verirrter Menschen aus.
    Dadurch hat „man“ es nicht leicht im gesellschaftlichen Diskurs. In einer Welt, deren Widersprüche vielstimmiger als je zuvor artikuliert werden (können), zieht es viele Menschen hin zu extremeren, nur selten noch vermittelbare Positionen.
    Die eigenen Sichtweisen durchzudrücken steht über dem Bemühen, durch Annäherung überhaupt zu einem Ergebnis von Meinungsäußerungen zu kommen.
    Steht sie unbelehr-und unverrückt da, verliert sie nahezu gänzlich an Wert - was „man“ sich bewusst machen sollte.
    Nichts im Leben sollte in Stein gemeißelt sein. Weder Auffassungen noch Verhaltensweisen. Leicht gesagt….Kaum etwas ist schwieriger, als die eigene Meinung zu ändern-oder die Art zu denken und zu handeln.
    Was sicher auch damit zusammenhängt, dass jede brauchbare Veränderung ein Prozess ist. „Man“ wagt sich aus der Deckung der eigenen Unerschütterlichkeit hinaus auf unbekanntes Terrain,
    das erst durchquert sein will, bevor „man“ wieder sicheren Boden unter den Füßen spürt. Das hört sich nicht gerade attraktiv an, erklärt aber, warum so viel Menschen nie den Schritt wagen, sich selbst zu hinterfragen.
    Mit dem Blick auf andere geht das sehr viel leichter. Deren Meinungen und Handlungen stellt „man“ recht gerne mit narrativen Methoden infrage, in der wohltuenden Annahme, es selber besser zu wissen oder besser zu machen.
    Das Ganz hat aber eine Funktion: „Man“ klammert sich an Gewissheiten und bastelt sie sich, um nicht durchzudrehen, um die Orientierung zu behalten.
    Mir wurde aber auch die Fähigkeit gegeben, all dies zu erkennen.

    justmy2cents
    Britt


    Bist Du gerne krank, Britt?

    Moin Susanne,
    ich springe nicht über jedes Stöckchen, das mir vor meine Füße gehalten wird...
    Ich empfinde deine Frage provozierend. Sieh es mir nach, aber manchmal ist es sinnvoll, nicht auf einen als provozierend empfundenen Diskussionsbeitrag zu antworten.

    LG Britt

    Übrigens, den "doofen" Begriff "trocken" verwende ich für mich auch nicht. Er ist für mich stigmatisierend und erniedrigend. Wenn andere ihn toll finden, sollen sie ihn ruhig gebrauchen.

    Rekonvaleszent

    Direkt, freundlich, klar….

    Es geht nicht darum, das empathische Momentum auszuschalten, sondern keine sprachlichen Weichmacher, Umwege und Verschwurbelungen zu verwenden.
    Wie heisst es doch so schön: "Arbeit an der Sprache ist Arbeit am Gedanken"

    LG Britt

    Ich nochmal,

    Zitat

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, viele weitere "trockene" Jahre und alles Gute für dich!


    sorry, dass ich das Wort "trocken" benutzt habe :tml:
    Ich glaube gelesen zu haben, dass du dieses Wort in diesem Zusammenhang auch nicht benutzt. Ich ersetze es durch "abstinent", oder was würdest du vorschlagen?

    LG Britt

    Moin Orangina,

    vielen Dank für dein Feedback. Ich freue mich wirklich für dich, dass du deinen Weg gefunden hast. Sei stolz auf dich!

    Bitte verstehe mich nicht falsch, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht daran geglaubt, dass du nun 1-jährige Abstinenz vorweisen kannst. Warum?
    Weil ein Säufer nicht nur ein Säufer ist. Er ist alkoholkrank.
    Ich lese immer wieder, dass du nach wie vor ein „Problem“ mit der Begrifflichkeit hast und dir bis heute selbst nicht eingestehen kannst, dass du KRANK/Alkoholikerin bist.
    Für mich ist das ein typisches Verhaltensmuster eines Alkoholikers: sich selbst etwas vormachen.
    Alkoholismus ist im Gegensatz zum Rauchen eine nach ICD-10 anerkannte chronische (nicht vollständig heilbare) Krankheit. Der Vergleich hinkt also enorm.
    Nein, ich will nicht damit sagen, dass du jedem auf die Nase binden sollst, dass du Alkoholikerin bist. Das soll natürlich jeder für sich selbst entscheiden.
    Aber ich finde es enorm wichtig, nur für sich selbst einzugestehen, Alkoholiker*in zu sein. Sich vor den Spiegel zu stellen und es laut aussprechen: "Ich bin Alkoholikerin!"

    Ich zumindest bin unsagbar stolz auf mich, dass ich damals so mutig war „reinen Tisch“ zu machen. Ich schäme ich mich nicht dafür, Alkoholikerin zu sein und außerdem
    will ich nicht vergessen, woher ich komme.
    Ich mache mir jeden Tag bewusst, dass auch nach vielen Jahren Abstinenz die Sucht in mir lauert und wenn ich das nicht klar benenne, mache ich mir selber etwas vor.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg, viele weitere "trockene" Jahre und alles Gute für dich!

    LG Britt

    Moinsen!


    Das Thema war: Was bringt mir die Gruppe?
    ichso

    Im Mai 2020 habe ich meine ambulante (in echte) Therapiegruppe samt wunderbaren Gruppenmitgliedern und einer tollen Therapeutin „losgelassen“.
    Es war eine Gruppe, in der ich mich aufgehoben fühlte. Wir waren füreinander da. Wir haben einander zugehört und aussprechen lassen. Ich fühlte mich mit all meinen Sorgen und Ängsten ernstgenommen.
    Gesprochenes blieb im Raum und ich konnte meine Gefühle (incl. aller möglichen Adjektive) rauslassen - ohne irgendwelche Rechtfertigungen, Angriffe , Vorwürfe oder abwertenden Bemerkungen.
    Es wurde nicht darüber diskutiert, wer Recht hat oder was wirklich wahr ist.
    Die subjektive Sicht eines Jeden durfte bleiben - ein Übungsstück für Toleranz und Achtung vor dem Anderen.
    Wir trafen gemeinsam Entscheidungen. Die Gruppe lebte davon, dass wir je nach Fähigkeit und momentaner Befindlichkeit eines Jeden aktiv themenzentriert arbeiteten.
    Es waren Themen wie "gesunder Egoismus", "zufrieden Abstinenz", Kommunikation
    (4-Ohren Prinzip), Selbstfürsorge, Selbstliebe, Gefühle, ICH-Botschaften, Bewältigungsstrategien zur psychischen Stabilität , Achtsamkeit u.v.m.
    Wir sind mit unseren geteilten Erfahrungen zusammengewachsen.
    Es war eine Gruppenatmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung und genau das ist m.E. die Voraussetzung für (m)eine persönliche Weiterentwicklung.

    Nach wie vor besuche ich SHG, weil ich mich in diesen „Räumen“ einfach wohl fühle. Ich darf tolle Menschen kennen lernen. Wir unterstützen und begleiten und gegenseitig
    mit unserem Wissen und unseren Erfahrungen um unsere Krankheiten.

    Liebe Grüße
    Britt

    P.S: Danke, dass ich auch hier in diesem Forum tolle Menschen kennen lernen durfte,
    die mich bis hierhin mit Ihrem Wissen um die Sucht begleitet und zusätzlich unterstützt haben.

    Belastungen:

    Zum einen heißt es wieder mal Warten…zu Diagnosezwecken musste ich mich erneut wg. Entnahme einer Gewebeprobe unters Messer legen. Der histologische Befund steht noch aus...
    Zum anderen ist mein Papa nicht mehr der Mensch, den ich mal gekannt habe. Mama und ich haben gedacht, dass er vergesslich wird…Was dann aber innerhalb kürzester Zeit mit ihm passierte,
    hat mich umgehauen: vermehrt extreme Unruhe, aggressiv, örtlich und zu Personen unorientiert, anhaltende kognitive Defizite und akuter Verwirrtheitszustand.
    Er wurde lt. richterlichem Beschluss in die „geschlossene“ Gerontopsychiatrie verbracht.
    Diagnose: Delir nach Demenz im fortgeschrittenen Stadium. Er ist eine Gefahr für sich und andere. Es tut so weh, ihn so zu sehen. Jeden Tag verlieren wir ihn mehr.
    Nun bin ich in der Rolle der „bevollmächtigten“ Tochter. Ich erledige so ziemlich sämtlichen Papierkram. Mama weint nur und redet tagtäglich von Ihrem schlechten Gewissen.
    Sie sei ein schlechter Mensch, sie denkt, dass sie versagt hat.
    Sie fühlt sich schuldig, sie schämt sich und verkriecht sich im Haus. Außerdem tut es ihr unendlich Leid, dass sie mir so viel aufbürdet, obwohl ich selber genug Sorgen habe…
    Wir reden jeden Tag miteinander. Ich versuche ihr zu erklären, dass es wichtig ist, die Krankheit zu verstehen und wie sie funktioniert, dass sie sich um sich selber sorgen muss
    und dass das Verhalten meines Papas nichts mit ihr zu tun hat-
    und das es wichtig ist, dass sie Hilfe und Unterstützung annimmt, auch wenn sie Angst davor hat (diese Gespräche erinnern mich immer an die Zeit meines Suchtausstiegs).

    Die Krankheit wird uns bald meinen Papa, den Ehemann, den Schwiegervater, den Opa, Freund und Nachbarn nehmen. Wir können nichts tun.
    Doch die Liebe zu ihm bleibt, sie hat nur eine andere Form übernommen.

    Zusammengeballte Ängste haben momentan wieder einen Peak bei mir erreicht, aber ich bin unendlich dankbar, dass ich den „ungeliebten Ausweg“ nicht mehr brauche.

    Bleibt oder werdet gesund.

    Britt

    Moin Sven,

    es ist immer wieder schön, so ein Feedback zu lesen. Du liest dich wirklich sehr aufgeräumt und klar.
    Wirklich klasse. Klopf dir selbst auf die Schulter!

    Alles Gute weiterhin und lieben Gruß von
    Britt

    Moin,

    liebe ichso, danke der Nachfrage , bin noch dabei, ich habe allerdings momentan viel Belastung - irgendwas ist ja bekanntlich immer…
    Zum Thema Selbstlob:
    Ich hatte viele Jahre Probleme, mich selbst zu loben. Ich wusste gar nicht wie das geht. Von meinen Eltern wurde ich selten oder gar nicht gelobt, sondern eher kritisiert. Das ging in meiner Ehe weiter. Das, was mir gelang, war selbstverständlich und keines Lobes wert. Im Gegenteil: das Haar in der Suppe wurde immer gefunden. Dadurch habe ich nur meine Schwächen und Fehler beachtet und durch diese ständige Selbstkritik fühlte ich mich mehr und mehr schlecht, minderwertig, traurig und wütend. Das wurde mit der Sauferei natürlich noch verstärkt. Ich hatte immer viel zu hohe Erwartungen an mich selbst. Wenn ich Anderen in Gesprächen zuhörte, wie sie sich selbst lobten, dachte ich immer: boahh wie überheblich, selbstverliebt und arrogant…
    Ein Umdenken fand dann erst mit meiner Abstinenz statt:
    Während meiner Therapie gab es eine Übung, in der ich mal einige Minuten erzählen sollte, was ich so alles gut kann. Das war echt schwierig und es dauerte lange, bis ich erkannt habe, dass die Fülle an meinen Stärken riesig ist. Sie reichen von „ich habe heute nicht getrunken“, beruflichen und zwischenmenschlichen Stärken bis hin zu banalen Dingen wie das Backen einer Torte oder das Stricken von Wollsocken. Ich schaffte es tatsächlich irgendwann ca. 10 Minuten lang darüber zu sprechen, was ich gut kann und war überrascht über mich selbst, denn über meine Talente zu plaudern und mich sozusagen selbst zu loben kannte ich bis dahin nicht und gab mir das Gefühl von „Das-macht-man-doch-nicht“ oder „Eigenlob stinkt“.
    Heute habe ich ein festes Ritual entwickelt: Jeden Abend vor dem Einschlafen lasse ich den Tag nochmal Revue passieren und ich finde immer mehrere Situationen, was für mich gut gelaufen ist bzw. in denen ich mir auf die Schulter klopfe und sage: „Das hast du gut gemacht!“ Dazu gehört aber auch immer ein realistischer Blick und eine gute Selbstreflexion, damit ich am Ende nicht an Selbstüberschätzung leide. Dieses Ritual hilft mir, selbstbewusst zu bleiben und ich brauche zudem nicht mehr begierig darauf zu warten, bis irgendjemandem auffällt, was ich bin und was ich leiste. Wenn ich mich selbst loben kann, bin ich unabhängiger vom Lob anderer, was aber nicht heißen soll, dass ich mich natürlich über ein Lob anderer auch freue.

    Liebe Grüße
    Britt

    Moin Katharina,
    die "Suchtfibel" und "der blaue Faden" sind die Bücher, die mich in meiner Therapiezeit begleiteten. Sehr lesenswert. Die Bücher kannst du kaufen.
    Für die Diagnose laut ICD-10 der Alkoholabhängigkeit (F10.2) wird in der Regel ein Katalog von 8 Kriterien (IFT98) oder 6 Kriterien (WHO97) herangezogen. Bei Erfüllung von mindestens 3 Kriterien kann eine Alkoholabhängigkeit vorausgesetzt werden.
    1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Alkohol zu konsumieren
    2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Alkoholkonsums
    3. Alkoholkonsum mit dem Ziel der Linderung von Entzugssymptomen und der Wiederherstellung der entsprechenden positiven Erfahrung
    4. Ein körperliches Entzugssyndrom
    5. Nachweis einer Toleranz. Um die ursprünglich durch niedrige Dosen hervorgerufene Wirkung zu erreichen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, die bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu schweren Beeinträchtigungen oder gar zum Tode führen würden.
    6. Ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol, wie z.B. die Tendenz, Alkohol an Werktagen wie an Wochenenden zu trinken, und die Regeln eines gesellschaftlich üblichen Trinkverhaltens außer Acht zu lassen
    7. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen und Interessen
    8. Anhaltender Alkoholkonsum trotz Nachweis eindeutiger schädlicher Folgen
    Ich füge noch hinzu:
    fehlende Krankheitseinsicht,Schamgefühle und Heimlichkeit.
    LG Britt

    Fragt der Arzt den Impfgegner: "Wegen der neuen Quarantäne-Regel wollen Sie sich nun doch impfen lassen?"
    Antwort des Impfgegners: "Bei Geld hört die Feindschaft auf !"

    Moin Isa,

    Zitat

    Ich hab in Foren wie diesem, schon häufiger gelesen, dass der Austausch erst dann sinnvoll ist, wenn man auch bereit ist mit dem trinken aufzuhören.

    Das war in deiner Vorstellung dein erster Satz. Viele Betroffene haben dir ja nun schon geantwortet. Auf die Beiträge bist du aber so gut wie gar nicht eingegangen…musst du ja auch nicht.

    Nun schreibst du wiederholt, dass du dir noch nicht vorstellen kannst, mit dem Trinken aufzuhören. Der „Kick“ macht dich immer noch glücklich. Du bist demnach noch nicht bereit.
    Ich frage mich, ob ein Austausch mit dir da wirklich sinnvoll ist. Du erfindest Ausreden, um dein Problem für dich zu behalten. Du lässt dir somit das Hintertürchen offen, um weiter saufen zu können.
    Denkst du denn, dass mit dem Lesen anderer Alkohol-Geschichten der Krankheit beizukommen ist ? Wäre ja zu schön…
    Ich musste erst vollständig zusammenbrechen. Erst mein persönlicher Tiefpunkt (der ist bei jedem Alkoholiker individuell) konnte ein Wende und Umkehr in mein Leben bringen.
    Kennst du den Ausdruck „point of no return“? Bei der Alkoholkrankheit weiß „man“ nicht, wann dieser Punkt kommen wird. Alkoholismus ist schleichend.
    Es ist wie auf diesen Drehscheiben, die auf Kinderspielplätzen stehen: Hat „man“ sich in der Balance und hält ein gleichmäßiges Tempo, geht alles gut. Wird „man“ aber zu schnell, wirft die Scheibe dich herunter.
    Alkoholismus lässt einen jede Balance verlieren. Ich kann dir nur sagen: der "point of no return" kommt sicher - und das Ende damit auch.
    Jeder hat die Wahl: Kapieren oder Krepieren…

    LG Britt

    PS: Wann hast du denn den Termin bei der Suchtberatung und was erhoffst du dir von diesem Termin? Wäre schön, wenn du das mit uns teiltest.

    Fragst du dich nicht mal, warum jemand ausgerechnet bei dir seinen seelischen Müll ablädt? Brauchst DU das für dein Selbstwertgefühl? Fallen andere Geschichten des Jammerns vielleicht auf fruchtbaren Boden, weil es dir ähnlich geht, dir jemand einen Spiegel vorhält? Irgendetwas stimmt nicht an deinem Verhalten. Auch da bist du nicht ehrlich vor dir und vor Anderen. Konzentriere dich auf DEINE Gefühle und ergreife auch mal unpopuläre Maßnahmen. Ohne irgendwelche Rechtfertigungen auch "NEIN" sagen können ist ungemein schwer, aber für mich war dieses "NEIN" der Weg zur Veränderung und zur zufriedenen Abstinenz.

    Alles Gute
    Britt

    Moin Isa,

    ich bin Britt, in den 50ern und abstinente Alkoholikerin.
    Herzlich willkommen hier, auch wenn der Anlass nicht schön ist.

    Alles was du schreibst (verstecken, verheimlichen, Wodka ohne Geschmack für den schnelleren Kick, Versuch des kontrollierten Trinkens, Regeln aufstellen, Kontrollverlust)
    deutet stark darauf hin, dass du schon tief in der Sucht gefangen bist.
    Du hast Alkohol schätzen gelernt, weil er dich entspannt. Stress und Probleme lassen sich so gut wegdrücken. Also warum solltest du ihn weglassen?
    Ich dachte auch immer, Alkohol ist was Feines. Ich war wie du nicht körperlich abhängig und „funktionierte“ sowohl in der Familie als auch beruflich.
    Negative Folgen von Alkohol treffen sowieso nur andere, die ein trauriges Dasein fristen. Die alten Männer auf der Parkbank waren die „richtigen“ Alkis, die haben ja nichts anderes als den Alkohol.
    Mit dieser Hybris bin ich jahrelang durch mein Leben gegangen. Bis ich die negativen Folgen meines Saufens selbst spürte. Irgendwann fing die Unberechenbarkeit an. Die Willkür meiner Launen.
    Reizbar „wie auf Speed“ und ständiges Chaos im Kopf. War ich heute die perfekte Hausfrau, Mutter und Arbeitnehmerin, machte ich am nächsten Tag alles falsch…war heute ein wunderbarer Tag, stimmte am nächsten Tag nichts mehr. Irgendwann stellte ich meine Wahrnehmung in Frage. Ich stellte MICH selbst in Frage. Ich wollte immer, dass es allen gut geht, aber ich verstand nicht, dass ich vor einer inneren Wunde davon lief,
    die nicht nur für mich sondern auch für alle meine Lieben immer näher zu einem Abgrund führte.
    Ich fühlte mich schuldig…ich schämte mich…ich verlor mich.
    Symptomatisch für einen Alkoholiker ist, dass sie sich eine Welt aus Lügen aufbauen. Durch diese Lügerei verletzte ich Menschen und trank dann noch mehr, um zu vergessen. Jeden Tag aufs Neue belog ich mich und andere.
    In einer Gesellschaft, in der Alkohol akzeptiert , sogar „gefeiert“ ist, wird einem das Lügen ja auch wahrlich leicht gemacht.
    „Funktionierende“ Alkoholiker fallen nicht auf und sie gestatten sich auch keine Hilfe, denn sie funktionieren ja….solange, bis „man“ alles kaputt trinkt.

    Liebe Isa, ich schließe mich meinen Vorschreibern an: Es ist leichter, wenn „man“ die Karten offen auf den Tisch legt. Ohne Unterstützung schaffen es die Wenigsten.
    Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit, für die sich keiner schämen muss.

    Lass das erste Glas stehen, es ist immer JETZT!
    Ich wünsche dir alles Liebe und wenn du Fragen hast, einfach raus damit…

    LG Britt