Moin Isa,
ich bin Britt, in den 50ern und abstinente Alkoholikerin.
Herzlich willkommen hier, auch wenn der Anlass nicht schön ist.
Alles was du schreibst (verstecken, verheimlichen, Wodka ohne Geschmack für den schnelleren Kick, Versuch des kontrollierten Trinkens, Regeln aufstellen, Kontrollverlust)
deutet stark darauf hin, dass du schon tief in der Sucht gefangen bist.
Du hast Alkohol schätzen gelernt, weil er dich entspannt. Stress und Probleme lassen sich so gut wegdrücken. Also warum solltest du ihn weglassen?
Ich dachte auch immer, Alkohol ist was Feines. Ich war wie du nicht körperlich abhängig und „funktionierte“ sowohl in der Familie als auch beruflich.
Negative Folgen von Alkohol treffen sowieso nur andere, die ein trauriges Dasein fristen. Die alten Männer auf der Parkbank waren die „richtigen“ Alkis, die haben ja nichts anderes als den Alkohol.
Mit dieser Hybris bin ich jahrelang durch mein Leben gegangen. Bis ich die negativen Folgen meines Saufens selbst spürte. Irgendwann fing die Unberechenbarkeit an. Die Willkür meiner Launen.
Reizbar „wie auf Speed“ und ständiges Chaos im Kopf. War ich heute die perfekte Hausfrau, Mutter und Arbeitnehmerin, machte ich am nächsten Tag alles falsch…war heute ein wunderbarer Tag, stimmte am nächsten Tag nichts mehr. Irgendwann stellte ich meine Wahrnehmung in Frage. Ich stellte MICH selbst in Frage. Ich wollte immer, dass es allen gut geht, aber ich verstand nicht, dass ich vor einer inneren Wunde davon lief,
die nicht nur für mich sondern auch für alle meine Lieben immer näher zu einem Abgrund führte.
Ich fühlte mich schuldig…ich schämte mich…ich verlor mich.
Symptomatisch für einen Alkoholiker ist, dass sie sich eine Welt aus Lügen aufbauen. Durch diese Lügerei verletzte ich Menschen und trank dann noch mehr, um zu vergessen. Jeden Tag aufs Neue belog ich mich und andere.
In einer Gesellschaft, in der Alkohol akzeptiert , sogar „gefeiert“ ist, wird einem das Lügen ja auch wahrlich leicht gemacht.
„Funktionierende“ Alkoholiker fallen nicht auf und sie gestatten sich auch keine Hilfe, denn sie funktionieren ja….solange, bis „man“ alles kaputt trinkt.
Liebe Isa, ich schließe mich meinen Vorschreibern an: Es ist leichter, wenn „man“ die Karten offen auf den Tisch legt. Ohne Unterstützung schaffen es die Wenigsten.
Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit, für die sich keiner schämen muss.
Lass das erste Glas stehen, es ist immer JETZT!
Ich wünsche dir alles Liebe und wenn du Fragen hast, einfach raus damit…
LG Britt