Entscheidungsprobleme... Ehemann Quartalstrinker

  • Hallo an alle,

    ich lese hier jetzt auch schon ein paar Tage quer und vor allem die Trennungsgeschichten durch und auch die Antworten der jetzt "Trockenen" und ich erhoffe mir auch einen guten Rat der Erfahrenen, ehemals aber Nassen und vielleicht genauso "seltsam beeinflussten" (gedanklich).
    Ich bin seit 10 Jahren mit einem Quartalstrinker zusammen, verheiratet und wir haben einen wunderbar schlauen kleinen Sohn von 8,5 Jahren..
    Mein Vater ist trockener Alkoholiker, leider trotzdem depressiv oder in depressiven Phasen unterwegs, hochintelligent, hochsensibel und also "ein schwieriger Typ", der gerne mal die soziale Keule rausholt und alle an ihm Interessierten einfach verprellt. Meine Mutter ist (Sucht-)Therapeutin und seit 45 Jahren mit ihm zusammen - seit ich 6 Jahre alt bin ist er trocken und hatte nie einen Rückfall (soweit ich das mitbekommen habe aber Kinder bekommen ja so einiges mit..)...
    Mein Mann ist ebenfalls Kind eines trockenen Alkoholikers, auch schon ewig trocken. Wobei die Eltern von ihm zwar dem Alkohol entsaagt haben aber dafür ess-fernseh- und arbeitssüchtig sind, das Fernsehen gucken lassen wir da mal aussen vor.. 8)
    Mein Mann hat mit 14 oder 15 Jahren angefangen zu kiffen und etwas später kam der Alkohol dazu.. als ich ihn kennen lernte hatte er schon eine Entgiftung und eine 6-monatige Langzeittherapie in einer sehr guten Klinik mit Chefarztbehandlung hinter sich..die Nachsorgezeit lief wohl nicht so proper, da wurde er etwas "herumgereicht".
    Seitdem war er auf mein Drängen hin, noch ein paar mal in einer Selbsthilfegruppe hier in der Gegend. Aber nur ein paar Mal.
    Seit ein paar Jahren hat er in etwas mittelschwere Depressionen die auf das Anraten meiner Mutter, mit Fluoxetin 20mg behandelt wurden.. die hat er auch ein paar Jahre genommen, Psychotherapie gabs da nicht, nur ein kurzes Gespräch und ein Rezept.
    Da mein Mann Quartalstrinker ist - wow das hat er heute auch zugegeben! - konnte er mich bisher immer vertrösten, er möchte was ändern, er besucht die Gruppe, es tut ihm leid, er hat doch schon so viel geschafft, früher war es doch viel schlimmer etc. pp.. und das bis heute. Die ganzen Stories die wir schon miteinander erlebt haben, zwei Bücher kann das füllen. Ich habe im Zorn nach Suff seine Zimmertür eingschlagen, eine Glastür. Er ist nach seinem Absturz im Krankenhaus in der Ausnüchterung gelandet, er hat bereits ein Auto aufgeknackt und das Handy oder Autoradio geklaut, weiss ich nicht mehr genau.. er hat beim vorletzten Suff 3 Stunden bei uns im Hausflur ausgenüchtert, bevor er aufstehen konnte...usw.
    Er bekommt das alles ja nicht mit. Aber ich. Und ich kann nicht mehr. Ich erwarte noch schlimmeres. Irgendwann. Wenn er seine Arbeit verliert, das wäre eine Katastrophe. Fast das ganze Wochenende muss er schlafen, ist dem Kind gegenüber entweder so, dass er ihn nicht richtig ernst nimmt oder total autoritär, es schwankt so seltsam. Sein Vater war zu ihm sehr autoritär und wenig herzlich, kein Wunder als Soldat bei der NVA.
    Heute endlich, war ich bei einer Suchtberatungsstelle, nach Jahren, vorher hatte ich sie mit ihm gemeinsam besucht aber er konnte immer klar machen, er geht in die Sauna und das tut ihm gut und sonst ginge es schon... kurz: es kam nicht an ihn ran.
    Also ich hatte Glück, der Therapeut erinnerte sich an mich und er kennt ja seine Story schon und ihn auch und er meinte, es käme für meinen Mann nur in Frage einen 4-monatigen Klinikaufenthalt zu machen, mit Behandlung seiner Ess-Sucht, Alkohol-Sucht und seiner Depressionen, also auf mehreren Ebenen.
    Ich habe das meinem Mann heute abend vorgelegt und er meinte: "Ich würde das gerne machen aber dann verliere ich meinen Job!"
    Nach dem vorletzen Absturz hatte ich mir bereits eine Wohnung für mich und das Kind angeschaut und er meinte bei einer Trennung müsste er 800,00€ Unterhalt zahlen und damit könnte und wollte er nicht weiterleben.!" Manipulativ und drohend.
    Er will sich - laut seiner Aussage - wieder eine Selbsthilfegruppe suchen "weil er uns nicht verlieren will" - das Problem ist nur, ich weiss nicht genau ob ich ihn noch haben will.
    Allein mit Kind ist nicht gerade die Lebensform, von der ich immer geträumt habe.
    Mein Mann hat durch die Futterei und die Depri und Stress mal eben in 10 Jahren über 30(!) Kilo zugenommen und von einem ehemals zugewandten und hilfsbereiten lieben Menschen ist nicht mehr so viel zu erkennen.
    Ich weiss nicht ob er es ernst meint, ich weiss nicht ob ich ohne ihn "kann" und ich will dem Kind nicht die Familie auseinanderreissen oder den Papa nehmen. Ich weiss im Moment nicht recht weiter. Danke fürs Lesen dieses Elefantentextes... ;D

  • Hallo Marietta,

    abseits der Co-Abhängigkeitsproblematik, die Du jetzt mit Hilfe der Suchtberatung alleine für Dich selbst behandeln lässt, sind zwischen Dir und Deinem Mann nach Lesart außer der Alkoholproblematik Deines Mannes Partnerschaftsprobleme.

    Zitat von “Maritta“

    das Problem ist nur, ich weiss nicht genau ob ich ihn noch haben will.


    Die Frage, hier in Bezug auf das Forum und dessen Thema, ist doch: Willst Du ihn denn „noch haben“, wenn er es schafft, seine Sucht zum Stillstand zu bringen?

    Vielleicht hilft es Dir bei Deiner Entscheidungsfindung, wenn Du das Problem, das Du hast unterteilst?


      [li]Liebst Du Deinen Mann noch so, dass Du Dir eine Zukunft zusammen mit ihm vorstellen kannst?[/li]
      [li]Würdest Du mit ihm zusammenbleiben wollen, wenn er seine Sucht zum Stillstand bringt?[/li]
      [li]Willst Du mit ihm zusammenleben, wenn es so wie jetzt noch viele Jahre weitergeht?[/li]
      [li]Welche positiven oder negativen Folgen hat es für Dich, wenn Du bleibst/Dich trennst?[/li]
      [li]Was überwiegt?[/li]
      [li]Was brauchst Du auf jeden Fall, um einigermaßen zufrieden und „glücklich“ leben zu können?[/li]

    Du hast Hilfe zur Seite (Mutter – Suchttherapeutin, Suchtberatung), weißt wohl auch, dass Du als Partnerin an der Trinkerei Deines Mannes nichts ändern kannst, solange er sie nicht selbst ändern will, und weißt, wie sich alles mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterentwickelt, wenn er nichts daran ändern möchte.

    An den „vielen Storys“, die Du schon durch die Sauferei Deines Mannes miterlebt hast, kannst Du erkennen, dass die Relativierungsversuche („ich bin Quartalstrinker“) Deines Mannes keine bestehende Gültigkeit haben.
    Ich war selbst mal laut Jellineks Trinkertypologie ein Delta-Trinker, bis die Sucht eskalierte. Dann war ich lange trocken, und als ich wieder anfing, war ich binnen Kurzem beim Gamma-Trinker angekommen, der phasenweise zwischen Epsilon- und Alpha-Trinker hin und her switchte.
    Die Probleme nehmen als Folge eine aktiven Alkoholismus immer mehr zu, und schließlich ist auch eine phasenweise Trinkpause nur noch selten aufrechtzuerhalten, weil die Problem über den Kopf wachsen.

    Zitat von “Maritta“

    Ich weiss nicht ob er es ernst meint, ich weiss nicht ob ich ohne ihn "kann" und ich will dem Kind nicht die Familie auseinanderreissen oder den Papa nehmen. Ich weiss im Moment nicht recht weiter.


    Aus eigener Erfahrung, aber auch aus den Erfahrungen des Miterlebens der Sucht bei anderen Betroffenen, glaube ich nicht, dass es ein Betroffener „ernst meint“, wenn er noch so viele Ausreden (Job, manipulative Drohungen, „mach ich nur der Frau zuliebe“ …usw.) parat hat, um nichts gegen seine Suchterkrankung tun zu wollen.

    Es liest sich auch nicht so, als würde Eurem Kind etwas fehlen, wenn der i.d.R. besoffene Papa mal eine Zeitlang fehlt, zudem er in der jetzigen Phase sein Kind, dann wenn er mal etwas nüchterner ist, herabwürdigt.
    Aus meiner Sicht als Vater heraus denke ich sogar eher, dass Du in der Pflicht stehst, Dein Kind vor den Erlebnissen mit seinem besoffenen Vater zu schützen.

  • Hallo Marietta,

    ich wollte Dir kurz ein paar Gedanken von mir, die mir beim Lesen Deines Textes kamen, hier lassen.

    Ich selbst bin dreifacher Papa, werde bald 50 Jahre alt und bin Alkoholiker. Ich trinke jetzt schon längere Zeit keinen Alkohol mehr.

    Dietmar hat Dir ja bereits einige, wie ich meine, sehr gute Denkanstösse geben, die Dir bei der Entscheidungfindung bezüglich einer Weiterführung Deiner Partnerschaft sicher sehr hilfreich sein können.

    Mir scheint, dass Du einen bestimmten Punkt, an dem sehr viele Partner / Angehörige von trinkenden Alkoholikern oft sehr lange verharren, bereits überwunden hast. Das ist der Punkt, wo sich Betroffene fast ausschließlich darauf fokussieren, die Sucht ihres Partners irgendwie in den Griff bekommen zu wollen. Das ist der Punkt, wo Angehörige quasi alles versuchen um ihren trinkenden Partner von der Sucht weg zu bringen. Das ganze Programm eben, dass Du sicher auch schon durch hast. Hoffen, drohen, in die SHG schleppen, reden, wieder vertrauen, wieder enttäuscht werden, sich selbst die Schuld geben, versuchen ihm keinen Grund zum Trinken zu liefern, usw.

    Bei Dir liest sich das so, dass das Fass jetzt tatsächlich voll ist. Und wenn Du schreibst, dass Du nicht weißt, ob Du ihn überhaupt noch haben willst, dann sagt das sehr viel aus. Denn es bedeutet ja das Du gerade daran zweifelst, dass Du mit ihm Dein Leben weiter verbringen möchtest. Auch dann, wenn er jetzt trocken werden würde. Was ja eigentlich, so vermute ich, die letzten Jahre einer Deiner größten Wünsche gewesen sein wird. Also das er zum Trinken aufhört. Und jetzt bist Du aber offenbar an einem Punkt, wo Du darüber nachdenkst, ob Du ihn überhaupt noch als Partner haben möchtest.

    Ich erzähle Dir jetzt von mir, von der anderen Seite. Ich trank sehr viel. Ich hatte damals 2 Kinder, meine Tochter etwa im Alter Deines Sohnes, mein großer schon etwas älter. Ich trank heimlich und im Laufe der Zeit (etwa 10 Jahre) entfremdete ich mich mehr und mehr von meiner Frau. Was die logische Konsequenz aus meiner Suchterkrankung war. Die ersten paar Jahre meiner Sucht waren noch kaum wahrnehmbar, hatten auch noch wenig Einfluss auf meine Ehe und mein sonstiges soziales Leben. Mit steigenden Konsum veränderte ich mich aber immer mehr, glitt immer mehr in meine eigene Scheinwelt ab, so dass ich zum Schluss hin (ich sage mal: die letzten 2 - 3 Jahre) mehr oder weniger isoliert in meiner Familie lebte. Isoliert im Sinne von sozial /emotional isoliert. Selbstverständlich versuchte meine Frau alles um unsere Ehe irgendwie zu retten. Da sie aber ja nicht mal genau wusste woher mein verändertes Wesen rührte, hatte sie kaum Ansatzpunkte.

    Als dann der Tag x bei mir kam und ich mich outete und seit dem ich auch ohne Alkohol lebe, stand ich vor den Trümmern meines bisherigen Lebens. Und ganz nebenbei erwähnt: Meine Frau und meine Kinder standen ebenfalls vor einem Trümmerhaufen, nur das sie für diese Tragödie noch nicht mal was konnten. Sie waren das Opfer meiner Sucht/meines Verhaltens geworden und ich hatte ihr bis dato wenigstens noch einigermaßen heiles Leben zerstört und all ihre Zukunftspläne innerhalb kürzester Zeit zerstört. Das Urvertrauen meiner Kinder habe ich ebenfalls meiner Sucht zum Fraß vorgeworfen.

    Nun stand ich also da, erstmals seit Jahren wieder komplett nüchtern jedoch noch lange nicht trocken und wusste nicht so recht wie es weiter gehen sollte. Ich wusste nur, dass ich nie wieder trinken wollte. Meine damalige Frau wollte unserer Beziehung trotz meiner kaum zu verzeihenden Vertrauensbrüche (Lügerein, Betrügereien, etc.) noch eine Chance geben. Auch unserer Kinder zuliebe. Und natürlich nur, wenn ich nicht mehr trinke und auch entsprechende Maßnahmen ergreife um das auch zu schaffen.
    Und ich stand plötzlich da und dachte mir: Kann ich mir überhaupt vorstellen mit dieser Frau mein weiteres (restliches) Leben zu verbringen? Will ich weiterhin mit ihr leben? Wären es nicht meine Kinder, deren zuliebe ich bei ihr bleiben würde? Und welche Rolle hatte sie eigentlich bezüglich meiner Sucht? Werde ich mit ihr als Partnerin dauerhauft abstinent leben können? Letzteres hat nichts damit zu tun, dass meine Frau mich zum Trinken animiert hätte oder so. Im Gegenteil, sie selbst trank kaum. Hier ging es nur um meine Gefühlswelt. Und zu guter Letzt dann die alles entscheidende Frage: Liebe ich meine Frau (noch)?

    Ich habe mir diese Fragen beantwortet und mich getrennt, kurz nachdem ich mit dem Trinken aufgehört hatte. Die erste Monate waren die Hölle. Die Trennung von meinen Kindern war beinahe unerträglich für mich. Dazu die Schuldgefühle, die ich sowohl meiner Frau als auch meinen Kindern gegenüber hatte. Es war nur schwer auszuhalten. Vielleicht wäre es erst mal der einfachere Weg gewesen, zu bleiben, abzuwarten, mal zu schauen, ihr/uns eine Chance zu geben. Ich schloss diesen Weg aber aus, weil ich wusste, dass ich auf eine längere Zeit gesehen nicht glücklich werden konnte. Und da ich nun mal Alkoholiker bin wäre die Konsequenz für mich gewesen, dass ich irgendwann wieder getrunken hätte. Und das wäre für alle Beteiligten wohl das mit Abstand schlimmste gewesen was passieren hätte können.

    Ich wollte Dir das schreiben. Ich stand zwar genau auf der anderen Seite, jedoch vor einer ähnlichen Entscheidung wie Du jetzt. Ich habe mich damals so entschieden, weil ich keine Liebe mehr für meine Frau empfunden habe und auch keine Perspektive mehr sah. Ich sah keine Chance, dass diese wieder wachsen könnte. Ich hatte ihr gegenüber nur noch zwei Gefühle: Nämlich ein tiefes Gefühl der eigenen Schuld und ein tiefes Gefühl des Mitleids ihr gegenüber. All meine anderen Gefühle bezogen sich auf meine Kinder, besonders das Gefühl einer tiefen Liebe. Das war für mich keine Basis für ein weiteres gemeinsames Leben.

    Vielleicht kannst Du da was für Dich heraus ziehen, etwas das Dir hilft Deine Entscheidungen zu treffen. Ich wünsche Dir viel Kraft, Mut und einen hilfreichen Austausch hier im Forum.

    LG
    gerchla

  • Hallo lieber Gerchla und lieber Dietmar!!

    endlich endlich eine gescheite und detaillierte Antwort, das hilft mir sehr!!!
    Ich habe jetzt verstanden warum Du, Gerchla, dich dann doch von deiner Frau getrennt hast, ich hatte beim Lesen der Geschichte im Forum bisher immer nie verstanden, warum. Du warst ja dann trocken, sie hat dich noch geliebt und die Kinder haben auch darauf gewartet und dennoch... das ist so traurig. Und dann eine neue Frau.
    Bei uns ist es eine ähnliche Konstellation, nur die Beteiligten spiegelverkehrt.
    Aus dem anfänglichen Verliebtsein entwickelt sich mit einem Suchtkranken (ja ich bin auch suchtkrank, rauche noch E-Zigarette aber sonst nichts mehr.. nicht mal mehr Süßigkeiten und bin so Co. oder k.o. :P) eine Negativ-Spirale, up and down und irgendwann ist dann doch die Luft raus. Von meiner Seite aus seitdem ich von allen Seiten höre, wenn er nicht selbst was unternimmt und endlich tätig wird, solange gewinnt er nur Zeit um einfach so weiter machen zu können wie bisher.
    Die Konsequenzen wenn ich mich trenne sind für mich sehr hart weil ich Christin bin und bereits verheiratet und könnte erst über einen neuen Partner nachdenken wenn mein Mann gestorben ist. Gleichzeitig wollte ich Zeit meines Lebens keine Alleinerziehende werden. Arm, einsam, verhärmt, freudlos, die Zähne zusammen beissend. Ach. ;(
    Besonders Dietmars gradlinige Aufschlüsselung werde ich mir zu Herzen nehmen und mir ein paar Tage Gedanken darüber machen.
    Wir fahren zum Glück morgen mal ein paar Tage weg, meine Mutter, ich und der Kleine.
    Das ist auch ein Test wie gut mein Mann die 3 Tage auf die Katze und auf sich selbst aufpassen wird, denn Ende des Monats fahre ich mit meiner Mutter allein 5 Tage weg und dann ist mein Mann allein hier mit dem Kind.!!!
    Wir haben sonst keinen der sich kümmern könnte und mir graut eigentlich vor dem Gedanken, bzw. macht es mir Sorgen.. mein Mann ist wirklich gar nicht belastbar, bzw. nur belastbar in Dingen die ihn angehen, sehr sehr egozentrisch kann er bspw. stunden- und tagelang an seinem Auto rumbasteln oder an seinem Computer aber man darf ihm dabei nicht auf die Nerven gehen, das meint dann zu oft stören. Am besten man lässt ihn ganz in Ruhe und lobt ihn nach getaner Arbeit. Multitasking ist überhaupt nicht sein Gebiet..
    Da er es aber schafft bis zu 6 Monate nichts zu trinken und ich vor geraumer Zeit den Urlaub geplant habe und er wenn er muss, auch alles hinbekommt, war ich endlich mal egoistisch und habe für mich und meine Mutter einen Kurzurlaub gebucht! Trotzdem, jetzt in der Situation wo er ahnt, dass ich ihn durchschaue (möglicherweise?), er ist der Stratege - nicht ich!, mache ich mir Sorgen.
    Irgendwie bekommt er jetzt für mich eine unangenehme Unberechenbarkeit - ist das berechtigt?? Was meint ihr? Ich glaube ich muss beim "Abflug" aus unserem gemeinsamen Zuhause sehr vorsichtig sein und alles verdeckt in die Wege leiten.
    Wenigstens ist er höchstens verbal aggressiv, nicht tätlich.
    Meint ihr er wird sich um das Kind halbwegs angemessen kümmern können?? Die Suchtberatung meinte, dass müsste ich einschätzen und eventuell könnte sich der Sozialdienst Katholischer Frauen kümmern. Aber wie kommt das bei meinem Mann an, der ja laut Selbsteinschätzung alles super alleine hinbekommt. Sein Bauch stört ihn auch an sich selbst aber sonst wirkt er ganz zufrieden mit sich..
    Meine Mutter ist übrigens Therapeutin allerdings nicht bei Drogen/Alkohol, sondern auf anderem Gebiet und sie sagt immer, sie kann mit mir nicht arbeiten, ich bin ihre Tochter und stehe ihr viel zu nah. Leider stimmt das. Sie ist eine sehr Gute..

    Ich danke euch schon jetzt sehr für eure klugen Antworten!!
    ...Bei Beratungsstellen ist es auch oft so, dass die Therapeuten die ewig gleichen üblen Geschichten wohl fast nicht mehr hören können und man teilweise viertelstundenlang in Warteschleifen hängt oder ich nach einem Telefonat merke, "der ist froh jetzt nichts mehr hören zu müssen". Kann ich ja verstehen...ernsthaft.

    In Selbsthilfegruppen kann ich mit dem esoterischen Beiklang oder der Positiven Denkerei auch nichts anfangen.
    Ich war einmal bei einem Treffen für Co-Abhängige und Beziehungssüchtige und fing da einfach nur an zu schwitzen und ich war froh als es vorbei war.

    Deshalb - bittet antwortet mir noch mal und verschiebt mich nicht gleich irgendwohin ;) ich schreibe nämlich das allererste Mal in einem Forum und deshalb habe ich auch statt einer Vorstellung direkt meine fast ganze Verzweifel-Geschichte geschrieben.

    Ich wünsche euch einen guten Abend. Mit gutem Gewissen und der Gewissheit, das ihr euch damals richtig entschieden habt, kann man dann wunderbar schlafen. :)

    Liebe Grüße,
    Marietta

  • Guten Abend Marietta,

    auch bei Dir, wie bei vielen aktiven Süchtigen, und wahrscheinlich wie bei Deinem Mann, fallen mir immer die vielen Gründe auf, die in diesem Fall Du hast, weswegen eine positive Veränderung in Deinem Leben nicht oder nur unter „Anführungszeichen“ möglich wäre.

    Offenbar bist Du Katholikin (?), und ziehst die das Kirchenrecht dem Recht des Staates vor.
    Aber auch dann gibt es im Kirchenrecht der katholischen Kirche Ausnahmen, unter denen eine Annullierung/Scheidung der Ehe möglich sind: So zum Beispiel Irrtum, Bedingung und Täuschung, vor allem aber psychische Unreife. Ganz abgesehen von der Impotenz als Grund, die bei aktiven Alkoholikern über kurz oder lang eintritt.
    Ich denke aber, es macht bei Deiner Entscheidungsfindung überhaupt keinen Sinn über den zweiten, dritten …Schritt nachzudenken, bevor Du Dich nicht zum ersten entschlossen hast.

    Aufgrund Deines neuen Beitrags kommt es mir jetzt auch so vor, als wäre die ganze Geschichte mit der Alkoholproblematik Deines Mannes gar nicht wirklich schlimm, jedenfalls nicht so schlimm, dass Du dadurch einen Leidensdruck verspüren würdest. Im Gegenteil, Du schreibst ja, wenn Du Dich von ihm aufgrund seiner Sucht trennen würdest, dann würdest Du einsam, verhärmt, freudlos … usw. enden. Nicht, wenn es mit seiner Sucht so, oder sogar eskalierend weitergehen wird.
    Also keine Panik – da geht noch was!

    Ich ahne jedenfalls, wie ich schon in meinem ersten Beitrag an Dich schrieb, dass der Schwerpunkt bei Deinem/Eurem Problem auf einer Beziehungsproblematik beruht, bei der ganz nebenbei die Suchtproblematik mal eine/oder keine Rolle spielt.

    Was Du über die Suchtberatungen schreibst, kann ich aufgrund sehr langer Erfahrung mit ganz unterschiedlichen Stellen nicht so erkennen. Aber auch hier ahne ich, dass es denen in Deinem Fall sehr ähnlich, wie es mir bei Lesen Deines letzten Beitrags ergeht: Da spielt vieles eine Rolle, für das etwas anderes vorgeschoben wird …
    (Suchtberatungen sind explizit für die Beratung rund um die Sucht da, und nicht für Beziehungsprobleme)
    Selbsthilfegruppe mit esoterischem Einschlag habe ich noch nie kennengelernt. Dass Teilnehmer, die ihre Co-Abhängigkeit (oder ihre Sucht) erfolgreich hinter sich gebracht haben, positiv und lebensbejahend in die Zukunft blicken, empfinde ich eher motivierend und toll.

    Ich bin ehrlich gesagt etwas … erschrocken und verwundert darüber, dass Du als Mutter das katholische Hilfswerk oder uns hier fragen musst, ob Dein Mann in der Lage ist, für Euer Kind ein paar Tage verantwortlich zu sorgen …

  • Hallo Marietta,

    das Lesen Deiner Zeilen lässt mich jetzt tatsächlich ein wenig verwirrt zurück. Oder nein, das ist das falsche Wort. Irritiert passt besser.

    Ich stelle mir tatsächlich auch gerade die Frage, welche Bedeutung die Sucht Deines Mannes für Eure Beziehung eigentlch hat. Ich stelle mir auch gerade die Frage, wie sehr Dich die Sucht Deines Mannes eigentlich belastet. Tatsächlich habe ich mir das nach Deinem ersten Post so noch nicht gedacht. Da dachte ich mir, dass Du schon ziemlich viel hinter Dir hast und das Maß jetzt voll ist. Du also wirklich an dem Punkt bist, wo Du definitiv so nicht mehr weiter leben möchtest. Und dass Du eben durch die Sucht Deines Mannes derart viel hast erleben und erleiden müssen, dass Du Dir nicht sicher bist, ob Du überhaupt noch mit ihm zusammen leben möchtest.

    Jetzt kommt es mir so vor, als wolltest Du abwägen, was schlimmer für Dich ist. Also eine Trennung um dann als verhärmte, mittellose, arme Alleinerziehende zu leben oder aber doch bei ihm zu bleiben. Das irritiert mich tatsächlich sehr, das muss ich ganz ehrlich sagen. In den meisten Lebensgeschichten von Partnerinnen trinkender (Ehe-)Männer die ich kenne, ist wirklich ALLES besser als beim saufenden Mann zu bleiben. Und diese Erkenntnis hatten diese Betroffenen auch, denn das war für die meisten auch einer der wichtigsten Gründe sich überhaupt trennen zu können. Oft spielt hier eben auch eine Co-Abhängigkeit eine große Rolle.

    Und irgendwie finde ich es auch schade, dass Du bei Alleinerziehenden so eine Schublade auf machst. Meine erste Frau ist auch alleinerziehend. Aber ich möchte jetzt mal sagen, dass sie weder verhärmt, noch freudlos und auch nicht mittellos ist. Und einsam ist sie auch nicht. Klar ist das sicher nicht das, was man sich als Frau (oder auch Mann) wünscht. Und ganz klar, dass man sich klassischerweise seine Zukunft anders vorgestellt hat. Das habe ich auch, ich hätte nie gedacht das ich mich mal von meiner Frau trennen werde, als wir damals geheiratet haben. Wir haben ja nicht aus Spaß geheiratet oder weil wir "mussten" sondern weil wir uns liebten und unsere Zukunft zusammen gestalten wollten.

    Aber das Leben ist eben das Leben und es können Dinge passieren, die alles verändern. Wie beispielsweise eine Suchterkrankung des Partners und eine damit verbundene Veränderung dieses Menschen. Ich verstehe Deine Aussage bezüglich "ich bin Christin" auch nicht wirklich. Heisst das, wenn Du keine Christin wärst und Du Dir einen neuen Partner "suchen könntest", dann fiele Dir die Entscheidung leichter? Oder dann würdest Du Dich sofort trennen. Und das kannst oder willst Du jetzt nicht, weil Du dann alleine Leben müsstest? So könnte man das lesen.

    Bitte verstehe mich nicht falsch, ich will Dich keinesfalls angreifen. Und ich gehöre jetzt auch nicht zu den Menschen, die über den christlichen Glauben schlecht reden und diesen in die übliche Schublade packen. Im Gegenteil, durch meinen Suchtausstieg und der wichtigen Rolle, die ein Mönch dabei für mich gespielt hat, bin dem Glauben wieder ein Stückchen näher gekommen und denke hier sehr differenziert. Und ich repektiere selbstverständlich auch Glaubensrichtungen dann, wenn sie nicht meiner Einstellung entsprechen und zwar so lange, wie dieser Glaube nicht extremistisch ist und/oder andere verletzt. Ich bin mir nur gerade nicht ganz im Klaren darüber, welche Rolle Dein Glaube für Dich in Bezug auf Deine Beziehung eigentlich spielt. Und welche Bedeutung in dieser ganzen Konstellation dann die Sucht Deines Mannes eigentlich noch hat. Und da wir hier ja ein Forum mit dem Thema "Alkoholsucht" sind, ist das eigentlich entscheidend.

    Du hast auch hervorgehoben, dass Dein Mann zwar verbal agressiv wird, jedoch nicht tätlich. Das liest sich für mich so wie: so schlimm ist es ja auch wieder nicht, er schlägt mich ja nicht. Meine Frau sagte damals zu mir, ihr wäre es lieber gewesen ich hätte sie geschlagen statt sie derart seelisch zu verletzen. Das hätte sie aus ihrer Sicht leichter verkraftet und verarbeitet.

    Ich denke das es wichtig für Dich wäre, Dir wirklich ganz klar zu machen, was Du eigentlich möchtest. Zu wissen, wo Du eigentlich stehst. Dir auch zu überlegen, was Du eigentlich von Deinem Leben noch erwartest, welche Ziele Du noch hast und ob Dir die Verwirklichung Deiner Ziele an der Seite Deines Mannes vorstellen kannst oder nicht. Und vielleicht auch, inwieweit Dein Glaube das dann alles auch zulässt.

    Und dazu:

    Zitat

    In Selbsthilfegruppen kann ich mit dem esoterischen Beiklang oder der Positiven Denkerei auch nichts anfangen.


    Was den esoterischen Beiklang betrifft, so muss ich sagen, dass ich selbst nur eine SHG besucht habe. Und zwar eine Gruppe der AA, welchen ja oft ein religiöser Touch nachgesagt wird. Das ist aber wohl nicht das was Du meinst, denn das sollte ja eher Deinem Glauben entsprechen. Jedoch darf ich sagen, dass meine AA Gruppe vollkommen neutral war. Religion spielte also keine Rolle und und Esoterik schon gar nicht. Wir waren einfach Betroffene, die sich eben im Format der AA (Monologgruppe) ausgetauscht haben. Und ja, natürlich gab es da diesen berühmten Vers, der bei jeder Sitzung aufgesagt wurde. Aber das würde ich jetzt keinesfalls als Esoterik bezeichnen sondern es war einfach das Bekenntnis, dass man vor seiner Krankheit kapituliert hat. Ich weiß nicht in wie vielen SHG Du gewesen bist, mir sind aber auch aus Erzählungen anderer Alkoholiker keine Geschichten über esoterische SHG untergekommen. Was nicht heißt, dass es die überhaupt nicht gibt, aber die Regel ist es, denke ich, nicht.

    Was mich jetzt aber wirklich erneut irritiert ist Deine Aussage, dass Du mit positivem Denken nichts anfangen kannst. Warum dann das bitte? Was stört Dich denn an positivem Denken? Willst Du lieber in destruktive Gedanken verfallen und still vor Dich hin leiden? Ich frage das, weil ich das nicht verstehe. Deine Aussage bezüglich Alleinerziehender zeigt, wie ich finde, ja schon ein wenig, dass Du eher mal so die düstere Zukunft im Kopf hast. Wie wäre es denn statt dessen mit: Ich schaffe das zusammen mit meinem Kind, wir holen uns unser Leben zurück, wir werden gemeinsam wieder glücklich werden - so in diese Richtung wäre deutlich besser als nur Negatives anzunehmen.

    Ich möchte hier mal wieder einen Bezug zu meiiner Situation herstellen. Denn als ich noch trank, dachte ich auch nur negativ. D. h. wenn ich wirklich mal kurz genau mein ideales Level hatte, dann bildete ich mir mein, alles wird irgendwie gut. Und genau deshalb trank ich dann ja letztlich auch immer wieder. Aber meine Grundgedanken meine Zukunft betreffend waren tiefschwarz. Und genau deshalb konnte ich mir auch nicht vorstellen mit dem Trinken aufzuhören. Denn es hatte je eh alles keinen Sinn mehr, es war ja eh schon viel zu viel kaputt und lieber trink ich mir meine Welt wenigsten ab und zu mal für kurze Zeit schön als dass ich dauerhaft in diese dunkle Zukunft entschwinde, die mir nach meiner Denke ja definitiv bevorstand, wenn ich mich oute und reinen Tisch mache.

    Tja, erst als es so weit war, erst als ich sagte: Nein, es wir keine dunkle Zukunft sein, ich will mein Leben zurück und ich hole es mir zurück, da konnte ich es schaffen der Sucht den Rücken zu kehren. Also erst, als ich begann positiv zu denken. Das waren, das sage ich ehrlich, bei mir am Anfang nicht die Gedanken "ich höre jetzt zum Trinken auf und alles wird toll werden". Aber es waren die Gedanken "es kann nur besser werden und es wird besser werden und irgendwann werde ich wieder glücklich werden, weil ich nie mehr trinken will". Es war ja damals eine spontane, ungeplante Entscheidung meinerseits jetzt reinen Tisch zu machen. Aber es waren genau diese Gedanken: Es reicht, es kann nur besser werden, ich will es schaffen und ich werde es schaffen und ich will wieder glücklich werden. Und bereits nach kurzer Zeit ohne Alkohol begann mein Hirn nach und nach, ganz langsam, immer mehr positive Gedanken zu entwickeln. Das musste ich teilweise lernen und richtig trainieren. Aber das funktionierte. Für mich eine der Grundlagen für mein zufriedenes ich möchte sogar sagen, glückliches Leben.

    Und was Deinen Urlaub und die Fähigkeit Deines Mannes bezüglich der Betreuung Deines Kindes betrifft: Wer, wenn nicht Du, kann einschätzen ob Dein Mann dazu in der Lage ist? Diese Einschätzung und auch die daraus folgenden Entscheidungen / Konsequenzen kannst nur Du treffen.

    Wie gesagt, Deine Zeilen lassen mich einigermaßen irritiert zurück. Ich sage ehrlich, dass ich nicht genau einschätzen kann, wo Du jetzt eigentlich genau stehst und wie wir Dir hier im Forum überhaupt helfen können. Ich möchte aber auch eines noch sagen: Möglicherweise habe ich auch einiges von dem was Du geschrieben hast falsch intepretiert, das weiß ich natürlich nicht. In diesem Fall würde ich mich freuen, wenn Du mir/uns das mitteilst. Ansonsten hoffe ich, dass bei dem was ich Dir geschrieben habe etwas für Dich dabei ist, das Dir für Deine Entscheidungsfindung hilfreich ist.

    Ich wünche Dir ein schönes Osterfest!

    LG
    gerchla

  • Hallo Dietmar, hallo Gerchla,

    danke für eure Antworten. Mein erster Text war schon der aussagekräftige, wir haben viel durch und ich habe genug gelitten, gehofft, mich bemüht, war am Boden zerstört, habe wieder gehofft u.s.w.

    Da er ja Quartalstrinker ist, ging das über zehn Jahre. Durch diese Trinker-Variante bleibt den Betroffenen ja immer Zeit, die Beziehung durch Beteuerungen und "in Sack und Asche gehen" zu kitten, bis sie wieder mit einem Absturz alles runterreissen. Also der erste Text ist absolut richtig.
    Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich bin nicht mehr Mutter Theresa.
    Hier zuhause ist es nicht so, dass er die meiste Zeit betrunken auf der Couch liegt. Dann hätte man als Angehöriger schnell die „Schnauze voll“, mit Kind definitiv noch schneller und man zögert nicht lange und packt seine Siebensachen in ein neues, gesundes Umfeld.
    Hier ist aber nur alle 3 bis 6 Monate der Katastrophenfall…. schlimm genug aber solange man als Ehefrau noch die trügerische Hoffnung hat, dass er das lassen kann, solange unternimmt man nichts.

    Ich hatte die große(!) Hoffnung, dass es besser wird, da sich ja unsere beiden Väter auch „trocken gelegt“ hatten.

    Bei mir war damals die Geburt unseres Sohnes, der Grund nie wieder etwas zu trinken, auszugehen oder sonst irgendwelche Dummheiten anzufangen. Wenn man sich 24 Stunden am Tag um ein Baby kümmert, hat man keine Zeit für Anderes und mein Pflichtbewusstsein war immer dahingehend vorhanden.
    Mein Mann hatte derzeit überviel gearbeitet um uns finanziell über Wasser zu halten.
    Bis zum Burn-Out. Teilweise bis zu 65-70 Stunden pro Woche.
    Ich habe mich um den Haushalt und das Baby gekümmert.

    Jetzt ist die Situation allerdings etwas anders, ich habe mehr Zeit, das Kind ist selbstständiger und bekommt alles mit.

    Etwas zu Dietmars Auflistung:
    Ich würde gerne mit meinem Mann weiter zusammen sein, wenn er seine ganzen Süchte nicht mehr hätte. Die Fernseh-Sucht nicht mehr. Die Alkoholsucht nicht mehr. Die Ess-Sucht nicht mehr. Ich hatte ihn ja nach seiner Langzeittherapie kennen gelernt. Schlank, trocken und optimistisch. Genau diesen Mann hätte ich gerne zurück..
    Er hätte die Chance das mit einem Aufenthalt in einer guten Suchtklinik alles anzugehen und zu überwinden - wenn er wollte.

    Allerdings würde ihn das seinen Job kosten. Er arbeitet in Österreich und da existiert kein Kündigungsschutz wenn man monatelang in Reha geht. Ich habe selbst bei der Suchtberatung in Österreich angerufen und gefragt, wie die arbeitsrechtliche Situation dort ist.
    Sein Job ist für ihn am allerwichtigsten, bei Kündigung wäre er eigentlich aufgeschmissen, da er in seinem derzeit ausgeübten Beruf nicht ausgebildet ist und so schnell nicht die Chance bekäme etwas Qualifiziertes zu machen. Allerdings kann es heutzutage sowieso passieren, gekündigt zu werden und in seiner derzeitigen Verfassung wäre er nicht der Top-Kandidat für einen neuen Job.

    Ich bin nicht katholisch, eher das Gegenteil, sozusagen. Das Kirchenrecht hat für mich keine Bedeutung.
    Die Bibel selbst ist für mich bindend, daran halte ich mich.
    In diesem Buch steht einiges über die Ehe, Scheidung und das Wiederheiraten.
    Laut Bibel kann man sich trennen, sollte sich nach Möglichkeit aber versöhnen.
    Der Ungläubige ist durch den Gläubigen geheiligt. Scheiden lassen sollte man sich nicht.
    Widerverheiraten mit einem neuen Partner ist nur okay wenn der alte Partner gestorben ist.
    Mein Mann müsste uns auch entlassen, d.h. gehen lassen.
    Da er ja mit Selbstmord gedroht hat, weil er dann zu wenig Geld zum verprassen hat, ist das vorerst nicht möglich.

    Allerdings, hier passiert was. Er hat schon gemerkt, ich habe ich durchschaut…jetzt bemüht er sich wieder um uns aber ich habe die Hoffnung aufgegeben, er will nicht aufhören und deshalb kann sich unsere Situation nur verschlechtern.

    Ich bemühe mich nicht mehr. Ich verfolge jetzt nur noch meine eigenen Interessen.
    Genau wie er eigentlich auch immer.

    Dietmar und Gerchla, ihr habt beide recht und habt mich auf falsche Schlüsse meinerseits, hingewiesen.
    Ohne den trinkenden Mann ist man nicht: arm, einsam und unglücklicher. Vorher oder mit dem trinkenden Mann ist man auch einsam, unglücklich und sogar arm. Aus Geiz gibt er uns nur 400,00 € Haushaltsgeld und kauft selbst für sein Auto/Computer/Werkzeug-Zeug jeden Monat neue Dinge für etwa 400,00 €… ohne ihn wären wir auch nicht ärmer dran. Durch seine Süchte ist er nur physisch anwesend.

    Er ist auch in unserer Familie isoliert, besser gesagt er isoliert sich selbst. Seine Süchte isolieren ihn.

    Kurz noch zu „esoterisch angehauchten Selbsthilfegruppen“. Ich war nur einmal in einer Gruppe und es kommt immer auf die Leitung an und da die Leiterin dieser Gruppe viel Meditation, Familienaufstellung, Klangschalentherapie usw. praktiziert und ich dafür „einen Riecher“ habe, weil ich es persönlich ablehne, hat mir einfach die Gruppe nicht gepasst und ich muss mir eine andere suchen. Wenn es sonst regulär so nicht vorkommt, ist es gut. Dann suche ich einfach die für mich passende Gruppe. Positives Denken, wenn es ehrlich bleibt, finde ich ok. Nur manchmal kommt es mir eben gekünstelt vor, aufgestülpt.

    Es war nur leider mein Lebenstraum, mit einem lieben Partner gemeinsam alt zu werden und diesen Traum zu verabschieden, das ist hart. Es ist einfach ein Unterschied nur mit Kind zu leben, viele Kinder verkraften so eine Trennung nicht gut. Sie lieben den Papa - auch wenn er krank ist.

    Wir waren jetzt 3 Tage weg und auf Reisen und er hat gut für sich und die Katze gesorgt. Er hat sich auch was gekocht. Ich mache dann noch einen To-Do-Plan, der Kleine hat Schule wenn ich nächste Woche weg bin und die passen da auch auf ob der Kleine seine Brotbox gefüllt hat oder nicht und ob er pünktlich erscheint und mein Mann weiss das alles und wird sich da auch disziplinieren. Meine Schwiegermutter war gestern da und ich habe die Situation geschildert, dass Mann und Kind eine Woche alleine klarkommen müssen und sie meinte: "Er kann alles, wenn er will".
    Mit ihr habe ich mich also gestern unterhalten und sie hatte meinen Mann damals, mit Anfang 20 vor die Tür gesetzt... muss sich alles wiederholen?
    Salomo spricht: "Es gibt nichts neues unter der Sonne"...

    Liebe Grüße an alle Leser - und danke für eure Antworten!!

  • Hallo Marietta,

    Zitat von “Marietta1976

    Etwas zu Dietmars Auflistung:
    Ich würde gerne mit meinem Mann weiter zusammen sein, wenn er seine ganzen Süchte nicht mehr hätte. Die Fernseh-Sucht nicht mehr. Die Alkoholsucht nicht mehr. Die Ess-Sucht nicht mehr. Ich hatte ihn ja nach seiner Langzeittherapie kennen gelernt. Schlank, trocken und optimistisch. Genau diesen Mann hätte ich gerne zurück..
    Er hätte die Chance das mit einem Aufenthalt in einer guten Suchtklinik alles anzugehen und zu überwinden - wenn er wollte.


    Das ist so, wenn man sich auseinander gelebt und entwickelt hat. Dann träumt man von dem, was man nicht hat, und hat keine Freude mehr an dem, was man hat …
    Wie ich schon schrieb: Du hast vorrangig ein Beziehungsproblem, und die Alkoholproblematik Deines Mannes ist quasi das Krönchen drauf.

    Niemand wird Dir voraussagen können, welcher Mensch zum Vorschein kommt, wenn Dein Mann seine Sucht erfolgreich zum Stillstand bringen könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dann – immer noch – vieles gibt, was nicht in Deine Wunschvorstellung passt, ist groß.

    Ich hab’s nicht so mit der Bibel und den Religionen, aber aus meinem Gedächtnis:
    „Dem Verständigen liegt die Weisheit vor Augen, die Augen des Toren aber schweifen am Ende der Erde umher.“
    Sprüche 17, Vers 24

    Oder in moderner Form:
    „Weise ist, wer nicht bedauert, was er nicht hat, sondern wer sich an dem erfreut, was er hat …“

    Alles Gute auf Deinem weiteren Weg!

  • Hallo Marietta,

    ich wills nur verstehen:

    Zitat

    Mein Mann müsste uns auch entlassen, d.h. gehen lassen.
    Da er ja mit Selbstmord gedroht hat, weil er dann zu wenig Geld zum verprassen hat, ist das vorerst nicht möglich.

    Bedeutet das jetzt im Klartext, dass es Deine Religion Dir nicht gestattet ihn zu verlassen? Solange er nicht sein Go dafür gibt?

    Dann hätte das ja alles sowieso keinen Sinn, dann müsstest Du eher Strategien finden, wie Du mit dem was Du da hast einigermaßen gut leben kannst, notfalls dann halt "bis der Tod Euch scheidet".

    Wäre jetzt nichts für mich, muss ich ehrlich sagen. Ich denke übrigens auch, dass der Alkohol nicht das zentrale Problem in Eurer Beziehung ist. Sicher wird seine Trinkerei die Situation an der ein oder anderen Stelle enorm verschärfen, jedoch denke ich das Ihr grundsätzlich verschiedene Ansichten bezüglich eines familiären Zusammenlebens oder einer Partnerschaft habt. Vielleicht wäre ja eine Paartherpie ein Weg?

    Alles Gute!

    LG
    gerchla

  • Lieber Gerchla, lieber Dietmar,

    natürlich haben mein Mann und ich Beziehungsprobleme.

    Ich habe auch manchmal so eine Schwarz-Weiss-Denke, für mich ist er entweder Held oder Schuft, es gibt da von meiner Seite aus wenig Grauzone.. die Alkoholabstürze bieten zu diesem Denken noch Zündstoff.

    Ich habe recherchiert dass eine Ehetherapie/Paarberatung erst Sinn macht, wenn die Suchtproblematik gelöst ist.
    Damit beisst sich doch die Katze in den Schwanz.?

    Im Moment leben wir eine Art WG - ich habe eine Kur für mich und den Kleinen beantragt mit dem Schwerpunkt Co-Abhängigkeit.

    Ich muss mir noch Gedanken machen was ich will.
    Er will uns auf keinen Fall verlieren und ist auch der Meinung unsere Familie ist noch nicht kaputt.

    Liebe Grüße

  • Hallo Mariettea

    noch mal kurz ...


    Ich habe recherchiert dass eine Ehetherapie/Paarberatung erst Sinn macht, wenn die Suchtproblematik gelöst ist.
    Damit beisst sich doch die Katze in den Schwanz.?


    Da hilft "recherchieren" nicht wirklich weiter. Da Dein Mann, wie Du schreibst, Quartalstrinker ist, und die Phasen zwischendurch Deiner Aussage nach recht lang sind, macht es durchaus Sinn eine Paarberatung zu beginnen.
    Ein qualifizierter Therapeut könnte ggf. die Möglichkeit sehen, bei Deinem Mann über die Paartherapie das Bewusstsein für seine Alkoholproblematik zu wecken.
    Logisch ist, dass kein Therapeut Euch beide annehmen würde, wenn Dein Mann alkoholisiert zur Beratung kommt ...

    Im Moment leben wir eine Art WG - ich habe eine Kur für mich und den Kleinen beantragt mit dem Schwerpunkt Co-Abhängigkeit.


    Eine Reha wegen "Schwerpunkt Co-Abhängigkeit" gibt es nicht. Wenn Du die Voraussetzungen erfüllst, dann kannst Du aufgrund psychosomatischer Erkrankungen eine Reha erlangen, in der unter den klinischen Voraussetzungen die Co-Abhängigkeit mitbehandelt werden kann.

    Ich muss mir noch Gedanken machen was ich will.


    Ja, ich denke auch, dass Du in erster Linie für Dich (und Euer Kind) herausfinden solltest was Du wirklich willst.
    Das ist genauso wie beim Suchtkranken. Bevor bei Dir die Phase der Entscheidung nicht vollzogen wurde, wird sich keine Veränderung Deiner Situation ergeben können. Genau gleich ist das bei Deinem Mann: Ohne Entscheidung pro Abstinenz, wird ihm keine anhaltende Veränderung seines Konsumverhaltens möglich werden.

  • Lieber Dietmar,

    danke noch mal für deine Antwort.!!

    Ich habe eine Mutter-Kind-Kur beantragt mit dem Schwerpunkt Co-Abhängigkeit. Es gibt eine Klinik auf Amrum, die genau das anbietet. Das ist erst mal für mich und das Kind eine gute Sache.

    Ich habe im Urlaub mit meiner Mutter ein oder "das" Buch über Co-Abhängigkeit gelesen... Robin Norwood, "Wenn Frauen zu sehr lieben".
    Ich suche noch nach einer passenden Selbsthilfegruppe für mich, die ich ohne Auto gut erreichen kann.

    Meine Mutter weist übrigens eine Menge co-abhängigen Verhaltens auf aber sie ist meine Mutter, ich kann sie kaum zurechtweisen, kritisieren oder korrigieren.
    Aber im Moment hat sie ein so großes Leid, das sie kaum erträgt - mein Vater hat Metastasen und lebt wohl nicht mehr lange.. :(
    45 Jahre sind die Beiden verheiratet und mein Vater war dann zwar trocken aber war Zucker-, Kaffee-, Nikotin-süchtig, mochte nie Obst und Gemüse, immer nur Nudeln und Co... und zu Geld hatte er auch ein seltsames Verhältnis, hat manchmal Uhren für 3000,00 € gekauft obwohl dafür kein Geld da war.
    Auf der anderen Seite war er hochintelligent, hochsensibel, ein begnadeter Fotograf und Künstler und außer meiner Mutter hat er sich für niemanden interessiert, für mich auch nicht wirklich :(. Er war immer emotional unzugänglich und leicht bis mittelschwer depressiv. Meine Mutter ist am Ende, obwohl mein Vater zu ihr teilweise fies und gemein war und sie trotzdem noch als freundlicher Feuerlöscher hinter ihm her gesprungen ist..

    Mein Mann hat sich während meiner Abwesenheit hier zuhause große Mühe gegeben, die Fenster geputzt, gewaschen, gespült usw. und heute abend kam er zu mir noch rein und wollte mit mir ins Bett. Aber ich kann nicht.
    Wenn ich ihn wieder so nah an mich heranlasse kann ich seinen nächsten Absturz, wer weiss wann, in 1 Monat, in 2 Monaten oder in 3 Monaten nicht ertragen. Er ist jetzt total beleidigt.

    Meine Mutter meinte auch man könnte eine Paarberatung aufsuchen auch wenn der andere "sein verdrehtes Denken" noch hat.
    Das wäre noch einen Versuch wert.

    Vielleicht ist es aufgrund meiner Co-Abhängigkeit aber vielleicht ist es auch weil ich meinen Mann gern habe, "lieben" ist zu viel gesagt weil einfach zu viel Mist passiert ist, ich will nicht alleine leben. :(
    Ich habe mal 10 Jahre allein mit Katze gelebt und teilweise drei Tage mit niemandem gesprochen und ich weiss dass ich das nicht freiwillig will. Da helfen auch ein großer Bekannten- oder Freundeskreis wenig, ein treuer Partner ist etwas wunderbares. Treu war mein Mann immer - das weiss ich.

    Ich bin wirklich froh, dass du noch mal geantwortet hast. Von meiner Mutter kann ich zur Zeit wirklich keine Ratschläge erwarten und andere Menschen haben einfach keine Ahnung.!

    Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend und viele Grüße,
    Marietta

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