Re: Ich stell mich vor Hexe70

  • Hallo Leute, ich möchte mich auch vorstellen,
    Ich bin Mutter von drei Erwachsenen Söhnen, mein 28 jähriger Sohn ist seid ca drei Jahren chronischer alkoholiker.
    Und seid seid zwei Jahren versuchen wir ihn vom alk weg zu bekommen,er hat zwei langzeittherapien hinter sich und eine anschließende Adaption die nur zwei Wochen ging da er wieder rückfällig wurde

  • Hallo Hexe70,

    ein verspätetes herzliches Willkommen hier im von mir an Dich. Ich war jetzt eine Woche mit meiner Familie unterwegs und da nutze ich die Zeit dann immer komplett für meine Lieben, so dass ich mich dann im Forum quasi gar nicht aufhalte.

    Ich stelle mich mal ganz kurz vor: Ich bin Ende 40, Alkoholiker und lebe nun schon längere Zeit ohne Alkohol.

    Dein Post ist ja nun schon ein paar Tage alt und weiß nicht, ob Du inzwischen hier im Forum etwas gestöbert und gelesen hast. Wenn ja, dann wirst Du im Anghörigenbereich sicher einige wichtige Informationen für Dich finden haben können. Also ich denke Du wirst gelesen haben, dass es eigentlich fast immer das Gleiche ist. Angehörige, egal ob es sich nun um die Eltern, Geschwister oder Lebenspartner eines Alkoholikers handel, haben quasi keine Möglichkeit die Krankheit des Betroffenen zu heilen.

    In Deinem Fall bedeutet das, dass nur Dein Sohn allein in der Lage ist, seine Sucht zu bekämpfen und dann hoffentlich auch zu besiegen. Nun scheint es ja so, dass er das schon mehrmals ernsthaft versucht hat, jedoch immer wieder rückfällig wurde.

    Ich kann Dir leider hier so aus der Ferne nicht sagen, warum das bei ihm so ist bzw. war. Es ist ja sehr unterschiedlich, wie Betroffene ihre Sucht bezwingen. Da gibt es welche, die schaffen das ganz ohne große Hilfe von außen (sehr wenige bzw. über diese Menschen liest man nicht unbedingt was weil sie es ja allein mit sich selbst ausmachen), dann diejenigen, die klassischen Hilfsangebote wie z. B. Beratung, SHG usw. nutzen und darüber trocken werden und bleiben. Und dann natürlich auch noch die, die eine richtige Therapie machen, langzeit zum Beispiel und hier wirklich alle Möglichkeiten ausschöpfen.

    Nun, und bei einigen sind mehrere oder sogar sehr viele Anläufe notwendig. Manche sind auch jahrelang trocken und legen dann einen Rückfall hin und hänger wieder jahrelang in der Sucht um es dann irgendwann erneut heraus zu schaffen. Es ist alles höchst individuell und eigentlich hat Dein Sohn, auf den ersten Blick zumindest, es völlig richig gemacht sich in professionelle Hände zu begeben. Nur funktioniert hat es eben leider nicht.

    Die Frage ist nun: Warum bzw. was muss sich in seinem Leben ändern, dass für ihn der Alkohol keine Alternative mehr ist.

    Diese Frage kannst Du nicht beantworten. Das kann nur er. So schlimm es sich anhören mag, aber Du wirst hier wohl lernen müssen, ihn los zu lassen. Das heißt nicht, dass Du ihn fallen lassen musst, aber loslassen musst Du ihn. Es ist natürlich völliger Quatsch ihn dauerhauft einzusperren. Ganz neben bei geht ja damit auch Dein eigenes Leben den Bach hinunter, denn Dein Leben dreht sich dann nur noch um die Sucht Deines Sohnes.

    Guter Rat ist jetzt natürlich teuer. Ich kann Dir keinen richtigen geben, einmal, weil ich eigentlich gar nichts über Deine /Eure Situation weiß aber auch weil ich denke, dass er bei einem Arzt eigentlich richtig aufgehoben sein sollte und dieser hat sicher mehr Erfahrung als z. B. ich.

    Eine kleine Weisheit möchte ich noch da lassen. Hat mal jemand sinngemäß zu mir gesagt: Du musst die Gründe weshalb Du trinkst beseitigen. Beseitige sie und es wird Dir leichter fallen mit dem Trinken aufzuhören.

    Ich dachte damals, dass mir dieses schlaue dahergerede ja nix bringt, denn ich hatte ja eigentlich gar keinen "richtigen" Grund zu trinken. Heute weiß ich, dass dem nicht so war. Vereinfacht kann ich sagen, dass mein Leben geprägt war von Ängsten und von Verzweiflung. Größtenteils hervorgerufen von der Trinkerei, so dass über die Jahre ein richtiger Teufelskreis entstanden ist. Und genau diesen gilt es zu durchbrechen.

    Wenn man das geschafft hat, dann kann man diese Sucht besiegen. Und natürlich bekommt auch als nicht trinkender Mensch vom Leben Saueres. Oft auch nicht zu knapp. Jedoch ist das dann alles kein Grund mehr zum Alkohol zu greifen.

    Vielleicht sollte Dein Sohn einmal sein Leben genau beleuchten, genau schauen was es eigentlich ist, dass ihm den Alkohol als Lösung seiner Probleme erscheinen lässt. Was fehlt ihm im Leben, wer möchte er sein, wo will er hin.

    Aber ich vermute, dass in der Therapie genau darüber viel gesprochen wurde. Insofern scheint die Rückkehr in die Realität das Problem zu sein. Vielleicht müsste diese Realität verändert werden?

    Aber all das kann nur ER. Nicht Du.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft. Tut mir leid, dass ich Dir hier keine Zauberformel schreiben kann. Ich kann Dir nur meine Gedanken hier lassen.

    LG
    gerchla

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