35, und auf der Suche nach Antworten (versuche seit November aufzuhören)

  • Grüße euch,

    Ich bin Mike und 35... ein paar Infos zu meiner Person

    2007 - 2014: Selbstständig (ca. 110kg)


      [li]2007 bis 2010: ca. 2 Flaschen Vodka pro Woche, selten alleine, meistens au Parties[/li]
      [li]2011 bis 2014: ca 2 Falschen Vokda pro Woche, oft alleine (zb zum DVD Film)[/li]

    2014 - 2016: Angestalter (ca. 115 kg)

      [li]2014 bis 2016: ca 2 Falschen Vokda pro Woche, nur alleine (zb zum DVD Film)[/li]

    2014 - 2017: 6 Monate Arbeitslos, dann wieder Selbstsätndig (ca. 115 kg)

      [li]2014 bis November 2017: ca 3 Falschen Vokda pro Woche, nur alleine (zb zum DVD Film)[/li]

    Info:
    Ich habe immer nur Abends getrunken, meistens ab 19 Uhr bis ca. 20 Uhr (1 Flasche komplett).


    ............................................


    NOVEMBER 2017 dann das böse erwachen. Gichtfuss (rechts).

    Mein Entschluss: Aufhören
    Ich habe mich entschlossen nicht mehr zu trinken. Von 100% runte auf 0% (ohne Erfahrung wie man aufhört)

    Das ging 8 Tage lang gut. Dann habe ich getrunken und direkt danach das erste mal starke Entzugserscheinungen bekommen. Das hatte ich früher nie, wenn ich mal 7-14 Tage nicht getrunken habe.Warum? Eigenartig.


    Anfang November 2017:
    Erste Entgiftung (7 Tage Krankenhaus, nach Angstzustände, Schwindel, Schweissausbrüche, Unruhe)
    Danach: 6 Wochen Abstinenz (ohne Unruhe bzw. seltene Unruhe)

    Anfang Dezember 2018:
    Rückfall (2 Falschen Vodka, zwei Tage hintereinander) Starke Entzugserscheinungen, Angstzustände
    Zweite Entgiftung (7, Tage, wegen Schwindel, Angstzustände, Unruhe)
    Danach: 3 Wochen ohne Alkohol


    Am letzten Mittwoch (24.01.) habe ich wieder eine Vodka Falsche getrunken. Ich bin ins Krankenhaus, wegen Entzugserscheinungen. Bin aber nachhause, wollte die 7 Tage selbst absitzen.

    Jetzt nach 7 Tagen, hat die Unruhe nachgelassen. Sie ist aber Schubweise immer noch da. Ich habe ein Überweisungsschein. Ich überlege, nochmal zur Entgiftung zu gehen.

    weiß jemand von euch, warum es alleine scheinbar länger dauert, bis ich die Unruhe los bin?

    Ich habe seit November bis heute, nur ca. 2-3 Vodka Flaschen getrunken. Für mich ein Rekord. Ich will es jetzt ganz schaffen. Die Angstzustände haben mich aufgeweckt, und auch der Gichtfuss.

    Ich habe seit November ca. 11 kg verloren.

    Ich habe aber keine Ahnung, warum ich früher nie Entzugserscheinungen hatte. Vermutlich, weil ich nie so lange Pausen hatte.

    Würdet Ihr in so kurzer zeit noch ein drittes mal zur Entgiftung?

    Entwöhnungsmaßnahmen habe ich bisher nur geplant, aber noch nicht durchgeführt. Weil ich dachte ich schaffe das alleine.


    Ich bin Dankbar für jede Info. Da ich mich das erste mal austausche.

    Ich habe mich früher einfach mit dem Alkohol abgefunden. Ich vertrage kein Alkohol mehr. Sobald ich wie gewohnt trinke, habe ich am nächsten Tag Entzugserscheinungen. Früher war das nie so, ich bin nur verkatert zur Arbeit.

  • Ich möchte noch etwas ergänzen.


    Vermute Gründe für den Alkoholkonsum:

    - Filme sind lustiger
    - Langeweile lässt sich besser überbrücken
    - unerfüllte Wünsche, lassen sich ausblenden


    Wie habe ich es geschafft, 3-4 Wochen Abstinenz zu sein:

    - ABLENKUNG, ABLENKUNG, ABLENKUNG !
    - Statt zuhause zu sitzen, fahre ich und übernachte auch bei Familie und oder Freunden, die nicht trinken
    - ich gehe nicht so früh nachhause
    - ich suche alternative Dinge, etwas zu erleben das mich zufrieden stellt. Bisher hat der Alkohol für Glücksgefühle gesorgt (unbegründet)


    Wird es mir weiterhin schwer fallen "nichts zu trinken"?

    Ja. Trinken gefällt mir. Ich kann es mir ganz ohne eigentlich kaum vorstellen. Aber ich glaube, dass ich dann wieder anfange zu viel zu trinken. Da bin ich mir sicher. Ich muss es also bleiben lassen, alternativen finden die mich entspannen. Schwierig.

    Es hört sich komisch an... aber alleine schon Sex ohne Alkohol, ist für mich sehr ungewohnt. Ich trinke dabei sehr gerne 2-4 Gläser. Deshalb wird es auch schwierig.

  • Hallo und Herzlich willkommen hier im Forum!

    Zu mir: männlich, Ü50, Alkoholiker, ca. 25 Jahre ordentlich "drauf" gewesen, seit fast 10 Jahren trocken.


    Wird es mir weiterhin schwer fallen "nichts zu trinken"?

    Ja. Trinken gefällt mir. Ich kann es mir ganz ohne eigentlich kaum vorstellen.

    Trinken hat mir damals, gegen Ende meiner Sucht, nicht mehr gefallen. Ich MUSSTE trinken - sonst bekam ich Entzugserscheinungen.
    Und ein Leben OHNE konnte ich mir auch nicht vorstellen. Ich hatte eigentlich nie Probleme mit Alkohol. Nur OHNE.

    Ich habe auch versucht, zunächst meinen Konsum zu reduzieren, zu kontrollieren. Zu anstrengend - hat also nicht funktioniert.
    Auch das "an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen" hat nicht funktioniert.
    Also habe ich mir Hilfe gesucht, gefunden und ANGENOMMEN!

    Einfach nur so den Alkohol weglassen - das wird nur bei einem verschwindend geringen Prozentsatz funktionieren.
    Nun kannst Du ja Lotto spielen und hoffen, dass Du dazugehörst - oder lieber auf Nummer sicher gehen:

    Entgiftung, Suchthilfeberatung, SHG ...

    Meine Meinung. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen.

    Gruß
    Greenfox

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Hallo ML 82
    Ich bin der Tom und auch recht neu hier im Forum als Co - Abhängiger, das ich auf deinen Artikel antworte liegt daran das Du dir die frage stellst warum wird der Entzug immer schlimmer und die Symptome so heftig ( Unruhe zittern usw )
    : ich suche alternative Dinge, etwas zu erleben das mich zufrieden stellt. Bisher hat der Alkohol für Glücksgefühle gesorgt (unbegründet)
    Das liegt einfach daran das dein Kopf ( Gehirn ) sich an den Stoff gewöhnt hat.
    Als meine Frau damals in die Langzeit Reha ging habe ich mich Intensiv mit den Symptomen beschäftigt und deren Auswirkungen auf die Menschliche Psyche.
    Es gibt da mehrere Botenstoffe die für Glücksgefühle sorgen Serotonin Dopamin um nur 2 zu benennen, je mehr Du trinkst um so mehr fährt der Körper die eigene Herstellung dieser Botenstoffe runter.
    Gehst Du jetzt auf Entzug schreit der Körper ( Gehirn ) nach diesen Botenstoffen.
    Es ist nachgewiesen das der Abhängige ( egal ob Alkohol Drogen Tabletten usw ) einen zu geringen Serotoninspiegel hat selbst in Trockenphasen.
    Es ist sogar nach gewiesen das Kinder die früher Gewalt oder andere schrecklichen Dinge in der Familie erlebt haben die mit Alkohol zu tun haben ebenfalls einen zu niedrigen Spiegel dieser Botenstoffe haben können und somit im späteren Leben als gefährdet gelten.
    Das nur mal zu deiner frage warum bekomme ich so heftige Entzugserscheinungen war doch früher nicht so.

    Ich habe am eigenen Leib erfahren müssen mehrfach was ein Kalter Entzug anrichten kann bei meiner Frau, das ist einfach Grausam was dort abgeht,
    man muss sich das so vorstellen: Du trinkst eine Menge Alkohol um dich ruhig zu stellen, die Leber erkennt den Alkohol als Toxin also Gift an und will diesen schnellst möglich loswerden.
    Fazit es wird im Körper Alarmstufe Rot geschaltet und alles wird dran gesetzt das Gift los zu werden dabei werden aber auch alle anderen Stoffe mit entsorgt die wichtig sind.

    Darum kann ich Dir und das werden Dir auch alle anderen hier im Forum bestätigen NIEMALS kalten entzug zu hause allein, geh ins Krankenhaus dort kriegst Du Medikamente die die Entzugserscheinungen lindern. Es gibt auch Kliniken die eine anschließende Therapie anbieten, im schnitt bist Du dann ca. 10 - 12 Tage in der Klinik .
    Meist sind das Krankenhäuser wie Sankt Marienstift usw oder Landeskrankenhäuser die das anbieten, die helfen Dir auch dabei einen Reha Antrag zu stellen.
    Oder wende dich an die Diakonie, die dortigen Therapeuten haben ganz andere Möglichkeiten dir schnell einen Therapie platz zu besorgen der über 15 Wochen geht.
    MIt deinem Gichtfuß ist auch schon ein zeichen das was mit deinen Nieren und der Galle nicht in Ordnung ist, meine Frau hat sich die Bauchspeicheldrüse kaputt gemacht und ist jetzt Diabetikerin.
    Ich will Dir keine Angst machen mit dem was ich hier schreibe, sondern nur einen Hinweis was erforderlich ist um davon weg zu kommen.
    Wie schon erwähnt habe ich mich damals und auch noch heute mit dem Thema Intensiv auseinander gesetzt und auch mit Ärzten gesprochen, für einen Nichtabhängigen ist das immer extrem schwer nach zu vollziehen was in einem Menschen vorgeht der betroffen ist, selbst für mich der sich damit beschäftigt ist es immer noch sehr sehr schwer es zu verstehen was da im kopf passiert.
    Ich Wünsche Dir das Du einen weg findest und Hilfe um davon los zu kommen.

    Alles gute auf deinem Weg
    Tom
    PS: Mein weg ist der das ich mich aus der Co - Abhängigkeit lösen muß die Erkenntnis das ich in dieser geschichte drin stecke ist auch nicht einfach zu verarbeiten.

  • Greenfox
    danke dir erstmal für deine Antwort und den ersten Beitrag zu meiner Vorstellung.

    ZITAT: "Und ein Leben OHNE konnte ich mir auch nicht vorstellen. Ich hatte eigentlich nie Probleme mit Alkohol. Nur OHNE."

    Diesen Spruch, kannte ich bisher noch nicht. Da ich mich bisher noch nie mit dem Thema "aufhören" beschäftigt habe. Aber die Worte treffen wohl auch auf mich zu. Das ich ein Problem habe, war mir schon irgendwie klar. Aber ohne diese Entzugserscheinungen, war mir das nicht wirklich bewusst. Der Alkohol hat mich zuvor nicht so stark eingeschränkt.

    ....................

    @Tdooly

    Richtig !
    Genau das hat mir auch geholfen, in den 2 Monaten (fast) ohne Alkohol klar zu kommen. Man muss diese "unbegründeten Glücksgefühle" mit realen alternativen Dingen "ausfüllen". Sonst ist die Sucht stärker und gewinnt wieder.

    Ablenkung hat mir geholfen.

    Trotzdem habe ich zwei Rückschläge erlitten, und bin erneut in die Entgiftung.

    Danke für diese ausführliche Erklärung Betreff "Botenstoffe". Mit allen diesen Dingen hatte ich mich vorher nicht beschäftigt. Auch haben die Hausärzte oft nicht die Zeit mir sowas zu erklären. Erst heute habe ich angefangen mich damit zu beschäftigen. Ich habe eben vorhin ein Vortrag eines Klinik Professors im YouTube gesehen, der das in etwa ähnlich erklärt hat. Das war mir alles neu !


    Ich habe gerade einen 6 tägigen kalten Entzug hinter mir. Die ersten 2 Tage waren sehr Angst einflößend und für das Umfeld ebenfalls unschön. Es war aber nicht ganz so hart, weil ich der Rückfall nur Kurz andauerte.

    Der Entzug in der Klinik (7 Tage) war sehr viel einfacher ! Jetzt nach 7 Tagen alleine, bin ich leider immer noch sehr unruhig (zum Glück soweit ohne Panik).

    Du hast recht. Menschen die noch nie solche Symptome haben, können das nicht nachvollziehen. Ich kann es ja bisher selbst nicht verstehen. Aber so langsam kommt Licht ins dunkeln.

    Ich glaube ich gehe zur Sicherheit nochmal 5-7 Tage in die Klinik. Damit die Entgiftung sauber abgeschlossen ist, und die Ängste langsam abnehmen. Auch wenn der letzte Konsum bereits 7 Tage vorüber ist.


    .......


    Frage:
    Wie lange kann so ein kalter Entzug dauern? Ich habe ja bereits 7 Tage hinter mir... ich frage mich gerade, ob ich vielleicht doch lieber noch ein paar Tage in der Klinik mit anhefte.

  • Ich habe gerade einen 6 tägigen kalten Entzug hinter mir. Die ersten 2 Tage waren sehr Angst einflößend und für das Umfeld ebenfalls unschön. Es war aber nicht ganz so hart, weil ich der Rückfall nur Kurz andauerte.

    Bevor Du Dich nochmal zu einem kalten Entzug entscheiden solltest, google lieber mal, wie gefährlich (nämlich LEBENSGEFÄHRLICH) das sein kann! Ein Gruppenfreund hat dadurch einen Krampfanfall erlitten - zum Glück hatte er gerade eingeparkt :o schwitz. und bekam sehr schnell Hilfe.
    Oder Du schaust mal HIER rein.

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    können wir nur selber tun!

  • Ja, da habt ihr selbstverständlich recht. ich habe das eigentlich nicht so entschieden.

    Den ersten Tag habe ich im Krankenhaus verbracht auf einer Liege im Flur. Aber nur weil ich dazu gedrängt habe. Alle Ärzte scheinen da unterschiedlich auf Alkoholiker zu reagieren. Für mich selbst ist das alles neu. Ich habe dem November 2017 so gut wie keine Erfahrungen mit Ärzte, Kliniken, usw.

    Mir wurde da auch mal nahe gelegt, es doch mal selbst zu versuchen. Es gab sogar hier und da angedeutet, ich sollte doch "langsam" mir das Trinken abgewöhnen. Der Ernst meiner Situation wurde oft nicht verstanden, wenn ich es nicht mit Nachdruck erklärt habe. Da ich wohl ganz normal aussehe, und nicht wie jemand der kurz vor dem Zusammenbruch stand.

    Ich wurde mit Beruhigungsmittel am Donnerstag vergangener Woche nachhause geschickt. Einen Tag nach meinem erneutem Alkoholkonsum. Die Tage danach waren unangenehm und sind es immer noch.

    Ich habe vor 20 Minuten in der Klinik gefragt ob ich vorbei kommen kann. Ich soll morgen früh nochmal fragen. Überweisungsschein habe ich.

    Mein Zustand aktuell ist gefühlt OK... ob es kippen könnte, vermute ich aktuell nicht. Mein Telefon ist immer neben mir... da ich single bin und alleine Wohne. Im Notfall rufe ich die Ambulanz an oder klingle bei Nachbarn.

    Ob ich aktuell einen kalten Entzug mache, weiß ich garnicht. Ich war 3-4 Wochen trocken, dann letzten Mittwoch eine Vodka Flasche... seit dem wieder trocken. Sehr nervös. Angespannt. Aber unterhalte mich normal mit den Leuten in meinem Umfeld. Ich bin gerade nicht alleine, sondern bei Freunden im Büro.

  • Jetzt wo ich erst seit kurzem den Unterschied zwischen kaltem Entzug und Entzug mit Hilfe kenne, würde ich JEDEM nur den Entzug in der Klinik empfehlen !

    Da fühlt man sich deutlich sicherer !

  • Hallo ML_82,

    es braucht bei den meisten Alkoholikern sehr lange, bis sich Alkoholismus so manifestiert, dass sie deutliche Entzugssymptome bekommen.
    Und manche Alkoholiker, zum Beispiel (nach Jellinek) der Beta-Trinker ist (vorerst) weder psychisch noch physisch süchtig. Der Delta-Trinker dagegen reagiert auf Alkoholentzug mit heftigen Entzugssymptomen.

    Zitat

    Würdet Ihr in so kurzer zeit noch ein drittes mal zur Entgiftung?

    Ich würde immer, egal wie oft, in eine stationäre Entgiftung gehen, wenn ich es für mich für notwendig erachte. Nicht allein aufgrund der Komplikationen (10-15% aller Alkoholentzugspatienten erleiden einen epileptischen Krampfanfall. Man weiß im Voraus nur nicht, wer das sein wird.), die bei einem ambulanten Entzug Zuhause auftreten können, sondern auch, weil ich in der Entzugsphase weit weg von jeder Möglichkeit, an Alkohol zu kommen, sein wollte.
    Allerdings würde ich auch nicht in ein Allgemeinkrankenhaus, sondern in eine Klinik, die über spezialisierte Suchtstationen verfügt.

    Zitat

    Entwöhnungsmaßnahmen habe ich bisher nur geplant, aber noch nicht durchgeführt. Weil ich dachte ich schaffe das alleine.

    Das ist – leider – die Regel. So verstreicht sehr viel wertvolle Zeit, bis Betroffene wirklich aktiv etwas gegen ihre Sucht unternehmen.
    In meiner langen Suchtgeschichte (die geht ein Leben lang), ob aktiv süchtig oder aktiv abstinent, habe ich die meisten Betroffenen, die schon mal eine Entgiftung (ambulant oder stationär) gemacht haben, immer wieder in den einschlägigen Suchtkliniken angetroffen.
    Andererseits sind viele nach der 1., 2., 3. … Entgiftung noch gar nicht bereit für eine konstruktive, weiterführende Therapie.
    Und auch nicht wenige glauben ein Leben lang, eine mögliche Abstinenz würde vom Himmel fallen und ihnen geschenkt bekommen.

    Bei Deinen aufgeführten Gründen, weswegen Du vermutest, dass Du Alkohol konsumierst, musste ich dann schon schmunzeln.
    Das wäre dann wirklich ein bisschen zu einfach, oder?
    Auch Deine Ablenkungsaktivitäten dürfte es an Nachhaltigkeit fehlen.

    Zitat

    ich suche alternative Dinge, etwas zu erleben das mich zufrieden stellt. Bisher hat der Alkohol für Glücksgefühle gesorgt (unbegründet)

    Das ist überhaupt nicht unbegründet. Tom hat es schon ein wenig beschrieben. Normalerweise schüttet ein „gesundes Belohnungssystem“ so viel Dopamin aus, wie auch von den Empfängerrezeptoren aufgenommen werden kann.
    Durch die Wirkung des Alkohols wird vermehrt Dopamin ausgeschüttet. Zuviel für die Empfangsrezeptoren. Würden sie die Menge des ausgeschütteten Dopamins aufnehmen, würdest Du sozusagen "vor Glück überschnappen". Deswegen verringern sie ihre Anzahl. Als Resultat spürt der Betroffene in diesem Stadium weniger „Glücksgefühl“. Also muss er etwas tun, damit sich das Wohlgefühl wieder einstellt: Er trinkt verstärkt Alkohol. Dadurch wird wieder mehr Dopamin ausgeschüttet, aber, siehe oben, die Empfängerrezeptoren verringern sich weiter. Nun ist der Kreislauf geschlossen: Um Glücksgefühl und Wohlbefinden zu verspüren muss der Betroffene immer mehr, immer öfter und länger Alkohol konsumieren …

    Zitat

    Wird es mir weiterhin schwer fallen "nichts zu trinken"?

    Auch das ist bei den meisten Betroffenen so, die feststellen, dass sie „eigentlich“ viel zu viel Alkohol konsumieren, oder auch schon mit Entzugssymptome auf eine Trinkpause reagieren.
    In unserer Gesellschaft ist es leider von Kind auf so, dass alkoholische Getränke nahezu schon „Kulturgut“ sind. Spätestens ab 14 -16 Jahren werden Jugendliche durch die gesellschaftlichen Aktivitäten im Kreis ihrer Freunde an die Dauerpräsenz von Alkohol gewöhnt. Eine Party ohne Alkohol? Kaum vorstellbar? Ein Rendezvous mit einer hübschen Frau ohne Sekt oder guten Rotwein? Sehr unromantisch. Urlaub ohne das Entspannungsmittel? Schwer denkbar. Usw….

    Und schließlich nimmt das Suchtmittel im Leben derer, die leider aufgrund ihrer Konstellation (Psyche und Körper) eine Suchtveranlagung haben, so viel Raum ein, dass es kaum mehr wegzudenken ist.
    Ich kann mich noch gut an meinen Suchtausstieg erinnern. Rückblickend kann ich sagen, dass all die notwendigen Schritte, wie Suchtberatung, Therapie, veränderte Lebensverhältnisse, anderer Freundeskreis, usw. im Grunde genommen die leichtesten Schritte waren.
    Aber allein die Vorstellung „nie wieder“ Alkohol trinken zu dürfen/müssen/sollen/können, die war für mich so absurd, so jenseits weit weg von meiner gesellschaftlichen Prägung, dass sie wohl die höchste Barriere darstellte.
    Damals hat mir niemand gesagt, dass ein Leben ohne Alkohol qualitativ bedeutend sinnerfüllter und intensiver erlebbarer ist.
    Auch der Sex.
    Weil ohne Alkohol eben alles „echt“ ist. Und entsprechend nachhaltiger und deutlich beglückender.
    Aber dazu muss man sich seiner eigenen Persönlichkeit stellen. Sozusagen sich selbst nackt im Spiegel mal gründlich unter die Lupe nehmen. Das halten viele Menschen, egal ob mit oder ohne Suchtproblem nicht aus.

    @Tom

    Zitat

    Es gibt da mehrere Botenstoffe die für Glücksgefühle sorgen Serotonin Dopamin um nur 2 zu benennen, je mehr Du trinkst um so mehr fährt der Körper die eigene Herstellung dieser Botenstoffe runter.

    Das stimmt so nicht. Ob nun „eigene“ oder durch die Zufuhr von Alkohol ausgelöste Dopaminausschüttung sei mal dahin gestellt. In jedem Fall wird durch den Alkoholkonsum sehr viel Dopamin ausgeschüttet. Nur eben (siehe oben) sind Deine Rezeptoren nicht mehr in der Lage es aufzunehmen.

    Zitat

    Gehst Du jetzt auf Entzug schreit der Körper ( Gehirn ) nach diesen Botenstoffen.

    Auch das ist nur sehr bedingt richtig.
    Entzugssymptome sind eine sehr komplexe Angelegenheit. Das bekannteste, der Entzugstremor, hat etwas mit den Nervenschäden zu tun, die durch das Nervengift Alkohol verursacht werden. Es würde jetzt hier zu weit führen, alle Entzugssymptome aufzuführen (Zittern, trockenes Erbrechen, Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit, Schwitzen u.v.a.m.).

    Zitat

    Es ist nachgewiesen das der Abhängige ( egal ob Alkohol Drogen Tabletten usw ) einen zu geringen Serotoninspiegel hat selbst in Trockenphasen.

    Auch das ist ganz sicher nicht belegbar. In der Regeln normalisiert sich glücklicherweise das Belohnungszentrum nach längerer Abstinenz wieder. Außer eben, es sind durch die Sucht bereits irreversible Schäden aufgetreten.

    Zitat

    Du trinkst eine Menge Alkohol um dich ruhig zu stellen, die Leber erkennt den Alkohol als Toxin also Gift an und will diesen schnellst möglich loswerden.
    Fazit es wird im Körper Alarmstufe Rot geschaltet und alles wird dran gesetzt das Gift los zu werden dabei werden aber auch alle anderen Stoffe mit entsorgt die wichtig sind.

    Also die Leber ist zwar im Fall von exzessivem Alkoholkonsum in ihrer Arbeit überfordert, aber im Prinzip ist „der Leber“ egal mit was sie beschäftigt ist. Wenn’s ihr zu viel wird, dann lagert sie (sehr vereinfacht ausgedrückt) die Giftstoffe ein (Fettleber, meist reversibel). Ist das Stadium der Fettleber überschritten, findet ein Umbau der Architektur des Lebergewebes statt, und es kommt zur Ausbildung von kleinen Knoten, die von derbem Bindegewebe umgeben sind. Das ist dann ein Leberzirrhose.

    Ich weiß jetzt nicht, aus welchem Bundesland ML_82 kommt, aber eigentlich ist der Standard (also die Verweildauer eines Patienten wegen Alkoholentzugs) in Deutschland: 7 – 10 Tage (reine) Entzugsbehandlung. Bis 21 Tage Entzugsbehandlung + anschließende Motivationsbehandlung.
    In letzter Zeit gehen die GKs allerdings sehr restriktiver mit ihrer Kostenzusage bei Drehtürpatienten um. Häufig wird dann zwischen den den Entzugsbehandlungen eine Frist gesetzt. Wird diese unterschritten, findet (bezahlt) nur noch eine "Notentgiftung" von max. 3 - 4 Tage statt.

  • WOW... Danke erstmal an ausnahmslos alle... die sich gerade die Mühe gemacht haben, ein bisschen mehr Licht ins dunkeln zu bringen.

    Entschuldigt, dass ich erst jetzt antworte !

    ich war nochmals 5 Tage auf Entgiftung in der Klinik. Da ich hier mit Lügen nicht weiter kommen werde, muss ich gestehen... das ich direkt nach der Entgiftung eine Flasche wein getrunken habe. Das habe ich gestern meinem Hausarzt auch gesagt. Ich habe diese Flasche aber nicht getrunken, weil ich Entzugserscheinungen hatte. Ich weiß "sehr dumm". SEHR DUMM...

    Gegen Unruhe habe ich jetzt "Distraneurin (Clomethiazol) 192 mg" vom Hausarzt bekommen (gestern) Er hat mir empfohlen, diese nur bei Unruhe und starker Nervosität zu nehmen (maximal 2 am Tag). Außerdem nehme ich noch eine halbe Citalopram dura 20 mg pro Tag.

    Die nächsten 7 Tage werde ich wohl nicht mit Alkohol in Berührung kommen, da ich die Tage bei der Familie verbringe, wo Alkohol Tabu ist.

    Mein Zustand gerade... Note 3.


    Wie bereits oben beschrieben, war ich zwischen den 3 Entgiftungen Wochen lang "alkoholfrei" ... aber die Rückfälle warum dann um so heftiger (schnell große Mengen getrunken).

    Ob die Medikamente die ich gerade bei mir habe, zu empfehlen sind... ist mir unklar. Ich habe gestern jeweils eine genommen.

  • Ergänzung...

    ich habe jetzt seit November bis heute (100 Tage) ca. (umgerechnet) 4-5 Flaschen hochprozentiges getrunken. Jeweils bin ich direkt danach in die Entgiftung (5-7 Tage). Weil ich statt einem Kater (wie sonst üblich), Ängste und Panik bekommen habe (Entzugserscheinungen).

    3-4 (hochprozentiges) habe ich davor pro Woche getrunken.


    Vorgestern bin ich aus meiner dritten Entgiftung entlassen worden.

    Unruhig bin ich meistens morgens, und Abends.

  • Hallo ML_82,

    super, dass Du aktiv etwas gegen Deine Sucht unternommen hast!
    Mit Lügen und Unwahrheit, was Deine Sucht anbetrifft, schadest Du in erster Linie Dir selbst.

    Zitat

    Gegen Unruhe habe ich jetzt "Distraneurin (Clomethiazol) 192 mg" vom Hausarzt bekommen (gestern) Er hat mir empfohlen, diese nur bei Unruhe und starker Nervosität zu nehmen (maximal 2 am Tag). Außerdem nehme ich noch eine halbe Citalopram dura 20 mg pro Tag.


    Da stehen mir die Haare zu Berge.
    Die Verordnung von Clomethiazol im ambulanten Bereich gilt quasi als „Kunstfehler“, oder anders ausgedrückt: als gewaltiger Fehlgriff eines Arztes.

    Clomethiazol (Distraneurin®)
    • im stationären Entzug alternativ zu Benzodiazepinen gebraucht.
    im ambulanten Entzug weitestgehend obsolet
    • Ausnahme: Abgabe geringster Mengen, keine Mitgabe ganzer Packungen; 1-2 Tabletten unter Sichtkontrolle; mehrfache tägliche Kontakte anfangs, Gabe über maximal 5-8 Tage.

    Zitat

    Die nächsten 7 Tage werde ich wohl nicht mit Alkohol in Berührung kommen, da ich die Tage bei der Familie verbringe, wo Alkohol Tabu ist.


    Genau dieses „werde ich wohl nicht mit Alkohol …“, also das Risiko, dass Du eventuell doch mit Alkohol in Berührung kommst, schließt fachlich eine ambulante Verordnung von Clomethiazol aus.

    Zitat

    Wie bereits oben beschrieben, war ich zwischen den 3 Entgiftungen Wochen lang "alkoholfrei" ... aber die Rückfälle warum dann um so heftiger (schnell große Mengen getrunken).


    Dann weißt Du zumindest schon, dass Du ohne Alkohol gut leben kannst und auch „Wochen“ ohne aushältst. Jetzt solltest Du Dir noch das nötige Rüstzeug zulegen, dass daraus eine stabile, dauerhafte Abstinenz wird. Zum Beispiel mithilfe von Selbsthilfegruppe. Oder auch ambulanter Therapie in einer Suchtberatung.

  • Da stehen mir die Haare zu Berge.

    Mir auch. Aber Dietmar war schneller und hat schon etwas dazu geschrieben.

    Versuch, ohne das Zeug auszukommen. Es geht auch ohne Medikamente, aber mit psychologischer Begleitung - und das muss nicht unbedingt ein/e Therapeut/in sein. Auch eine SHG und/oder ein befreundeter Mensch, mit dem man über die Problematik (auch Saufdruck etc) sprechen kann.

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

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