klassische Suchthilfe

  • Tut mir leid, Greenfox. Das mit dem Überwachen hört sich tatsächlich so an, als würde ich davon ausgehen, dass SHG-Mitglieder einander nach STASI-Art bespitzeln würden. Davon gehe ich jedoch keinesfalls aus. Was ich von anderen Leuten über eine wichtige Funktion von SHGs hörte/las, war, dass Gruppenmitglieder oftmals im Gespräch schneller als man selbst erkennen können, ob man sich ggfs. auf dünnem Eis befindet und vor einem Rückfall steht.
    Nur das meinte ich mit „Überwachung“.
    Also nix für ungut.

    Katro

  • Hallo Katro,

    lesen oder hören ist was anderes, als es tatsächlich tu erleben.

    Dein Einlenken hier irritiert mich nun doch!

    Meine Frage: Lebst du abstinent??

    Du schreibst so oft, dass du glücklich bist ohne Alkohol und Zigaretten. Verrate mir bitte doch auch das Geheimnis, wie man pausenlos glücklich sein kann!!

    Auch nichts für ungut

    Carmen

  • katro schrieb selbst, dass er nicht abstinent lebt. Er kann kontrolliert trinken - glaubt/schrieb er.

    Was ich von anderen Leuten über eine wichtige Funktion von SHGs hörte/las, war, dass Gruppenmitglieder oftmals im Gespräch schneller als man selbst erkennen können, ob man sich ggfs. auf dünnem Eis befindet und vor einem Rückfall steht.

    Hier kommen zwei Sachen drin vor, die mich mächtig gewaltig irritieren:

    Zitat

    Was ich von anderen Leuten ... hörte/las

    und

    Zitat

    ... über eine wichtige Funktion von SHGs ...

    Zum Ersten: "Hörensagen, Euer Ehren! Woher will der Zeuge wissen, ob es tatsächlich so ist, wie er behauptet?"

    Und zum Zweiten: ???? nixweiss0 ???? Funktion einer SHG, Mitglieder zum Rückfall zu bringen/treiben????

    Sorry - das ist absoluter Bullshit!

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,

    kein Gott, kein Kaiser noch Tribun

    Uns aus dem Elend zu erlösen

    können wir nur selber tun!

  • Greenfox,

    da habe ich wohl was überlesen, was Katros Abstinenz anbelangt.

    Ich habe mir auch Einiges aus der Fachliteratur zu gelesen und musste es leider auch aus bitterer Erfahrung lernen.
    Es gibt nun mal einen Point of no return, was unsere Sucht anbelangt, da kann man es sich noch so schön reden.
    Also weiter saufen und krepieren oder aufhören.

    Meine Erfahrungen mit den Selbsthilfegruppen sind natürlich nicht so schön, ich lebe in einer kleineren Stadt wie Berlin und es gibt nicht so viel Auswahl. Ich werde es trotzdem schaffen.

    Liebe Grüße

    Carmen

  • Ich habe es so gelesen, dass katro sich für ein rauschfreies Leben entschieden hat und dass er abstinent lebt. Wo liest du etwas anderes greenfox ?

  • Unter anderem hier:


    Es ging um gegorene Stutenmilch.
    Man kann das alkoholische Getränk natürlich ablehnen und dank der vorhandenen Sprachprobleme eine mittlere Katastrophe auslösen.
    Ich trank die Milch.
    Ich konnte sie trinken, weil ich mich zuvor desensibilisiert hatte und deshalb darauf vertrauen konnte, dass ich durch das Trinken der Milch nicht wieder zum Säufer werde.

    Katro


    https://alkoholforum.de//index.php?topic=348.0

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  • Er kann kontrolliert trinken - glaubt/schrieb er.

    Ich habe hier oftmals das Gefühl, dass einfach nicht richtig gelesen wird. Wie katro (und ich übrigens auch, auch wenn ich nie genannt werde in diesem Zusammenhang) schon öfter darlegte, trinkt er nicht kontrolliert. Kontrolliertes Trinken bedeutet, sich nur zu bestimmten Zeiten das Trinken zu erlauben, und dann nur vorher bestimmte Mengen. Ob ihr das nun glauben wollt oder nicht, wir haben es geschafft, dass wir


    Verrate mir bitte doch auch das Geheimnis, wie man pausenlos glücklich sein kann!!

    in der Tat pausenlos glücklich sind, hinsichtlich des Wissens, von dem "Saufen müssen" abgekommen zu sein. Pausenlos generell gesehen glücklich sein kann keiner, dafür gibt es viel zu sehr den ganz normalen Wahnsinn, den das Leben so bietet.

    Es ist einfach zu schön, so wie ein Dasein ohne den Suff ist und das haben wir erkannt und somit gibt es keinen Weg zurück, und auch dann nicht, wenn man mal was trinkt, was nicht heißt, dass man soviel trinkt bis man es wirklich spürt. Denn das brauchen wir nicht mehr.

    Mir ist bewusst, dass man dies nur schwer verstehen kann, es klingt einfach zu fantastisch. Allerdings hat die Sache einen Haken für die, die immer noch täglich an den Alkohol denken müssen. Wir werden davon nicht mehr besoffen, und wenn man noch nicht erkannt hat, dass es ohne WIRKLICH besser ist, ist diese Aussicht, das zu Erreichen, natürlich alles andere als verlockend.

    Wenn ich hier etwas Falsches geschrieben habe katro, dann verbessere mich bitte und sehe mir dann bitte auch nach, dass ich in der Wir-Form sprach.

  • also ich habe es auch so verstanden, zumal ich Katro vor einigen Wochen mal direkt darauf angesprochen habe.

  • Einen wunderschönen guten Abend aus dem hohen Norden!

    Die Verwirrung erscheint einmal mehr dem Höhepunkt entgegen zu streben und das Ziel einer Diskussion - unter Zuhilfenahme von unterschiedlicher Argumente eine strittige Frage ggf. zu klären - verliert sich mehr und mehr - nun denn!
    Ursprünglich ging es ja grob vereinfacht `mal um die Frage, ob der Weg der klassischen Suchthilfe "Entgiftung (ggf. qualifizierter Entzug), Langzeittherapie, Nachsorge, SHG der einzig wahre - der zwingend richtige sei. Insbesondere die Bedeutung von regelmäßigen SHG-Teilnahmen wird von einigen Usern hier grundsätzlich in Frage gestellt oder als Königsweg propagiert.

    Einigen von Euch ist bekannt, dass ich kein glühender SHG-Verfechter bin - insbesondere AAs, Guttempler oder Blaukreutzler hinterließen bei mir immer befremdliche Eindrücke oder Gefühle. Auch etliche freie Gruppen habe ich in den letzten Jahren besucht und kam immer wieder mit gewissem Kleingärtner-Vorstands-Gehabe in Konflikt.

    ABER:
    Ich habe aus meinen negativen Erfahrungen meine Konsequenzen gezogen und meinen Weg gesucht und gefunden. Für mich als ALKOHOLIKER ist der Austausch mit anderen ALKOHOLKRANKEN notwendig und eine ständige Bereicherung meines zufriedenen, abstinenten Lebens. Dieses geschieht nicht im Rahmen einer SHG, sondern halt in einem anderen organisatorischen Rahmen. Der überwiegende Teil meiner Bekannten und Freunde pflegen einen nicht-suchtorientierten Umgang mit Alkohol und anderen Drogen - konsumieren also unterhalb des schädlichen Konsums - der andere Teil sind alkoholkranke Menschen, die wie ich langjährig abstinent leben. Weder den Kontakt zu dem einen Teil meines sozialen Umfeldes, noch zu dem anderen Teil möchte ich missen. Und genauso wie es Frauen- und Männerabende gibt, die ihre jeweiligen thematischen Schwerpunkte haben, gibt es halt auch Alkoholikerabende mit entsprechenden Schwerpunkten. Bestimmte suchtspezifische Dinge kann ich halt nur mit Menschen besprechen, die VERSTEHEN - weil eben so ähnlich selber erlebt - wovon ich spreche.
    Ein Beispiel zur Verdeutlichung.
    Ich habe eine schwer depressive Freundin. Sie kann mir berichten, wie es ihr in schwer-depressiven Phasen geht. Ich denke, ich verfüge über genügend empathische Fähigkeiten, mich ein wenig in ihre Gefühlswelt hinein zu denken und ein wenig hinein zu fühlen - aber halt auch nur ein wenig - da ich dieses Krankheitsbild zum Glück nicht habe.
    Ein Mensch ohne Suchterkrankung kann uns Alkoholikern gegenüber ähnliche Vorstellungsfähigkeiten entwickeln - weiß aber im Detail und in der nötigen Tiefe im Prinzip nicht das Geringste, worüber wir reden.
    Also, Austausch unter Betroffen halte ich für unabdingbar - und zwar nicht nur unter virtuellen Personen, wie hier im Forum, sondern mit echten Menschen, die ich in ihrer Gänzlichkeit auch erleben kann. Hier kann ich mich auskotzen, Rat und Hilfe einholen und ggf. auch einfordern, mich in einer geschützten Umgebung ohne Angst offenbaren - und das ohne Angst vor Repressionen jeglicher Art.
    Ob dieser Austausch nun in einer SHG oder in einem anderen organisatorischen Rahmen passiert, sollte jeder für sich selber entscheiden.
    Mich hat die Vorstellung - ich könnte alles alleine bewerkstelligen, ich könnte alle Probleme alleine lösen, ich brauche niemanden, ich brauche vor allen Dingen keine Hilfe, keine Anregungen, keine Anstösse und keine Unterstützung anderer Menschen - mehr und mehr in meine Suchterkrankung getrieben.
    Erst als ich bereit war, von diesem hohen Ross (zwangsläufig) herab zu steigen und um Hilfe zu bitten und sie auch anzunehmen, war ich auch wieder handlungsfähig und konnte wieder Verantwortung für mich selber übernehmen.
    Mein VERSTAND hat mir übrigens schon Jahre vorher gsagt, dass der Suchtausstieg alternativlos ist
    - nur genutzt hat es mir halt nichts ...
    womit wir wieder bei dem anderen Dauerthema wären,
    woran unterscheiden sich eigentlich Alkoholiker von Menschen die hochgradig riskant saufen .... ?

    Einen schönen Abend und
    beste Grüße
    keppler

    Einmal editiert, zuletzt von keppler (14. September 2014 um 22:44)

  • Wow, keppler, gute Worte!
    Vor allem, was Du über den Austausch mit anderen Betroffenen gesagt hast, gefällt mir.
    Auch, wenn man nicht die passende SHG gefunden hat - gerade diesen Austausch mit "richtigen" Menschen (also nicht "virtuellen" - ihr wisst schon) halte ich für wichtig.

    Und zu dem "kontrollierten Trinken": Wenn man nur ab und an etwas trinkt, oder "trinkt, ohne saufen zu müssen", dann behält man doch die Kontrolle, oder? Also trinkt man "kontrolliert".
    Für mich heisst kontrolliertes Trinken nicht, dass man jeden Tag maximal 2-3 Glas Bier oder so trinkt, sondern, das man das Trinken an sich "kontrolliert" ...

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    können wir nur selber tun!

  • Wow keppler,

    ich finde, du hast da etwas sehr wichtiges geschrieben!
    Nicht jeder fühlt sich in einer SHG gut aufgehoben. Und da man gerade am Anfang auch häufig mit Einsamkeit und so zu tun hat, gefällt mir deine Lösung sehr.

    Außerhalb des Forums Kontakte zu haben - sowohl zu Menschen, die bewusst mit Alkohol umgehen können, als auch mit anderen trockenen Alkoholikern... ich sehe das ganz genauso! :)

    Seit ich auch mit meiner Alkoholerkrankung umgehe, habe ich in meinem Umfeld einen ganz anderen Austausch. Freunde, die mit Alkohol umgehen können, mit denen ich vorher etwas getrunken habe, trinken nun auch nichts, wenn wir uns treffen - aus Rücksichtnahme. Ich kann mit ihnen allgemein über meine Sorgen sprechen.
    Aber mir ist auch der Kontakt zu anderen Alkoholikern wichtig. So treffe ich mich regelmäßig mit meinem besten Freund (seit mittlerweile 16 Jahren trocken!), und einigen Bekannten aus der Klinik. Diese haben aber bereits eine Langzeittherapie hinter sich und gehen bereits in die Klinik, sobald sie bemerken, dass sie in ihrer Abstinenz "wackelig" werden und ihnen das Rückfallrisiko zu hoch wird.

    Schön daran ist auch, dass diese den selben Therapeuten haben wie ich und wir uns dann auch hinsichtlich der Therapie austauschen können.

    Zum kontrollierten Trinken:

    Das bedeutet für mich nicht etwa, sich "kontrolliert" ab und an die Kante zu geben, sondern ein verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol. So wie ich es mir von gesunden Menschen auch vorstelle. Sprich, man plant, wann man etwas trinkt und hält sich an die Regeln des "gesunden Konsums":
    - mindestens 2 Tage in der Woche gar keinen Alkohol trinken
    - pro Tag nicht mehr als ein kleines Glas Bier trinken

    Leider kenne ich nur äußerst wenige Menschen, die so mit Alkohol umgehen.

    Deshalb bevorzuge ich die Variante, wenn ich ausgehe, vorab eben zu sagen, dass ich keinen Alkohol trinke. Die meisten bestellen sich dann ebenfalls keinen Alkohol. Ich habe aber auch zwei Kontakte, die überhaupt keinen Alkohol trinken 8)

    Liebe Grüße
    Darky

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