Katro's Thread

  • Das ist genau das, was ich schon einmal sagte. In Foren kommt man einfach anders rüber. Selbst fröhliche Menschen, die halt nicht dazu neigen, in Foren mit Smileys und anderen Dingen die Emotionen ausdrücken zu arbeiten, wirken auf einmal, als würden sie den lieben langen Tag sauer drein schauen.

    Aber das ist ein anderes Thema *lacht* ((<< ausgedrückte Emotion))

    *zieht sich still und leise wieder aus katros Thread zurück*

  • Lieber Katro
    Nichts für ungut.
    Warum sollte ich dich was fragen wenn nicht aus ehrlichem Interesse an deiner Person?
    Hm.

  • Liebe Hm.,

    ich kann dir leider nicht sagen, warum du mich etwas fragen solltest, wenn nicht aus ehrlichem Interesse an meiner Person. Die Frage kannst du dir nur selbst beantworten. Du bist ja schließlich eine Frau. Und die fragen ehrfahrungsgemäß nicht immer so, dass man, wenn man die Frage mit der entsprechenden Information beantwortet, die Frage auch tatsächlich beantwortet hat.
    Deshalb frage ich vorsichtshalber noch einmal nach: Habe ich deine Frage erschöpfend beantwortet?

    Viele Grüße
    Katro

  • Alles hat i.d.R. mehr als nur eine Seite. Und je nachdem, welche Seite man betrachtet, sieht man etwas anderes und reagiert deshalb auch anders.

    Ich sehe z.B. Sucht und den Umgang mit ihr anders als viele andere Menschen, die in Foren oder Büchern schreiben. Wenn ich das, was ich las, richtig verstehe, dann sehen die meisten Menschen Sucht so, dass sie feststellen: Ich wollte immer den Rausch. Deshalb bringt mir kontrolliertes Trinken nichts. Und deshalb werde ich überhaupt keinen Alkohol mehr trinken, denn an der Sucht an sich kann ich nichts ändern. Ich bin ein Alkoholiker. Und der bleibe ich mein Leben lang.

    Bei mir lief das so ab, dass ich feststellte: Ich wollte immer den Rausch (anfangs einen kleinen, dann einen immer größeren), trinke also Alkohol nur deshalb, damit ich in einen Rauschzustand gerate. Das bringt mir jedoch inzwischen sehr viele Nachteile ein und deshalb will ich es nicht mehr. Nach einen kurzen Ausflug in die oben beschriebene Denk- und Handlungsweise, nahm ich mir vor, dass ich lernen werde, Alkohol nicht mehr zu mir zu nehmen, um mich zu betäuben, sondern ihn ausschließlich in solchen Mengen zu trinken, dass ich weit von einem Rauschzustand entfernt bin. Dazu musste ich -das war mir klar- alles über mein Suchtverhalten in Erfahrung bringen, um an seine Wurzeln zu gelangen, damit ich es ändern konnte.

    Inzwischen ist mir egal, ob ich per Definition ein Leben lang ein Alkoholiker bin. Ich fühle mich nicht mehr wie ein solcher.

    Katro

  • Als ich in einem anderen Thread über die unglaubliche Freiheit schrieb, die der Ausstieg aus einer Sucht nach sich zieht, fiel mir ein Gespräch ein, das ich vor einiger Zeit mit einer Person führte, die zu Gott fand. Die Person sagte mir sinngemäß, dass ihr der Glaube zu einer starken inneren Freiheit verholfen habe. Egal, was auch immer passiere, sie habe Gott. Die Freude darüber könne ihr niemand nehmen. Und das mache sie frei.

    Genau dieses Gefühl der Freiheit habe ich, seitdem ich nicht mehr rauche. Und seitdem ich nicht mehr saufe, ist dieses Freiheitsgefühl noch stärker geworden, stelle ich ihr und mir gegenüber fest. Was auch immer passiert, dieses Gefühl bleibt. Es kann mir noch so schlecht gehen, aber die Freude darüber, dass ich nicht mehr rauchen und saufen muss, die ist immer vorhanden. Besonders intensiv ist dieses Gefühl zu spüren, wenn bestimmte Suchtdruckauslöser im Gehirn Anklang finden und mir bewusst wird, dass ich früher in einer solchen Situation nicht nur unruhig geworden, sondern wie ein Wilder geraucht oder getrunken hätte.
    Heute ist es mit der Unruhe schnell vorbei, wenn mir bewusst wird, dass der einzige Grund für meine Unruhe meine Erinnerungen an Suchtzeiten sind. In diesem Augenblick wird mir die durch den Ausstieg gewonnene Freiheit wieder ganz besonders bewusst. Ich muss weder rauchen noch saufen, sondern kann mich ganz einfach nur darüber freuen, dass ich die Wahl zwischen vielen Handlungsmöglichkeiten habe.

    Ich frage mich oft, warum beim Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit fast immer so stark psychologisiert wird. Mir reicht die tägliche Erfahrung der gewonnenen Freiheit.
    Vor langer Zeit schrieb mir in diesem Forum jemand, dass sich diese ständige Betonung der Freiheit und der Freude darüber wie ein Mantra anhöre. Und dass er sich frage, wann das kippe.
    Es kippt nichts und ich glaube auch nicht, dass hier etwas kippen kann. Dafür ist das Geschenk der Freiheit, das ich ausschließlich dem Suchtausstieg verdanke, einfach viel zu groß.

    Vielleicht ist es so, dass jeder ein -anderes- von ihm wirklich geschätztes und täglich erfahrbares Geschenk braucht, damit er nachhaltig mit dem Saufen aufhören kann. Dieses zu suchen und zu finden ist vielleicht zielführender als jede Psychologie.

    Katro

  • Grüß Dich Katro,

    ….ich freue mich immer sehr für Dich und Deine zurückeroberte Freiheit!
    Deine Gedanken lese ich immer gern und sie inspirieren mich oft.
    Ich denke das Gefühl diese Freiheit (wieder) zu erreichen ist das Ziel eines Jeden hier von uns.

    Irgendwo habe ich mal folgendes Bildnis gelesen:
    „Sucht hat so viele Gesichter wie es Süchtige gibt.“

    Vielleicht magst Du diese `Psychologisiererei´ darum nicht so recht verstehen weil das für Dich gar nicht so wichtig ist und Du andere Ding bewältigt hast?

    Gedanken von mir:
    Ich denke durchaus dass der Alkohol als psychotrope Substanz sowie auch die Alkoholsucht psychisch so einiges durcheinander wirbeln kann. Und nur mal so ein Beispiel von mir, ich hab in den vielen Jahren so dermaßen viel Mist gebaut welche jeglicher gesunden Vernunft widersprechen. Meine Alkoholsucht konnte ich nur durch sehr ausgeprägte Verdrängungsmechanismen aufrechterhalten. Und hui, so Einiges davon ist im Wachen und Träumen in den ersten Wochen meines Ausstieges massiv wieder an die Oberfläche gekommen. Somit hab ich in manchen Stunden keine andere Wahl als sozusagen mein eigener Psychologe zu sein um an diesen Dingen schlicht und einfach nicht abzudrehn… Diese ´Flutung` nimmt aber nun konstant ab und wird erträglicher.
    Weiterhin denke ich für mich, dass mir nun wo der Groschen gefallen ist vor Allem erst mal bewusst wird was eigentlich all die Jahre mit mir abgelaufen ist, wie ich getickt habe. Diese rückblickend reflektierenden Erkenntnisse helfen mir sehr dabei mich selbst und meine Sucht zu durchschauen. Ebenso helfen sie mir dabei meine Seele sowie mein Tun und Handeln im Hier und Jetzt in eine bessere, gesündere Zukunft auszurichten.
    Ich denke allerdings auch dass alle Psychologie, auch wenn es tausende Bücher und hundert Psychologen wären, nutzlos wären und mir wenig helfen würden wenn nicht tief in mir selbst, in meinem innersten Kern die Liebe zum wahren Leben und die Sehnsucht zur Freiheit wäre. Diese stehen für mich weit über Allem. Aber sicher, bestimmt gibt es Menschen bei denen es genau umgekehrt ist oder wiederum Andere bei denen es ganz komplett anders ist…

    [anmerken möchte ich hier wieder einmal das ´Gebet` dass dies ausschließlich Zeilen aus meinem eigenen persönlichen Innenleben sind welche in keinster Weise Anspruch auf eine gemeingültige Theorie oder dergleichen sind]


    Beste Grüße und bis dahin,
    Land-in-Sicht

  • Hallo LIS,


    Diese rückblickend reflektierenden Erkenntnisse helfen mir sehr dabei mich selbst und meine Sucht zu durchschauen. Ebenso helfen sie mir dabei meine Seele sowie mein Tun und Handeln im Hier und Jetzt in eine bessere, gesündere Zukunft auszurichten.

    alles, was dabei hilft, langfristig suchtdruck- und suchtmittelfrei zu leben, ist gut. Wem es gut tut, sein ganzes Leben oder wesentliche Teile davon auf den Prüfstand zu stellen, der soll das tun.

    Kein Mensch ist fertig entwickelt, sobald er die Volljährigkeit erreicht. Jeder verfügt über Defizite und Fehlentwicklungen, die durchaus der Korrektur harren usw. Oft haben solche Defizite sogar den Grundstock für die Abhängigkeit gelegt, denn anfangs half der Alkohol dabei, die Defizite zu überspielen oder nicht mehr zu spüren. Was ich jedoch kontraproduktiv finde, ist die zu starke Verknüpfung der zu überwindenden Sucht mit diesen Defiziten aus der Vergangenheit.

    Das verstellt m.E. den Blick dafür, dass ein suchtmittelfreies Leben selbst dann eine ungeheure Bereicherung darstellt, wenn die Baustellen der Vergangenheit unbearbeitet bleiben.

    Wenn es mir schlecht geht, weil mich ein Schuh aus der Vergangenheit drückt, dann laufe ich weniger stark Gefahr, in alte Suchtverhaltensweisen zurück zu verfallen, wenn das suchtmittelfreie Leben für mich eine Bereicherung an sich darstellt als wenn ich meine Sucht nach wie vor mit der Vergangenheit verknüpft lasse. Denn im ersten Fall bekomme ich zu dem schlechten Gefühl, das aus meinem Defizit resultiert, ein weiteres schlechtes Gefühl dazu, weil ich in diesem Fall eine Bereicherung meines Lebens aufgebe, wenn ich trinke. Im zweiten Fall entwickelt sich oft die Einstellung, dass jetzt eh alles egal ist.

    (Jetzt mache ich auch einmal einen Beipackzettel, obwohl ich den eigentlich für unnötig halte, weil jedem Leser klar sein müsste, dass alles, was ich schreibe, subjektiv geprägt ist: Alles, was ihr da oben lest, sind meine subjektiv gefärbten Gedanken und Erfahrungen. Man kann sie annehmen, verwerfen, verändern oder weiß der Geier was mit ihnen machen.)

    Katro

  • B E I P A C K Z E T T E L …. ;D ;D echt klasse!
    Und Du hast recht, eigentlich ist so was nicht wirklich nötig….


    ...was ich jedoch kontraproduktiv finde, ist die zu starke Verknüpfung der zu überwindenden Sucht mit diesen Defiziten aus der Vergangenheit...


    D'accord! …ich hab in reichlich 15Jahren zum Beispiel so ´ne Menge Blödsinn gebaut, wenn ich dass alles aufarbeiten und ´wiedergutmachen´ wöllte, dann hätte ich ja auf Lebtag gar keine Zeit mehr mein nüchternes Leben nun auch ab und an mal in vollen Zügen zu genießen…

    Bewusst ist mir außerdem, zum Thema Verknüpfung mit der Vergangenheit, dass ich ja durchaus auch reichlich Schönes und Gutes erlebt habe und in meinem inneren Schatzkästchen angesammelt habe.

    Was geschehen ist, ist geschehen. Punkt. Da beißt die Maus kein´ Faden mehr dran ab. Vielleicht ergibt es irgendwann ja sogar mal einen Sinn. LEBEN tu ich nun mal im Hier und Jetzt. Aus der Vergangenheit kann ich lernen und das was ich beeinflussen kann ist dieses Hier und Jetzt und die Zukunft.

    Einen Gruß an Dich schickt
    Land-in-Sicht

    PS:


    ...wenn das suchtmittelfreie Leben eine Bereicherung an sich darstellt...


    DAS macht meiner Meinung nach schon mal einiges an auch noch bestehenden ´Defiziten´ wett!

    Einmal editiert, zuletzt von Land-in-Sicht (3. Mai 2014 um 07:36)

  • Heute begann das dritte Jahr in Folge, das ich ohne Alkoholrausch erleben werde. Auch wenn es heißt, dass ein Alkoholiker zwar eine Entwicklung von „nass“ zu „trocken“ durchlaufen kann, letztendlich aber immer ein Alkoholiker bleibt, fühle ich mich nicht mehr abhängig. Ich spüre keinen Zwang in mir, Alkohol zu trinken. Und wenn ich ihn trinken will, kann ich das ohne Kontrollverlust tun. Allerdings gehe ich davon aus, dass ich nie wieder so sein werde, wie ich war, bevor ich in die Abhängigkeit geriet bzw. dass ich nie wie jemand sein werde, der die Alkoholabhängigkeit nicht kennenlernte.

    Die Erfahrung von Sucht hat mich ausgesprochen sensibel für alle Formen abhängigen Verhaltens gemacht. Ich ertappe mich oft dabei, dass mich eine Welle des Mitleids durchfährt, wenn ich Menschen beispielsweise rauchen oder saufen sehe. In diesen Augenblicken denke ich weniger an die möglichen gesundheitlichen Konsequenzen als vielmehr daran, dass dieses Verhalten so unglaublich sinnlos ist. Man hat als Süchtiger das Gefühl, dass man nur mit dem Suchtmittel ein lebenswertes Leben führen kann.
    Und dabei ist das Gegenteil der Fall.
    Leider verhindert die durch die Droge erfolgte Gehirnwäsche das zu erkennen.

    Irgendwann scheint es jedoch bei einem Großteil der Abhängigen „klick“ zu machen.
    Ich bin froh und dankbar, dieser Gruppe anzugehören.

    Katro

  • Ich freu mich für dich, dass du jetzt dein drittes rauschfreies Jahr beginnst und freu mich gleichzeitig auf weitere Zeilen von dir :)

    Liebe Grüße, Hups (die sich auch zu der Gruppe zählt bei der es KLICK gemacht hat und dafür ebensolche Dankbarkeit empfindet)

  • Danke Hups!

    Ich kann nur ohne Suchtmittel ein lebenswertes Leben führen.

    Irgendwann im Verlauf meines ersten Nichtmehrraucherjahrs stand diese Erkenntnis vor mir und prägte mein weiteres Verhalten.
    Ab diesem Zeitpunkt war es mir nicht mehr möglich, auch nur eine Sekunde lang in Erwägung zu ziehen, mein Suchtmittel erneut zu konsumieren. Das, was nach jener Erkenntnis in mir ablief, war manchmal schon bühnenreif. Da empfand ich höchsten Suchtdruck, wollte nichts sehnlicher als rauchen und musste mir gleichzeitig eingestehen, dass ich das nicht KONNTE. Alles in mir strebte sich dagegen. Ich wusste, dass ich sofort wieder mit jeder Faser meines Herzens würde aufhören wollen, wenn ich dem Suchtdruck nachgab. Nur würde es mir dann schwerer fallen als zu dem Zeitpunkt, an dem ich dem Suchtdruck noch nicht nachgegeben hatte.

    Meine Zeit als Raucher war vorbei.

    Ich habe keine Ahnung, ob oder wie man diese Erkenntnis anderen Menschen vermitteln kann. Ich weiß nur, dass es mir nach dieser Erkenntnis weder in Bezug auf das Rauchen noch in Bezug auf das Saufen möglich war, so weiter zu machen wie zuvor. Da ich nach meiner Erkenntnis weder rauchen noch saufen KONNTE, musste ich auftretenden Suchtdruck schlicht und einfach aushalten. Das Erstaunliche ist, dass dieses Aushalten gar nicht so schwer ist, wenn es in der eigenen Vorstellung keine Alternative gibt.

    Katro

  • Hallo Community hallo Katro,


    das ist der einzige thread den ich hier mit der Suchfunktion gefunden habe, in dem Allen Carr erwähnt wird.
    Ich habe mehr als 30 Jahre fast ohne Pause gesoffen (Bier, Whiskey, Wodka). Und wie die meisten öfters versucht weniger zu
    trinken, zb im letzten Jahr war mein Rekord 6 Tage, nur um mich dann am folgenden Wochenende richtig ins Koma zu saufen. Durch Zufall fand ich vor kurzem mit der Suchmaschine das Buch von Allen Carr.
    Beim Lesen war ich natürlich zuerst entsetzt von der Idee gar keinen (ich dachte "wie soll das denn gehen??") Alkohol mehr zu trinken ("wieso reicht nicht etwas weniger??").
    Wieso wird das Buch überall geradezu totgeschwiegen, weil Allen Carr den Alkoholismus bestreitet oder weil er keine Arztbegleitung empfiehlt? Also ich lebe noch :) und fühle mich genauso wie Allen vorausgesagt hat - nämlich super also glaubt mir es gibt Hoffnung! Und nein das hier ist keine Buchwerbung, soweit ich weiss ist Allen leider schon tot, sonst hätte ich ihm erstmal eine Dankesmail geschickt. Ist mir egal, dass seine Theorien umstritten sind wenn sie helfen.


    Viele Grüsse

    Einmal editiert, zuletzt von oldboy (29. Mai 2014 um 15:27)

  • Hallo Oldboy

    Welcome
    Es gibt kein generelles Rezept - aber was dir persönlich hilft, das hilft dir eben. Allen Carr hat vielen geholfen - manchen nicht - so what...
    Keep on going...

  • Ich las von Allen Carr zwei Bücher. Bei dem einen ging es um die Nikotinsucht , bei dem anderen um die Abhängigkeit vom Alkohol. Carrs Vorgehensweise ist in beiden Büchern mehr oder weniger identisch. Beim Lesen des Buches über die Alkoholabhängigkeit, dachte ich mir, dass er eine Menge aus seinem Buch über die Tabakabhängigkeit übernommen zu haben scheint. Ich las es, nachdem ich schon über ein Jahr nicht mehr süchtig trank.
    Ich gönnte mir den Gedanken, dass man so über jede Droge schreiben und schnelles Geld verdienen könnte. Doch wie ich Carrs Aussage von der Gehirnwäsche und der absoluten Nutzlosigkeit des Tabaks zustimmte, stimmte ich ihm auch beim Alkohol grundsätzlich zu. Ich sehe das zwar in Bezug auf den Alkohol nicht in dieser Ausschließlichkeit. Aber grundsätzlich ist es so, dass niemand den Alkohol tatsächlich braucht, um besser leben zu können. Aufgrund unserer westlichen Erziehung betrachten wir ihn als Genussmittel. Aber selbst diese Qualifikation kann man getrost in Frage stellen.

    Was also übrig bleibt, ist durch Gehirnwäsche erzielte Sucht oder durch Sucht erfolgte Gehirnwäsche.

    Wer es so sehen kann, verschwendet keinen Gedanken mehr daran, dass der Alkohol auch nur irgendetwas Positives zu leisten vermag. Und wer es so sieht, der sieht dann auch das, was tatsächlich übrig bleibt und real ist: Die Sucht, die nicht gut tut, sondern mehr und mehr in die Unfreiheit führt.

    Und wenn man dann noch davon überzeugt ist, dass man mit dieser Sucht aufräumen kann -und darin bestärkt Allen Carr- dann ist der Suchtausstieg weder mit Verzichtsgedanken noch mit größeren Ängsten verbunden.

    Das Einzige, was dem Aussteiger jetzt und insbesondere mit größerem zeitlichem Abstand zum Ausstieg noch gefährlich werden kann, ist das Vergessen.

    Katro

  • Wenn man aus einer Sucht/Abhängigkeit aussteigt, hat man oft das Gefühl, dass es notwendig ist zu kämpfen. Man will den Forderungen der Sucht nicht mehr länger nachkommen, spürt aber mehr oder weniger brutal, dass die Sucht genau das Gegenteil anstrebt.
    Die Sucht bedient sich unseres Gehirns (oder manifestiert sich in unserem Gehirn) und dieses Gehirn signalisiert uns, dass es das angenehme Gefühl behalten oder wieder haben möchte, das wir ihm in der Vergangenheit über den Alkohol zugeführt haben. Und da wir ihm plötzlich von einen auf den anderen Tag den Alkohol versagen, versagen wir unserem Gehirn genau dieses angenehme Gefühl.

    Als ich mit dem Rauchen aufhörte, kam ich irgendwann genau an diesen Punkt, an dem ich erkannte, dass ich gegen mein eigenes Gehirn kämpfen müsste, wenn ich den Weg des Kampfes einschlage bzw. weitergehe. Doch wie soll das gehen? Wie soll ich gegen mich selbst kämpfen?
    Da kann ich nur verlieren.

    Für mich bestand die Lösung darin, gänzlich auf den Kampf zu verzichten und stattdessen die Bereitschaft zu entwickeln, das Wehklagen meines Gehirns schlicht und einfach auszuhalten und mir stattdessen auszumalen, wie meine Zukunft ohne Suchtmittel aussehen würde. Manchmal bekam ich es zwar mit der Angst zu tun, weil ich dachte, dass mein Gehirn mit seinem Wehklagen auf immer und ewig so weitermachen würde. Aber letztendlich sah ich es als einzig möglichen Weg an, stur an meiner Entscheidung zum Ausstieg festzuhalten. Weiter zu rauchen/zu saufen war keine Option für mich.

    Und ich tat gut daran, denn heute rauche ich nicht mehr und heute saufe ich nicht mehr. Und ich habe nicht das Gefühl, etwas verloren, sondern stattdessen etwas gewonnen zu haben.
    Das, was ich mir ausgemalt habe, ist Wirklichkeit geworden.

    Katro


  • Das, was ich mir ausgemalt habe, ist Wirklichkeit geworden.

    Auch wenn ich diesen Satz nicht als Schlusswort geplant habe, stelle ich fest, dass es für mich wohl kein besseres gibt. Meine Wirklichkeit ist seit vielen Monaten ebenso frei vom Zwang, Alkohol trinken zu müssen, wie sie seit Jahren keinen Zwang mehr kennt, Tabak zu rauchen.
    Ich habe nichts aufgegeben, sondern in beiden Fällen Lebensqualität gewonnen. Und dieser Gewinn macht sowohl gute Tage besser als auch schlechte Tage weniger schlecht.

    Schade, dass man das noch nicht weiß, wenn man am Anfang des Weges steht.
    Aber vielleicht besteht ja auch ein Sinn von Internetforen darin, dieses Erfahrungswissen weiterzugeben.

    An dieser Stelle kann ich jedem, der sich noch in der Abhängigkeit vom Alkohol oder einer anderen Droge befindet, nur wünschen, dass er diese Erfahrung ebenfalls machen darf.

    Katro

  • Hallo Katro,


    Das, was ich mir ausgemalt habe, ist Wirklichkeit geworden.

    ...ja, dieser Satz war mir in Deinem vorletzten Posting auch schon aufgefallen weil er mich sozusagen ´voll erwischt´ hatte direkt als ich ihn las. Ich hatte auch fast schon vor Dir etwas drauf zu Schreiben. Aber das tue ich ja jetzt.

    Deine Worte geben mir wiederum etwas mehr Vertrauen in das Kommende und lassen mich weiterhin an die Kraft der Gedanken glauben! Danke dafür!

    Einen Gruß,
    Land-in-Sicht

  • willkommen im Forum ... !
    Wenn ich es bildlich ausdrücken sollte, stehst Du zur Zeit an einer Weggabelung - der eine Weg endet in einer Sackgasse, der andere führt Richtung Süden - der Sonne entgegen. Den "Sackgassenweg" bist Du schon einige Zeit gegangen, bist umgekehrt und hast Dich für den Anderen entschieden. Die vielen Steine und Schlaglöcher auf diesem Weg haben Dich dazu bewogen,
    nochmals inne zu halten und erneut den gepflasterten, glatten Weg zu beschreiten - wohl wissend, dass die Wand an seinem Ende nicht weggeblasen sein wird ... Du kennst den richtigen Weg, scheust aber zur Zeit noch die Mühe, Steine und Schlaglöcher zu bezwingen ...
    Wenn Du fragst, was ich Dir rate:
    Ich kann Dir nichts raten, was Du im Grunde nicht schon selber weißt - der Weg Richtung Süden ist alternativlos!

    Was für ein Klasse Text katro !

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