Katro's Thread

  • Mal so ein Gedanke, den ich beim Rauchstopp hatte, der aber auch für den Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit gilt: Was ist eigentlich, wenn mein Ausstieg zu spät kommt, ich also bereits ernsthaft an einem Raucherleiden erkrankt bin? War dann alles umsonst?

    Die ehrliche Antwort war und ist: Nein.
    Immerhin durfte ich nach einer gewissen Leidenszeit, die jeder Ausstieg nun einmal mehr oder weniger innehat, eine Freiheit und ein Lebensgefühl genießen, die einfach grandios sind. Klar, so etwas will man möglichst lange auskosten. Aber besser kurz als überhaupt nicht.
    So dachte ich damals.
    Und jetzt darf ich das tolle Gefühl fast schon sieben Jahre lang erleben. Und seit ich einen klaren Kopf habe, ist das Erlebnis noch größer.

    Es hilft mir die positiven Dinge zu sehen.

    Katro

  • Hallo Katro,

    ich habe erst vor kurzem eine todtraurige Lebensgeschichte gelesen. Kurzfassung: todkranker Alkoholiker, wirklich kurz vorm Exitus, schafft es, mit Hilfe seiner Frau, unter größten Schwierigkeiten wieder zu genesen. Er bleibt abstinent, sein Körper regeneriert sich, für die beiden scheint alles wunderbar zu laufen. Doch nach 5 Jahren stirbt er urplötzlich an einer Hirnblutung.

    Zuerst dachte ich auch: was hat er, was hat seine Frau nun von dem schweren Kampf gehabt, den sie durchgestanden haben? Alles vergeblich. Aber seine Frau schreibt, warum es sich trotzdem gelohnt hat: 5 glückliche Jahre, die sie ohne den Kampf gegen den Alkohol nicht gehabt hätten. Das hat mich tief bewegt.

    LG Walker

  • Hallo Katro,

    ich lese mich gerade so Stück für Stück durch Beiträge hier im Forum und muss mal sagen, dass ich Deinen Thread hier großartig und sehr ermutigend finde!

    Weiteres zu diesen Gedanken in einem eigenen Thread - Du hast ja geschrieben, dass das hier keine Diskussion werden, sondern Dein "Sortier-Thread" bleiben soll. :)

    LG

    Feuervogel

  • Ein Perpetuum Mobile ist etwas, das sich, sobald es einmal in Bewegung gesetzt wurde, immer weiter bewegt. Und zwar von selbst.

    Als ich mit dem Rauchen aufhörte, kam mir irgendwann die Idee, dass Zigaretten genau ein solches Perpetuum Mobile sind. Man raucht eine bzw. so viele Zigaretten, bis man süchtig geworden ist, und weil man das getan hat, bekommt man ständig Lust auf eine weitere Zigarette. Und das setzt sich dann bis in alle Ewigkeit fort, wenn man das Perpetuum Mobile nicht gewaltsam stoppt.
    Angetrieben wird das Perpetuum Mobile allein durch die Vorstellung, dass man Zigaretten zu einem zufriedenen Leben braucht.

    Für die Produzenten der Zigaretten ist dieses Perpetuum Mobile eine wahre Goldgrube.

    Alkohol ist ebenfalls ein Perpetuum Mobile und eine wahre Goldgrube für seine Hersteller. Auch hier erfolgt die Bewegung allein durch die Vorstellung, dass man den Alkohol zum Leben braucht.
    Dass dies völliger Blödsinn ist, hat eigentlich jeder bereits in seinem Leben erfahren. Da muss man nur an die Kindheit zurückdenken. Und man erfährt es erneut nach dem Ausstieg.
    Wenn da nicht diese hartnäckigen (falschen) Vorstellungen wären, die das Perpetuum Mobile in Bewegung halten, wäre alles ganz einfach.

    Man muss mit den falschen Vorstellungen aufräumen, damit das Perpetuum Mobile komplett zum Stillstand kommt. Es reicht nicht, einfach nur den Alkohol wegzulassen. Denn solange die Vorstellungen nicht vollständig durch andere ersetzt sind, dreht sich das Perpetuum Mobile weiter. Und selbst wenn es sich so unglaublich langsam dreht, dass man seine Bewegung mit bloßen Augen nicht wahrnehmen kann, bleibt es ein Perpetuum Mobile.

    Man muss es komplett stoppen.
    Und das erfordert einen gedanklichen Prozess, der mit jeglichem „Jein“ aufräumt.

    Katro

  • Es wird mir immer klarer, warum ich den Alkohol nicht wie viele andere Aussteiger als bösen und mir absolut überlegenen Feind betrachte.

    Zum einen konnte ich ihn nie als Auslöser meiner Sucht sehen, da mir durchaus klar war, dass es die missbräuchliche Verwendung der Droge war, die diese Sucht in mir auslöste. Zum anderen hegte ich wohl stets und immer die Erwartung, dass ich einen anderen Umgang mit dem Stoff erlernen kann, letztendlich also unabhängig von der Droge werde und nicht auf immer und ewig ein willenloser Spielball der Sucht bleiben muss. Dass es also letztendlich von mir abhängt, wie es mit dem Alkohol und mir weiter- und ausgeht.

    Ich wusste, dass ich mir in Folgendem unbedingt vertrauen kann: Ich werde nie wieder Alkohol trinken, um mich zu betäuben, d.h., ich werde mir nie wieder einen Rausch antrinken. (Und zwar will ich das nicht in erster Linie deshalb tun, weil Saufen ungesund ist, sondern weil es mich daran hindert, wirklich zu leben.)

    Der große Unterschied zu den meisten anderen Aussteigern liegt wahrscheinlich darin, dass ich zwar wie sie erkannt habe, dass es mir während meiner Saufzeit nicht darum ging, Alkohol zu trinken, weil er so gut schmeckt, sondern um mich zu berauschen. Aber anders als jene nahm ich diesen Drang zum Berauschen nicht als ein für immer und ewig festgeschriebenes Muster hin, sondern ging davon aus, dass es wie jedes andere Verhalten verändert werden kann. Deshalb war mein Augenmerk von Anfang an nicht darauf gerichtet, mich gegenüber dem Alkohol abzuschotten, sondern zum einen zu akzeptieren, dass ich als Ex-Säufer immer wieder für kürzere oder längere Zeit Suchtdruck bekommen werde und zum anderen mich psychisch so stark zu machen, dass mich dieser Druck und die damit einhergehende Aufforderung zum Saufen letztendlich kalt lässt, d.h., von mir ausschließlich als Relikt einer Sucht und nicht als Möglichkeit tatsächlichen Handelns -also Saufens- wahrgenommen wird.

    Für mich ging es im Umgang mit Suchtdruck fast nie um reine Ablenkung, sondern um die aktive Auseinandersetzung, was stets auch einschloss, dass ich mir bewusst machte, dass dieser Druck nicht durch das Trinken von Alkohol behoben werden kann. Denn mein Entschluss, mich nicht mehr zu berauschen, war von Anfang an endgültig.

    Die Strategie hat geklappt. Und sie hat weniger mit einem unbeugsamen Willen zu tun als mit der Erkenntnis, dass ein Leben, so wie ich es leben will, nur mit einem klaren Kopf möglich ist.
    Nicht mehr zu saufen, ist für mich eine uneingeschränkt positive Vorstellung.

    Katro

  • Ich habe versucht, im Internet zu recherchieren, wie man sinnvollerweise mit Suchtdruck umgeht bzw. -was ich für noch wichtiger halte- wie man die Entwicklung von Suchtdruck vermeiden oder zumindest reduzieren kann, fand jedoch nur wenige Informationen dazu.

    Beim Ausstieg aus der Nikotinsucht hat mir geholfen, Orte aufzusuchen, an denen ich rauchenden Menschen begegnete. An solchen Orten konnte ich die Süchtigen beobachten, sah ihre Gier und spürte jedes Mal aufs Neue, dass ich das nicht mehr wollte.
    Wenn es mit dem Suchtdruck zu arg wurde, ging ich schwimmen oder -falls das Schwimmbad geschlossen war- ins Bett. Bett war gut, denn da hatte ich -abgesehen von meiner Junggesellenzeit- nie geraucht.
    Und so ging der Druck i.d.R. schnell weg.

    Ich glaube im Nachhinein, dass ich den endgültigen Durchbruch in dem Augenblick schaffte, in dem ich akzeptierte, dass alles Lamentieren nichts bringt, sondern dass ich es einfach hinnehmen muss, dass es eine Zeit braucht, bis Körper und Seele nicht mehr nach der Droge verlangen. Gedankenspiele in der Richtung, dass ich vielleicht eine einzige Zigarette rauchen könnte, um den Suchtdruck zu lindern, ließ ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu. Ich wollte nicht mehr rauchen, würde nicht mehr rauchen und hatte von daher keinen Grund mehr, mich auf innere Diskussionen einzulassen.

    Letztendlich machte ich die Erfahrung, dass die Entwicklung der Bereitschaft, den Druck schlicht und einfach auszuhalten bzw. hinzunehmen, dazu führte, dass er sich reduzierte und irgendwann verschwand.
    Heute erlebe ich nur noch kurze Flashbacks, wenn ich in eine Situation komme, in der ich früher wie ein Wilder rauchen musste. Auch beim Alkohol kenne ich nur noch solche kurze Flashbacks.

    Da ich an den Ausstieg aus der Alkoholsucht allerdings mit meinem Wissen über den erfolgreichen Rauchstopp heranging, kann ich nicht beurteilen, ob der Suchtdruck, der bei mir von Anfang an gering war, dieser Strategie geschuldet war oder ob ich einfach nur Glück hatte. Allerdings verbrachten auch hier das Bewusstsein, eine endgültige Entscheidung getroffen zu haben sowie Schwimmbad und Bett wahre Wunder.

    Was mir auch geholfen hat, war, mir zu vergegenwärtigen, dass ich weder beim Rauch-, noch beim Saufstopp irgendeine großartige Leistung vollbringen musste, sondern mir selbst ein Geschenk machte, für das es eigentlich nur eine angemessene Reaktion gab und gibt.
    Nämlich Dankbarkeit.

    Katro

  • Drücken wir es einmal positiv aus: Wenn man einmal süchtig war, wird es niemals langweilig. Irgendeine Ex-Sucht hebt immer mal wieder ihren Kopf und meldet sich zur Stelle, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.

    Gestern war es die Nikotinsucht, die sich nach längerer Zeit in Erinnerung brachte.
    Ich musste eine Arbeit erledigen, bei der ich früher Unmengen von Zigaretten vertilgt hatte. Und da war sie wieder, die Erinnerung an alte Zeiten.

    Mehr als eine gewisse Unruhe verspüre ich jedoch nicht mehr, wenn ich Besuch von einer Ex-Sucht erhalte. Und mittlerweile muss ich auch gar nicht mehr lange darüber rätseln, was mit mir los ist.
    Manche reden vom Suchtgedächtnis. Für mich sind es einfach Erinnerungen.
    Manchmal schmunzele ich über diese Versuche der Sucht, sich wieder in den Vordergrund zu drängeln, manchmal freue ich mich, dass ich in solchen Situationen nicht mehr wie früher meiner Sucht nachkommen muss, meist schafft die Sucht jedoch nur kurze Flashbacks, die sofort wieder in den hintersten Hirnarealen verschwinden.

    Und was die Alkoholsucht angeht, herrscht momentan sogar absolute Funkstille. Das kann sich zwar von jetzt auf gleich wieder ändern, versetzt mich aber nicht weiter in Unruhe.

    Katro

  • Es passiert zu den unmöglichsten Zeitpunkten bzw. in Augenblicken, wo ich es am wenigsten erwarte.

    Heute war es beim Schwimmen, als der Gedanke durch meinen Kopf schoss, dass ich nur deshalb so viel Spaß am Schwimmsport haben kann, weil ich mit einem einzigen Atemzug mehrere Liter Luft in meine Lungen saugen kann. Würde ich noch rauchen, wäre mir das Schwimmen in dieser Form nicht möglich.

    Dann würde ich husten statt schwimmen. Und dann würde mir jede Menge Freude entgehen.

    Darüber -also darüber, dass mir diese Freude nicht entgeht- freute ich mich, während ich schwamm. Und ohne langsamer zu werden.

    Solche Augenblicke der Freude über positive Veränderungen habe ich auch in Bezug auf das Saufen. Aber das haut mich nicht so unglaublich um wie die Sache mit dem Rauchstopp.
    Vermutlich hat mich das Rauchen mehr belastet als das Saufen.
    Aber es ist schon gut, dass ich sowohl das eine als auch das andere nicht mehr tun muss.

    Katro

    Einmal editiert, zuletzt von katro (27. Februar 2014 um 21:14)

  • Ich kann für mich selbst ganz genau sagen, wann und warum ich in die Abhängigkeit vom Alkohol geriet bzw. den Grundstein dafür legte, dass er seine unselige Kraft entfalten konnte. Ich vermag auch ganz genau zu sagen, wann die Nikotinsucht begann.
    Was mir heute jedoch unglaublich schwer fällt, ist das Nachzuvollziehen bzw. Akzeptieren der Tatsache, dass ich über viele Jahre hinweg felsenfest davon überzeugt war, ohne die jeweilige Droge nicht leben zu können.

    Was passiert da im Kopf, wenn eine Droge das Kommando übernimmt?

    Allan Carr bezeichnet es als Gehirnwäsche. Und damit beschreibt er m.E. das, was im Kopf während der Abhängigkeit abgeht, ziemlich gut. Denn das, was man fühlt und denkt, stimmt nicht im Geringsten mit der Realität überein. Aber man glaubt felsenfest daran, dass es sich um die Realität handelt.

    Zumindest ist das meine Erfahrung.

    Als ich mit dem Rauchen aufhörte, erfuhr ich zum ersten Mal, dass alles Lug und Trug war, was die Zigarette mir vorgegaukelt hatte. Nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, erkannte ich, dass sie mir nicht nur nicht das Geringste gab, sondern sogar Lebensqualität nahm.
    Und dass der Alkohol in dieser Beziehung keinen Deut besser ist, erfuhr ich, nachdem ich mich aus seiner Umklammerung zu lösen begann.

    Jetzt ist es vorbei. Meine subjektive Realität stimmt wieder mit der objektiven Realität überein.

    Katro

  • 44. Gefällt mir... 44.

    „Erfolg ist nicht auf Erfolg aufgebaut. Er ist auf Fehlern aufgebaut. Er ist auf Frustration aufgebaut. Manchmal ist er auf Katastrophen aufgebaut.“

  • Der erste Schritt zur Überwindung meiner Süchte bestand darin, dass ich die Vorstellung in Frage stellte, ohne Droge nicht leben zu können. Das hatte lange gedauert. Aber irgendwann war es dann soweit.

    Bei der Nikotinabhängigkeit kam der erste Anstoß von außen. Jemand hatte es mit Hilfe eines Buches von Allan Carr geschafft, über ein Jahr nicht mehr zu rauchen.
    Das wollte ich auch versuchen.
    Leider kam ich über rund drei Monate nicht hinaus. Aber ich hatte Blut geleckt und außerdem erfahren, dass ein Leben ohne Zigarette nicht nur möglich ist, sondern dass es letztlich ohne sie schöner ist.
    Diese Erfahrung war der Anstoß zum zweiten und endgültigen Versuch. Und diesmal kam der Anstoß von innen.

    Auch der Anstoß mit dem Saufen aufzuhören, kam aus mir selbst. Irgendwann war ich so weit, meine Vorstellung über die Notwendigkeit des Saufens für mein Leben in Frage zu stellen.

    Wie ich heute weiß, muss ich nicht saufen, um leben zu können. Ich muss auch nicht saufen, um besser leben zu können. Tatsächlich muss ich weder saufen, noch will ich es tun, weil das Leben ohne Suff schöner ist. Ich kriege alles mit, erlebe Schönes mit allen Sinnen und stelle bei den weniger schönen Dingen fest, dass sie mich weniger lange belasten, weil ich mich -dank klarem Kopf- mit ihnen auseinandersetzen kann und die Auseinandersetzung nicht von einen auf den anderen Tag vertage bzw. vertagen muss, weil der Alkohol meine Gehirnprozesse so sehr verlangsamt hat, dass ein vernünftiges Denken oder echtes Fühlen nicht mehr möglich ist.

    Katro

  • Ich weiß, dass ich schon oft darüber geschrieben habe. Aber ich könnte es immer wieder tun. Und irgendwie muss ich es auch immer wieder tun.

    Die beiden Süchte, die mich über weite Strecken meines Lebens quälten, sind nicht bzw. kaum mehr zu spüren. Mal habe ich zwar eine kurze Erinnerung, mal ein merkwürdiges Gefühl, das ich nicht sofort einordnen kann… doch dann kommt meist schlagartig die Erkenntnis, dass es sich um Vergangenes handelt.

    Heute habe ich wieder eine Wahl.

    Oft durchflutet mich einfach nur Freude. Meist deswegen, weil ich nicht mehr rauchen muss.
    Diese Sucht hat mich am meisten belastet, weil sie ständig präsent war, während sich der Drang, Alkohol zu trinken, erst im Laufe eines Tages entwickelte.

    Heute genieße ich zum Beispiel ein Buch, einen tollen Ausblick, Musik, ein Gespräch usw…. und ich will in diesem Augenblick nichts anderes. Ich denke nicht daran, dass mir zum perfekten Glück eine Ladung Nikotin fehlt und dann die nächste und die nächste… Ich genieße einfach den Augenblick, so wie er ist.

    Dieses Gefühl der Ruhe und Gelassenheit war bereits schön, als ich mit dem Rauchen aufgehört hatte, aber noch trank. Es war jedoch nicht perfekt. Denn irgendwann im Verlauf eines Tages wurde ich erneut zu einem Getriebenen, weil ich mir die Birne zukippen musste. Anders als beim Tabak, konnte ich zwar, wenn es sein musste, mal einen Tag lang aussetzen. Aber dann fehlte etwas und meine Gedanken kreisten um dieses Fehlende.

    Schon komisch. Jetzt kreisen sie auch. Aber sie kreisen komplett anders.

    Tabak und Alkohol sind weg, aber sie fehlen nicht. Im Gegenteil, es ist schön dass sie weg sind.
    Dieses Getriebensein war für mich der wahrscheinlich schlimmste Ausdruck meiner Süchte. Man raucht und raucht, man säuft und säuft. Und man kommt nie an, hat immer das Gefühl, dass etwas fehlt.

    Und dann lässt man etwas weg… und statt dass jetzt noch mehr fehlt, hat man etwas gewonnen.

    Katro


  • Man raucht und raucht, man säuft und säuft. Und man kommt nie an, hat immer das Gefühl, dass etwas fehlt.

    Und dann lässt man etwas weg… und statt dass jetzt noch mehr fehlt, hat man etwas gewonnen.

    Wunderschön ausgedrückt *lächelt*

  • Genau diese zwei Sätze sollte ich mir echt irgendwo hintackern. :)

    Sehr schön.

    „Erfolg ist nicht auf Erfolg aufgebaut. Er ist auf Fehlern aufgebaut. Er ist auf Frustration aufgebaut. Manchmal ist er auf Katastrophen aufgebaut.“

  • Monat 24 ohne Rausch hat begonnen.

    Ich zähle zwar schon lange nicht mehr ungeduldig die Tage, die ich seit meinem Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit rauschfrei er- und verleben darf. Aber ich weiß noch ganz genau, wann die Entscheidung fiel.

    Es war der 4. Mai 2012.

    Das Ausstiegsdatum war nicht von langer Hand geplant, ist aber gut zu merken. Denn am 5.5. -dem ersten Tag der verbleibenden Tage meines Lebens, die ohne Rausch zu Ende gehen werden- bildeten Monat und Tag zusammen pikanterweise eine Schnapszahl.

    Ich denke, wenn man im Kopf mit dem alten Leben wirklich abgeschlossen hat, ist der Entzug mit seinen mehr oder weniger unangenehmen Begleiterscheinungen einfach nur eine unvermeidbare Folge der getroffenen Entscheidung. Zu diesen Begleiterscheinungen gehören auch all die netten Bild- und Filmchen, die von der noch vorhandenen Sucht in unseren Köpfen abgespielt werden. Sie sind Teil der Vergangenheit und sollen dort auch bleiben.
    Mit dem jetzigen und zukünftigen Leben haben sie nichts zu tun und teilen deshalb das Los aller alten Dinge, die in Vergessenheit geraten und nicht mehr gepflegt werden.
    Sie verstauben.

    Katro

    P.S.: Während ich schrieb, kamen Erinnerungen hoch, Erinnerungen an meinen Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit. Irgendwann dachte und schrieb ich dort ähnliches. Und heute nach fast sieben Jahren kann ich feststellen, dass mein altes Raucherleben tatsächlich unter einer dicken Staubschicht begraben ist. Ich kann das, was ich als Süchtiger positiv empfunden habe, nicht mehr als Empfindung abrufen, sondern mir nur noch gedanklich vorstellen. Aber auch das Negative ist nur noch rein gedanklich abrufbar.
    Der Frust ist weg.
    Doch die Freude über den Ausstieg bleibt.

  • Hallo Katro!

    Ich freue mich sehr für Dich und zwei gewonnene Lebensjahre..... 44.!!!!!!

    Für mich stelle ich nach wenigen Wochen (etwa 3) fest,
    dass sich diese Wochen vom relativen Empfinden her eher wie Monate anfühlen...
    Geht es Dir auch so dass Du die Lebenszeit nun etwas intensiver empfindest?

    Ganz liebe Grüße,
    und nicht etwa wegens irgend einem Anlass sondern einfach mal so
    IMMER die besten Wünsche!

    LIS

  • Hallo Katro,
    Du schreibst gut - schön - ich beneide Dich darum, dass Du Dich so gut ausdrücken kannst.
    Und ich kann vieles "unterschreiben".

    Genieße weiterhin Deine Erkenntnisse - Dein Rauch - und Alkoholfreies - dein freies Leben.

    Gruß - Britta

  • Danke Britta.

    Nicht mehr trinken und nicht mehr rauchen zu müssen, ist tatsächlich etwas, das die Lebensqualität so sehr steigert, dass man es einfach genießen muss.
    Sich nach einer Droge zu sehnen, ist nur so lange möglich, wie die durch die Droge hervorgerufene Gehirnwäsche funktioniert. (Das mit der Gehirnwäsche ist ein Gedankengang von Allan Carr. Und ich stimme dem voll und ganz zu.)

    Sobald die Gehirnwäsche aufgelöst ist, spürt man zwar nach wie vor den Entzug der Droge. Man bewertet ihn aber anders. Da wird nichts entzogen, was zum glücklichen Leben notwendig ist, sondern etwas, das vom glücklichen Leben abhält, aber von dem durch langjährigen Gebrauch der Droge an den Stoff gewöhnten Körper sowie von der getäuschten Seele erst nach und nach mit dieser Erkenntnis in Einklang gebracht werden kann.

    Durch das physische und psychische Tal, das der Entzug der Droge nach sich zieht, muss man wahrscheinlich einfach durch.

    Katro

  • Ach Katro........
    Kannst du auch mal los lassen?
    Froh sein und los lachen?

    Su

  • Was bringt es dir, wenn ich jetzt mit ja oder nein antworte, Ennasu?
    Falls dich aber echtes Interesse leiten sollte, hier die ehrliche Antwort: Ja.
    Ich lache sogar sehr gerne. Beim Thema Alkohol und Zigaretten reicht es allerdings nur noch für Galgenhumor.

    Viele Grüße
    Katro

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